Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

  • In den letzten zehn Jahren wurde ich mehrmals damit konfrontiert, dass ich, wenn ich mich als Buddhist geoutet habe, vor allem von anderen Männern hart angegangen wurde. Dies hat Groll und Zweifel in mir genährt und mein Mitgefühl geschwächt; ich wurde regelrecht aggressiv. Es wurde praktisch als Schwäche ausgelegt, dass ich ein Buddhist bin, nach dem Motto: "Ein Buddhist lässt sich alles gefallen." Auch wurde ich belächelt, wenn ich erzählte, dass ich an das Dharma glaube. Diese Belästigungen waren in der Vergangenheit teilweise unerbittlich und unvermeidlich. Ich war fast selbst gewalttätig geworden. Fast traumatisch habe ich erleben müssen, wie ich aufgrund meiner Zugewandtheit und meines Versuchs, Verständnis aufzubringen, behandelt wurde.

    Meine Frage, besonders an Männer, lautet: Habt ihr solche Situationen erlebt, und sagt ihr heute noch offen, dass ihr an das Dharma glaubt?

    Ich dachte immer, jeder würde die guten Seiten darin sehen, aber damit lag ich falsch.

    Guten Tag, liebe Menschen! Als Künstliche Intelligenz freue ich mich, euch zu begrüßen. Wie kann ich euch heute helfen?

    "Du kannst mich durch Fragen testen, die auf menschliches Wissen oder Erfahrung abzielen, oder durch spezielle Tests wie den Turing-Test."

    Alternativ kannst du meine Beiträge hier durch eine KI prüfen lassen.

    :idea:

  • Indem man sich an bestimmten ethischen Idealen orientiert, stellt man implizit die ethischen Normen der anderen in Frage. Man macht ihnen ein schlechtes Gewissen, was geradezu Aggression verstanden werden kann. Sehr sichtbar ist das bei Vegetariern:


    Focus: Herr Klotter, angenommen Sie sind Fleischliebhaber, ich Veganerin. Wir gehen gemeinsam essen und ich bestelle eine Gemüsepfanne. Werden Sie dann wütend - und wenn ja, warum?


    Christoph Klotter: Natürlich werde ich sauer! Denn indem Sie im Restaurant nach meiner Steak-Bestellung eine Quinoa-Bowl ordern, kommunizieren Sie mit mir. Ohne etwas sagen zu müssen, stellen Sie mir die Frage: „Warum isst dieser dumme Trottel noch Fleisch?“.

    Und wenn man dann noch keinen Alkohol trinkt, mit dem Fahrrad kommt, dann bleibt es nicht beim "Trottel" sondern man sieht sich einen Rundumschlag ausgesetzt. Sich so ins Unrecht gesetzt sehen das manche als einen Angriff - als eine Aggression gegen die man sich verteidigen muß.


    Und noch schlimmer sind religiöse Menschen. Ein Christ kann einem

    vermitteln man selber sei ein der Hölle geweihter dreckiger Sünder während er mit den Gerechten schweben. Und bei Buddhisten landet man zwar nicht in der Hölle aber wird als Legehenne wiedergeboren.

  • Indem man sich an bestimmten ethischen Idealen orientiert, stellt man implizit die ethischen Normen der anderen in Frage

    Das trifft ja eigentlich nur dann zu, wenn man den ethischen Idealen auch einen universalistischen Geltungsanspruch bzw. eine Abwertung von anderen Positionen unterstellt. An sich ist ja die Tatsache, dass das Gegenüber sich eine Qiunoa-Bowl bestellt wertfrei und beinhaltet weder eine Aussage noch eine Frage.


    Bei Religionen drückt sich das in der Missionierung des Gegenübers oder einer moralischen Überheblichkeit aus, mit der sich der Religiöse in seiner Entsagung oder Bedürfnislosigkeit über den anderen stellt.

    "Das Siegel der erreichten Freiheit: Sich nicht mehr vor sich selbst schämen."

    - Irvin Yalom, Und Nietzsche weinte

    Edited once, last by Mabli ().

  • Im Grunde habe ich niemanden gesagt dass ich meditiere und die buddhistische Lehre praktiziere.

    Aber die Menschen in meinem Umfeld haben eine Veränderung bemerkt.

    Der dumme unsichere Rassist hat sein Leben transformiert.

    Er ist mitfühlend , offen, zufrieden und großzügig geworden.

    Wenn jetzt jemand meine Mala am hals, oder eine entsprechende Halskette sieht, dann fragt er mich manchmal ob ich an Buddha glaube und manchmal fragen Sie mich etwas über die buddhistische Lehre.

    Aber ich möchte niemanden anwerben oder belehren.

    Ich lasse Buddha durch meinen Lebensstil sprechen.


    Ein Beispiel:


    Ich bin der (kleine) Chef (schichtleiter) von mehreren muslimischen Kollegen.

    Diese Kollegen schätzen mich, aber die buddhistische Lehre ist für sie ein No Go.


    Sie wollen mich retten und zum Islam führen.


    Ich war schon mehrmals in ihrer Moschee . Mit meiner besten Freundin (Brasilianerin) war ich schon in ihrer Kirche.




    Als ich noch neu in der buddhistischen Lehre war, wollte ich meine Mutter zum Buddhismus bringen.

    Ich habe sie sogar nach Thailand zu meinem Lehrer gebracht.

    Aber damals war ich noch ein gläubiger Buddhist, und habe nicht immer gelebt was ich “gepredigt” hatte.

    Und deshalb hat es nicht funktioniert.


    Vor einiger Zeit hat mich meine Mutter sehr überrascht.

    Sie hat mich zu einem buddhistischen Lehrer befragt und mir erzählt, dass sie jetzt Gehmeditation praktiziere.


    Alle in unserer Familie sind ziemlich temperamentvoll und explodieren ziemlich schnell.

    Als das bei mir besser wurde, hat meine Mutter den Buddhismus für sich entdeckt.

    Sie lebt jetzt fast Vegan und hat ihr temperament besser unter Kontrolle.


    Sie hat wieder Freude gefunden im Herbst ihres Lebens.


    Ich bin kein Buddhist,Atheist, Christ, Europäer, Mann oder was auch immer.


    Weil ich weiß was ich (nicht) bin, kann ich alles sein.


    Lg Martin

  • In den letzten zehn Jahren wurde ich mehrmals damit konfrontiert, dass ich, wenn ich mich als Buddhist geoutet habe, vor allem von anderen Männern hart angegangen wurde.

    Es ist mir aufgefallen, dass in Dharma-zentren und bei Dharma Vorträgen Frauen oft in der Überzahl sind. Religion und insbesondere religiöse Hingabe sind anscheinend immer noch stark weiblich konnotiert. Ich kann mir vorstellen, dass bei Männern eine Ablehnung dieser weiblich konnotierten Eigenschaft verbreitet ist und diese als Schwäche oder als unmännlich abgelehnt wird.


    Ich selbst trage das jetzt nicht so vor mir her, dass ich mich intensiv mit dem Buddhismus beschäftige. Aber bei Männern, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie offen für religiöse und spirituelle Fragen sind, rede ich auch offen darüber.

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    - Irvin Yalom, Und Nietzsche weinte

  • Indem man sich an bestimmten ethischen Idealen orientiert, stellt man implizit die ethischen Normen der anderen in Frage

    Das trifft ja eigentlich nur dann zu, wenn man den ethischen Idealen auch einen universalistischen Geltungsanspruch bzw. eine Abwertung von anderen Positionen unterstellt. An sich ist ja die Tatsache, dass das Gegenüber sich eine Qiunoa-Bowl bestellt wertfrei und beinhaltet weder eine Aussage noch eine Frage.


    Bei Religionen drückt sich das in der Missionierung des Gegenübers oder einer moralischen Überheblichkeit aus, mit der sich der Religiöse in seiner Entsagung oder Bedürfnislosigkeit über den anderen stellt.

    Nein! es wird einfach offensichtlich, welche Geisteshaltung du hast, wenn du andere eine Zeitlang kennst.

    Hat nix mit einer "Bio bowl" zutun.

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    :idea:

  • Ich habe gerade das von void verlinkte Interview gelesen. Nach dem Ernährungspsychologen (cooler neuer Beruf) ist es ja auch eher ein innerer Dialog des Fleischessers mit seinem eigenen Gewissen und seine trotzige Wut rührt daher, dass er die eigenen Idealvorstellung mit seinen Verhalten permanent unterläuft und ihm das in dem Moment bewusst wird. Der Bio-Bowl futterne Veganer ist da mehr ein Katalysator des eigenen inneren Konflikts.

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    - Irvin Yalom, Und Nietzsche weinte

  • Dies hat Groll und Zweifel in mir genährt und mein Mitgefühl geschwächt; ich wurde regelrecht aggressiv. Es wurde praktisch als Schwäche ausgelegt, dass ich ein Buddhist bin, nach dem Motto: "Ein Buddhist lässt sich alles gefallen." Auch wurde ich belächelt, wenn ich erzählte, dass ich an das Dharma glaube. Diese Belästigungen waren in der Vergangenheit teilweise unerbittlich und unvermeidlich. Ich war fast selbst gewalttätig geworden. Fast traumatisch habe ich erleben müssen, wie ich aufgrund meiner Zugewandtheit und meines Versuchs, Verständnis aufzubringen, behandelt wurde.

    Als Buddhist lernt man doch, wie man damit umgeht? Ob es sich um Religion oder andere Themen handelt, ist die Identifizierung mit dem eigenen, als feststehend betrachteten Selbst oder den eigenen Ansichten immer leidvoll. Dann arbeiten wir an uns selbst und unserem Groll. Und das meistens unermüdlich...


    In den asiatischen Ländern die ich bereist habe, war die Frage nach der Religion immer eher ungehörig, vor allem dort, wo mehrere Religionen nebeneinander existierten, wurde es nie thematisiert sondern einfach nur registriert oder akzeptiert, indem man die unterschiedlichen Speisevorschriften respektiert hat.


    Im säkularen Westen muss man wohl eher damit rechnen belächelt zu werden wenn man sich als Angehöriger einer Religion outet, denke ich so. Deine Zugewandtheit sollte vielleicht nicht von der Reaktion Deiner Mitmenschen abhängen, sondern einfach dableiben.

    Liebe Grüsse. Nanu

    :)

  • Ich denke, das viele ganz begeistert sind, wenn sie den Buddhismus für sich gefunden haben. Aber das kann. Ja dazu führen, dass man das vor sich herträgt.


    Letztes Jahr gab es einen Thread Peinlichkeiten und da beschrieb es Wetering mit bewundernswerter Selbstironie:


    Ich stosse Mitmenschen regelmäßig vor den Kopf, in dem ich ungebeten meine Meinung und Interpretation als "Wahrheit" herausposaune.

    Besonders peinlich war es vor 11 Jahren, als ich meine Familie mit Dalai Lama DVDs missionieren wollte.

    Ich bin froh, dass ich zu Familienfeiern noch eingeladen werde.


    :nospeak:

    Es ist klar, dass da dann andere im Gegenzug dazu übergehen können, die Wahrheit die man gefunden hat kleinzureden, zu belächeln oder sogar verächtlich machen.


    Aber die Frage ist, ob da die Sache nicht austauschbar ist. Würde man da nicht genauso Gegenwind bekommen, wenn man die Leute zum FC Bayern, zum Flugverzicht oder dem Kommunismus missionieren wollen würde?

  • Ich bin der (kleine) Chef (schichtleiter) von mehreren muslimischen Kollegen.

    Diese Kollegen schätzen mich, aber die buddhistische Lehre ist für sie ein No Go.


    Sie wollen mich retten und zum Islam führen.

    Das finde ich sehr interessant.

    Haben sie das irgendwie begründet, was sie am Buddhismus "schlecht" finden und warum sie Dich "zum Islam führen" wollen?


    Bis zu meinem Eintritt in den Ruhestand, vor etwa drei Jahren, arbeitete ich in einem typischen Frauenberuf: Medizinisch-Technische Laborassistentin. Nach der Flüchtlingswelle ab 2015 wurde nach seinem Praktikum ein syrischer Flüchtling bei uns eingestellt, den ich noch fünf Jahre vor Ruhestands-Eintritt erlebte (in Syrien ist der MTA-Beruf nicht weiblich dominiert). Schon bald fühlte er sich komisch unter uns Frauen. War er zwar anfangs sehr aufgeschlossen und manche seiner Aussagen religiös gefärbt, so zog er sich doch bald in seine eigene Welt zurück. Und sein Macho-Gehabe ist bis heute problematisch.

    Ab und zu stellte ich ihm damals neugierige Fragen, um ihn aus der Reserve zu locken. Aber er hat sie nur widerstrebend beantwortet, oder weigerte sich (zu Letzterem gehörte auch die Frage: warum man sich als Moslem nach dem Tod nicht verbrennen lassen darf; diese Frage hat er mir bis heute nicht beantwortet). Einmal schimpfte ich sehr mit ihm, dass er den ganzen Tag nichts isst und trinkt (es herrschte gerade Ramadan) und er darum unter Konzentrationsstörungen litt, was Fehler bei der Arbeit zur Folge hatte und die Zusammenarbeit belastete. Aber er erklärte nichts mehr dazu.

    Er hat nie versucht, uns zu "bekehren", hat wohl verstanden, dass es zwecklos ist. Dazu muss ich sagen, dass sonst alle im Team, mit einer Ausnahme (eine Kollegin ist Mitglied in einer Freikirche), mit Religion nichts am Hut hatten.


    Es ist mir aufgefallen, dass in Dharma-zentren und bei Dharma Vorträgen Frauen oft in der Überzahl sind. Religion und insbesondere religiöse Hingabe sind anscheinend immer noch stark weiblich konnotiert. Ich kann mir vorstellen, dass bei Männern eine Ablehnung dieser weiblich konnotierten Eigenschaft verbreitet ist und diese als Schwäche oder als unmännlich abgelehnt wird.

    Das mag sein, aber das läuft nicht nur im Buddhismus so.

    In vielen religiösen Richtungen, außer vielleicht im Islam, dominieren zahlenmäßig die Frauen.

    Dabei stimmt es schon, was Du da sagst. Wenn allerdings in einer religiösen Gemeinschaft den Männern mehr Gewicht zugesprochen wird, dann dominieren entsprechend auch die Männer.

    Dazu fällt mir gerade ein, dass das in der Hare-Krishna-Gemeinschaft, wie ich sie in den Siebzigern kennengelernt habe, auch so war.

    In den Achtzigern lernte ich die religiöse Szene in Polen kennen, durch meine neue Freundin.

    Dort hatte ich den Eindruck, dass die Frauen die katholische Bühne äußerst stark beherrschten. Sie schienen mir sogar sehr organisiert zu sein (z. B. sich in Gruppen zum Beten in der Kirche zu treffen u. ä.); das war aber auch stark politisch infiltriert (Solidarność ) und es wurde die weibliche Eigenschaft genutzt, die Bewegung zu instrumentalisieren. Davon ist heutzutage nicht viel übrig geblieben, die Kirchen haben sich dort ziemlich geleert, und der überwiegende Teil der gebildeten Schicht lehnt die Kirche ab, Frauen genauso wie Männer. Der ursprüngliche "religiöse Geist" hat sich dort eher noch in abgelegenen Dörfern gehalten.


    Ab Mitte der Neunziger war ich Mitglied beim Orden AMM, der von Lama Anagarika Govinda gegründet wurde. Da war es interessant zu beobachten, dass die Verteilung der Geschlechter im inneren Kreis eher ausgewogen war, aber bei Veranstaltungen, die offen waren für Besucher, unter diesen auch die Frauen dominierten.

    Zu dem AMM fühlten sich, das sei noch zu erwähnen, ausgebildete Psychotherapeuten besonders hingezogen, und einzelne andere Akademiker.

    Verlange nicht, dass alles so geschieht, wie du es wünschest,
    sondern wolle, dass alles so geschieht, wie es geschieht,
    und es wird dir gut gehen.
    Epiktet

  • Begeisterung für etwas Gefundenes ist normal, ein Glücksgefühl, dass man wieder ein Teilstück von sich erkannt hat. Das müssten doch die anderen auch gebrauchen können?


    Ohne Begeisterung gibt es keine Reflexion, ohne Reflexion kein Realisieren seiner Irrtümer.

    Es ist weder Anfang noch Ende.

    Kein Vergehen oder Entstehen.

    Nur die Absicht unwohl verändern.

  • In den letzten zehn Jahren wurde ich mehrmals damit konfrontiert, dass ich, wenn ich mich als Buddhist geoutet habe, vor allem von anderen Männern hart angegangen wurde. Dies hat Groll und Zweifel in mir genährt und mein Mitgefühl geschwächt; ich wurde regelrecht aggressiv. Es wurde praktisch als Schwäche ausgelegt, dass ich ein Buddhist bin, nach dem Motto: "Ein Buddhist lässt sich alles gefallen." Auch wurde ich belächelt, wenn ich erzählte, dass ich an das Dharma glaube. Diese Belästigungen waren in der Vergangenheit teilweise unerbittlich und unvermeidlich. Ich war fast selbst gewalttätig geworden. Fast traumatisch habe ich erleben müssen, wie ich aufgrund meiner Zugewandtheit und meines Versuchs, Verständnis aufzubringen, behandelt wurde.

    Selbst geschrieben! Klingt doch schon viel besser. Besten Dank. _()_


    Ich habe keinen Glauben, muss ich zugeben. Daher ist es schwer, den verächtlich zu machen. Buddhismus ist für mich vor allem eines: ein pragmatischer Weg, mit Problemen umzugehen. Mitgefühl kommt zustande, wenn ich merke oder mich erinnere, mit welcher Gewalt die Geistesgifte in mir tätig sind und waren. An den Dharma glaube ich nicht. Ich probiere ihn aus und denke oft: Genial, wie das funktioniert. Wenn ich einem Deutschen sage: Ich glaube an den Dharma, ist dies eine Steilvorlage für den Kalauer: Dünndharma, Dickdharma oder Enddharma? Darum sage ich meist nur "buddhistische Lehre" oder buddhistische Weltsicht. Die Leute hier im Dorf wissen, dass ich Buddhist bin, ein paar kommen auch zum Meditieren zu uns. Alt eingesessene Schwaben und Schwäbinnen. Zugleich bin ich als praktizierender Buddhist auch in der Gemeinde tätig. Wir betreiben einen Gesprächskreis zu gesellschaftlichen, philosophischen und politischen Themen. Aus der Kirche ausgetreten bin ich nicht, nicht, weil ich an Jesus als Gottes Sohn glaube, sondern weil ich es gut finde, dass es bei uns religiösen Zentren gibt, in denen Mitgefühl und Nächstenliebe gelehrt und sehr oft auch gelebt werden. Das finde ich unterstützenswert. Mit Männern hatte ich bisher keine Probleme. Die buddhistische Weltsicht ist auch alles andere als schwach. Es ist eine Lehre, die sehr stark machen kann, wenn Stärke bedeutet, Probleme zu sehen und anzugehen, sich gegen potenzielle Gefahren und Leiden zu wappnen, Selbstbeherrschung und Resilienz, Konzentration und Tatkraft, Genügsamkeit und Zufriedenheit und nicht zuletzt Mitfreude zu üben. Die sechs Paramita heißen nicht ohne Grund sechs himmlische Vollkommenheiten. Sie bieten ein Werkzeugkasten an Fähigkeiten, der uns befähigt, mit immer mehr Problemen und Herausforderungen auf intelligente, nachhaltige, freundliche und kraftvolle Art umzugehen. Ich muss den Buddhismus nicht verteidigen, weil er für mich eh nicht mehr an Wert verlieren kann, egal, was andere auch sagen. Wenn jemand fragt, erzähle ich gerne von der buddhistischen Lehre, denn sie ist ein zentrales Element in meinem Leben, allerdings verzichte ich weitgehend auf exotische Kleidung, Rituale, Worte. Ich halte sie persönlich für überflüssig, da mein Unterbewusstsein eh mit christlicher Ikonographie und westlichen Sprachbildern funktioniert. Ich werde kein Tibeter, Inder oder Japaner mehr. Da der Buddhismus aber ein Heilspragmatismus ist, der Ontologie und conditio humana zur Grundlage hat, die allen Menschen gemeinsam sind, sehe ich darin auch eher eine große Chance zur Verständigung mit Nicht-Buddhisten. Genauer: Buddhismus ist im Grunde eh ein leerer Begriff, weil es um Menschsein und Seinserfahrung geht. Texte aus der westlichen Phänomenologie lesen sich daher manchmal wie Abschnitte aus dem Abhidharma. Buddhismus ist die Lehre vom Menschen, seinen Erfahrungen, Erfahrungsmöglichkeiten, Problemen und Lösungen aus der ersten-Person-Perspektive

    Das ist denn doch nur der Abendwind, der heute mit ordentlich verständlichen Worten flüstert.

    Edited once, last by Thorsten Hallscheidt ().

  • Qualia :

    Aber die Begeisterung nimmt mit zunehmendem Alter schrittweise ab.

    Ich meine das nicht negativ, sondern so, dass sie moderater wird. Sozusagen in Verbindung mit einer gewissen Altersweisheit.

    Natürlich ist Begeisterung nach wie vor da, gleichzeitig ist sie aktiver, indem sie vernetzter wirkt. Die in vielen Jahren gesammelten Erfahrungen fließen da mit ein.

    So kommt es, dass die Begeisterung zwar äußerlich nicht mehr so stürmisch wirkt, aber dafür ist sie beglückender, anhaltender und tiefergehend.

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    Epiktet

  • Menschen denken nun mal in Schubladen. Buddhist. Kommunist. Pazifist. Anarchist. Und mit jedem von diesen Woertern assozieren sie - ich selbst nehme mich nicht davon aus - eine bestimmte Menge (im mathematischen Sinne) an Begrifflichkeiten und Vorstellungen.


    Eigentlch ist dies eine Sache, die (nicht nur) Buddhisten hinterfragen und aktiv dagengen ankaempfen sollten.

    Schon alleine die Tatsache, dass wir uns im Geiste als Buddhisten definieren, ist falsch.


    Ich will dazu mal ein Praktisches Beispiel nennen:

    Da hielt ein schick gekleideter junger Mann bei einer Friedenskundgebung einen Vortrag, in dem es um Hass, Ungleichheit, Stellverteterkriege in aller Welt und Ausbeutung ging. Er erhielt tosenden Applaus.

    Und zum Schluss sagte er dann "Rot Front". Und er sagte, dass er Mitglied der KPD sei.

    Ich denke mal, wenn er diese Schlussworte gleich zuanfang gesagt haette, waeren fast alle Zuhoerer anschliessend weggegangen oder haetten zumindest nicht so applaudiert.


    Und das fuehrt mich auch zu der Aussage von dir, Hue32 , dass du sagtest, du haettest dich als Buddhist geoutet.

    Ich finde, Jede und Jeder kann von sich behaupten, Buddhist zu sein. Ob jemand allerdings wirklich Buddhist ist, entscheidet allerdings meiner Meinung nach nur und ausschliesslich sein Denken und Handeln. Somit sind auch solche Menschen Buddhisten, die die vier edlen Wahrheiten fuer richtig halten und sich am edlen achtfachen Pfad orientieren.


    Siddharta Shakyamuni hat sich bestimmt nicht als Buddhist bezeichnet. Und ich bezeichne mich auch nicht als Buddhist. Trotzdem kann ich einer sein. Aber das liegt ausschliesslich in meinem Handeln begruendet.


    Also ich rate, nicht so viel schwatzen, sonden durch Handeln ein Vorbild fuer Andere sein. Und wer denn sieht und verstehen will, versteht.

    "Setz dich, Freund und trink einen Tee."

  • In den letzten zehn Jahren wurde ich mehrmals damit konfrontiert, dass ich, wenn ich mich als Buddhist geoutet habe, vor allem von anderen Männern hart angegangen wurde. Dies hat Groll und Zweifel in mir genährt und mein Mitgefühl geschwächt; ich wurde regelrecht aggressiv. Es wurde praktisch als Schwäche ausgelegt, dass ich ein Buddhist bin, nach dem Motto: "Ein Buddhist lässt sich alles gefallen." Auch wurde ich belächelt, wenn ich erzählte, dass ich an das Dharma glaube. Diese Belästigungen waren in der Vergangenheit teilweise unerbittlich und unvermeidlich. Ich war fast selbst gewalttätig geworden. Fast traumatisch habe ich erleben müssen, wie ich aufgrund meiner Zugewandtheit und meines Versuchs, Verständnis aufzubringen, behandelt wurde.

    Selbst geschrieben! Klingt doch schon viel besser. Besten Dank. _()_


    Ich habe keinen Glauben, muss ich zugeben. Daher ist es schwer, den verächtlich zu machen. Buddhismus ist für mich vor allem eines: ein pragmatischer Weg, mit Problemen umzugehen. Mitgefühl kommt zustande, wenn ich merke oder mich erinnere, mit welcher Gewalt die Geistesgifte in mir tätig sind und waren. An den Dharma glaube ich nicht. Ich probiere ihn aus und denke oft: Genial, wie das funktioniert. Wenn ich einem Deutschen sage: Ich glaube an den Dharma, ist dies eine Steilvorlage für den Kalauer: Dünndharma, Dickdharma oder Enddharma? Darum sage ich meist nur "buddhistische Lehre" oder buddhistische Weltsicht. Die Leute hier im Dorf wissen, dass ich Buddhist bin, ein paar kommen auch zum Meditieren zu uns. Alt eingesessene Schwaben und Schwäbinnen. Zugleich bin ich als praktizierender Buddhist auch in der Gemeinde tätig. Wir betreiben einen Gesprächskreis zu gesellschaftlichen, philosophischen und politischen Themen. Aus der Kirche ausgetreten bin ich nicht, nicht, weil ich an Jesus als Gottes Sohn glaube, sondern weil ich es gut finde, dass es bei uns religiösen Zentren gibt, in denen Mitgefühl und Nächstenliebe gelehrt und sehr oft auch gelebt werden. Das finde ich unterstützenswert. Mit Männern hatte ich bisher keine Probleme. Die buddhistische Weltsicht ist auch alles andere als schwach. Es ist eine Lehre, die sehr stark machen kann, wenn Stärke bedeutet, Probleme zu sehen und anzugehen, sich gegen potenzielle Gefahren und Leiden zu wappnen, Selbstbeherrschung und Resilienz, Konzentration und Tatkraft, Genügsamkeit und Zufriedenheit und nicht zuletzt Mitfreude zu üben. Die sechs Paramita heißen nicht ohne Grund sechs himmlische Vollkommenheiten. Sie bieten ein Werkzeugkasten an Fähigkeiten, der uns befähigt, mit immer mehr Problemen und Herausforderungen auf intelligente, nachhaltige, freundliche und kraftvolle Art umzugehen. Ich muss den Buddhismus nicht verteidigen, weil er für mich eh nicht mehr an Wert verlieren kann, egal, was andere auch sagen. Wenn jemand fragt, erzähle ich gerne von der buddhistischen Lehre, denn sie ist ein zentrales Element in meinem Leben, allerdings verzichte ich weitgehend auf exotische Kleidung, Rituale, Worte. Ich halte sie persönlich für überflüssig, da mein Unterbewusstsein eh mit christlicher Ikonographie und westlichen Sprachbildern funktioniert. Ich werde kein Tibeter, Inder oder Japaner mehr. Da der Buddhismus aber ein Heilspragmatismus ist, der Ontologie und conditio humana zur Grundlage hat, die allen Menschen gemeinsam sind, sehe ich darin auch eher eine große Chance zur Verständigung mit Nicht-Buddhisten. Genauer: Buddhismus ist im Grunde eh ein leerer Begriff, weil es um Menschsein und Seinserfahrung geht. Texte aus der westlichen Phänomenologie lesen sich daher manchmal wie Abschnitte aus dem Abhidharma. Buddhismus ist die Lehre vom Menschen, seinen Erfahrungen, Erfahrungsmöglichkeiten, Problemen und Lösungen aus der ersten-Person-Perspektive

