Suche Rat: Sein Glück im Außen suchen

  • Hallo,


    ich habe ein Problem und würde gerne die Perspektive von Anderen dazu hören.


    Ich habe des Öfteren gelesen, dass Leid dadurch verursacht würde, dass wir etwas wollen. Ich finde das sehr plausibel und versuche mir seitdem ganz genau zu überlegen ob die Dinge die ich tue wirklich ihr Leiden wert sind.


    Ich selber habe eine Schmerzkrankheit, die mir oft die komplette Kraft raubt. Mein Bett ist der einzige halbwegs auszuhaltende Ort. Schon zu existieren bringt Leiden sozusagen. Über die Jahre habe ich viele Wege gefunden über mein Laptop trotzdem iwie mit der Außenwelt in Kontakt zu treten, etwas zu bewirken, anderen Menschen online zu begegnen etc. ...... Ich bin selten draußen unterwegs gewesen. Die Außenwelt war für mich einfach eine Stufe zu viel. Seit 2 Monaten aber habe ich einen Weg gefunden wieder mehr rauszugehen, nämlich mit Hilfe eines escooters. Es gibt mir Freiheit mich trotz meines schmerzenden Körpers fortzubewegen. Was mir allerdings negativ aufgefallen ist ist, dass es die Schmerzen am nächsten Tag schlimmer macht und dass ich mehr Risiko habe dass mir etwas passiert, wenn ich wieder am Straßenverkehr teilnehme.


    Und jetzt Frage ich mich, ob ich mir mit dem Wunsch wieder mehr draußen zu sein, selber mehr Leid in mein Leben hole und ob es sich am Ende lohnt. Ich habe mehr Schmerzen, Geld Investition, Energie Investition, erhöhtes Unfall Risiko ..... und Frage mich ob das die Definition ist von "sein Glück im Außen suchen". Bin ich gerade dabei mich wieder zurück ins Leben zu kämpfen oder mache ich es mir selber schwer und ich habe schon längst ein gutes Leben (wenn auch nur online) ? Vll sollte ich einfach meditieren und diesen Wunsch ziehen lassen ....


    für jegliche Form von Kommentar wäre ich sehr sehr dankbar :heart:

  • void

    Approved the thread.
  • Hört sich jetzt echt blöde an und ich weiß das!

    Ich habe zuerst das Glück in mir gesucht und nicht gefunden, dann im außen und wie zu erwarten auch nicht gefunden. Im Netz nicht und auch nicht in der Familie.

    Und Doch.

    Ich habe es gefunden, weder im Innen noch im Außen, ja wo denn nun?

    In meinem handeln, tun, machen, bewegen und sei es nur aus dem Bett, in jedem zielgerichteten Bewegen meines Körpers, befreit von Vorstellungen von Innen oder Außen, nach Innen oder nach außen. Mein Denken folgt inzwischen auch diesem Wissen: Gedanken machen ist allein schon eine Freude, egal worum sie gehen. Egal ob sie dem Außen oder Innen gefällig sind.

    Es ist weder Anfang noch Ende. Kein Vergehen oder Entstehen.

    Nur die Absicht unwohl verändern.

    Die Wahrheit ist schmerzhaft, vor allem wenn man sie nicht gewohnt ist.

  • Ich denke, es ist gut, viele verschiedene Erfahrungen zu machen und das Glück auch im Außen zu suchen. Denn letztlich ist die Welt doch ein ebenso so spannender und schöner wie langweiliger und leidvoller Ort. Und wenn die Zeit kommt, in der ich mich verabschieden muss oder loslassen möchte, weiß ich zumindest wovon, weil ich eben Freude, Langeweile und Leiden kennengelernt habe. So kann ich schließlich – ehrlich vor mir selbst – bewerten, ob alles Dukkha ist oder nicht. Anlesen kann ich mir diese Erfahrungen jedenfalls nicht. Der Dharma entfaltet sich am besten an der konkreten Wirklichkeit.


    Buddha hat – wie zu lesen ist – das Leben zunächst bejaht, vielleicht sogar genossen, bevor der Überdruss, Furcht und schließlich Einsicht ihn den Weg nach Nirvana suchen ließ. Ich bin mir nicht sicher, ob man diesen ersten Schritt, das Leben in all seinen Facetten zu erleben, auslassen kann, um nur den zweiten Schritt der Erkenntnis und des Loslassens zu gehen.


    Ungelebtes Leben kann vielleicht ebenso viel Leid verursachen wie gelebtes. Und letztlich geht es auch bei der buddhistischen Lehre um das Erlangen von Glück – außen wie innen – durch Weisheit, Mitgefühl, Geduld, Mitfreude etc.. Es gibt ja nicht nur das Glück, das ich mir von der Welt holen kann, sondern auch das, das ich der Welt geben möchte. Klingt vielleicht nach einem ganz schlechten Tipp, wenn, wie Du schreibst, das eigene Leiden schon so heftig ist. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht kannst Du ja auch trotz oder gerade wegen Deiner schlimmen Erfahrungen anderen Menschen helfen, mit ihrem Leid besser fertig zu werden. Das wäre eine Art, das Glück im Außen zu suchen, die – neben der eigenen Freude am Dasein – mit Sinn und Freude am Tätigwerden für andere zu tun haben könnte.

    Das ist denn doch nur der Abendwind, der heute mit ordentlich verständlichen Worten flüstert.

    Edited once, last by Thorsten Hallscheidt ().

  • Ich kann mich kaum in Deine Situation einfühlen und denke es hängt eben auch vom eignen Willen ab, ob man solange man noch kann, sich den Wind um die Nase wehen lässt, sich die Welt ansieht, mit all ihrer Schönheit und ihrem Elend, sich ein Eis kauft, oder einen Kaffee trinkt. Ich sehe hier sehr täglich viele Menschen mit Escootern herumfahren, die ihre kleinen Freiheiten geniessen so gut es geht. Mein Nachbar rollt damit jeden Tag in den Supermarkt und sie begrüssen ihn dort erfreut weil er viel Humor hat, trotz seiner Schmerzen.

    Ob man Glück im Innen oder Aussen findet, kann ich gar nicht beurteilen. Ich finde es liegt eigentlich immer in mir selbst.

    Alles Gute, Dir! :heart:

    :)

  • Hallo Max14232 ,


    dein Beitrag berührt mich, nicht zuletzt, weil ich glaube, dich gut zu verstehen, denn auch ich war lange Zeit weitgehend aus dem "Leben im Außen" ausgestiegen (generalisierte Angststörung, Phobien, somatoforme Schmerzstörung), bin auch jetzt noch keineswegs wieder "voll drin", sondern arbeite täglich daran, mich Stück für Stück wieder einzubringen...


    Ich selber habe eine Schmerzkrankheit, die mir oft die komplette Kraft raubt. Mein Bett ist der einzige halbwegs auszuhaltende Ort. Schon zu existieren bringt Leiden sozusagen.

    Das klingt nach echt harten Lebensbedingungen, Max, und es ist ein Glück, dass es einen Ort gibt, an dem es für dich "halbwegs" auszuhalten ist.

    . Über die Jahre habe ich viele Wege gefunden über mein Laptop trotzdem iwie mit der Außenwelt in Kontakt zu treten, etwas zu bewirken, anderen Menschen online zu begegnen etc.

    Großartig, dass du dich so tapfer durchgeschlagen und Wege gefunden hast, anderen Menschen - zumindest online - zu begegnen UND "etwas zu bewirken".

    Anscheinend hast du dich bestmöglich mit der Situation arrangiert...

    Seit 2 Monaten aber habe ich einen Weg gefunden wieder mehr rauszugehen, nämlich mit Hilfe eines escooters. Es gibt mir Freiheit mich trotz meines schmerzenden Körpers fortzubewegen.

    Der Wunsch, hinauszugehen, hat also dazu geführt, dass du einen Weg nach draußen gefunden hast und du genießt die Freiheit der Fortbewegung.


    Geht es "nur" um diesen "körperlichen" Genuss, die sinnliche Erfahrung (frische Luft um die Nase wehen lassen, Bewegung in höherer Geschwindigkeit, als sonst möglich) oder steuerst du auch Ziele an, z.B. Örtlichkeiten, wo du mit Menschen persönlich in Kontakt trittst?


    Empfindest du mehr Verbundenheit (das Gefühl "dazuzugehören"), wenn du draußen unterwegs bist?

    Und jetzt Frage ich mich, ob ich mir mit dem Wunsch wieder mehr draußen zu sein, selber mehr Leid in mein Leben hole und ob es sich am Ende lohnt. Ich habe mehr Schmerzen, Geld Investition, Energie Investition, erhöhtes Unfall Risiko .....

    Ich könnte mir vorstellen, dass, wenn das Draußensein "nur" Sinnesgenuss bedeutet, dieser mit den späteren Schmerzen vielleicht zu teuer bezahlt wäre.... Aber das kannst nur du selbst vergleichend und abwägend beurteilen.


    Oder vielleicht geht es ja um mehr....?

    Bin ich gerade dabei mich wieder zurück ins Leben zu kämpfen oder mache ich es mir selber schwer und ich habe schon längst ein gutes Leben (wenn auch nur online)

    Diese Frage erscheint mir als entscheidend wichtig:

    Empfindest du die Ausflüge mit dem E-Scooter als Schritt "zurück ins Leben", mithin deine, derzeit eng begrenzte, Existenz als "kein "richtiges" Leben"?


    Angenommen, du lägest irgendwann auf dem Sterbebett - würdest du dann bereuen, nicht weiter den Kontakt nach draußen gesucht zu haben?


    Vll sollte ich einfach meditieren und diesen Wunsch ziehen lassen ....

    Meditieren ist sicherlich gut... - diesen Wunsch ziehen zu lassen, bedeutet allerdings, dass du dafür an dem anderen Wunsch, nämlich in deinem gewohnten Umfeld zu bleiben und nichts zu riskieren, festhältst...


    Ich würde dir - aus meiner Erfahrung heraus - empfehlen, dir keinerlei Druck aufzuerlegen, sondern z.B. nach der Tagesform zu gehen und entsprechend, wenn dir danach ist, immer wieder mal die Außenwelt aufzusuchen (ohne an das "Morgen" zu denken, ganz im Hier und Jetzt).


    So quasi eine Tendenz zur Öffnung nach außen starten, ohne Anspruch, jetzt stetig "Fortschritte" zu machen, sondern immer auch mit Selbstmitgefühl zu akzeptieren, wenn es nicht klappt.

    Dann ist das eben so.


    Alles Gute für dich!


    Liebe Grüße, Anna :) _()_ :heart:

    "Fähigkeit ruhiger Erwägung - Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte."

    (Marie von Ebner-Eschenbach)


    "Vergänglich sind alle Gebilde, strebet ohne Unterlass."

    (Buddha Shakyamuni, "letzte Worte")


    "...In der Aufhebung des Begehrens (tanha) besteht die Aufhebung des Leidens.

    Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..."

    (AN.VI.63)

  • Und jetzt Frage ich mich, ob ich mir mit dem Wunsch wieder mehr draußen zu sein, selber mehr Leid in mein Leben hole und ob es sich am Ende lohnt. Ich habe mehr Schmerzen, Geld Investition, Energie Investition, erhöhtes Unfall Risiko ..... und Frage mich ob das die Definition ist von "sein Glück im Außen suchen". Bin ich gerade dabei mich wieder zurück ins Leben zu kämpfen oder mache ich es mir selber schwer und ich habe schon längst ein gutes Leben (wenn auch nur online) ? Vll sollte ich einfach meditieren und diesen Wunsch ziehen lassen ....


    Kannst du den Wunsch durch Meditieren einfach ziehen lassen? Sehr fortgeschrittene Meditierende erfahren ein Glück das größer ist als jedes Glück im Außen, ich finde nicht dass das einfach zu erreichen ist. Vielleicht ist es wesentlich einfacher und am Ende weniger leidvoll diesem harmlosen und gesunden Wunsch nach mehr Bewegung nachzugeben und dabei möglichst vorsichtig, achtsam und maßvoll vorzugehen. Aber das kannst nur du selber herausfinden.

  • Vielen Dank an alle, die geantwortet haben :) Es ist wirklich ungemein hilfreich auch einmal andere Perspektive zu hören. :heart:


    Ich denke diese Frage ist eher ein Prozess und ich bin froh, dass ich ein paar neue Denkanstöße habe, die ich mir immer mal wieder durchlesen kann über die nächste Zeit :)

  • Liebe Anna Panna-Sati ,


    verrückt. Das was du beschreibst kommt tatsächlich Nahe an meine Diagnosen heran. Ich bin froh dass es dir besser geht als früher !!!!


    Geht es "nur" um diesen "körperlichen" Genuss, die sinnliche Erfahrung (frische Luft um die Nase wehen lassen, Bewegung in höherer Geschwindigkeit, als sonst möglich) oder steuerst du auch Ziele an, z.B. Örtlichkeiten, wo du mit Menschen persönlich in Kontakt trittst?

    Ich denke die pure sinnliche Erfahrung war anfänglich wirklich überwältigend. Ich habe seit sehr langer Zeit einmal wieder einen Wald gesehen, Wasser, einen See, neue Ort entdeckt. Muss aber auch gestehen, dass genau das mich zum Zweifeln gebracht hat, weil ich merke dass ich diesem sinnlichen Glück gegenüber schon abstumpfe und mich nicht anders fühle als zu Hause :erleichtert:


    Ich hatte mir allerdings immer vorgestellt, dass ich vll noch neue Orte finde mit denen ich auch neue Menschen begegne. Ich würde gerne mal wieder an einem Lagerfreuer sitzen und mit neuen Menschen reden oder sowas in der Art ich weiß es nicht, aber das ist auf jeden Fall auch ein Pro.

    UND meine Freundin fährt gerne Fahrrad, das heist mit ihr Ausflüge machen ist schon schön :angel:

    Diese Frage erscheint mir als entscheidend wichtig:

    Empfindest du die Ausflüge mit dem E-Scooter als Schritt "zurück ins Leben", mithin deine, derzeit eng begrenzte, Existenz als "kein "richtiges" Leben"?


    Angenommen, du lägest irgendwann auf dem Sterbebett - würdest du dann bereuen, nicht weiter den Kontakt nach draußen gesucht zu haben?

    Das ist genau was ich zum jetztigem Zeitpunkt einfach nicht beurteilen kann. Ich habe das Gefühl, dass es ein "zurück ins Leben ist" , weil es alle anderen Menschen ja auch so machen und ich da etwas auf die Schwarmintelligenz vertraue. Aber es kann sich natürlich für mich als Individuum als Sackgasse herauskristallisieren.


    Ich habe die Lehren des Buddhas immer als Abkürzung verstanden. Als Lebensweisheiten, die einem ersparen sollen, manche schlechte Erfahrungen überhaupt zu machen und es einfach gleich "richtig" anzugehen. Es scheint aber auch in den anderen Kommentaren hier immer ein "Trial and Error" übrig zu bleiben und ein großer Spielraum für Eigeninterpretation.


    Ich habe ein tiefes Bedürfnis nach Einfachheit und Frieden in mir. Und dieses neue Thema schafft viel Komplexität und das gefällt mir nicht. Aber vll legt sich das ja mit der Zeit. Ich denke ich kann jeder Zeit wieder aufhören diesen Pfad zu gehen und habe keinen Druck es jetzt hier entgültig zu entscheiden.


    In deinem Profil steht


    "...In der Aufhebung des Begehrens (tanha) besteht die Aufhebung des Leidens.

    Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..."

    (AN.VI.63)


    doch wie konsequent sollte man das anwenden ? Nur dasitzen und Essen und Atmen = weniger Leid ?! :D

    Edited once, last by Max14232 ().

  • Und jetzt Frage ich mich, ob ich mir mit dem Wunsch wieder mehr draußen zu sein, selber mehr Leid in mein Leben hole und ob es sich am Ende lohnt.

    Die Frage ist vor allem, welche Freude dem Leid gegenübersteht. Bei uralten Leuten ist es ja teilweise auch so, dass die ein Besuch sehr stresst und die für Tage hinaus "groggy" sind. Aber das Erlebnis jemanden zu sehen erfüllt sie dann wieder so mit Freude, dass sie sich lange daran freuen können. Und so die Strapazen auf sich nehmen.


    Wenn man es als gesunder und junger Menschen etwas macht, was an die körperlichen und geistigen Grenzen geht ( einen Marathon, eine Bergtour zum Matterhorn , eine Expedition) erhält man dafür viel Anerkennung und wenn dich deine Scooter-Expeditinen an deine Grenzen bringen, hast du da auch viel Anerkennung für deinen Wagemut verdient.


    Aber weil die Scooter Expeditionen ja strapaziös sind, würde ich die nicht einfach unbedacht unternehmen sondern mit einem klaren Ziel. Mit etwas, worüber du dich im nachhinein freuen kannst. Mir würde im Haus vor allem die Natur abgehen. Und so wurde ich gezielt Expeditionen unternehmen um die Natur zu zelebrieren. Die Enten im Park, die Fische, die Bewegung der Bäume, den Duft des Frühling. Oder bestimmte Menschen. Und wenn mich dass fertig machen würde dann würde ich mir einfach einen entsprechenden Turnus überlegen ( einmal die Woche) wo es noch so geht. Während ein Rausgehen um des Rausgehend willen vielleicht nicht zielgerichtet genug ist.

  • Hallo, lieber Max14232 , :)


    vielen Dank für deine freundliche Rückmeldung! _()_  :heart:

    Und dieses neue Thema schafft viel Komplexität und das gefällt mir nicht.

    Das kann ich gut nachvollziehen, das Leben - an sich - ist ja sehr komplex und scheint heutzutage immer komplizierter zu werden.

    Was, fast zwangsläufig, die folgende Sehnsucht hervorbringt (und nährt):

    Ich habe ein tiefes Bedürfnis nach Einfachheit und Frieden in mir.

    Genau, da kann ich dir nur aus vollem Herzen zustimmen - ich fühlte mich von meiner speziellen Situation, (aber parallel auch generell vom "modernen", immer schneller sich wandelnden Leben) überfordert - also hieß die Devise: back to the roots, Reduktion auf Basisbedürfnisse, das Leben erstmal (wieder), von Grund auf, einfach nur achtsam (er)leben, auch sinnlich.


    Was natürlich (mit Einschränkungen) auch in der eigenen "Höhle"/Wohnung möglich ist... ;)

    Ich denke die pure sinnliche Erfahrung war anfänglich wirklich überwältigend. Ich habe seit sehr langer Zeit einmal wieder einen Wald gesehen, Wasser, einen See, neue Ort entdeckt. Muss aber auch gestehen, dass genau das mich zum Zweifeln gebracht hat, weil ich merke dass ich diesem sinnlichen Glück gegenüber schon abstumpfe und mich nicht anders fühle als zu Hause

    Ja, das ist genau jenes "Dukkha", wovon der Buddha spricht, die Unerfülltheit und Unzufriedenheit, die sich ergibt, weil auch die schönsten Dinge nicht beständig sind, sich abnützen, unbefriedigend werden, man giert nach mehr oder Neuem, benötigt "Kontraste".


    Sinnesglück/Sinnesreize benötigen Unterbrechungen/Pausen und Abwandlungen, ein Auf und Ab, um attraktiv zu bleiben und machen (doch) auf Dauer nicht zufrieden.

    Ich hatte mir allerdings immer vorgestellt, dass ich vll noch neue Orte finde mit denen ich auch neue Menschen begegne. Ich würde gerne mal wieder an einem Lagerfreuer sitzen und mit neuen Menschen reden oder sowas in der Art ich weiß es nicht, aber das ist auf jeden Fall auch ein Pro.

    UND meine Freundin fährt gerne Fahrrad, das heist mit ihr Ausflüge machen ist schon schön :angel:

    Das sind durchaus erreichbare Ziele und erfüllbare Wünsche, deren Umsetzung dir vielleicht auch zusätzlichen Antrieb geben, dich auch weiterhin dem "Außen" mehr zu öffnen/ stellen...


    Vielleicht könntest du mit deiner Freundin zusammen zunächst ein Tandem mieten, damit du dich körperlich nicht überforderst? :erleichtert:

    Ich habe die Lehren des Buddhas immer als Abkürzung verstanden. Als Lebensweisheiten, die einem ersparen sollen, manche schlechte Erfahrungen überhaupt zu machen und es einfach gleich "richtig" anzugehen. Es scheint aber auch in den anderen Kommentaren hier immer ein "Trial and Error" übrig zu bleiben und ein großer Spielraum für Eigeninterpretation.

    Der Buddhadharma verhilft einem dazu, resilient/unempfindlich(er) gegenüber Erfahrungen zu werden, die jeden treffen: Alter, Krankheit, Sterben, Nichtbekommen, was man möchte, Bekommen, was man nicht möchte, Verluste, etc. , also, darunter nicht mehr zu leiden.


    Natürlich erspart man sich, dem achtfachen Pfad folgend, auch viele schlechte Erfahrungen, die aus der Nichteinhaltung der 5 Sila resultieren, denn man erntet ja meist, was man gesät hat...


    Indem du Anderen keinen (physischen, psychischen, materiellen) Schaden zufügst und der (Um-)Welt mit wohlwollender, mitfühlender Haltung begegnest, vermeidest du tatsächlich viel Leid (für dich und die Anderen).


    In deinem Profil steht


    "...In der Aufhebung des Begehrens (tanha) besteht die Aufhebung des Leidens.

    Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..."

    (AN.VI.63)


    doch wie konsequent sollte man das anwenden ? Nur dasitzen und Essen und Atmen = weniger Leid ?!

    Du lebst dein Leben, rein praktisch, im Grunde genau wie vorher, nur - mit Achtsamkeit und Bewusstheit - wirst du dich mit der Zeit (ver)ändern und damit ändert sich auch deine Welt(sicht) und Leiden reduziert sich...

    Ich habe vor 7 Jahren - als ich ratlos und verzweifelt war - zur Buddha-Lehre gefunden (oder sie zu mir ;) ) und fand durch sie neuen Lebensmut, sowie einen Ausweg aus einer scheinbar aussichtslosen Lage.


    Das Verlangen/Begehren aufzugeben, dass die Schmerzen aufhören, den Widerstand gegen sie fallenzulassen, war der Beginn der Linderung - z.B. lösen sich Muskelverkrampfungen und -verspannungen, wenn man innerlich los-lässt...


    Wünsche alles Gute für dich und deinen Weg und - natürlich - Besserung deiner Gesundheit ! :klee: :sunny:


    Liebe Grüße, Anna :) _()_ :heart:



    P.S. Ein Spruch von L.A. Seneca (Ich liebe Sprüche... :lol: ) zum Nachdenken:

    "Ein Teil der Heilung war noch immer, geheilt werden zu wollen."

    "Fähigkeit ruhiger Erwägung - Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte."

    (Marie von Ebner-Eschenbach)


    "Vergänglich sind alle Gebilde, strebet ohne Unterlass."

    (Buddha Shakyamuni, "letzte Worte")


    "...In der Aufhebung des Begehrens (tanha) besteht die Aufhebung des Leidens.

    Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..."

    (AN.VI.63)

  • Es rühert mich sehr wie hier alle schreiben :cry: :) Danke für eure Zeit und Aufmerksamkeit !!!


    Ich bin mal gespannt wofür ich mich letzten Endes entscheiden werde.

    Es bleibt spannend !


    Ich wünsche euch ganz ganz viel Freude und einen schönen Sommer :sunny: :rainbow: :sunny: :heart:   :wrose: