Was nun? - Fragen zum Text

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  • Folgender Text von Kainer Wahr ist in einem andern Thread verlinkt worden.
    http://derunbuddhist.wordpress.com/2011/11/27/whats-next/


    Ich habe dazu einige Fragen:


    Hallo Kainer Wahr,


    habe mal ein wenig in deinem Blog gelesen. Ein paar Gedanken dazu:


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    " Weder geht es um Erleuchtung, denn darum kann es nicht gehen, weil niemand weiss, was dieser Begriff bedeutet. Wenn man etwas sagen kann über dieses Wort, dann nur, daß es eines dieser toten, erkalteten Worte ist, die nichts mitteilen und lediglich dazu dienen eine unangenehme Leere zu kaschieren."


    Es gibt sehr viele unterschiedliche Vorstellungen über "Erleuchtung". Ich persönlich kann über das Thema nur aus einer unerleuchteten und daher spekulativen Perspektive reden. Ich glaube aber, dass es so etwas wie Erleuchtung gibt. Für mich stellt sie einen radikal anderen Blick auf diese Welt dar. Sie ist eine transrationale Einsicht in das Faktum, dass es eine tiefe Ebene des Seins gibt, auf der die Trennung zwischen "Ich" und "Außen" (der Grunddualismus) als Konstrukt des denkenden Bewusstseins entlarvt wird.


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    "1) Meditation. Sie ist die ganz und gar wache, maximale psychophysische Entspannung. Der Ort an dem das Dasein sich reduziert auf ein Aufflackern. Mich hat zunächst nur dies interessiert. "


    Entspannung ist sicherlich ein wichtiger Aspekt der Meditation. Hinzu kommen: Übung der Achtsamkeit (nicht wertendes Gewahrsein), Konzentration.


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    Der Buddhismus benötigt daher eine Generalüberholung, eine tief gehende Durchleuchtung, eine Zerlegung und Überprüfung seiner Komponenten. Ob danach von ihm etwas übrig bleibt, scheint fraglich.


    Generalüberholung: ja. Ich denke aber, das ne ganze Menge übrig bleibt (obwohl sicherlich das eine oder andere Zeit- und Kulturbedingte zu entsorgen ist).


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    Und das ist auch die eigentliche Aufgabe des Buddhismus, zu zeigen daß der Kaiser nackt ist.


    Das eigentliche Ziel des Buddha-Dharma: die Dinge so sehen, wie sie sind. Radikaler Empirismus.


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    Kein Blatt vor den Mund nehmen, das ist vielleicht sogar das wichtigste Thema. In buddhistischen Zirkeln und Foren herrscht vielfach die buddhistische Diskurskontrolle. Kritik ist nicht erwünscht. Kritik ist immer Gefahr.


    Das kommt auf die buddhistischen Zirkel an und das Ausmaß ihres Dogmatismus. Vielleicht hättest du im Zen andere Erfahrungen gemacht als im tibetischen Buddhismus (auf den du dich hauptsächlich beziehst).


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    "Es wird immer vorausgesetzt, daß der heilige Lehrer einen besonderen ihn unterscheidenden inneren Wert hat. "


    Mündige Schüler wissen, dass nicht alle Lehrer zwangsläufig auch erleuchtete Meister sind. Da man selbst nach Erleuchtung strebt, wünscht man sich natürlich einen Lehrer, der dies schon erreicht hat und projiziert entsprechend.


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    Das Wort des Buddha selbst ist ein Beispiel für eine dieser Paradoxien: Wenn der Buddhismus kein Sein an sich zulässt, wieso gibt es dann ein definitives Wort des Buddha (buddhavacana) das von den Dalailamas gepredigt wird?


    Wo leugnet der Buddhismus das Sein? Der Buddhismus leugnet ja streng genommen noch nicht einmal das ICH.


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    Es gibt keine zeitlose Wahrheit in der Geschichtlichkeit im Sinnes eines exakten Abbildes, wenn man anerkennt, daß das Wort und seine Bedeutung immer Prozess, d.h. Bewegung, sind. Das Wort des Buddha könnte höchstens diese Bewegung selbst sein, die das offene Gespräch trägt.


    Ja, Wahrheit ist nicht überzeitlich im Wort fixierbar.
    Im Wort fixierbar sind immer nur Konzepte.


    Gruß & später mehr
    Onda

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    Es gibt keine zeitlose Wahrheit in der Geschichtlichkeit im Sinnes eines exakten Abbildes, wenn man anerkennt, daß das Wort und seine Bedeutung immer Prozess, d.h. Bewegung, sind. Das Wort des Buddha könnte höchstens diese Bewegung selbst sein, die das offene Gespräch trägt.


    Ja, Wahrheit ist nicht überzeitlich im Wort fixierbar.
    Im Wort fixierbar sind immer nur Konzepte.


    Der Achtfache Pfad als solcher ist ja auch ein Pfad, also ein Weg im Sinne eines Prozesses. Wobei auch der ja nicht ultimativ ist, schlieslich ist das Ziel den Buddhismus zu transzendieren.


    Eine generelle Überlegung, die ich sobald ich Zeit und Muße habe in einen längeren Blogpost umsetzen werde:


    In diesem Text (an dessen Übersetzung ich z.Z. arbeite) steht, dass sehr oft Widersprüche nur oberflächlich sind und sich nach längerer Reflexion auflösen. Meiner Erfahrung nach ist dies sehr oft richtig.
    Mir scheint weiterhin, dass sich sehr oft Widerspruch/Kritik am Buddhismus an genau solchen Stellen entfacht.


    Das verändert nicht das kritische Denken. Es ändert nur die Motivation. Hinterfrage ich kritisch um Fehler in Buddhas Lehre zu finden oder hinterfrage ich kritisch um Buddhas Lehre besser zu verstehen.

  • Beiträge abgetrennt und nach Off Topic - Buddhismus für Ungläubige verschoben.

    Von mehreren Theorien, die die gleichen Sachverhalte erklären, ist die einfachste allen anderen vorzuziehen.


    Die Leute von denen Du am meisten lernen kannst sind die mit denen Du nicht einer Meinung bist.