Buddhisten - religiös oder philosophisch?

There are 427 replies in this Thread. The last Post () by ARYA DHARMA.

  • Hallo,


    ich wollte gerne mal ein Thema besprechen, welches mir gerade hier im Forum aufgefallen ist. Und zwar hab ich den Eindruck, dass der Buddhismus, von vielen auch ernsthaft praktiziert, als religiöser Ansatz gesehen wird, inkl. aller Irrationalität, welche dort vorherrscht.


    Ich selbst komme von der philosophischen Richtung und interessiere mich daher für den philosophischen Ansatz, den ich im Palikanon finden kann, wenn auch mit manchen

    "religiösen Entgleisungen" - aber im Gesamten ist das ziemlich anspruchsvoll und macht Spaß.


    Was habt ihr für Erfahrungen? Seht ihr euch selbst als religiös an? Oder als Philosophen?


    Viele sagen "ich folge der Lehre Buddhas", aber was sie tatsächlich machen ist etwas zu befolgen, was ihnen von den Splittergruppen (ich nenne keine Namen, sonst werden wieder Beiträge gesperrt) beigebracht wurde.


    Ist das "zu extrem", wenn man persönlich nicht mit Sachen übereinstimmt, welche der Buddha nicht gelehrt hat, ja in vielen Fällen sogar untersagt hat?

    Oder ist das sogar als "dem Dharma gerecht leben" zu verstehen, da man ja den Dharma schützt, wenn man auf Entgleisungen hinweist?

  • Hallo Arya Dharma,

    ich sehe die Lehre Buddhas als Philosophie, denn eine Re-Ligion ist ja eine Rückführung zum Ursprung, zum Göttlichen. Die Lehre Buddhas aber ist eine nachvollziehbare und prüfbare - fast wissenschaftliche - Lehre.


    Außerdem sehe ich die "Sache von der Wiedergeburt" differenzierter als manch anderer Buddhist. Das kann meines Erachtens gar nicht falsch ausgelegt werden, wenn ich an die Lehre von der Leerheit dabei denke. Entweder ich als Monika bin nicht mehr oder aber doch. Eine im tibetischen Buddhismus überlieferte Lehre von der Seelenwanderung lehne ich ab.


    Früher habe ich - genau wie Accinca - auf "Entgleisungen", wie Du das nennst, hingewiesen und mich auch darüber gestritten.

    Aber das mache ich nicht mehr, denn es ist mir inzwischen zu intolerant. Ich selbst lebe ja nicht so ganz nach den Regeln. Ich esse Fleisch und trinke in Gesellschaft Wein. Außerdem benutze ich meinen vernunftbegabten Verstand und entscheide für mich - nicht für die anderen.

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Ist das denn wirklich eine Frage? Oder steht die Antwort für dich nicht fest. Also dass man den Dharma als eine Philosophie ansehen sollte und dass man auf religiöse und irrationale Entgleisungen hinweisen sollte um so den Dharma zu schützten?


    Dies ist ja ein Forum für Buddhismus. Und auf einer Ebene bedeutet es, ein Forum für all die Gruppen und Richtungen, die sich auf Buddha beziehen. Was jedoch wenn, man der Meinung ist, es gäbe eine richtige Interpretation des Buddhismus und vieles andere wären gefärliche Entwartungen. Wo sich das aufklärerische Potential des Buddhismus ins Gegenteil verkehrt hat, und man Aberglaube und Autorität das Wort redet.


    Was hier nicht geht ist, dass man anderen Richtungen abspricht, Buddhismus zu sein.

    Dieses Forum ist offen für alle buddhistischen Schulen und auch für Menschen, die sich keiner besonderen Schule verbunden fühlen. Wir üben Respekt und Toleranz im Umgang mit Vertretern anderer Schulen im Bewusstsein, dass es unterschiedliche Formen und Lesarten des Buddha-Dharma gibt, vom denen keine einen Anspruch auf absolute Gültigkeit und Deutungshoheit erheben kann.

    Was man natürlich machen kann, ist zu sagen, dass man bestimmte Formen des Buddhismus nicht akzeptiert und als seltsam oder abergläubisch erachtet.

  • Ist vielleicht doof, wenn ich als Ex-Buddhist was dazu schreib.
    Erstens denk ich, daß die Unterscheidung zwischen religiös und philosophisch ein wenig problematisch ist. Wenn man religiös im Sinne von "sich zurückwenden" meint, und nicht im Sinne von dogmatischer Lehre und Ritualen. Ich kenn die Unterscheidung auch im Daoimus, wo man auch zwischen philosophischen (Laozi, Zhuangzi, Liezi) und religiösen (innere Kultivierung) unterscheidet, wo ich aber auch sag, daß der philosophische mir religiöser erscheint als der religiöse. Es ist dann auch die Frage, sieht man Philosophie als Denkpraxis oder als Lebenspraxis.


    Was ähnliches lässt sich auch von Stoa, Heraklit und in deinem Fall auch von Diogenes sagen. Ist das reine Philosophie, oder schon eine Rückwendung? (Es gibt bei youtube einen ganz interessanten Kanal namens Einzelgänger, der Lebenspraxis aus Daoismus, Buddhismus, Stoa, Star wars Philosophie und ähnlichem bespricht).

    Auch finde, ich, daß gerade für mich einige Splittergruppen (neben Buddhas Anatta-Lehre) mir in einigen Ansätzen interessant erscheinen, Kegon, Zen, Tendai, Shin, Dzogchen vor allem (Außer Zen und Dzogchen gibt es sie im Westen nicht oder eher in ner kleinen Nische). Was sicher nicht der reine Buddhismus für viele ist, sondern schon eine Anverwandlung. Ähnliches gilt für einige sekulare Ansätze (Batchelor, Wallis, Packer z.B.).

    Vielleicht auch interessant in dem Thema, will man sich kritisch mit dem real existierenden Buddhismus im Westen auseinandersetzen, ist ein Video aus den Buddhatalks:
    Ursula Richard -Was mir vom Buddhismus übrig blieb - ein Resümee


    Edited once, last by Daoist ().

  • Mir scheint, da fehlt ein wichtiger Aspekt. Auf der Basis der Worte des Buddhas gibt es sicher religiöse und philosophische Ideen. Für mich ist es in erster Linie eine Anleitung zur Praxis.


    Die meisten Vipassana-Praktizierenden nennen sich auch nicht Buddhisten (folgen aber dem Buddha).


    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Das kann meines Erachtens gar nicht falsch ausgelegt werden, wenn ich an die Lehre von der Leerheit dabei denke. Entweder ich als Monika bin nicht mehr oder aber doch. Eine im tibetischen Buddhismus überlieferte Lehre von der Seelenwanderung lehne ich ab.


    Ja, das geht mir genau so und ich sehe es auch so. Solche "künstlichen Konflikte" halten einen sehr davon ab, die Lehre des Buddhas richtig zu verstehen, denn Wiedergeburt ist für den Anfängerbuddhisten eben "ganz klar buddhistisch". Entdeckt man dann aber Leerheit und weitere Aspekte, dann wird es schwierig, das in Einklang zu bekommen...hat mich bestimmt 5 Jahre gekostet.




    Außerdem benutze ich meinen vernunftbegabten Verstand und entscheide für mich - nicht für die anderen.


    :like: Sollte ich auch mal einüben



    Ist das denn wirklich eine Frage?


    Ja, denn auch wenn ihr vielleicht denkt, dass ich verbohrt wäre, interessiert mich doch die Meinung von anderen Buddhisten.



    Es ist dann auch die Frage, sieht man Philosophie als Denkpraxis oder als Lebenspraxis.


    In meinem Falle als Lebenspraxis.




    Was ähnliches lässt sich auch von Stoa, Heraklit und in deinem Fall auch von Diogenes sagen. Ist das reine Philosophie, oder schon eine Rückwendung?


    Das ist natürlich interessant. Philosophie a la Heidegger oder Platon ist zwar schön, aber nicht gerade von praktischem Wert. Mein Ansatz ist eben, den ja viele genau so sehen, dass die Philosophie im Leben anwendbar sein muss. Die Stoa ist dies in einem hohen Maße. Diogenes ist ein Ausdruck von knallharter Konsequenz. Heraklit war mir immer zu metaphysisch, aber ich denke du kannst dich mit ihm besser anfreunden, vor allem mit der "alles ist Bewegung" Lehre, die ja auch dem daoistischem Sinne nahe kommt.



