Nagarjuna Ratnavali

  • In Vers 27 von Nagarjunas Ratnavali heißt es:


    "Er, der nur spricht, um den Lebewesen zu nutzen, lehrte, dass all diese Wesen ausnahmslos von dem Festhalten am 'Ich' und dem Festhalten an 'Meinem' entstanden sind."


    Mit "Er" ist Buddha Sakyamuni gemeint. Buddha Sakyamuni lehrt uns das Dharma, um uns zu nutzen. Indem er lehrt, dass wir unsere samsarischen Existenzen nur aufgrund des Festhalten am 'Ich' erlangen, lehrt er uns, was aufzugeben ist, um das Erwachen zu erlangen.


    Mit dem Festhalten am 'Ich' ist hier die Ansicht gemeint, die das Ich als ausschließlich von seinen eigenen Merkmalen her existent auffasst, die ein wahrhaftes Ich auffasst, die ein inhärentes Ich auffasst. Diese falsche Sichtweise ist die Ursache aller unserer samsarischen Existenzen. So lange wir an dieser Sichtweise festhalten, werden wir immer wieder aufs Neue in Samsara Geburt annehmen wie Buddha Sakyamuni es im Gesetz von der ursprünglichen Entstehung dargelegt hat. (SN 12.1 in der Übersetzung von H.Hecker) Genau dieser Vorrang des Geistigen vor dem Körperlichen wird ja auch im ersten Vers des Dhammapada zum Ausdruck gebracht.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.


  • Das ist eben so und ganz einfach. Wenn aus Unwissenheit ein festhalten wollendes Ich erscheint, dann bedingt das eben Entscheidungen. Das wäre ja nicht so wild. Aber durch das Entscheiden, für etwas, erscheint, meist unbemerkt, die Ablehnung dessen, für das Ich sich nicht entschieden hat. So wird das vormals unwissende Ich immer festhaltender. Zitat: „und dem Festhalten an 'Meinem'“.

    Denn das Entscheiden bedingt das Bewusstsein, dass Ich sich entschieden hat.


    Nun hält Ich an seiner Entscheidung fest sie ist "meine". Mit diesem Entscheiden wird sich das Ich bewusst, da es festhalten kann, also auch ein stabiles Ich sein muss und so entsteht der Persönlichkeitsglaube. Zitat: „... von dem Festhalten am 'Ich'“

    Darum ist befreien erst erreicht, wenn dieser Glaube gewandelt worden ist in das Erkennen, dass dieses entscheidende Ich immer nur temporär ist, an dem man sich nicht festhalten kann und auch nicht an seine Entscheidungen.

    Alle Gebilde sind unbeständig. Alle Gebilde sind unbeendet.

    Alle Dhammas, sind ohne beständiges, Endliches Selbst.

    Nibbana ist Frieden.

  • Darum ist befreien erst erreicht, wenn dieser Glaube gewandelt worden ist in das Erkennen, dass dieses entscheidende Ich immer nur temporär ist, an dem man sich nicht festhalten kann und auch nicht an seine Entscheidungen.

    Hm, sorry, lieber Ellviral , ich denke, du stellst die falsche Akzente, so etwas.

    Das "temporäres" "Ich " wäre dann keinen Erlass ( die Befreiung) von der eigenen Ver-Antwort-ung. Und auch von allen möglichen "persönlichen Entscheidugen". Die wirken alle doch!

    Denn Karma ( Ursache-Wirkung) bleibt absolut real.

    Diese sozusagen "Ich-losigkeit" verpflichtet uns noch mehr Dharma zu folgen.


    Die andere Frage wäre:


    Mit dem Festhalten am 'Ich' ist hier die Ansicht gemeint, die das Ich als ausschließlich von seinen eigenen Merkmalen her existent auffasst, die ein wahrhaftes Ich auffasst, die ein inhärentes Ich auffasst.

    Ich hatte es so versatnden, dass diese "Merkmale" mein "Ich " beeinflusssen, auf der anderen Weise ausgedrückt, die Skandhas wirken auf mein Bewusstsein, aber sie beide nicht inhärent. Das war so im Wiki:


    Quote

    Der „Urteilsvierkant“ als theoretisches Modell bezieht in seiner Grundstruktur sowohl den Satz vom Widerspruch als auch den Satz vom ausgeschlossenen Dritten mit ein:

    1. Etwas ist (so)
    2. Etwas ist nicht (so)
    3. Etwas ist sowohl (so) als auch nicht (so)
    4. Etwas ist weder (so) noch nicht (so)

    Nagarjuna – Wikipedia


    Also, wenn man alle vier! Möglichkeiten sieht, und alle man kann nicht gelten lassen... Das wäre dann kein wirklich" Festhalten" wie auf die eigene Sinn-Eindrücke ( so die normale sprache), aber die werden weiter auf meinen "Ich" ( als ob Ich, aber trotzdem real!) einwirken.


    Aber was der "Vorrang" anbelangt, ich kann es in der modernen Sprache interpretieren, dass es alles im Leben meine innere Einstellung entscheidend ist.

    Damit ich würde niemals verneinen, dass" ich" als "mein" Körper, oder das "Kranke Gehirn" zu grunde gehen werden, wollte "Ich" es oder nichts... Auch meine katze ereilt dasselebes Schicksal, *lach*, aber wenn man keine Identifikationen betreibt, dann bleibt man sozusagen auf der "Absoluten" Ebene der Realität/ der wahrheit/.

    Was man aber aufgeben sollte, dann nur die "verkehrte" Ansichten.

    Man kann mich korrigeren, ich lerne sehr gerne... (:

    Hm , das ganze bedingte (abhängige) Entstehen basiert sich auf der "Unwissenheit".

    Und von dieser "Unwissenheit" es gibt noch sehr viele Ebenen, subtilsten bei Prasangika, scheint mir.

    Drin liegt das ganze Übel( lol...die Würze)...

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Wenn es in Vers 27 der Ratnavali heißt:


    "dass all diese Wesen ausnahmslos von dem Festhalten am 'Ich' ... entstanden sind",


    dann bezieht sich dies darauf, warum wir eine samsarische Existenz angenommen haben bzw. was die Wurzel Samsaras ist. Die Aussage bezieht sich nicht darauf wie die Ansicht eines 'Ich' entstanden ist und wie sie sich verfestigt.


    Die Ansicht eines 'Ich' bedeutet die Auffassung eines inhärenten, also unabhängigen und aus sich heraus bestehenden Ichs. Und 'Mein' bezeichnet eben die Auffassung, dass dieses inhärente Ich über einen ebenfalls inhärenten Besitz verfügt wie den eigenen Körper, Wohnung usw.


    Dieses inhärente Ich (atman) verneinen sowohl Buddha Sakyamuni als auch Nagarjuna, denn diese Auffassung eines 'Ich' hat keine Grundlage in der Realität.


    Das Problem ist, dass es uns in unserer Wahrnehmung so erscheint als hätten wir derartiges Ich und auch daran festhalten, dass diese Auffassung korrekt ist. So lange wir hieran festhalten, sehen wir den Widerspruch zwischen der Erscheinungsweise unseres Ichs und seiner Bestehensweise nicht. Dass uns unser Ich als inhärent existent erscheint und das tatsächliche abhängige Bestehen unseres Ich stehen in einem direkten logischen Widerspruch zueinander. Sie schließen sich somit gegenseitig aus.


    Das Festhalten an 'Ich' und 'Mein' wird im Zusammenhang mit den 51 Geistesfaktoren nach Asanga als die Ansicht der vergänglichen Anhäufung als wahres Ich und Mein definiert:


    "Die Ansicht der vergänglichen Anhäufung ist eine leidenschaftsverbundene Intelligenz, die bei der Beobachtung der durch Leidenschaften und befleckte Taten angenommenen Aggregate (skandhas) diese in verkehrter Weise als Ich und Mein auffasst."


    Diese Auffassung ist das Selbst der Person und somit die Wurzel Samsaras. Mit der Selbstlosigkeit der Person wird diese Auffassung negiert.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Das Problem ist, dass es uns in unserer Wahrnehmung so erscheint als hätten wir derartiges Ich und auch daran festhalten, dass diese Auffassung korrekt ist. So lange wir hieran festhalten, sehen wir den Widerspruch zwischen der Erscheinungsweise unseres Ichs und seiner Bestehensweise nicht. Dass uns unser Ich als inhärent existent erscheint und das tatsächliche abhängige Bestehen unseres Ich stehen in einem direkten logischen Widerspruch zueinander. Sie schließen sich somit gegenseitig aus.

    War schön zu lesen.:)


    Nochmal:


    Quote

    Das Problem ist, dass es uns in unserer Wahrnehmung so erscheint als

    Tja, manchmal LSD-Trip wäre schon echt gut, wenn es sogar an diesen Thread nichts passt.



    Quote

    Jeder Mensch ist in jedem Augenblick fähig, sich all dessen zu erinnern, was ihm je widerfahren ist, und alles wahrzunehmen, was irgendwo im Universum geschieht. Es ist die Aufgabe des Gehirns und des Nervensystems, uns davor zu schützen, von dieser Menge größtenteils unnützen und belanglosen Wissens überwältigt und verwirrt zu werden, und sie erfüllen diese Aufgabe, indem sie den größten Teil der Informationen, die wir in jedem Augenblick aufnehmen oder an die wir uns erinnern würden, ausschließen und nur die sehr kleine und sorgfältig getroffene Auswahl übriglassen, die wahrscheinlich von praktischem Nutzen ist.“ Gemäß einer solchen Theorie verfügt potentiell jeder von uns über das größtmögliche Bewusstsein (im Original: ‚…is potentially Mind at Large‘).“


    Und es wäre so wie er-möglich-t:


    Quote

    „If the doors of perception were cleansed

    everything would appear to man as it is, infinite.[4]


    Die Pforten der Wahrnehmung – Wikipedia


    Lol, wie es wäre mit der Meinung von Nagarjuna hüchspersönlch, ich hätte doch keine Möglichkeit mit meinen Fragen ihn zu "piesacken".

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Der LSD-Trip hilft nicht weiter, denn dass uns die Phänomene in unserer Wahrnehmung anders erscheinen als tatsächlich existieren, liegt ja an unserer Unwissenheit. Diese Unwissenheit gehört aber nicht zur Natur unseres Geistes. Sie ist eine vorübergehende Verdunkelung / Täuschung unseres Geistes. Sie kann nicht durch LSD-Trips überwunden werden, sondern nur durch Geistesschulung. Mit der Geistesschulung überwinden wir unsere Unwissenheit, aber unser Geist existiert immer noch, wenn wir unsere Unwissenheit überwunden haben


    Mittels Geistesschulung können wir die Vorstellung, wir hätten ein inhärentes, aufgrund eines Eigenwesen existierendes Ich überwinden indem wir untersuchen, ob es ein derartiges Ich überhaupt gaben kann. Und diese Untersuchung findet auf der Grundlage des abhängigen Entstehens statt, das Buddha Sakyamuni gelehrt hat.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Diese Unwissenheit gehört aber nicht zur Natur unseres Geistes.

    Klar, ich stimme dem zu, die so wie die angeborene " Überheblichkeit". / "Arroganz"/.



    Sie kann nicht durch LSD-Trips überwunden werden, sondern nur durch Geistesschulung.

    Natürlich nicht, lieber Helmut, damit ich bin mir echt im klarem.

    Aber was ich gemeint hatte, dieser Trip... "könnte" ( also nur Konjuktiv 2) die echt Suchende wie den "Geschmack " davon bekommen.

    Aber es alles bringt keinen Menschen weiter, wenn er sebst sich damit nicht bemüht.

    Apropo, genau deswegen, sehr viele Autoren, und auch die Wissenschflteler,hatten meistens damit aufgehört, denn es war nur wie das Hindernis auf dem Weg.

    LG.

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    Sokrates

  • Diese Unwissenheit gehört aber nicht zur Natur unseres Geistes.

    Ja, genau das! LSD wäre dann nur wie der Katalisator, aber keine Lösung...

    LSD also kann( könnte) man als diese "Unwissenheit" vorübergehend ausschalten.

    Die Natut des Geistes ist das Klare Licht, oder man kann enorm viele Begriffe benutzen...

    Deswegen man kann nur das ent-decken, was schon immer da ist.

    Aber klar, LSD , wenn man es missbraucht, der kriegt meistens genau den Gegenteil ( von "Klar"--*lach*).

    Ich scherze meistens, also was du sagt, Helmut, das ist unumstritten, das weiss ich doch.

    Ich habe fast alle deine Beiträge von vielen jahren gelesen, sehr viele weg, leider... Wenn du mit mkha` ausführlich redest...

    Also, zum Thema...

    LSD ist kein " Fetisch", aber er macht das:



    Quote

    Da sich der Montagepunkt aller Menschen nahezu an (fast) derselben Stelle befindet, nehmen alle Menschen auch dieselbe Welt wahr, nämlich unsere Alltagswelt, d. h. eine Welt von festen Objekten. Nach Castaneda ist es aber möglich, diesen Montagepunkt zu verschieben, was bedeutet, dass andere Energiefasern durch ihn hindurchgehen, somit ändert sich nun die Wahrnehmung des betreffenden Menschen. Das Ziel der Zauberer ist es, den Montagepunkt an eine Stelle zu verschieben, an der die Wahrnehmung von Energie als Energie möglich wird, also eine Interpretation zum festen Objekt unterbleibt und der Fluss der reinen Energie wahrgenommen wird. Eine Verschiebung des Montagepunktes müsse willentlich „beabsichtigt“ werden, die wichtigste Disziplin dazu ist das „Anhalten des inneren Dialogs“, welches u. a. auch durch die Einnahme psychotroper Substanzen erreicht werden kann, aber auch durch Hunger, starke Erschöpfung, extremen Stress oder z. B. Kriegserlebnisse. Der wichtigste Gedanke zum Montagepunkt ist, dass die Welt, die der normale Mensch wahrnimmt, nur eine von vielen hunderten ist.



    Carlos Castaneda – Wikipedia


    Man kann es bestimmt als reine "Eso" abtun, Hlemut. Aber die welt, die phänomene , die wir sehen, die stimmen nichts überein mit der Realität. Du weiss es bestimmt besser als ich durch dein Studuim.

    Der Schein trügt... Deswegen der ganze ( katzen)--Jammer überhaupt.


    Quote

    Unsere projizierten Vorstellungen, wie alles existieren würde, entsprechen nicht der Realität. ( study-buddhismus)

    Nicht mehr und nichts weniger...

    LG.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Um es echt abzurunden, ich wollte --*lach*, meinen Lieben Dalai-Lama zitieren, der weiss bestimmt...



    Quote

    Entfernen Sie die Unwissenheit, welche die Phänomene fälschlicherweise als inhärent existent auffasst, und Sie verhindern die Entstehung von leidbringenden Emotionen wie zum Beispiel Begierde und Hass. So kann das Leiden seinerseits aus dem Weg geräumt werden. Zusätzlich muss die Weisheit der

    -107-

    Leerheit begleitet werden von der Motivation einer tiefen Fürsorge für andere (und von den mitfühlenden Taten, die durch diese tiefe Fürsorge angeregt werden), bevor sie die Hindernisse für die Allwissenheit beseitigen kann. Diese Hindernisse sind Veranlagungen, die uns und sogar unseren Sinnesbewusstseinsarten die Phänomene in falscher Weise erscheinen lassen, als würden sie inhärent, aus sich selbst heraus existieren. Daher erfordert umfassende spirituelle Praxis das Entwickeln und Verfeinern von Weisheit in Verbindung mit großem Mitgefühl und der Absicht, Erleuchtung zu erlangen, innerhalb derer man andere höher schätzt als sich selbst. Nur dann kann Ihr Bewusstsein in die Allwissenheit eines Buddha umgewandelt werden.

    Nochmal:



    Quote

    Entfernen Sie die Unwissenheit, welche die Phänomene fälschlicherweise als inhärent existent auffasst, und Sie verhindern die Entstehung von leidbringenden Emotionen wie zum Beispiel Begierde und Hass.


    Das ist doch der Essenz...der ganzen Lehre ....Über die "Leere"... lol...


    Quote

    Man kann nicht von vielen Phänomenen sagen, dass sie aus sich selbst heraus gut oder schlecht seien; nur im Vergleich und nicht kraft ihrer eigenen Natur sind sie schlechter oder besser, groß oder klein, schön oder hässlich. Ihr Wert ist relativ. Daran können Sie erkennen, dass es eine Unstimmigkeit gibt zwischen der Art und Weise, wie die Dinge erscheinen, und der Art und Weise, wie sie in Wirklichkeit sind.

    Und wenn LSD manchmal etwas so wie verhelfen damit könnte, das zu erkennen, also echt zu erleben, dann warum nichts?

    Nur meine eigene Meinung, ich zwinge doch niemanden die Drogen zu schlucken...

    Damit , denke ich, die Klarheit / die Leer-heit/ ist wiederhergestellt. Wenigstens hier.


    Die Zitaten stammen aus dem Buch: "Der Weg zum Gluck", Herder, 2002.

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    Sokrates

  • Im 1.Kapitel der Ratnavali gibt es zwei Themen: Hoher Zustand und letztendliche Güte.


    Mit hoher Zustand ist das Glück der menschlichen Existenz in Samsara gemeint und mit letztendlicher Güte die Buddhaschaft.


    Hoher Zustand und letztendliche Güte stehen in einem bestimmten Verhältnis zueinander: "Wer zu Anfang den hohen Zustand praktiziert, wird am Ende letztendliche Güte erfahren, denn nur wer den hohen Zustand erreicht hat, kann Schritt für Schritt auch letztendliche Güte erreichen." (Vers 3)


    In den Versen 1 - 24 beschäftigt sich Nagarjuna mit dem hohen Zustand, ab Vers 25 beginnen die Erklärungen zur letztendlichen Güte.


    In Vers 25 verweist Nagarjuna darauf, dass die Lehre von der letztendlichen Güte, das ist die Lehre von der Leerheit (sunyata) tiefgründig und subtil ist und deshalb bei denjenigen, die noch kein höheres Verständnis entwickelt haben, Furcht auslöst.


    In Vers 26 wird hervorgehoben, was durch die Lehre von der Leerheit negiert wird, nämlich dass das Ich / die Person und deren Besitz ein Eigenwesen besitzen. Im Vers wird das so ausgedrückt:" Ich bin nicht. Ich werde nicht sein. Ich habe nicht. Ich werde nicht haben."


    In Vers 27 erklärt Nagarjuna, dass Buddha Sakyamuni gelehrt hat, dass alle Wesen Samsaras ausnahmslos durch das Festhalten an einem Ich, das ein Eigenwesen besitzt, und durch das Festhalten daran, dass auch der Besitz dieses Ichs ein Eigenwesen besitzt, entstanden sind. Dieses Festhalten am einem derartigen Ich und Mein ist die Wurzel Samsaras.


    In Vers 28 heißt es dann, dass diese Ansichten, dass das Ich als auch sein Besitz (Mein) Eigenwesen besitzen falsch ist, weil es für sie keine Grundlage in der Wirklichkeit gibt wie sie ist.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Vielen Herzlichen Dank, lieber Helmut für so präzise und zugleich ausführliche Darlegung.:rose:


    Was mich besonders berührte, das ist die tiefste Verbindung der "Leere" mit der "letzendlichen Güte".

    Anders ausgedrückt, diese "Letzendliche Güte" ist die Leerheit selbst. Wenn man das echt innerlich realisieren würde, denke ich, es gäbe keinen Platz für alle "Gifte". Und die "Buddhaschaft" ist doch genau das.

    LG.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • In der Ratnavali  Igor07 haben die Begriffe letztendliche Güte und Lehre von der letztendlichen Güte, obwohl sie ähnlich klingen, unterschiedliche Bedeutungen.


    Die letztendliche Güte meint die Buddhaschaft. Die Lehre von der letztendlichen Güte ist ein Synonym für die Lehre von der Leerheit. Im Kontext der Schriften Nagarjunas negiert Leerheit (Sunyata) die inhärente Existenz oder die Eigenexistenz der abhängig entstandenen Phänomene. Diese Leerheit ist also ein Merkmal aller abhängig entstandenen Phänomene. Man muss Leerheit und abhängiges Entstehen im Zusammenhang sehen.

    Anders ausgedrückt, diese "Letzendliche Güte" ist die Leerheit selbst. Wenn man das echt innerlich realisieren würde, denke ich, es gäbe keinen Platz für alle "Gifte". Und die "Buddhaschaft" ist doch genau das.

    Letztendliche Güte ist nicht die Leerheit selbst. Mit letztendlicher Güte wird die Buddhaschaft beschrieben in Ratnavali. Die Buddhaschaft ist aber leer oder frei von inhärenter Existenz. Insofern ist die Leerheit eine Eigenschaft der Buddhaschaft bzw. des Buddha.


    Die unmittelbare Einsicht in die Leerheit aller abhängig entstandenen Phänomene ist das Mittel mit dem die Unwissenheit und damit die anderen Geistesgifte aus unserem Bewusstseinskontinuum vollständig entfernt werden können.


    Die unmittelbare Einsicht in die Lehre von der letztendlichen Güte ist also das Mittel mit dem das Ziel, die letztendliche Güte oder die Buddhaschaft erlangt wird.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Die unmittelbare Einsicht in die Lehre von der letztendlichen Güte ist also das Mittel mit dem das Ziel, die letztendliche Güte oder die Buddhaschaft erlangt wird.

    Vielen Dank, Helmut , also die" Leere" ( also die unmittelbare Einsicht von ihr) wäre dann wie die Bedingung, die Voraussetzung für die letzendliche Güte.

    Das klingt wirklich einleuchtend. Ohne die "Leere" als das Mittel---folglich---keine Buddhaschaft. ( vereinfacht ausgedrückt).

    Ich schätze sehr dein Geduld mit mir. Ehrlich.

    LG.:rose:

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Auch ich möchte mich bedanken _()_

    Interessant und lehrreich!!

    "Das, was wir aus Liebe tun, tun wir im höchsten Grade freiwillig" Thomas von Aquin

  • Auch ich möchte mich bedanken _()_

    Interessant und lehrreich!!

    Lieber Railex , wie ich schon erwähnt hatte, ich lese auch sehr alte Beiträge...

    Helmut kann sehr klar und präzise sehr komplizierte Dinge erklären. Das ist der Fakt, keine Schmeichelei, oder so.

    Auch in den normalen Universitäten man studiert die Lehre von Nagarjuna sehr viele Jahre.

    Ich habe in einer Zeitschrift sehr grosses Interwiew mit einem Wissenschaftler gelesen. Und er ist kein Buddhist sogar.

    Und er sagte, das alles hatte sein Leben radikal verändert.

    Als die absolut andere innere Qualität.

    LG.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Vers 29:


    "Die Anhäufungen von Körper und Geist entstehen aus der Vorstellung von einem Ich, die faktisch falsch ist. Wie kann das, was aus einem nicht-existenten Samen wächst, letztendliche Wahrheit besitzen?" (Übersetzung E.Liebl)


    Im diesem Vers sagt Nagarjuna, dass unsere samsarischen Skandhas aus Vorstellungen entstanden sind, die keine Grundlage in der Wirklichkeit haben. Daraus folgt, wenn die Ursache unserer Skandhas keine Grundlage in der Wirklichkeit haben, dann gilt das auch für unsere Skandhas.


    Sie haben keine Grundlage in der Wirklichkeit bedeutet nicht, dass diese falsche Vorstellung von einem Ich und die durch sie verursachten Skandhas nicht existieren. Das tun sie ja ganz offensichtlich


    Es bedeutet, sie existieren nicht so wie sie uns in unserer alltäglichen Wahrnehmung erscheinen. In dieser Wahrnehmung erscheinen uns unser Ich und unsere Skandhas so als hätten sie ein Eigenwesen. Unter Analyse ist ein derartiges Eigenwesen aber nicht auffindbar.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Guter Mann,der Nagarjuna :like:

    Er ordnet alles der letztendlichen Wahrheit unter!! "Keine beharrende Ich-Einheit" Grundlage für Alles entzogen.

    Kein Eigenwesen, bedeutet Befreiung :zen: es hilft ja tatsächlich direkt entlastend nach angewandter Analyse, also mir zumindest!!


    Kann man eigentlich die Lebendigkeit des Lebens als ein Eigenwesen bezeichnen? oder sind solche Attribute ausgeschlossen?:?

    Was ist sowas, wenn kein Eigenwesen?