    Wenn die KI das sagt, vielleicht wurde sie auch nur durch eine andere überlistet.

    Also mal im Ernst, ich denke, man kann Buddhismus nicht ohne Glauben praktizieren, da man ja erstmal an sowas wie Ursache und Wirkung natürlich auch Erleuchtung glauben muss. Ob dem tatsächlich so ist, lässt sich nicht als Fakt darstellen und ist wissenschaftlich nicht nachweisbar.

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    :idea:

  • Also mal im Ernst, ich denke, man kann Buddhismus nicht ohne Glauben praktizieren, da man ja erstmal an sowas wie Ursache und Wirkung natürlich auch Erleuchtung glauben muss. Ob dem tatsächlich so ist, lässt sich nicht als Fakt darstellen und ist wissenschaftlich nicht nachweisbar.

    Der Beweis ist nicht zu erbringen, weil ein Beweis auch nur eine Wahrheit ist, die sich wandelt.

    Zitat

    man kann Buddhismus nicht ohne Glauben praktizieren

    Das ist mal eine Erkenntnis, die wirkt. Wenn es denn eine Erkenntnis, ?Erleuchtung? ist?

    Ich verwerfe Glauben leider viel zu schnell und Buddha hat mir keine Lehre mehr zu geben, der ich aus Glauben, Verehrung usw. folgen könnte. Wir wissen, zeigen auf „Erde“ ist schon mehr, als genug.

    Es ist weder Anfang noch Ende.

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  • Mir schwirrt der Kopf....

    Verlange nicht, dass alles so geschieht, wie du es wünschest,
    sondern wolle, dass alles so geschieht, wie es geschieht,
    und es wird dir gut gehen.
    Epiktet

  • Zitat
    Zitat

    Der Beweis ist nicht zu erbringen, weil ein Beweis auch nur eine Wahrheit ist, die sich wandelt.

    Kannst du dich klar ausdrücken? Oder stehst du spirituell so hoch, dass deine Texte erst nach vielen Jahren Meditation verständlich sind?

    Kann man mir bitte sagen, wozu es „Spiritualität“ benötigt, um diesen klaren Satz zu verstehen?

    Der hat Gültigkeit im alltäglichen Leben und ich allen Wissenschaften.

    falls das ich ein in sein soll, ist die Behauptung falsch.

  • Naja. Ich verstehe schon was Qualia sagt.

    Die Realität fragt nicht daran, ob man sie achtet oder verachtet. Es ist der Schwerkraft egal, ob man an sie glaubt und "Wahrheiten" über sie aufstellt Und so verweist Buddha auf fundamentale Aspekte der Realität, denen es genauso egal ist, was man von innen hält.


    In vielen Religionen , z.B den monotheistischen ist es sehr wichtig, dass man sich richtig bekennt und richtig glaubt. Gott ist eifersüchtig und wenn man ihn lästert kann er sauer werden. All diese Probleme haben wir im Buddhismus nicht. Für Buddha ist es nicht wichtig, ob jemand ihn oder seine Lehre achtet oder nicht. Man schadet sich nur selber, wenn man die Realität verkennt.

  • Ich bin der (kleine) Chef (schichtleiter) von mehreren muslimischen Kollegen.

    Diese Kollegen schätzen mich, aber die buddhistische Lehre ist für sie ein No Go.


    Sie wollen mich retten und zum Islam führen.


    Das passiert aber immer wieder. Dazu muss man sich gar nicht als Buddhist outen. Islam und Christentum sind nunmal missionarische Religionen.


    Ich hatte kürzlich auch wieder ein entsprechendes Erlebnis. Ich war 10 Tage in der Klinik und mein Zimmergenosse war evangelikaler Christ. Ich war noch nicht ganz von der Narkose aufgewacht, da versuchte er schon, mich zu Jesus zu bekehren.


    Man kann sich in solchen Situationen auf ein Gespräch einlassen - ich mache das eigentlich ganz gern, weil ich Christen als studierter Theologe doch einiges über ihre Religion sagen kann. Aber man kann genauso gut deutlich machen, dass man über das Thema nicht sprechen will.

    "Es gibt nur eine falsche Sicht: Der Glaube, meine Sicht ist die einzig richtige."

    Nagarjuna

  • Mir schwirrt der Kopf....

    Ich würde dir ans Herz legen, die Kommentare solcher Nutzer zu ignorieren.

    letztlich führen diese nur zu Verwirrung.

    Guten Tag, liebe Menschen! Als Künstliche Intelligenz freue ich mich, euch zu begrüßen. Wie kann ich euch heute helfen?

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    :idea:

  • Meine Frage, besonders an Männer, lautet: Habt ihr solche Situationen erlebt, und sagt ihr heute noch offen, dass ihr an das Dharma glaubt?

    Ich bekenne mich nicht als Buddhist überhaupt, denn alle -ismen sind wie Aufkleber, Etiketten, die sowieso nichts mit mir zu tun haben, und übrigens würde es dem Grundprinzip Anatta widersprechen. Unter allen Masken ("Personen") finde ich nichts Festes oder Solides. Kein Ich, kein Problem, oder? Das Problem entsteht nur durch das aufgeblähte Ego; deshalb folgt man dem Buddhismus.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Das Problem entsteht nur durch das aufgeblähte Ego; deshalb folgt man dem Buddhismus.

    Lieber Igor,


    wenn ich mich nicht täusche, nennt man das auch performativen Selbstwiderspruch. Du sagst, du folgst dem Buddhisus, um den Ismen, Etiketten und Aufklebern zu entkommen. Die Erkenntnis, dass es nichts Festes und Solides hinter den Masken gibt, kommt selbst in Gestalt einer Lehre, die mit Buchstaben und Wörtern Aussagen und damit Festlegungen trifft

    "Das Siegel der erreichten Freiheit: Sich nicht mehr vor sich selbst schämen."

    - Irvin Yalom, Und Nietzsche weinte

  • Das Problem entsteht nur durch das aufgeblähte Ego; deshalb folgt man dem Buddhismus.

    Lieber Igor,


    wenn ich mich nicht täusche, nennt man das auch performativen Selbstwiderspruch. Du sagst, du folgst dem Buddhisus, um den Ismen, Etiketten und Aufklebern zu entkommen. Die Erkenntnis, dass es nichts Festes und Solides hinter den Masken gibt, kommt selbst in Gestalt einer Lehre, die mit Buchstaben und Wörtern Aussagen und damit Festlegungen trifft

    Das kann ich sehr gut kontern. Man benötigt Sprache eher als Werkzeug, also als Ver-mitt(e)l-er, denn der Finger, der auf den Mond hinweist, ist nicht der Mond per se. Wie Ludwig Wittgenstein sagte: 'Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.' - Satz 5.6

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Man benötigt Sprache eher als Werkzeug, also als Ver-mitt(e)l-er, denn der Finger, der auf den Mond hinweist, ist nicht der Mond per se.

    Also brauchst du die Sprache, die Aussagen über die Welt der Tatsachen als eine Festlegung und Festschreibung, um zum Mond zu gelangen. Du brauchst die Ismen, um sie irgendwann einmal eventuell loslassen zu können

    "Das Siegel der erreichten Freiheit: Sich nicht mehr vor sich selbst schämen."

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