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  • Vielleicht ist es gut, sich einmal wieder das Ziel der Beendigung von Gier, Hass und Verblendung vor Augen zu führen. Wohin führt es, wenn Gier, Hass und Verblendung aufhören? Ins Nicht-Sein, in den ewigen Tod? In die Leidlosigkeit des Nichts, weil alles, was ist, leidhaft ist?


    Samyutta Nikaya 43.14 - 44


    Zitat


    "Zeigen will ich euch, ihr Mönche:


    (14) das Trieblose, (anāsava)

    (15) die Wahrheit, (sacca)

    (16) das Transzendente, (pāra)

    (17) das Feine, (nipuṇa)

    (18) das gar schwer zu Sehende, (sududdasa)

    (19) das Unverwelkliche, (ajajjara)

    (20) das Bleibende, (dhuva)

    (21) das Unauflösliche, (apalokita)

    (22) das Unsichtbare, (anidassana)

    (23) das nicht Abgesonderte, (nippapañca)

    (24) das Stille, (santa)

    (25) das Todlose, (amata)

    (26) das Erlesene, (paṇīta)

    (27) das Glück, (siva)

    (28) den Frieden, (khema)

    (29) die Durstversiegung, (taṇhākkhaya)

    (30) das Erstaunliche, (acchariya)

    (31) das Außerordentliche, (abbhuta)

    (32) das Notlose, [sichere, gesunde, heile] (anītika)

    (33) das notlose Ding, (anītikadhamma)

    (34) die Wunschlosigkeit, (nibbāna)

    (35) das Unbedrängte, (abyāpajjha)

    (36) die Entreizung, (virāga)

    (37) das Lautere, (suddhi)

    (38) die Erlösung, (mutti)

    (39) das Haftlose, (anālaya)

    (40) das Eiland (dīpa)

    (41) die Geborgenheit, (leṇa)

    (42) den Schutz, (tāṇa)

    (43) die Zuflucht, (saraṇa)

    (44) das andere Ufer, das Ziel, das Ende (parāyana)


    und den dorthin führenden Pfad. Das höret!


    Was ist dies nun? Was da

    • Versiegung von Reiz, (rāga)
    • Versiegung von Abwehr, (dosa)
    • Versiegung von Verblendung (moha)

    ist, das ist dies.

    Und was ist der dorthin führende Pfad?

    • Auf den Körper gerichtete Achtsamkeit,
    • Ruhe und Klarsicht,
    • die sechsfache Einigung,
    • die 7 Heilsdinge.

    Das nennt man den dorthin führenden Pfad.

  • Hallo Wolfgang.


    Zitat

    Wie können wir also im Glücksmoment die Anhaftung ablegen, wenn sie schon vor dem Glücksmoment da ist und immer da ist in unserem Leben?


    Man kann die Anhaftung im Leben ablegen, zum Beispiel durch folgenden Ratschlag:


    Udana 1,10; Übersetzung: Hermann Oldenberg; S. 289 ff


    Zitat

    „So mögest du denn, Bahiya, dich in dieser Betrachtung üben: ‘Siehst du, so kann das nur Sehen sein. Hörst du, so kann das nur Hören sein. Denkst du, so kann das nur Denken sein. Erkennst du, so kann das nur Erkennen sein. In dieser Betrachtung, Bahiya, mußt du dich üben. Und wenn es beim Sehen, Bahiya, für dich nur Sehen gibt, und beim Hören für dich nur Hören gibt, und beim Denken für dich nur Denken gibt, und beim Erkennen für dich nur Erkennen gibt, dann bist du, Bahiya, nicht hier; wenn du nicht hier bist, Bahiya, dann bist du, Bahiya, nicht hienieden, nicht drüben, nicht dazwischen. Das ist des Leidens Ende."


    Viele Grüße


    Thorsten

  • Udānapāḷi I

    Fritz Schäfer

    "Was das angeht, Bāhiyer, kannst du dich so üben: 'Gesehenes gelte dir nur als Gesehenes, Gehörtes nur als Gehörtes, sinnlich Erfahrenes nur als sinnlich Erfahrenes, Erkanntes nur als Erkanntes.' So kannst du dich üben, Bāhiyer. Wenn dir Gesehenes nur als Gesehenes, Gehörtes nur als Gehörtes gelten wird sinnlich Erfahrenes nur als sinnlich Erfahrenes, Erkanntes nur als Erkanntes, dann, bist 'du' nicht 'dort' Bāhiyer, dann ist 'das' nicht 'deine' Sache, dann Bāhiyer, bist 'du' weder 'hier' noch 'jenseits' noch 'dazwischen': Das eben ist das Ende des Leidens. "[18]

    [18] Wenn der Geist nicht durch wertendes Benennen und Ausspinnen über das hinausgeht, was, sachlich betrachtet, bei der Wahrnehmung allein vor sich gegangen ist - das Aufeinandertreffen eines der sechs durch früheres Wirken gewirkten Außengebiete mit einem der sechs durch früheres Wirken gewirkten dranggeladenen Innengebiete - dann wuchern "Ich-" und "Welt-"Wahn und damit Treffbarkeit nicht mehr weiter.

  • Ihr seid mal wieder bei der Entsagung angelangt.


    "Gesehenes gelte dir nur als Gesehenes, Gehörtes nur als Gehörtes ........"

    Hier gibt es eben nicht die Qualifikation: Gesehenes führt zu Glück. Gesehenes ist bloß Gesehenes und kein Glücksmoment. Das will meines Erachtens der Buddha damit sagen und deshalb steht im Sutta auch weiter:


    Zitat

    Als der Bāhiyer Dāruciriyo vom Erhabenen diese kurze Lehrdarlegung erhalten hatte, wurde sein Herz ohne Anhangen von Beeinflussung frei.........."Mönche, weise war der Bāhiyer Dāruciriyo, der Lehre ist er lehrgemäß nachgefolgt, er hat mir bei der Lehre keine Mühe gemacht: vollkommen erloschen ist der Bāhiyer Dāruciriyo. "[20]


    Wenn jemand dagegen denkt: "durch diese Übung will ich Glücksmomente erlangen, durch "Gesehenes gelte dir nur als Gesehenes, Gehörtes nur als Gehörtes" will ich glücklich werden" - dann wird er diese Einsicht nicht erlangen. Man muss schon vorher Entsagung entwickeilt haben, d.h. kein Glück mittels der Sinnesfelder erlangen wollen.


    "ohne Anhangen von Beeinflussung frei" ist weder weltliches Glück noch Leid, sondern die Freude der Entsagung.


    Viele Grüße

    Rudolf

  • Hallo Rudolf (oder Wolfgang)?


    Durch Versiegen von Anhaftung, Ablehnung und Verblendung wird etwas sichtbar, das der Buddha so beschrieben hat:

    Zitat

    das Trieblose, (anāsava), die Wahrheit, (sacca), das Transzendente, (pāra), das Feine, (nipuṇa), das gar schwer zu Sehende, (sududdasa), das Unverwelkliche, (ajajjara), das Bleibende, (dhuva), das Unauflösliche, (apalokita), das Unsichtbare, (anidassana), das nicht Abgesonderte, (nippapañca), das Stille, (santa), das Todlose, (amata), das Erlesene, (paṇīta), das Glück, (siva), den Frieden, (khema), die Durstversiegung, (taṇhākkhaya), das Erstaunliche, (acchariya), das Außerordentliche, (abbhuta), das Notlose, [sichere, gesunde, heile] (anītika), das notlose Ding, (anītikadhamma), die Wunschlosigkeit, (nibbāna), das Unbedrängte, (abyāpajjha), die Entreizung, (virāga), das Lautere, (suddhi), die Erlösung, (mutti), das Haftlose, (anālaya), das Eiland (dīpa), die Geborgenheit, (leṇa), den Schutz, (tāṇa), die Zuflucht, (saraṇa), das andere Ufer, das Ziel, das Ende (parāyana).



    Ein Weg dorthin besteht in folgender Praxis:

    Zitat

    Wenn dir Gesehenes nur als Gesehenes, Gehörtes nur als Gehörtes gelten wird sinnlich Erfahrenes nur als sinnlich Erfahrenes, Erkanntes nur als Erkanntes, dann, bist 'du' nicht 'dort' Bāhiyer, dann ist 'das' nicht 'deine' Sache, dann Bāhiyer, bist 'du' weder 'hier' noch 'jenseits' noch 'dazwischen': Das eben ist das Ende des Leidens.


    Das üben wir in der ZEN-Praxis.


    Viele Grüße


    Thorsten


    P.S.


    Hir ist noch ein schöner Artikel, den ich gestern Abend gefunden habe.

  • Es könnte aber auch ein Hinweis sein damit ich wieder aus meiner Anhaftung aussteigen kann. Gesehenes soll mir als nur Gesehenes bewusst werden, damit ich wenn ich mich an Gesehenes anhafte durch zuneigen, abneigen, nicht sehen wollen, das es nur Gesehenes ist.


    Das sehen von Gesehenem soll ich erkennen als Gesehenes, aber befriedigen muss ich das sehen, denn das ist dem Menschen gegeben. Ich darf mich nicht so verhalten als ob das sehen von Gesehenem ein Manko ist. Das sehen von dem was ich nur sehen will, ist der Mangel. Ist das Anhaften an dem Sehen was mir lieb ist, was mir zuwider ist, was ich sehen aber nicht so wahrnehmen will wie es ist.


    Der Buddha sagt nie etwas Extremes. Oft muss man das andere Extrem erkennen wollen um den von Buddha gezeigten mittleren Weg erkennen zu können. Das Zu viel erkennen ist meist durch das Erkennen des anderen Extremes Zu wenig. Beides kann nicht so sein wie ich es sehe, denn im Universum gibt es nie zu viel und nie zu wenig. Wenn mit etwas zu viel oder zu wenig ist kann nicht das daran Schuld sein das ich sehe sondern es kann nur mein Anhaften sein.


    Das Empfinden, sowohl Gefühl als auch Ertasten, soll mir als Empfinden gelten, nichts weiter. Damit ich mich nicht an mein Bewerten festhalte, aber mich auch nicht dem Wohlsein, dem Unwohlsein, dem Indifferent sein entziehen, mich diesem hingebe oder es als nicht seiend betrachten. Mein Wohlsein, Unwohlsein, Indifferent-sein ist ja Erleben. Was ich betrachten kann ist seiend, egal was ich glaube.


    Andererseits werde ich dann auch dahin geführt das es eben weil ich etwas sehe auch bedeutet das nur ich es sehe und nur ich das Gesehene als Gesehenes betrachten kann. Das das was gesehen ist nur in meinem Geist Wirken erscheint und darum Erlebt wird. Das Erfahren das es mein Geist Wirken ist das das Gesehene mich Erleben lässt. Es gibt auch ein befreien von Erleben, es ist das Es ist wie es ist und es gibt ein befreien vom Es ist wie es ist, es ist Nibbana.

  • Das üben wir in der ZEN-Praxis.

    Üben kann man das.


    Aber nach dem was ich bis jetzt gehört und gelesen habe, kommt man zur Entsagung, wenn man die Leidhaftigkeit Samsaras gemäß der Drei Leiden erkannt hat, realisiert hat, verinnerlicht hat. Einen anderen Weg, z.B. bloß durch bloße Meditation über das Gesehene, gibt es nicht. Noch nicht einmal die Erkenntnis der Leerheit allein führt zur Entsagung.


    Wenn man die nicht hat, ist jedes angenehme Gefühl in der Meditation nur Schein-Erlösung. Siehe Systematisches Studium des Buddhismus im Tibetischen Zentrum, Hamburg: wer zu lange ohne Entsagung meditiert wird als langlebiger Gott im Formlosen Bereich wiedergeboren. Und wenn die Kraft dieses Karmas aufgebraucht ist, fällt man wieder hinunter in niedere Regionen. So geht es auch den Göttern im Sinnlichen Bereich.



    P.S.

    Ich heiße Rudolf in diesem Forum.

    Wenn du mich Wolfgang nennen willst aufgrund deiner Assoziationen kannst du das gerne machen. ;)

    Das stört mich nicht. „Namen sind Schall und Rauch“ - O je, vielleicht hat das auch schon mal ein Wolfgang irgendwo anders zitiert?

  • Schein mir das Extrem zu sein, nur durch Meditation, mit dem Satz des Buddha: Die Lehre ist nicht allein durch Denken zu erkennen.

    Was ist das andere Extrem, nur durch erlebendes handelndes Erfahren, ohne jedes Denken, ohne geistige Reflexionen. Die Lehre muss sowohl mit dem Geist als auch mit dem Körper geprüft werden. Wobei nur Meditation wohl nicht als körperlich tätig sein gesehen werden kann.

  • Nun ja, Du hast in einer Deiner Antworten hier mit Wolfgang unterschieben. Das hat gewisse Erinnerungen wachgerufen. ;-)


    Es gibt einen wichtigen, unterstützenden Faktor bei der Entsagung bezüglich der drei Geistesgifte: Das ist der Widerwille. Nur wie kommt der Widerwille zustande? Durch Freude! Welche Freude? Die, welche die Voraussetzung des Seelenfriedens ist. Der wiederum ist Voraussetzung für...


    Zitat

    die Freude zur Voraussetzung hat der Seelenfriede;

    den Seelenfrieden zur Voraussetzung hat die Wonne

    die Wonne zur Voraussetzung hat die geistige Sammlung;

    die geistige Sammlung zur Voraussetzung hat das Wissen und Schauen der (Dinge in ihrer) Wirklichkeit;

    das Wissen und Schauen der (Dinge in ihrer) Wirklichkeit zur Voraussetzung hat der Widerwille;


    Die innere Freude ist – wie oben dargestellt – eine wesentliche Voraussetzung für die geistige Sammlung, die dann ein Wissen über die Dinge in ihrer Wirklichkeit ermöglicht. Dadurch kommt die Erkenntnis der relativen Leidhaftigkeit der Wirklichkeit zustande. Leidhaft ist die Wirklichkeit durch die drei Geistesgifte. Wie ist die Wirklichkeit, wenn die drei Geistesgifte versiegt sind? Sie ist das...


    Zitat

    das Trieblose, (anāsava), die Wahrheit, (sacca), das Transzendente, (pāra), das Feine, (nipuṇa), das gar schwer zu Sehende, (sududdasa), das Unverwelkliche, (ajajjara), das Bleibende, (dhuva), das Unauflösliche, (apalokita), etc....


    Allerdings ist das ein Prozess, in dem durch eine bestimmte Form der Freude (die Voraussetzung für Seelenfrieden ist) allmählich in der Praxis die Skala davon, was Glück und was Leid ist, verschoben wird. Da Glück und Leid ohnhin relative Begriffe sind, wird durch Erkenntnis in der Wahrnehmung immer mehr zu Leid, was zuvor Glück bedeutet hat. Diese Transformation dauert lange, und sie ist durch zunehmendes Glück und zunehmende Befreiung von Abhängigkeiten begleitet.


    Die Meditation die der Buddha Bāhiyer empfohlen hat, und die wir auch im Zen verfolgen, erzeugt Freude, und zwar eine, die Seelenfrieden hinterlässt. Manchmal gelingt auch der nächste Schritt, die Wonne. Viel seltener aber um so eindrücklicher kommt die geistige Sammlung in Sicht.


    Und zu was führt diese Freude? Sie relativiert die Quellen des Glücks, die sich auf äußere Dinge, Gegebenheiten oder Zustände beziehen. Sie setzt einen neuen Maßstab an Freude, der dazu führt, dass ich bisherige Quellen der Befriedigung, der Begierde als sinnlos und mit Widerwillen betrachte. Mit der Erfahrung der wachsenden inneren Freude (die einen Frieden in der Seele hinterlässt), erscheint die Welt des Konsums beispielsweise immer unsinniger, anstrengender und unbefriedigender. Ich entsage dieser Welt des Konsums aus freien Stücken, weil ich durch die Erfahrung der Freude und des Friedens in der Meditation, Widerwillen entwickelt habe. Das ist meine bisherige Erfahrung. Weiter bin ich noch nicht. Da ist noch sehr, sehr viel Luft nach oben. Aber das wenige, was ich bisher erfahren habe, hat mein Vertrauen in die buddhistische Lehre sehr gefestigt.


    Viele Grüße


    Thorsten