• Das alles hier nimmt kein gutes Ende – bis auf den buddhistischen Weg – und der ist sehr schwierig.


    Wir haben seit ein paar Tagen einen Welpen, nachdem es mit unserem vorherigen Hund kein gutes Ende genommen hatte. Zumindest ist dieser Anfang sehr schön – auch für den Hund, wie es scheint.


    Es nimmt nichts ein gutes Ende, aber vieles hat einen guten Anfang. Warum diesen Anfang immer vom Ende her betrachten und nicht umgekehrt: Das Ende vom Anfang her betrachten? Weil die Zeit nun mal in diese eine Richtung fließt: Vom Anfang zum Ende, was fast immer kein gutes ist – und das schmerzt, überdeckt oft all das Gute des Anfangs mit Ernüchterung.


    Kein Anfang – kein Ende. Ohnehin befindet sich alles dazwischen, weder Anfang noch Ende. Anfang und Ende sind vor allem eines: Erinnerung und Erwartung. Mit dem Leben jetzt haben beide nur insofern zu tun, als sie es oft schwerer machen als nötig.


    Und dennoch endet diese endlose(?) Rutschpartie mit einem Ende, aber nur für all das, dem ich einen Anfang zuschreibe: zum Beispiel meinem Leben, dem Leben meiner Lieben. Aber auch ohne die Antizipation des Endes, ohne Zuschreibungen, Vorstellungen kommt das Ende. Eine Tasse zerbricht. Das ist das Ende der Tasse – mit oder ohne Buddha. Aber mit Buddha war die Tasse immer schon zerbrochen, heißt es. Ich habe eine aus Aluminium. Da macht der Buddha große Augen. :o

    Das ist denn doch nur der Abendwind, der heute mit ordentlich verständlichen Worten flüstert.

  • Ach, lieber Thorsten Hallscheidt , es tut mir leid, dass es mit eurem vorherigen Hund "kein gutes Ende" nahm.

    Aber wie es auch immer ablief, er hat es jetzt "hinter sich", leidet nicht mehr, sein Lebenskreis hat sich geschlossen.

    Das Loslassen-Müssen reißt eine Wunde, die eine Zeitlang weh tut (von wegen "nur ein Hund"...)...


    Den Schmerz überdeckt am schnellsten ein neuer Anfang (den ihr gewagt habt), dessen Zauber jedoch "vertuscht", dass auch jener wieder zu einem abermaligen Ende führen wird, das allerdings noch in weiter Ferne liegt, so die - berechtigte - Hoffnung.

    Ohne "gute Hoffnung" lebt es sich nicht wirklich gut für vorausschauende Wesen, wie es Menschen nun mal sind....


    Wir Menschen haben - nichtsdestotrotz - die Möglichkeit, die Freiheit, uns zu den Gegebenheiten in unterschiedlicher Weise einzustellen und so kann beispielsweise, wenn der neue Welpe gewissermaßen als "Fortsetzung" des Vorgängers gesehen wird, die Liebe kontinuierlich weiterfließen- in dem Neuen liebt man zugleich das Alte (mit).


    Solange man frei ist und lieben kann, ist man glücklich.


    Es nimmt nichts ein gutes Ende, aber vieles hat einen guten Anfang. Warum diesen Anfang immer vom Ende her betrachten und nicht umgekehrt: Das Ende vom Anfang her betrachten?

    Wie meinst du das genau?


    Vielleicht wie Manfred Hinrich?:


    "Nicht zum Ende hin,

    sondern vom Ende her zum Anfang hin,

    bis ich nicht mehr bin."


    Egal, von welcher Seite man es auch betrachten mag, es läuft ja stets darauf hinaus, dass "ich" nicht mehr bin"....




    Anfang und Ende sind vor allem eines: Erinnerung und Erwartung. Mit dem Leben jetzt haben beide nur insofern zu tun, als sie es oft schwerer machen als nötig.

    Ja, Erwartungen können enttäuscht und (traumatische) Erinnerungen zur Belastung werden, wobei beides natürlich auch positive Seiten aufweist.

    Oft uneingestanden, vielfach auch unbewusst, hängen die Wesen an ihrem "bisschen elenden Leben" (Tanha halt), man liebt es dazusein, auf dieser wunderschönen und grausamen Welt.

    Trotz enttäuschter Erwartungen...


    Dieser verdammte "erste Pfeil" , der alle Wesen trifft, sogar Erleuchtete, ist der Preis, der für die "Köstlichkeit" dieses Lebens zu zahlen ist.


    Vor die Wahl gestellt, das Nichts oder Leid zu wählen, fällt daher die Entscheidung für die weitaus Meisten zugunsten des Leides, denn "Etwas Besseres als den Tod findest du überall", wie es bei dem Märchen "Die Bremer Stadtmusikanten" heißt.


    Die Lehre Buddhas zeigt einen dritten Weg auf, einen mittleren, aber man muss des Leidens wirklich überdrüssig sein, an ihn glauben und ihm vertrauen, um ihn konsequent zu beschreiten.


    Aber auch ohne die Antizipation des Endes, ohne Zuschreibungen, Vorstellungen kommt das Ende. Eine Tasse zerbricht

    Je mehr Tassen zu Bruch gehen, umso häufiger denke ich: Na und? So ist es nun mal (und im Schrank gibt es sicherlich noch genug andere (trübe) Tassen...). Ist natürlich weder wertschätzend, noch liebevoll, aber manchmal dennoch hilfreich, weil ernüchternd.


    Aber mit Buddha war die Tasse immer schon zerbrochen, heißt es. Ich habe eine aus Aluminium. Da macht der Buddha große Augen. :o

    Jetzt hast du ihn also ausgetrickst, den Buddha?! ;) :D



    Eine Haltung von Hingabe (dem Gegenteil von Widerstand), etwa so:


    "...(Herr), dir in die Hände

    Sei Anfang und Ende,

    Sei alles gelegt!" (Eduard Mörike)


    wirkt entlastend, heilend und nimmt den Fokus von der Bewertung gut/schlecht.




    Ich wünsche dir und deinen Lieben viel Freude und Glück mit dem Hund!


    Liebe Grüße, Anna :heart: _()_ :)

    Glückselig, wer durch Buddhas Wort belehrt,

    Befriedigt weilt in Abgeschiedenheit.

    Glückselig, wer stets liebevoll verkehrt

    Mit aller Welt, frei von Gehässigkeit.


    Glückselig, wem kein weltliches Begehren

    Und keine Sinnenlust den Frieden stört.

    Das höchste Glück jedoch wird dem gehören,

    Bei dem der Ich-Wahn ganz hat aufgehört. (Ud.II.2.1)

    Edited once, last by Anna Panna-Sati ().

  • Zhongfen Mingben (1263-1324) wurde von einem Mönch befragt: "Woher kamen wir bei unserer Geburt?"

    Mingben erwiderte: "Wasser fließt zurück zum Ozean."

    Der Mönch bohrte weiter: "Und wohin gehen wir nach dem Tod?"

    Mingben sagte: "Der Mond geht unter und verlässt doch nie den Himmel."

    "Ein Mönch, der Fragen stellt und sich unsicher ist, wie er den Geist eines anderen einschätzen mag, soll einen 'Buddha' genau untersuchen, um festzustellen, ob dieser tatsächlich erwacht ist." (Vivamsaka Sutta)

  • Vom Anfang zum Ende, was fast immer kein gutes ist – und das schmerzt, überdeckt oft all das Gute des Anfangs mit Ernüchterung.

    Ernüchterung kann man auch positiv sehen: Im Buddhismus bedeutet es ja, zu erkennen, wie die wahre Natur der Dinge beschaffen ist, nämlich vergänglich, (letztlich) unbefriedigend und nicht aus sich selbst heraus bestehend. Also bringt sie einen - im besten Fall - spirituell weiter....


    Bzgl. der "guten" Anfänge:

    Erinnerung unterliegt oft Täuschungen und trügt, weil sie häufig verklärt:


    Ich führe seit 2005 konsequent Tagebücher (davor sporadisch) und bin immer wieder verblüfft, wenn ich mal wieder in eines hineinschaue und Ereignisse mit meiner aktuellen Erinnerung daran, abgleiche.

    Soooo schön und harmonisch, wie mich meine Erinnerung glauben machen will, habe ich manches damals gar nicht erlebt, Negatives geriet schlicht in Vergessenheit....


    Besonders Kindheit und Jugendzeit erscheinen rückblickend (und im Vergleich mit dem Alter) als wunderbare, sorgenfreie Idylle.

    ("Schön war die Jugend, sie kommt nicht mehr...", sangen die Senioren früher im Altersheim meiner Urgroßmutter, mit bebenden Stimmen und nassen Augen - das hat mich als Kind immer ergriffen, traurig gemacht, so dass ich es durch Darüber-Lustigmachen kompensieren "musste".)


    Kein Anfang – kein Ende. Ohnehin befindet sich alles dazwischen, weder Anfang noch Ende.

    Die Vorstellung von Anfangs- und Endlosigkeit, Unendlichkeit, hat für manchen etwas Erschreckendes, denn Grenzen geben auch Sicherheit und Geborgenheit (und seien sie auch nur scheinbar).

    Wir wollen es "kuschelig", am (hoffentlich guten) Ende in "Gottes Hand" fallen oder uns mit der Erde, dem Ozean, den Lüften, "verbinden".


    Vielleicht ist das mit ein Grund, dass der Buddhadharma von vielen Christen nicht so gewertschätzt wird - ganz "frei" und losgelöst von allem zu sein, sich sozusagen halt-los, dem physischen Ende zu nähern - ängstigt doch ziemlich, wenn man an eine himmlische Vaterfigur gewöhnt ist, der man alle Sorgen/Ängste anvertrauen kann....


    Und jene wird es auch nur wenig trösten, wenn z.B. Thich Nhat Hanh lehrte: "Es gibt keinen Tod, nur Transformation."



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    Dieses Lied wurde bei der Trauerfeier meiner Tierärztin (59 J. ) gespielt, sie hatte kein "gutes" Ende, aber am Ende war trotzdem "alles gut".


    Liebe Grüße, Anna _()_ :heart:

    Glückselig, wer durch Buddhas Wort belehrt,

    Befriedigt weilt in Abgeschiedenheit.

    Glückselig, wer stets liebevoll verkehrt

    Mit aller Welt, frei von Gehässigkeit.


    Glückselig, wem kein weltliches Begehren

    Und keine Sinnenlust den Frieden stört.

    Das höchste Glück jedoch wird dem gehören,

    Bei dem der Ich-Wahn ganz hat aufgehört. (Ud.II.2.1)

  • Ein oder kein gutes Ende gab es für mich, weil ich an einen Anfang und an ein Ende glaubte.


    Seit ich erfahren habe, dass ich nicht das bin für was ich mich hielt, habe ich nie wieder einen guten Anfang und ein schlechtes Ende erlebt.

    Die Welt ist für mich nicht fair und schön, und auch nicht unfair und schlecht.

    Wie habe ich immer gelitten wenn ein geliebter Mensch oder ein geliebter Flohteppich scheinbar vom sein ins Nichtsein gegangen ist.


    Mittendrin in der Praxis dachte ich mir : Es ist kein Trost für mich, dass da kein Wesenskern ist.

    Samadhi war eine Zeit lang wie eine Droge für mich, und in diesem zugedröhnten Zustand sah ich die Welt plötzlich als Urgrund der Manifestationen an. Okay da ist kein Ich, aber zumindest ein Wir.


    Das war eine Zeit lang ein Trost für mich, weil ich immer noch glaubte , dass es Geburt und Tod gibt.


    Als ich erkannte dass ich Samadhi falsch verwendete bzw nicht richtig nutze, bin ich in jene Bereiche gegangen wo es kein Licht und keine Dunkelheit gab, wo es keinen Raum und weder einen Anfang noch ein Ende gibt.


    Es gibt inzwischen keinen Moment wo ich nicht den Buddha sehe, und auch keinen Moment wo ich getrennt bin von all den geliebten Menschen und Tieren.


    Vorher versuchte ich durch Sehen,berühren usw eine Geschichte und eine Verbindung zu schaffen zu jenen Dingen die für mich verloren waren. Aber in Wirklichkeit geht nichts verloren.


    Mir wurde auch bewusst, dass ich jeden Augenblick nach einer Bestätigung für dieses Ich suchte.

    Durch Erziehung, Bildung, Umfeld glaubte ich immer an ein Ich und die Welt.

    Später eben habe ich dieses unauffindbare Ich in den Nicht-ich Elementen vermutet.


    Aber in Wirklichkeit ist dieses Universum leer von einem Selbst, und es gibt da nichts das kommt und wieder verschwindet .

    In Wirklichkeit ist alles nur ein Geistesmoment der uns gerade bewegt .

    Es ist Samsara.


    Wenn man das Gaukelspiel durchschaut, bleibt nur noch ein stilles Meer des Friedens übrig. Nibbana.



    Mögen wir alle Frieden finden!

  • Besonders Kindheit und Jugendzeit erscheinen rückblickend (und im Vergleich mit dem Alter) als wunderbare, sorgenfreie Idylle.

    Ja :D Verklärung der Jugend scheint ein deutliches Symptom des Alterns zu sein. Wo ja oft auch die Fähigkeit zur Kurzzeiterinnerung nachlässt, während Jugenderinnerungen - also das, was wir uns über Ereignisse in dieser Existenzphase 'erzählen' - davor bewahrt scheinen. Doch bei genauerer Untersuchung zeigt sich, dass solche Erzählungen ihren eigenen Gesetzen gehorchen, wenn sie sich entwickeln.


    Erinnerungen und der Umgang damit ist für mich aufgrund meiner Lebenssituation (bzw. der meiner Lebensgefährtin) ein recht zentrales Thema geworden. Empfehlenswerte Lektüre dazu:
    https://www.perlentaucher.de/b…das-narrative-gehirn.html

    Insbesondere die dort aufgeschlüsselten narrativen Strukturen solcher Erzählungen erleichtern das Erkennen und Typisieren von Narrationen; nicht zuletzt auch solchen, die man sich über sich selbst erzählt ;) . Gemeinsam ist allen Narrationen, dass sie primär Bedürfnisse befriedigen - anders gesagt, es sind Belohnungssysteme. 'Gute' Narrationen veranlassen den Körper zur Produktion stimulierender Substanzen. Auch dies natürlich nur eine Narration ... 8)


    Ich wende mich jetzt erst einmal einer anderen stimulierenden Substanz zu: einem Da Hongpao aus dem Wuyishan, traditionell mit Holzkohle geröstet. Externe Stimulantien wie dieser Felsentee (und die Ezählung von ihm) binden als 'Belohnung' das Bewusstsein an den aktuellen Moment und das Bedürfnis, sich Geschichten über Vergangenheit und Zukunft zu erzählen, erlischt für eine Weile. Eine gute Übung für Zazen (das sich an den Tee wohl anschließen wird), wo das Sitzen von Körper und Geist als letze Stimulanz verbleibt, bis Körper und Geist abfallen.

    OM MONEY PAYME HUNG