Leerheit und Nirvana

There are 16 replies in this Thread. The last Post () by Horin.

  • Wenn ich es geschafft habe mich von dem ganzen Leid und allem Dasein zu befreien, herrscht ja nur noch Leere, was, soweit ich es verstanden habe, keine Eigenexistenz für sich ist. Aber wenn der Zustand dieser absoluten Leere herrscht, kann ich es mit dem Nirvana gleichsetzen?

    Die Buddhalehre kennt keine absolute Leere, weder Sunnata noch Nirvana sind absolute Leere.


    Was sunnata betrifft, möchte ich einige Ausführungen aus dem Buch Kernholz des Bodhibaums zitieren, die zu einem grossen Teil teile:

    Zitat

    Ajahn Buddhadasa sagte, "Wenn man suññata - übersetzen muss, ist Leerheit die beste Wahl. Leere ist zu nah am Nichts (natthita-ditthi). Dieser Begriff würde die Bedeutung völliger Nichtigkeit aufgrund absoluter Leere haben. Suññata - bezeichnet aber nicht ein absolutes Nichts oder eine völlige Nichtigkeit. Suññata - bedeutet einfach, leer von atta - (Selbst) zu sein. Im Pali haben wir hier zwei verschiedene Begriffe: suññata - und natthita. Die sollte man nicht durcheinanderbringen. Wenn suññata - das Nichts wäre, dann wäre es unbrauchbar und ohne Nutzen. Dann wäre es kein Aspekt des Dhamma. Leerheit ist andererseits eine besondere Abwesenheit, ein Nichtvorkommen. Sie kann nicht völlig leer von allem sein. Wir gehen davon aus, dass Leerheit von etwas bedingt oder auf etwas bezogen ist, also müssen wir erklären, wovon die Leerheit leer ist. "Leere" scheint alles zu vermissen, ein absolutes Nichts zu sein, wohingegen die "Leerheit" nur von dem von uns spezifizierten Objekt leer ist. Im Falle Buddhas ist es das Leersein von einem Selbst.....


    …..Einfach ausgedrückt, in einem Moment der Leerheit sind alle Tugenden gegenwärtig: vollkommene Geistesgegenwart und Wissensklarheit (satisampajañña), vollkommenes Schamgefühl in Bezug auf unheilsame Taten (hiri), vollkommene Scheu davor Unheilsames zu tun (ottappa), vollkommenes geduldiges Ertragen (khanti), vollkommene Sanftheit (soracca), vollkommene Dankbarkeit (kataññu-katavedi -) und vollkommene Wahrhaftigkeit (sacca). Und in der Leerheit ist auch wirklichkeitsgemässes Sehen und Wissen (yathabhutañanadassana), die Ursache der Ausreifung des Pfades und des Erlangens von Nibbana, vorhanden...…


    ….Innere Leerheit (suññata), bedeutet wahrhaft normal und natürlich zu sein, einen Geist zu haben, der nicht zerstreut und verwirrt ist. Jeder, der das erlebt hat, weiss das wirklich zu schätzen. Wenn sich die Leerheit zu ihrem höchstmöglichen Ausmass entwickelt hat, der vollkommenen Freiheit [von Egoismus], dann ist das nibbana.

    "Der höchste Weg ist nicht schwer, nur ohne Wahl. Hasse nicht, liebe nicht, und es ist klar und eindeutig"

  • .... der Ausreifung des Pfades und des Erlangens von Nibbana,...…


    ….Innere Leerheit (suññata), bedeutet wahrhaft normal und natürlich zu sein, einen Geist zu haben...


    Wenn sich die Leerheit zu ihrem höchstmöglichen Ausmass entwickelt hat, der vollkommenen Freiheit [von Egoismus], dann ist das nibbana.[/lz]

    Ich dachte es gäbe keine Geisteszustände, geschweige denn überhaupt einen Geist im nibbana?

  • ... Geisteszustände, geschweige denn überhaupt einen Geist im nibbana

    ... Hand aufs Herz: ohne Geist wirds schwierig zu denken; ... auch Buddha benötigte seinen Geist nach der Erleuchtung noch dringend, um seine Lehren unters Volk zu bringen. ... (und zudem gibt es ja auch nicht nur unheilsame Geistesfaktoren ...)


    Schau mal: Nirvana in den unterschiedlichen buddhistischen Systemen — Study Buddhism


    LG mkha'

  • Ok, also ich versuch es nochmal. Habe mich verzettelt 😅🤦🏼‍♂️


    Im tibetischen Buddhismus wird der klare Zustand des Geistes Leere genannt. Und von dieser Leerheit geht Samsara und Nirvana aus.


    Im Theravada Buddhismus ist die Leerheit das gleiche wie Nirvana, bloß das mit Leerheit/Nirvana der Geist und das Bewusstsein verschwinden.


    So richtig?

  • Also die Leerheit ist der klarste Zustand des Geistes? Also Buddha Natur?

    Würde ich nicht sagen. Ich verstehe aber weshalb du glaubst eine Buddhanatur der Leerheit sei Nibbana.

    Nibbana ist aber nur eine Bezeichnung für die Befreiung vom Anhaften : Deswegen ist es ja so schwer diese

    Lehre zu verstehen bzw. was sie bedeutet. Es bersteht ja keine Zugegörigkeit zu "Geist" oder irgend welchen

    Zuständen oder Dingen. So betrachtet ist Nibbana die Befreiung von der Verwicklung im Geist in seiner Welt.

  • Die sog. absolute Leere ist nicht leer sondern von höchster Weisheit und höchstem Mitgefühl erfüllt (wie es z.B.Samantabhadra mit Samantabhadri zueigen ist. Sie ist formlos und erschein daher als leer. Sie ist eine Art spirituelles Akasha. Wäre sie auch leer von sich selbst, so könnte sie nichts hervorbringen. Ihre erste Schöpfung ist der Vajra-Nada (Kongtrul) . Das Nirvana ist direkt unter ihr im Dharmakaya. Der Buddha lässt die Leere im Parinirvana hinter sich.

  • Wir sollten uns von der Leere als eine zugrunde liegende Quelle distanzieren, sonst gehts schnell in Atman/Brahman-Philosophie.. Leere ist in soweit nicht bedingt, weil sie kein Ding ist.

    Das ist, weil dies ist. Dies ist weil jenes ist. Die Dinge sind bedingt. Das Erkennen ist bedingt. Erwachen ist bedingt.. Alles was existiert ist bedingt...Samsara ist das haften, identifizieren an den Dingen und Formen (auch mentale Formen)(Unwissenheit) bzw Atmanglaube in die Phänomene (z.B. das ist mein, ich bin dies, ich bin Leere/Gott/Seele/das Nichts/Energie)...daraus entstehen Gier/Anhaftung und Aversion... Nirvana ist das erlöschen der Geistesgifte, die Dinge so sehen wie sie sind (Nicht dem Loswerden von Form)..somit ist das Erkennen(Erwachen) abhängig und bedingt, Nirvana jedoch nicht

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht