Buddhadharma und griechische Philosophie

There are 15 replies in this Thread. The last Post () by mombour.

  • Die Hochzeit der griechischen Philosophie kam ja vor allem dadurch zustande, dass sich die Welt damals globalisierte. Bislang getrennte Stadtstaaten kamen miteinander in Kontakt und so enstand ein reger Austausch jenseits der bis dahin geltenden regionalen Mythologien. Karl Jaspers prägte für diese Phase, in der sich das Gewicht vom Mythos zum Logos verschob den Begriff "Achsenzeit" und sah in Griechenland, im Judentum und in Indien und China zu der Zeit ähnliche strukturelle Veränderungen am Werk. Auch Buddha lebte ja in einer Zeit, in der nicht nur der Buddhimus enstand sondern viele andere philosophische und religiöse Lehren. Nachdem die einzlenen kleinen Reiche miteinander Kontakt aufgemommen hatten, entstanden die grossen Reiche, wie z.B das Alexander des Grossen. Innerhalb dieser Reiche, die ja meist ethnisch pluralistisch war, gab es viel an Austausch.


    Quote

    wussten die griechen von buddha, die stoa begann ja 300 vor christi, das würde ja passen!?


    Alexander der Grosse war ja in Indien (Pakistan) und führte dort Gespräche mit Yogis. Also kam es natürlich zu einem gewissen Austausch zwischen griechischen und indischen Gelehrten. Es gibt auch Personen wie Menandros/Milinda (http://de.wikipedia.org/wiki/Menandros_%28K%C3%B6nig%29) die sowohl in der griechischen als auch in der buddhitischen Überlieferung auftauchen. Und Auch der buddhitische Herrscher Ashoka
    sandte buddhitische Gesandschaften nach Kleinasien, ins Seleukiden-, Ptolemäer- und Antigonidenreich.


    Trotzdem würde ich da keinen direkten Zusammenhang vermuten sondern eher Karl Jaspers in seinen Überlegungen folgen. Indem der Einzelene aus der ihn bis dahin tragenden Mythologie herausfiel wurde er sich als Individuum bewusst. Wurde bis dahin das Heil als eine kollektive Sache geshen, war es nun etwas woran man persönlich arbeitete. Diese veränderte Einstellung liegt sowohl der Stoa als auch den gnostischen Strömungen zugrunde.

  • Hallo,


    Links finden kann ich selbst. Wie wäre es, weniger Links zu setzen und dafür mehr eigene Ansichten und Gedanken dazu zu schreiben. Wer hat sich persönlich mit Buddhismus und griechische Philosophie vergleichend auseinandergesetzt und entsprechende Erfahrungen für seine Praxis gemacht? Wo gibt es Gemeinsamkeiten, die für die Praxis relevant sind?


    Gruß, Beth

    Nichts ist gewisser als der Tod, nichts ungewisser als seine Stunde (Anselm von Canterbury, 1033-1109)

  • Quote from Beth

    Hallo,


    Links finden kann ich selbst. Wie wäre es, weniger Links zu setzen und dafür mehr eigene Ansichten und Gedanken dazu zu schreiben. Wer hat sich persönlich mit Buddhismus und griechische Philosophie vergleichend auseinandergesetzt und entsprechende Erfahrungen für seine Praxis gemacht? Wo gibt es Gemeinsamkeiten, die für die Praxis relevant sind?


    Gruß, Beth


    die erkenntnisse waren weitgehend da, das alles fliesst, die vergänglichkeit, die gelassenheit in anbetracht des weltenlaufs, was fehlte war die alles vereinende lehre und speziell die meditation, also zb. vipassana, die dem menschen eine "methode" in die hand gegeben hätte. so blieben die einsichten, obwohl fast alle da, stückwerk.


    ein beispiel. aurelius war sich der "unwichtigkeit" der dinge durchaus bewusst, alles vergeht wieso also hadern, auf den schlachtfeldern germaniens versuchte er deshalb geistesruhe zu finden, indem er seine situation aus einer vogelperspektive betrachtete, so sah er wie kurz und wenig wichtig sein leben war, und fand so geistesruhe und konnte sich ins geschehen einfügen, er musste aber darüber nachdenken, man gebrauchte den LOGOS. wie gesagt, vorallem die meditation fehlte.


    man hatte die einsichten, und sann darüber nach, das war die methode, und ist der eigentliche unterschied.


    lg zenbo

  • Quote from Beth

    Hallo,


    Links finden kann ich selbst. Wie wäre es, weniger Links zu setzen und dafür mehr eigene Ansichten und Gedanken dazu zu schreiben.


    Hallo Beth,
    Könnte es nicht sein, dass auch hinter dem Setzen eines Links "eigene Ansichten und Gedanken" stecken?
    Also ich finde meine Heraklit-Links sehr hilfreich in diesem Zusammenhang... Sag's beim nächsten Mal am besten vorher, wenn du gerne kleine mundgerechte Häppchen wünschst! (Bei diesem Thema sind übrigens solide historische Quellen besser als "eigene Ansichten und Gedanken")


    LG
    Onda

  • Hallo,


    ganz interessant hierzu scheint Pythagoras (* um 570 v. Chr.; † nach 510 v. Chr. in Metapont in der Basilicata *-->wiki) zu sein. Dieser vertrat angeblich eine Art "Seelenwanderungsidee" und damit auch eine Art von Reinkarnationsglauben. Dies mag auf den ersten Blick wenig buddhistisch klingen, jedoch verweist die Biographie des Pythagoras auf mögliche buddhistische/hinduistische Einflüsse...


    Etwas anderes: Insgesamt müßte man das Pferd vielleicht andersherum auzäumen: Beeinflussung der griechischen Philosophie "durch Indien", das wäre wohl die Frage...wenn man einfach nur die Erkenntnisse/Künste/kulturellen Leistungen ihrer gemeinsamen Zeit vergleicht.


    Gruß


  • Hi pops,
    insofern wäre es denn auch tatsächlich verständlich, dass Jesus durch Indien beeinflusst wurde und mit dem Rachegott und dem Alten Testament eine neue Ära einläutete, indem er das Mitgefühl und die Liebe in den Vordergrund stellte. Als ich vor vielen Jahren das Buch sah: "Jesus lebte in Indien" hatte ich bisher immer daran gezweifelt. Denn andererseits brachte Paulus durch seine vielen Reisen in Kleinasien die griechische Philosophie mit hinein, genauso wie die Römer, die auch von Griechenland beeinflusst waren, warum Jesus dann zum "griechischen" Christus (Der Gesalbte) wurde. Möglich und vor allem denkbar ist ALLES. :D
    _()_ Monika

  • Quote from pops

    Hallo,


    ganz interessant hierzu scheint Pythagoras (* um 570 v. Chr.; † nach 510 v. Chr. in Metapont in der Basilicata *-->wiki) zu sein. Dieser vertrat angeblich eine Art "Seelenwanderungsidee" und damit auch eine Art von Reinkarnationsglauben. Dies mag auf den ersten Blick wenig buddhistisch klingen, jedoch verweist die Biographie des Pythagoras auf mögliche buddhistische/hinduistische Einflüsse...
    leicht.


    Ja. Pythagoras lehrte Seelenwanderung und mag vielleicht hinduistisches aufgeschnappt haben. Er war Zeitgenosse von Buddha. Sogar Platon griff im "Phaidon" auf die Lehre der Seelenwanderung. Aristoteles bezeichnete allerdings Pythagoras' Auaflüge ins Religiöse als "Scharlanterie". Wenn wir die Ordensregeln der pythagoreischen Anhänger betrachten, ist das eher seltsam, warum man keine Bohnen essen sollte oder nicht auf einer Landstraße gehen soll. Dem Buddhismus konträr geht auch Pythagoras Lehre von der ewigen Harmonie des mit Mathematik und Zahlen durchdrungenden Weltalls. Dabei ist der Kosmos nicht ewig, einen Urknall gab es ja auch. Buddha lehrte dagegen von der Unbeständigkeit der dinglichen Welt.


    Die orphische Religion kam aus Thrakien, auch sie kannten die Lehre der Seelenwanderung. Die Orphiker sagten, der Mensch habe irdische und himmlische Anteile. Es hab Reinigungszeremonien. Je reiner ein Mensch wurde, je mehr überirdische Anteile hatte er, bis er schließlich Eins mit Bacchus, d.h. eins mit Gott wurde. Das weist eher auf das Christentum hin, wenn Jesus sagt: "Ich und der Vater sind eins". Bertrand Russel schreibt in seiner "Philosophie des Abendlandes" einige orphische Lehren seien aus Ägypten, über Kreta nach Griehenland/Thrakien importiert worden. Was ist nun mit Indien? Ein Mensch könnte zum Buddha werden, wie Jesus selbst ein inkarnierter Gott war. Na, das ist doch nicht dasselbe. :mrgreen:


    Was und ob und wie die Beziehungen der Griechen zu Indien in vorsokratischer Zeit standen, da weiß man kaum etwas. In hellenistischer Zeit wurden einige Geschichten aus dem Palikanon in den griechischen Raum getragen, einiges landete variiert in der Bibel.


    Wenn man allgemein nach Verbindungen zwischen Philosophie und Buddhismus sucht, schaue man nach Schopenhauer, Nietzsche (in "Der Antichrist") und besonders Martin Heidegger (Zen): "Sein und Zeit". Martin Heidegger las mal irgendein Buch von Daisetz T. Suzuki und sagte daraufhin:


    Quote from Martin Heidegger

    If I understand this man correctly, this is what I have been trying to say in all my writings.


    Eine leichtere Lektüre als "Sein und Zeit" ist Heideggers philosophische Erzählung "Der Feldweg". Das ist Zen. Nichts anderes. :D


    Liebe Grüße
    mombour

  • Hallo mombour,


    Martin Heidegger hat sich sehr viel mit Zen-Buddhismus und Daoismus auseinandergesetzt. So hat er sich u.a. mit dem Shinjinming und dem Daodejing beschäftigt und interpretiert. Er war auch sehr häufig im Gespräch mit buddhistischen Mönchen und Meister, wie auch Professoren für Buddhistische Lehre aus China und Japan. Gerade in der Seins-Frage sah sich Martin Heidegger vom Zen und vom Daoismus bestätigt. Als ein buddhistischer Mönch ihm sagte: "das Nichts ist nicht 'nichts', sondern geradezu das ganz andere: die Fülle. Nennen kann es keiner. Aber es ist - Nichts und Alles - die Erfüllung", sagte der Philosoph: "Das ist es, was ich immer, mein Leben lang, gesagt habe." (Quelle: Reinhard May, Ex Oriente Lux - Heideggers Werk unter ostasiatischem Einfluss)


    Gruß Beth

    Nichts ist gewisser als der Tod, nichts ungewisser als seine Stunde (Anselm von Canterbury, 1033-1109)

  • Quote from Beth

    Als ein buddhistischer Mönch ihm sagte: "das Nichts ist nicht 'nichts', sondern geradezu das ganz andere: die Fülle. Nennen kann es keiner. Aber es ist - Nichts und Alles - die Erfüllung", sagte der Philosoph: "Das ist es, was ich immer, mein Leben lang, gesagt habe."


    Solange „Ich“ es suche, hindere „ich“ mich daran es zu finden ;)
    Bin „Ich“ und „Die Fülle“ voneinander „getrennt“?
    Sind wir „Eins“?
    – nichts davon.
    Weder eins noch zwei.
    Es ist in der Tat unbenennbar.


    _()_