Wut, Zorn, Ärger (Geistesgift Hass)

  • Ich erbitte Rat, da ich nicht in der Lage zu sein scheine meine Persönlichkeit trotz buddhistischer "Haltung" und Sicht, teils auch Praxis in Bezug auf das Geistesgift Hass zu verändern.


    Der Ärger, die Wut, der Zorn über alles Mögliche begleitet mich seit dem es mich gibt.


    Erfolge erzielte ich im Umgang mit leichten Situationen wie im Straßenverkehr, wo ich mir denke der Ärger zahlt sich nicht aus und die Gesellschaft ist eben eine andere.


    Zusätzlich habe ich gelernt ruhig zu bleiben, wenn man versucht mich anzugreifen oder Dinge macht die den Regeln in unserer Gesellschaft nicht entsprechen, auch das gelang.


    Was nicht gelang sind persönliche Verletzungen, wobei das kuriose daran ist, dass diese Menschen keine Bedeutung haben für mich, trotzdem ärgere ich mich und es schadet meinem Wohlbefinden sehr.


    Die globalen Themen sind ein Ärgernis, weil ich keine Möglichkeit gefunden habe, mich entsprechend so fernzuhalten von den Medien, dass es mich nicht belastet, da Einiges mich ja persönlich betrifft, wie Verarmung durch Enteignung. Danke liebe EU, Danke USA, Danke Russland. Danke wie ihr die Probleme versucht habt zu lösen, das war hilfreich um sehr viele Menschen ins Elend zu stürzen.


    Ich war bis vor 2 Jahren im guten Mittelstand, mittlerweile habe ich weniger Geld zur Verfügung als Menschen, die gar nicht arbeiten.


    Und das größte Ärgernis sind die Ungerechtigkeiten an meinem Arbeitsplatz, weil entweder man erduldet alles oder man wird so terrorisiert, dass man freiwillig geht.


    Es gab unzählige Situationen, die unfair waren, wo ich betrogen wurde, belogen, auch finanziell über den Tisch gezogen von meiner eigenen Familie und was soll ich sagen trotz intensiver Bemühungen mit Meditation, Achtsamkeit, Akzeptanz zerfrisst mich der Ärger nach wie vor.


    Auch etliche Therapiestunden brachten keine Verhaltensänderung, ein hoffnungsloser Fall?


    Wenn ich darüber nachdenke als Buddhist treffen die drei Geistesgifte wirklich den Kern aller Probleme, die mich so umgeben und es könnte sein, dass das eine allgemein gültige Aussage wäre?

  • Auch etliche Therapiestunden brachten keine Verhaltensänderung, ein hoffnungsloser Fall?


    Wenn ich darüber nachdenke als Buddhist treffen die drei Geistesgifte wirklich den Kern aller Probleme, die mich so umgeben und es könnte sein, dass das eine allgemein gültige Aussage

    Hi, Tim99 ... Nein, das Leben, wie es ist , das ist" ein hoffnungsloser Fall". Ich frage mich immer, wem ? :?: diese "Gifte " gehören? Wenn man tief genug in Sati verankert ist, dann man kann sehen , alles vergeht, wie diese Gefühle auch. Ich leide unter unerträglichen Depressionen, das hilft mir, also wirkt , und zwar absolut real.


    Der Ärger, die Wut, der Zorn über alles Mögliche begleitet mich seit dem es mich gibt.

    So ist Samsara, entweder man könnte das ganze akzeptieren, wie es ist, also loszulassen.. oder hart anzukämpfen... die zweite Option Bringt aber eher den Gegenteil.

    Was konkret macht / praktizierst/ du, darf ich fragen?

    Alles Gute auf deinem Weg.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Lieber Tim, es tut mir sehr leid, dass Du so schwere Zeiten durchmachst. Ich verstehe, dass es da schwierig ist, sich auch noch zusätzlich darin zu schulen, Hass abzubauen.

    Das dauert sehr lange. Wäre das einfach nur durch den Verstand zu "erledigen", dann wären wir alle schnell frei.


    Aber Du bist ja bereits erfolgreich auf einigen Gebieten. Es funktioniert m.E. aber nur bedingt durch beruhigende Worte wie " der Ärger zahlt sich nicht aus ...".

    Die Geistesgifte müssen verstanden werden. Sie haben ihre Ursache. Nicht Jede/r re-agiert auf dieselben Auslöser.


    Das geht am besten aus meiner Erfahrung über Meditation und Reflektion.

    Und es geht eben nicht von heute auf morgen.


    Ich wünsche Dir, dass Du nicht nachlässt in Deinem Bemühen und es Dir möglich ist, Dich selbst mit Deinem Hass anzunehmen. Der Buddha sagte "sei Dir selbst ein Licht".

    _()_ :heart:Monika

    Ohne mich ist das Leben ganz einfach

    Ayya Khema

    Oder anders ausgedrückt: Die Beherrschung der Gedanken ist der Weg zum Glück (SH Dalai Lama)

  • Tim, versuche mal folgenden Trick:


    Betrachte dich wie ein Automat. Also wenn jemand dich 'angreift', werden bestimmte Reaktionen und Gefühle getriggert, du reagierst. Es reicht schon, sich selbst dabei zu beobachten, was da so abläuft. Obwohl es Anfangs so gut wie unmöglich ist, sich selbst live dabei zu beobachten, weil die Re-aktion normalerweise so schnell abläuft. Dann vielleicht erst mal nur in Rückschau.


    Ja, es ist wie bei einem Automaten oder so. Jemand wirft eine Münze ein, und du reagierst. Dasselbe mit Nachrichten aus aller Welt. Da wird irgendwelcher Input in den Kopf eingeworfen, und dann steigen automatisch Gefühle und Gedanken in dir hoch.


    Und noch was zum Thema Armut. Ich rede mal von mir selbst, da es sonst wie ein persönlicher Angriff wirken könnte. Arm bin ich nicht, weil ich nicht mehr in 'nen Urlaub fahren/fliegen kann oder mir alle paar Jahre ein anderes Auto leisten könnte. Oder nur eine kleine Wohnung. Arm bin ich, wenn ich hungern und frieren muss und keine Freunde habe.

    "Setz dich, Freund und trink einen Tee."

  • Tim99

    Unfair,Betrogen, über den Tisch gezogen…

    Leidvoll.Dhukka.

    So ist sie diese Welt.Leidvoll.


    Ja.


    Annehmen, nicht reagieren, Persönlichkeit verändern, Strich ziehen, Vergangen ist vergangen..,,undundund.

    Die Dinge sind wie sie sind.


    Ist leicht gesagt.

    Doch was möchtest Du?…

    ….was möchtest Du denn wirklich?


    Beantworte Dir die Frage und dann handel danach.


    Der Buddha hat die Elefantenspur hinterlassen.

    Es kommt niemand der für Dich die Spur gehen wird.

    Nicht hier und nicht sonst wo.


    Geh oder lass alles wie es ist.


    Alles Gute Tim99 🔆🙏

  • Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass wirkliche Veränderung nur stattfindet, wenn du diese Persönlichkeit durchschaust.

    In Wirklichkeit ist die Welt nicht gut oder böse, fair oder unfair.

    Sie ist mehr oder weniger nur eine Idee, die uns durch Erziehung, Bildung, Umfeld eingepflanzt wurde.


    Ich habe früher viel mit Metta gearbeitet, und hatte auch temporär erfolg damit.

    Aber erst als ich diese Persönlichkeit enttarnt hatte, konnte ich diese Probleme überwinden.


    Diese Sachen verschwinden nicht.

    Das Leiden der Welt verschwindet nicht.

    Aber jener der unter diesen Dingen leidet , verschwindet bzw war niemals da.


    Der folgende Satz beschreibt es zwar nicht ganz korrekt, aber inzwischen habe ich erkannt dass dieses Herz seit jeher in Wirklichkeit nicht mehr ist, als ein stilles Meer des Friedens, wo Wut,Glück,Hass, Freude, Ungeduld usw nur temporäre Besucher sind.


    Wie gesagt, am Anfang war Metta und Samadhi meine Medizin,aber Heilung erlangte ich erst durch die ununterbrochene Kontemplation des ❤️.

    Es reicht nicht wenn man 30 Minuten am Tag auf dem Kissen sitzt, und einmal im Jahr eine Woche im Retreat ist.

    Jeder wache Moment muss ein akt der liebenden Güte und Kontemplation sein.


    Mögen wir alle Frieden finden!

  • Lieber Tim99,

    mich freut deine Frage gerade, vielleicht lese ich aber auch nur rein mit dem Ärger umgehen lernen zu wollen ohne zusätzliches Leid erzeugen zu wollen, davon gibt es schon genug. Ich weiß es nicht.

    Bei mir kommt die Veränderung, die du glaube ich suchst, aus der Metta-Mitgefühlspraxis (5x mehr Metta als Mitgefühl und zuerst für mich und dann für andere). Wirkliches Wohlwollen lernen auch bei schwierigen Menschen (zu denen ich mich zähle) und dann Verstehen lernen durch Zuhören üben und Schmerz aushalten (oder annehmen und loslassen, wenn die Worte besser passen). Damit lässt sich aus meiner Sicht in schwierigen Situationen auch gut handeln und es ist kein Weg in einfach alles akzeptieren.


    _()_ Ich wünsch dir Wohlbefinden

  • Im Alltag ist sehr schwer, das Problem der Wut zu lösen, weil ja meistens so viel gleichzeitig passiert. Man kann sich ja viel überlegen, was man anders machen soll und würde dann doch vom Automatismus der Situation fortgetragen.


    Von daher hat es mir, wenn ich wütend war geholfen zu meditieren um zu sehen was da passiert und wie ich da die Flamme immer wieder neu entzünde.


    Und gerade wenn ich lange am Stück meditiert habe, hat nur das geholfen besser zu verstehen wie Wut so tickt. Wenn man nicht aus kann z.B weil man an einem Meditationstag Stunden da sitz, dann kann man Ärger nicht ausagieren sondern er fällt direkt auf einen selbst zurück. Um sich nicht selber zu nerven, ist man quasi dazu gezwungen die die Fähigkeit zu entwickeln, Wut und Ärger nicht aufkommen zu lassen.

    Statt Ärger über den eigenen Ärger zu empfinden und so da noch eins draufzusetzen, ist man dazu gezwungen Geduld zu kultivieren.


    Dies ist aber ein längere Prozess der eben auch frustrierend ist.

  • Danke allen!

    Bis vor einigen Jahren war das Thema Wut, Ärger, Zorn ein Anderes für mich. Es hatte ausschließlich mit meinem persönlichen privaten Erfahrungen zu tun.


    Im Laufe der letzten Jahre beobachte ich zunehmend Ärger durch Information. Die Medien bzw. die sozialen Medien haben das verändert. Ich versuche dem zwar zu "entgehen", aber es geht schwer.


    Was ich meine, früher war der Ärger auf normale Dinge beschränkt, die mir widerfahren sind. Seit den Krisen, die es immer gab, aber für mich persönlich erst seit Corona wahrnehmbar, da hat sich der Ärger zusätzlich verstärkt.


    Ich kann zwar die ganzen Themen nicht mehr hören, aber sie haben verändert und der Umgang damit, da tue ich mir schwer. Ich komme mir vor, wie in einer anderen Welt. Und all diese Krisen haben Einfluss auf mein Leben, in der Vergangenheit und jetzt.


    Meine Sicht ist nicht deckungsgleich mit dem, was ich höre, ich bilde mir meine eigene Meinung und das macht wütend. Weil der Einfluss der Politik bzw. Entscheidungsträger ein Maß erreicht hat, dass man sich zwangsläufig mit den Themen beschäftigen muss, weil sie jeden betreffen.


    nuk hat glaube ich geschrieben über die Armut, ich war nicht arm, aber jetzt bin ich es. Und dafür trage nicht ich die Verantwortung ,sondern Menschen, die falsche Entscheidungen getroffen haben..


    Korrekt - ich habe zu essen und zu trinken und ein Dach über dem Kopf. Was gibt es nicht mehr? Gesund ernähren geht nicht mehr, soziale Kontakte sind eingebrochen, weil wenn man kein Geld hat, kann man nicht viel Freizeitgestaltung mehr machen.


    Urlaub oder Konsum war nie wichtig. Die Grundbedürfnisse schon, wie Nahrung, Wohnen, Gesundheit. Ich lebe von Geld, was nicht mir gehört und was jedes Monat weniger wird. Eine Frage der Zeit, dann werden die Grundbedürfnisse nicht mehr zu decken sein.


    Das hätte ich mir nicht gedacht. Mir fällt Akzeptanz ein, Veränderungspotential sehe ich keines, dazu braucht es Voraussetzungen. Die Gegenwart ist allgegenwärtig geworden, ich habe keine Pläne mehr. Die Praktiken und die Lehre ist nicht vergänglich, das gibt Mut.


    Ich denke viele Menschen haben keine Pläne mehr.

  • In den 90ger & Nullerjahren habe ich an Osho-Meditationen teilgenommen. Die beginnen mit stark bis extrem stark körperorientierten Übungen, heftiges Tanzen, heftiges Atmen(!), in verschiedener Form 2x 15min , dann 15 min mäßiger, dann 15 min still und ausklingend. (Ich glaube es gab vier Stile, eine Art hieß "dynamische", die andern Namen habe ich vergessen). Wir haben da manchmal Wochenend-treffen gemacht und unsere "Alltags-aufregung" "-Aufruhr" zu Beginn ausagieren und damit besänftigen lassen. Ich fand das für mich eine gute, ausgleichende Übung für das Folgende; und über die 2-3 Jahre in denen ich da mitgemacht habe, auch in den Alltag hineinwirkende Praxis.

    Aber natürlich, das arbeitet vorrangig mit der *Reaktion* des Körper-Geists auf unharmonisches im Alltag/im Leben und nicht mit den Quellen, aus denen das/die Wut/die Erregung immer wieder hervorgerufen und gespeist wird...

    Ich will das hier nicht ausweiten, aber immerhin könnte diese Erfahrung meinerseits ja vielleicht ein Impuls werden, in dieser Richtung mal aktiv zu werden. Und dann weitersehen...

  • Ich erbitte Rat, da ich nicht in der Lage zu sein scheine meine Persönlichkeit trotz buddhistischer "Haltung" und Sicht, teils auch Praxis in Bezug auf das Geistesgift Hass zu verändern.

    Da hat jeder so seine Konstellation, bei mir ist eher die Begierde das Hauptproblem. Immerhin hat man die Einsicht dass es sich um unerwünschte Geistesgifte handelt, sie entsprechen nicht der Gesinnung, aber man wird immer wieder davon überwältigt. Das ist bereits eine wertvolle Erkenntnis, würde man z.B. Hass gutheißen und ganz dahinterstehen, hätte man keinen Grund etwas zu verändern. Man würde sich völlig damit identifizieren und denken es wäre richtig zu hassen und anderen Schaden zuzufügen von denen man sich verletzt fühlt. Wie man an den ständigen Kämpfen und Kriegen in der Welt sieht, ist diese wichtige Einsicht leider nicht sehr weit verbreitet.


    Das Problem ist also dass man sich zu etwas hinreißen lässt was man im Grunde nicht wirklich will, eine Diskrepanz zwischen Ist- und Sollzustand unter der jeder einigermaßen besonnene Mensch zu leiden hat. Eine schnelle Lösung dürfte es nicht geben, es braucht Geduld und viel Übung um die Situation allmählich zu verändern. Dazu gibt es ja mehrere Möglichkeiten:


    Man besinnt sich immer wieder darauf was man eigentlich will, auf den großen Wert des Friedens und der inneren Freiheit.

    Meditation fördert die Geistesruhe, etwa die Konzentration auf ein einziges Objekt wie den Atem oder einen Mantra.

    Das Beobachten der Gefühle führt zur Loslösung der Identifikation damit, man nimmt sie nur wahr ohne sie zu ergreifen, so nährt man sie nicht und sie vergehen wieder. Im Idealfall sieht man wie sie entstehen und vergehen, lässt sie vorüberziehen, erkennt dass man nicht das Gefühl ist und dass es einem nicht gehört. Ein Gefühl ist eben nur ein Gefühl, nicht "Ich" und nicht "mein".

    Selbstverständlich ist auch Metta eine wichtige Übung, die Kultivierung von unbeschränktem Wohlwollen. Die intensive Vorstellung dass man allen Wesen nur Gutes will, ohne jegliche Tendenz zu verletzen und zu schaden, versetzt in einen Zustand von Glück, Frieden und Harmonie. Man weiß dann dass man genau richtig liegt, kann sich bei realen Begegnungen daran erinnern und es praktizieren. Immer wenn es gelingt ist man wieder ein Stückchen vorangekommen.

    Sehr hilfreich ist auch das Vermeiden schlechter Gesellschaft und das Aufsuchen der Gesellschaft von Menschen die den Frieden und die Weisheit lieben.


    So lassen sich Strategien entwickeln die am Besten zu einem passen, vielleicht bevorzugt man Metta, die Achtsamkeit auf den Atem, oder sonst eine der zahlreichen Übungen aus der buddhistischen Lehre. Man kann experimentieren und anwenden womit man am meisten Erfolg hat, oder je nach Situation die Strategie wechseln. Und besser man achtet mehr auf die Erfolge als auf die Misserfolge - "es ist besser ein Licht anzuzünden als über die Finsternis zu klagen".

  • @Tim99 Moin Tim,


    mir fiel zu Deiner Frage spontan etwas aus einem Spielfilm ein; wahrscheinlich ein ziemlich kitschiger, weil ich nur noch solche Sachen längere Zeit ansehen kann :)


    Eine Hauptperson fragt jemand anderes 'Da sind zwei Wölfe in Deinem Geist, einer ist Liebe, Achtung für andere, Zuwendung, der andere ist Hass und Wut. Die beiden Wölfe kämpfen - welcher von beiden wird gewinnen?' Die Antwort war 'Der, der regelmäßig gefüttert wird'..


    Nicht unbedingt ein buddhistisches Gleichnis, aber trotzdem eine nette Geschichte...

  • Die Geschichte von den zwei Wölfen | einfachachtsam.de
    Die Geschichte von den zwei Wölfen des alten Cherokee-Indianers zeigt, dass es an unserer Ausrichtung liegt, was wir in die Welt tragen.
    einfachachtsam.de

    _()_

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    Ayya Khema

    Oder anders ausgedrückt: Die Beherrschung der Gedanken ist der Weg zum Glück (SH Dalai Lama)

  • Einen Groll kann man ja auch hegen und pflegen wie ein Haustier. Wenn jemand einen Groll an der Leine führt dann signalisiert er, dass da jemand ist dem Unrecht widerfahren ist. Oder dass er heroisch gegen ein Unrecht ankämpft.


    Da hängt dann auch die Identität dran, weswegen man diesen Groll nicht ablegen kann ohne seine Identität mit abzulegen. Und da ist man halt unter Umständen lieber ein "grollener Wolf" als ein "hilfloses Schaf". Der Groll bewahrt einem eine Restwürde weswegen man ihn gar nicht aufgeben will.


    Man möchte keinen Frieden damit schließen übervorteilt worden zu sein. Wenn man aber nicht verzeihen will, dann ist man dazu verurteilt dauernd jemand wegen irgendwas zu "zeihen" d.h anzuklagen.


    Von daher macht es Sinn sich zu fragen, ob man seinen Groll überhaupt los sein will, wenn dies bedeutet Sachen die man unverzeichlich finden will zu verzeihen.

  • Korrekt - ich habe zu essen und zu trinken und ein Dach über dem Kopf. Was gibt es nicht mehr? Gesund ernähren geht nicht mehr, soziale Kontakte sind eingebrochen, weil wenn man kein Geld hat, kann man nicht viel Freizeitgestaltung mehr machen.


    Urlaub oder Konsum war nie wichtig. Die Grundbedürfnisse schon, wie Nahrung, Wohnen, Gesundheit. Ich lebe von Geld, was nicht mir gehört und was jedes Monat weniger wird. Eine Frage der Zeit, dann werden die Grundbedürfnisse nicht mehr zu decken sein.

    Sorry, Tim99 , noch ein Gedanke, ich denke, es ist ( meine Meinung) sehr wichtig.

    Sehr viele in der modernen Welt gerade jetzt haben nichts das, was du oder ich noch haben.

    Die Leute sterben-- gerade jetzt, wie viel?

    Die Leute verhungern , denn die haben kein Geld, um das Brot zu kaufen- wie viel?

    Die Leute leben in der Gosse, ohne Zukunft-- wie viel?

    Ich danke immer, egal wem, dass ich es ( noch) abtippen kann. Wie lange?

    So weiter, mein Lieber.

    Das heisst, tecnisch gesprochen, den Geist von Bodhisattva zu kultivieren, mit den einfachen Wörtern, dankbar zu sein, denn anderen es geht noch dreckiger... Wenn man das echt ver-innerlich-t, dann das Leben würde echt viel mehr erträglicher, also eher als das Geschenk, als die Gnade.. Nichts selbstverständlich.

    Alles Liebe.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Igor07

    Du hast Recht, aber ist es nicht so, dass Menschen in sehr ärmlichen Verhältnissen oft trotz allem besser leben als wir? Ich vergleiche nicht mit Menschen, denen es schlechter geht, die wird es immer geben, da ist kein Ende nach unten. Das ist auch kein Trost.


    Das Problem ist man immer selbst, das ist mir klar, die Lösung auch. Ich hatte mir lange überlegt zu schreiben, da ich die Antwort kenne.


    Monikadie4. Danke für die schöne Geschichte mit dem Wolf.

  • Wut ist die Emotion die aus einem Anrennen gegen ein Hindernis kommt.


    Und da ist ja unsere Kultur eher so gepolt, dass es als Versäumnis gilt mit dem Bestehenden zufrieden zu geben. Man soll vielmehr unzufrieden mit vielen sein und überall versuchen sollte, es zum Besseren zu wenden. Was ja einerseits gut ist, weil es viele Leute gibt die versuchen alles besser und neu zu machen.


    Aber mit der Hochachtung vor dem Neuen geht ja eine Minderachtung des Bestehenden einher. Aus dieser Pflicht zur Verbesserung erwächst eine Mission Unzufriedenheit zu schüren: Unzufriedenheit mit der Weltlage um diese zu verbessern. Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung, weil diese erhöht werden soll. Unzufriedenheit mit dem Körper, der Partnerschaft, dem Haus dem Auto usw. Weil es da überall Verbesserungsbedarf gibt und zur Verbesserung mobilisiert werden soll.


    Aus so einer Perspektive erscheinen die Zufriedenen als lethargisch, naiv, zurückgeblieben, abgehängt, selbstgerecht oder sogar als unsoziale Deserteure der Verbesserung.


    Und weil der hohe Anspruch - das Vorwärtsstreben - zur Pflicht des selbstoptimierenden Konsumenten gehört, brodelt, sobald man nichts tun kann - sobald man feststeckt -so die Wut. Weil die Moderne so eine große Mobilisierung ist, ist es so schlimm wenn man darin steckt, versagt, gehindert wird.

  • Nein, ich wäre glücklich, wenn es nicht so viele Menschen gäbe, die alles verändern wollen. Ich will das Alte nicht das Neue.

  • Du hast Recht, aber ist es nicht so, dass Menschen in sehr ärmlichen Verhältnissen oft trotz allem besser leben als wir? Ich vergleiche nicht mit Menschen, denen es schlechter geht, die wird es immer geben, da ist kein Ende nach unten. Das ist auch kein Trost.

    Hm , mein Lieber, die sind aber "innerlich" mit allem zufrieden. Die jammern nichts, die sind so wie im klarem mit sich selbst.

    Man kann auch im Sterben liegen , aber absolut ruhig und gelassen das Leben akzeptieren, wie es ist. Ich hoffe sehr, dass du es nachvollziehen konntest, Tim99 .

    So kann man aber in unseren westlichen Begriffen so ausdrücken:


    und sprach: Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir weg – doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe! (Mt 6,10)


    Das ist der Ausdruck der totalen Demut , also so wie das innere Auf-geben.

    Ch. Trugpa im Buch " Verrückte Weisheit" spricht dann über die " Hoffnungslosigkeit", was die Amerikaner nichts verstehen wollten, denn wir alle wollten immer mehr, wir sind süchtig nach der Wellt der "Sinne", wir alle können nichts anders ticken. Wenn etwas juckt, so wir kratzen diese Stelle sofort, aber dann es juckt noch mehr...


    17. "Angenommen, Māgandiya, es gäbe einen Leprakranken mit Wunden und Blasen an den Gliedern, der, von Würmern zerfressen, mit den Fingernägeln den Schorf von seinen wunden Stellen kratzte und seinen Körper zur Erleichterung über einer Grube mit brennender Holzkohle einbrannte; je mehr er den Schorf abkratzt und seinen Körper einbrennt, desto fauliger, übelriechender und stärker infiziert würden seine wunden Stellen werden, und doch würde er ein gewisses Maß an Befriedigung und Vergnügen daran finden, seine wunden Stellen zu kratzen. Ebenso, Māgandiya, schwelgen Wesen, die nicht frei von Sinnesbegierde sind, die vom Begehren nach Sinnesvergnügen verzehrt werden, die vor Fieber nach Sinnesvergnügen brennen, dennoch in Sinnesvergnügen; je mehr solche Wesen in Sinnesvergnügen schwelgen, desto mehr wächst ihr Begehren nach Sinnesvergnügen an, und desto mehr werden sie von ihrem Fieber nach Sinnesvergnügen verbrannt, und doch finden sie ein gewisses Maß an Befriedigung und Vergnügen bedingt durch die fünf Stränge sinnlichen Vergnügens."


    So lebt der "Normale " Mensch wie dieser Lepra-Kranker. Lass das ganze los... Egal was auf dir ( mir) zukommt. Man kann sehr vieles im Leben nichts ändern, aber die innere Einstellung bestimmt doch.

    Ansonsten man sucht immer den Schuldigen.. Die Politiker, die Ausländer, die Konzerne, der Arbeitgeber, die Familie, egal wer noch..

    Meine Sicht ist nicht deckungsgleich mit dem, was ich höre, ich bilde mir meine eigene Meinung und das macht wütend. Weil der Einfluss der Politik bzw. Entscheidungsträger ein Maß erreicht hat, dass man sich zwangsläufig mit den Themen beschäftigen muss, weil sie jeden betreffen.


    Das ist dein Problem, mein Lieber :" das macht wütend." Weil es dich betrifft.. Aber du kannst nichts dafür. Du kannst nichts absolut dafür. Punkt.

    Aber deine Wut oder "Ärger" du kannst zähmen, wenn du es innerlich alles akzeptierst. Und es ist , apropo bemerkt, es gibt im Leben keine andere Option. Wenn du etwas verändern kannst, dann mache es , wenn nichts, dann es gibt keinen Grund, darüber sich Sorgen zu machen, so sinngemäss Shantideva.

    Mehr ich kann nichts sagen, machs gut, finde die stille Oase in deinem innerem, egal , wie es weiter geht... So wünsche ich dir von ganzen :heart: -en.

    LG.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Das einzig veränderbare scheint man selbst zu sein. Ich habe keinen Einfluss auf globale Ereignisse, wie Corona, Krieg und deren Auswirkung, Veränderungen der Gesellschaft.


    Mein Handlungsspielraum ist so beschränkt, dass es schwer fällt sich all diesen Informationen zu stellen ohne durchzudrehen, weil wenn man ein wenig Hirn hat die Muster durchschaut.


    Viele Themen, die in den letzten Monaten durch unsere Medien gingen sind reine Ablenkungsmanöver von den wirklichen Problemen der Menschen, nämlich, dass viele sich ihre grundexistentiellen Bedürfnisse nicht mehr leisten können und da rede ich nicht von Urlaub sondern von Wohnen, Essen, Kinderarmut ist ein großes Thema.


    Ich arbeite selbst im Sozialbereich und sehe die Entwicklung und es ist korrekt der Mehrheit der Menschen geht es "zu" gut.


    Ich bin schon gespannt, wie das mit den Preisen weitergeht, weil eine Inflation ist ja etwas was immer im Vergleich mit dem Vorjahr berechnet wird und ich habe das Gefühl, dass die existentiellen Dinge wie Nahrungsmittel nicht um 15% stiegen sondern teils um über 100% und wie soll das bitte weitergehen.


    Die Lohnabschlüsse im Herbst werden spannend, weil wie sollen Unternehmen eine annähernd faire Lohngestaltung beschließen mit den Arbeitnehmern, wenn ihre Umsätze dramatisch eingebrochen sind. Da verstehe ich auch die Gegenseite. Andererseits wird es weiterhin teuer bleiben und möglicherweise noch teurer.


    Das geht sich für Viele nicht mehr aus und da bin ich wieder bei den existentiellen Dingen, wenn Familien ihre Wohnungen und Häuser verlieren, nicht genug Essen mehr kaufen können und ihre Fixkosten nicht mehr bedienen können.


    Mich ärgern auch die kleinen Betrügereien wie die Mogelpackungen im Handel. Gestern suche ich das Waschmittel, was ich seit Jahren kaufe, ich denke gibt es nicht mehr zum Verkauf, dann die Verkäuferin gefragt, es ist eine andere Verpackung. Zu Hause vergleiche ich mit dem alten Waschmittel und sehe statt 2,5 Liter 2,25 Liter, aber 4 Euro teurer. Das mögen Nichtigkeiten sein, aber für mich eine Form von Betrug, wenn sie das schon machen sollen sich auch den Mut haben und es sagen, aber nicht die Menschen täuschen.


