Daseinsfaktoren

  • Hallo Sven :)



    'angreifender Bär' kann ja einerseits akkurate Beschreibung sein (btw wo lebst du, dass dir solche Beispiele nachvollziehbar erscheinen? - ernstgemeinte Frage. Kann ja sein in einer kühleren Gegend auch was die äusseren Bedingungen angeht)


    anderers aber ein Beschreibungsversuch für ein bestimmtes (sich) Bewusstsein, ala 'oha ein Bär greift mich an' - Bewusstsein. Es könnte (beim Beobachter) aber auch ein Bewusstsein über eine ziemliche Instinktverirrung bei 'dem angreifendem Bär' vorhanden sein, inklusive einer bösen Vorahnung, wie das in so einer heiklen Situation weitergehen kann. Also eine vielleicht gelassenere, emphatischere innere Haltung (trotz der potentiellen oder akuten :nosee: Gefahr).


    Eine Zwischenfrage an dieser Stelle: hättest du für so einen Fall Verhaltensvorschläge?


    Je nachdem wie das Bewusstsein in so einem Fall war und ob man den Angriff überlebt hat, wird man darüber berichten, also konzeptualisieren, würde ich sagen. Wie geistesklar man in der Tat ist, zeigt sich in so einem drastischen Fall sicher besonders deutlich.

  • Könntest Du auch mit dieser Präzisierung etwas anfangen:

    "Ihr Bhikkhus, daß man hier und jetzt Dukkha ein Ende bereiten wird, ohne die Neigung zur Begierde ( rāgā ) nach angenehmem Gefühl zu überwinden, ohne die Neigung zur Abneigung gegenüber schmerzhaftem Gefühl zu vernichten, ohne die Neigung zur Unwissenheit in Bezug auf weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl auszurotten, ohne Unwissenheit zu überwinden und wahres Wissen zu erwecken - dies ist unmöglich."


    "Ihr Bhikkhus, daß man hier und jetzt Dukkha ein Ende bereiten wird, indem man die Neigung zur Begierde nach angenehmem Gefühl überwindet, indem man die Neigung zur Abneigung gegenüber schmerzhaftem Gefühl vernichtet, indem man die Neigung zur Unwissenheit in Bezug auf weder-schmerzhaftes-noch-angenehmes Gefühl ausrottet, indem man Unwissenheit überwindet und wahres Wissen erweckt - dies ist möglich."

    Oder sind da schon wieder zu viele Postulate und Wendungen drin, die so ohne weiteres nicht nachvollziehbar sind.

    Das finde ich nachvollziehbar. Die Gefühle erwecken Gier, Hass und Verblendung und wenn diese Geistestrübungen durch den achtfachen Pfad überwunden sind ist Dukkha zu Ende. Der schwierigere Teil ist den achtfachen Pfad konsequent zu praktizieren.

  • Die Identität Körper/Geist entsteht weil sich das Bewusstsein da festmacht, Stütze und Halt findet, zum Ich-Bewusstsein wird. Benötigt wird diese Stütze nicht, sie entsteht wegen des Sinnestriebes und Daseinstriebes - ich will da sein und genießen. Ohne Begehren hätte ich nicht entstehen können.

    Und Deine Vorstellung ist nun, wenn Du den Weg zur Befreiung vollenden würdest (mit ein wenig Sammlung nachdem viel Sittlichkeit geübt und Weisheit entwickelt wurde), dann würde diese Stütze, dies Verbindung von Körper und Geist oder Bewusstsein wegfallen. Und das Bewusstsein würde quasi "in der Luft hängen". Und obwohl das eigentlich eine unheimliche Vorstellung sein könnte, sagst Du Dir, dass müsste dann doch aber das höchste Glück der Loslösung sein. So in etwa?

    Nein nicht so. Damit die Verbindung von Körper und Geist oder Bewusstsein wegfällt ist doch mehr als ein wenig Sammlung nötig. Der Buddha konnte sieben Tage lang so verharren und als er einmal in einem Gewitter saß hat er es gar nicht bemerkt.


    Was mit der Befreiung wegfällt ist das Ego, das ist ja eine Erfahrung die man bereits teilweise macht wenn man nicht befreit ist. Der Egoismus, die Ichsucht macht doch unfrei und unzufrieden, gequält von Wünschen oder Hass, man hält sich verblendet für den Mittelpunkt der Welt, beutet die Umwelt und die Wesen aus für seinen Genuss und was dabei stört wird bekämpft oder vernichtet. Mit Bescheidenheit und Wohlwollen stellt sich dagegen ein gutes Gewissen und innerer Frieden ein. Und wenn man nun vollkommen bescheiden und selbstlos wäre und allen Wesen immer mit Wohlwollen, Mitgefühl und Mitfreude begegnen würde, dann wäre der innere Frieden vollkommen. Nichts wollen, nichts brauchen, nicht einmal auf das Dasein selber bestehen, alles loslassen, sein lassen wie es ist, mit Gleichmut und Arglosigkeit, Furchtlosigkeit und Unabhängigkeit, wäre das eine merkwürdige Vorstellung oder ein nachvollziehbares großes Glück?

  • Und noch eine Frage mukti:


    Hat es einen bestimmten Grund, warum Du die Daseinsmerkmale auf die Kombination "Körper + Geist beziehst?


    In den Lehrreden wird von den fünf Daseinsgruppen Form, Wahrnehmung, Gefühl, Bewusstsein und Gestaltungen gesprochen, auf die sich die Daseinsmerkmale beziehen.

    Eine Daseinsgruppe macht den Körper aus, vier Daseinsgruppen machen den Geist aus. Ich fasse sie einfach kurz zusammen in Körper und Geist.

  • Das klingt ja alles logisch aber ich habe keine Erfahrung von einem Konzentrationsstadium in dem die Gedankenprozesse unterbrochen werden, so dass ein Bewegen in der Welt gefährlich werden könnte. Ich denke dass man sich dann besser nicht bewegt und sitzen bleibt, oder vielleicht entsteht in diesem Stadium ohnehin kein Impuls für Bewegung.

  • ... Mit Bescheidenheit und Wohlwollen stellt sich dagegen ein gutes Gewissen und innerer Frieden ein. Und wenn man nun vollkommen bescheiden und selbstlos wäre und allen Wesen immer mit Wohlwollen, Mitgefühl und Mitfreude begegnen würde, dann wäre der innere Frieden vollkommen. Nichts wollen, nichts brauchen, nicht einmal auf das Dasein selber bestehen, alles loslassen, sein lassen wie es ist, mit Gleichmut und Arglosigkeit, Furchtlosigkeit und Unabhängigkeit, wäre das eine merkwürdige Vorstellung oder ein nachvollziehbares großes Glück?

    Bestimmt wäre es das.

    ...Aber jene Art guter Praxis führt nicht zur Ernüchterung, zur Lossagung, zum Aufhören, zum Frieden, zur höheren Geisteskraft, zur Erleuchtung, zum Nibbāna, sondern nur zum Wiedererscheinen in der Brahma-Welt. Aber es gibt diese Art guter Praxis, die von mir jetzt eingeführt worden ist, die zu völliger Ernüchterung, zur Lossagung führt, zum Aufhören, zum Frieden, zur höheren Geisteskraft, zur Erleuchtung, zum Nibbāna. Und was ist jene gute Praxis? Es ist dieser Edle Achtfache Pfad; das heißt,...

    Viele Grüße

    Elliot

  • Das finde ich nachvollziehbar. Die Gefühle erwecken Gier, Hass und Verblendung und wenn diese Geistestrübungen durch den achtfachen Pfad überwunden sind ist Dukkha zu Ende. Der schwierigere Teil ist den achtfachen Pfad konsequent zu praktizieren.

    Eine Daseinsgruppe macht den Körper aus, vier Daseinsgruppen machen den Geist aus. Ich fasse sie einfach kurz zusammen in Körper und Geist.

    In der Lehrrede wird über die sechsfache innere Sinnesgrundlage gesprochen:


    Zitat

    "'Die sechs inneren Sinnesgrundlagen sollten verstanden werden.' So wurde gesagt. Und wovon abhängig wurde dies gesagt? Da gibt es die Augengrundlage, die Ohrengrundlage, die Nasengrundlage, die Zungengrundlage, die Körpergrundlage und die Geistgrundlage ( Denkvermögen ). Also geschah es in Abhängigkeit von diesem, daß gesagt wurde: 'Die sechs inneren Sinnesgrundlagen sollten verstanden werden.' Dies ist die erste Sechsergruppe."


    Ist das etwas für Dich Annehmbares, Nachvollziehbares, das der Wirklichkeit entspricht?


    Oder eher etwas abstraktes, an den Haaren herbeigezogenes, die Wirklichkeit verdrehendes, nur der Vorstellung entsprungenes?

    Viele Grüße

    Elliot