    Mir scheint, da fehlt ein wichtiger Aspekt. Auf der Basis der Worte des Buddhas gibt es sicher religiöse und philosophische Ideen. Für mich ist es in erster Linie eine Anleitung zur Praxis.


    Die meisten Vipassana-Praktizierenden nennen sich auch nicht Buddhisten (folgen aber dem Buddha).


    Ja, das habe ich nicht gut konkretisiert. Daoist hat ja darauf hingewiesen, also wenn jemand den Buddhismus philosophisch angeht meine ich, dass er es in den meisten Fällen auch praktiziert, zumindest teilweise. Vipassana ist sehr interessant und bodenständig und ich sehe selbst auch nicht die Notwendigkeit, sich als Buddhist zu bezeichnen. Aber ich finde die Formulierung schön: "Ich versuche die Lehre Buddhas zu verstehen und ihr, so weit ich kann, zu folgen".

  • Die Lehre des Buddha ist vielfältig, weil der Buddha immer entsprechend den Fähigkeiten seiner Zuhörerinnen und Zuhörern, den ihn Fragenden geantwortet hat. So findet man bei ihm unterschiedlich tiefgründige Erklärungen. Deshalb greift es zu kurz zu fragen, sind Buddhisten philosophisch oder religiös? Man ist Buddhistin/Buddhist entweder von der Verhaltensweise oder von der Ansicht her. Im Idealfall ist man es sowohl vom Verhalten als auch von der Ansicht her.


    Die Lehre des Buddha ist sowohl Philosophie als auch Religion. Religion als Rückführung zum Göttlichen zu definieren ist eine typisch europäische Religionsdefinition, die Religion mit theistischer Religion gleichsetzt und selbst in der westlichen Religionswissenschaft inzwischen als überholt gilt, auch wenn es immer noch Vertreter dieser Definition gibt.


    Viele sagen "ich folge der Lehre Buddhas", aber was sie tatsächlich machen ist etwas zu befolgen, was ihnen von den Splittergruppen (ich nenne keine Namen, sonst werden wieder Beiträge gesperrt) beigebracht wurde.

    Derartiges zu behaupten macht keinen Sinn, wenn du nicht sagst was du mit Splittergruppen meinst? Ich folge der Lehre des Buddha so wie sie in der Tradition unseres Zentrums auf breiter philosophischer und religiöser Grundlage vermittelt wird.


    Ist das "zu extrem", wenn man persönlich nicht mit Sachen übereinstimmt, welche der Buddha nicht gelehrt hat, ja in vielen Fällen sogar untersagt hat?

    Oder ist das sogar als "dem Dharma gerecht leben" zu verstehen, da man ja den Dharma schützt, wenn man auf Entgleisungen hinweist?

    Warum sollte es extrem sein, dem was der Buddha nicht gelehrt hat zu folgen? Dann wäre es ja zum Beispiel extrem, dem Christentum zu folgen.


    Es geht nicht darum, den Dharma gerecht zu leben, sondern darum die Lehre des Buddha korrekt zu verstehen und sie gemäß diesem Verständnis zu üben. Natürlich schützt man den Dharma auch dadurch, dass man auf Entgleisungen, wie du es nennst, hinweist. Nur muss man dann auch ganz konkret sagen was aus welchen Gründen eine Entgleisung, also eine falsche Darlegung des Dharma ist.


    Gruß Helmut

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Hallo,


    ich wollte gerne mal ein Thema besprechen, welches mir gerade hier im Forum aufgefallen ist. Und zwar hab ich den Eindruck, dass der Buddhismus, von vielen auch ernsthaft praktiziert, als religiöser Ansatz gesehen wird, inkl. aller Irrationalität, welche dort vorherrscht.

    Ich glaube, da sollte man zwei Ebenen unterscheiden.

    1. Erstens mal, welche Funktion der Buddhismus für verschiedene Menschen erfüllt.

    2. Inwieweit bezieht man zur Erreichung des buddhistischen Heilziels "irrationale" Methoden mit ein.


    Das sind zwei sehr verschiedene Themen.

    Zum ersten Thema gibt es ja wieder drei Unterpunkte:

    1.1.Erstmal war der Buddhismus von Anfang an nicht nur für die da war, die in diesem Leben Befreiung erlangen wollten. Sondern eben auch für all die Leute, die eine bessere Wiedergeburt anstrebten.

    1.2. Und von da aus dann zu allen möglichen religiösen Vorstellungen: Also dass man Schutz von Krankheit will oder Glück bei Prüfungen. Im Buddhistischen Kontext werden diese Anliegen eben als 'weltlich' verstanden.

    1.3. Zusätzlich war der Buddhismus natürlich zu allen Zeiten Teil der Gesellschaft. Und so sind buddhitischen Institutionen alle möglichen seltsamen Rollen zugefallen: Buddhitische Klöster waren Kreditanstalten, hielten Sklaven, stellten Kriegermönche, betrieben Geschäfte oder dienten Herrschern als Spitzel.



    Während man den Fall, wo buddhitische Institutionen auf einmal ganz anderen Funktionen folgen, manchmal wirklichvon "Entgleisung" sprechen kann, bewegt sich der zweite Bereich auf einer anderen Ebenen und sollte getrennt behandelt werden:


    2. Der Mensch ist ja nur zu einem kleinen Teil ein rationales Wesen. Sollte man im Dharma nur an den rationalen Teil des Menschen appelieren, oder nicht vielmehr auch die nicht-rationalen Bereiche als Mittel zur Befreiung benutzt werden.

  • Hallo,


    ich wollte gerne mal ein Thema besprechen, welches mir gerade hier im Forum aufgefallen ist. Und zwar hab ich den Eindruck, dass der Buddhismus, von vielen auch ernsthaft praktiziert, als religiöser Ansatz gesehen wird, inkl. aller Irrationalität, welche dort vorherrscht.


    Ich selbst komme von der philosophischen Richtung und interessiere mich daher für den philosophischen Ansatz, den ich im Palikanon finden kann, wenn auch mit manchen

    "religiösen Entgleisungen" - aber im Gesamten ist das ziemlich anspruchsvoll und macht Spaß.

    Ich finde es sinnlos, mich in der Weise wie du es hier tust, als rationalen Denker hinzustellen. Rationaler als irgendwelche anderen Menschen.


    Die Beurteilung kann nur für eine einzelne Behauptung einer Person gemacht werden. Ob das, was jemand jetzt grade sagt, rational/logisch erscheint oder nicht. Wenn es unlogisch erscheint kann man ein Gegenargument bringen. Aber gegen die gesagte Behauptung, nicht gegen die Person pauschal. Denn man weiß ja nicht, was die Person vorher und nachher denkt und zu anderen Menschen sagt.


    Und dann muss man halt schauen, inwiefern das Gegenargument logisch erscheint...usw...


    Wenn zwei Leute längere Zeit debattieren kann auch ein Publikum beurteilen, wer rationaler erscheint. Die Beurteilung kann sich dann aber wieder nur auf die Debatte beziehen, die die beurteilenden Menschen auch mitbekommen haben. Nicht darauf wie intellektuell fit die Debattierenden generell sind.

  • Derartiges zu behaupten macht keinen Sinn, wenn du nicht sagst was du mit Splittergruppen meinst?


    Ja, aber dann werden hier wieder Beiträge gesperrt und das möchte ich nicht. Ich könnte sie dir klar benennen, aber dann werde ich wieder gemeldet oder sonst was.



    Es geht nicht darum, den Dharma gerecht zu leben, sondern darum die Lehre des Buddha korrekt zu verstehen und sie gemäß diesem Verständnis zu üben. Natürlich schützt man den Dharma auch dadurch, dass man auf Entgleisungen, wie du es nennst, hinweist.


    Ja, und ich glaube das sehen viele eben nicht so. In philosophischen Kreisen konnte ich immer Streitgespräche führen mit teils, sehr extremen Standpunkten. Aber das gehört halt dazu, wenn man freigeistig an Ideen herangeht. Hier im Forum z.B. wird man gemeldet und es steht ja auch in den Regeln, dass man "bashing" unterlassen soll. Oftmals wird dann aber aus "Kritik"="bashing. Dies lässt mich schlussfolgern, dass einige Buddhisten gar nicht wollen, dass man die Lehre des Buddha korrekt darlegt, sondern sie wollen eher das Gegenteil.




    2. Der Mensch ist ja nur zu einem kleinen Teil ein rationales Wesen. Sollte man im Dharma nur an den rationalen Teil des Menschen appelieren, oder nicht vielmehr auch die nicht-rationalen Bereiche als Mittel zur Befreiung benutzt werden.


    Das sehe ich ein wenig anders. Ich denke, die Rationalität ist sehr davon abhängig, dass, oder besser, ob sie geschult wird. Je besser sie geschult ist, desto größer wird die "Abneigung" gegen irrationale Thesen. Wenn du sagst, dass der Mensch nur zu einem kleinen Teil ein rationales Wesen ist, dann gebe ich dir Recht, im Hinblick auf "den Menschen" als Summe. Doch ein einzelner Mensch kann einen überaus großen Teil an rationalem Wesen innehaben, wenn er bereit ist, sich dies zu erarbeiten. Ich sehe die nicht-rationalen Bereiche als einfach nicht notwendig an. Wenn du magst, kannst du mir ja mal ein nicht-rationales Mittel oder eine nicht-rationale Technik nennen, die der Buddha gelehrt hat? Ich denke, dass würde Sinn machen, denn dann könnte man die Technik im Einzelnen untersuchen...

  • Ich finde es sinnlos, mich in der Weise wie du es hier tust, als rationalen Denker hinzustellen. Rationaler als irgendwelche anderen Menschen.


    Hab ich nie gesagt, dass ich das bin, das ist deine Deutung. Aber mit dir diskutiere ich auch nicht mehr.

  • Zu Heidegger: Er hatte ja durchaus Beziehungen zu Daoismus (Er hatte sogar mal angefangen, das Daodeging zusammen mit nem Chinesen zu übersetzen) und Zen. Zu den Schriften von Daisetz Suzuki sagte er einmal, das er den Eindruck hat, daß er das sagt, was er schon immer sagen wollte.
    Ich hab mal einige Semester Heidegger bei nem Prof gehört. Bei ihm hatte ich den Eindruck, daß Heidegger (und Stoa) für ihn befreiende Lebenspraxis war.
    Heidegger wurde ja auch viel in Japan rezipiert (Es gibt unzählige Übersetzungen von "Sein und Zeit". Seine Gedanken wurden dann in der Kyoto-Schule von einigen Zen- und Shin-geprägten Philosophen weiterentwickelt, die sie mit buddhistischen Ansätzen verbanden.

  • Heidegger wurde ja auch viel in Japan rezipiert (Es gibt unzählige Übersetzungen von "Sein und Zeit". Seine Gedanken wurden dann in der Kyoto-Schule von einigen Zen- und Shin-geprägten Philosophen weiterentwickelt, die sie mit buddhistischen Ansätzen verbanden.


    Das ist sehr interessant. Hast du auch so eine "Weiterentwicklung" parat? Würde mich mal interessieren. Was ich an Heidegger mag ist, dass er einfach sein eigenes Vokabular erfunden hat :grinsen:

  • Ich sehe die nicht-rationalen Bereiche als einfach nicht notwendig an. Wenn du magst, kannst du mir ja mal ein nicht-rationales Mittel oder eine nicht-rationale Technik nennen, die der Buddha gelehrt hat? Ich denke, dass würde Sinn machen, denn dann könnte man die Technik im Einzelnen untersuchen...


    Zitat

    Geht Kálámer, nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters!

    Wenn ihr aber, Kálámer, selber erkennt: ›Diese Dinge sind unheilsam, sind verwerflich, werden von Verständigen getadelt, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Unheil und Leiden‹, dann o Kálámer, möget ihr sie aufgeben.



    Auch ist die Frage, ob so was wie Karma und Wiedergeburt, aber auch Meditation und Nirvana etwas ist, was logisch aus irgend etwas folgt. Auch in Nicht-Ich und freien Willen seh ich keine logische Verbindung.

  • Derartiges zu behaupten macht keinen Sinn, wenn du nicht sagst was du mit Splittergruppen meinst?


    Ja, aber dann werden hier wieder Beiträge gesperrt und das möchte ich nicht. Ich könnte sie dir klar benennen, aber dann werde ich wieder gemeldet oder sonst was.

    Dann macht es auch keinen Sinn, derartige Thesen hier aufzustellen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: man begründet die Thesen, die man hier aufstellt, oder man stellt sie hier nicht auf, weil man sie nicht begründen will, da glaubt dafür abgestraft zu werden.


    Es geht nicht darum, den Dharma gerecht zu leben, sondern darum die Lehre des Buddha korrekt zu verstehen und sie gemäß diesem Verständnis zu üben. Natürlich schützt man den Dharma auch dadurch, dass man auf Entgleisungen, wie du es nennst, hinweist.


    Ja, und ich glaube das sehen viele eben nicht so. In philosophischen Kreisen konnte ich immer Streitgespräche führen mit teils, sehr extremen Standpunkten. Aber das gehört halt dazu, wenn man freigeistig an Ideen herangeht. Hier im Forum z.B. wird man gemeldet und es steht ja auch in den Regeln, dass man "bashing" unterlassen soll. Oftmals wird dann aber aus "Kritik"="bashing. Dies lässt mich schlussfolgern, dass einige Buddhisten gar nicht wollen, dass man die Lehre des Buddha korrekt darlegt, sondern sie wollen eher das Gegenteil.

    Aber das sind auch nur Spekulationen deinerseits. Kannst du Buddhisten benennen, die die Lehre des Buddha nicht korrekt darlegen wollen und worin besteht denn diese Unkorrektheit, die du vermutest?


    Gruß Helmut

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Auch ist die Frage, ob so was wie Karma und Wiedergeburt, aber auch Meditation und Nirvana etwas ist, was logisch aus irgend etwas folgt. Auch in Nicht-Ich und freien Willen seh ich keine logische Verbindung.


    Das einzige was ich aus dieser Liste als logisch sehe, ist das Nicht-Ich. Dies folgt (für mich) aus der Nicht-Findbarkeit einer Seele oder eines Kerns, dem ständigen Wandel der Dinge, dem Fehlen von inhärenter Existenz der Dinge und der Schlussfolgerung aus vielen Lehrreden des Buddha.



    Wenn ihr aber, Kálámer, selber erkennt: ›Diese Dinge sind unheilsam, sind verwerflich, werden von Verständigen getadelt, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Unheil und Leiden‹, dann o Kálámer, möget ihr sie aufgeben.


    Das Auszug ist gut. Aber dann auch wieder nicht, denn Dinge erkenne ich als unheilsam, verwerflich usw. ja nur durch meinen Verstand, darum auch durch logische Mittel. Die "Verständigen" müssen ja auch vernunftbegabt sein, sonst wären sie ja keine Verständigen. Aber gut, das steht halt so im Palikanon und muss akzeptiert werden.

  • Zur Fragestellung in der Überschrift des Threads: Der Dalai Lama wurde mal zitiert mit den Worten:


    1. Buddhismus ist Philosophie und

    2. Buddhismus ist Wissenschaft und

    3. Buddhismus ist Religion


    Also nicht "oder" wie in der Überschrift sondern "und" 8)

    Liebe Grüße
    Sherab


    "Glücklich mögen alle Wesen sein und im Besitz der Ursachen des Glücks" (:_()_

  • Dann macht es auch keinen Sinn, derartige Thesen hier aufzustellen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: man begründet die Thesen, die man hier aufstellt, oder man stellt sie hier nicht auf, weil man sie nicht begründen will, da glaubt dafür abgestraft zu werden.


    Ich könnte dir Namen, Gruppen und Forenbeiträge nennen, aber wie gesagt...von mir wurden erst gestern 2 Threads dicht gemacht...ich passe mich an, da ich hier weiter kommunizieren möchte und ich nicht will, dass der 3. Thread von mir geschlossen wird.



    und worin besteht denn diese Unkorrektheit, die du vermutest?


    z.B. in einer "Geist zu Geist" Übertragung oder in einer Visualisierung von Gurus.

  • Heidegger wurde ja auch viel in Japan rezipiert (Es gibt unzählige Übersetzungen von "Sein und Zeit". Seine Gedanken wurden dann in der Kyoto-Schule von einigen Zen- und Shin-geprägten Philosophen weiterentwickelt, die sie mit buddhistischen Ansätzen verbanden.


    Das ist sehr interessant. Hast du auch so eine "Weiterentwicklung" parat? Würde mich mal interessieren. Was ich an Heidegger mag ist, dass er einfach sein eigenes Vokabular erfunden hat :grinsen:

    Unter Academia.edu - Share research/ findest du einiges von oder eher über Nishida Kitaro, Nishitani Keiji und Tanabe Hajime, auch eins (sogar auf deutsch) über Hisamatsu.
    Von Hisamatsu einiges unter https://terebess.hu/zen/mesterek/hisamatsu.html. Ebenso unter Activities.

    Auf deutsch gibts auch einige Bücher von ihm (meist antiquarisch) und nen Sammelband über die Kyoto-Schule (Allerdings nicht ganz preiswert). Auch von Nishitani gibt es was.

  • Zur Antwort aufs erste Zitat: Nenne doch einfach mal Beiträge dieses Forums, die dies belegen. Fürs Zitieren von Forumsbeiträgen wird man nicht abgestraft wie gerne glauben willst..


    Zur Antwort aufs zweite Zitat: Warum verfälscht deiner Meinung nach die Geist zu Geist-Übertragung oder die Visualisierung des Gurus die Lehre des Buddha?


    Gruß Helmut

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.


  • Das Video hab ich mir angeschaut. Es zeigt für mich auch gut, was passiert, wenn man nicht rational an die Sache rangeht. Und es zeigt auch auf, wie der Buddhismus benutzt wird, um eigensinnige Triebe zu befriedigen, unter einem Deckmantel von "Tantra" und "heiliger Vereinigung". Eine rationaler Verstand hätte dies hinterfragt, es entspricht und stammt nicht aus der Lehre Buddha´s. Doch die Guruhörigkeit lässt keine rationale Entscheidung zu. Man entblöst sich vor dem Guru und muss mit ihm Sex haben, nur weil der etwas von "Einheit" und solchem Zeug schwadroniert. Bei Kulten läuft dies nicht anders.

  • Nenne doch einfach mal Beiträge dieses Forums, die dies belegen. Fürs Zitieren von Forumsbeiträgen wird man nicht abgestraft wie gerne glauben willst..

    nein.



    Zur Antwort aufs zweite Zitat: Warum verfälscht deiner Meinung nach die Geist zu Geist-Übertragung oder die Visualisierung des Gurus die Lehre des Buddha?


    Weil so etwas vom Buddha selbst nie gelehrt wurde.




    vorneweg doch erst einmal eine Frage: Wie definierst du den Begriff "Religion"?


    Religion beinhaltet für mich blinden Glauben an irrationale oder unbewiesene Sachen, wie Wiedergeburt, Flüche, Magie. Der Religiöse schützt diese Sachen zumeist und ist nicht über Kritik erfreut, bzw. kann man diese Sachen vor ihm gar nicht in Frage stellen. Dazu zähle ich auch solche Sachen wie "Tradition" und "unsere Linie" - eben alles, was man aufgrund von Schlagworten übernimmt, nicht dadurch, dass man es durch rationale Analyse für sich als recht und lebbar erkannt hat.

  • Aber gut, das steht halt so im Palikanon und muss akzeptiert werden.

    Das ist eine Aussage, die religiös begründet ist und nicht rationaler oder philosophischer Natur ist. Akzeptiert man darüber hinaus nur das, was wörtlich dort steht, und alles andere nicht, ist es dogmatisch. Buddha hat allerdings selbst dazu geraten, die Dinge die er sagt zu überprüfen, um Dogmatismus (und im Extremfall Fundamentalismus) zu vermeiden.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Zur Antwort aufs zweite Zitat: Warum verfälscht deiner Meinung nach die Geist zu Geist-Übertragung oder die Visualisierung des Gurus die Lehre des Buddha?

    Und vor allem: entspricht die Vorstellung, die er kritisiert, dem, was tatsächlich in der betreffenden Lehre gemeint ist? ;)

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG