Beiträge von Stawrogin

    Ich hab noch nie verstanden was "paranibbana" eigentlich sein soll. So eine Art Super-Nibanna nehm ich an, aber da Nibanna doch schon ein absoluter Begriff ist, erschließt sich mir nicht, wie man das noch "steigern" sollte - und warum überhaupt.

    Kann sein, das ich mich irre, aber "Nibbana" kann auch mit diesem Bewusstsein und mit diesem Körper noch erfahren werden, also im "irdischen" Leben, wo hingegen das "Paranibbana" erst nach dem Tode eintritt und somit das eigentliche Nibbana ist. Wie gesagt, vielleicht irre ich mich, bitte um Korrektur, falls das so ist.

    Bei mir ist es auch ähnlich verlaufen bis ich zum Palikanon gekommen bin. Als erstes war da Osho, dann irgendwann mal Eckhart Tolle, dann Advaita-Vedanta Lehrer wie: Ramana Maharishi und Sri Nisargadatta Maharaj, dann der Sprung zum Buddhismus, nämlich zum Zen-Buddhismus, Zen-Geist - Anfänger-Geist usw. und erst dann so langsam rüber in Theravada-Texte, einschließlich des Palikanon. Was man vielleicht noch sagen müsste, das ich im Wechsel zur "Östlichen Spiritualität" auch permanent westliche Philosophie gelesen habe und wohl unbewusst eine Brücke schlagen wollte. Bin dafür allen dankbar auf dem Weg.

    Werter Accinca, hast du denn Text von Ajahn Amaro überhaupt gelesen?

    Nun ja, ein Vorschlag war das nicht, eher eine Überlegung. Ich sehe das eigentlich ähnlich wie Du, Helmut.

    So bewandert bin ich nicht im Palikanon, aber um ehrlich zu sein, habe ich es bis jetzt noch nicht gelesen, aber ob im frühen Buddhismus es eine esoterische Seite gab, also etwas was "Geheim" war, da bin ich stützig, denn laut der Lehrreden soll Buddha mal gesagt haben, das es keine Geheimnisse in seiner Lehre gibt und er hier und jetzt alles auf denn "Tisch" legt.

    Manchmal, wenn ich mir das hier so anschaue, frage ich mich wirklich, ob es nicht besser wäre, ein deutschsprachiges Mahayana und Theravada Forum zu gründen. So wie diese zwei:


    Theravada:

    Dhamma Wheel - Buddhism Discussion Forum


    Mahayana:

    Dharma Wheel - Buddhism Discussion Forum


    Ich glaube kaum, das im jeweiligen Forum gestrieten wird, welche Richtung nun besser ist, denn da hat jeder für sich bereits entschieden, was er nun als gut und wahr erkannt hat und was nicht. Andersrum ist es schade für Menschen die von allen Richtungen gerne lesen, ich persönlich liebe sehr Zen und lese auch etliche Zen-Bücher.

    der in Überzahl von Mahayana-Anhängern geleitet wird, oft so getan wird, als sei der Theravada eine art unlebendiges, unlockeres, steifes Manifest von einer Ansammlung von toten Wörtern und die Leute da nur damit beschäftigt sind denn PK denn ganzen Tag zu lesen, das aber Meditation und die Praxis nicht weniger wie im Zen oder tibetischen Buddhismus eine Rolle spielt, wird irgendwie nie erwähnt.

    Die Frage ist, ob dieser Eindruck nicht eher durch die aktiven Vertreter des Theravada entsteht, die es vielleicht versäumen das ausreichend deutlich zu machen. Denn es ist ja nicht die Aufgabe (und ich sehe das hier auch nicht passieren) von Mahayana-Vertretern, Aussagen über den Theravada zu machen. (Häufiger passiert das genau anders herum...)

    Letztendlich, ist es doch alles Kindergarten. :roll:

    Im Theravada ist das Textstudium sehr wichtig, weswegen die Person des Lehrers zurücktritt.


    Während im tibetischen Buddhismus der Lehrer sehr wichtig ist. Einerseits weil viele fortgeschrittene Praktiken Einweihungen und Übertragungen haben, andererseits auch weil da energetische Aspekte eine große Rolle spielen. Der Lehrer ist nicht nur ein Übermittler von Information sondern auch von Segen und Inspiration.


    Ich würde aber nicht sagen das im Theravada generell der Lehrer keine Rolle spielt, wenn man sich in Thailand die ganzen berühmten Lehrer anschaut, sowas wie Ajahn Chah oder in Burma so jemand wie Mahasi Sayadaw oder moderner: Pa Auk Sayadaw, kann man schwer davon sprechen das im Theravada der Lehrer gänzlich keine Rolle spielt, fakt ist aber, das der historische Buddha selbst als die wichtigste Instanz genommen wird.


    Auch sind im Theravada die Lehrer nicht nur Übermittler von "toter Information" sondern fungieren ebenso als Geistige/Spirituelle Helfer. Was mir einfach auffällt, das in diesem Forum, der in Überzahl von Mahayana-Anhängern geleitet wird, oft so getan wird, als sei der Theravada eine art unlebendiges, unlockeres, steifes Manifest von einer Ansammlung von toten Wörtern und die Leute da nur damit beschäftigt sind denn PK denn ganzen Tag zu lesen, das aber Meditation und die Praxis nicht weniger wie im Zen oder tibetischen Buddhismus eine Rolle spielt, wird irgendwie nie erwähnt.

    Ich sitze in der burmesischen Sitzhaltung, für bis zu 1 Stunde könnte ich sie beibehalten, ohne gravierend darunter zu leiden. Nun frage ich mich, ob es nicht einfacher ist im vollen Lotussitz STABIL zu sitzen und sich das unterstützend auf die Meditation auswirken könnte. Die Frage wäre halt dann nur, wie trainiert man sich sowas an? Vor 10 Jahren ungefähr, als ich regelmäßig Muay Thai trainiert habe und mich täglich dehnte, konnte ich irgendwann mal einen Spagat machen, das sieht heute ganz anders aus, ich frage mich, gibt es Anleitungen, wie man sich denn vollen Lotussitz "antrainieren" könnte? Also, irgendwelche gezielte Dehnungsübungen für die Hüften und Oberschenkel?

    Ich sehe es so, dass es im Buddhismus um das Verlöschen von Gier, Hass und Verblendung geht. Und mit Nibbana nichts anderes gemeint ist. Wenn man sich für das Verlöschen von Bäumen oder Flüssen oder Universen interessiert, fragt man einen Biologen oder Geologen. Und wenn einen das Verlöschen von schwarzen Löchern interessiert, dann am besten einen Astronomen.


    Die Frage, ob wenn viele Leute ihre Gier überwunden haben, dann der Wald auch weg ist, kommt mir als eine total unnötige Verkettung vor. Im Bezug auf die Begierde ist doch der Wald egal und im Bezug auf den Wald ist die Begierde egal. Wir sind doch keine Biber.

    Also negierst du das Jenseitige somit in der Lehre des Buddha? Wenn Nibbana als nur das verwehen von Gier, Hass und Verblendung angesehen wird und nach dem Tode somit nichts weiter kommt, als das, was die Materialisten als das "Nichts" bezeichnen, würde für mich persönlich die Anstrengung sich zu bemühen Gier, Hass und Verblendung auszulöschen keinen Sinn machen und wäre somit auch als ziemlich absurd zu deklarieren, das wäre im Kontrast zur Buddhistischen Lehre ungefähr so, das man sich abtrainieren will - permanent "geil" zu werden oder die Lust/Bedürfniss Wasser zu trinken, also irgendwie nicht der biologischen-Natur der Menschen entsprechend und somit nichts weiter als eine dümmliche Selbstkasteiung. Dann kann man auch seine Zeit "hier" einfach nur in Ruhe absitzen und hat dann bald sowieso die endgültige Ruhe, für die Ewigkeit.

    Was bleibt von der Welt bzw. vom Samsara übrig, wenn alle Wesen die die fünf Skandhas besitzen ins Nibbana verwehen? Werden die Flüsse, die Meere, die Wälder, der Mars, die schwarzen Löcher usw. weiter existieren? Und wenn ja, würde Slavoj Zizeks Aussage: "Das Universum ist das dümmste Ding das ich je gesehen habe" um so mehr Sinn machen?

    Guatama Buddha erfuhr mit 35 Jahren Befreiung, d.h. seine Verblendungen verwehte. Danach zog er 45 Jahre in Indien herum, lehrte und baute den Orden auf. Wenn ich dich richtig verstehe, gehst du davon aus, dass nicht seine Verblendungen verwhnten sondern er selber sich irgendwie auflöste. Dafür gibt es keinen Hinweis. Er wandelte weiter herum, aß, trank, ging, schlief und sprach. Und es ist nicht einzusehen, warum das bei anderen Leuten anders sein sollte, oder warum desegen Flüsse und Meere irgendwie in Mitleidenschaft gezogen werden sollten.

    Nunja, ich meinte nicht das der Buddha sich physikalisch auflöste nach der Erleuchtung, sondern nach seinem Tod sich ins Parinirvana "auflöste". Aber ich verstehe worauf du hinaus willst, das es um die Befreiung von Gier, Hass und Verblendung, also vom leiden/dukkha hier und jetzt geht, jenseits von unseren Konzepten bzw. Spekulationen.

    Was bleibt von der Welt bzw. vom Samsara übrig, wenn alle Wesen die die fünf Skandhas besitzen ins Nibbana verwehen? Werden die Flüsse, die Meere, die Wälder, der Mars, die schwarzen Löcher usw. weiter existieren? Und wenn ja, würde Slavoj Zizeks Aussage: "Das Universum ist das dümmste Ding das ich je gesehen habe" um so mehr Sinn machen?

    Die Frage hat so ähnlich vor vielen Jahren schon einmal jemand gestellt: "Existiert der Mond auch dann, wenn keiner hinsieht?"


    ARD Mediathek über Quantenphysik

    Wow, toller Beitrag, danke dafür.

    Was bleibt von der Welt bzw. vom Samsara übrig, wenn alle Wesen die die fünf Skandhas besitzen ins Nibbana verwehen? Werden die Flüsse, die Meere, die Wälder, der Mars, die schwarzen Löcher usw. weiter existieren? Und wenn ja, würde Slavoj Zizeks Aussage: "Das Universum ist das dümmste Ding das ich je gesehen habe" um so mehr Sinn machen?

    Kommt darauf an ob es Wesen gibt die nicht aus allen fünf Skandhas bestehen und wenn ja, was die für eine Wahrnehmung haben.

    Sagen wir mal, alles was irgendwie die Welt wahrnehmen kann.

    Was bleibt von der Welt bzw. vom Samsara übrig, wenn alle Wesen die die fünf Skandhas besitzen ins Nibbana verwehen? Werden die Flüsse, die Meere, die Wälder, der Mars, die schwarzen Löcher usw. weiter existieren? Und wenn ja, würde Slavoj Zizeks Aussage: "Das Universum ist das dümmste Ding das ich je gesehen habe" um so mehr Sinn machen?

    Zusatz:


    Ich denke, es ist wichtig, in diesem Zustand zu leben und auszuharren, der Zustand des "Nichtwissens", was Nirvana letztendlich ist. Alle positiven Erklärungen und Schaubilder müssen letztendlich scheitern, wenn wir über Nirvana sprechen. Ich denke auch, dass es volle Absicht war, dies so zu lehren, d.h. in einer negativen Theologie. Denn Buddha hätte ja auch das vedische Brahman lehren können ("Du bist das absolute Bewusstsein"). Hat er aber nicht getan. Über die Gründe, warum er das nicht getan hat, darüber kann man sich besser austauschen als über Nirvana an sich.

    Nur mal so ein Gedanke nebenbei, der mich grad ereilt hat: Was wenn es überhaupt kein Nirwana gibt? Und es ein religiöses Hirngespinst aus vergangenen Jahrtausenden ist?


    Interessant ist dazu dieses Video:

    Ja, das ist wohl das Nibbana zu Lebzeiten. Mich interessiert aber, wie Nibbana nach dem Tode des Körpers "aussieht" eines Menschen der eben das Dasein - gemeistert hat, wie es wohl Paul Debes sagen würde.

    Hmm, man würde aber schon gerne wissen wohin der Zug fährt und was an diesem Ort einen erwartet oder sollte da einfach das Vertrauen ins Buddha-Dhamma ausreichen? Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, wie mancher sein komplettes Leben radikal ändert, mit abrasierten Augenbrauen irgendwo bei 40 Grad im Dschungel einem Lehrer die Füße wäscht ohne wirklich zu wissen, was ihn erwartet. Natürlich, sind das Ego-Probleme, eben das "Haben-Wollen", eben die Gier und natürlich könnte man jetzt auch das Culamalunkya Sutta erwähnen, das aufzeigt das Spekulative (Metaphysische) Ansichten eben nicht zur Befreiung vom Dukkha führen, dazu gehört wohl auch sich Vorstellungen über das Nibbana zu machen, aber trotz all dem, müsste es doch zumindest Pfeiler geben die irgendwie das Nicht-Dingliche so umschreiben könnten, das es schlussendlich doch noch zu einer ungefähren Ahnung führen könnte, sonst ist es doch einfach zu viel verlangt, sein Leben dem Buddha-Dhamma zu widmen, wenn man nicht einmal weiß, wofür. Jetzt natürlich alles überspitzt dargestellt. :-)

    Um ehrlich zu sein, verstehe ich immer noch nicht konkret was Nibbana bzw. Nirwana im endgültigem Sinne bedeutet, wenn der Tod eintritt.

    Folgendes könnte man als Stichpunkte erwähnen, was einem Arahant bereits zu Lebzeiten widerfährt:


    1. Die fatale Auslöschung der "Drei Geistesgifte": Gier, Hass und Verblendung.

    2. Durch Punkt 1 die logische Schlussfolgerung: Das eine absolute Leid-Freiheit eintritt, zu Lebenszeiten. Jegliche Anhaftung an alle Daseins-Faktoren sind abgefallen und somit das Rad der Wiedergeburten im Samsara zum endgültigem stoppen gebracht.


    Nun, was aber kommt danach, wenn solch ein "Arahant" stirbt? Die Antwort lautet: Nibbana. Was aber ist nun Nibbana? Folgendes steht im Pali-Kanon:

    Zitat

    Wahrlich, ihr Mönche, dies ist der Friede, dies das Erhabene, nämlich das Zuruhekommen aller Karmabildung, Loslösung von allen Daseinssubstraten, Versiegung des Begehrens, die Aufhebung, die Erlöschung, das Nirwahn.« (A.III.32).


    Zitat

    Von der Gier getrieben, ihr Mönche, durch Haß erbost, durch Verblendung betört und überwältigt, im Geiste gefesselt, sinnt man auf eigenen Schaden, sinnt man auf fremden Schaden, sinnt auf beiderseitigen Schaden, erfährt man geistige Qual und Trübsal. Sind aber Gier, Haß und Verblendung verschwunden, so sinnt man weder auf eigenen Schaden, noch auf fremden Schaden, noch auf beiderseitigen Schaden und empfindet keine geistige Qual und Trübsal. Auf diese Weise ist das Nirwahn an keine Zeit gebunden, bereits bei Lebzeiten erkennbar, einladend, anziehend und dem Weisen verständlich.« (A.III.56).


    Zitat

    »Es gibt, ihr Mönche, ein Bereich, wo weder Festes noch Flüssiges ist, weder Hitze noch Bewegung, weder diese Welt noch jene Welt, weder Sonne noch Mond. Das, ihr Mönche, nenne ich weder ein Kommen, noch ein Gehen, noch ein Stillestehen, weder ein Geborenwerden, noch ein Sterben. Es ist ohne jede Grundlage, ohne Entwicklung, ohne Stützpunkt: das eben ist das Ende des Leidens.« (Ud.VIII.3).


    Schlussfolgernd kann man folgendes über das Nibbana sagen:


    1. Es ist an keine Zeit gebunden

    2. Weder Fest, flüssig oder heiß

    3. Es hat keine Bewegung

    4. Es ist weder unsere Welt noch eine andere

    5. Es ist ohne jede Grundlage, ohne Entwicklung, ohne einen Stützpunkt.
    6. Kein Kommen, Kein Gehen, Kein Stillstehen und eben kein Geboren werden.

    7. Das absolute Ende allen Leids.


    Wenn man logisch über das Nibbana reden will, läuft man gegen eine Wand. Denn Nibbana scheint kein Ort zu sein, noch überhaupt irgendwelche Eigenschaften zu besitzen. Es hat weder Zeit noch Bewegung. Was ist dann das? Ist es dann so, wie wenn Materialistisch denkende Menschen sich denn Tod vorstellen? Eben das absolute Nichts? Oder existiert da doch etwas? Wie unendliche Glückseligkeit, was aber paradox wäre, denn wie kann unendliche Glückseligkeit existieren ohne einen Ort, der überhaupt erst erlaubt das sich "Zustände" bilden können?

    Ich bin schon gespannt auf eure Gedankengänge, was nun Nibbana nach dem Tode eines Verwirklichten sein könnte.

    Interessanter Text, IkkyuSan, hast du mal was von einem koreanischem Philosophen Byung-Chul Han gelesen? Ich empfehle immer gerne sein Buch: Müdigkeitsgesellschaft, wo auf die Faktoren der Umwelt und der Auswirkungen der Technologie auf die Sozialität aufgezeigt werden in einer sehr authentischen weise, sehr netter Aufsatz. Oder hast du mal was von Jean Baudrillard gelesen? Ich fand ihn für mich zu schwer, so wie auch die meisten anderen "Poststrukturalisten" aber der Kerngedanke der Auflösung INS Digitale der Gesellschaft war interessant, oder als er beschreibt wie die Gegenstände in unseren Zimmer zwar immer kleiner und minimalistischer werden, aber uns um so mehr dominieren werden, vor-allem auch die Gedanken zu seinem Begriff "Simulacra" wo man nicht mehr wirklich weiß was nun real ist und was nicht, das fängt heute mit "Fake-News" an und schreitet langsam in VR-Brillen über wo die Emersion deutlich mehr schon das "Private" des Menschen kolonialisiert, ich bin auch wirklich gespannt, wohin das alles noch sich bewegen wird. Ich mein, mir ist kürzlich aufgefallen als ich mit einem Freund in einem Museum war, das wir bei Malerei uns gegenseitig immer damit konfrontiert haben, ob es nun Digital oder Analog ist und ob die Farbe nun imitiert wird als Farbe oder nicht und schlussendlich, warum ist gedruckte Farbe aus dem Drucker weniger "echt" als nicht gedruckte Farbe. Also um was geht es wirklich bzw. wovor haben wir denn Angst?