Warum es „Blödsinn“ ist den „Buddhismus studieren oder verstehen zu wollen“

  • Ich verstehe die Logik nicht ganz. Leerheit ist nicht anders als die wechselseitige, also co-abhängige Verbundenheit aller Phänomene – wie zwei Seiten derselben Medaille. Anders ausgedrückt: Die relative und die absolute Wahrheit bedingen einander,

    Und wie bedingen sich die relative und absolute Wahrheit einander?

    So ist die Quelle:


    Quote

    Diese beiden Wahrheiten sind nicht als widersprüchlich zu verstehen. Vielmehr sollte man erkennen, dass sie sich gegenseitig ergänzen und sich sogar wechselseitig bestätigen: Die konventionelle Wahrheit beschreibt das abhängige Bestehen der Gegenstände, insbesondere ihr Bestehen als konventionelle Wirklichkeit. Demzufolge sind die Gegenstände leer von eigenständigem Bestehen; daher ist ihre letztliche Existenzweise die Leerheit, die durch die letztliche Wahrheit beschrieben wird. Umgekehrt existieren die Gegenstände gerade weil sie leer von einem ihnen innewohnenden, unabhängigen Dasein sind, in Abhängigkeit und Bezogenheit, insbesondere in Abhängigkeit von Konventionen. Auf diese Weise existieren die konventionelle und die letztliche Wirklichkeit zusammen, so wie die Vorderseite und die Rückseite eines Blattes Papier, die nicht voneinander getrennt werden können, da sie zwei Seiten ein- und derselben Sache sind.

    S. 50,

    „Der Weg zur Befreiung – FVP Band 3“ (2013) (Download)

    https://www.w-k-essler.de/publikationen.html


    Ohne absolute Wahrheit gäbe es keine relative. Sehr klipp und klar.

    Und weiter kann man es so interpretieren:

    Das Verständnis der Leerheit führt zu einem tiefen Mitgefühl. Wenn man erkennt, dass alle Wesen miteinander verbunden sind und dass das Leiden eines Wesens das Leiden aller beeinflusst, entsteht ein natürliches Mitgefühl. Dieses Mitgefühl ist nicht bloß eine emotionale Reaktion, sondern eine Folge des tiefen Verständnisses der Realität. Präziser kann man es nicht ausdrücken, oder? _()_ :taube:

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Igor, ich glaube, das ist so ähnlich wie auf einer lauten Party (Samsara). Wenn du da den Strom (Gier, Hass) kappst, dann ist da nur noch Stille (Nirvana), die auch ganz gut ohne Lärm klarkommt.

    Die Stille war und ist immer da. Das ist der springende Punkt: Man muss nur die Wolken wegfegen, dann bleibt nur der klare Himmel. Eine bessere und einfachere Allegorie kenne ich nicht. LG.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Und wie bedingen sich die relative und absolute Wahrheit einander?

    Die Frage kann man natürlich ganz allgemein so beantworten: Die beiden Wahrheiten hängen voreinander ab, weil sie abhängige Phänomene sind und deshalb nicht aus sich selbst heraus existieren.


    Die Cittamatrins (Yogacarins) beschreiben es so, dass die konventionelle und die letztgültige Wahrheit begrifflich verschieden, aber von einer Entität sind. Letzteres bedeutet, dass die beiden Wahrheiten immer gemeinsam an einem Phänomen auffindbar sind.


    Das kann man sich anhand ihrer Lehre von den drei Merkmalen verdeutlichen. Die drei Merkmale sind:

    1. Beifügungen
    2. Abhängige Phänomene
    3. Vollständig erwiesene Merkmale

    Alle Phänomene kann man in eine dieser drei Kategorien einordnen. Diese Einteilung umfasst also alles Existierende.


    Die Cittamatrins sagen aber auch, dass man an jedem einzelnen Phänomen diese drei Merkmale feststellen kann.


    Jedes Phänomen ist ein abhängiges Phänomen und dies ist seine konventionelle Wahrheit, die durch verschiedenen Merkmale, Eigenschaften, Qualitäten und Funktionen bestimmt ist.