    Ich finde es gut, dass sich die Welt verändert hin zu einer multipolaren Weltordnung, wo jetzt auch Länder im Idealfall eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse für ihre Bevölkerung bekommen. Zumindest auf längere Sicht besteht die Hoffnung.


    Buddhist zu sein heißt nicht alles mit Gleichmut zu ertragen und wegzuschauen. Die Berichterstattung unserer Medien sehe ich mehr als kritisch, als ob die Welt nur aus Europa und den USA bestehen würde. Es gibt noch 8 Mrd. andere Menschen, die auch Rechte haben auf ein gutes oder besseres Leben.

  • Danke fürs Thema. Habe (noch) nicht alles in diesem Faden gelesen. Offensichtlich ist dieses Thema für viele bis die meisten relevant. Diese Geistesgifte Wut, Zorn & arger Ärger betreffen speziell ja auch mich, vor allem in letzter Zeit. Es ist gut bewusst damit umzugehen, es auch hier ins Forum reinzuschreiben. Danke für Deine Offenheit & auch, dass Dir nicht alles egal ist Tim99.



    Wenn einem alles gleichgültig wäre, wäre man wahrscheinlich ein Psychopath.


    Wenn man die Welt & sich selbst - auch & vor allem die Geistesgifte - gleichmütig betrachten kann, ist man wahrscheinlich ein Buddhist, oder zumindest ein spiritueller Mensch.

    ich schenk dieses Leben dem Leben zurück...
    weil es nie meins war...
    und jede Trennung nur scheinbar...
    alles in Vielfalt immer eins war...
    brich meinen Stolz…bis ich in Demut mir die Wahrheit schenke...
    nimm hinfort all die falschen Ideen, den falschen Glauben...
    denn wenn nichts mehr bleibt ist alles übrig...
    es gibt nichts zu verstehen...

    Aus dem Song ,,Schmerz" vom Deepwalka

  • Lieber Tim,


    ja klar, es ist ärgerlich, wenn hier der Lebensstandard für viele Menschen stark sinkt. Gerade bei Lebensmitteln und bei allgemein notwendigen Bedarfsgütern stiegen die Preise weit über den von offizieller Seite postulierten Inflationswert.


    Ich persönlich gehe damit so um:

    Zunächst einmal betrachte ich die Wohlstandsentwicklung von hier im Laufe der letzten hundert oder zweihundert Jahre. Ich denke mir: Was würde wohl jemand von damals sagen, wenn er mit Hilfe einer Zeitmaschine zu uns in die Zukunft gereist wäre. Wie würde er staunen darüber, dass nicht mehr den ganzen Tag von früh bis spät gearbeitet werden muss, nur um sich ein Brot für die Famile leisten zu können. Oder, dass jeder hier Anspruch auf Behandlung im Krankheitsfall hat. Oder dass jeder die Möglichkeit hat, ordentliche Kleidung zu haben. Früher sind die Leute zum Teil in verschlissener Kleidung rumgelaufen. Weil sich z.B. die Arbeiter der Bekleidungsindustrie nicht mal die von ihnen hergestellten Sachen leisten konnten, im Frühkapitalismus. Oder die Umwelt. Früher rauchte es aus vielen Schloten giftige Luft hier in D.


    Wenn ich mir dann das Obige zu Augen führe und gleichzeitig weiß, dass es in weiten Teilen der Welt noch immer so ähnlich zu geht wie im Manchester-Kapitalismus, dann relativiert sich das Gefühl meiner Armut doch erheblich. Ich jedenfalls, für mich selbst, betrachte mich trotz allen Missständen, die hier vorhanden sind, als wohlhabend.


    Und was 'unsere Leit-Medien' betrifft, also welche Dinge da postuliert werden und welche nicht, und welche tendenziöse Berichterstattung da gemacht wird, so handhabe ich es so:

    Zunächst mal sind es nicht 'meine' Medien. Ich muss sie nicht konsumieren, schon gar nicht, mich von ihnen leiten lassen.

    Ich meine dazu: Wenn die Leute so blöd sind, für so was noch Geld auszugeben, dann ist das nicht mein Problem. Bei den Öffentlich-Rechtlichen ist es leider so, dass jeder gezwungen wird, den Rundfunkbeitrag zu zahlen. Egal, ob er diese Inhalte nutzt oder nicht. Ich zahle den Beitrag, aber ich sehe trotzdem nicht fern oder höre Radio.

    "Setz dich, Freund und trink einen Tee."