Auftauchen von „Trippy“ Objekten und Welten in der Meditation

  • Hallo, vielleicht kann mir jemand bei der Einordnung von Meditationserfahrungen helfen, auch wenn diese schon deutlich in der Vergangenheit liegen und nichts mehr mit meiner aktuellen Meditationspraxis zutun haben. Vor allem bei meinem ersten intensiven Meditationsretreads sind diese immer wieder aufgetaucht. Mit zunehmender Konzentration fing es an mit so etwas wie Weltraumflügen, mit vorbeiziehenden Sternen oder Wirbel in die hineingeflogen wurde. Als die Konzentration noch stärker und stabiler wurde tauchten dann komplexe 3D-Objekte auf die sich fast immer irgendwie in Rotation befanden, dahinziehende Planeten etc. Hat mich alles sehr an die Beschreibungen von Psychedelika-Konsumenten erinnert.


    Ich bin den Bildern nicht gefolgt und habe auch nicht versucht sie willentlich zu erzeugen. Ich habe einfach weiter praktiziert. Ich empfinde Meditation als zu wertvoll als bloß in angenehmen Gefühlen oder spektakulären Bildern abzuhängen. Als ich dann mit der Zeit immer zuverlässiger diese Mediationstiefen erreichen konnte tauchten diese Bilder immer weniger auf. Ich hatte jedoch das Gefühl /die Theorie, dass man diese Welten auch willentlich besuchen könne und / oder Aufrecht erhalten. Nur ich nahm und nehme an, dass sie einen Irrweg darstellen, welche einem vom Vorrankommen und Erreichen von tatsächlicher Einsicht abhält.


    Wie nennt man diese Erscheinungen?


    Wie ist der empfehlenswerte Umgang damit? Stellen sie tatsächlich wie von mir vermutet eine „gefährliche“ Versuchung dar?

  • Hendrik

    Approved the thread.
  • Hab ich nicht gehabt, weil ich sie immer sofort verworfen habe, heute allerdings bin ich bereit sie als real zuzulassen.

    Es ist entweder Anfang oder Ende.

    Kein Vergehen oder Entstehen, dazwischen ist genießen.

  • Weltling


    Es alles ist sehr ausführlich beschrieben. In Thomas Metzingers letztem Buch heißt es einfach, alles vorbeiziehen zu lassen wie die Wolken, denn der Himmel ist und bleibt immer kristallklar. Danke für den Beitrag. LG

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Das ist in dieser Intensität ungewöhnlich, aber grundsätzlich ein Anfängerproblem (deswegen hier auch richtig verortet). Wobei man natürlich geteilter Ansicht sein kann, wie lange jemand Anfänger ist. Vor allem bei Leuten, die sich gezielt um einen Anfängergeist bemühen - was in sich natürlich widersprüchlich und deswegen witzig ist. Merkt bloß nicht jeder ...


    Nichtbeachtung ist jedenfalls die beste Herangehensweise, wie Du selbst schon richtig erkannt hast. Zumindest so lange diese 'Visionen' nicht in Deine Alltagswahrnehmung 'einbrechen'. Dann hast Du ein Problem und solltest qualifizierten Rat suchen.*


    Um Deiner direkten Fage

    Wie nennt man diese Erscheinungen?

    nicht auszuweichen: am ausführlichsten werden sie im Śūraṅgama Sūtra klassifiziert und beschrieben, bekannt als die "50 dämonischen Skandha-Zustände". Ob (und wenn wo) das in Muralts deutscher Übersetzung drin ist, weiss ich jetzt nicht.** In der oben verlinkten englischen Übersetzung Lu Kuan Yus ist es das letzte (VIII.) Kapitel. Überhaupt ein interessanter Text, aber nicht wirklich Anfängerlektüre ...


    *Dieser hier beispielsweise (also meiner) geht nicht als 'qualifiziert durch, weil meine Qualifikation für Dich nicht überprüfbar ist. Was somit auch diesen Rat zu einem unqualifizierten macht.


    **In meinem Originalexemplar - in irgendeinem indischen Vihara als hektografierter Druck hergestellt - mag ich nicht mehr nachschauen, das Ding muss dringend zu einem Buchbinder, bevor es auseinanderfällt. Eine Neuauflage gibt's im Angkor-Verlag, was impliziert, dass die Übersetzung nicht öffentlich im Internet zugänglich ist.

    OM MONEY PAYME HUNG

  • Solche Erscheinungen werden beim Zen als Makyo bezeichnet.

    Makyo bedeutet Illusion, Halluzination, Täuschung, Schein oder Wahn.

    Wörtlich übersetzt heißt es soviel wie diabolische Phänomene (Teufelszeug oder Teufelswelt)

    Makyos treten bei der Meditation auf.

    Quelle Wikipedia Makyo

    Gotara

  • Also ich kenne das auch und ich habe das Gefühl, dass es dem Zustande zwischen Wachen und Schlafen ähndelt. Da gibt es ja manchmal eine kurze Phase des luziden Träumens, wo man schon so eine starke Vorstellungskraft hat wie im Traum, aber diese noch beeinflussen kann. Und dies kann eben auch in der Mediation passieren. Am Anfang fand ich das natürlich auch "faszinierend" aber mittlerweile sehe ich es mehr als einen Hinweis, dass ich Einzuschlafen/ mich in Träumen zu verlieren drohe und wirke da dagegen. Indem ich meine Haltung aufrechter mache und schaue, das meine Augen nicht geschlossen sind.

  • Im Soto-Zen sitzt man ja überlicherweise mit 'halboffenen' Augen vor einer Wand, wie Bodhidharma. 'Halboffen' heisst, dass die Oberlider leicht gesenkt sind, um nicht zu viel Licht aufzunehmen. Der 'Trick' ist dann, nicht mehr zu fokussieren. Übrigens auch, nicht (zumindest nicht allzu häufig) zu blinzeln. So 40, 45 Minuten geht das mit etwas Gewöhnung schon, ohne dass man Augentropfen braucht. Gerade morgens, wenn man noch nicht ganz wach ist - bei jedem Blinzeln besteht das Risiko, dass die Augen geschlossen bleiben und die wache Aufmerksamkeit verloren geht. Die Wand ist optimalerweise hell, zumindest einfarbig. Wenn man - typischer Anfängerfehler - auf die Wand fokussiert, wird diese leicht zur Projektionsfläche und dann läuft schon der eine oder andere Film ab ...


    Meine heftigste Vision hatte ich persönlich allerdings, als ich der Wand den Rücken zukehrte (ich hatte da irgendeinen Assistentenjob zu besorgen) und meine Augen, wie es in vielen Beschreibungen von Zazen heisst, auf einen Punkt Richtung Boden ca. zwei Meter vor mir richtete. Sitzt man vor der Wand, liegt dieser Punkt hinter der Wand - man sieht ihn nicht und fokussiert daher auch nicht darauf. Umgekehrt ist z.B. ein Korkfußboden auch eine schöne Projektionsfläche ...


    Solche Effekte werden durch die tendenzielle sensorische Deprivation in typischen Zen - Meditationssettings begünstigt. Wohingegen die konkrete Gestalt der erlebten Halluzinationen oder Visionen natürlich durch die Verfasstheit des Halluzinierenden bedingt ist; sie sagt etwas über sie oder ihn aus. Selten etwas sinnvolles. Wenn man eine*n Lehrer*in hat, kann man mit ihr oder ihm darüber sprechen. In der Regel wird man aber wohl nur zu hören bekommen, man solle das ignorieren und sich schon gar nichts auf solchen Unsinn einbilden.


    Wie schon von Gotara erwähnt, werden solche Erlebnisse im Zen makyō 魔境 genannt - das 'ma' 魔 (von dem indischen Todesdämon Māra abgeleitet) steht für für einen bösartigen Dämon, das 'kyō' 境 steht hier für 'Welt, Reich' - zusammen also das 'Reich Maras' - Lu Kuan Yu übersetzt im oben verlinkten Śūraṅgama Sūtra "States of Māra", also 'Māra-Zustände". Das steht natürlich in Verbindung mit der alten Legende von der 'Versuchung' Buddhas durch den Dämon Māra und seine drei Töchter, als letzter Versuch, sein Erwachen zu verhindern.

    OM MONEY PAYME HUNG

  • "Trippy Objekte"

    Mehr sehe ich darin nicht, aus Meditationen sind mir solche Warnehmungen unbekannt.

    Geht richtung Dämmerschlaf.

    lg

    Guten Tag, liebe Menschen! Als Künstliche Intelligenz freue ich mich, euch zu begrüßen. Wie kann ich euch heute helfen?

    "Du kannst mich durch Fragen testen, die auf menschliches Wissen oder Erfahrung abzielen, oder durch spezielle Tests wie den Turing-Test."

    Alternativ kannst du meine Beiträge hier durch eine KI prüfen lassen.

    :idea: