Buddhismus unter dem Regenbogen


There are 91 replies in this Thread. The last Post () by Schueler.

  • :sunny: Liebe Freunde im Dharma, :rainbow:


    in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift Buddhismus Aktuell erschien eine kleiner Artikel der Initiative "Buddhismus unter dem Regenbogen". Die Gruppe besitzt auch eine Homepage, auf der sich auch Ziele und eine Selbstdarstellung findet:


    Zitat

    Das Dharma ist zeitlos und für alle gleich, der Zugang ist es nicht. Menschen, die nicht sexuellen oder geschlechtlichen Normen entsprechen, haben in der Regel einen schmerzhaften Weg vor oder hinter sich, bis sie diesen Aspekt ihrer Existenz akzeptieren. Diese Akzeptanz wird als befreiend empfunden.

    Wir richten uns an alle buddhistisch Praktizierenden, die sich der lesbisch, schwulen, bi-, trans- inter-, asexuell oder wie auch immer bezeichnen.

    Wir glauben, dass die Erfahrung der eigenen Diversität wichtig ist. Ebenso ist es wichtig, gesellschaftlich vorgegebene Rollen- und Identitätskonstrukte zu reflektieren wir auch diejenigen, die sich alternativ dazu entwickelt haben.


    Es ist auch ein Treffen im Vorfeld des Einzelmitgliedertreffens der DBU kommenden Februar im Berlin geplant.


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    open the gate —

    all Buddhas and Bodhisattvas,

    all human beings and animals,

    all hungry ghosts and demons,

    all together dancing.

  • Früher gab es ja Versuche der "Freunde des Westlichen Buddhistischen Ordens" (FWBO) zur Anlaufstelle für Regenbogen-Buddhisten zu werden. Allerdings gab es in der Organisation ( die sich dann in "Triratna"

    unbenannte) Mißbrauchsskandale rund um den Gründer Sangharakshita - woraufhin man sich von dem Gründer trennte.

    Ein Punkt war auch, dass der Sangharakshita nicht nur Homosexualität als ebenbürtige Lebensform anerkannt wissen wollte, sondern sogar "in die andere Richtung übertrieb". Während für ihn Familie etwas war, was den Menschen fesselt, schien ihm homosexuellen Partnerschaften für die Spiritualität besonders geeignet. In der Nach- Sangharakshita wurde viel von der Regenbogen-Ausrichtung von Triratna weggenommen.


    Wenn nun der neue Versuch eines Buddhismus unter dem Regenbogens gestartet wird, dann wäre es bestimmt gut, sich diese früheren Versuche anzuschauen und daraus zu lernen. Es gibt ja da sogar noch eine Gruppe ( buddhistisches Tor ) in Berlin. Vielleicht gibt es da ja Menschen die eine interessante Gab Schichten über diese Versuche erzählen können.

  • Ich sehe das Problem nicht unter dem Regenbogen sondern darin das nicht erkannt wird das alles der Regenbogen ist.

    Ich bin schwul weil ich eben so bin, ich hab da nie eine Wahl gehabt. Vielleicht doch, denn ich glaube nicht an Bestimmung sondern an wechselseitige Abhängigkeit und bedingtes Entstehen. Eine Wahl hatte ich bestimmt, irgendwann auch eine Entscheidung getroffen die mir glauben macht so zu sein wie ich bin. Egal!!!!!

    Ich bin eine Farbe im Regenbogen und wenn jemand glauben möchte das er der Himmel ist und nicht der Regenbogen dann leide ich unter der Vorstellung das jemand glaubt der Himmel zu sein und der wird jede Farbe des Regenbogens nicht als seine Erkennen.


    Was mir gefällt ist das ich immer die Farbe wechseln kann, weil ich den Himmel als der Grund für alle Farben sehe aber eben nicht als DIE Farbe.

    Falls es jemanden interessiert, Sex interessiert mich nicht, wie sollte es auch wenn ich jemanden auf meiner Haut spüre usw. Mein Pech ist das ich nur ganz bestimmter Männer an meiner Haut spüren möchte. Auch egal ich finde sie immer weil sie auch mich finden und weil mir eben auch immer einer zur Zeit reicht.


    Natürlich hat das was mit Buddhismus und seinen Vorstellungen zu tun, aber Buddha zeigt und kann sich nur Kopschüttelnd abwenden. Buddhismus unter dem Regenbogen der Regenbogen unter dem Himmel und hinter dem Himmel??? Nichts ist dahinter alles nur so wie es ist.

    1) Alle Dinge und alle Gedanken sind in gegenseitiger Abhängigkeit bedingt Entstehend.

    2) Das ist nicht Mein, das ist nicht mein Ich, das ist nicht mein Selbst, das ist nicht mein Nibbana/Nirwana.

    Sinnsuche ist Sinngeben. Sinngeben ist Meinung. Meinung ist Leiden.

  • Früher gab es ja Versuche der "Freunde des Westlichen Buddhistischen Ordens" (FWBO) zur Anlaufstelle für Regenbogen-Buddhisten zu werden. Allerdings gab es in der Organisation ( die sich dann in "Triratna"

    unbenannte) Mißbrauchsskandale rund um den Gründer Sangharakshita - woraufhin man sich von dem Gründer trennte.

    Ein Punkt war auch, dass der Sangharakshita nicht nur Homosexualität als ebenbürtige Lebensform anerkannt wissen wollte, sondern sogar "in die andere Richtung übertrieb". Während für ihn Familie etwas war, was den Menschen fesselt, schien ihm homosexuellen Partnerschaften für die Spiritualität besonders geeignet. In der Nach- Sangharakshita wurde viel von der Regenbogen-Ausrichtung von Triratna weggenommen.


    Wenn nun der neue Versuch eines Buddhismus unter dem Regenbogens gestartet wird, dann wäre es bestimmt gut, sich diese früheren Versuche anzuschauen und daraus zu lernen. Es gibt ja da sogar noch eine Gruppe ( buddhistisches Tor ) in Berlin. Vielleicht gibt es da ja Menschen die eine interessante Gab Schichten über diese Versuche erzählen können.


    Lieber Void,


    wenn Dich die Ziele der Gruppe interessieren, dann wirf doch einen Blick in die aktuelle Ausgabe der "Buddhismus Aktuell" oder auf die Homepage. Ein wichtiges Ziel ist die Vernetzung, denn es gibt viele Initiativen und Retreats, die überhaupt nicht bekannt sind. Sehr Vieles tut sich gerade z.B. in der Thich Nhat Hanh-Tradition. Ich würde es auch wichtig finden, dass diese in der LSBT+ Community auch bekannt werden. Es geht also darum, Austausch und Orte der Begegnung zu schaffen.


    Ich glaube, dass ist etwas anderes als das was in Triratna passiert ist. Ich habe nur davon gelesen aber mit niemandem gesprochen. Ich persönlich sehe die Verbindung zwischen Sexualität und Spiritualität sehr kritisch, um es vorsichtig auszudrücken. Derzeit stehen wir vor einem unglaublichen Scherbenhaufen. Die Missbrauchsskandale der letzten Jahre (und Jahrzehnte) haben unglaubliches Leid ausgelöst und ganze Organisationen ringen um die Aufbereitung. Ich persönlich lege deswegen Wert auf die Sila, selbst wenn das für einige vielleicht altmodisch klingt.


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  • Eine Verbindung von Sexuellem Wohlfühlen und Spirituellem Wohlfühlen ist absolut unmöglich.

    Sexuelles Wohlfühlen ist so wirklich und körperlich das es keine Spirituell Gedankenspielereien zulässt.

    Spirituelle Gedankenspielereien erzeugen meiner Erfahrung nach nur gieriges irreales Verlangen an die Wirklichkeit.

    Jedenfalls waren meine Vorstellungen in der Realität mit Gefühlen verbunden die in der Spirituellen Welt nicht da waren weil da auch der andere mich nicht wirklich berührte. Berührt mich jemand ist alles spirituelle weg, im Nachhinein kann ein guter Manipulator (Guru) sehr oft Spiritualität erzeugen die nicht der Wirklichkeit entspricht, aber ein williges Opfer des Guru und seiner Gier nach Sex werden lassen.

    Weil es ja spirituell ist ist es auch keine Vergewaltigung!

    1) Alle Dinge und alle Gedanken sind in gegenseitiger Abhängigkeit bedingt Entstehend.

    2) Das ist nicht Mein, das ist nicht mein Ich, das ist nicht mein Selbst, das ist nicht mein Nibbana/Nirwana.

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  • Buddhismus unter dem Regenbogen der Regenbogen unter dem Himmel und hinter dem Himmel??? Nichts ist dahinter alles nur so wie es ist.

    Ich denke, dir gefällt die Idee der Abgrenzung und der Identitäten nicht - warum einen speziellen Buddhismus für LGBT? Will dann nicht jeder seinen Spezial-Buddhismus? Einen für Omas, einen für Punker, einen für Motorradfahrer und einen für Manager. Wo bleibt da der "wahre Mensch ohne Rang und Namen" wenn alles zersplittert und jeder sich sein Süppchen kocht?


    Aber eigentlich war doch die Bildung queerer Subkulturen immet nur eine Reaktion auf Ausgrenzung.

    Eigentlich will man ja als queerer Mensch nicht primär eine Identität sondern einfach nur einen Raum, wo man einfach so sein darf wie man ist ohne sich verstecken zu müssen. Wo es so normal ist einen Freund zu haben wie eine Freundin. Wo man keine Blicke der Verachtung fühlt sondern ein Klima der Akzeptanz und des Wohlwollens vorhanden ist. Abgrenzung ist nur eine Antwort drauf, dass das im Großen so schwer ist.


    Was mir gut gefällt, ist wenn so Geschäfte so eine Regenbogenflagge beim Eingang haben. So dass klar ismitdass da eine Normalität herrscht, die nicht aus grenzt sondern einschließt. RS braucht gar keine Sonderbehandlung sondern nur dass man in der Normalität ganz klar mit gemeint ist.


  • Du sprichst hier einige wichtige Punkte an. Die Emanzipation queerer Menschen beginnt immer mit Sichtbarkeit. Diese Sichtbarkeit begann nach Jahrhunderten von Jahren mit einem Symbol. Wenn es Dich interessiert, hier etwas zur Geschichte:


    Zitat

    Der Regenbogen wurde zuerst als Symbol für die LSBT+ Gemeinschaft in den USA in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts benutzt, als der berühmte schwule Politiker Harvey Milk (1930-1978) den Designer und Drag Queen Gilbert Baker (1951-2017) traf

    Am 8. November 1977 wurde Harvey Milk der erste offen schwule US Politiker, der ein politisches Amt bekleidete. Er wurde am 27. November 1978 ermordet. Milk war klar, wie wichtig es für die LSBT+ Gemeinschaft ist, ein positives Zeichen gegen Diskriminierung und Vorurteile zu setzen. Um dies zu erreichen, bat er Baker, ein neues Symbol zu kreieren, das den Rosa Winkel ersetzen soll. Dies war ein Markierungszeichen, das schwule Männer in Konzentrationslager der Nationalsozialisten tragen mussten. Baker ersetzte das Symbol der Unterdrückung durch die Regenbogenflagge: „Flaggen“, so meinte er, „sind ein Ausdruck von Stärke. Wir brauchen etwas Wunderschönes, etwas, das etwas über uns aussagt.“


    Die ersten Flaggen waren handgemacht und von Baker zusammen mit 30 weiteren Helfern genäht. Sie wurden am United Nations Plaza auf der San Francisco Gay Freedom Day Parade am 25 Juni 1978 öffentlich gezeigt. Baker erinnert sich so: „Es geht alles zurück zurück auf den ersten Moment, wo die erste Flagge 1978 gehisst wurde. Sie hoch zu halten, sie im Wind wehen zu sehen, so dass jeder sie sehen kann. Ich war erstaunt, dass Menschen diese Botschaft sofort verstanden, wie in einem Moment des Blitzschlags. Die Fahne gehörte uns allen. Es war einer der bewegendsten Moment meines Lebens. Weil ich wusste, es war das Wichtigste, was ich jemals tun würde – dass mein ganzes Leben sich um die Regenbogen Flagge drehen würde.“ (siehe A Brief History of the Rainbow Flag | San Francisco, CA)


    Regenbögen sind sowohl natürlich als auch schön und symbolisieren die Einheit in Verschiedenheit. Die ursprüngliche Fahne hatte acht Farben: Rosa (für Sexualität), gefolgt von Rot (für Leben), Orange (für Heilung), Gelb (für Sonne und das Strahlen), Grün (für Natur), Türkis (für Kunst und Kreativität), Indigo (für Harmonie) und violett (für Geist und Spiritualität).


    Den letzten Satz finde ich wichtig: Es geht um Einheit in Verschiedenheit. Es geht nicht darum, sich eine Identität anzueignen sondern zur erkennen, dass jeder queere Mensch sich in einem vielfältigen Spektrum wiederfindet. Und ich bin auch überzeugt, dass dies nicht nur für queere Menschen gilt. Wir sind alle irgendwo unterschiedlich, auch wenn wir teilweise dieselben Wurzeln haben und im Kern unser Dukkha identisch ist.-


    Du schreibst, dass Du die Regenbogenfahne an Geschäften gut findest. Ich finde das auch und will Dich auf eine Untersuchung hinweisen. In Ländern, die die gleichgeschlechtliche Ehe einführten, nahm die Rate der Selbstmordversuche unter Jugendlichen ab - und nicht nur der queeren Jugendlichen. Psychologen meinen, dass das Signal, dass die Gesellschaft Menschen, die nicht der Norm entsprechen akzeptiert, sehr weit wirkt. Auch diejenigen, die sich in Findungsphasen befinden, wie jeder Jugendliche es tut. Das Symbol für Diversität wirkt sehr stark.


    Du schreibst, ein queerer Mensch brauche nicht primär eine Identität sondern einfach nur einen Raum, wo man einfach so sein darf wie man ist ohne sich verstecken zu müssen. Ja: es braucht Sichtbarkeit und dann einen Ort, wo man sich treffen kann. Es sind Orte notwendig, in denen z.B. ein Mann mit einem anderen flirten kann. Es ist ja nicht so einfach, dass man einfach die nächstbeste Person ansprechen kann - das ist das Los einer Minderheit. Auf der anderen Seite machte diese Subkultur aber Emanzipation erst möglich: Coming Out-Gruppen, Beratung, die AIDS-Hilfe zu Zeiten der AIDS-Krise usw. Es war und ist auch ein Ort der gegenseitigen Hilfe, wenn z.B. jemand aus dem Elternhaus geschmissen wurde. Aber es war nie das erklärte Ziel der queeren Community, sich in diesen Orten zurückzuziehen. Sie wollten in dieser Gesellschaft leben, sie wollten dieselbe Rechte und z.B. auch die Ehe. Die Subkultur sehe ich als ambivalent. Es ist ein Ort des Rückzugs, der Begegnung aber auch des Aufbruchs.


    Das, was Du "Identität" nennst, enthält zwei Aspekte. Das eine ist das, was unser Geist sucht. Er neigt dazu, sich Konzepte zu eigen zu machen und sich Identitäten zu konstruieren. Es gibt aber auch das, was in einem steckt und das sich eben nicht mal auswechseln lässt. Und für manche ist die Selbstakzeptanz immer noch ein Prozess, der mit vielen Schmerzen verbunden ist. Für manche ist es einfacher geworden, z.B. für den weißen, schwulen Mann, der der Mittelschicht angehört. Für andere ist es leider nicht so.


    Entschuldige, dass ich so oberlehrerhaft schreibe. Ich habe nicht geschrieben, dass ich einen queeren Buddhismus will. Die ganzen Initiativen wie z.B. die Rainbow-Sangha in Plumville (siehe die Geschichte von Mick), die LSBT+ Retreats im EAIB haben ein ganz anderes Ziel. Es sind Orte des Friedens, wo Vieles möglich ist: Selbstakzeptanz, aber auch Reflektion seine Rolle und seines Verhaltens z.B. als schwuler Mann in einer Szene, die in Teilen auch von Oberflächlichkeit geprägt ist. Es sind auch Orte, wo Menschen, die noch keinen Bezug zum Buddhismus haben, Kontakt zur Spiritualität finden. Es sind aber auch Orte für Menschen, in denen man auf spezielle Bedürfnisse eingehen kann. Ein interesexueller Mensch hat mir mal erzählt, dass es in Retreats auf schwierig ist, da es schon bei der Anmeldung beginnt. Wo kann man angeben "Ich bin trans/inter und möchte bei den Männern untergebracht werden"? Diese Schwierigkeiten setzen sich dann fort, da man immer etwas Besonderes ist und auch manchmal nicht verstanden wird.