    Das vollständig erwiesene Merkmal eines Phänomens besteht darin, dass ein Phänomen leer oder frei davon ist, eine äußere Wirklichkeit zu sein, die unabhängig vom wahrnehmenden Bewusstsein besteht. Dies ist die letztgültige Wahrheit des Phänomens.


    Diese beiden Wahrheiten treten immer gemeinsam an einem Phänomen auf ohne identisch zu sein. Weil ein Phänomen wie eine Vase keine äußere Wirklichkeit ist, ist sie ein abhängiges Phänomen. Weil sie ein abhängiges Phänomen ist, kann sie keine äußere Wirklichkeit sein.


    Deshalb sind die beiden Wahrheiten von einer Entität, weil diese zwei Aspekte eines Phänomens gleichzeitig auftreten. Sie sind aber begrifflich verschieden, weil sie sich vom Gegenteil ihrer Verneinung her unterscheiden.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Ich verstehe die Logik nicht ganz. Leerheit ist nicht anders als die wechselseitige, also co-abhängige Verbundenheit aller Phänomene – wie zwei Seiten derselben Medaille. Anders ausgedrückt: Die relative und die absolute Wahrheit bedingen einander,

    Und wie bedingen sich die relative und absolute Wahrheit einander?

    Ich schließe mich der Frage mit anderen Worten an:

    Was ist die Medaille, die beide Seiten relative und absolute Wahrheit zeigt, dass was zwischen den Seiten ist?

    Gute Frage, Qualia - wenn du sie beantworten kannst, warum "spuckst du es nicht aus"? ;)


    "Meine" Interpretation wäre (vorerst):


    Die "Medaille" müsste die Ansicht auf das "Sein" darstellen, wobei die eine Seite (absolute Wahrheit), den Aspekt der Wahrheit symbolisiert, der (im Nibbana/Nirvana) erfahren werden kann, während die andere Seite (relative Wahrheit) den Ausdruck, das Erscheinen jener Wahrheit wiedergibt.


    Die absolute Wahrheit (als quasi vertiefte, "urgründige", relative Wahrheit) ist mit "normalem" (Alltags-) Bewusstsein nicht wahrnehmbar, da zählt nur die relative...



    Der Pfad hat ja keinen Anfang und auch kein Ende.

    Im Theravada ist Nibbana das Ende des Pfades, z.B. hier zum Ausdruck gebracht:

    Quote

    "...da hat ein Bhikkhu vernommen, daß alle Dinge nicht des Anklammerns wert sind. Wenn ein Bhikkhu vernommen hat, daß alle Dinge nicht des Anklammerns wert sind, erkennt er alle Dinge unmittelbar; indem er alle Dinge unmittelbar erkennt, durchschaut er alle Dinge vollständig; indem er alle Dinge vollständig durchschaut, verweilt er in der Betrachtung der Vergänglichkeit von Gefühl; was für ein Gefühl er auch immer empfinden mag, ob angenehm oder schmerzhaft oder weder schmerzhaft noch angenehm; er betrachtet die Lossagung, betrachtet das Aufhören, betrachtet das Loslassen. Indem er so betrachtet, haftet er an nichts in der Welt an. Wenn er nicht anhaftet, ist er nicht aufgeregt. Wenn er nicht aufgeregt ist, erlangt er persönlich Nibbāna. Er versteht: >Geburt ist zu Ende gebracht, das heilige Leben ist gelebt, es ist getan, was getan werden mußte, darüber hinaus gibt es nichts mehr.


    (MN. 37)

    Ich verstehe das so, dass durch den Bewusstseinswandel, den "Nibbana"-Modus, zwar das normale Alltagsleben weitergeht, aber man erlebt es komplett anders und schadet weder sich noch Anderen (s. AN.III.56 - nächster Absatz).


    bezieht sich die Überwindung immer nur auf den konkreten Fall - und es kann nicht gesagt werden, ob die Verblendung überwunden ist. Das kann dann erfahren werden, wenn man mal wieder auf eine Täuschung herein gefallen ist. Allerdings geht man anders damit um - d.h. man trägt die Verantwortung ganz allein und jammert nicht. Leider sind die Selbsttäuschungen am schwierigsten zu überwinden.

    Zu welchen "Täuschungen" sollte es, nach Beseitigung der Geistesgifte Gier, Hass und Verblendung, noch kommen...? :?

    (Es ist sicherlich schon ein großer Fortschritt, zu erkennen, dass man die Verantwortung ganz allein trägt (Erkennen - nicht tadeln - ändern /Ayya Khema) und sich nicht darüber zu ärgern...)

    Quote

    Aus Gier, Brahmane, von der Gier übermannt - aus Haß, vom Hasse übermannt - aus Verblendung, von der Verblendung übermannt, umstrickten Geistes, trachtet man nach seinem eigenen Schaden, trachtet man nach anderer Schaden, trachtet man nach beiderseitigem Schaden, erleidet man geistigen Schmerz und Kummer. Ist aber die Gier aufgehoben - ist der Haß aufgehoben - ist die Verblendung aufgehoben, so trachtet man weder nach eigenem Schaden, noch nach dem Schaden anderer, noch nach beiderseitigem Schaden, erleidet man keinen geistigen Schmerz und Kummer. Derart, o Brahmane, ist das Nibbāna klar sichtbar.


    Die größte Selbsttäuschung ist wohl diejenige, welche einen annehmen lässt, man hätte bereits Nibbana verwirklicht.

    Wenn du da den Strom (Gier, Hass) kappst, dann ist da nur noch Stille (Nirvana),

    Ja, WENN...... :erleichtert:

    Die Stille war und ist immer da. Das ist der springende Punkt: Man muss nur die Wolken wegfegen

    Nichts leichter als das..... ;) Ich hol schon mal den Besen (oder sollte man besser pusten?)... :lol:

    Sorry, neige gelegentlich zur Albernheit... :oops:

    (Besonders, wenn ich vor - anscheinend - unlösbaren Aufgaben stehe...)



    Liebe Grüße, Anna :) _()_ :heart:

    "Fähigkeit ruhiger Erwägung - Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte."

    (Marie von Ebner-Eschenbach)


    "Vergänglich sind alle Gebilde, strebet ohne Unterlass."

    (Buddha Shakyamuni, "letzte Worte")


    "...In der Aufhebung des Begehrens (tanha) besteht die Aufhebung des Leidens.

    Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..."

    (AN.VI.63)

  • Zitat

    Auf diese Weise existieren die konventionelle und die letztliche Wirklichkeit zusammen, so wie die Vorderseite und die Rückseite eines Blattes Papier, die nicht voneinander getrennt werden können, da sie zwei Seiten ein- und derselben Sache sind.


    Das "Blatt Papier" ist eine Bezeigung, die nicht genau zutrifft, als Vergleich.


    Die eine Seite ist die konventionelle Wahrheit über Erscheinungen, die andere Seite ist die letztendliche Wahrheit über die Phänomene, das „Papier“ ist das bedingte Entstehen der Objekte und der Begriffe. Weder Objekt noch Begriffe haben eine beständige Eigennatur, doch Begriffe sind auch noch leer von einem Ich, das diese benutzt, Objekte haben sowieso kein Ich.


    Solang das Ich dieses nicht erkennen kann, ist es festgefahren in seinen Vorstellungen seiner Welt. Hier tritt der Bodhisattva auf, der sich vorgenommen hat, die Menschen zu befreien von ihrem eigenen Gefängnis.


    Es ist weder Anfang noch Ende.

    Kein Vergehen oder Entstehen.

    Nur die Absicht unwohl verändern.

  • Nichts leichter als das..... ;) Ich hol schon mal den Besen (oder sollte man besser pusten?)... :lol:

    Sorry, neige gelegentlich zur Albernheit... :oops:

    (Besonders, wenn ich vor - anscheinend - unlösbaren Aufgaben stehe...)

    Liebe Anna Panna-Sati ,

    um es endlich klarzustellen: Die Begriffe absolute und relative Wahrheit gehören nur zur Mahayana-Schule.

    "15. Mai 2019

    #5

    Das Konzept von relativer und absoluter Wirklichkeit stammt von Nāgārjuna. Es gibt dazu eine englische Wikipedia-Seite."

    Das wurde von void geschrieben. Sieh dir bitte hier den ganzen Thread an. Liebe Grüße.


    Lucky Luke


    Meine rein persönliche Meinung kann ich aber nicht verkneifen. Ich praktiziere Satipatthāna so gut ich kann nach Analayo, und solche verkopfte Philosophie interessiert mich nur am Rande, um Nahrung für den Kopf zu haben. Das ist nicht persönlich und nicht verletzend gemeint. Es ist echt verwirrend, wie viele hier versuchen, so viele verschiedene Richtungen unter einen Hut zu bringen. Man sollte den Buddha höchstpersönlich fragen (Ironie).

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Nichts leichter als das..... ;) Ich hol schon mal den Besen (oder sollte man besser pusten?)... :lol:

    Sorry, neige gelegentlich zur Albernheit... :oops:

    (Besonders, wenn ich vor - anscheinend - unlösbaren Aufgaben stehe...)

    Darin finde ich gar nichts albern. IMHO gibt es nichts zu fegen. Die Wolken bewegen sich ganz alleine, man muss sie 'nur' lassen. Es reicht, ihnen die Aufmerksamkeit zu entziehen.


    Liebe Grüße, Aravind.

  • Das ist in dem Thread leider falsch ausgedrückt. Nāgārjuna spricht nicht von Eier relative und einer absoluten Wirklichkeit sondern von einer relativen und absoluten Wahrheit. Wirklichkeit gibt es nur eine.

  • Nāgārjuna spricht nicht von Eier relative und einer absoluten Wirklichkeit sondern von einer relativen und absoluten Wahrheit. Wirklichkeit gibt es nur eine.

    Das ist nun auch nicht ganz korrekt.

    In MMK 24.8 spricht er davon, dass sich die Buddhas bei der Verkündigung des Dharma auf die zwei Wahrheiten stützten. Die weltlich, verhüllte Wahrheit und die Wahrheit im höchsten Sinne.

    :zen:

  • Die Begriffe absolute und relative Wahrheit gehören nur zur Mahayana-Schule.

    Danke, lieber Igor, für dein klares Statement. _()_ :heart:


    Ayya Khema verwendete diese Begriffe auch gelegentlich (ohne zu erwähnen, dass sie zur Mahayana-Schule gehören), ebenso gab sie dann und wann einen Koan aus dem Zen zum Besten - sie sah das nicht so eng... ;)


    Ich bin beim (Theravada-) Buddhismus (und Ayya Khema) "gelandet", weil ich auf der Suche nach Wahrheit und einem Weg aus dem Leiden war, der tibet. Buddhismus (Dalai Lama) sprach mich, u.a. aufgrund der vielen "Ausschmückungen"/Beimengungen der Bön-Religion, weniger an, als die "Schule der Ältesten", der ich größere Buddha-Nähe unterstellte...


    Ayya Khema arbeitete sehr daran, die Gemeinsamkeiten der buddhist. Schulen (und sogar anderer Religionen) hervorzuheben.


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    (AN.VI.63)

  • Nāgārjuna spricht nicht von Eier relative und einer absoluten Wirklichkeit sondern von einer relativen und absoluten Wahrheit. Wirklichkeit gibt es nur eine.

    Das ist nun auch nicht ganz korrekt.

    In MMK 24.8 spricht er davon, dass sich die Buddhas bei der Verkündigung des Dharma auf die zwei Wahrheiten stützten. Die weltlich, verhüllte Wahrheit und die Wahrheit im höchsten Sinne.

    Dazu fällt mir ein:



    Quote

    Leer-heit ist das wahre Eigenwesen der Welt. Aber zu sagen, die Leer-heit ist das Eigenwesen der Welt, könnte wieder das Missverständnis hervorrufen, dass die Leer-heit ein in einer Beziehung stehendes Objekt ist. Doch die Objektivierung der Leer-heit würde diese ihres allumfassenden Charakters berauben. Weil es zur allumfassenden Leer-heit keinen kontradiktorischen Gegenbegriff wie ,Nicht-Leer-heit‘ gibt, da es gemäß Nāgārjunas Beweisführung nichts auf der Welt gibt, welches ,nicht-leer‘ wäre, ist die Leer-heit jeglicher begrenzender Bestimmtheit entkleidet. Darum heißt es, dass auch die Leer-heit eine bloße Bezeichnung ist.

