Wer kennt Monroe Coulombe alias Shi Heng Zong vom Shaolin Tempel Europe

  • Puh. Glaubst du das ernsthaft? Zudem kann man sich verteidigen, ohne Leid zu erzeugen. Im Gegenteil, es ist möglich, durch Verteidigung etwas nützliches zu bewirken und Leid zu vermindern.

    Für mich geht es hier nicht so darum, wie wir so fühlen, sondern wie es zu der Kombination zwischen Buddhismus und Kampfsport gekommen ist.


    Ich habe mir jetzt das Buch von Meir Shahar ( the Shaolin Monastry )zugelegt, damit ich da mehr verstehe. Alle Zitate unten sind aus dem Buch.


    Er schreibt da, dass im Buddhismus insgesamt, eine negative Einstellung zu Krieg und Kampf vorherrscht und zitiert da Vasubandhu ( immerhin

    ein angeblicher Zen-Patriarch)


    Zitat

    The Buddhist philosopher Vasubandhu (fl. fifth century) goes as far as to argue that even if they are pressured to fight, soldiers should not do so, for it is better to die than to kill. In warfare, Vasubandhu emphatically states, responsibility is collective, meaning that it is shared—not divided—by all participants. The soldier who kills and his comrade who happens not to kill are equally guilty, for they have enlisted for the same purpose of slauther.

    The religion’s objection to war was translated into its monastic code. The vinaya regulations of all the Indian Buddhist schools go into great length to prevent monastic participation in warfare. Monks are forbidden to carry arms or join an army. They are not allowed to fight themselves, nor to incite others to fight. Even as passive spectators they are not permitted to enter a battlefield, for they should neither hear the sound of war nor witness its horrors. ( Page 31)


    Der Mönch sollte sich soweit es nur geht von Krieg fernhalten und besser sterben als kämpfen.


    Wie kam man also das Shaolin Kloster zu seinen Kriegern?


    Das Shaolin Kloster wurde nach Shahar in 5 Jahrhunderts von dem indischen Mönch Batuo gegründet - Chan gab es damals noch nicht und so war es ein normales buddhistisches Kloster in dem viele Texte übersetzt wurden. Die Besonderheit des Shaolinklosters lag in seiner Lage am Song - einer der heiligen Berge des Daoismus zu dem sogar Kaiser pilgerten.


    Anscheinend ist wirklich, die auf der oben genannten Stele genannte Ereignis sehr wichtig für die ganze Entwicklung. Es handelte sich um ein Ereignis zum Ende der Sui Zeit als die Tang an die Macht kamen.


    Zitat

    The first was in the last years of the Sui dynasty (ca. 610), when they warded off an attack by bandits. The second was approximately a decade later, when they assisted Emperor Li Shimin (600–649) in the campaigns leading to the founding of the Tang dynasty (618–907). Their heroic assistance to the dynasty earned Shaolin monks property rights that the steles were erected to safeguard.


    Die Sache war die, dass das Shaolin Kloster auf seinen Ländereien einen wichtigen, steilen Pass hatte an dem sich die Gegner der Tang ein Fort besetzt hielten. Von daher stellt sich für das Kloster die Frage auf welche Seite des Konflikt sie sich stellen sollten. Sie entschieden sich für die Tang und so machten sich am 23 Mai 621 dreizehn Mönche auf - sie überfielen das Fort und nahmen den Kommandant gefangen. Damit sicherten sie sich die Dankbarkeit der Tang über Generationen.

    Hinweg. Wo die Güter anderer Klöster eingezogen wurden und es anti-buddhistische Massnahmen gab, waren die Shaolin Teil der Aufstiegsgeschichte der Tang. Ihre Nicht-Friedfertigkeit im entscheidenden Moment wurde zu ihrem Kapital.


    Von den Mönchen blieben 12 im Kloster aber einer wurde von den Rang zum General befördert. Dies spricht nicht für meine Idee dass die Shaolin damals Laien mit Stöcken waren, sondern eher dafür dass sie durchaus eine militärische Ausbildung hatten.


    Zur Kompatibilität mit dem Mönchsdasein äußert Shahar die Vermutung , dass dies mit mit Vajrayana - dem tantrischen Buddhismus - zu tun hat. Wo unter bestimmten Bedingungen der Vinaya sehr weit ausgelegt wird.Es gibt wohl archäologische Beweise dafür, dass im Shaolin Kloster im 12 Jh Vajrapāṇi verehrt wurde und dass diese eine frühere Statue ersetzte. Er zitiert da sogar einen Geschichte von Zhang Zhuo (ca. 660–741).

    aus einem anderen Kloster, in dem ein von seinen Kollegen gemobbtet Mönch Vajrapāṇi anruft und ein Sixpack und Superkräfte kriegt:


    Zitat

    The Northern Qi (550–577) monk Chou (Sengchou) came from Ye (today’s Anyang, Henan). In his childhood he shaved his head and became a novice. His classmates were numerous. Whenever they had free time they would practice wrestling and pouncing for entertainment. Because the Dhyāna Master (Sengchou) was weak they bullied him. One after another they abused him and beat him up. The Dhyāna Master was ashamed of this. He entered the hall and shut its gate behind him. Clinging to Vajrapāṇi’s feet, he addressed the god with the following vow: “Because I am frail, my fellow novices despise me. My humiliation is too great. It would be better to die. You are famous for your strength, so you are the one to help me. I will hang on to your feet for seven days. If you do not endow me with strength, I am sure to die right here rather than renounce my pledge.” Having pronounced this vow, he proceeded to beseech the god most earnestly. During the first two nights his dedication to his purpose grew stronger. During the sixth night, just before dawn, Vajrapāṇi was revealed to him. In his hands the god held a large bowl, full to the brim with sinews-flesh. “Boy!” he said to Chou. “Do you wish to become strong?” “I do.” “Are you determined?” “I am.” Can you eat sinews-flesh?” “I cannot.” “Why?” inquired the deity. “Monks are supposed to renounce meat.” In response, the god lifted his bowl, and with his knife proceeded to force the sinews-flesh upon Sengchou. At first the Dhyāna Master refused to accept, but when the god threatened him with his vajra club (jin’gang chu), he was so terrified that he did eat. In a short while he finished his meal, whereupon the god said to him: “Now, you are already extremely strong. However, you should fully uphold the [Buddhist] teachings, Beware!” Since it was already daylight, Sengchou returned to his room. His fellow novices all interrogated him: “Scumbag! Where have you been just now?!” Chou did not answer. In a short while they all went to the hall for their common meal. After eating, they again entertained themselves with fighting. The Dhyāna Master said: “I have strength now. I suspect not the same kind as yours.” Then he flexed his arms, revealing his powerful sinews and bones. He looked practically like a god. Before they recovered their senses, the Dhyāna Master said, “I will give you a demonstration,” whereupon he entered the hall and started walking horizontally on the walls. He advanced first from the east, then from west, a total of several hundred feet. Then he leaped upwards, his head hitting the ceiling-beams several times. Finally he lifted several thousand pounds.59 His fighting was swift and powerful. Those who belittled him prostrated themselves on the ground, their sweat trickling. No one dared face up to him. ( Page 60)


    Das spielt zwar nicht im Shaolin Kloster aber es liest sich wie aus einem Martial Arts Film. Obwohl es rund um 700 geschrieben wurde und 150 Jahre früher spielt - ungefähr zu der Zeit als Bodhidharma wohl lebte.

  • [...]

    Das fällt mir von der Quellenlage schon besser. :angel:

    Wollte nur kurz schreiben, dass ich das aufmerksam gelesen habe.

    Aus zeitgründen aktuell aber leider nicht weiter darauf eingehen kann.

    VIelen Dank erstmal für die weiteren Infos! _()_

    Kommen mit in meine Sammlung. ;)

  • Der Spalt zwischen Buddhismus und Kriegskunst scheint das Shaolin-Kloster von Anfang an hin und hergetrieben zu haben. Es gab keine Zeit von beides eine harmonische Einheit bildete, sondern es war immer ein Interessenkonflikt.


    Anscheinend war es so, dass es auch immer schon vier Gruppen gab:

    1. Mönche, die nach dem Vinaya im Kloster lebten.
    2. Pseudomönche, die zwar Roben trugen, aber kämpften, Fleisch aßen und sich in Nebentempeln aufhielten.
    3. Shaolin-Absolventrn, die eine Zeit als Pseudomönche verbracht hatten um dann im Land Kampsortschulen zu gründen.
    4. Engagierte Lauen, die nie behaupteten Mönche zu sein und die am Kloster trainierten.

    Und dies war auch immer schon ein Problem und es gab über die Jahrhunderte immer wieder Ermahnungen das mit den Pseudomöncjen einzuschränken und dass diese sich mit dubiosen Elementen rumtreiben und dem Orden schaden


    Ein wichtiger Zeitpunkt war die mittlere Ming-Zeit so ab 1610. Aus zwei Gründen:

    Erstens ging es mit dem Buchdruck so richtig ab und es verbreitern sich viele militärische Handbücher und Romane in denen die Shaolin eine wichtige Rolle spielte.

    Und zweitens ging es mir der regulären Armee sehr bergab. (Ich erinnere mich grob, dass dieser auf einer Klasse freier Männer mit Wehrdienst basierte, die am zerbröseln war ) Von daher stellte man überall irreguläre Truppen auf und dabei waren Shaolin und Shaolin Instruktoren wichtig. Dies war wohl sehr weit weg vom Edlen. Ein wichtiges Ereignis war, das Shaolin zur Bekämpfung japanischer Piraten ( Wako) eingesetzt wurde:


    Zitat

    On July 21, 1553, 120 fighting monks defeated a group of pirates, chasing the survivors for ten days along the twenty-mile route southward to Wangjiazhuang (on the Jiaxing Prefecture coast). There, on July 31, the very last bandit was disposed of. All in all, more than a hundred pirates perished, whereas the monks suffered four casualties only. Indeed, the monks took pity on no one in this battle, one employing his iron staff to kill an escaping pirate’s wife. (Zheng Ruoceng does not comment on the monks’ disregard for the Buddhist prohibition on killing, even in this instance when the murdered woman presumably was unarmed.) Page 97


    Wenn ein Mönch mit einem eisernen Stange eine unbewaffnete Frau tötet, dann entspricht das nicht so dem Ideal. Aber damals galten die Piraten als nationale Bedrohung und die Shaolin galten als Helden. Es gab mehrere solche Einsätze, wo die Ming auf die Shaolin zurück griffen, um Aufstände und Banditen zu bekämpfen:


    Zitat

    Beginning in the first decade of the sixteenth century, Shaolin warriors were regularly drafted to quell local unrest in north China. In 1511, seventy monks lost their lives fighting Liu the Sixth and Liu the Seventh, whose bandit armies swept through Hebei and Henan. In 1522–1523, Shaolin fighters battled the miner turned bandit Wang Tang, who pillaged Shandong and Henan, and in 1552 they participated in the government offensive against the Henan outlaw Shi Shangzhao. ( Page 99)


    Dies wurde ihnen hoch angerechnet. Und da es ja um den Schutz von Staat und Gesellschaft ging, wurde es dann eben als sehr ethisch und buddhistisch schöngeredet:


    Zitat

    Shaolin’s military assistance to the state won praise from its highest-ranking officials. During the 1620s, the vice censor in chief, grand coordinator for Henan, Cheng Shao (jinshi 1589), visited the monastery and dedicated a poem to its fighting monks. Weaving together Buddhist and military imagery, the vice censor in chief argued that war on behalf of the state does not contradict the Buddhist prohibition of violence. On the contrary,


    Shaolin monks attain the “fruits of enlightenment” by their military protection of the people. They are able to “transmit the lamp”—that is, propagate the Buddhist message—by their heroic contribution to national defense:


    Zitat

    Imperial decorations for banditry suppression are the true fruits of attainment,


    National defense and world pacification are the lamp-transmission.


    Under a prosperous reign, emergencies we need not fear,


    By loyalty and heroism Vairocana spreads the Mahāyāna.58


    The Shaolin monks’ support of the regime earned them not only words of praise but also material benefits. In 1581 and again in 1595, Dengfeng County officials issued formal letters, exempting Shaolin’s lands from taxation.


    Die Regierung benutzte also die Shaolin für so Standard Sölder Einsätze man war aber dann über die Leistung so happy, dass man das in sehr buddhistischen Tönen lobte.


    Interessant ist, dass das Shaolin Kloster zwar von Stelen umgeben ist, die von militärischen Großtaten erzählen - in den Aufzeichnungen des Klosters Kampf nicht vorkommt. Bei den sich an den Vinaya haltenden, nach Befreiung strebenden Mönchen ist es anscheinend kein Thema.

  • Aber auf der anderen Seite ist eine strenge Trennung zwischen "spirituellen Mönchen" und auf Sieg fixierten Kampfmönchen anscheinend auch nicht möglich. Es kamen nicht nur Krieger mit militärischen Interessen nach Shaolin sondern auch wohlhabenden und gebildete Laien, die teilweise über Jahrzehnte Kampfkünste studierten und dies eben auch mit einem spirituellen Interesse. So schreibt

    Cheng Zongyou 1610:


    Zitat

    The Shaolin Monastery is nestled between two mountains: that of culture (wen) and that of fighting (wu). Indeed this monastery has transmitted the method of staff fighting and the doctrines of the Chan sect alike, for which reason gentlemen throughout the land have always admired it. Since my youth I was determined to learn the martial arts. Whenever I heard of a famous teacher I wouldn’t hesitate to travel far to gain his instruction. Therefore I gathered the necessary travel expenses, and journeyed to the Shaolin Monastery where I spent, all in all, more than ten years. At first I served Master Hongji, who was tolerant enough to admit me into his class. Even though I gained a sketchy understanding of the technique’s broad outlines, I didn’t master it. At the time Master Hongzhuan was already an old man in his eighties.9 Nevertheless his staff method was superb, and the monks venerated him the most. Therefore I turned to him as my next teacher, and each day I learned new things I had never heard of before. In addition, I befriended the two Masters Zongxiang and Zongdai, and I gained enormously from practicing with them. Later I met Master Guang’an, one of the best experts in the Buddhist technique. He had inherited Hongzhuan’s technique in its entirety, and had even improved upon it. Guang’an tutored me personally, and revealed to me wonderful subtleties. Later I followed him out of the monastery and we traveled together for several years. The marvelous intricacy of the staff’s transformations, the wonderful swiftness of its manipulations—I gradually became familiar with them, and I attained sudden enlightenment (dun). ( Page 83 )


    Hier haben wir jemanden, für den der Stockkampf eine Achtsamkeitsübung ist die er in all ihrer Subtilität zu begreifen sucht, und von der er dann sagt, dass die ihn bis zum Satori brachte. Und gleichzeitig besuchen Kämpfer und sogar Generäle das Kloster, die sich auf den konkreten Kampfwert fokussieren.


    Der Stock der Shaolin ist anscheinend für alle Anwendungsfälle offen: Man kann mit ihm unbewaffnete Frauen erschlagen und Einspitzigkeit des Geistes erlangen.