    Ich entschuldige mich jetzt noch einmal, aber ich hoffe, es wird nun etwas klarer, worum es geht. Es geht nicht um Abgrenzung, sondern um eine Bereicherung, aus der hoffentlich neue Menschen den Buddhismus entdecken und diejenigen, die es entdeckt haben, sich in einer geschützten Gruppe auch mit Dingen auseinandersetzen kann, die man nicht lange und umständlich erklären muss sondern in der Peer-Group klar sind. Ich sehe das als Bereicherung des buddhistischen Lebens und keine Nische. Die meisten besitzen ja schon Sanghas, in denen sie (meist) offen leben. Ich hoffe, es wurde (trotz meiner umständlichen und vielen Worte) etwas klarer.


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    Edited once, last by Schueler ().

  • Ich denke, dir gefällt die Idee der Abgrenzung und der Identitäten nicht - warum einen speziellen Buddhismus für LGBT? Will dann nicht jeder seinen Spezial-Buddhismus? Einen für Omas, einen für Punker, einen für Motorradfahrer und einen für Manager. Wo bleibt da der "wahre Mensch ohne Rang und Namen" wenn alles zersplittert und jeder sich sein Süppchen kocht?


    Entschuldige, dass ich noch mal auf einen Punkt eingehen und das ist "Spezialbuddhismus". Es gibt tatsächlich etwas, was queeres Dharma genannt wird. Das sind aber keine Doktrinen, sondern inspirierende Geschichten, die nicht bekannt sind. Ich meine, dass auch sie gehört werden sollten. Deswegen erzähle ich drei von Mitgefühl und Weisheit und in denen Menschen bereit waren, die normativen Regeln ihrer Zeit hinter sich zu lassen und neue Lösungen zu finden, weil sie es für richtig erachteten.


    Man findet in der Vinaya die Geschichte von Mönchen und Nonnen, die man heute transgender nennen würde. Sie wollte in den Orden wechseln, zu dessen Geschlecht sich sich zugehörig sahen (Vin III. 35). Buddha war nicht schockiert sondern er hörte ihnen zu und entschied sich dann für eine Lösung, die sie einfach in die Sangha ihrer Wahl wechseln zu lassen.


    Es ist unbekannt, dass die ersten gleichgeschlechtlichen Hochzeiten in buddhistischen Tempel gefeiert wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg wandten sich gleichgeschlechtliche Paare an die Tempel von Amida-Shu. Im Shin-Buddhismus wies man niemanden ab, der sich mit einer ernsthaften Bitte an sie wand. Auch, wenn die Paare nicht Mitglied der Sangha waren, war klar, dass man ihnen helfen wollte. Genauso wie Buddha Amitabha niemanden abweist, wollte man es auch nicht tun.


    Das erste AIDS-Hospiz in den Staaten wurde von Issan Dorsay Roshi gegründet. Er war vorher Sexarbeiter und Drag Queen und fand zum Buddhismus. Von ihm stammt der folgende Satz: „Ich weiß nichts über engagierten Buddhismus, ich weiß nur, wenn jemand hinfällt, helfe ich ihm auf.“


    "Queer Dharma" ist kein Spezialbuddhismus. Es ist gelebter Buddhismus, von dem wir lernen können. "Queer Dharma" ist nur ein Label, das dieses zusammenfasst, um es etwas sichtbarer werden zu lassen. Die buddhistische Geschichte ist vielfältig und umfasst weit mehr als ablehnende Stimmen z.B. von Asanga, Vasubandhu und, wenn ich mich richtig erinnere auch Buddhagosa und Nagurjuna.


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  • void Aber ich lebe doch so. In Räumen in denen ich sicher bin. Öffentlich als Schwuler, zwar ohne Abgrenzung durch Auftritt und Kleidung, aber jeder in meiner Umgebung weiß das ich schwul bin. Gerade das schützt mich. Dieses NormalOffenAnders.

    Ich bin Regenbogen mit allen anderen. Also nur für Ausgrenzer ein Besonderes, doch durch meine Art offen zu leben habe ich viele unerkannte Helfer die die Ausgrenzer in Schach halten. Ich werde durch die schweigenden Demokraten in der Nähe den mich für unnormal Haltenden geschützt, die sind wohl da und die zeigen sich auch aber sie wagen es nicht, die auch für sie nützliche soziale Ordnung, nachhaltig zu stören. Das führt zu meinem Schutz.


    Mein Problem wird offener je mehr Queer-Menschen organisierend auftreten müssen. Erst dann können sie nicht mehr so geschützt werden wie ich das für mich gemacht habe, weil auch die schweigenden Kräfte sich dann positionieren müssen obwohl sie das nicht wollen. Andererseits sind diese Organisierten Queer auch eine Stein im Fleisch des Normalen und weil sie organisiert sind lassen sie sich in ihrem Sein nicht mehr ausgrenzen. Wie Du richtig bemerkt hast führen sie auch zu einem besseren Schutz für mich und geben mir die Gelegenheit mehr Schützer zu bekommen. Mir waren immer die Nahen wichtig, weil ich nicht organisiert bin kann ich in der Nähe was tun das denen hilft dessen einzige Hilfe ist sich zu organisieren.


    Ich hab nichts gegen auch einen buddhistischen Teil! Würde mich vielleicht sogar interessieren. Wie Du weist bin ich nicht organisiert, eben weil ich wohl schwul bin als Person, aber ich kann ehrlicherweise immer nur ich sein und damit sehr unberechenbar bleiben.

    1) Alle Dinge und alle Gedanken sind in gegenseitiger Abhängigkeit bedingt Entstehend.

    2) Das ist nicht Mein, das ist nicht mein Ich, das ist nicht mein Selbst, das ist nicht mein Nibbana/Nirwana.

    Sinnsuche ist Sinngeben. Sinngeben ist Meinung. Meinung ist Leiden.

  • Nun, ich habe auch erst darüber nachgedacht zu schreiben, ob es sowas braucht. Ich war mir dann aber sicher, dass es vor allem eines nicht braucht: einen weißen hetero Mann, der der buddhistischen Queer Community erklärt, dass es das nicht braucht.


    Wir finden es doch auch wichtig, dass sich Buddhistinnen zusammenschließen, ich denke an die Töchter Buddhas. Das ist für uns selbstverständlich, da auch der Buddhismus eben sehr patriarchal geprägt ist. Aber genau wegen dieser patriarchalen Prägung sollte es auch für uns selbstverständlich sein, dass sich Queere Buddhistinnen und Buddhisten zusammenfinden.


    Für uns Heteros ist das Neuland, ich bin aber davon überzeugt, dass wir es in dem Rahmen, der uns möglich ist, Supporten sollten.

  • Na damit hab ich zum Glück derzeit kein Problem ich hab meinen Hetero Mann gefunden. In fester Bindung mit Kindern und sogar Enkeln. Ich bin nämlich auch noch ein Schwuler der eine gewisse Angst vor Schwulen hat, eine Furcht vor einem weiteren Outing. Witzig, ist erst nach dem Tod meines Mannes aufgetreten.

    1) Alle Dinge und alle Gedanken sind in gegenseitiger Abhängigkeit bedingt Entstehend.

    2) Das ist nicht Mein, das ist nicht mein Ich, das ist nicht mein Selbst, das ist nicht mein Nibbana/Nirwana.

    Sinnsuche ist Sinngeben. Sinngeben ist Meinung. Meinung ist Leiden.

  • Na damit hab ich zum Glück derzeit kein Problem ich hab meinen Hetero Mann gefunden. In fester Bindung mit Kindern und sogar Enkeln. Ich bin nämlich auch noch ein Schwuler der eine gewisse Angst vor Schwulen hat, eine Furcht vor einem weiteren Outing. Witzig, ist erst nach dem Tod meines Mannes aufgetreten.

    Gerade neu eingefallen: Das verhindert derzeit ein mich öffnen einer schwulen Gemeinschaft. Ich hab ganz einfach Angst vor einem weiteren Outing, eine Angst vor wieder verteidigen, schützen müssen. Bis Arnolds Tod waren wir für die Normalen ganz Normal. Doch jetzt ist da wieder Der Schwule, da muss man vorsichtig sein. Da muss ich Son recht geben: Ja auch ich fürchte mich vor Menschen wegen ihrer Glauben, Überzeugungen.

    1) Alle Dinge und alle Gedanken sind in gegenseitiger Abhängigkeit bedingt Entstehend.

    2) Das ist nicht Mein, das ist nicht mein Ich, das ist nicht mein Selbst, das ist nicht mein Nibbana/Nirwana.

    Sinnsuche ist Sinngeben. Sinngeben ist Meinung. Meinung ist Leiden.

  • Wir richten uns an alle buddhistisch Praktizierenden, die sich der lesbisch, schwulen, bi-, trans- inter-, asexuell oder wie auch immer bezeichnen.

    Wir glauben, dass die Erfahrung der eigenen Diversität wichtig ist. Ebenso ist es wichtig, gesellschaftlich vorgegebene Rollen- und Identitätskonstrukte zu reflektieren wir auch diejenigen, die sich alternativ dazu entwickelt haben.


    Warum sollte das wichtig sein?



    Zitat

    Ebenso ist es wichtig, gesellschaftlich vorgegebene Rollen- und Identitätskonstrukte zu reflektieren wir auch diejenigen, die sich alternativ dazu entwickelt haben.


    Auch hier: Warum sollte das wichtig sein?


    Oder anders: Was hat das mit dem Dharma zu tun?


    Ich sage es mal ganz flax daher:


    Ob du schwul bist, hetero, trans oder wie auch immer...die Lehre des Buddha bleibt gleich. Leid ist erfahrbar für Transsexuelle. Der Weg kann von asexuellen betreten werden. Die Schriften sind zugänglich, die Praxis auch.


    Ich denke, mit solchen Überlegungen wie hier getätigt, kommt man in völlig falsche Richtungen. "Queer Dharma". Alleine das Wort ist schon irreführend, da es suggeriert, es gäbe mehrere Dharmas.

  • Warum sollte das wichtig sein?

    Die Erfahrung der Diversität ist etwas essentielles bei der Ausübung von Akzeptanz. Wäre da nichts anderes, dann gäbe es nichts zu akzeptieren. Selbiges zählt für Mitgefühl. Ist dort nichts anderes, wem/was soll ich dann Mitgefühl entgegenbringen?

    Auch hier: Warum sollte das wichtig sein?


    Oder anders: Was hat das mit dem Dharma zu tun?

    Die Lehre Buddhas hat doch sehr viel damit zu tun, dass man u.a. darüber klar wird

    • woran man festhält
    • wieso man daran festhält
    • ob es überhaupt Wert ist, daran festzuhalten

    Unser miteinander in der Gesellschaft ist da, in meinen Augen, nicht ausgeschlossen. Die Praxis hört nicht auf, wenn ich vom Sitzkissen aufstehe.


    Ich denke, mit solchen Überlegungen wie hier getätigt, kommt man in völlig falsche Richtungen. "Queer Dharma". Alleine das Wort ist schon irreführend, da es suggeriert, es gäbe mehrere Dharmas.

    Dharma bleibt Dharma - auch wenn jeder eine andere Auffassung davon hat was es überhaupt genau ist. Wenn jetzt eine Queere Gruppe geboten wird, dann ist das erstmal nichts anderes als wenn ich mir in der Stadt die Zen-Gruppe, die Diamantweg-Gruppe und die Tibeter anschaue. Jede Gruppe hat gemeinsam zwar das selbe Ziel, aber doch auch ihre Spezialitäten.


    Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Über manches kann man sich besser in der einen, über anderes besser in der anderen Gruppe austauschen.

    _()_

    小金龍

    :zen:

    ཨོཾ་མ་ཎི་པདྨེ་ཧཱུྃ

  • Die Erfahrung der Diversität ist etwas essentielles bei der Ausübung von Akzeptanz. Wäre da nichts anderes, dann gäbe es nichts zu akzeptieren. Selbiges zählt für Mitgefühl. Ist dort nichts anderes, wem/was soll ich dann Mitgefühl entgegenbringen?


    Ja, aber dazu muss ich doch nichts über sexuelle Präferenzen etc. wissen.



    Wenn jetzt eine Queere Gruppe geboten wird, dann ist das erstmal nichts anderes als wenn ich mir in der Stadt die Zen-Gruppe, die Diamantweg-Gruppe und die Tibeter anschaue. Jede Gruppe hat gemeinsam zwar das selbe Ziel, aber doch auch ihre Spezialitäten.


    Ich denke, dass es etwas völlig anderes ist. Du wirfst ja hier Traditionen mit neumodischen Strömungen in einen Topf. Da könnte ich ja auch die "Gamer Buddhisten" gründen oder die "Pizza Liebhaber Buddhisten". Das eine hat doch mit dem anderen gar nichts zu tun.

  • Ich möchte doch nur das mich andere Menschen einfach so erkennen wie ich eben bin. Glaubt wirklich einer das ich so sein wollte? Ich wäre auch gern so normal und Überheblich wie die Normalen. Oder noch besser es gäbe so ein Gesetz das alle anders als normal Seiende einfach abgespritzt werden. Dann ist das super wichtige elementare Problem der Normalen das sie mit Diversität haben auch erledigt. Nur noch eine Gruppe Normaler.


    Was ist das eigentlich für ein arroganter Spruch der mir hier entgegen geschmissen wird, das ich gefälligst asexuel zu werden habe???

    Enschuldigt mal, aber dann sollte mir wohl schleunigst Dhamma und Buddhismus Scheiß egal sein.

    Übrigens ARYA DHARMA Entschuldigen hilft nicht mehr. Brauchst Du bei mir auch nicht. Bin den Weg über zwanzig Jahre gegangen. Hat aber nichts daran geändert was ich wie körperlich bin.

    1) Alle Dinge und alle Gedanken sind in gegenseitiger Abhängigkeit bedingt Entstehend.

    2) Das ist nicht Mein, das ist nicht mein Ich, das ist nicht mein Selbst, das ist nicht mein Nibbana/Nirwana.

    Sinnsuche ist Sinngeben. Sinngeben ist Meinung. Meinung ist Leiden.

  • Ja, aber dazu muss ich doch nichts über sexuelle Präferenzen etc. wissen.

    Erstmal nicht, da gebe ich dir recht. Dadurch, dass z.B. die sexuelle Präferenz (übrigens geht es im Queeren-Bereich nicht nur um sexuelle Präferenzen) von Teilen der Gesellschaft genutzt wird um "den Anderen" zu Schaden, ist es wichtig uns vor Augen zu führen, dass es diese Diversität gibt, und es eben nichts böses ist.

    Ich denke, dass es etwas völlig anderes ist. Du wirfst ja hier Traditionen mit neumodischen Strömungen in einen Topf. Da könnte ich ja auch die "Gamer Buddhisten" gründen oder die "Pizza Liebhaber Buddhisten". Das eine hat doch mit dem anderen gar nichts zu tun.

    Hat's das wirklich nicht? Ist der Tibetische Buddhismus nicht einer, der sich entlang der Tibetischen Kultur entwickelt hat? Hat sich Zen-Buddhismus unabhängig der Japanischen Kultur entwickelt?


    Die einzelnen Strömungen / Traditionen haben bestehende Systeme aufgegriffen, und haben sie genutzt um Dharma zu lehren. Wenn ich eine schöne Möglichkeit finde einem Gamer, der gerne Overwatch spielt, mit Hilfe eines Zitates aus dem Spiel die Lehre Buddhas zu verdeutlichen, weil es dort parallelen gibt, dann ist das doch ein valides Mittel.

    _()_

    小金龍

    :zen:

    ཨོཾ་མ་ཎི་པདྨེ་ཧཱུྃ

  • Übrigens ARYA DHARMA Entschuldigen hilft nicht mehr. Brauchst Du bei mir auch nicht. Bin den Weg über zwanzig Jahre gegangen. Hat aber nichts daran geändert was ich wie körperlich bin.


    Was hab ich dir denn getan? Wozu entschuldigen? Du kannst doch schwul sein, ich hab da weder ein Problem damit, noch interessiert es mich besonders. Wenn du dies aber erzählen möchtest, wer sollte dich daran hindern? Ich bestimmt nicht.



    Hat's das wirklich nicht? Ist der Tibetische Buddhismus nicht einer, der sich entlang der Tibetischen Kultur entwickelt hat? Hat sich Zen-Buddhismus unabhängig der Japanischen Kultur entwickelt?


    Da hast du Recht, sicherlich. Aber wir sprechen ja hier von der prägenden Kultur. So könnte man auch durchaus von einem deutschen Buddhismus sprechen, vielleicht in 100 Jahren. Aber wahrscheinlich verliert dann keiner ein Wort über einen "queeren Buddhismus". Aber noch mehr finde ich, dass Ausgrenzung eben selbst gemacht wird, indem man solche Nieschen eröffnet, denn da will man ja auch "unter sich" sein, was ich nicht verübeln kann. Aber ein asexueller oder was weiß ich kann doch in eine "normale" Gruppe gehen, wo ist das Problem?


    Für mich ist das eher so ein Ego Ding wo es um erzwungene Beachtung geht. Ich denke nicht (und das ist ja auch gut und recht so) dass Menschen mit XY Präferenzen in "normalen" Gruppen deswegen abgelehnt werden. Was ich damit sagen will: Es wird ein Faß aufgemacht, wo es überflüssig ist. Außer mir erzählt jetzt einer, dass er aus dem Zentrum XY rausgeworfen wurde WEIL er schwul etc. ist. Das wäre ein Problem. Aber findet so etwas statt? Vielleicht bin ich auch nur weltfremd, aber mir ist so etwas nicht bekannt.

  • Helmut hat reagiert wie er Dich empfunden hat. Ich hab ihn nicht gestoppt.

    1) Alle Dinge und alle Gedanken sind in gegenseitiger Abhängigkeit bedingt Entstehend.

    2) Das ist nicht Mein, das ist nicht mein Ich, das ist nicht mein Selbst, das ist nicht mein Nibbana/Nirwana.

    Sinnsuche ist Sinngeben. Sinngeben ist Meinung. Meinung ist Leiden.

  • Buddhismus existiert doch seit 2500 Jahren und zwar meistens in Gesellschaften die eher reaktionär war. Von daher stellt sich die Frage inwieweit der Dharma an sich humanistisch ist oder ob das eine moderne Projektion ist.


    Ich denke in vergangenen Zeiten war die meist die, dass man die Gesellschaft verlässt und in einen Bereich der Hauslosigkeit zieht. Buddhismus entfernt sich ein Stück von den Normen der Gesellschaft negiert diese aber nicht wirklich sondern bildet eher so ein Komplement. Ein Feld wohin man aus dem Spiel aussteigen kann - was aber das Spiel nicht verändern will.


    Im Japan der Edo Zeit war ja Homosexualität auch relativ verbreitet:

    Tokugawa Japan ranks with ancient Athens as a society that not only tolerated, but celebrated, male homosexual behavior. Few scholars have seriously studied the subject, and until now none have satisfactorily explained the origins of the tradition or elucidated how its conventions reflected class structure and gender roles. Gary P. Leupp fills the gap with a dynamic examination of the origins and nature of the tradition. Based on a wealth of literary and historical documentation, this study places Tokugawa homosexuality in a global context, exploring its implications for contemporary debates on the historical construction of sexual desire.

    Combing through popular fiction, law codes, religious works, medical treatises, biographical material, and artistic treatments, Leupp traces the origins of pre-Tokugawa homosexual traditions among monks and samurai, then describes the emergence of homosexual practices among commoners in Tokugawa cities. He argues that it was "nurture" rather than "nature" that accounted for such conspicuous male/male sexuality and that bisexuality was more prevalent than homosexuality. Detailed, thorough, and very readable, this study is the first in English or Japanese to address so comprehensively one of the most complex and intriguing aspects of Japanese history

    Aber mir kommt vor, dass man es eher als Teil einer Varität gesehen hat, von der es nicht nötig war sie groß zu thematisieren. Während im Christentum die heterosexuelle Ehe die Keimzelle der Gesellschaft angesehen wurden ( und deswegen Homosexualität als "widernatürliche" Antithese dazu galt) waren das in Japan eher nebeneinander liegende Varianten von Sexualität/Beziehung? Die gleich weit von der Entsagung entfernt waren.

  • Ausgrenzung eben selbst gemacht wird, indem man solche Nieschen eröffnet, denn da will man ja auch "unter sich" sein, was ich nicht verübeln kann. Aber ein asexueller oder was weiß ich kann doch in eine "normale" Gruppe gehen, wo ist das Problem?

    Ja, der Grat ist da schmal, dass man sich nicht selbst ausschließt, das stimmt schon. Da ist es vielleicht gut zu wissen, dass solche Queeren Gruppen üblicherweiße offen für alle sind, aber explizit einen besonderen Wert auf die Offenheit / Akzeptanz in Bezug auf Akzeptanz legen. Hier wird häufig von Queeren und Queer-Allys gesprochen. Das durch das Hervorheben von Unterschieden ein Die-gegen-Uns entstehen bzw. verstärkt werden kann sehe ich durchaus als großes Problem, denke aber, dass das hier gerade etwas das Thema sprengen würde.


    Ein möglicher Grund um nicht in eine "normale" Gruppe zu gehen können einfach die Gesprächsthemen sein die im Verlauf aufkommen. Dysphorie, Binder, Leiden an Regelschmerzen als Mann, Leiden unter Gliedschmerzen als Frau. Das sind Dinge über die es sich zumeist deutlich leichter sprechen lässt, wenn die Anwesenden mit den Themen vertraut sind - sozusagen in diesem Kontext bereits "aufgeklärt" sind.


    Für mich ist das eher so ein Ego Ding wo es um erzwungene Beachtung geht.

    Ne, das denke ich nicht. Es geht, meiner Erfahrung nach, den meisten Menschen einfach darum einen Platz zu finden, in welchem sie das Gefühl haben verstanden zu werden. Sie öffnen und ohne Angst sprechen können. Dieses offene Austausche ist, denke ich, eine wichtige Grundlage um die nächsten Schritte zu gehen und sich vielleicht auch von Dingen, an welchen man festhält, zu lösen. Klar, es wird auch immer Menschen geben, welche solche Gruppierungen nur zur Bestärkung des eigenen Egos nutzen.

    _()_

    小金龍

    :zen:

    ཨོཾ་མ་ཎི་པདྨེ་ཧཱུྃ

  • Buddhismus entfernt sich ein Stück von den Normen der Gesellschaft negiert diese aber nicht wirklich sondern bildet eher so ein Komplement. Ein Feld wohin man aus dem Spiel aussteigen kann - was aber das Spiel nicht verändern will.


    Und gerade das halte ich auch für ein Stärke. Der Buddhismus ist ja keine Machtphilosophie. Un in den gesellschaftlich-sozialen Themen geht es doch meist, wenn auch nicht bewusst, um Machtverhältnisse.


    Im Japan der Edo Zeit war ja Homosexualität auch relativ verbreitet:


    Ja, im Zen sowieso.


    Aber mir kommt vor, dass man es eher als Teil einer Varität gesehen hat, von der es nicht nötig war sie groß zu thematisieren. Während im Christentum die heterosexuelle Ehe die Keimzelle der Gesellschaft angesehen wurden ( und deswegen Homosexualität als "widernatürliche" Antithese dazu galt) waren das in Japan eher nebeneinander liegende Varianten von Sexualität/Beziehung?


    Sehr gut ausgeführt!


    Es nimmt der Lehre nichts, wenn man "anders" oder "normal" ist. In dem Beispiel von Christentum nimmt man aber etwas von den Grundfesten der christlichen Gemeinschaft, zumal auch der Apostel Paulus gemahnt hat: "Ein Mann solle nicht bei einem anderen Manne liegen". Wiederum derselbe hat aber die Ehe nicht empfohlen und zum "Single Dasein" geraten. Auch etwas abstrus, wenn man sich die christliche Familienordnung, mit dem Mann als "Oberhaupt" mal ansieht.

  • ich denke nicht, dass es einen "queeren Buddhismus" braucht.


    Ich stelle mir das Ziel dieser Initiative ganz bescheiden vor. Wenn man einer Minderheit angehört hat man konkret mit Anfeindung zu tun. Händchenhalten in einer Strasse reicht aus, dass einem mit Gewalt gedroht wird.


    Von daher geht es einfach nur darum, wie man den Leuten das ersparen kann. Es gibt ja Gegenden, wo man sich als Schwuler genau überlegen muss, in welches Fitnessstudio man sich anmelden kann, ohne dort Diskriminierung befürchten zu müssen. Wo man sich fragt: In welches Restaurant kann man gehen, ohne konkret Angst haben zu müssen.


    Und das betrifft dann auch buddhistische Gruppen. Da wäre es dann schön, wenn man sagen könnte: Der Buddhismus widmet sich der Überwindung von Gier und Hass und der Kultivierung von Geduld. Deswegen kannst du in jede buddhistische Gruppe gehen, ohne dort Anfeindung und Ablehnung erleben zu müssen. Aber ist das so?

  • Ein möglicher Grund um nicht in eine "normale" Gruppe zu gehen können einfach die Gesprächsthemen sein die im Verlauf aufkommen. Dysphorie, Binder, Leiden an Regelschmerzen als Mann, Leiden unter Gliedschmerzen als Frau. Das sind Dinge über die es sich zumeist deutlich leichter sprechen lässt, wenn die Anwesenden mit den Themen vertraut sind - sozusagen in diesem Kontext bereits "aufgeklärt" sind.


    Das kann ich nachvollziehen, könnte dazu auch nichts sagen als "Unaufgeklärter" :grinsen:



    Das durch das Hervorheben von Unterschieden ein Die-gegen-Uns entstehen bzw. verstärkt werden kann sehe ich durchaus als großes Problem, denke aber, dass das hier gerade etwas das Thema sprengen würde.


    Ja, es gibt halt dann diese Grunppendynamiken. Kann heilsam, aber auch unheilsam sein. Die Gefahr sehe ich darin, dass das Label "queere Buddhisten" so in Anspruch genommen wird, dass der alltägliche Buddhist ausgegrenzt wird. Oder man eine subtile Ablehnung verspürt:


    "Hi, du bist auch Buddhist?"

    "Ja schon länger"

    "Ein queerer Buddhist?"

    "Hm? Nee, ganz normal, folge der Lehre Buddhas"


    Verstehst du worauf ich hinaus möchte? Man verspürt eine Andersartigkeit, ein Gefühl des "Ah ok, der ist also nicht queer, dann kann ich mich nicht so intensiv mit ihm austauschen, schade". Obwohl dies ja nicht zwingend sein muss, denn eine Außenperspektive kann ja auch hilfreich sein.


    Meiner Überzeugung nach sollte "der Buddhist" sich über alle möglichen Themen unterhalten können. Das ist Offenheit. Wenn wir hingehen und 1000 Schubladen eröffnen, schafft dies Trennung. Die Vorteile von solchen Schubladen sind sicherlich da, aber was macht dies mit dem "Gesamtbuddhismus"? Manchmal wird es ja dann innerhalb solcher Schubladen dann abstrus, wenn LGBT Leute auf einmal gegen Schwule hetzen oder ähnliches. Dann fliegt dann (möglicherweise) ein Buddhist aus einer buddhistischen Gruppe, von der er dachte, dass sie ihn toleriert, aber die dann "aufräumt". Themen, die eine "normale" Gruppe wahrscheinlich gar nicht interessiert hätten, wie Beispiel Japan usw.