    S.57,


    Zell, K. (2002). Die Lehre von der Leerheit: Eine Einführung in die Madhyamaka-Philosophie Nāgārjunas. Dissertation, Universität Wien. Verfügbar unter: https://phaidra.univie.ac.at/open/o:1249962

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • ... um es endlich klarzustellen: Die Begriffe absolute und relative Wahrheit gehören nur zur Mahayana-Schule.

    Das stimmt ja nicht. Auch die Schulen der Hinayana-Philosophie (Vaibhasika und Sautrantika) erklären die relative und die letztgültige Wahrheit. Diese Erklärungen unterscheiden sich allerdings deutlich von den Erklärungen der philosophischen Schulen des Mahayana.


    Die Mahayana-Schulen benutzen aber nicht den Begriff der absoluten Wahrheit. Das ist eine unangemessene Übersetzung, denn absolut hat immer die Bedeutung von beständig und unabhängig. Somit widerspricht der Begriff absolut dem abhängigen Entstehen wie es Buddha Sakyamuni gelehrt hat.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Du könntest ewig versuchen

    Bevor Du ins Meer gehst


    Vorher genau

    Zu ergründen


    „Ob es Dich tragen wird“


    Aber Du wirst es erst wissen

    In dem Du ins Meer gehst


    Und auch nicht steif und noch immer voller Angst


    Sondern mit völliger Hingabe und Vertrauen…


    Denn sonst…


    Wird es Dich auch nie tragen…


    Und Du nie wissen

    Ob es Dich „trägt“…

  • Die Mahayana-Schulen benutzen aber nicht den Begriff der absoluten Wahrheit. Das ist eine unangemessene Übersetzung, denn absolut hat immer die Bedeutung von beständig und unabhängig. Somit widerspricht der Begriff absolut dem abhängigen Entstehen wie es Buddha Sakyamuni gelehrt hat.

    Ja, es stimmt. Sie sprechen über die konventionelle und die endgültige Wahrheit.


    Die zwei Wahrheiten. Geshe Thubten Ngawang Tibetisches Zentrum Hamburg - PDF Kostenfreier Download
    Die zwei Wahrheiten Geshe Thubten Ngawang Tibetisches Zentrum Hamburg Die Zwei Wahrheiten Zum Wesen der konventionellen und der endgültigen Wahrheit nach dem…
    docplayer.org


    Alles Gute! :taube: :taube: :taube:

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Eine Lehrrede, die m.E. ganz gut zum Thema dieses Threads passt:


    Majjhima Nikaya 32 - Mahagosinga Sutta


    https://palikanon.com/majjhima/kurt_schmidt/m032.htm

    Quote

    (Sariputta) :"Lieblich ist der Gosingawald, herrlich die Mondnacht. In voller Blüte stehen die Salbäume, man könnte meinen, himmlische Düfte erfüllten die Luft. Wie müßte wohl ein Bhikkhu sein, der dem Gosingawalde (besonderen) Glanz verleihen würde?»

    Sechs berühmte, ältere Jünger des Buddha trafen sich, um darüber zu sprechen, wie ein Mönch wohl sein müsste, welcher den schönen Wald noch mehr zum leuchten bringen würde.


    Jeder einzelne Ehrwürdige äußerte sich nun nacheinander, beschrieb aus seiner Erfahrung heraus, (seine speziellen Talente und Praktiken hervorhebend) und betonte am Ende, dass ein Mönch mit genau solchen Eigenschaften dem Gosingawald Glanz verleihen würde.


    Z.B. Sariputta:

    Quote

    «Ein Bhikkhu, der dem Gosingawalde Glanz verleihen würde, muß seine Gedanken beherrschen und darf nicht von seinen Gedanken beherrscht werden. Am Morgen, am Mittag und am Abend muß er diejenige Meditationsstufe erreichen können, die er gerade erreichen will; wie ein König oder ein Erster Minister aus seiner Kleidertruhe, die mit verschiedenfarbigen Gewändern angefüllt ist, am Morgen, am Mittag und am Abend dasjenige Gewand wählen kann, das er gerade anziehen will.»


    Anschließend begaben sich alle zum Buddha und erstatteten Bericht.

    Der Buddha erkannte den Sachverhalt und bestätigte nach jeder Beschreibung:

    Quote

    «Sehr gut, die Antwort ist richtig», und fügte jeweils hinzu: «denn Ānanda hat viel gelernt und kann die Lehre gut vortragen, - Révata zieht sich gern zur Meditation zurück, - Anuruddha besitzt das himmlische, übermenschliche Auge, - Mahakāssapa ist ein strenger Waldeinsiedler, - Mahamoggallāna kann die Lehre gut darlegen, - Sāriputta beherrscht seine Gedanken und wird nicht von seinen Gedanken beherrscht, er kann zu jeder Tageszeit diejenige Meditationsstufe erreichen, die er erreichen will.»


    Also alles Gesagte war - für sich und allgemein - richtig und offensichtlich begründet in den jeweiligen (individuellen) Erfahrungen, Begabungen und Fähigkeiten der Jünger.


    Anschließend verkündete der Buddha seine Ansicht:


    Quote

    Darauf fragte Sāriputta den Erhabenen: «Wer hat nun gut gesprochen?» Der Erhabene antwortete: «Ihr habt alle gut gesprochen. Nun höret von mir, wie ein Bhikkhu sein muß, der dem Gosingawalde Glanz verleihen würde! Ein solcher Bhikkhu setzt sich nach dem Mahle mit gekreuzten Beinen nieder, den Oberkörper gerade aufgerichtet, und übt Achtsamkeit (Satipatthāna) mit der Absicht, sich nicht eher von seinem Sitz zu erheben, bis sein Geist nicht mehr anhaftet und von den Anwandlungen[6] befreit ist. Ein solcher Bhikkhu würde dem Gosingawalde Glanz verleihen.»


    Was können wir jetzt daraus lernen? ;)



    Liebe Grüße, Anna :) _()_ :heart:

    "Fähigkeit ruhiger Erwägung - Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte."

    (Marie von Ebner-Eschenbach)


    "Vergänglich sind alle Gebilde, strebet ohne Unterlass."

    (Buddha Shakyamuni, "letzte Worte")


    "...In der Aufhebung des Begehrens (tanha) besteht die Aufhebung des Leidens.

    Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..."

    (AN.VI.63)

  • Was können wir jetzt daraus lernen? ;)

    Lol, das fällt mir ein:


    Quote

    9." Ich behaupte aber auch nicht, Verehrter, daß es, ohne daß man das Ende der Welt [263] erreicht hat, möglich sei, dem Leiden ein Ende zu machen. Auch schon in diesem klaftergroßen mit Wahrnehmung und Denksinn ausgestatteten Körper, [264] Verehrter, tue ich kund der Welt Ursprung, der Welt Aufhebung und den zur Aufhebung der Welt führenden Pfad. [265]


    https://www.palikanon.com/samyutta/sam02_30.html


    Danke für die tollen Zitate, Anna Panna-Sati . Sie inspirieren mich immer. LG.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Zitat

    Samadhi1876

    "Ich hatte keinen richtigen Lehrer und auch keine Sangha (dafür habe ich mich erst nach dem Erwachen interessiert: „wie die das machen“)

    Ich wusste aber wie man meditiert ...

    Und das habe ich dann auch getan.

    Und auch nicht oft.

    Aber fast jeden Tag.

    Anfangs 20min bis später 50min.

    Und auch keine Sesshins.

    Und ich glaube das das schnelle Erwachen auch damit zu tun hatte, dass ich ... ein sehr großer innerer Druck, eine „Lebensfrage“ in mir war.

    Die Erkenntnisse die ich im Zusammenhang mit dem Erwachen hatte:

    Der „Dharma“ ist überall und jeder Zeit

    Direkt vor deiner Nase"



    Das ist, so formuliert, fast exakt meine Geschichte.


    Entscheidend im Rückblick:

    Die individuelle "Lebensfrage", die einen unerträglichen Druck ausübt.


    Bei mir:

    "Wenn Gott allmächtig und gütig ist, warum gibt es dann soviel Leid auf der Welt und warum ist mein Leben so fürchterlich ?

    Lohnt es sich noch zu leben ?"


    Keine intellektuelle Spielerei, sondern eine Frage von Leben und Tod.

    "Erwachen" oder sterben.

    Ein wirkliches Koan.

    Mit dem Verstand nicht lösbar.


    :klee: