Karma und Wiedergeburt in anderen Religionen

There are 56 replies in this Thread. The last Post () by Ryonin.

  • Nisargadatta Maharaj (1897-1981) war ein Lehrer und Weiser der Advaita Tradition.


    Nisargadatta Maharaj glaubte nicht an Wiedergeburt, trotz der Tatsache, daß die meisten Hindu-Schriften darin übereinstimmen, daß Wiedergeburt existiert. Was ist Deine Ansicht darüber?


    Maharaj sagte immer, er spreche aus Gewißheit und Erfahrung. Was er äußerte, so machte er klar, stimme nicht immer mit den religiösen Schriften überein. Die Lehre von Maharaj akzeptierte das Konzept der Wiedergeburt nicht - und sie konnte es tatsächlich nicht akzeptieren. Von einem Körper kann man sagen, daß er »geboren« wurde und daß er »sterben« wird. Der Körper wird »geboren«, er wächst bis zum Erwachsensein, verändert sich bis ins hohe Alter, und »stirbt« schließlich - das heißt, der Körper stirbt und zerfällt unter der Erde oder wird verbrannt und zu Asche umgesetzt. Nach dem Tod löst sich der Körper vollständig und unwiederbringlich auf. Der Körper kann daher nicht wiedergeboren werden. Nach dem Tode vermischt sich der Atem mit der Luft, und die Empfindungsfähigkeit vereint sich mit dem universalen Bewußtsein.
    Etwas, das nicht das Objektive ist, kann nur das Subjektive sein. Und das Subjektive kann nicht als subjektiv »existieren«, weil es formlos ist. Die einzige Existenzform ist die des Objektiven - und der Körper kann nicht wiedergeboren werden, nachdem er sich aufgelöst hat. Das Subjektive, oder genauer, das Nicht-Objektive, kann offensichtlich weder geboren werden noch sterben, ganz abgesehen vom Wiedergeborenwerden. Was könnte also überhaupt wiedergeboren werden?


    Und was ist mit der »Seele« oder dem psychischen Körper - das was angeblich dem Karma unterworfen ist und deswegen in einem anderen Körper reinkarniert wird, um die Auswirkungen des Karmas zu erfüllen ?


    Du beziehst Dich auf den Glauben an eine Anima, die angeblich die Geburt durchlebt, aber nie dem Tod unterliegt und von einem Körper zum anderen wechselt in der scheinbaren Abfolge der Zeit. Aber sicherlich muß solch eine Anima ein Objekt sein (das Nicht-Objektive ist eindeutig nicht an den Possen irgendeines Objektes interessiert), und ein Objekt kann nur ein Konzept sein und nichts anderes. Mit anderen Worten ist die Anima, als ein Objekt, nur ein Konzept; auf der anderen Seite ist jegliche Identifikation der Subjektivität mit einem phänomenalen Objekt als eine Wesenheit (und Wieder-Identifikation als eine Wesenheit bei Wiedergeburt!) lächerlich, weil Subjektivität nicht den leisesten Hauch von Objektivität besitzt und deswegen kein »Wesen« (als Wesenheit) hat.



    Wie konnte der Begriff der Wiedergeburt überhaupt entstehen, wenn das Ganze so lächerlich ist?


    Es ist die Identifikation mit einer vorgestellten, nicht vorhandenen, unabhängigen Wesenheit, von der angenommen wird, daß sie geboren wird, das Leben erfährt und stirbt. Die Identifikation gerät in den Prozeß der Kausalität, genannt Karma, und verursacht auch das Entstehen des Begriffes von Gebundenheit. Es ist immer die Vorstellung von einer Wesenheit, die irreführend ist — das Phänomen ist, wie sein Name beinhaltet, nur eine Erscheinung im Bewußtsein, die weder gebunden noch frei sein kann.


    Sprach Maharaj nicht in verschiedenen Zusammenhängen von »Tausenden von Leben«?


    Ja, das tat er, aber er bezog sich dabei eindeutig auf den Prozeß der Evolution. Maharaj wies oft auf das Traum-Spiel hin, das das Leben ist. In diesem zeitgebundenen Traum-Spiel, in dem empfindungsfähige Wesen jede Minute zu Tausenden erschaffen und zerstört werden, muß die Evolution offensichtlich die Grundlage für das Spiel von Nisarga (Leben) bilden. In der Blasenkammer des Atomphysikers befinden sich verschwindend winzige hoch-energetische »Elementarteilchen« (viele von ihnen haben eine Lebenszeit von weniger als einer millionstel Sekunde), die kollidieren und sich gegenseitig auslöschen oder neue Partikel erzeugen, die zum Entstehen einer neuen Kette von Ereignissen in der Manifestation führen. Ähnlich ist für jedes geborene Kind eine bestimmte Rolle vorgesehen, die es im Traum-Spiel zu spielen hat, so daß das Schauspiel in seinem unabänderlichen Verlauf fortschreiten kann. Das empfindungsfähige Wesen (das als bloße Erscheinung im Bewußtsein unmöglich die unabhängige Wahl der Handlung haben kann) wird erschaffen, um eine bestimmte Funktion zu erfüllen (ob nun als ein Hitler oder als ein Gandhi oder als unbedeutendes Individuum) - und nicht umgekehrt. Es ist nicht so, daß eine neue Funktion erschaffen wird, damit eine individuelle Seele oder Anima (oder was auch immer) bestraft oder belohnt wird für ihr Karma aus einem vergangenen Leben! Das vermutete Individuum ist in jedem Fall keine unabhängige, autonome Wesenheit - es erfüllt nur seine vorbestimmte Funktion, die den Weg bereitet für eine vorbestimmte Funktion eines anderen vermuteten Individuums in der Zukunft, gemäß der Bühnenanweisung des Traum-Spieles. Es muß notwendigerweise eine Kontinuität geben zwischen der Form, die stirbt, und der neuen Form, die geboren wird, weil die Evolution fortschreiten muß und die Natur nicht jedesmal ganz von vorne anfängt. Das ist ohne Zweifel der Grund, weshalb Mozart mit zwölf Jahren Musik komponieren und Jnaneshwar im Alter von sechzehn Jahren die Jnaneshwari hervorbringen konnte. Aber es besteht für ein konzeptuelles Individuum kein Grund, sich mit einer Serie von Leben in der zeitlichen Manifestation zu identifizieren.


    Verkündete Buddha nicht die Wiedergeburt?


    Nein, das tat er nicht. Buddha hat vielmehr gesagt: »Da es keine individuelle Seele gibt, gibt es keine Seelenwanderung; aber es gibt Taten und anschließende Auswirkungen der Taten. Die Taten werden getan, aber es gibt keinen Täter. Es gibt keine Wesenheit, die wandert, kein »Selbst« wird von einem Ort zum anderen übertragen; aber es gibt eine Stimme, die hier ertönt, und das Echo schallt zurück.« Könnte es je besser oder klarer gesagt werden?


    Wenn man die Theorie über Wiedergeburt und Karma akzeptiert, dann taucht unweigerlich die Frage auf: » Welchem Karma war der erste Mensch unterworfen?«


    Ganz genau. Alle Probleme entstehen nur dann, wenn die grundlegende Tatsache der phänomenalen Manifestation ignoriert wird: Die gesamte Manifestation ist einfach nur ein Konzept. Nichts wird erschaffen, nichts wird zerstört. Dies haben die Weisen seit undenklichen Zeiten gesagt. Und, in ihren reinsten Lehren wurde das Thema der Wiedergeburt von der Mehrzahl der Meister nicht einmal erwähnt.

  • Hallo Ariya,
    es würde mich interessieren, wo Du diesen Text her hast?
    Tut mir leid, aber er ist so geschwollen geschrieben, dass ich nicht folgen kann. Vielleicht fehlt mir heute morgen auch noch ein Kaffee und bei mir steht einer dick auf der Leitung. :doubt:


    Kommt die Idee der Wiedergeburt nicht auch vor allem aus den (vielleicht nur vermeintlichen) Erinnerungen an frühere Leben heraus? Dass Leute derartige Gefühle haben "Da war ich schonmal" oder "Ich weiß , wie es ist, wenn man in der Gosse stirbt." oder "... auf einem Scheiterhaufen verbrennt."?
    Vielleicht wurde die ganze Idee Wiedergeburt daraufhin konstruiert - weil so viele Leute derartige "Erinnerungen" haben.

  • Ich hab mir den mal aus einem anderen Forum kopiert. Wenn ich mich recht erinnere ist er von Ramesh Balsekar (einem der seltsamsten Lehrer überhaupt).


    Ich finde er drückt ziemlich viel, von dem aus, was mir an der Sicht auf Reinkarnation wichtig ist.


    Auch sieht man für mich den großen Unterschied zum Buddhismus gut. Für Nisargadatta ist das Ungeborene Geist bzw. Bewusstsein. Das ist es für den Buddhismus aus meiner Sicht nicht.


    Ansonsten schildert er sehr gut, dass das, was geboren wird, nicht wiedergeboren werden kann, weil es da nichts gibt, was wiedergeboren werden könnte. Die Skhandas vergehen. Nichts bleibt.


    Das alles was geboren wird, kein Hauch von Wesen hat, dass so etwas wie irgend etwas individuelles Karma nicht existieren kann, weil es nichts individuelles gibt. Nur bedingtes Entstehen.


    Und das es sinnlos ist, sich mit einer Serie von Leben in der zeitlichen Dimension zu identifizieren (wie überhaupt sich zu identifizieren).


    Aber das Leben verkörpert sich durch ein Impuls des Greifens wieder. Der Strich wird dort, wo er aufgehört hat, weitergeführt.


    A.


  • Frage diesen Moslem mal ob er Metzger gelernt hat !

    Vorbeugen - ist immer besser ...
    als Schuhe vollkotzen !


    Einmal dachte ich - ich hätte Unrecht - aber ich hatte mich geirrt ...



  • Ich Grüsse Dich Ganz Rechtherzlich ,


    zumindest wird er keine Schweine schlachten welche zum menschlichem Verzehr dienen :shock: !


    MGFG
    Dorje Sema

  • Quote from -Qi-

    Was ich ich Christentum seltsam finde ist dieser Himmel/Hölle Gedanke. Wenn man davon ausgeht, dass man nach dem Tod für ewig in den Himmel einkehrt oder in die Hölle fällt, dann würde das bedeuten, dass eine Schlägerei zB. über Himmel/hölle entscheiden kann. Es müsste ja einen Punkt geben an dem sich das bricht mit Himmel/Hölle.


    Ist halt problematisch, wenn man im Buddhismus ins Eingemachte geht, im Christentum aber an der Oberfläche rumdümpelt, und dann beides miteinander vergleicht. Mit Himmel und Hölle im Christentum ist meiner Meinung nach nichts anderes gemeint als mit Nirvana und Samsara im Buddhismus. Ohne Scheuklappen kann man das verstehen.


    LG
    namenlos

  • Quote from Mingyur
    Quote from namenlos

    Mit Himmel und Hölle im Christentum ist meiner Meinung nach nichts anderes gemeint als mit Nirvana und Samsara im Buddhismus. Ohne Scheuklappen kann man das verstehen.


    Das ist kompletter Unsinn. Das, was du glaubst von Buddhismusbegriffen wie Nirvana und Samsara verstanden zu haben stülpst du den Christentumbegriffen Himmel und Hölle über und/oder umgekehrt.
    Aber okay, es ist deine Meinung und die ist weder christlich noch buddhistisch informiert, weil sie weder die christliche Lehre noch die buddhistische Lehre berücksichtigt. Du kannst dir damit deine Privatreligion schaffen oder vielleicht als Religionsgründer in die Geschichte eingehen. :)


    Wo ist denn da dein Argument geblieben?
    Du hast nur Beschimpfung - ich verstehe nicht, was dich umtreibt.


    Wie wäre es, wenn du dich mal anstrengst und was Sachliches beiträgst? Aus deinen profunden Kenntnissen und Erkenntnissen.


    Ich halte den Vergleich von Himmel und Hölle - als jüdisch-christliche Begriffe und den hinduistisch-buddhistischen Begriffen Nirvana und Samsara zumindest für Wert darüber ernsthaft nachzudenken.

  • Quote from Mingyur
    Quote from namenlos

    Mit Himmel und Hölle im Christentum ist meiner Meinung nach nichts anderes gemeint als mit Nirvana und Samsara im Buddhismus. Ohne Scheuklappen kann man das verstehen.


    Das ist kompletter Unsinn. Das, was du glaubst von Buddhismusbegriffen wie Nirvana und Samsara verstanden zu haben stülpst du den Christentumbegriffen Himmel und Hölle über und/oder umgekehrt.
    Aber okay, es ist deine Meinung und die ist weder christlich noch buddhistisch informiert, weil sie weder die christliche Lehre noch die buddhistische Lehre berücksichtigt. Du kannst dir damit deine Privatreligion schaffen oder vielleicht als Religionsgründer in die Geschichte eingehen. :)


    Gut, da ich ja nun offensichtlich weder vom Buddhismus noch vom Christentum auch nur die geringste Ahnung habe, bitte ich Dich darum, mich darüber aufzuklären, wo mein Verständnisproblem liegt.


    LG
    namenlos

  • Quote from Mingyur
    Quote from namenlos

    Gut, da ich ja nun offensichtlich weder vom Buddhismus noch vom Christentum auch nur die geringste Ahnung habe,


    Das habe ich nicht behauptet.


    Doch, hast Du, ich zitiere:


    Quote from Mingyur

    „weder christlich noch buddhistisch informiert


    Quote from Mingyur
    Quote from namenlos

    bitte ich Dich darum, mich darüber aufzuklären, wo mein Verständnisproblem liegt.


    Dein Verständnisproblem liegt darin, dass du nicht sagst "meine Meinung ist, dass man Himmel und Hölle auch als Nirvana und Samsara bezeichnen könnte,so wie ich es in meiner eigenen Privat-Religion tue". Denn man könnte Himmel und Hölle auch als Fritz und Petra bezeichnen, wenn man lustig ist.


    Nein, du sagst "ist meiner Meinung nach nichts anderes gemeint als ". Damit behauptest du, dass das Christentum buddhistische Bedeutungsinhalte lehren würde, im Sinne von "was das Christentum sagt ist zwar, ... was das Christentum aber meiner Meinung nach wirklich meint ist ...". Dabei ist es völlig unerheblich dass du "meiner Meinung nach" dazufügst, denn du vertrittst tatsächlich die Meinung, dass das Christentum lehren würde, was es definitiv nicht lehrt. Das ist Unsinn.
    Wenn du dagegen ganz offen zu verstehen gibst, dass du dir deine eigene "namenlos-Religion" zusammschusterst, dann ist alles okay.


    Du hast keine Ahnung davon, was ich verstehe und was nicht. Du springst lediglich auf meine Worte an und interpretierst sie in der Weise, wie Du sie verstehen willst. Ich „behaupte“ auch nicht, das Christentum lehrte buddhistische Bedeutungsinhalte – so wie Du das formulierst – was ich meine ist, dass beide Religionen von demselben sprechen.


    Aber lassen wir das. Ich hatte geschrieben „ohne Scheuklappen kann man das verstehen“ – ist nicht mein Problem, wenn Du einen Rundum-Sichtschutz aufhast.


    Quote from Mingyur

    Das ist zudem eine Missachtung sowohl des Christentums als auch des Buddhismus und zeugt davon, dass du kaum Achtung vor den Religionen hast.


    Voooorsicht mit solchen Äußerungen! Was ich achte, kannst Du überhaupt nicht erwägen.


    namenlos


  • Aha!

  • Nun ja, Wei Wu Wei ist vielleicht keine andere Religion, aber ein wichtiger Denker und Mystiker des letzten jahrhunderts. desletzten Jahrhunderts. Hier (weil ja mal wieder Karma-Diskussionen im Schwange sind, etwas von ihm dazu.


    Die Kausalität beunruhigt mich.


    Auch dich?


    Was soll das heißen ?


    Nâgârjuna und seine Freunde waren darüber auch beunruhigt, lange Zeit vor der Geburt von Werner Heisenberg, und sie hatten nicht die Quantentheorie von Max Planck, die ihnen einen Hinweis hätte geben können.


    Aber der Buddhismus mißt der Kausalität große Bedeutung bei.


    Das stimmt, doch der Buddha selbst mißbilligte das Aufstellen physikalischer und metaphysischer Theorien, und die großen Meister des Ch'an wollten überhaupt nichts davon wissen.


    Soviel ich weiß, wird das neue Gesetz der Unbestimmtheitsrelation, das an die Stelle des Kausalitätsgesetzes getreten ist, für den Bereich des Mikrokosmos generell akzeptiert. Muß dieses Gesetz nicht auch für den Makrokosmos gelten ?


    Ich kann nicht einsehen, wie und warum das nicht so sein sollte. Größe ist eine sehr relative Sache.

    Damit geht ein wesentliches und wichtiges Element der buddhistischen Lehre über Bord?


    Ich weiß nur, daß es, soweit das Höchste Fahrzeug betroffen ist, keine wesentlichen Elemente der Lehre gibt und alles begriffliche Denken dort schon vor tausend Jahren über Bord ging.


    Du nimmst es locker.


    An Bord oder über Bord - welchen Unterschied macht es, ob die Erscheinungswelt (der Vorgang der Manifestation) durch ein Gesetz erklärt wird, das auf dem Begriff der Kausalität basiert, oder durch ein anderes, das auf dem Begriff der statistischen Wahrscheinlichkeit beruht?


    Ursache-und-Wirkung scheinen unmittelbar auf der Hand zu liegen. Jeder kann sie in ihrem Wirken beobachten, und sie sind jahrhundertelang als offensichtlich akzeptiert worden.


    Unbestimmtheit oder statistische Wahrscheinlichkeit ist auch einleuchtend, wenn man sich erst einmal an diese Vorstellung gewöhnt hat. Vielleicht steht sie mit metaphysischem Denken eher in Einklang als eine unerbittliche Kausalität, die Nâgârjuna und Chandrakirti schlimme Kopfschmerzen bereitete, als sie herausfanden, daß dieses Gesetz einer strengen Untersuchung nicht standhielt.


    Dann akzeptierst du also Unbestimmtheit?


    Für wen in aller Welt hältst du mich eigentlich, daß ich es wagen könnte, die von gelehrten Physikern aufgestellten Gesetze zu akzeptieren oder abzulehnen?


    Dennoch, diese Umwälzung hätte weitreichende Folgen, die, metaphysisch, sogar verheerend wären!


    Wie könnte es von Wichtigkeit sein, welche Gesetze erfunden werden, um den Mechanismus der Manifestation zu erklären? Alle derartigen Gesetze sind gedankliche Konstrukte, jedes davon erfüllt genau denselben Zweck, und für jedes gilt gleichermaßen, daß es außerhalb der Erscheinungswelt weder existiert noch nicht existiert.


    Dann kommt es also wirklich nicht darauf an?


    Keine Form von Objektivierung hat irgendeine Spur von Eigennatur. Ob jemand am anderen Ende des Mikroskops Wellen oder Partikel, Zyklone oder Rühreier sieht - all dies sind Objekte. Was immer er zu sehen meint, ist letztlich das, was schaut; denn was könnte es sonst sein? Mir scheint, die Wissenschaft ist auf ihre eigene Weise zu diesem Schluß gelangt, denn inzwischen wissen sie, daß der Betrachter ein Faktor in jedem beliebigen ihrer Experimente ist.


    Zweifellos, letzten Endes ist das so. Trotzdem ist es für den praktischen Aspekt der Metaphysik von Bedeutung, den Mechanismus der Manifestation zu begreifen.


    Nun gut, also: Erforsche das Auftreten der Unbestimmtheit und warte ab, ob du nicht zu dem Schluß kommst, daß sie sehr wohl mit metaphysischem Denken übereinstimmt.


    Welchen Aspekt dieses Denkens hast du da vor Augen ?


    Einer sollte im Moment genügen, denn das Thema ist weit! Wenn es in der Kausalität schon keinen Platz für den (freien) Willen gibt, dann in der Unbestimmtheit natürlich erst recht nicht! Das wird dich recht weit fuhren - vielleicht weiter, als du in diesem Moment vermutest.


    Selbst wenn dieses eine Beispiel ausreicht, bitte ich dich um weitere Erklärungen, um es zu stützen.


    Jeder beliebige Faktor ist genug. Denn alle sind voneinander abhängig. Jedoch scheinen Ursache-und-Wirkung, auf Geschehnisse bezogen - da es keine davon betroffene Entität gibt -, dadurch eines wesentlichen Elements beraubt zu werden. Und die zahlenmäßige, wenn auch nicht qualifizierte Mehrheit der Buddhisten ist der Versuchung erlegen, ihre eingebildeten »Selbste« der Kausalität zu unterwerfen und so die Lehre ihres Meisters ad absurdum zu führen. Unbestimmtheit schließt dagegen jeden derartigen Kompromiß aus.

    Da sich die Existenz einer Entität schwerlich der statistischen Wahrscheinlichkeit unterwerfen läßt!


    Richtig: Sie zieht denjenigen, die versucht sind, an solchen Vorstellungen festzuhalten, den Boden unter den Füßen weg. Wenn Wille (der ebenfalls eine Entität voraussetzt) und Kausalität (die ohne Entität schlecht aussieht) beseitigt sind, gibt es wohl keine ernsthaften Schwierigkeiten, dein Denken an diese neue Vorstellung anzupassen. In der Tat gehe ich davon aus, daß du entdecken wirst, daß sie besser paßt, als es die Kausalität je tat.


    Aber all die Lehren, die auf der Kausalität aufbauen ? Zum Beispiel karma und Wiedergeburt?


    Nur Dogmen basieren auf Kausalität, und Dogmen sind von den Meistern des Höchsten Fahrzeugs verworfen worden, bevor die Wis senschaft je von Kausalität sprach. Sie sind ebenfalls seit tausend Jahren über Bord: unnötig, sie jetzt wieder herauszufischen!


    Du bist unnachgiebig und kompromisslos!


    Frage dich, ob Bodhidharma, Hui-neng oder Shen-hui kompromißbereit und nachgiebig gewesen wären oder es jemals waren. Verhältst du dich vielleicht nicht so, als würdest du immer noch von einem eingebildeten phänomenalen Zentrum aus schauen? Nichts, was wahr ist, kann von da aus gesehen werden! Als ich , denke daran, als ich bist du noumenal!"


    _()_
    Ryonin


    Namu Amida Butsu

  • Guten Morgen,


    weiss schon das dieser Thread etwas älter ist. Dennoch mag ich eine Frage in die Runden werfen.


    Es ist ja so, dass wir wohl durch ein schlechtes Karma in eine schlechte Wiedergeburt kommen. (also ich war im vorherigen Leben ein Mörder, Dieb oder so - jetzt komm ich als armes und hungerndes Kind in Afrika wieder)


    Kann man da nicht Karma eher als "Teilkausalität" sehen? Jeder ist in gewissen Rahmen für sein Leben selber verantwortlich. Wenn ich viel Alkohol trinke, muss ich mit einer Säuferleber rechnen und wenn ich bade werde ich nass. Aber ich kann mein Leben dennoch ändern.


    Wenn ich also in eine "schlimme" Familie hineingeboren wurde, so habe ich die Möglichkeit mich mit viel Kraft am Schopfe selber aus dem Dreck zu ziehen. Ich kann die Möglichkeiten der Schulen nutzen und evtl. später viele Abendkurse machen...


    ABER (und jetzt kommt meine Frage): Wie verträgt sich das mit den Zuständen, welche in der Welt herrschen? Ein Kind in Afrika hat nicht die Möglichkeiten, die ein Kind in Europa hat. Auch in den USA bekommt man gute Schulen nur für viel Geld und wer nicht in der "richtigen" Verbindung war, der hat später im Arbeitsleben auch kein Zuckerschlecken und bleibt evtl. auf der Strecke.


    Leben in Afrika nur die Menschen mit einem ehemaligen schlechten Karma? Ist das nicht zu einfach gedacht? Karma ist nicht so einfach wie einige meinen sollten... Oder bin ich ganz auf einem Holzweg?


    _()_ Puce

  • Quote from Puce

    Guten Morgen,


    weiss schon das dieser Thread etwas älter ist. Dennoch mag ich eine Frage in die Runden werfen.


    Es ist ja so, dass wir wohl durch ein schlechtes Karma in eine schlechte Wiedergeburt kommen. (also ich war im vorherigen Leben ein Mörder, Dieb oder so - jetzt komm ich als armes und hungerndes Kind in Afrika wieder)


    Das ist zu "kurz" gedacht.


    Quote from Puce

    Kann man da nicht Karma eher als "Teilkausalität" sehen? Jeder ist in gewissen Rahmen für sein Leben selber verantwortlich. Wenn ich viel Alkohol trinke, muss ich mit einer Säuferleber rechnen und wenn ich bade werde ich nass. Aber ich kann mein Leben dennoch ändern.
    Wenn ich also in eine "schlimme" Familie hineingeboren wurde, so habe ich die Möglichkeit mich mit viel Kraft am Schopfe selber aus dem Dreck zu ziehen. Ich kann die Möglichkeiten der Schulen nutzen und evtl. später viele Abendkurse machen...


    Mach doch bitte im Thread "Freier Wille" weiter. Der ist erst 33 Seiten lang :lol:


    Quote from Puce


    ABER (und jetzt kommt meine Frage): Wie verträgt sich das mit den Zuständen, welche in der Welt herrschen? Ein Kind in Afrika hat nicht die Möglichkeiten, die ein Kind in Europa hat. Auch in den USA bekommt man gute Schulen nur für viel Geld und wer nicht in der "richtigen" Verbindung war, der hat später im Arbeitsleben auch kein Zuckerschlecken und bleibt evtl. auf der Strecke.


    Leben in Afrika nur die Menschen mit einem ehemaligen schlechten Karma? Ist das nicht zu einfach gedacht? Karma ist nicht so einfach wie einige meinen sollten... Oder bin ich ganz auf einem Holzweg?


    Dein "ABER" ist bezeichnend. Auch dein "Karma ist nicht so einfach wie einige meinen sollten".

    Die Ausdrucksweisen der Buddhas sind ohne Grenzen, vielfältig ihre Sprachen.

  • Quote


    Kann man da nicht Karma eher als "Teilkausalität" sehen? Jeder ist in gewissen Rahmen für sein Leben selber verantwortlich. Wenn ich viel Alkohol trinke, muss ich mit einer Säuferleber rechnen und wenn ich bade werde ich nass. Aber ich kann mein Leben dennoch ändern.


    Wenn ich also in eine "schlimme" Familie hineingeboren wurde, so habe ich die Möglichkeit mich mit viel Kraft am Schopfe selber aus dem Dreck zu ziehen. Ich kann die Möglichkeiten der Schulen nutzen und evtl. später viele Abendkurse machen...


    Vielleicht sollte man als erstes verstehen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, überhaupt Mensch zu sein.

  • Quote from Puce


    Kann man da nicht Karma eher als "Teilkausalität" sehen?


    Ich verstehe es so als das es ein Effekt ist der bestimmt was dir Kausal ,an einem anderem Zeitpunkt passieren muss um dieses Karma wieder auszugleichen.


    Quote from Puce

    Leben in Afrika nur die Menschen mit einem ehemaligen schlechten Karma? Ist das nicht zu einfach gedacht? Karma ist nicht so einfach wie einige meinen sollten... Oder bin ich ganz auf einem Holzweg?


    _()_ Puce


    Nein nicht unbedingt. Da schlechtes Leben nicht gleich schlechter Mensch ist.Ich kann auch ein schlechtes Leben "ertragen " und dafür im nächsten Leben sehr glücklich sein.Es gibt ja auch das "gute" Karma. Das heißt du hast etwas gutes getan du hast etwas ertragen und es leicht genommen, dafür bekommst du ja auch etwas.



    Liebe grüße,
    Shin

  • Quote from Dhammika

    Egal wo man gerade steht im Leben. Es kommt darauf an wie man damit umgeht.
    Ob Slums in Kalkutta oder Beverly Hills. Letztendlich ist alles leidvoll, unvollkommen, vergänglich und ohne festen Kern.
    Ursache...Wirkung....Ursache...Wirkung.....................


    Wie wahr :|


    Die Ausdrucksweisen der Buddhas sind ohne Grenzen, vielfältig ihre Sprachen.

  • Hallo Len-San,


    ja, im Totenbuch der Ägypter ist am Ende die Stelle wo das Herz des Verstorbenen gewogen wird. Wenn es zu schwer ist, dann ist es nicht gut und wenn es zu leicht ist, dann ist es auch nicht so fein. Die Waage muss gerade sein. Damit das so passiert und der Verstorbene in die "andere Welt" gehen kann, hat er per Totenbuch einige Zaubersprüche mit dabei, welche die Waage dazu bewegen sollen im Gleichgewicht zu bleiben.


    Quote

    Na super, entweder zu viel Schlechtes oder nicht genug Gutes getan?!


    Hm, ich sehe es wohl eher so: Man kann mit einem schlechten Karma auch noch ein feines Leben haben, wenn man im richtigen Land geboren wurde und den Hintern hoch kriegt. Klar gibt es Länder in denen es schwerer ist und da braucht es halt doppelt so viel Kraft sich aus dem Dreck zu ziehen, als woanders.


    Aber es ist nicht unmöglich auch mit einem schlechten Ausgangspunkt etwas aus seinem Leben zu machen. Hängt halt von vielen Faktoren ab, ob es mir möglich ist oder halt doch nicht.


    Bin aber noch lange nicht am Ende mit denken - mal schauen was noch draus wird, wenn ich einige Dinge durchgelesen habe, welche noch nicht habe lesen können (*seufz*, die Zeit...).


    _()_ Puce

  • Quote from Puce

    Hm, ich sehe es wohl eher so: Man kann mit einem schlechten Karma auch noch ein feines Leben haben, wenn man im richtigen Land geboren wurde und den Hintern hoch kriegt. Klar gibt es Länder in denen es schwerer ist und da braucht es halt doppelt so viel Kraft sich aus dem Dreck zu ziehen, als woanders.


    Aber es ist nicht unmöglich auch mit einem schlechten Ausgangspunkt etwas aus seinem Leben zu machen. Hängt halt von vielen Faktoren ab, ob es mir möglich ist oder halt doch nicht.


    Der Gedanke ist die Tat.


    Es sind ja nicht alle Menschen die schlechte Grundvoraussetzungen haben gleich Verbrecher (Diebe, Mörder etc.)


    Gerade in den "ärmeren" Ländern habe ich bemerkt, dass die meisten Menschen dort viel heilsamer, sprich hilfsbereiter, gastfreundlicher, naturverbundener, sozial kompetenter usw. leben.


    Außerdem müssen wir unterscheiden zwischen Karma (das was wir tun........erzeugende Karmawirkung) und Karma-vipāka, quassi die Früchte die wir ernten. Das ganze vermischt sich, sodass wir kaum einen Überblick über den Ist-Zustand gewinnen können.


    Mit Metta
    Dhammika

  • Quote from Dhammika

    Der Gedanke ist die Tat.


    Du solltest deine Worte etwas besonnener wählen. Wie sollte "der Gedanke die Tat sein"? Welcher Gedanke, welche Tat?
    Denken ist eine Aktivität. Aber was besagt das?


    Quote from Dhammika

    Es sind ja nicht alle Menschen die schlechte Grundvoraussetzungen haben gleich Verbrecher (Diebe, Mörder etc.)


    Aber der, der denkt "Töten" hat bereits getötet, weil der Gedanke angeblich die Tat ist?

    Die Ausdrucksweisen der Buddhas sind ohne Grenzen, vielfältig ihre Sprachen.

  • Morschen melong!
    Gute Früh-Meditation gehabt? :D


    Quote from melong

    Du solltest deine Worte etwas besonnener wählen. Wie sollte "der Gedanke die Tat sein"? Welcher Gedanke, welche Tat?
    Denken ist eine Aktivität. Aber was besagt das?


    Das bedeutet welche geistige Ausrichtung (Gedanke) einer Tat zugrunde liegt.
    Wie beim "Fleisch-Tread" Wenn man nicht anderes zu essen hat als Fleisch, ist das Töten nicht die Motivation zum Töten sondern der Hunger.
    Egal was wir tun, der Gedanke geht voraus.


    Selbst wenn man heilsames oder unheilsames denkt, hat das Karmawirkung. Eben das was in einem aufsteigt.
    Deswegen versuchen wir ja durch erkennen der Geisteszustände (z. Bsp. Wut, Gier, Hass, Übel wollen)...durch beobachten wie sie kommen und wieder gehen, sie nach und nach zu erkennen und sie so zu eliminieren, sprich unheilsame Konditionierungen durch heilsame Konditionierungen zu ersetzen.


    Zum Beispiel kann ich sagen:


    "Melong ist ein toller Hecht"


    Das kann voller Achtung gemeint sein.....wohlwollend..........ironisch...........bis zu ganz übel gemeint.
    Gleiche Worte.....andere Ausrichtung, anderer vorausgedachter Gedanke.
    Eines heilsam...... das andere unheilsam.
    Beides hat Karmawirkung.


    Quote from melong

    Aber der, der denkt "Töten" hat bereits getötet, weil der Gedanke angeblich die Tat ist?


    Man kann auch in Gedanken töten.
    Z. Bsp. aus Zorn anderen den Tod wünschen hat Karmawirkung.
    Andere durch Worte "vernichten" (mobbing etc.)..................jemanden so ignorieren als wäre er für einen tod usw.


    Deswegen auch immer schön aufpassen beim schreiben hier im Forum.......achtsam sein. Welcher Absicht, welcher Geisteshaltung, welchem Gedanken entspringt mein Geschriebenes hier im Forum. Ne gute Übung.


    Mit Metta
    Dhammika

  • Moin

    Quote from Dhammika
    Quote from melong

    Du solltest deine Worte etwas besonnener wählen. Wie sollte "der Gedanke die Tat sein"? Welcher Gedanke, welche Tat?
    Denken ist eine Aktivität. Aber was besagt das?


    Das bedeutet welche geistige Ausrichtung (Gedanke) einer Tat zugrunde liegt.


    Aber aus dem Gedanken muss doch nicht die Tat folgen (wenn wir mal - ganz konventionell - unterscheiden wollen zwischen "Denken" als "Auftauchen leerer Gedanken 'aus dem Raum'", dem aktiv-involvierten "Denken" als "von dem Gedanken mitgerissen werden" und einer anders gearteten Tat mit Stimme und/oder Körper).


    Quote from Dhammika


    Selbst wenn man heilsames oder unheilsames denkt, hat das Karmawirkung.
    Eben das was in einem aufsteigt.
    Deswegen versuchen wir ja durch erkennen der Geisteszustände (z. Bsp. Wut, Gier, Hass, Übel wollen)...durch beobachten wie sie kommen und wieder gehen, sie nach und nach zu erkennen und sie so zu eliminieren, sprich unheilsame Konditionierungen durch heilsame Konditionierungen zu ersetzen.


    Mir geht's nicht um das Karma, sondern um die Aussage, dass der Gedanke die Tat sei. Nur um diese Aussage geht es mir. Die ist nicht korrekt.



    Quote from melong

    Aber der, der denkt "Töten" hat bereits getötet, weil der Gedanke angeblich die Tat ist?


    Quote from Dhammika


    Man kann auch in Gedanken töten.
    Z. Bsp. aus Zorn anderen den Tod wünschen hat Karmawirkung.
    Andere durch Worte "vernichten" (mobbing etc.)..................jemanden so ignorieren als wäre er für einen tod usw.


    Dennoch ist die Karmawirkung eine andere als die des tatsächlichen Tötens. Das ist der entscheidende Punkt.

    Die Ausdrucksweisen der Buddhas sind ohne Grenzen, vielfältig ihre Sprachen.

  • Quote from Dhammika

    Deswegen auch immer schön aufpassen beim schreiben hier im Forum.......achtsam sein. Welcher Absicht, welcher Geisteshaltung, welchem Gedanken entspringt mein Geschriebenes hier im Forum. Ne gute Übung.


    Das ist doch der eigentliche Reiz hier im Forum, oder? Inhaltlich gibts nicht viel.
    Aber die Unterscheidungsfähigkeit lässt sich optimieren :wink:

    Die Ausdrucksweisen der Buddhas sind ohne Grenzen, vielfältig ihre Sprachen.

  • Quote from Dhammika
    Quote from melong

    Dennoch ist die Karmawirkung eine andere als die des tatsächlichen Tötens. Das ist der entscheidende Punkt.


    Das ist in dem Fall "Töten" richtig, wenn wir von einer körperlichen Tat reden. Aber wer zum Beispiel einen Mord auslöst und nicht selbst z.Bsp. zum Messer greift....was ist mit dem?


    Wenn es nicht in seiner Absicht lag, Aggressionen zu schüren, dann ist nichts weiter mit dem.
    Da haben schon sehr harmlose Aussprüche von Leuten andere veranlasst zu töten.

    Die Ausdrucksweisen der Buddhas sind ohne Grenzen, vielfältig ihre Sprachen.