Nikotinsucht

There are 79 replies in this Thread. The last Post () by odysseus05.

  • Hallo Freunde,


    seit Januar diesen Jahres intressiere ich mich für den Buddhismus und seine aufschlussreichen Lehren. Viele Dinge konnte ich in die Praxis umsetzen und kann sagen dass sich mein Leben grundlegend verändert hat. Zum Positiven natürlich.


    Nun ist eine Sache gekommen die mich einach nicht loslässt und die ich einfach nicht loslassen kann.
    Seit ein paar Wochen kenne ich eine Frau und es sieht so aus als hätten wir uns ineinander verliebt. Ich merke mit viel Achtsamkeit und Feinheit ich diese Gefühle nun wahrnehmen kann...im vergleich zu früher, da war es viel oberflächlicher da ich keinen so intensiven Kontakt zu meinen Gefühlen hatte.
    Die Sache ist nur dass sie wahrscheinlich Nikotin-abhängig ist...und jeden Tag für ca. 2 Stunden kreisen diese Gedanken um mich herum.
    "du liebst eine Frau die einer Sucht unterworfen ist"
    "früher oder später wirst du sehen was so eine Sucht anrichten kann"
    "sie gibt ihr geld lieber für zigretten aus, als mal in kino zu gehen"
    " sie muss rauchen, sie hat keine Wahl da sie ja süchtig ist"


    Wenn ich in mich reinspüre sehe ich also eine Menge Angst mit den problemen dieser frau konfrontiert zu werden.
    Meine Gedanken sagen ziehe dich zurück, lass sie los und du hast das problem nicht mehr.
    Aber mein Herz hat diese Frau wirklich sehr gerne und macht sich Sorgen...denn ich sehe viele Menschen die wirklich unter dieser Nikotinsucht leiden, und einfach nicht aufhören wollen oder können.
    Nun habe ich Angst dass es bei auch so wird.


    Ich bin ratlos was ich tuen soll.... soll ich mit ihr darüber reden?
    Ich möchte sie nicht verändern, es ist ihr Leben und ich habe meins (ich konsumiere überhaupt keine Drogen außer Kaffee) .
    Ich muss dazu sagen dass diese extreme Angst von einem Trauma aus der Kindheit stammt, meine Mutter hat geraucht und ich habe ihre Zigretten versteckt weil ich nicht wollte dass sie Krank wird, eines tages ist sie dann ausgeflippt weil die zigretten immer weg waren.


    Hat jemand einen Tipp?


    Liebe Grüße Marcus

  • Über dieses Trauma solltest Du vielleicht mit ihr reden.
    Aber ansonsten sei nicht so streng mit ihr.
    Du kannst immer nur von Dir selbst sprechen - dass sie süchtig ist, ist ihre Sache und nicht von oben herab bewertbar. Kannst nur froh sein, dass Du diese Sucht nicht hast.
    Wenn Du den Geruch nicht magst, ist das wiederum Deine Sache.


    Sprecht miteinander. Bewerte nicht.

  • Hallo Marcus,


    forsche doch mal, ob du nicht auch irgendeine Sucht hast. Zeitung lesen, ins Kino gehen... Irgendeine Gewohnheit, die du nur schwer loslassen kannst. Vielleicht hilft dir das, einen anderen Blick auf deine Freundin zu gewinnen.


    Ich denke, die eine oder andere Sucht (Abhängigkeit) haben wir alle.


    LG
    Onda

  • Hallo Markus,


    das, was dich tatsächlich als Kind so sehr geängstigt hat nochmal genau anschauen,






    und dann (vielleicht) vom Heute trennen können.




    ... aber es kann auch richtig für dich sein, den Abstand zu der Frau zu wahren, weil Rauchen für dich einfach nicht geht.


    Das kannst du nur selbst herausfinden :)

  • _()_ Marcus-san:


    Wenn Du sie liebst, akzeptierst Du sie wie sie ist. Wenn Du sie nicht liebst, aber Zen-Buddhist bist, akzeptierst Du sie auch wie sie ist. Bist Du weder verliebt noch das andere, dann hast Du ein Problem... :razz: Das aber liegt dann in Deinem Geist begründet. :oops:


    _()_ c.d.

  • Nikotinsucht... Das ist ja mein Thread :D:doubt:


    Denkst du wirklich darüber dich zu trennen weil SIE raucht? Da kann die Liebe ja nichtso groß sein...


    Du sagst doch selbst das du auch Kaffee trinkst. Bist du denn Koffeinsüchtig? Koffein ist auch sehr ungesund und kann zu schnellerem Tod führen.
    Schau lieber auf deine Probleme und nicht auf die Dinge die deine Freundin macht, selbst wenn sie gar kein Problem damit hat. Wenn sie wirklich selbst aufhörn will, kannst du sie ja bestmöglich unterstützen, wenn nicht, dann lass sie in Ruhe rauchen.

    "Nur eines verkünde ich heute, wie immerdar: Leiden und seine Vernichtung."
    Buddha

  • Als ich meinen Mann kennenlernte - große Liebe - meinte er zuerst, der Rauch würde ihn nicht stören. Er selbst hatte noch nie geraucht.
    Ein paar Wochen später musste er kleinlaut zugeben, dass der Zigarettengeruch ihn doch sehr störe. Aber er sprach von sich und bewertete mich nicht und urteilte auch nicht über mich. Das war wirklich o.k. so.
    Und so wurde es auch ein Impuls, das Rauchen aufzugeben - aber der Grund durfte es für mich nicht sein, denn sonst hätte ich beim ersten Streit wieder zu Zigarette gegriffen.
    Ich musste andere als solche äußeren Gründe finden, ... Das war gar nicht so einfach. Ich kontemplierte darüber, glaub ich, eine halbe stunde, bis ich fünf Gründe zusammen hatte. Die schrieb ich mir auf eine kleine Karteikarte und steckte sie in die Hosentasche. Bei jedem Schmachtanfall waren mir diese ureigensten Gründe wieder entfallen. Also holte ich mehrmals am Tag mein Kärtchen hervor, um mich zu erinnern. Das hat mir gut geholfen.

  • Also erstmal vielen,vielen dank für die Antworten( ich hatte nicht damit gerechnet).
    Ich bin auch den Lehren des Buddhismus dankbar, denn durch ihn habe ich die Fähigkeit entdeckt "meine" Gedanken beobachten zu können ohne sie zu werten.
    Nun ich weiß jetzt auch dass viele dieser Gedanken aus der Vergangenheit stammen und nicht immer was mit der jetzigen Situation zu tuen haben.
    Ich bin dann auch noch mal ganz bewusst in dieses Trauma reingegangen um zu sehen, wie sehr sich die Situation von damals von der heutigen unterscheidet.


    Und ja vielleicht schmerzt es mir deshalb so sehr, weil es mir einen Spiegel vorhält denn ich habe 4 Jahre meines Lebens abhängig Alkohol getrunken (heute trocken) und weiß wie dominant Sucht sein kann.
    Die ganze Sache kam eigentlich erst auf als sie mir davon erzählt hat, dass sie herausfinden möchte ob sie von Zigaretten abhängig ist, denn sie möchte nicht von irgendetwas abhängig sein und in freiheit leben.


    Ich werde die Sache einfach mal in der Ich-Botschaft ansprechen und abwarten was passiert. Wie gesagt ich möchte sie nicht verändern, denn ich liebe sie so wie sie ist. Wahrscheinlich bin ich der jenige der sein Trauma ablegen und sich verändern muss.


    Aber Küssen werde ich sie nicht wenn sie vorher geraucht hat. :D

  • Hallo Marcus,


    Beziehungen sind immer nicht so einfach ;)


    Hattest du mal früh real Grund für die Angst, die Mutter könnte sterben? Oder real erlebt, dass ein Raucher verstarb?


    Nur Rauchen allein ist nicht typisch für eine große Angst beim Kind.


    (Nur als Denkrichtung, musst du nicht öffentlich hinschreiben.)

  • Quote from Dorje Sema

    Die schädlichen Wirkungen des Tabaks - Einführung von Könchog Tendzin


    Es ist bemerkenswert, daß die tibetisch-buddhistische Kultur als einzige den Gebrauch von Tabak und Drogen nicht nur als gesundheitsschädlich betrachtet
    sondern auch als großes Hindernis für die geistige Entwicklung.


    añjalī अञ्जलि
    Dorje Sema


    Sagt das denn nicht auch der Buddha selbst? Mir wird das schon klar durch den Achtfachen Pfad, lieber Dorje. Rauchen ist ein Anhangen, oft sogar ein ständiges Kreisen um "wann darf ich rauchen? Wo darf ich rauchen? Muss ich noch welche kaufen? Hab ich heute zuviel geraucht? ..." Das bedeutet, dass ich mich nicht wirklich auf die Praxis einlassen kann (wenn dem denn so ist). ALLES, was zum Hindernis wird - egal was, ist doch ein Teil der Praxis, es zum Erlöschen zu bringen, oder?
    Die Ureinwohner Amerikas haben nur aus rituellen Gründen und zu besonderen Anlässen eine Friedenspfeife geraucht, das verstehe ich nicht unter Sucht, das ist für mich wie Räucherstäbchen anzünden.


    Gesundheitsschädlich spielt m. E. keine allzu große Rolle, denn ein Leben als Asket war ja auch nicht gerade gesund. Darum geht es doch gar nicht - Erlöschen ist Erlöschen ob mit oder ohne Raucherbein.
    _()_ Monika

  • Quote from Dorje Sema

    Die schädlichen Wirkungen des Tabaks - Einführung von Könchog Tendzin


    Es ist bemerkenswert, daß die tibetisch-buddhistische Kultur als einzige den Gebrauch von Tabak und Drogen nicht nur als gesundheitsschädlich betrachtet
    sondern auch als großes Hindernis für die geistige Entwicklung.


    añjalī अञ्जलि
    Dorje Sema


    Ich habe den Text jetzt nicht gelesen, aber grade Tabak empfinde ich (als Raucher) auch gar nicht mal wegen der gesundheitsschädlichen Wirkungen als so schlimm, sondern wegen anderer Gründe. Vorallem ist Tabak eine Droge die nicht mal wirklich extreme Wirkungen auf das Bewusstsein haben wie Alkohol, Haschisch oder noch härteres. Und dennoch ist da diese Sucht, die immer wieder die Gier und das Ego stärkt, durch jede Zigarette zu der man greift. Besonders wenn man eigentlich gar nicht mehr rauchen will. Es ist sehrentmutigend wenn man ständig, immer und immer wieder, gegen seine Gier verliert. Der Wille verliert gegen den Willen. Das Ego (das Nikotin braucht) gewinnt gegen die Entsagung.

    "Nur eines verkünde ich heute, wie immerdar: Leiden und seine Vernichtung."
    Buddha

  • Quote from Maybe Buddha

    ... Es ist sehrentmutigend wenn man ständig, immer und immer wieder, gegen seine Gier verliert. Der Wille verliert gegen den Willen. Das Ego (das Nikotin braucht) gewinnt gegen die Entsagung.


    Ja, das war auch die letztendliche Einsicht, die mir half, von heute auf morgen vor drei Jahren diese Sucht zu beenden.
    _()_ Monika

  • Quote

    Maybe Buddha: Ich habe den Text jetzt nicht gelesen, ...


    Ah ja, hmm, so so,


    Quote

    Maybe Buddha: ...aber grade Tabak empfinde ich (als Raucher) auch gar nicht mal wegen der gesundheitsschädlichen Wirkungen als so schlimm, sondern wegen anderer Gründe.


    Also ich weiß, wieso ich diesen Kontext zum thread Titel als verlinkten Text wählte und ohne diesen Text ist dann das Kontextmenü wert, sinn und inhaltslos.



    Einleitung von Ngak'chang Chögyam Rinpoche


    »Es ist in der Tat bemerkenswert, daß der tibetische Buddhismus den Gebrauch von Tabak als gesundheitsschädlich und hinderlich für die geistige Entwicklung betrachtet. Aber es ist sogar noch bemerkenswerter, daß sich so viele westliche Schüler des Tibetischen Buddhismus der furchtbaren Konsequenzen des Rauchens vollkommen unbewußt sind, trotz der Veröffentlichung (1979) von S.H. Jigdral Yeshe Dudjom Rinpoches Ratgeber zu diesem Thema.


    Es ist ein Aspekt der schädlichen Wirkung des Rauchens, daß Dudjom Rinpoches Text über das Rauchen von Tabak und anderer schädlicher Stoffe im Westen so wenig bekannt ist. Seit langem überrascht mich die ungewöhnlich große Zahl von ernsthaft Praktizierenden des Tantra im Westen, die diesen Text nicht kennen. Noch mehr erstaunt mich aber, daß so viele westliche Praktizierende trotz gegenteiliger Anweisungen ihrer eigenen Lamas mit dem Rauchen fortfahren.


    Sang-Ngak-Chö-Dzong brauchte 10 Jahre, um eine Kopie dieses Textes zu bekommen! Es schien immer sehr merkwürdig, daß nicht in jedem Tibetisch- buddhistischen Zentrum Kopien erhältlich sind. Es schien immer so, als ob da eine Art Verschwörung in Gang sei um ihn unzugänglich zu machen. Dank der Freundlichkeit von Rev. Naljorpa Samten Gyamtso kann Sang-Ngak-Chö-Dzong diesen so nützlichen Text weiter verbreiten.


    Dieser Text wird von Sang-Ngak-Chö-Dzong nicht nur zum Nutzen derer veröffentlicht, die die tantrische Praxis anstreben, sondern für jeden überall, denn das Rauchen ist schädlich für das Leben, die Gesundheit und das Glück aller Wesen. Die heim-tückische Umklammerung des menschlichen Geistes durch den Tabak schafft diese lächerliche Situation, in der Warnungen über die ernsthafte Gefährdung der Gesundheit auf Zigarettenpackungen gedruckt werden können, ohne daß dies
    einen nennenswerten Einfluß auf die Verkaufsrate des Giftes hätte. Es ist, gelinde gesagt, bizarr, daß es sich hier um ein legal erhältliches Produkt handelt, dessen Konsumenten von Rechts wegen gewarnt werden, daß es die Gesundheit gefährden kann. Jedes andere Produkt, das im Verdacht steht, gesundheitsgefährdend zu sein (ganz zu schweigen von ernsthaft gefährdenden) wird sofort vom Markt genommen.
    [Anmerkung d. Übers.: Der Autor bezieht sich hier auf die Warnung auf britischen Zigarettenpäckchen: "cigarettes can seriously damage your health". In Deutschland wird auf den Zusatz seriously ´ernsthaft` verzichtet.]
    Es ist bekannt, daß das Rauchen von Tabak eine größere Abhängigkeit erzeugt als das Heroin. Dennoch ist es erlaubt, schon im Alter von 16 Jahren (Großbritannien 1992) Tabak-Produkte zu erwerben - 2 Jahre, bevor man Alkohol kaufen oder
    wählen darf.


    Wenn man den folgenden Text liest und über ihn nachdenkt, hält man seine Aussagen vielleicht für etwas zu extrem. Anbetracht der mystischen Quellen dieses Textes könnte man die verschiedensten Überlegungen anstellen. Man könnte aus dem einen oder anderen Grund glauben, daß es nicht möglich sein kann, daß sich das Rauchen so verhehrend auf den Geist auswirkt ... Wie auch immer, man muß nur den Umstand betrachten, wie diese offensichtlich schädliche Gewohnheit geschützt
    wird, um zu vermuten, daß sie eine sehr ungewöhnliche Art von Macht über sehr viele Menschen ausübt. Man muß keinerlei"mystische" Vermutungen Anstellen, im zu diesem Schluß zu kommen.


    Obwohl viele Maßnahmen gegen das Rauchen unternommen wurden, ist es doch in der Öffentlichkeit meist noch erlaubt - trotz der Tatsache, das das passive "Mitrauchen" weitaus gesundheitsschädlicher ist als das aktive Rauchen. Mit diesem Wissen muß es absonderlich erscheinen, daß Eltern, die ihre Kinder dem passiven Rauchen aussetzten, nicht der Kindesmißhandlung für schuldig befunden werden.


    Trotz all der Vorsichtsmaßnahmen auf Flugreisen ist das Rauchen auf internationalen Flügen immer noch erlaubt. Unter welchen anderen Umständen könnte man sich vorstellen, daß es erlaubt wäre, etwas in einem Flugzeug in Brand zu stecken, ohne daß es als Sicherheitsrisiko gelte?


    Gerade wegen der schädigenden Wirkung des Tabaks auf den Geist und trotz der überwältigenden medizinischen Erkenntnisse bleiben Zigaretten frei erhältlich. Die die Gesellschaft korrumpierenden Eigenschaften des Rauchens haben Bedingungen der freien Verfügbarkeit und des Konsums geschaffen, wie sie für kein anderes Produkt, Nahrungsmittel oder Medikament durchsetzbar wären.


    Dies liegt nicht einfach an den einflußreichen Lobbys der Tabak-Erzeuger, denn in den USA und anderswo konnte keine Lobby das Alkoholverbot verhindern. Vielmehr liegt es an dem vergiftenden Einfluß des Tabaks auf den menschlichen Geist, wie Padmasambhava und auch die großen Tertöns, die seine Lehren entdeckten, offenbarten.


    Allein auf der Basis medizinischer Erkenntnisse gibt es keinen Grund, warum ein einigermaßen intelligenter Mensch mit dem Rauchen fortfahren sollte, ganz abgesehen von jemandem, der die Praxis des Inneren Tantra antrebt ( Die Gelübde des Inneren Tantra enthalten eindeutige Prinzipien des Respekts für die Gesundheit und das Mandala des Körpers).«


    Aber auf der Basis des folgenden Textes kann es für keinen westlichen Praktizierenden des inneren Tantra möglich sein, mit dem Rauchen fortzufahren.


    Quote

    monikamarie Die Ureinwohner Amerikas haben nur aus rituellen Gründen und zu besonderen Anlässen eine Friedenspfeife geraucht, das verstehe ich nicht unter Sucht, das ist für mich wie Räucherstäbchen anzünden.


    Gesundheitsschädlich spielt m. E. keine allzu große Rolle, denn ein Leben als Asket war ja auch nicht gerade gesund. Darum geht es doch gar nicht - Erlöschen ist Erlöschen ob mit oder ohne Raucherbein.
    _()_ Monika


    »Ich wünsche mir sehr, daß die Verbreitung des Textes von S.H. Jigdral Yeshe Dorje Dudjom Rinpoche dazu beitragen wird, daß das Rauchen von unserer Welt verschwindet, zum Nutzen von allem und jedem überall.
    Möge dies glückverheißend sein!
    «


    Die schädlichen Wirkungen des Tabaks Einführung von Könchog Tendzin ff.


    añjalī अञ्जलि
    Dorje Sema

  • @Dorje: Das war nur meine Auffassung von den negativen Auswirkungen (abgesehn von den körperlichen) des rauchens. Hatte, wie gesagt, nix mit dem Text zu tun.


    Habe den Text jetzt gelesen. Es stehen dort einige sehr intressante Sachen drin, aber auch einige übertriebene, mystische Thesen. Aber das bin ich vom tibetischen Buddhismus mittlerweile gewöhnt (und meine das auch nicht böse oder abwertend). Ich gehe mal davon aus, diese mystik und übertreibung, soll nur den Kern deutlicher machen. Am intressantesten fand ich aber einen Teil der nicht zum Text gehörte, sondern einen Teil einer Antwort des Lama auf eine Frage war, was genau mein Dilemma darstellt, das ich auch oben schon versucht habe zu beschreiben:


    A: Auf der psychischen Ebene muß man intellektuell sehr gewieft sein, um angesichts der bekannten Gefahren zu rauchen. Es
    gibt immer mehr schockierende Belege gegen das Rauchen und trotzdem machen die Leute weiter damit. Um weiter zu
    rauchen, muß man sich schon selbst belügen. Er oder sie spielt ein Spiel mit sich selbst, bei dem man etwas weiß, das man
    gleichzeitig ignoriert, so als ob man es nicht wirklich wüßte ... aber man weiß es. Es ist ein Verdrängungsspiel.

    "Nur eines verkünde ich heute, wie immerdar: Leiden und seine Vernichtung."
    Buddha

  • Ja, danke, lieber Dorje, dass Du Dir so viel Mühe gemacht hast. Diese ganzen Aspekte haben u. a. auch dazu beigetragen, dass ich es lassen konnte.
    Ein Aspekt fehlt mir dabei noch - oder hab ich ihn übersehen, nämlich die Tatsache, dass die Zigarettensteuer so viel Geld einbringt und der Staat darauf nicht verzichten kann, genauso wenig wie auf Benzinsteuer (auch Autos sind tödlich) oder Alkoholsteuer oder Vergnügungssteuer inkl. Prostitution. Sonst hätten wir eine andere Gesellschaft. Denn für all die Arbeitslosen aus der Zigarettenindustrie, angefangen beim Tabakanbau ebenso all die anderen "ungesunden bis kriminellen Bereiche" usw. müsste es dann auch eine Lösung geben. Stattdessen ist es nur ein Versuch, alles im "Schach zu halten".


    Nur jeder einzelne kann da etwas für sich und seine unmittelbare Umgebung ändern und deshalb schließe ich mich Deinem Wunsch an.
    _()_ Monika

  • @Dorje + Maybe: Ich kenne viele rauchende “tibetische Buddhisten“.
    Es ist einfach wirklich schwer abzugewoehnen.
    Finde es aber gut, dass ihnen nicht zusaetzlich zurSucht auch noch ein schlechtes Gewissen gemacht wird. Es gibt im Hof des Zentrums eine Sitzecke mit Aschenbecher - sieht immer albern aus, wenn sie da alle qualmen, aber das sind nunmal die Realitaeten.

  • Was mir ein Rätsel ist: Wie kann man eine Lobby und die Tabakindustrie verantwortlich machen?
    Niemand zwingt mich zu rauchen, das bin doch ausschließlich ich selbst. Jeder, aber wirklich jeder weiß, dass es ungesund ist. Schon der erste Zug der ersten Zigarette sagt uns das. Alles andere ist Ausrede von Süchtigen. Ich weiß das, da ich auch mal geraucht habe.


    Ebenso verstehe ich nicht, wie man Drogen nehmen kann. Jeder, der das tut, hat Mitschuld an der Ermordung von Menschen, ist Teil der Mafia, ist mitverantwortlich für den Waffenhandel und die dadurch verursachten Ermordeten, für Prostitution, Hunger, Armut, Folter, Korruption, für die Existenz so mancher Horrorregierungen usw. Ich habe es nie verstanden, wie man sich bei gleichzeitigem Konsum von illegalen Drogen als "gesellschaftliche Avantgarde" betrachten kann, in der Friedensbewegung sein kann, von Freiheit und Menschenrechten reden kann. Und es war in meiner Jugend gang und gebe, dass die Linken Drogen konsumierten. Für mich waren sie nie Opfer, sondern immer Täter. Denn man fängt nicht als Süchtiger an Drogen zu nehmen, man wird einer nach mehrmaligem Konsum – auch das weiß jeder. Ich fragte mich immer, wie kann man sagen, dass man Trost für seinen Kummer in den Drogen findet und damit aber gleichzeitig bei anderen so viel Unheil anrichten kann. Alle, die ich so handeln sah, wussten um die Zusammenhänge, wussten um die Gefahren, wussten darum, was sie ihren Angehörigen und Freunden, Nachbarn und Kollegen antaten. (Ich nehme jetzt mal Leute aus, die z.B. an Bipolaren Störungen leiden. Da ist in der Tat die Zurechnungfähigkeit eingeschränkt.) Sie haben mit den Substanzen gespielt, Geld damit verdient, haben alle Folgen ausgeblendet und es so hingedreht, als ob sie dem "Establishment und den Bullen" ein Schnippchen schlagen würden. Wenn es dann in die Hosen ging, dann waren die anderen schuld. Ich habe noch nie erlebt, dass sich nach Jahrzehnten einmal einer von ihnen entschuldigt hat, die Verantwortung auf sich genommen hat, sich wirklich klar darüber war, was er angerichtet hat. Es wird immer noch gewitzelt darüber, das Ganze als Anekdote verharmlost, mit der Schulter gezuckt über diejenigen, die nicht mehr davongekommen sind, die waren halt "von zuhause kaputtgemacht worden – das konnte ja nix mehr mit ihnen werden". Aber dass sie, allein schon durch ihre Teilnahme mitverantwortlich sind, das will kaum einer sehen.


    Ich habe Asthma und jeder eingeatmete Rauch, auch auf der Straße, macht mir zu schaffen. Noch immer bin ich still und sage oft genug nichts, wenn jemand in meiner Gegenwart raucht, ich will ja nicht als "militante Nichtraucherin" gelten. Allerdings weiß ich jetzt auch, dass es sehr vielen Nichtrauchern so geht. Sie trauen sich nicht sich zu beschweren. So haben die Süchtigen sich das Recht genommen, anderen mit ihrer Sucht zu belasten und verweigern den Nichtsüchtigen ihr Recht auf saubere Luft.


    Als ich endlich aufgehört hatte zu rauchen, mir das Ausmaß des Leides klar geworden war, das ich durch meine Qualmerei anderen zugefügt habe, die mitrauchen mussten, habe ich mich sehr geschämt. Das tue ich bis heute. Wenn immer ich die Gelegenheit habe, entschuldige ich mich für mein damaliges Verhalten. Ich war süchtig und habe meine Sucht ohne Rücksicht auf Verluste ausgelebt. Ich bin außerstande das weiter zu verharmlosen. Niemand außer mir ist verantwortlich.


    Liebe Grüße
    Knochensack

  • Liebe Losi,


    warum kein schlechtes Gewissen?
    Ich finde genau das Gegenteil sollte der Fall sein: Man muss sich mit den Folgen seiner Handlungen in vollem Ausmaß konfrontieren. Alles andere ist Verharmlosung. Süchtige sind keine armen Opfer, sie sind Täter. Sie vergehen sich an anderen und an sich selbst. Wenn wir den Gedanken, dass wir alle Buddhas sind ernst nehmen, dann ist das für mich die einzig mögliche Konsequenz. Dann ist es auch möglich Mitgefühl für sich und die Anderen zu entwickeln und dieses tatkräftig für die Heilung einzusetzen. Der Weg zur Suchtfreiheit führt nur über die absolute Ehrlichkeit zu sich selbst. Das ist für mich auch der Weg, den der Buddha gegangen ist – er hat sich nichts vorgemacht.


    Meine Lehrer haben mir vermittelt, dass es eine Scham gibt, die sehr wichtig für uns ist. Sie weist uns den Weg, sie erleichtert unser Zusammenleben. Sie hilft uns oft genug, dass wir nicht vom Weg abkommen. Ich kann das aus eigener Erfahrung in vollem Umfang unterschreiben.


    Liebe Grüße
    Knochensack

  • Ah, ich meine das schlechte Gewissen, was einen in der Sucht haelt. Das ist kontra-hilfreich.


    Als ich noch geraucht habe, hatte ich immer ein schlechtes Gewissen. Das hat mir nicht herausgeholfen. Die Ansagen hier von Dorjes Links finde ich GUT.
    Aber solange ich nicht begriff, wie eine Sucht tickt, konnte ich kein Mittel dagegen finden.
    “Ja, ich bin schuldig“ loeste nur den unbaendigen Wunsch nach einer Zigarette aus. :?


    So, sorry, genug diskutiert - ich krieg Halskratzen. ;)

  • Das schlechte Gewissen, das einen in der Sucht hält …


    Das ist kein schlechtes Gewissen. Das ist ein weiteres Argument für die Sucht. Ein weiteres Unbehagen, mit dem die Sucht gerechtfertigt werden soll: "Mir geht es soooo schlecht, ich muss rauchen, damit es mir besser geht, ich arme Sau. Jetzt schäme ich mich auch noch für meine Sucht! Ach, erst, wenn es mir wirklich gut geht, wenn mein Leben perfekt ist, wenn ich mich so nehme wie ich bin, dann kann ich aufhören. Erst muss ich mich lieben lernen. Dann geht das Aufhören auch spielend. Dann brauche ich nicht mehr rauchen. Ich muss mich gar nicht anstrengen. Solange ich mich anstrengen muss, ist der Zeitpunkt noch nicht da … Und bis dahin ist es ja doch nicht so schlimm, werde ich schon nicht krank, halten es die anderen doch aus. Ich habe noch Zeit. Nur nichts überstürzen. Und diese Nichtraucher, die wissen doch gar nicht, was ich leide, wie sehr ich unter meiner Sucht leide. Statt dass sie mich trösten, wollen sie mir das Rauchen verbieten, es mir madig machen – die einzige Freude, die ich habe, das einzige Laster, das ich habe. Wo ich doch sonst sooo ein netter Mensch bin, stets hilfsbereit, Vegetarier, meinen Müll trenne und die Grünen wähle. Buddhist bin ich auch dazu und meditiere täglich drei Stunden, das soll mir mal einer nachmachen …"


    Es geht nicht um "Ich bin ein schlechter Mensch und habe keine Daseinsberechtigung". Es ist vielmehr wichtig zu erkennen: "Ich schade mir und meinen Mitwesen und ändere nichts an meinem Unglück, sondern vermehre es. Ich bin es wert, dass ich auf mich achte. Die Anderen sind es wert, dass ich auf sie achte. Dazu muss ich ehrlich sein." Für mich der Ausdruck vollendeten Mitgefühls.


    Liebe Grüße
    Knochensack

  • Liebe Monikamarie,


    ja, so war das.
    Ich habe mich sehr lange in dieser Weise damit beschäftigt, habe mich genau beobachtet und versucht so ehrlich wie es nur möglich war zu erforschen warum ich rauche und was es mit mir und meiner Umwelt macht. Das war ein Prozess, der über mehrere Jahre ging.
    Damals hatte ich mir vorgenommen absolut ehrlich zu sein und keine Ausrede mehr gelten zu lassen. Sollte ich dennoch rauchen wollen, im vollen Bewusstsein aller Konsequenzen, dann hätte ich die Verantwortung auf mich genommen und nicht mehr irgendwem oder irgendeinem Suchtmechanismus die Schuld gegeben.
    Dazu kam die Erkenntnis, dass es für mich nichts Wichtigeres gibt als meine Würde und dass nur ich mir die Würde nehmen kann. Süchtig zu sein empfand ich als würdelos.
    Damit war das Ding eigentlich so gut wie gegessen. Nachdem ich mich nicht mehr belügen konnte und wollte, war auch der Drang zu rauchen vorbei.


    Liebe Grüße
    Knochensack