    Die Lebendigkeit darf ja nicht aus sich selbst heraus entstanden sein,sondern in Abhängigkeit, was könnte ihre Ursache gewesen sein?

    "Das, was wir aus Liebe tun, tun wir im höchsten Grade freiwillig" Thomas von Aquin

  • Das ist vielleicht einfach ein grammatikalisches Problem, dass wir glauben, ein Verb oder ein Adjektiv braucht ein Substantiv als Subjekt. Es ist so ähnlich, wie bei "Es regnet", da ist doch auch niemand, der regnet.

    "Im letzten Jahr ihres Lebens sagte meine Mutter im Alter von 95 mehrmals: "Es ist befreiend zu erkennen, dass nichts wirklich eine Rolle spielt." Sie sagte es freudig, erleichtert, so, als ob sich eine Last (auf)gehoben hätte."


    Joan Tollifson

  • Oder man fragt sich, was lässt das Leben so lebendig erscheinen?

    Sind es die Daseinsmerkmale, also Anicca,Anatta und Dukkha?, also dieser fließende Prozess des Lebens oder ist es der Drang des Lebens sich durch uns darzustellen?

    Das Leben nimmt keine Rücksicht auf Befindlichkeiten eines Individuums bzw. eines Ichs- es will sich scheinbar nur darstellen.


    In beiden Fällen wäre die geforderte Abhängigkeit vorhanden: Lebendigkeit zeigt sich mittels Dharma Mudra und benötigt u.a. den Menschen um sich darzustellen.

    Durch diese kausale Verknüpfung und Abhängigkeit voneinander, hat das Leben keine Eigenexistenz?!

    Der Drang wäre dann als abhängige karmische Energie zu deuten.

    So vielleicht?:?

    "Das, was wir aus Liebe tun, tun wir im höchsten Grade freiwillig" Thomas von Aquin

  • Sie haben keine Grundlage in der Wirklichkeit bedeutet nicht, dass diese falsche Vorstellung von einem Ich und die durch sie verursachten Skandhas nicht existieren. Das tun sie ja ganz offensichtlich

    Klar, die sind "leer" vom Eigenwsen, genau deswegen die ...real "tun". Und zwas echt offensichtlich.

    Wenn es aber anders herum wäre, es wäre absolut nichts möglich.

    LG, und danke.:rose:

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Zitat

    "Durch die Anhäufungen Körper und Geist entstehen aus der Vorstellung von einem Ich, die faktisch falsch ist. Wie kann das, was aus einem nicht-existenten Samen wächst, letztendliche Wahrheit besitzen?" (Übersetzung E.Liebl


    "Durch die Anhäufungen, Körper und Geist, entsteht die Vorstellung von einem Ich, die tatsächlich und faktisch falsch ist. Wie kann das Ich, das aus einem nicht-existenten Samen wächst, letztendliche Wahrheit besitzen?"

    Wo kann es überhaupt letztendliche Wahrheit geben, die besessen werden kann? Letztendliche Wahrheit ist allumfassend und damit gehört sie jedem, weil jedes der Teile letztendliche Wahrheit ist, also nichts, das man besitzen kann.

    Alle Gebilde sind unbeständig. Alle Gebilde sind unbeendet.

    Alle Dhammas, sind ohne beständiges, Endliches Selbst.

    Nibbana ist Frieden.

  • Oder man fragt sich, was lässt das Leben so lebendig erscheinen?

    Sind es die Daseinsmerkmale, also Anicca,Anatta und Dukkha?, also dieser fließende Prozess des Lebens oder ist es der Drang des Lebens sich durch uns darzustellen?

    Das Leben nimmt keine Rücksicht auf Befindlichkeiten eines Individuums bzw. eines Ichs- es will sich scheinbar nur darstellen.

    Dass das Leben etwas will, würde ich so nicht darstellen. Es fließt einfach vor sich hin. Will sich denn der Fluss in einem Wassertropfen oder einer Welle darstellen? Vergänglichkeit ist aus meiner Sicht eine eher oft eher negative Sicht auf Wandel alles Lebens (Obwohl es ja auch die Aussage (ich glaube auch aus der Zenecke) gibt: Gerade die Vergänglichkeit macht das Leben so schön). Leiden ist ein natürlicher Teil des Flusses des Lebens (selbst Buddha hatte so große Rückenschmerzen, dass er keinen Vortrag halten konnte, so wird berichtet), neben vielen anderen Teilen. "Ich" ist der vergebliche Versuch, etwas fließendes zu verfestigen, da ist nur ein Geschehen, kein Ding. Daher im Zen auch dieses: "Es hat nie ein einziges Ding gegeben." Wollen wir es ergreifen, fließt es durch unsere Finger, die zudem Teil des Fließens sind.
    Wahrheit ist ja auch schon wieder problematisch: Es ist ja der Versuch des Geistes, etwas festzustellen, was eben nicht fest ist. Daher ist vielleicht ein phänomenologischer, beschreibender Ansatz für mich stimmiger.

    "Im letzten Jahr ihres Lebens sagte meine Mutter im Alter von 95 mehrmals: "Es ist befreiend zu erkennen, dass nichts wirklich eine Rolle spielt." Sie sagte es freudig, erleichtert, so, als ob sich eine Last (auf)gehoben hätte."


    Joan Tollifson

  • "Durch die Anhäufungen, Körper und Geist, entsteht die Vorstellung von einem Ich, die tatsächlich und faktisch falsch ist. Wie kann das Ich, das aus einem nicht-existenten Samen wächst, letztendliche Wahrheit besitzen?"

    Wo kann es überhaupt letztendliche Wahrheit geben, die besessen werden kann? Letztendliche Wahrheit ist allumfassend und damit gehört sie jedem, weil jedes der Teile letztendliche Wahrheit ist, also nichts, das man besitzen kann.

    Es geht um letztendliche Wahrheit im Kontext von Nagarjunas Schriften wie den Mulamadhyamakakarikas, dem Suhrllekka, der Ratnavali usw. Es gibt in den buddhistischen Traditionen noch andere Auffassungen über die letztendliche Wahrheit als die von Nagarjuna.


    Letztgültige Wahrheit bedeutet in Nagarjunas System die der Wirklichkeit entsprechende Bestehensweise der abhängigen Phänomene und bedeutet inhaltlich, dass die abhängigen Phänomene leer oder frei von einer inhärenten Existenz sind. Die letztendliche Wahrheit oder Leerheit (Sunyata) ist ein Merkmal aller abhängigen Phänomene und in dem Sinne besitzen alle abhängigen Phänomene dieses Merkmal ohne Ausnahme. In dem Sinne kann man natürlich davon sprechen, dass die letztendliche Wahrheit allumfassend ist.


    Die letztgültige Wahrheit oder die Leerheit der Phänomene von inhärenter Existenz schwebt nicht irgendwie als solche über den Wassern, sondern existiert nur in Abhängigkeit der Phänomene dieser Welt.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • In Vers 30 heißt es dann:


    "Nachdem wir also die Anhäufungen als Täuschung erkannt haben, können wir die Vorstellung von einem ICH aufgeben. Haben wir die Vorstellung vom ICH aufgegeben, entstehen keine neuen Anhäufungen mehr."


    In diesem Vers beschreibt Nagarjuna kurz und knapp wie wir die Befreiung aus den samsarischen Existenzen erlangen können. In den Mulamadhyamakakarikas beschreibt er es ähnlich:


    "Erlösung kommt durch die Vernichtung von Karma und Anhaftungen. Karma und Anhaftungen kommen aus unterscheidenden Vorstellungen, sie kommen aus der begrifflichen Entfaltung. Die Entfaltung aber wird in der Leerheit vernichtet." MMK 18.5, Übersetzung Weber-Brosamer, Back)


    Damit charakterisiert Nagarjuna die falsche Vorstellung von einem aus sich heraus existierendem Ich als die Ursache unserer leidvollen samsarischen Existenz. Überwinden wir diese Vorstellung vom Ich, dann überwinden wir auch samsarische Existenzen, die daraus entstehen, und wir haben dann die dritte edle Wahrheit verwirklicht.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Ich habe „Anhäufungen“ als Skandha gelesen, verstanden, und nicht als Anhäufungen von „etwas“.

    Begriffsverwirrung bei mir.:)

    Mein Beitrag macht keinen Sinn mehr.:grinsen::nospeak:

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