Was ist Religion?

  • „Religionen sind umfassende Deutungen der Stellung des Menschen in der Welt, verbunden mit kultischen Praktiken und moralischen Elementen“, sagt der Religionsphilosoph Hans Schelkshorn.


    Ist das so? Trifft das auf alle Traditionen des Buddhismus auch zu?


    Ein spannender Artikel des ORF zum Thema:

    Religionen: Versuch einer Definition
    Eine aktuell von der Universität Wien durchgeführte und vom ORF begleitete Studie zeigt, dass sich die religiöse Landschaft verändert. Aber was ist überhaupt…
    religion.orf.at

    "Es gibt nur eine falsche Sicht: Der Glaube, meine Sicht ist die einzig richtige."

    Nagarjuna

  • „Religionen sind umfassende Deutungen der Stellung des Menschen in der Welt, verbunden mit kultischen Praktiken und moralischen Elementen“, sagt der Religionsphilosoph Hans Schelkshorn.


    Ist das so? Trifft das auf alle Traditionen des Buddhismus auch zu?

    Ich denke, diese drei Aspekte treffen auf die Religionen dieser Welt zu, sind aber nicht ausreichend für ihre Charakterisierung.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Zitat

    „Religionen sind umfassende Deutungen der Stellung des Menschen in der Welt, verbunden mit kultischen Praktiken und moralischen Elementen“


    Religionen versuchen eine umfassende Deutung, scheitern aber grundsätzlich an der Religion, die nicht der entspricht, die eine umfassende Deutung glaubt erreicht zu haben.

    Für den Buddhismus trifft das wohl auch zu, denn jede Schule des Buddhismus glaubt die umfassende Religion zu sein.


    Für die Lehre Buddha nicht.

    Buddha beleuchtet die Stellung des Menschen in seiner eigenen Welt und den daraus resultierenden Interaktionen mit der Umwelt.


    Buddha weist darauf hin, dass kultische Praktiken und Rituale nur Wert in der eigenen Welt haben. Sollen sie im Einklang mit der Umwelt sein, kommt es entweder zu Konflikten oder zum Unterwerfen, einordnen müssen gegenüber den Praktiken und Ritualen der Umwelt.


    Gleiches gilt für die moralischen Elemente. Bei Buddha führt das Abstandnehmen vom Verletzen der eigenen erfahrenen moralischen Elemente (erkannte Tugenden) zu einem neutralen Verhalten. Verminderung von eigenem Leiden. Die Moral bleibt in Einklang mit der eigenen Welt, wird verbogen, gedehnt, gebrochen bei Interaktionen mit der Umwelt.

    Die Moral der Umwelt ist scheinbar allgemein geltend festgehalten (Gesetze), das führt immer zu eigenes Leid erzeugendem Verhalten. Selbst wenn man im Einklang mit den Normen nicht gegen diese verstößt, kommt es oft zum Verletzen der eigenen als hilfreich erfahrenen Moral (Tugend). Man muss etwas rechtlich Rechtes tun, obwohl es nicht der eigenen Moral entspricht.


    Religionen zeigen dem Einzelnen, wie er sein sollte, wobei sich seine Persönlichkeit dem notwendigen Verhalten anpasst, aber in sich selbst mit dem Altern immer Einzelner wird, wenn er Religion mit seinem Leben prüft. Im Laufe des Lebens wird ein Mensch immer mehr Mensch und spielt im besten Fall nur noch seine gebildete Persönlichkeit. So bleibt er scheinbar ein Religiöser, kann seine Autonomie für sich bewahren.

    Oder verliert sich im Glauben ohne Sinn und Realität, Verzweiflung oder Resignation.


    Ein Heiliger ist jemand, der ein Religiöser im Sinn der jeweiligen geglaubt umfassenden Religion ist und wird als Beispiel für Hingebung an Gottes (XY) Willen der Umwelt verehrt.

    Der Unheilige wird als Selbstsüchtiger, Egoist, Unkooperativer, Aufsässiger erkannt, obwohl er keine dieser Handlungen zeigt, einzig glaubt er nicht mehr und ist nicht mehr als Mitglied der jeweiligen umfassenden Religion geduldet. Religion verlangt „Ihr müsst ganz einfach nur Glauben.“

    Es ist weder Anfang noch Ende. Kein Vergehen oder Entstehen.

    Nur die Absicht unwohl verändern.

    Die Wahrheit ist schmerzhaft, vor allem wenn man sie nicht gewohnt ist.

  • „Religionen sind umfassende Deutungen der Stellung des Menschen in der Welt, verbunden mit kultischen Praktiken und moralischen Elementen“, sagt der Religionsphilosoph Hans Schelkshorn.


    Ist das so?

    Das ist schon richtig, jedoch ist für mich noch die Frage, ab wann ein Kult eine Religion ist.

    Von den Bestattungsritualen der Steinzeitmenschen bis zu den Griechen oder Römern bei denen die Götter alles bestimmten, den Naturreligionen der Asiaten oder den Ägyptern, die daraus einen Staat gemacht haben, bis zu den Indern, den Buddhisten, Jainas, den afrikanischen Religionen oder den abrahamitischen Religionen ist es ein weiter und vielfältiger Weg. Es ist für mich eine der spannendsten Kulturgeschichten der Menschheit.

    Gleichzeitig wurden Religionen auch oft als Mittel der Macht benutzt. Bis in unsere Tage.


    Trifft das auf alle Traditionen des Buddhismus auch zu?

    Ich denke schon. Hier wird ja manchmal darüber diskutiert, ob Buddhismus eine Religion oder eine Philosophie sei. Diese Frage mag jeder für sich selbst beantworten.

    :)

  • Zitat

    „Religionen sind umfassende Deutungen der Stellung des Menschen in der Welt, verbunden mit kultischen Praktiken und moralischen Elementen“, sagt der Religionsphilosoph Hans Schelkshorn.


    Im Buddhismus ist der Mensch nicht Krone der Schöpfung, nicht Abbild eines Schöpfergottes, aber doch ordnet der traditionelle Buddhismus den Menschen in der Welt ein (eben als nichts ausgezeichnet besonderes, abgesehen vielleicht davon dass Buddhas aus dem Menschengeschlecht hervorgehen). Kultische Praktiken sind definitiv in allen Buddhistischen Traditionen vorhanden. "Nur sitzen" ist eben auch eine kultische Praxis, Verehrung von Göttern ist ja durchaus auch gängig, das rezitieren von Texten, etc, das Dharma wird verehrt, etc. Moralische Elemente sind auch enthalten, siehe die pañcasīla .


    Summa summarum kann man sagen dass paññā, samādhi und sīla direkt in den von Hans Schelkshorn genannten schritten eingeordnet werden können.

  • Werner Vogd hat mal eine guten Aufsatz verfasst, über die Frage, ob der Buddhismus Religion ist oder eine Praxis zur Selbsterfahrung ist. Darin ist eine Definition von Religion, die mir recht plausibel erscheint, da sie drei Kriterien aufgreift, die üblicherweise nicht erwähnt werden.


    http://userpage.fu-berlin.de/~vogd/Buddhismus.pdf

    Zitat

    Ein mir vielversprechend erscheinender Versuch aus diesem Dilemma ist von dem Soziologen OEVERMANN (1995) vorgelegt worden. Sein rekonstruierter Religionsbegriff genügt einerseits LUCKMANNs Forderung, auch in einer vollständig säkularisierten Gesellschaft gelten zu müssen, und bildet andererseits einen eigenständig rekonstruierbaren soziologischen Religionsbegriff, der strukturell aus den sozio-biologischen Bedingungen des

    Menschen ableitbar ist. OEVERMANNs „Strukturmodell von Religiosität“ konstituiert sich aus drei anthropologischen Bedingungen: (1.) Das »grundsätzlich gegebene Bewußtsein von der Endlichkeit« von Lebenspraxis führt zu einem »Bewährungsproblem der offenen Zukunft und einer darauf bezogenen nicht stillbaren Unsicherheit«. (2.) »Die nicht stillbare Bewährungsdynamik erfordert einen Bewährungsmythos«, der

    grundsätzlich »über Herkunft und Zukunft sowie die aktuelle Identität der eigenen Lebenspraxis verbindlich so Auskunft geben kann, daß darin die Unverwechselbarkeit der eigenen Lebenspraxis verbürgt ist«. (3) Dieser

    Bewährungsmythos benötigt, um seine beruhigende Kraft entfalten zu können, eine »suggestive Evidenz«, die kollektiv verbürgt ist durch eine vergemeinschaftende Gefolgschaft«. Jedes religiöse System braucht in diesem

    Sinne eine charismatische Führerschaft, die, durch die ihr folgende Gemeinschaft verbürgt, eine nicht-rationale Antwort auf die Fragen geben kann, die grundsätzlich nicht rational zu beantworten sind, vom einzelnen

    Menschen jedoch persönlich beantwortet werden müssen


    Und weiter wird die Gemeinschaftsbildung hervorgehoben:

    Zitat

    Entsprechend zeichnen sich nach OEVERMANN (1995: 95) religiöse Systeme immer auch durch eine intensive Gemeinwohlbindung aus. Der religiöse Mensch praktiziert Religion nicht nur für sich, sondern auch für seine

    religiöse Gemeinschaft, die er durch seine Praxis stärkt. Das Individuum findet seinen Sinn und seine Bestimmung in der zirkulär verbürgten Evidenz des Glaubens. In lebendigen religiösen Bewegungen muß deshalb die Gemeinde eine herausragende Rolle spielen, denn erst hier wird die reziproke Beziehung zwischen dem Einzelnen und seinem religiösen Kollektiv zu einer tragenden Determinante des sozialen Lebens. Nur in der Gemeinde wird Religiosität im Sinne von WILSONs (1980) soziobiologischer Argumentation zu einer

    wirksamen evolutionären Strategie. Erst hier kann ein »egoistischer Altruismus« funktionieren, indem die Vergemeinschaftung in der religiösen Gruppe eine Reihe von Vorteilen bieten kann, wie z. B. Schutz, Unterstützung, Kontaktmöglichkeiten und ideelle sowie moralische Sicherheit. Der Preis, den das Individuum für diesen Gewinn zahlen muß, besteht in der Einordnung in das gemeinschaftliche Regelsystem der jeweiligen religiösen Dogmatik.

    :zen:

  • Religion ist eine Weiterentwicklung von Theorien und Praktiken, die ursprünglich auf Zuständen im Gehirn basieren. Dazu vermischt mit Sitten und Gebräuchen der alten Kulturen.


    Nach Forschungen, Erkenntnissen und daraus logischen Rückschlüssen können solche Zustände erstmals bei Individuen der Gattung Homo aufgetreten sein, sprich Homo erectus. Umstritten ist allerdings, ab welchem Zeitpunkt man vom echten Homo erectus sprechen kann, da aufgrund immer neuer hinzukommender Funde sich schon lange ein fließender Übergang abzeichnet.


    Allerdings sind Rituale schon viel älter. Bereits reflexartige, automatisierte Rituale beobachtet man bei höheren Tieren, besonders bei den Vögeln: Übersprunghandlungen in Verbindung mit einem Hahnenkampf, Balzrituale. Vögel wiederum stehen uns verwandtschaftlich nicht so nahe, da sie, evolutionär gesehen, eigentlich weiterentwickelte Dinosaurier sind.

    Und Jane Godall berichtet von ihren Schimpansen, die sie jahrelang begleitet hat, wie ein bestimmter, wunderschöner Wasserfall bei ihnen Ritualhandlungen ausgelöst hat.

    Man kann also davon ausgehen, dass Rituale schon vor vielen Millionen Jahren aufgetreten sind.


    Solches ist aber noch nicht, im engeren Sinne, als religiös zu bezeichnen.

    Echte religiöse Zustände kommen zustande durch ein ungewöhnliches Zusammenwirken beider Gehirnhälften im Zusammenhang mit der Amygdala (Mandelkern). Dieses nur ganz grob und ungenau gesagt. Es lohnt sich sehr, Näheres darüber nachzulesen in dem inzwischen schon älteren Werk von A. Newberg/Eugene D'Aquili/Vince Rause: "Der gedachte Gott",

    Es fühlt sich an wie ein unaussprechlich umfassendes All-Erlebnis, die Erkenntnis über den wahren Ursprung des Seins, oder wie auch immer man es nennen kann. Wie gesagt, dazu fehlen die Worte.

    Interessant ist, dass sich solche Zustände oft im Jugendalter häufen. Das liegt daran, dass mit der Pubertät das Gehirn sich noch einmal umstrukturiert.

    Einige hier im Forum scheinen heimlich stolz darauf zu sein (obwohl sie das Stolzsein vehement abstreiten würden), dass sie ein solches Erlebnis hatten. Denn wer nicht stolz darauf ist, sondern es als natürliches Vorkommnis betrachtet und sein Ego als ein Phänomen wie alle anderen Phänomene ansieht, hält es nicht für notwendig, solche persönlichen Erlebnisse hervorzuheben (oder zumindest anzudeuten, damit Andere es beachten).


    Nach und nach, in fließendem Übergang wie die Evolution bei der Gattung Homo, wird sich natürlicherweise auch eine Religion entwickelt haben: Eine Synthese aus einerseits Ritualen, andererseits aus solchen Hirnzuständen.

    Es hatte Vorteile im Zusammenhang mit den sozialen Strukturen und der Entstehung einer Kultur.

    Daher sind Religionen in Bezug auf das, was das Menschsein ausmacht, nicht wegzudenken.


    Es scheint aber so, dass sich die Menschheit schon seit einiger Zeit im Umbruch befindet. Ein Indiz dafür ist, dass die Neurologie-Forschung sich besonders auf solche "rauschartigen" Zustände fokussiert.

    Aus den Religionen wird mit den Jahrhunderten nach und nach etwas anderes werden. Der Dalai Lama hat schon lange den richtigen Riecher dafür, er ist von allen religiösen Oberhäuptern am meisten offen dafür.

    Verlange nicht, dass alles so geschieht, wie du es wünschest,
    sondern wolle, dass alles so geschieht, wie es geschieht,
    und es wird dir gut gehen.
    Epiktet

  • Einige hier im Forum scheinen heimlich stolz darauf zu sein (obwohl sie das Stolzsein vehement abstreiten würden), dass sie ein solches Erlebnis hatten. Denn wer nicht stolz darauf ist, sondern es als natürliches Vorkommnis betrachtet und sein Ego als ein Phänomen wie alle anderen Phänomene ansieht, hält es nicht für notwendig, solche persönlichen Erlebnisse hervorzuheben (oder zumindest anzudeuten, damit Andere es beachten).

    Zitat

    Denn wer nicht stolz darauf ist, sondern es als natürliches Vorkommnis betrachtet

    verfehlt den Weg zum frei werden von Angst. Gerade hier im Forum habe ich das gelernt. Ich bin stolz darauf das dieses „Erlebnis“ jederzeit wiederholt werden kann und im Laufe der Jahre etwa geworden ist, das immer da ist, auch wenn ich es leugne, vor anderen und vor mir.

    Dieses religiöse Gefühl als mein eigenes zu akzeptieren hat eine Geschichte, die mit der Entscheidung mich nicht konfirmieren zu lassen begonnen. Da war schon sicher gesichert, Gott, als Namenlos, Eigenschaftslos und damit Beständig.


    Ich glaube nicht an den einen Gott Abrahams, Moses, Mohameds, ist weiß es. An den Gott des Jesus konnte ich nur glauben, das war mir zu wenig um Christ zu werden. Das Abendmahl war mir zu wider. Ich bin kein Kannibale und auch kein Vampir, nichtmal in meinen wildesten Vorstellungen, warum sollte ich sowas glauben?


    Mohamed hat es gesagt und so wurde es aufgezeichnet, obwohl ich fast sicher bin das der Schreiben es nicht verstand. Es gibt nur einen Gott und nichts kann ihm weiter zugegeben werden. [Allah ist nur ein Name für etwas ohne jeden Namen.]


    Ich bin also schon sehr lange zutiefst religiös, aber Religionen nur um des Glaubens willen lehne ich grundsätzlich ab. Wer meinem einen Gott auch nur einen Namen hinzufügen und mich dazu bringen will an den Namensgott zu glauben kann von mir nur eine Schauspielerrolle erwarten, damit ich nicht seiner Willkür ausgesetzt bin. Mein Gott hat kein Problem, damit das ich ihn erkenne, erfahre und liebe und auf mich stolz bin, dass ich das überhaupt kann.

    Wer das nicht hat, den Einen-Gott, im Zen den einen Geist, wird sich nie vom Leiden befreien können.


    Lebenserfahrung mit einem Koan: Ein guter Bekannter wollte auf Hadsch gehen und ich fragte ihn, ob er dafür auch einen Beweis bekommt in Form einer Urkunde. Er sagte nur: Gott weiß es.


    Es ist weder Anfang noch Ende. Kein Vergehen oder Entstehen.

    Nur die Absicht unwohl verändern.

    Die Wahrheit ist schmerzhaft, vor allem wenn man sie nicht gewohnt ist.

    Edited once, last by Qualia ().

  • Der Anfang ist ja gut. Die Religionswissenschaftlerin Astrid Mattes sagt dem ORF:


    Zitat

    Da wir so viele unterschiedliche Phänomene Religion nennen wollen, gelingt es nicht, einen Kern davon zu benennen. Dazu kommt, dass der Religionsbegriff aus der europäischen, christlich geprägten Geistesgeschichte entstanden ist und es daher fraglich ist, ob dieses Konzept auf andere Kulturen übertragen werden kann


    Von daher ist es verwunderlich ist, das man dann Leute fragt, die genau von diesem christlich geprägten Religionsbegriff geprägt ist: Die römisch katholischer Theologen Hans Schelkshorn und Franz Winter. Und bekommt dann eben die Antworten die man "wissenschaftlich seriös" nicht geben kann.


    So als landet ein Special "Ökosystem Wald" beim Holzhändler, für den alles ganz einfach ist und der einem seine Liste mit Quadratmeterpreise hinhaut: Christliche Transzendenz, Hindu-Transzendenz, Buddhistische Transzendenz.

  • Qualia #8 :


    Ich habe überhaupt nichts dagegen, was Du da schreibst.

    Und das zu schreiben, ist Deine persönliche Entscheidung.


    Es hat aber nicht unmittelbar etwas mit dem Thema zu tun, das ich da angesprochen habe.


    Lassen wir Beides mal so stehen.

    Verlange nicht, dass alles so geschieht, wie du es wünschest,
    sondern wolle, dass alles so geschieht, wie es geschieht,
    und es wird dir gut gehen.
    Epiktet

  • Kannste löschen lassen, einfach melden ist ohnehin unwichtig.

    Lieber keines stehen lassen. :D

    Es ist weder Anfang noch Ende. Kein Vergehen oder Entstehen.

    Nur die Absicht unwohl verändern.

    Die Wahrheit ist schmerzhaft, vor allem wenn man sie nicht gewohnt ist.

  • Es fühlt sich an wie ein unaussprechlich umfassendes All-Erlebnis, die Erkenntnis über den wahren Ursprung des Seins, oder wie auch immer man es nennen kann. Wie gesagt, dazu fehlen die Worte.

    Interessant ist, dass sich solche Zustände oft im Jugendalter häufen. Das liegt daran, dass mit der Pubertät das Gehirn sich noch einmal umstrukturiert.

    Einige hier im Forum scheinen heimlich stolz darauf zu sein (obwohl sie das Stolzsein vehement abstreiten würden), dass sie ein solches Erlebnis hatten.

    Für mich persönlich ist Religion keine Glaubensüberzeugung, sondern ein Vorgang, der Vorgang der Heilung. Die Heilung der existenziellsten Probleme des Daseins.


    Das unaussprechlich umfassende All-Erlebnis kann ein Schritt dabei sein.


    Ein wenig Stolz auf ein Erfolgserlebnis kann schon hilfreich sein, als Motivation weiterzumachen.

    Den Drang, das mitteilen zu wollen, verstehe ich. Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude doppelte Freude. Natürlich gibt es dabei immer Leute, die einen für einen Angeber oder einen Jammerlappen halten.


    Wenn sich beim Ausdauersport durch Endorphin-Ausschüttung ein berauschender Flow-Zustand einstellt, bin ich ein wenig stolz, und mehr noch froh über den Lohn der Mühen.

    Als junge Männer waren wir stolz auf den Rausch, den wir uns mit drei Maß Starkbier auf dem Münchner Nockherberg angetrunken hatten. Das war wohl nicht der Weisheit letzter Schluss.

    Überhaupt würde ich auch Rauschzustände nicht mit Religion in Verbindung bringen.

    Obwohl die Römer ja meinten: In vino veritas.

    Aber das wäre ein Thema für einen eigenen Thread.

    :kaffee:

  • Es ist weder Anfang noch Ende. Kein Vergehen oder Entstehen.

    Nur die Absicht unwohl verändern.

    Die Wahrheit ist schmerzhaft, vor allem wenn man sie nicht gewohnt ist.

  • Schelkshorns Definition in allen Ehren, aber danach wären ja auch die 13 einhalb Leben des Käpt'n Blaubär eine Religion (wenn man mal Blaubären als Avatare für Menschen nimmt). Beim Mittagessen gemeinschaftlich das letzte Fischstäbchen dem Meer zu opfern, ist kultisch. Blaubärs Geschichten sind zu 90% Deutung seiner Stellung in der Welt, und sie schließen für gewöhnlich ab mit Ermahnungen an die Enkel, was man im Leben tun und was man besser lassen soll (deontische Ausdrücke = Moral). Schelkshorn fasst seine Definition sehr weit, um viel von dem unterzubringen, was im Sprachgebrauch als Religion durchgeht. Der Preis dafür ist, das die Definition als Kriterium kaum noch brauchbar ist, um Nicht-Religiöses auszusortieren. Da finde ich den von Leonie erwähnten Ansatz von OEVERMANN stärker.