Nagarjuna: Die Lehre von der Mitte

  • Ich würde da fragen, wer glaubt denn an sowas? Also an ein unabänderliches und immer sich selbst gleiches Ich. Das hieße ja zu glauben, dass keine Entwicklung möglich ist, dass ich mich nicht verändern kann.


    Oder mit Bert Brecht:


    »Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: ›Sie haben sich gar nicht verändert.‹ ›Oh!‹ sagte Herr K. und erbleichte.«

    Wer glaubt nicht daran ? Die Menschheit sucht nach ihrem Ursprung... Glaubt an Gott, oder an die Weltformel.. Etwas aus dem alles entstanden ist, wodurch alles erklärt werden kann. Das wäre der entgültige Ursprung.. .. Der ursprungslose Ursprung, d.h. etwas was aus sich heraus besteht. Eben diese unabänderliche, immer gleiches Selbst, aus dem sich alles entwickelt haben soll... Und selbst wenn einer behauptet, dass er an die Unendlichkeit glaubt, dann steckt doch wieder nur der Glaube dahinter, dass der Ursprung in der Unendlichkeit zu finden wäre...

  • Den mittleren Weg aufgreifend könnten wir jetzt die Behauptungen aufstellen:


    1) Es gibt keinen, der an ein unveränderliches Selbst glaubt.

    2) Es gibt keinen, der nicht an ein unveränderliches Selbst glaubt.

    ...


    Ich meine dennoch, dass die Menschen heutzutage unter einem großen Druck stehen, sich permanent selbst neu zu erfinden. Der Glaube an ein Jenseits ist im Verschwinden begriffen, daher zählt die Bewährung im Diesseits um so mehr. Es ist schwer zu sagen, woran die Menschen nun wirklich glauben in diesem religiös-philosophischen Sinn.


    Im Alltag glauben alle an die Existenz eines "Ich" als Mittelpunkt der Welt. Das ist wohl unbestreitbar. Ob das jetzt unveränderlich und immer gleich sein muss oder sich gerade dadurch bewährt, dass es sich permanent neu erfindet und so seine Existenz unter Beweis stellt macht vielleicht gar nicht so einen großen Unterscheid.

    "Sich selbselbsten überwinden ist der allerschwerste Krieg; // Sich selbselbsten überwinden ist der allerschönste Sieg." (Friedrich von Logau)

  • Wenn der Attaglaube erloschen ist, dann ist da nichts mehr zu beweisen. Das macht schon einen Unterschied. Veränderung bzw. das sich neu erfinden, um eine Existenz (von was ? ) zu beweisen, da dreht sich doch nur alles um einen angenommenen, permanenten Mittelpunkt.

  • Der mittlere Weg, wenn er denn nun erkannt wird, führt zu dem Schluss, dass es ein Ich geben muss. Das wird nie von Buddha angezweifelt!


    Dieses Ich existiert nur jetzt in diesem Augenblick.


    Das des vorigen Augenblickes ist nicht mehr existent, man glaubt, dass es noch da ist, weil man die Folgen seiner Handlungen spürt. Da ist aber kein Ich mehr.


    Es scheint auch ein Ich zu geben, das die Zukunft kennt, denn man sieht und spürt ja die Foglen einer Handlung in den nächsten Augenblick wirken, aber da ist keine Zukunft, wenn „Zukunft“ da ist, ist es in Wahrheit wieder Jetzt.


    Ein Ich existiert nur in diesem Augenblick. Es gibt kein „zentrales“ Ich, das wäre beständig und unveränderlich. Im gesamten Universum gibt es nichts, das unveränderlich, beständig ist.


    Es gibt sogar eine Person, doch ich weiß 100% das diese Person eine notwendige Puppe ist, nicht Ich, nicht mein Selbst, aber doch zu mir gehörend.

    Die Verhältnisse der Welt des Geistes wurde von Buddha gezeigt.

    Die Verhältnisse der Welt ohne Geist wurde vom I Ging gezeigt.

    Beide Welten sind bedingt in wechselseitiger Abhängigkeit und Anatta.

  • Nagarjuna im deutschen öffentlichen Fernsehen??? Jetzt hab ich alles gesehen.

  • Wenn der Attaglaube erloschen ist, dann ist da nichts mehr zu beweisen. Das macht schon einen Unterschied. Veränderung bzw. das sich neu erfinden, um eine Existenz (von was ? ) zu beweisen, da dreht sich doch nur alles um einen angenommenen, permanenten Mittelpunkt.

    Die Frage war ja eher, worin denn der Attaglaube besteht, bevor er erloschen ist. In einem unabänderlichen und ewigen sichselbstgleichen Ich oder in einen unternehmerischen chamäleonhaften Selbst?

    Nagarjuna im deutschen öffentlichen Fernsehen??? Jetzt hab ich alles gesehen.

    Es gibt nichts, was es nicht gibt. Ich finde die Beiträge wirklich nicht schlecht.

    "Sich selbselbsten überwinden ist der allerschwerste Krieg; // Sich selbselbsten überwinden ist der allerschönste Sieg." (Friedrich von Logau)

  • Wenn der Attaglaube erloschen ist, dann ist da nichts mehr zu beweisen. Das macht schon einen Unterschied. Veränderung bzw. das sich neu erfinden, um eine Existenz (von was ? ) zu beweisen, da dreht sich doch nur alles um einen angenommenen, permanenten Mittelpunkt.

    Die Frage war ja eher, worin denn der Attaglaube besteht, bevor er erloschen ist. In einem unabänderlichen und ewigen sichselbstgleichen Ich oder in einen unternehmerischen chamäleonhaften Selbst?

    Mit Atta ist immer das Unabänderliche, Ewige gemeint. Auch wenn das drumherum durchaus chameleonhaft zugehen kann... Es ist eben der Glaube an den unabänderlichen Kern.

  • Es gibt ein konventionelles, d.h. bedingt entstandenes ich... Man einigt sich z. B. auf den Namen Helmut. Damit ist nicht nur eine Person in diesem Augenblick gemeint. Es ist ja nicht so, dass man sich nächsten Augenblick auf Peter und einen Wimpernschlag später wieder auf einen anderen Namen einigt. Auch wenn eine Änderung der ursprünglichen Konvention möglich ist, so existiert diese Person immer nur konventionell. Darüber hinaus... Mu.

  • Mit Atta ist immer das Unabänderliche, Ewige gemeint. Auch wenn das drumherum durchaus chameleonhaft zugehen kann... Es ist eben der Glaube an den unabänderlichen Kern.

    Und in der Form glaubt da - da kommen wir jetzt wieder zum Ausgangspunkt zurück - heute in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft kaum noch einer dran. Ein Glauben an eine ewiges Selbst klingt so metaphysisch, dass er in diese aufgeklärte Zeit nicht mehr so recht zu passen scheint. Mit den metaphysischen Annahmen hat die Aufklärung und der Positivismus so gründlich aufgeräumt, dass sie selbst im Alltag kaum noch verwurzelt sein dürften.

    Dagegen glauben alle selbstverständlich ein Ich zu haben. Und vielleicht ist mit dem ewigen und unabänderlichen Selbst ja auch eine Größenphantasie von Allmacht und Unendlichkeit von diesem Ich gemeint. Es geht wohl auch wesentlich darum, dass sich dieses Ich sich als getrennte und unabhängige Existenz missversteht.


    Ich frage mich auch: Ist dieses Selbst mehr Kern oder mehr aufnehmendes Gefäß?

    "Sich selbselbsten überwinden ist der allerschwerste Krieg; // Sich selbselbsten überwinden ist der allerschönste Sieg." (Friedrich von Logau)