Posts by Amdap

    In Hinblick auf den Sterbeprozess regt das Tibetische Totenbuch ja auch an, sich zu den strahlenden Farben hinzuwenden und nicht den Fehler zu begehen, den trüben Farben zu folgen.

    Wobei es sich nicht immer um diegleiche Farbe handelt, wie z. B. trübes Blau/Gelb/Rot/Grün meiden und stattdessen zum strahlenden Blau/Gelb/Rot/Grün gehen, sondern manchmal ist es auch eine andere Farbe, die trüb ist und gleichzeitig kontrovers zu der anzustrebenden Farbe.

    Auch hier findet ja eine Veränderung statt, indem man durch die Anleitungen des Tib. Totenbuchs sanft zu der empfohlenen Farbe geleitet wird. Das erfordert für den sich im Sterbeprozess Befindlichen durchaus Mut.

    Es wäre interessant zu erforschen, ob die Farben, die da erscheinen, kulturell bedingt sind oder vielmehr aus einer tiefen Ur-Symbolik kommen und somit auf der psychologischen Skala allgemeingültig sind.

    Während einer Audienz beim Dalai Lama vor 23 Jahren habe ich ihn gefragt, wie es dabei wohl einem gläubigen Christen ergehen würde, und seine Antwort war: die Farben seien allgemeingültig und erscheinen jedem Menschen gleichartig (allerdings in anderen Gestalten, denn einem Christen werden bestimmt nicht die Dhyani-Buddhas erscheinen). Das spräche dann ja für eine allgemeingültige Ur-Symbolik.

    Allerdings: angenommen, ich sterbe, und jetzt steigt mir ein unerwartet ein strahlendes Violett auf. Soll ich dann "Mut zur Veränderung" aufbringen und schnell auf Grün wechseln? (Kleiner Scherz, ist nicht ganz ernst gemeint!).

    Die meisten Sterbenden, so heißt es, nehmen sowieso nichts wahr. Nur ein Blitz - oder noch nicht mal das - , dann Klappe zu und Affe tot. Also muss man sich darum nicht künstlich im Voraus sorgen. Es kommt, wie es kommt.


    Schaut Euch mal dieses Video an, sehr interessant:

    Warum sind wir so farbgesteuert? | 42 - Die Antwort auf fast alles | ARTE - YouTube

    Gleichwohl hat der Buddha es gelebt.

    Das kann ich so nicht stehen lassen.


    Im Gegensatz zu dem, was jeder weiß, ist es vielleicht nicht das Gehirn, welches Bewusstsein erzeugt - vielmehr das Bewusstsein, welches die Erscheinungen eines Gehirns erzeugt.

    Das kann ich so auch nicht stehen lassen.

    Ich verwerfe Deine Aussage für mich nicht, aber sie steht für mich in keinem erkennbaren Zusammenhang mit der Aussage des Herzsutras, die der Buddha gelebt hat, weil er ein Erleuchteter war. Kennst Du überhaupt das Herzsutra?

    Quelle: Wikipedia

    Quote

    Die chinesische Übersetzung des Sutra stammt von Kumārajīva von 401 bis 402. Eine spätere Übersetzung stammt von Meister Xuanzang (japanisch Genjô) aus dem 7. Jahrhundert.[3]

    Es geht hier um das Herzsutra.

    Buddha sagt auch, dass das Auge nicht Form wahrnimmt, sondern Farben. Formen nimmt der Tastsinn wahr.

    Im Herzsutra ist zentral von der Form die Rede: Form ist Leere, und Leere ist Form.

    Das hat aber einen anderen Schwerpunkt, da geht es nicht um die Wahrnehmung durch Sinnesorgane, sondern um die Kernaussage (im Mahayana), auf der der Buddhismus fußt.

    Es ist richtig, dass es zu Lebzeiten des Buddha das Herzsutra noch nicht gab. Gleichwohl hat der Buddha es gelebt. Ob er real in dieser Weise das Phänomen "Form" angesprochen hat, ist in der Tat nicht belegt. Wir können uns nur auf die Schriften beziehen, die vorhanden sind, und auch die sind erst nach seinem Tod entstanden.

    Farbwahrnehmung kann helfen, Formen zu transzendieren.

    In meiner Jugend habe ich mit Begeisterung "Das Tao der Physik", gelesen, aber wahrscheinlich nicht viel verstanden.

    Mir ging es genauso! Von Fritjof Capra.

    Die ersten Auflagen hießen aber auf Deutsch: "Der kosmische Reigen", ab 1975, so kenne ich es, doch später wurde es auf Deutsch umbenannt in "Das Tao der Physik", so wie das Original auf Englisch schon immer hieß.

    Es fängt immer mit Möglichkeiten an. So hat sich das Schach in das europäische, das persische, das chinesische und das japanische Schach aufgespalten. Viele Pfade sind möglich. Und man kann sich leicht eine Schule des tibetischen Buddhismus mit violetten Buddhaspekte vorstellen. Dies bedeutet aber nicht, dass alles zur Disposition steht. Wenn man japanisches Schachspieler dann spielt man japanisches Schach und wenn man europäisches Schach spielt, spielt man europäisches Schach.

    Ich spiele leider nicht Schach. Aber interessant, was Du da schreibst!

    Als ich noch nicht zur Schule ging, brachte eine Nachbarin mir die Grundlagen bei. Davon weiß ich aber nicht mehr viel.

    Was die Bildhaftigkeit des Tibetischen Buddhismus betrifft, da muss man bedenken, dass er u. a. auch auf dem alten Bön basiert. Ich weiß, dass es im Bön auch eine in Braun zu visualisierende Gottheit gibt (habe den Namen vergessen). Also braun ist den Tibetern geläufig, seltsamerweise das Violett aber nicht, das es jedoch im Hinduismus gibt, auf dessen tantrischer Version ja der Tib. Buddhismus ebenfalls basiert!

    Um nicht so weit abzuschweifen, sprach ich zunächst nicht an, dass man in der katholischen Kirche das Violett ja auch kennt, auch dort ist es die höchste spirituelle Farbe, zu Recht. In der Fastenzeit werden violette Gewänder getragen, Violett (oder Schwarz) auch zu Beerdigungen.

    Ich empfehle dir mal das Buch von Guy Deutscher: Im Spiegel der Sprache. Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht.

    Super Tipp! Werde mich drum kümmern!

    Die meistens Menschen laufen, mangels adäquaten Gebrauchs des Verstandes, irgendwelchen Spekulationsblasen hinterher. Wenn man sich in so eine Blase für längere Zeit begibt, sei es eine Zen-Blase oder tibetische Blase, dann braucht es immer ein wenig Abstand, bis einem auffällt, dass das im wesentlichen Echokammern sind, in der sich Menschen sich wechselseitig bestätigen.

    Stelle mir das gerade plastisch vor! smilie_happy_291.gif

    Dann doch lieber eine tibetische Blase als eine Immobilienblase, hahaha!

    Ich habe mir soeben ein Arte-Video über Quantenmechanik angesehen.

    (Steven Weinberg: "Wenn du dich mit der Quantenmechanik beschäftigst, bist du danach nie wieder Derselbe")

    Gegen Schluss der Ausführungen wird eine Idee von vielfältigen Möglichkeiten angesprochen, welche den Teilchen innewohnt. Wenn zum Beispiel ein Quantencomputer die einzig durchführbare Möglichkeit für ein Teilchen auswählt, dann bedeutet es nicht, dass alle anderen Möglichkeiten, nur weil sie verworfen sind, nicht existieren, sondern sie könnten zum Weiteraufbau anderer Welten entschwinden, wo ganz andere (physikalische) Gesetze herrschen.


    Im übertragenen Sinne kommentiere ich dazu ganz salopp: es gibt nichts, was es nicht gibt.

    Ich würde niemals wie der Lama sagen: "Das gibt es nicht".


    Ich glaube, der Lama ist jetzt "kuriert" und wird nie wieder in seinen Vorträgen das Thema Lieblingsfarbe ansprechen.


    Wer weiß, ob es nicht eine für uns - aus physikalischen Gründen - nicht zugängliche Welt gibt, in der die Lieblingsfarbe Violett eine sehr wichtige Rolle spielt in der spirituellen Praxis.

    Kann aber auch sein, dass Farben da etwas ganz anderes sind ....


    Wie auch immer: es ist fatal, sich an starre Vorgaben zu halten, indem sie verhindern, sich weiterzuentwickeln. Produkte der Fantasie und Kreativität sind sozusagen der sichtbar gewordene Quantensprung einer so subtilen Geistigkeit, dass sie bis heute nicht vollständig zu verstehen ist.

    Es ist immer blöd, wenn die Seite wechselt.

    Dann geht der (ziemlich) letzte Beitrag der Vorseite nicht selten unter.

    Darum hier meine Frage: wie denkt Ihr über meine Antwort Nr. #24 ?


    So geht es mir meistens mit dem Gespräch mit dem Lehrer.

    Ich habe darum vor einigen Jahren mal einen spirituellen Freund von früher, der sich auch als Lehrer betätigt, gefragt: "Was fragt man denn so normalerweise einen Lehrer?" - Der war völlig perplex und entgeistert über meine Frage. Aber sie war berechtigt. Denn ich dachte: vielleicht stimmt was nicht mit der Art, wie ich frage? Ist vielleicht so abweichend von der Norm, dass der Lehrer damit nicht umgehen kann?


    Und, wie schon gesagt, durch diese Erfahrungen bin ich umso überzeugter, dass jeder sich seine Fragen selbst beantworten kann und der Mut zur Veränderung dann automatisch sich einstellt.

    Ich denke, es geht um den Tibetischen Buddhismus.

    Für meine Kinder habe ich da keinen Platz.

    Die bleiben draussen.

    Auch das ist für mich ein Grund, aktiv eine eigene Lösung zu finden zu versuchen.

    Wie gesagt, wir sollten keine Scheu davor haben, etwas zu verändern, wenn die alte Form nicht mehr zu uns passt. Jeder Psychotherapeut würde das sagen. Die spirituelle Praxis ist doch kein starres Gerüst, das man sich überstülpen lässt! Wir sind keine Kleinkinder mehr.

    Und wenn der Lehrer einen nicht verstehen will, dann hilft man sich eben selbst.

    Wieso ist auf einmal von Deinen Kindern die Rede usw.?

    Verwirrend.


    Ich weise darum noch einmal auf mein Fazit von Antwort #24 hin, damit das nicht untergeht.

    Das zu sagen ist mir sehr wichtig.

    Natürlich geht es hier um den Tibetischen Buddhismus, um was denn sonst?

    Wir sind hier im Forum "Tibetischer Buddhismus".

    n diesem Thread wurden meine Beiträge gelöscht und ich wollte damit prüfen, ob sie durch den Ersteller ggf. gemeldet wurden. Das ist mir früher oft passiert, da habe ich Menschen einfach vor den Schlipps getreten und es nicht gemerkt.

    Jetzt bin ich ja perplex. Das habe ich noch gar nicht mitgekriegt.

    Jedenfalls habe ich die Erfahrung gemacht, dass von "Mut zur Veränderung" in der Tibetisch-Buddhistischen Tradition kaum die Rede ist.


    Beispielsweise war besagter Lehrer einmal auswärts zu Besuch und erteilte Belehrungen über die Dhyani-Buddhas, auch als Online-Kurs. Fantastisch, dachte ich, endlich mal das Thema, auf das ich so lange gewartet hatte. Doch leider hatte ich an dem Wochenende noch andere Termine, so dass ich nicht alle Abschnitte mitbekommen konnte, und ich weiß nicht, ob das alles aufrufbar aufgezeichnet wurde, da müsste ich mich noch erkundigen.

    In der ersten Stunde gab es eine Einführung, und der Lehrer sprach in diesem Zusammenhang an, dass ja jeder so seine Lieblingsfarbe habe und dass das durchaus von Bedeutung sei hinsichtlich der Dhyani-Buddhas und ihren Farben.

    Da ich aber wie gesagt anschließend einen großen Teil nicht mitbekam, wusste ich dann nicht, inwieweit er das Thema "Lieblingsfarbe" in seine Belehrungen weiter eingebaut hatte.

    Später hatte ich kurz mit dem Lehrer Mailkontakt und wir kamen darauf, dass wir uns ja mal online treffen könnten zur Beantwortung meiner Fragen. Als das dann tatsächlich zustande kam, fragte ich den Lehrer gleich, warum es denn kein Violett gebe im Pantheon der Dhyani-Buddhas, denn Violett sei meine Lieblingsfarbe. Er wusste aber gar nicht, was Violett ist, und fragte mich, ob ich Braun meine. Ich meinerseits war sprachlos, dass er keine Vorstellung von Violett hatte. Doch in der Tat: schaut mal auf die Gebetsfahnen, Thangkhas und Tempelverzierungen: Violett fehlt!

    Auch in den tibetischen Trachten habe ich diese Farbe noch nicht auftauchen sehen.

    Ich versuchte ihm auf die Sprünge zu helfen und sprach von der Mischung von Blau und Rot, und dass das dann ja - theoretisch - Akshobhya plus Amitabha entsprechen müsste (die sich im Mandala gegenüber stehen!), aber da wurde er ganz nervös und ungehalten und sprach nur noch von Amitabha. Ich antwortete, ich meine kein Rot, sondern genau die Mitte zwischen Blau und Rot. Doch er entgegnete, das gäbe es nicht. Da war ich baff!

    Nun versuchte ich einen neuen Anlauf und meinte, die Farbe Violett sei ja auch die Farbe von höchster Energie, wollte dann noch fortsetzen, mit der deswegen kürzesten Wellenlänge, die daraus zustande komme, indem sich die Wellenlängen von Blau und Rot addieren, und wollte weiter fortsetzen, dass doch alles im subtilen Bereich seine Entsprechung habe!, aber er ließ mich gar nicht ausreden, sondern blockte mich sofort ab bei dem Wort "Energie", das wollte er wohl gar nicht hören, und redete nur noch: Nein-nein-nein, das sei das alles nicht, und wollte dann das Gespräch so schnell wie möglich beenden.

    Da dachte ich: wie will er denn seine Schüler verstehen, wenn er ihnen nicht zuhört und sie immer abblockt!

    Ja, und sowas habe ich ganz oft mit ihm erlebt.


    Auch das ist für mich ein Grund, aktiv eine eigene Lösung zu finden zu versuchen.

    Wie gesagt, wir sollten keine Scheu davor haben, etwas zu verändern, wenn die alte Form nicht mehr zu uns passt. Jeder Psychotherapeut würde das sagen. Die spirituelle Praxis ist doch kein starres Gerüst, das man sich überstülpen lässt! Wir sind keine Kleinkinder mehr.

    Und wenn der Lehrer einen nicht verstehen will, dann hilft man sich eben selbst.

    Warum hast denn du mit Ngöndro

    aufgehört?

    Es gibt verschiedene Gründe.

    Der Orden, in dem ich schwerpunktmäßig in den Neunzigern Mitglied war, vermittelte sehr professionell die Praxis der Dhyani-Buddhas, zu visualisieren im Mandala (nicht zu verwechseln mit dem Mandala des Ngöndro, wozu man Gegenstände braucht. Es ging nur ums Visualisieren).

    Dazu lernten wir Punkt für Punkt die Symbolik zu verstehen.

    Als ich dann zu den K.-Kagyüs wechselte, war davon gar nicht die Rede, obwohl ich die Dhyani-Buddhas als zentrale Übung mit Abstand äußerst wichtig finde, im Zusammenhang mit den Bardo-Phasen während des Sterbens.

    Egal, welche Vorgeschichte man hat: jeder muss bei den Kagyüs mit dem Ngöndro anfangen, da gab es für mich keine Alternative. Als ich dann bei dem realen Mandala (wozu man Gegenstände braucht), was der dritte Teil ist, angekommen war, bekam ich erhebliche technische Probleme bei der Durchführung. Auch vorher schon, die Vajrasattva-Übung, erschien mir in der Visualisation widersprüchlich (die Kagyüs üben sie als Reinigungspraxis, während es in dem Orden, wo ich früher war, eine Form als Erkenntnispraxis ist und darum auch etwas anders konzipiert ist).

    Aber egal, was ich den Lehrer fragte, er wollte es entweder nicht beantworten oder verstand meine Frage nicht und antwortete etwas oberflächlich-Pauschales. Zuletzt wollte er mit mir überhaupt nicht über die Mandala-Praxis reden und sagte nur noch: "Übe Guru-Yoga", aber ohne zu erklären, wie, also sah ich, dass ich es mir anlesen musste.

    Irgendwann habe ich dann gedacht: Was mache ich hier eigentlich? Ich meditierte gar nicht mehr, sondern hantierte nur noch. Eine massive Zeitverschwendung, die angesichts meiner damaligen Noch-Berufstätigkeit mit anstrengenden Überstunden, und der zunehmenden Demenz meiner Mutter, nicht mehr angebracht war.

    Darum gab ich das alles auf. Mein wunderschöner Schrein, auf den ich großen Wert lege, steht immer noch da, aber auf dem Meditationsplatz gegenüber steht jetzt ein Heimtrainer. Das war die beste Idee, die ich seit langem hatte.


    Später mehr, habe gleich einen Termin!

    Und das erfüllt mich ohne eine Antwort zu haben, so dermaßen von Ehrfurcht und Angst.

    Aber ich glaube, so sieht die ultimative Frage wohl aus...

    Und man sieht im Endeffekt genau das...

    So sieht es halt aus, wenn man absolut keine Ahnung hat... aber so richtig.

    Hallo kristallklar,


    es macht mich sprachlos, dass Du Ehrfurcht und Angst in einem Atemzug nennst.

    Ehrfurcht ist für mich etwas Positives, ja etwas sehr Spirituelles. Wenn sie aufkommt, so fühlt es sich für mich gleichzeitig an wie ein Geschmack von Einheit, im höheren Sinne. Sich selbst als Staubkörnchen im unendlichen All zu fühlen (meine Antwort #3), lässt mich erschauern, indem zugleich dieses Einssein präsent ist.

    Ehrfurcht ist eine Steigerung von Furcht, wiederum im spirituellen Sinne.

    Und Furcht ist noch etwas ganz anderes als Angst.


    Wie empfindest Du Ehrfurcht, ohne jetzt die Angst mit einzubeziehen?

    Was für ein Gefühl ist es?

    An Stelle der Frau, von der Amdap erzählt hat, würde ich die Männer durch Frauen austauschen oder durch eine gemischte Gruppe.

    Naja, die Männer durch Frauen austauschen: so einfach geht das nicht. Denn der Guru-Baum beinhaltet insbesondere die Reihenfolge der Linienhalter, die letztendlich (bei den Kagyüs; bei den Gelugs ist es etwas anders) durch die symbolische Gestalt Vajradhara zusammengefasst und verkörpert werden.

    Sinn der Visualisation des Guru-Baums ist, sich selbst eins mit der Linie zu fühlen und dieser gegenüber Ehrfurcht zu empfinden. Ringsherum um die Mittelachse des Guru-Baums visualisiert man die unterstützenden Elemente, das sind, sehr vereinfacht gesagt, die Buddhas, Dharma und Sangha, doch an erster Stelle werden, da es eine vajrayanische Übung ist, die Yidams genannt.

    Ich habe damals die ersatzweise Vorstellung des unendlichen Alls sowohl als übergeordnet, als auch neutral empfunden, was mir zu jener Zeit hilfreich war.

    Dagegen kann auch schnell zur Last werden, sich auf die klassische Weise mental an die Linie zu binden. Bei Vielen geht das über in eine Loyalität im weltlichen Sinne. Auch das ist mit ein Grund, warum ich das so nicht mehr visualisieren konnte und wollte, und darum die Vergegenwärtigung als Staubkörnchen im unendlichen All, hinsichtlich der Übung, als Befreiung empfand.

    Das Ziel der Übung ist ja wie gesagt, Ehrfurcht zu erzeugen, welche erwiesenermaßen (MRT-Ergebnisse aus der Neuro-Forschung!) die Hirnvorgänge so zum Positiven formen, dass es zu einer besseren Vernetzung mit der Innen- und Außenwelt kommt. Somit soll diese klassische Visualisation, die von fortgeschrittenen Meistern einst entwickelt wurden, wie eine Art Katalysator wirken.

    Aber was nützt es denn, wenn es nicht funktioniert.

    Wir sind ja auch einem ganz anderen Kulturkreis entsprungen, noch dazu ist diese Übungsvorgabe aus alter Zeit, als Hierarchien noch gelebt wurden. Heutzutage sind Hierarchien eine Last, indem sie mit Diktatur und Ungerechtigkeit verbunden sind. Das ist mehr etwas für Wesen, die gewisse Defizite haben und ihre Verantwortlichkeiten lieber abgeben, was ja auch eine Krankheit der heutigen Zeit ist. So lange wir diese innere Knebelung nicht überwinden, werden wir uns nicht weiterentwickeln können. Andererseits sehe ich diese Schieflage, da ich immer noch ein optimistischer Mensch bin, als Übergangswehen zu einer besseren Welt, aber das werde ich mit Sicherheit nicht mehr erleben.

    Guten Morgen!


    Gestern nahm ich teil an einer Online-Diskussion. Da erfuhr ich u. a., dass eine weibliche Praktizierende die Niederwerfungen im 1. Teil des Ngöndro abgebrochen hat, weil sie es nicht mehr ertragen konnte, dass der Guru-Baum, den man sich dabei vorstellen soll, sich fast nur aus Männern zusammensetzt.

    Ich selbst übe das Ngöndro schon ein paar Jahre nicht mehr, bin da sehr distanziert zu den vorgegebenen Anweisungen, das aber nur nebenbei.

    Trotzdem hier meine Anregung, falls das noch mal jemandem passiert: warum nicht einfach sich vorstellen, dass man nur ein winziges Staubkörnchen im unendlichen All ist? Diese Imagination ruft bei mir Ehrfurcht hervor.

    Dieses nur als Beispiel.

    Ich meine, man muss doch nicht krampfhaft an einer Anweisung festhalten, wenn sie nicht zu einem passt.

    Auf der anderen Seite, als Mensch und da scheine ich ja irgendwie drin zu stecken, ist da wirklich kein Platz für mich. Ich bin ja hier in diesem Menschen, also was anderes kann ich mir nicht vorstellen. Und etwas anderes habe ich mich auch noch nie gewagt... sag ich dir ganz ehrlich. Ich stelle mir doch nicht vor, unter der Erde zu sein. Wie soll das gehen, wenn nichts was ich von dem hier erlebe, in meine Richtung kommt? Ich will es, aber es tut sich nichts. Ich bin und bleibe in diesem Menschen.

    Aber in der Meditation kann man sich alles vorstellen, auch sowas.

    Träume beweisen es. Im Traum kann man ein Baum sein.

    Es gibt auch eine "ganz nüchterne" Betrachtung:


    aus physikalischer Sicht ist der Unterschied zwischen Körper und Raum nicht wirklich vorhanden.

    Unsere Körper bestehen schließlich hauptsächlich aus Raum. Was den Körper ausmacht, das sind unvorstellbar starke Anziehungskräfte zwischen den "Teilchen" (in Anführungsstrichen, da es fraglich ist, was ein sogenanntes Teilchen ausmacht, jedenfalls nach unserem begrenzten Vorstellungsvermögen).

    Daraus lässt sich ableiten, dass auch aus physikalischer Sicht sämtliche Körper-Erscheinungen illusionär sind, in der Weise, dass sie nicht so sind, wie sie uns erscheinen. Also unsere Vorstellung der Erscheinung von einem Körper ist illusionär.


    Es ist sowohl interessant als auch beruhigend zu wissen, dass man sowohl auf dem Weg der buddhistischen Philosophie als auch der Physik zu einem gleichartigen Ergebnis kommt!

    Sehr spannend finde ich, dass es im Kamalashila-Institut jetzt einen Kurs auf Spendenbasis gibt mit dem Titel: "Wir können über alles reden" (sowas gab es dort bisher noch nie!). Der Kurs wird geführt von Yesche Udo Regel*), einem bekannten westlichen Lehrer (der spezialisiert ist auf Tonglen und Sterbebegleitung, das aber nur nebenbei). Der Kurs läuft immer sonntags von 18-20 Uhr, wen das interessiert, der kann sich über das Kamalashila-Institut anmelden. Ich habe mich dort zum Beispiel schon heftig beschwert über Missbrauch durch Lehrer, siehe die entspr. Themen hier im Forum.

    Morgen geht es nach der Jahreswende wieder los, da werde ich auf jeden Fall die Inhalte unserer Diskussion hier zur Sprache bringen.

    Ich bin sehr froh, dass es auch westliche Lehrer gibt, ich meine mit europäischen Wurzeln, mit denen man auf Augenhöhe ganz normal sprechen kann. Diesbezüglich ist auch im Kamalashila-Institut eine Verbesserung eingetreten, indem jetzt ein neuer Lama dazugekommen ist, der aus Hamburg stammt.

    Meiner Meinung nach kann so ein Zentrum auf die Dauer nicht normal existieren, wenn es niemanden gibt, der mit unserer Kultur und Lebens- und Denkweise vertraut ist, und es macht die Sache umso schlimmer, wenn labile westliche Schüler/Innen das auch noch befeuern durch ihre gekünstelte Verhaltensweise. Das führt nur dazu, dass alle zusammen wie in einer Blase leben, in der sie (unterbewusst) sich geschützt vor den Anforderungen des Lebens glauben. Dabei sollte doch ein religiöser Dreh- und Angelpunkt vielmehr mit dazu beitragen, den Menschen zu stabilisieren und ihn zu einem nützlichen Glied in der Gesellschaft zu machen!


    *) Yesche Udo Regel hat vor vielen Jahren das Kamalashila-Institut selbst mit aufgebaut, als an die beiden Resident-Lamas noch gar nicht zu denken war.

    Nein, Monika, Du schweifst überhaupt nicht ab.


    Das mit den Ärzten ist ein gutes Beispiel, ich habe so manches ebenfalls mit Ärzten erlebt, und ganz 'besonders' ist es in diesem Fall, weil ich selbst medizinisch-fachliche Spezialistin bin, von Berufs wegen.


    Und die Stellung eines Arztes ist in gewisser Weise ähnlich wie die eines scheinbar spirituellen Lehrers.


    Was mich nur immer wieder verblüfft, wie schon gesagt, das ist die Tatsache, dass sich die sogenannten SchülerInnen so dumm stellen, wenn sie etwas fragen. Da sind doch auch welche mit höherer Schulbildung und viel Lebenserfahrung dabei!

    Das ist bei mir aber umgekehrt. Ich habe gekannt und kenne Menschen, die einfach gern mit mir zusammen sind. Ein Gespräch brauchen die Menschen nicht. Wir mögen uns, weil wir zusammen sein können einfach so als Sprachlose fühlende Wesen.

    Ja, so kenne ich es auch.

    Wenn ich nur aus geselligen Gründen mit Lehrern zusammen bin, ist alles in Ordnung. Nur wenn's ans "Fachliche" geht, kommt es zu diesen Missverständnissen, wie beschrieben.

    Am besten verstehe ich mich mit ihnen noch über den Zugang "Liebe geht durch den Magen", da ich ihnen stets selbst gebackene Weihnachtsplätzchen schicke.

    Martinistweg

    Sowas habe ich nie erlebt.

    Ich hatte zwar in den Neunzigern, als ich in einer anderen Gemeinschaft war, mehrfach solche Phänomene, dass ich bestimmte Gedanken hatte und der Lehrer sprach sie in ganz ähnlicher Form dann aus, aber das passiert immer, wenn man sich intensiv mit etwas beschäftigt, auch im weltlichen Leben. Hier ein Beispiel aus meinem weltlichen Leben: ich hatte mal einen Mieter, der mir noch etwas schuldete. Er zog weg, in einen Hamburger Stadtteil. Aber immer, wenn ich mich durch meine Stadt bewegte, begegnete er mir wenigstens ein Mal in Form eines ihm sehr ähnlichen Menschen.

    Später hatte ich dann eine schwierige Mieterin. Da glaubte ich oft ihr Auto zu erblicken, obwohl es jedes Mal ein anderes war.

    Hast Du, Martin, bei Deinen Eltern stets ein offenes Ohr gefunden, wenn Dich etwas sehr beschäftigte, besonders in der Pubertät?


    Noch mal zurück zu dem erwähnten damaligen Lehrer der Neunziger Jahre: der war keinesfalls spirituell weit entwickelt. Es stellte sich heraus, dass er ein untugendhaftes Privatleben führte mit vielen Unregelmäßigkeiten in seinem Leben. Darüberhinaus war er extrem neugierig und schlich sich an den einen oder anderen heran, um Klatsch zu erfahren, besonders, wenn es um ihn selbst ging.

    Übrigens: nach meiner Erfahrung ist die sogenannte Gedankenübertragung eher etwas, was mit mir selbst zu tun hat.


    Inzwischen bin ich nun schon bald 15 Jahre bei den Karma-Kagyüs, bin aber sehr kritisch und gehe schließlich doch meinen eigenen Weg.

    Wenn ich an einer Online-Belehrung teilnehme, wundere ich mich immer, was die TeilnehmerInnen für Fragen stellen - so als wären sie noch Kinder. Wobei in der Tat Kinder meistens noch weiser wirken.

    Solche Fragen würde ich nie stellen, darauf würde ich gar nicht kommen.

    Trotzdem gibt es da einen Lama, der sich für meinen Lehrer hält. Vor 13 Jahren machte er sich daran, mich in das Ngöndro einzuführen (wer nicht weiß, was das ist: bitte googeln, denn wir sind hier nicht in der Tibetischen Abteilung). Das Ngöndro besteht aus vier Teilen. Beim dritten Teil hatte ich große technische Schwierigkeiten und versuchte das mit ihm zu klären (beim zweiten Teil, als ich in der Visualisation Widersprüche erkannte, ebenso), aber er hat mich überhaupt nicht verstanden und wir redeten immer aneinander vorbei. Das Ganze zog sich über ein paar Jahre hin. Schließlich kam es mir so vor, als ob er mir lieber aus dem Wege ging, aber das war nicht so eindeutig, vielleicht bilde ich mir das auch ein. Jedenfalls gab es da einen Punkt, von dem aus er es vermied, in Einzelheiten und spezifischen Anweisungen zu sprechen, und sagte nur noch: "Übe Guru-Yoga!" (das ist der vierte Teil des Ngöndro), ohne überhaupt die technischen Probleme des dritten Teils noch zu anzusprechen. Na, da dachte ich, wenn er mir keine Anleitung dazu gibt, dann muss ich es mir wohl anlesen. Bei diesem Teil gibt es nun wieder ein neues Problem, denn dabei soll man sich das Oberhaupt, den Karmapa, als den persönlichen Über-Lehrer vorstellen, und das hat bei mir nie geklappt, denn der Karmapa ist in einem Alter, dass ich seine Mutter sein könnte. Ganz automatisch, wenn ich an den Karmapa dachte, tat er mir Leid, dass er ein so eingeschränktes Leben führen muss und sich wahrscheinlich auch ungesund ernährt. Immer musste ich daran denken, wie er sich wohl fühlt - ziemlich einsam wahrscheinlich, und das schmerzte mich, dass ich nichts daran tun kann.

    Also, mir den Karmapa als Guru vorzustellen, funktionierte überhaupt nicht. Und vor nicht allzu langer Zeit ist ja auch diese Missbrauchsgeschichte (siehe dort, Thema hier im Forum) bekannt geworden und es ist nachgewiesen, dass er eine Nonne gegen ihren Willen geschwängert hat, es ist ein Mädchen geworden. Und es gibt noch mehr ...! Nun kann ich sagen, dass alle meine Sorgen um ihn berechtigt gewesen waren!


    Trotzdem spende ich noch für das Institut in der Eifel, nach dem Motto: "Da es noch mindestens einen Gerechten gibt ..." (frei nach dem Alten Testament), und es gibt da wirklich auch gute Leute. Außerdem tut es mir Leid, wenn ihnen viel Geld fehlt, um das Dach zu reparieren oder um eine neue Heizanlage zu installieren. So ein Haus verursacht nun mal viele Unkosten.


    Nun, der Lama denkt anscheinend weiterhin, dass er mein Lehrer ist. Vielleicht fühlt er sich auch mir gegenüber, wegen meiner Spendenbereitschaft, verpflichtet. Vor einigen Wochen schlug er mir vor, wir können uns ja über JitsiMeet treffen. Das haben wir dann ein Mal gemacht, und das ging leider wieder in die Hose: erneut redeten wir aneinander vorbei, auch schneidet er mir oft das Wort ab, weil er mich nicht versteht und wahrscheinlich vermeiden will, dass ich ihn etwas frage, das er nicht beantworten kann, denn in deren Tradition "gibt es das einfach nicht", dass ein Lama etwas nicht beantworten kann.

    Hierzu möchte ich nebenbei bemerken: ich bin sicher, dass es oft passiert, dass Westler solche asiatischen Lamas unbewusst und ungewollt provozieren, denn wir entstammen doch äußerst unterschiedlichen Kulturen.


    Ihr wisst, dass ich gerne viel schreibe, darum ist dieser Bericht hier für meine Verhältnisse kurz, auch wenn er Euch lang erscheint.

    Das Wertvollste ist mir die Lebenserfahrung.

    Die kann mir keiner nehmen und auch niemand der Außenstehenden nachvollziehen, auch der beste Lehrer nicht (falls es solchen gibt).

    Die Lebenserfahrung ist in Wirklichkeit das, was die Spiritualität eines Menschen ausmacht.


    Andererseits habe ich mir natürlich auch zu Beginn einen Leher gewünscht. Aber Alles ist mein Lehrer. Und geprüft wird alles aufgrund der eindeutigen Aussagen des Buddha.


    Mir geht's fast genauso.

    Allerdings ohne Schwerpunkt auf die User hier. Sie sind vielmehr gleichwertig allem Anderen im Leben.

    Ja, einen Lehrer hatte ich mir ganz zu Anfang auch gewünscht. Aber es funktionierte einfach nicht.

    Das gibt es nun mal nicht grundsätzlich, dass diese Konstellation so sein muss und passt.

    Lieber Martinistweg ,


    mich würde mal interessieren: wie viel Kontakt hast/hattest Du durchschnittlich mit Deinen Lehrern, und woran haben sie gemerkt, wo Du gerade in der Meditation stehst?

    Wie viele Schüler haben/hatten Deine Lehrer? Wie viel Zeit konnten sie Dir darüber hinaus widmen?


    Und was war der zündende Faktor, an dem Du erkannt hast, dass dieser bestimmte eine Lehrer Dich wohl besser kannte als Du Dich selbst?