Übersetzungen der Lehrreden des Buddha aus der mittleren Sammlung

  • SteFo

    Danke für den Hinweis auf die englische Übersetzung von Bodhi/Nanamoli.

    Ich finde B. Bodhi folgt seiner Übersetzungsagenda konsistent. Von dem kann man alle anderen Lehrredensammlungen auch lesen ohne das Gefühl zu haben, dass er von seiner Linie irgendwo abweichen würde. Aber das macht wohl fast Jeder Übersetzter so, weil jeder so seinen eigenen Blick auf das hat, was landläufig "Realität" genannt wird und dementsprechend wählt er seine Worte bei der Übersetzung. Da man selbst auch konditionierte Neigungen hat, sagt einem dann der eine Übersetzer mehr zu als der andere. Als ich zB Thanissaro B. las, so war ich hin und wieder doch überrascht (durchaus auch angenehm), welchen spin er zT seinen Übersetzungen mitgibt. Aber dafür ist er auch in der 'gesetzten' theravada community nicht unumstritten.

    mankind ... must act and reason and believe; though they are not able, by their most diligent enquiry, to satisfy themselves concerning the foundation of these operations, or to remove the objections, which may be raised against them [Hume]

  • "Spielchen" erscheint mir nicht vereinbar mit dem Wahrheitsanspruch und den enthaltenden nachdrücklichen Aufforderungen der Doktrin. Auch wenn die Doktrin sagt, dass das Floß am Ende zurückgelassen wird, so wird doch die Ernsthaftigkeit der doktringerechten Verwendung des Floßes nie infrage gestellt.

    Da bin ich mir nicht sicher, ob der Wahrheitssanpruch im "Spielchen" nicht bereits mitenthalten ist. Du hast recht, ich stütze mich da auf Floß, dass zurück gelassen werden sollte. Zusätzlich aber auch auf das Dvedhāvitakka Sutta (MN19), indem der Buddha sich selbst die Erkenntnis der Erlebensformung durch Gedankenbeeinflussung zur Schau stellt (Im Grunde die ABC-Regel der REVT). Interessant finde ich dabei seine Erwähnung, vor seinem Erwachen mit der Einteilung der Gedanken rumzuexperimentieren (anabhisambuddhassa - Ein Buddha in Spe). Scheinbar hat die Wirkung seines Experiments bei ihm einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, denn es endet mit den te- vijjā. Und bisher konnte ich noch nicht widerlegen, dass evtl. das eine eben genau zum anderen führte.

    (Nachträgliche Bemerkung insb. für mich später: Daher ist dein Argument der Zweckdienlichkeit vom Therapierenden sehr wichtig für mich, weil es einen Widerspruch aufdecken könnte. Es ist nämlich ein Indiz dafür, dass das Nichtwissen vom "Spielchen" elementar für die "Therapie" ist. Somit hätte der Buddha MN19 eigentlich nie lehren dürfen, sofern meine Vermutung stimmt)


    Auch sehe ich keine nachdrücklichen Aufforderungen, wie du sagst - sondern freiwillige Selbstverpflichtungen, sofern wir hier von der Rechten Anstrenung (oder vom Bodhisattvagelübde) sprechen. Was soll man auch sonst anderes mit dem Wissen der Vier Wahrheiten machen? Die Alternative wäre sich in einen Wald zu setzen und zu warten, bis der Körper verscheidet (was Siddhartha sicherlich hätte tun können, sich dann aber glücklicherweise als Buddha zum Lehren des Dhamma entschieden hat).

    Natürlich weiß ich aber nicht, von was für einer buddhistischen Doktrin wir hier sprechen. Jede Ausrichtung hat da spezifische Auslegungen. Ich bin kein Religionsteilnehmer und sehe mich auch nicht als Buddhist. Ich versuche lediglich das Dhamma aus den Suten zu prüfen.

    Edited 2 times, last by Bosluk ().

  • ... auch auf das Dvedhāvitakka Sutta (MN19)...

    Interessantes Sutta. Einsicht in die Schädlichkeit schädlicher Gedanken, Einsicht in die Nützlichkeit nützlicher Gedanken, Einsicht in die Schädlichkeit von zuviel Nachdenken selbst hinsichtlich nützlicher Gedanken.

    Jedoch fehlt hinsichtlich der Psychotherapie der Aspekt der Obsessivität von Gedanken, die erst durch die Selbstidentifikation mit den Gedanken entsteht ('fusion'), Gedanken, die ja durchaus ihr "Eigenleben" führen und auftauchen, obgleich sie unerwünscht sind.

    mankind ... must act and reason and believe; though they are not able, by their most diligent enquiry, to satisfy themselves concerning the foundation of these operations, or to remove the objections, which may be raised against them [Hume]

  • Das oben Gesagte berücksichtigend würde ich die Mittleren von B. Nanamoli & Bodhi samt (Fußnoten-)Kommentar und Einleitung empfehlen. Evtl. gibt's das Buch aber nur in englischer Sprache ("original translation by B. Nanamoli, translation edited and revised by B.Bodhi).

    Tatsächlich gibt es diese Übersetzung auch als Hörbuch bei Audible habe ich festgestellt. Ich zögere da aber noch. Das sind ja keine Texte, die man wie einen Krimi hintereinander weghört. Außerdem weiß ich nicht wie Fußnoten in einem Hörbuch umgesetzt werden können. Ich glaube, die hätte ich dann doch lieber als Buch vor mir.

    "Das Siegel der erreichten Freiheit: Sich nicht mehr vor sich selbst schämen."

    - Irvin Yalom, Und Nietzsche weinte

  • Das oben Gesagte berücksichtigend würde ich die Mittleren von B. Nanamoli & Bodhi samt (Fußnoten-)Kommentar und Einleitung empfehlen. Evtl. gibt's das Buch aber nur in englischer Sprache ("original translation by B. Nanamoli, translation edited and revised by B.Bodhi).

    Tatsächlich gibt es diese Übersetzung auch als Hörbuch bei Audible habe ich festgestellt. Ich zögere da aber noch. Das sind ja keine Texte, die man wie einen Krimi hintereinander weghört. Außerdem weiß ich nicht wie Fußnoten in einem Hörbuch umgesetzt werden können. Ich glaube, die hätte ich dann doch lieber als Buch vor mir.

    "Hörbuch" stelle ich mir auch schwierig vor, weil viele Aussage doch idR sehr herausfordernd sind. Ich würde dann vermutlich dabei enden, das Hörbuch abzutippen. Die Fußnoten beziehen sich im Buch immer auf einzelne Worte ohne deren Verständnis die gesamte Aussage nicht verstanden wird. Bodhi verweist dann gerne auf andere Schriften oder Kommentare, um die Bedeutung der Fachbegriffe zu erläutern. Ggf. kannst du das englische Buch auch im Internet als download finden.

    mankind ... must act and reason and believe; though they are not able, by their most diligent enquiry, to satisfy themselves concerning the foundation of these operations, or to remove the objections, which may be raised against them [Hume]

  • Das oben Gesagte berücksichtigend würde ich die Mittleren von B. Nanamoli & Bodhi samt (Fußnoten-)Kommentar und Einleitung empfehlen. Evtl. gibt's das Buch aber nur in englischer Sprache ("original translation by B. Nanamoli, translation edited and revised by B.Bodhi).

    Tatsächlich gibt es diese Übersetzung auch als Hörbuch bei Audible habe ich festgestellt. Ich zögere da aber noch. Das sind ja keine Texte, die man wie einen Krimi hintereinander weghört. Außerdem weiß ich nicht wie Fußnoten in einem Hörbuch umgesetzt werden können. Ich glaube, die hätte ich dann doch lieber als Buch vor mir.

    Was spricht dagegen einem Meister zuzuhören, bei einem Vortrag hat man ja auch keine Lexika mit oder unterbricht den Redner mit seinen Vorstellungen?

  • Was spricht dagegen einem Meister zuzuhören, bei einem Vortrag hat man ja auch keine Lexika mit oder unterbricht den Redner mit seinen Vorstellungen?

    Da kennst du mich aber schlecht. :rofl:


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    (Ich beim Vortrag des Meisters)

    "Das Siegel der erreichten Freiheit: Sich nicht mehr vor sich selbst schämen."

    - Irvin Yalom, Und Nietzsche weinte

    Edited 2 times, last by Mabli ().

  • Was spricht dagegen einem Meister zuzuhören, bei einem Vortrag hat man ja auch keine Lexika mit oder unterbricht den Redner mit seinen Vorstellungen?

    Da kennst du mich aber schlecht. :rofl:

    Heißt wohl, dass du noch sehr wenig Übung hast, deine Wichtigkeit dem Sprecher anzugleichen. :rofl: 8)

  • Da kennst du mich aber schlecht. :rofl:

    Der gute alte "Lehrer Lämpel".... :grinsen: Mit dem identifizierst du dich? Oder ist es nur der Gestus...? :lol:

    "Fähigkeit ruhiger Erwägung - Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte."

    (Marie von Ebner-Eschenbach)


    "...In der Aufhebung des Begehrens (tanha) besteht die Aufhebung des Leidens.

    Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..."

    (AN.VI.63)

  • Da kennst du mich aber schlecht. :rofl:

    Der gute alte "Lehrer Lämpel".... :grinsen: Mit dem identifizierst du dich? Oder ist es nur der Gestus...? :lol:

    Na ja, das ist schon eine ambivalente Identifikation. Ich weiß, dass ich diese Seite habe, bin aber nicht unbedingt stolz darauf. Tendenziell stimme ich Noreply zu, dass in bestimmten Situation eher Demut und Bescheidenheit als Oberlehrergehabe am Platz sind.

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  • Was spricht dagegen einem Meister zuzuhören, bei einem Vortrag hat man ja auch keine Lexika mit oder unterbricht den Redner mit seinen Vorstellungen?

    Ich glaube aber trotzdem, dass mir das schwer fallen würde, die Lehrreden - auch noch auf Englisch - als Hörbuch zu hören. Ich lese schon gerne auch erläuternde Kommentare oder Fußnoten zu solchen Texten, da sie sich mir doch nicht immer ohne weiteres erschließen. Und die Textform der Lehrreden war zwar mal für die mündliche Überlieferung geschaffen, entspricht aber vielleicht doch nicht den Hörgewohnheiten heutzutage, oder?

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    - Irvin Yalom, Und Nietzsche weinte

  • Das oben Gesagte berücksichtigend würde ich die Mittleren von B. Nanamoli & Bodhi samt (Fußnoten-)Kommentar und Einleitung empfehlen. Evtl. gibt's das Buch aber nur in englischer Sprache ("original translation by B. Nanamoli, translation edited and revised by B.Bodhi).

    Tatsächlich gibt es diese Übersetzung auch als Hörbuch bei Audible habe ich festgestellt. Ich zögere da aber noch. Das sind ja keine Texte, die man wie einen Krimi hintereinander weghört. Außerdem weiß ich nicht wie Fußnoten in einem Hörbuch umgesetzt werden können. Ich glaube, die hätte ich dann doch lieber als Buch vor mir.

    Was spricht dagegen einem Meister zuzuhören, bei einem Vortrag hat man ja auch keine Lexika mit oder unterbricht den Redner mit seinen Vorstellungen?

    Einem Meister? der Sprecher des Hörbuches nennt sich "Taradasa"

    Quote

    Taradasa

    Taradasa has been an ordained member of Triratna Buddhist Order, and teacher, for many years. He has managed Padmaloka, the retreat centre in Norfolk and is now manager of the Cambridge Buddhist Centre. Previously, as Tom Morgan, he played a key role in British contemporary music for many years as the manager of the British Music Information Centre, London

    mankind ... must act and reason and believe; though they are not able, by their most diligent enquiry, to satisfy themselves concerning the foundation of these operations, or to remove the objections, which may be raised against them [Hume]

  • Was spricht dagegen einem Meister zuzuhören, bei einem Vortrag hat man ja auch keine Lexika mit oder unterbricht den Redner mit seinen Vorstellungen?

    Ich glaube aber trotzdem, dass mir das schwer fallen würde, die Lehrreden - auch noch auf Englisch - als Hörbuch zu hören. Ich lese schon gerne auch erläuternde Kommentare oder Fußnoten zu solchen Texten, da sie sich mir doch nicht immer ohne weiteres erschließen. Und die Textform der Lehrreden war zwar mal für die mündliche Überlieferung geschaffen, entspricht aber vielleicht doch nicht den Hörgewohnheiten heutzutage, oder?

    Kommentare und Fußnoten lese ich erst, wenn ich den Text gelesen habe, den mir zum Beispiel Buddha gibt.

    Hab ich schon immer so gemacht: Wenn mir jemand was zu sagen hat, wird er Worte verwenden, die ich verstehen kann oder mir Wahrheiten in meinem Leben erschließen. Einstein war der Erste, der mir, seiner Putzfrau, die Relativitätstheorie klarmachen konnte, auch wenn ich mit seinen Formeln nichts anfangen konnte, der hatte wirklich verstanden, was er erkannt hatte. Man muss wissen, dass mir, weil ich als zu blöde eingeschätzt wurde, den Zugang zu Wissen verweigerte.


    Wenn ich Buddha intuitiv verstanden habe, gebrauch ich die Kommentare nicht und vergesse sie zu lesen. Buddha ist sehr klar, wenn man sich nicht von Kommentaren Fremder irritieren lässt, er kommentiert seine Aussagen meisten, nein überwiegend selbst.


    Wenn ich ein Buch übersetze, weil in deutschen Ausgaben der Ursprungstext nicht ersichtlich ist, nehme ich erst die Originaltexte, um dann, bei Irrsinn, die Kommentare anzusehen, um mein Erkennen in dem original gegebenen Test zu verstehen, selten.


    Das MMK habe ich so oft übersetzt, dass es schon sinnlos wurde, das überhaupt zu veröffentlichen. Die Nagarjuna Texte waren dann so deutlich, dass ich keine Ausgabe mehr machen konnte, die nicht dem Verständnis all der Kommentatoren widersprochen hätte.

    Für mich war er die Quelle zur Befreiung, ich habe seine Laterne empfangen, aber das ist ein anderes Thema.


    Meine Aversion gegen den tibetischen Buddhismus musste ich auch selbst überwinden, dabei hat mir das Übersetzen des Totenbuchs in zwei unterschiedlichen Ausgabe in Englisch geholfen. Die Tibeter haben nichts getan außer zu verspotten, aber herzlichen Dank dafür, das spornte mich erst an, aber die Erkenntnisse weitergeben verweigere ich.

    Ich bin eben auch ein arroganter Oberlehrer und Narr, ganz wie es dem Gegenüber beliebt, ich bin immer stets gerne zu Diensten.