Beiträge von Stawrogin

    Aber mal zurück zum eigentlichen Thema:


    Ich lese gerade Heideggers "Sein und Zeit" und das ist für mich sowas wie ein philosophischer Porno. Wer fühlt ähnlich?

    Das verdinglichte Gestell des Daseins verweilt in der Seinsvergessenheit und findet die Katharsis im Seyn :lol:


    Über Brigitte lesende Großstadt Tennis-Mütter mit Mala-Ketten die Bärlauch-Pesto essend über exotische Trips nach Südamerika quatschen.


    Wie man sieht, gibt es auch andere Menschen, die genau solche KlischeeTanten treffen durften. Und diese Gattung ist noch nicht einmal selten anzutreffen, das ist es ja.

    Ich bin mehr als traumatisiert davon, glaube mir.

    Dann sag dich bitte auch, über wen du hier die ‚volle Wahrheit‘ verkündest, bitte.

    Über Brigitte lesende Großstadt Tennis-Mütter mit Mala-Ketten die Bärlauch-Pesto essend über exotische Trips nach Südamerika quatschen.

    :rofl::like:

    Die Idee war da , dass Philsophie und Theorie nicht die einzigen Wege waren, "etwas rüberzubekommen" sondern dass auch die Kunst den Menschen "bilden" und transformieren kann.


    Ja, genau void.


    Die Kunst ist ein wichtiger Aspekt. In der Moderne haben wir einen hohen Stellenwert den abstrakten Künsten eingeräumt - was aber nichts mit Ästhetik im klassischen Sinn am Hut hat. Ayn Rand meinte z.B: Im Kunstwerk erkennt man die ganze Philosophie des Künstlers. Das sehe ich genau so. Bei den klassischen Werken kann man dann von einer "edlen Seele" sprechen, wie etwa die Gemälde von Raphael. "Moderne Kunst" weist einen erheblichen Anteil an destruktiven Elementen auf, ist fast zu 100% nihilistisch. Man versucht zwar, sein Gemälde zu erklären, aber das funktioniert nur bei verkopften Akademikern, die einfach kein Veto einlegen wollen/möchten, weil der Künstler ja gerade angesagt ist oder eine wichtige Gallerie hat oder einen prominenten Gönner im Rücken. Fühlen kann man solche Werke jedoch nicht, und dies weiß auch zumeist der Künstler - er ist verarmt an "Seele", darum muss er abstruse Erklärungen hinzufügen und "Intentionen".


    Naja, der Kunstbegriff und sein Verständnis wurden ja erheblich ausgeweitet, eben mit der Beginn der Moderne eines z.b Malewitsch oder eines Duchamps, später Beuys... es aber lange noch nicht heißt, das man ihre Arbeiten nicht "fühlen" kann. Auch der Begriff der Ästhetik wurde erweitert, mann kann eben ästhetische Qualitäten auch in einer Abstraktion eines Rothko (Wo sogar bekannt ist, das Leute in Trance verfallen, wenn sie seine Bilder länger anschauen) oder einer beliebigen Installation sehen, wo im Prinzip alles stehen kann von einer Toilette, einer Metallstange bis Aquarien oder nichts im Raum, der Ästhetische Eindruck kann aber genauso überwältigend, wenn nicht sogar darüber hinaus gehen wie bei Raphael oder anderen Renaissance Künstlern, die eben nicht so weit gingen denn Raum einzubeziehen wie es die Moderne gemacht hat. Auch das die zeitgenössische Kunst "nihilistisch" sei, halte ich für Quatsch, natürlich hat man oft von guter Kunst einen verstörenden Beigeschmack, wie z.b Bruce Nauman, Francis Bacon, Philip Guston, Dekooning, Richard Serra, Christopher Wool oder eben auch die alten: Goya, Caravaggio, Bosch oder Velazquez oder man schaue antike Plastiken an wie die Laokoon-Gruppe an, ich würde sogar behaupten das gute Kunst zwar nicht schockieren muss, sondern etwas existenzielles hinterlassen muss, das eben das Unbehagen an der Existenz verdeutlicht, das muss lange nicht heißen das es immer bitterernst und dunkel hergehen kann, es kann durchaus sehr lyrisch passieren, man schaue sich Werke von diesen beiden Videokünstlern an: Bas Jan Aders und Francis Alys, wo die Tragikomödie des Lebens auf eine "lockere" Art porträtiert werden, oder auch Popart: ich halte Warhol oder Roy Lichtenstein für einer der größten Künstlergenies und Ästheten des 20 Jhr. Überhaupt habe ich das Gefühl, das an dem Beispiel des Künstlers der "verarmt an Seele" ist, gerade die Künstler die meinen das große seelische abzubilden oft als Kitsch enden, man schaue sich heute mal Klimt an, das ist reinster Kitsch, wenn man es mit der Avantgarde in Paris vergleicht zur gleichen Zeit, was dort abging zu Klimts Zeiten oder gerade Künstler die sich an der "alten Ästhetik" orientieren: Symbole, Pferde, Meere, Frauen eine art Neo Rauch oder so, oder auch Salvadore Dali für surrealen "Seelenkitsch" wo alles bis zum geht nicht mehr so verdinglicht ist, das auch der dümmste versteht, AHA da ist eine schmelzende Uhr, also ist Zeit = Vergänglichkeit... Ich finde es halt unfair das jeder zweite immer meint über die zeitgenössische Kunst herzuziehen obwohl keiner sich mal länger damit ausereinandergesetzt hat, da werden die wildesten Spekulationen immer so leicht geäussert: Alles ist nur Connection, Da gibts keine Seele wie "früher", Kunstmarkt (Obwohl schon damals die Künstler für die Könige am Hof arbeiteten) usw. Zum Abschluss ein Bild von John Baldessari:


    baldessari_tipsforartists.jpg

    Ja, ich weiß im nachhineinen habe ich mich ergiebiger damit beschäftigt und einiges machte Sinn, naja Sinn im Sinne der Lyrik, des unsagbaren und doch sagbaren, du weißt schon. Allerdings ging es mir damals weniger um die Art, sondern um die altdeutsche Sprache mit der ich deutlich zu kämpfen hatte, Wahrscheinlich noch mehr, weil ich Ausländer bin. Aber danke für denn Tipp, zum Beispiel interessiert mich Novalis sehr, ich aber damals durch Hölderlin von ihm abgeschreckt war, vielleicht helfen ja die Bänder.

    Und wie es dann so ist, bestraft das Leben Einen sofort und mein Gegenüber hatte jahrelang Hölderlin studiert:eek::o:shock::oops::rofl:

    Haha, Jetzt wirklich ohne spaß, ganz mal abgesehen davon das ich schreiben wollte: So, und jetzt fühle ich MICH wichtig, habe ich Hölderlin auch gelesen, Das bekannte Buch von ihm: Hyperion. Und bis auf wenige Momente, verstand ich nichts. Bei einem Abend unter Freunden wollte ich auch mal auf wichtig machen und meinte, ja aber Hölderlin, das ist natürlich was anderes, und der gegenüber meinte: und was ist da anders? Und ich wusste nicht wirklich was genau und es war einfach peinlich, ist wohl ein weit verbreitetes Phänomen, wie es scheint! :lol:


    Aber es gibt wirklich ein sehr großartiges Gedicht von ihm (wohl das bekannteste), das muss ich einfach mal hier posten:


    -

    Hälfte des Lebens


    Mit gelben Birnen hänget

    Und voll mit wilden Rosen

    Das Land in den See,

    Ihr holden Schwäne,

    Und trunken von Küssen

    Tunkt ihr das Haupt

    Ins heilignüchterne Wasser.


    Weh mir, wo nehm’ ich, wenn

    Es Winter ist, die Blumen, und wo

    Den Sonnenschein,

    Und Schatten der Erde?

    Die Mauern stehn

    Sprachlos und kalt, im Winde

    Klirren die Fahnen.

    Ah krass, gab es dann also davor dann so etwas wie Materie? Also in Form von Gasen?

    Jap, wobei die genaue Form der Materie noch immer umstritten ist.

    Ein winziges Ungleichgewicht im frühen Universum

    Sehr interessanter Artikel, danke Dir! Nun frage ich mich, was es mit der Behauptung: "Wir können nicht wissen was vor dem Urknall war, weil die Zeit zusammen mit dem Urknall entstand und es somit kein Davor gibt, denn das Davor wäre möglich wenn die Zeit schon vor dem Urknall war, und diese war nicht" Aber anscheinend weiß man doch was davor war?! Nämlich: Ein Gleichgewicht sich gegenseitig vernichtender Teilchen, das dann durch eine "Störung" zum Urknall Auswuchs. WTF? Was stimmt nun...

    Nunja, es gab ja einen "Anfang" nämlich denn Urknall. Somit nix da mit Unendlichkeit. Falls natürlich die Theorie des Urknalls auch wirklich stimmt!^^

    Unendlichkeit und Urknall widersprechen sich nicht. Denn kurz vor dem Urknall gab es ein materielles Ungleichgewicht, dass besagten Urknall ausgelöst hat. Da bleibt die Frage: Wodurch gab es das materielle Ungleichgewicht ;) Eine nette Theorie ist, dass das vorherige Universum einfach zum Ende gekommen ist.

    Ah krass, gab es dann also davor dann so etwas wie Materie? Also in Form von Gasen?

    Also Reaktion auf die ersten paar Posts in diesem Thread:


    Eventuell lässt sich die Frage nach /dem/ Anfang, den unbewegten Beweger auch so beantworten, dass wir Menschen Unendlichkeit einfach nicht verstehen können. Für uns scheint dieser Anfang in Form von etwas, das man Gott nennen könnte als logisch, da eben alles einen Anfang braucht. Dass etwas einfach schon immer da war, ist schwer vorstellbar, würde aber auch die Problematik mit der Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Leben auflösen.


    :zen:

    Nunja, es gab ja einen "Anfang" nämlich denn Urknall. Somit nix da mit Unendlichkeit. Falls natürlich die Theorie des Urknalls auch wirklich stimmt!^^

    Ich habe mal ne Zeit lang alles mögliche am Existenzialismus gelesen: Sartre, Camus, Heidegger, Kierkegaard...dann eine zeit lang versucht mich in denn Poststrukturalismus einzulesen: Butler, Derrida, Deleuze (da klappt es jetzt ein wenig), Baudrilliard (Habe ich kaum verstanden)Foucault, paar Lektüren von Zizek und von Byung Chul-Han mal da und hier... Jetzt gehe ich die Geschichte der griechischen Philosophie in einem lockeren Büchlein durch, auch sehr interessant, vor allem um sich zu vergewissern, wie weit und wie tief doch die Buddhalehre im Vergleich zu ihren Zeitgenossen ging. Ahja, ein sehr guter Einstieg in die Philosophie war für mich das kleine Buch von Thomas Nagel: Was bedeutet das alles? So, jetzt fühle ich wichtig! :grinsen:

    Kann mir jemand genau in der Praxis denn praktischen Unterschied zwischen diesen zwei Begriffen erklären?

    Wenn ich Vedananupassana praktiziere, spüre ich denn Körper (Rupa), ich spüre das Kribbeln auf denn Fingern und die Schmerzen an denn Beinen usw.

    Wenn ich Cittanupassana praktiziere, spüre ich die Emotionen meistens an der Brust oder in der Region um den Hals und denn Kopf wie Freude, Angst, Gier, Hass usw.


    Bei beiden habe ich jeweils die Gefühls/Geistobjekte auf die Achtsamkeit (Sati) gerichtet ist.


    Doch durch die Beobachtung der Gefühle beim Vedananupassana enstehen ja automatisch Emotionen die dann zum Citta (Geist) gezählt werden und umgekehrt, wenn ich Geistobjekte betrachte entstehen dann doch automatisch körperliche Empfindungen? Oder verwechsele ich hier was? Ist vielleicht Cittanupassana eher die Beobachtung der Gedankenströme? Und die Emotionen werden ebenso zu Vedana gezählt?

    Zeit selber ist Vergänglichkeit...

    Interessant wo Du sofort ansetzt, Void, quasi der Anfang von allem, der Gott sein könnte, manifestiert sich selbst in der Vergänglichkeit - Da Anfang, Zeitlichkeit schlechthin ist und Zeit Vergänglichkeit...und die Buddha-Lehre lustigerweise genau da ansetzt. Beinahe fast schon poetisch. :)

    Sorry, ich meinte es nicht so buchstäblich mit Gott, war eher zynisch gemeint mit dem alten Mann und dem Bart. Klar, wenn es so etwas wie Gott existent wäre, also der Anfang von allem, würde ich auch als letztes an etwas humanoides denken. Man könnte ja auch eine pantheistische Position einnehmen und sagen, alles ist Gott, aber von diesem Allem müsste doch zwingendermaßen auch ein Anfang liegen, oder?

    Denn Begriff Gott habe ich sehr lange mit einem lächeln abgewiesen. Zu absurd erschien/erscheint es mir, das ein alter Herr mit grauem Bart die Welt erschaffen hat und nun über sie wacht. Nicht nur absurd, sondern die ganze Vorstellung eines Erschaffer oder eines Anfangs in dem schon die MÖGLICHKEIT aller Grausamkeiten und Abartigkeiten dieser Welt innewohnten. Mit der Vorstellung eines auf quantenmechanischen - Zufall basierten Urknalls, das die Möglichkeit eines Vernichtungslager in Auschwitz innewohnt, komme ich deutlich besser klar. Doch je länger ich überlege, erscheint es mir durchaus plausibel und auch rational zu sein, zumindest die Möglichkeit offen zu halten das es so etwas wie einen Gott oder wie immer man das nennen mag geben könnte. Es könnte auch theoretisch ein Videospiel sein das wir im Jahre 9918 spielen, was natürlich die Frage nach dem Anfang nur weiter verschiebt.


    Das überhaupt etwas IST und nicht NICHT IST ist ja schon ein Wunder, dann aber noch die Feinabstimmung unseres Universums das mit Tausenden horizontalen Rasierklingen - nicht umfallend, von Stephan Hawking verglichen wurde. Dazu käme dann noch einmal eine unglaubliche Reihe von Zufällen, welche sich in den 3,5 Milliarden Jahren, vor denen das Leben auf der Erde begann, zugetragen haben müssten, damit tatsächlich Leben stattfinden kann, wie wir es heute kennen samt des menschlichen Bewusstseins.


    Die Materialistische/Naturalistische Sichtweise ist natürlich eine gute und plausible, aber einige Dinge wie das Bewusstsein (was ja schon irgendwie absurd genug ist, das da Materie existiert die über sich selbst nachdenkt) können immer noch nicht ganz integriert werden. Man kann natürlich sagen und dafür gibt es auch gute Gründe, das es außer Materie und was nicht naturwissenschaftlich belegt ist auch nicht existent ist, aber das kann man NUR sagen, wenn man sicher ist, das die Naturalistische Sichtweise auf die Welt eine ABGESCHLOSSENE ist. Und das zu behaupten, wäre ja wohl nicht nur ignorant sondern würde eher Züge eines "religiösen" Fanatismus annehmen.

    Nun zu meiner eigentlichen Fragen: Wie seht ihr es als Buddhisten? Was ist mit dem Ultimativen Anfang von Samsara und seines Auslösers? Wie seht ihr es mit Gott, mit dem Ursprung von allem? Mir ist natürlich bewusst das buddhistisch die Frage nach dem Ursprung allen Seins eine spekulative ist und wohl von Buddha als "nur dukkha fördernd" betrachtet wäre und ich bin mir auch ziemlich sicher, das darauf es eigentlich keine Antwort geben kann, denn im Prinzip kann die primitive Vorstellung von Anfang und Ende, Zeit usw. eben eine primitive sein und letztendlich könnte die Wirklichkeit ganz anders aussehen, so, wie wir es uns nicht einmal zu träumen wagen.