• Einsamkeit ist eben eine der unvermeidlichen Leiden in dieser Welt.


    Hm, meiner eigenen Meinung (und Erfahrung) nach stellt die Einsamkeit eine Art spirituelle Kraft dar, die man nutzen sollte.

    Der Meinung bin ich auch und Ordinierten wird ja auch nahegelegt alleine zu leben:


    Quote

    In der Tat, Ānanda, es ist nicht möglich, daß ein Bhikkhu, der Geselligkeit liebt, der sich mit Geselligkeit vergnügt, der sich der Vorliebe für Geselligkeit hingibt, der Gesellschaft liebt, der sich mit Gesellschaft vergnügt, der sich über Gesellschaft freut, jemals nach Belieben, ohne Problem oder Schwierigkeit, die Glückseligkeit der Entsagung, die Glückseligkeit der Abgeschiedenheit, die Glückseligkeit des Friedens, die Glückseligkeit der Erleuchtung erlangen wird. Es kann aber erwartet werden, daß ein Bhikkhu, wenn er allein, von der Gesellschaft zurückgezogen lebt, nach Belieben, ohne Problem oder Schwierigkeit, die Glückseligkeit der Entsagung, die Glückseligkeit der Abgeschiedenheit, die Glückseligkeit des Friedens, die Glückseligkeit der Erleuchtung erlangen wird.

    M.122

  • Der Meinung bin ich auch und Ordinierten wird ja auch nahegelegt alleine zu leben:

    Danke für das Feedback, mukti. Für mich persönlich ist es sogar wichtiger, die innere oder die innige Abgeschiedenheit zu finden, da sie die Sammlung fördert. Nach dem Erwachen wollte Buddha, so Analayo, immer mehr und mehr allein sein. Er hatte jedoch, wie ein echter Bodhisattva, den Wunsch, die Lehre und den Dharma zu verbreiten. Ich bemühe mich, diesem Pfad so gut wie möglich zu folgen.


    Apropos, ich habe mich niemals im rein psychologischen oder klinischen Sinne allein gefühlt. In der Natur zu sein, einfach da zu sein und aufmerksam zu beobachten, wie die Wolken am Himmel entstehen und vergehen, die fallenden Blätter, das Zwitschern der Vögel, das stille Plätschern des Wassers und die Stille im eigenen Herzen – was braucht man mehr? Das ist meine eigene bescheidene Meinung. LG.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Innere Abgeschiedenheit kann ein Mensch jederzeit leben, die Hauslosigkeit des Ich.

    Die Abgeschiedenheit in der Hausgemeinschaft auch, er kann allein leben, ohne Menschen abzuweisen oder sich besonders zuneigen.

    Es ist weder Anfang noch Ende. Kein Vergehen oder Entstehen.

    Nur die Absicht unwohl verändern.

    Die Wahrheit ist schmerzhaft, vor allem wenn man sie nicht gewohnt ist.


  • Der Einsame von Wilhelm Busch

    Wer einsam ist, der hat es gut,
    Weil keiner da, der ihm was tut.
    Ihn stört in seinem Lustrevier
    Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,
    Und niemand gibt ihm weise Lehren,
    Die gut gemeint und bös zu hören.
    Der Welt entronnen, geht er still
    In Filzpantoffeln, wann er will.
    Sogar im Schlafrock wandelt er
    10  Bequem den ganzen Tag umher.
    11  Er kennt kein weibliches Verbot,
    12  Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.
    13  Geschützt vor fremden Späherblicken,
    14  Kann er sich selbst die Hose flicken.
    15  Liebt er Musik, so darf er flöten,
    16  Um angenehm die Zeit zu töten,
    17  Und laut und kräftig darf er prusten,
    18  Und ohne Rücksicht darf er husten,
    19  Und allgemach vergißt man seiner.
    20  Nur allerhöchstens fragt mal einer:
    21  Was, lebt er noch? Ei schwerenot,
    22  Ich dachte längst, er wäre tot.
    23  Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,
    24  Läßt sich das Glück nicht schöner malen.
    25  Worauf denn auch der Satz beruht:
    26  Wer einsam ist, der hat es gut.

    denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht, drum besser wär's, dass nichts entstünde.


    (Goethes Faust)

  • Der Meinung bin ich auch und Ordinierten wird ja auch nahegelegt alleine zu leben:

    Ich lese da nichts von alleine leben, nur nicht innerhalb der profanen Gesellschaft. Was ja eine grundlegende Ansicht des Theravada ist.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Der Meinung bin ich auch und Ordinierten wird ja auch nahegelegt alleine zu leben:

    Ich lese da nichts von alleine leben, nur nicht innerhalb der profanen Gesellschaft. Was ja eine grundlegende Ansicht des Theravada ist.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Naja von profaner Gesellschaft lese ich da nichts, es heißt "allein, von der Gesellschaft zurückgezogen". Aber gut, Ordinierte leben in der Gesellschaft innerhalb des Ordens, ziehen sich aber zur Meditation zurück:


    Quote

    Er zieht sich an eine abgeschiedene Lagerstätte zurück: in einen Wald, an den Fuß eines Baumes, auf einen Berg, in eine Schlucht, in eine Berghöhle, an eine Leichenstätte, in ein Dschungeldickicht, auf ein freies Feld, auf einen Strohhaufen.

    M.107

    Es gibt auch die Variante mit "eine leere Hütte". Das dürfte tägliche Praxis gewesen sein.

  • Die Falle der nur scheinbar selbst gewählten Einsamkeit kenne ich aus eigener Erfahrung auch nur zu gut. ^^ Nirgends so schön zusammengefasst wie in der Fabel von Äsop.


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    "Das Siegel der erreichten Freiheit: Sich nicht mehr vor sich selbst schämen."

    - Irvin Yalom, Und Nietzsche weinte

  • Mit den Jahren des Alleinseins habe ich mich daran gewöhnt und empfinde es nicht mehr als Bürde sondern als Freiheit. Ich kann tun, was ich möchte, also in der Zeit, wo ich darüber verfügen kann.


    Mittlerweile treffe ich gar keine Menschen mehr, außer ich muss zum Arzt oder in die Firma.


    Es macht mich nicht mehr traurig, weil die Menschen strengen mich zumeist eher an, die Gespräche, jede Kommunikation ist Energie, das spüre ich besonders in der Arbeit.


    Ich bin wenig belastbar mehr und daher genieße ich dass ich keine oder weniger Termine habe.


    Mit der Gelassenheit habe ich Probleme, da komme ich kaum weiter, ich nehme es mir jeden Tag vor, aber grad vor wenigen Tagen habe ich eine wahre Wutrede vor meinen versammelten Vorgesetzten gehalten, zwar gerechtfertigt, aber ich habe mir dann doch gedacht... - nein, eigentlich habe ich mir gedacht, das muss gesagt werden, wobei die Hoffnung, dass sie was verändert ist gering.


    Ich genieße die Freiheit, die Natur und jeden Tag, wo es mir gut geht.


    Das Weltgeschehen isoliert mich, da ich in vielen Punkten, die Dinge anders sehe und so gesehen weiß ich, dass Gespräche wenig Sinn machen. Abgesehen davon wollen die meisten Menschen nichts davon hören.


    Irgendwo habe ich mal gehört wer sich informiert hat Angst und wer sich nicht informiert ist unwissend, wobei ich habe danach gesucht, aber da muss ich mich beim Zitat geirrt haben.

  • Für mich kam noch die Frage auf, wie gehe ich mit meiner Einsamkeit um. Ich weiß nicht, ob das in dem Thread schon thematisiert wurde. Einsamkeit ist ja kein besonders angenehmes Gefühl. Es kann sehr schmerzlich sein. Gerade habe ich auch wieder das Gefühl, obwohl ich eine eigene Familie habe und es dadurch sicher schon sehr abgemildert wird, fühle ich mich gerade einsam und weiß nicht so richtig wohin mit mir. In der Großstadt, in der ich lebe, habe ich keine guten Freunde, und auch meine Hobbys und Bekanntschaften habe ich in den letzten Jahren kaum gepflegt.

    Das kenne ich nur allzu gut.

    Vor allem, als ich zum ersten Mal meine eigene Wohnung hatte, in der zweiten Hälfte der 70-er Jahre. Aber wenn ich dann dieses Gefühl durch Kontaktsuche hinterfragen wollte, fühlte ich mich noch einsamer. Ich konnte damals nicht so richtig meine Balance finden. Ich war froh, endlich die Eltern hinter mir gelassen zu haben - gleichzeitig sehnte ich mich nach ihrem Interesse für mich, aber da kam fast nichts.

    Damals gab es noch nicht so viele Möglichkeiten, unter Menschen zu kommen. Nicht so viele ehrenamtliche Tätigkeiten wie heute, nicht so viel zu bezahlende Zerstreuung. Am ehesten noch Volkshochschule, Kirche, Sportverein. Und nicht zu vergessen: von Smartphones und Social Media hat man noch nicht einmal geträumt.

    Meine ohnehin spärlichen Kontaktversuche scheiterten - in Gesellschaft fühlte ich mich meistens einsamer als allein. Manchmal stand ich lange am Fenster und starrte hinaus, wie in Trance; heute deute ich das als leichte Depression. Doch ich hatte eine Arbeit in der Forschung, da war ich abgelenkt. Eher schwierig waren die Wochenenden.


    Es ist interessant, dass man viel mehr Prägungen aus der Kindheit und jungen Jahren beibehält als man denkt, auch wenn es einem zunächst nicht so vorkommt.

    Meine tiefe Erfahrung und Überzeugung, dass das Aufhalten in Gesellschaft zum größeren Teil aus Zeit totschlagen besteht, ist in mir fest verankert. Es ist langweilig.

    Aber es hat sich etwas verändert: ich merkte mit den Jahren immer klarer, dass wenn man sich ehrlich für den Anderen interessiert, dieser das Interesse erwidert und sich ebenfalls für einen interessiert. Das entwickelt sich aber nicht postwendend, sondern so nach und nach. Man muss also einigermaßen mühsam an sich arbeiten, bis es einem zur Gewohnheit wird.

    Es kann sich daraus sogar ein kompatibler innerer Austausch entwickeln, der einem das Gefühl gibt, am richtigen Platz auf der Welt zu sein.

    Rückschläge und zu wenig Resonanz dürfen einen aber nicht erschüttern. Am besten stoisch weitermachen, mit einem gewissen Herzgefühl gewürzt. Und durchaus auch mal einen Menschen fallen lassen, wenn es nicht passt, anstatt sich zu krallen.


    Was das Herzgefühl betrifft: es gibt ja im Tibetischen Buddhismus so schöne Visualisations-Übungen, welche das Herzchakra aktivieren. Fühlt man da schließlich etwas, so kann man es von der eigentlichen vorgegebenen Praxis lösen und einbetten in die Vernetzung mit den Mitwesen, die einen umgeben.

    Hier spreche ich zwar aus eigener Erfahrung, jedoch ist es seltsam, dass das auch körperlich zu spürende Herzgefühl bei mir wieder nachgelassen hat, ja sogar fast verschwunden ist. Dabei habe ich den Verdacht, dass es damit zusammenhängt, dass ich mit "meinem Lehrer" überhaupt nicht zurechtkomme und er mich immer missversteht. Ist wohl ein Problem der Diskrepanz der Kulturen. Aber das ist ein Thema, das mal in die tibetische Abteilung passen würde, so denn sich genug Diskutanten einfinden würden, was ich noch anzweifle.

    Trotzdem halte ich aus Überzeugung an meiner oben beschriebenen Alltagspraxis fest (2. Abs.).


    Was kann passieren, wenn die erworbenen Merkmale, wie etwa spürbar aktivierte Chakras, wieder verschwinden?

    Es kann zum Beispiel Frust aufkommen, durch den man eine Ersatzbefriedigung sucht. Auf eine Art, die schon latent angelegt ist und auch meistens in der Kindheit wurzelt. Und in meiner Kindheit wurzelt extreme Sparsamkeit. Meine Oma väterlicherseits, mit der ich bis zu meinem 10. Lebensjahr eng verbunden war (dann starb sie), war Jahrgang 1883. Sie stammte aus einer ziemlich armen Kätnerfamilie und war das jüngste von 10 Kindern. Die Familie war so arm, dass z. B. nur die Eltern Stühle hatten - die Kinder mussten beim Essen stehen. Und im jungen Erwachsenenalter musste sie zeitweise den Gürtel enger schnüren und ihren ersten Sohn, meinen Vater, alleinerziehend durchbringen. Das hatte zur Folge, dass meine Oma extrem sparsam war, und sie wollte auch, dass ich sehr viel esse, um Speck auf den Rippen zu haben ("Das Kind muss doch was zuzusetzen haben!"). Daher war ich dick, während ich heute sehr schlank bin.

    Meine Oma versuchte alles zu bewahren und zu erhalten, wie es nur irgendwie ging, und hortete jedes gefundene Gummiband und jede Büroklammer in einer uralten Fischdose, mit der ich spielen durfte, indem ich die Gummibänder über die oben offene Dose spannte und darauf "Hänschen klein" zupfte. Für meine kindlichen Zeichnungen und Tuschbilder durfte ich gebrauchtes Papier benutzen, das auf der Rückseite noch nicht bedruckt war. Und den Po wischte man sich mit Zeitungspapier ab, welches meine Oma sorgfältig zuschnitt und durchbohrte, eine alte Schnur durchfädelte und im Klo-Raum an einem Nagel aufhängte.

    Da ich Einzelkind bin, hatte ich mit der Zeit durchaus hochwertiges Spielzeug, zu dem mir eingeimpft wurde, es hoch und heilig zu halten und zu schonen. Dieses ging nie kaputt, während der Nachbarsjunge seine Spielzeuge immer schnell zerstört hatte. Doch meine Lieblingsspielzeuge waren diese einfachen, wie beschrieben.


    Ihr könnt Euch vorstellen, wie mich das geprägt hat.

    Bei mir zu Hause ist es zwar sehr aufgeräumt, aber wenn ich mal umziehen müsste, würde das Umzugsunternehmen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

    Habe ich ein Problem, wo es z. B. etwas zu reparieren gibt, so habe ich immer eine Lösung, denn für alles habe ich Material, was auch immer es ist, und bin dabei auch sehr einfallsreich.

    Da habe ich jedes Mal ein feuerwerkartiges Glücksgefühl, wenn auf diese Weise meine Pläne aufgegangen sind, indem ich alles griffbereit habe.

    Und dann diese Sparsamkeit, um nicht zu sagen "Geiz", dieses Hochgefühl, in der Natur Essbares zu finden und zu verzehren - wieder einmal Geld gespart!

    Das ist meine Ersatzbefriedigung für das stillgelegte Herzgefühl.


    Doch das alles ist nicht perfekt.

    Perfekt ist das Leben vielmehr, wenn man in einem vielfach vernetzten sozialen Gefüge ein wichtiges Zahnrad im Getriebe ist. Wir Menschen sind Primaten, nicht zu vergessen!

    Doch wenn man sich eingerichtet hat und stabil ist, ist es gut, dass man mit seiner Lage klarkommt.

    Ich bin durchaus sehr freundlich und gut ansprechbar, und man sagt mir nach, meine Vorträge seien sehr interessant und ich habe eine Antenne zu Kindern.

    Und wenn man schon im fortgeschrittenen Alter ist (bin Jahrgang 1955), ist es gleichzeitig auch überlegenswert, wie man die Balance findet, um das Oberstübchen im Training zu halten. Dazu ist eben Kommunikation auch sehr wichtig.

    Verlange nicht, dass alles so geschieht, wie du es wünschest,
    sondern wolle, dass alles so geschieht, wie es geschieht,
    und es wird dir gut gehen.
    Epiktet

    Edited once, last by Amdap ().

  • Was ich noch sagen wollte:

    Es ist stets so, dass man schon selber Anstrengungen unternehmen muss, dass die Menschen sich mal bei einem melden und sich interessieren.

    Denn genau wie man selbst, so sind die Mitmenschen sehr träge und faul, hängen fest in ihrem Trott.

    Jeder ist sehr schwer aus seinem Trott herauszuholen. Es ist Unsinn, das mit zu viel Stress und Aufgaben zu entschuldigen, entweder indem man sich selbst oder einen Anderen damit entschuldigt. Das ist alles Fassade, ist gelogen. Irgendwie eine Schutzfunktion, die alten Spurrillen zu pflegen - warum auch immer.

    Insgeheim wünscht sich jeder, dass Andere auf einen zukommen und sich für einen interessieren, aber nur selten passiert es, diesen alten Trott auch einmal selbst zu durchbrechen.

    Verlange nicht, dass alles so geschieht, wie du es wünschest,
    sondern wolle, dass alles so geschieht, wie es geschieht,
    und es wird dir gut gehen.
    Epiktet

  • Insgeheim wünscht sich jeder, dass Andere auf einen zukommen und sich für einen interessieren, aber nur selten passiert es, diesen alten Trott auch einmal selbst zu durchbrechen.

    Ich besuchte meine Großmutter, weil ich etwas wollte, aber eben auch sie besuchen. Als ich irgendwann meine Bitte an sie sagte, meinte sie: „Ihr kommt immer, nur wenn ihr was wollt.“ Eine Sekunde fühlte ich mich schuldig und dann kam der Satz: „Warum sollte ich sonst kommen?“

    Denn ich wollte was von ihr, zuallererst, dass sie für mich auch da ist.

    „Ihr kommt, nur wenn ihr was wollt.“


    „Warum sollte ich sonst kommen?“

    Dieser erscheinende Satz war ein Schlüssel. Wenn ich etwas will, suche ich den Menschen auf, von dem ich etwas, egal was, will.

    Ich rufe kaum jemanden an ich bin immer für jeden da, aber eine Sache wird immer sicherer. Ich will nichts von Menschen, außer in Bedrängnissen, die ich allein nicht lösen kann und dann wende ich mich an Fachleute, die helfen das Problem zu lösen.


    Damit wurde klar, dass auch die Menschen, die mich kontaktieren, genau das wollen einen Fachmann. Wenn ich mit Menschen direkt zusammentreffen, kann ich das Bedürfnis spüren, jemanden nahe zu sein. Ein zufriedenes Schweigen ist dann das Ergebnis. Tausende Worte ohne einen Laut.


    Meine Schwägerin redet den Tag über mit mir, doch abends, wenn wir sitzen und der Fernseher läuft, sprechen wir fast nichts. Was da im Fernsehen läuft, bekommen wir meist nicht mit. Wir häkeln und sind darauf konzentriert, keine Zählfehler zu machen. Meditationsobjekt der Körpersinne. Aber dann laufen da Gespräche und Zufriedenheit ohne einen Ton. Meditationsobjekt der Person. Wir haben gelernt, dass Schweigen viel lauter sein kann und nicht sprechen keine Verschwiegenheit, Sprachlosigkeit sein muss, wie meist geglaubt wird, wenn es still ist.

    Man muss lernen diese Stille auszuhalten, damit man sprechen lernt ohne ein Wort, das ohne Worte nahe sein.

    Wer das gelernt hat, kennt nie wieder Einsamkeit. Denn alle schweigenden Menschen sind näher als die durch Sprache nahen.

    Es ist weder Anfang noch Ende. Kein Vergehen oder Entstehen.

    Nur die Absicht unwohl verändern.

    Die Wahrheit ist schmerzhaft, vor allem wenn man sie nicht gewohnt ist.

    Edited once, last by Qualia ().

  • Moin, ich befinde mich gerade bis Sonntag Nachmittag auf einem Workshop und freue mich auf mein AlleinSein Zuhause.

    Aber diese Erfahrung tut dennoch gut, weil ich sehe, wie gut es mir geht, nur mit Gleichgesinnten zusammen zu sein bzw. nur wenige Momente mit anderen oder allein.

    _()_

    Ohne mich ist das Leben ganz einfach

    Ayya Khema

    Oder anders ausgedrückt: Die Beherrschung der Gedanken ist der Weg zum Glück (SH Dalai Lama)

  • Das Gefühl isoliert zu sein, unerwünscht, ausgeschlossen, ungeliebt, kann sehr unangenehm sein. Der Witz ist dass es in Gesellschaft entsteht, alleine ist ja niemand da, der einen ausschließen könnte. Nur die eigene Vorstellung kann dann unangenehm sein, aber darauf kann man getrost verzichten.

  • Nur die eigene Vorstellung kann dann unangenehm sein, aber darauf kann man getrost verzichten.

    Ach, mukti. Das ist aber ein sehr toller Gedanke. Ich wollte ihn ein wenig vertiefen, auch wenn es sogar ein wenig in OT abgleitet. Wir alle leben in der eigenen Vision ("Version") der Welt, also in der Konstruktion der Welt, wie Schopenhauer sagte: die Welt als Vorstellung. Wie die Welt wirklich aussieht, also das Ding an sich selbst, so I. Kant, das wissen wir einfach nicht, obwohl es klar ist, dass, wenn ein Stein auf meinen Kopf fällt, das mich umbringen könnte.

    Die eigenen Vorstellungen, auch über die Einsamkeit, sind am Ende nicht mehr als die Fabrikationen des eigenen Geistes. Wir können immer den Fokus der Wahrnehmung ändern, aber der Ego-Tunnel bleibt leer, was wir nicht bemerken. Der ist sozusagen von virtueller Natur, frei nach Th. Metzinger.


    Abschließend bemerkt: Unsere Wahrnehmung der Welt und unserer selbst sollte stets hinterfragt und möglicherweise neu ausgerichtet werden. LOl. Dann würde sich kein Mensch einsam fühlen, ich scherze, oder? ;)

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Solange wir nicht wie Robinson Crusoe auf einer einsamen Insel landen, sind wir nicht wirklich einsam.


    Dennoch können allein unsere Gedanken uns verrückt machen.

    _()_

    Ohne mich ist das Leben ganz einfach

    Ayya Khema

    Oder anders ausgedrückt: Die Beherrschung der Gedanken ist der Weg zum Glück (SH Dalai Lama)

  • Solange wir nicht wie Robinson Crusoe auf einer einsamen Insel landen, sind wir nicht wirklich einsam.


    Dennoch können allein unsere Gedanken uns verrückt machen.

    _()_

    Und diese Gedanken, die uns verrückt machen können, nehmen wir auch mit auf die einsame Insel von Robinson Crusoe, wenn wir uns dorthin begeben. Wir sind nicht einsam, weil sie uns auch dort begleiten und prägen so lange wir sie nicht durch die Dharma-Praxis überwunden haben. Die Dharma-Praxis mag ja auf einer solchen einsamen Insel leichter fallen als hierzulande. Wirklich überzeugt bin ich davon aber noch nicht.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Solange wir nicht wie Robinson Crusoe auf einer einsamen Insel landen, sind wir nicht wirklich einsam.

    Robinson Crusoe war ja auch nicht wirklich einsam. Er hatte eine Ziegenherde, und auf seiner Insel lebten Kannibalen, deren Opfer er retten konnte indem er die Kannibalen erschlug. Er nannte den geretteten "Wilden" Freitag, bekehrte ihn zum Christentum und benutzte ihn als Diener. :eek:


    Die Dharma-Praxis mag ja auf einer solchen einsamen Insel leichter fallen als hierzulande. Wirklich

    Mir hat der Dharma in einer sehr isolierten Lebenssituation einmal den A.... gerettet. Dadurch habe ich erfahren, dass ich nicht mehr einsam bin, auch wenn ich mich von anderen Menschen isoliert befinde.

    :)

  • Na, Nanu, so einfach war es wohl nicht für Robinson. Aber ich stelle mir eine solche Zwangslage grausam vor.

    Ohne mich ist das Leben ganz einfach

    Ayya Khema

    Oder anders ausgedrückt: Die Beherrschung der Gedanken ist der Weg zum Glück (SH Dalai Lama)