Beiträge von Sherab Yönten

    Schon irgendwie krank, daß vor 300 Jahren unter absolut ungleichen, äußerlich viel schlechteren Bedingungen als heute möglich war, was heute in einem Wust von Bürokratie und politischen Hemmnissen wahrscheinlich im Keim erstickt würde :?

    Kannst Du das bitte näher erklären was genau Du meinst? Was genau soll früher möglich gewesen sein und was heute nicht?

    Einer davon war Ippolito Desideri:


    https://de.wikipedia.org/wiki/ippolito_desideri


    Einen ausführlichen Artikel gibt es im "Chökur" in der aktuellen Ausgabe vom Tibethaus Journal:


    "Die Leerheit ist ein Trick des Teufels" von Karsten Schmidt (Religionswissenschaftler - UNI Frankfurt)


    Ippolito Desideri schrieb:


    Zitat

    Die Tibeter sind durchaus offen und willens zuzuhören, sie sind nicht oberflächlich oder leichtgläubig, sie möchten alles sehen, abwägen und in allen Einzelheiten rational diskutieren, sie möchten überzeugt und nicht belehrt werden

    Für mich reichen diese Indizien aus, um daran zu glauben, dass Geist und Körper getrennt voneinander existieren können. Nehme ich Leerheitserkenntnis und abhängiges Entstehen dazu, dann ist das für mich schon fast so gut wie ein wissenschaftlicher "Beweis".

    "Endloses Bewusstsein" des niederländischen Kardiologen Pim van Lommel

    Also, die letzten Kritiken bei Amazon fanden das Buch nicht so überzeugend:

    Z.B. der Hinweis, dass ein Nicht - Physiker Argumente aus der Quantenphysik benutzt.

    Zu den auf diesem Gebiet Forschenden gehörte auch Prof. Dr. Elisabeth Kübler-Ross, eine Frau, deren Arbeit nicht unumstritten war - wie die Arbeit vieler Menschen, die konventionelle Sichtweisen in Frage stellen: https://www.hospiz.org/buchtipps/

    Hm. Ich habe was anderes gelernt: Frau Kübler-Ross war eine Forscherin, die sich Gedanken um das Sterben gemacht hat, aber nicht unbedingt über Nahtoderfahrungen geforscht hat!

    Die Bedeutung wäre ja, dass jemand seine Handlungen vom Nutzen für das "eigene Ich" abhängig macht, was ja ein Resultat der Ich-Illusion ist. Dem soll das Bodhisattva-Ideal entgegen wirken. Die Art und Weise, wie "Ego" als "Kampfbegriff" missbraucht wird, führt vermutlich dazu, dass Übersetzer den Begriff gemieden haben.

    Man kann Sprache halt nicht immer 1:1 übersetzen. Da muss man sich eben an die Bedeutung der Begriffe halten. Und im Tibetischen gibt es (mindestens) die beiden Bedeutungen, die ich oben beschrieben habe,. Und natürlich geht es im Buddhismus um die Überwindung des verblendeten Egos. Um was denn sonst?

    Eine Aufgabe bestand darin, das Loslassen von wichtigen Dingen zu üben. ....


    Ein Zettel widersetzte sich jedoch hartnäckig und wurde vom Wind immer wieder zu Bhante Nyanabodhi zurück geweht.


    Es war das Wort "Geduld", das ich aufgeschrieben hatte.

    ... vielleicht, um Dir aufzuzeigen, dass Du Geduld vorzugsweise praktizieren, nicht aber loslassen solltesṭ? ;) :hug:

    Es ging ja darum, gerade auch die Dinge (im Sterbeprozess) los zu lassen, die einem im Leben etwas bedeuten.

    Zunächst waren es "nur" materielle Dinge, dann wurden die Dinge immer wichtiger. Aber trotzdem muss ,man loslassen. Ich glaube Geduld war meine vorletzte Karte. Meine Letzte war Erleuchtung/ Buddhaschaft.

    Ich denke es ist hier deutlich, dass der Begriff " Ego" und wie er in buddhistischen Kreisen verwendet wird, nicht aus dem Buddhismus stammt.

    Man sollte generell nicht so sehr auf die Begriffe fixiert sein, sondern auf ihre jeweilige Bedeutung. Dann ist der Begriff Ego ein zentraler Begriff des Buddhismus!

    Bist Du sicher, dass "selbstbewusst" hier die normale deutsche Bedeutung hat? Ich vermute, dass es eher um "selfconscious" geht, was "unsicher" heisst, also wenig selbstsicher. Kommt daher, dass Unsicherheit oft entsteht, wenn man sich ständig des eigenen Ich bewusst ist, also sich ständig hinterfragt. Im Gegensatz dazu ist ein selbstsicherer Mensch meist ohne Reflektion unterwegs, was Vor- und Nachteile haben kann.

    Wir übersetzen ja nicht erst ins Englische, sondern es wird direkt vom Tibetischen ins Deutsche übersetzt.

    Ich glaube es gibt für Deine Beschreibung auch ein tibetisches Wort. Um sicher zu gehen, müsste ich noch mal nachfragen.

    Ich bin mir jetzt nicht mal sicher, ob der Begriff "Ego" in den "Mahayana-Schriften" vorkommt.

    In den tibetischen Schriften unterscheidet man


    1. Das funktionale Ich

    2. Das Ich, das aufgrund von Verblendung als eigenständiges Selbst wahrgenommen wird


    Für die Westler mit wenig Selbstvertrauen wurde noch ein drittes Ich installiert. das die Tibeter nicht kannten: Das selbstbewusste Ich

    Meine Frau und ich haben mal im Rahmen der DBU Studienprogramme ein Seminar zum Thema

    Tod und Vergänglichkeit aus buddhistischer Sicht mitgemacht. Referenten waren Bhante Nyanabodhi und Lisa Freund.

    Eine Aufgabe bestand darin, das Loslassen von wichtigen Dingen zu üben. Man schrieb 5 wichtige Dinge auf einen Zettel und

    das Los entschied welcher Zettel gezogen wurde. Zum Schluss wurden alle Zettel eingesammelt und es wurde ein

    kleines Feuer im Garten gemachtt wo die Zettel alle in einer kleinen Zeremonie reingeworfen wurden. Ein Zettel widersetzte

    sich jedoch hartnäckig und wurde vom Wind immer wieder zu Bhante Nyanabodhi zurück geweht. Schließlich las er

    mit einem erstaunten Ausruf laut vor was auf dem Zettel stand: Es war das Wort "Geduld", das ich aufgeschrieben hatte.:)

    Was genau ist eigentlich das Problem, wenn jemand glaubt er hätte eine "ewige Seele" oder es gäbe einen "Schöpfergott"? Warum genau ist diesen Menschen der Weg zur Buddhaschaft versperrt? Ich vermute, dieser Glaube blockiert, wie auch immer, die Realisation der Leerheit weil es hinter diesem Glauben die Hoffnung auf Erlösung durch einen Gott gibt, oder?

    Bin mir nicht sicher ob das schon erwähnt wurde: Manche Menschen WOLLEN einfach nicht sterben obwohl sie sterben. Weil die Anhaftung am Leben so groß ist, das sie nicht loslassen können. Wenn man als Buddhist die Übung "nicht mehr anzuhaften" in kleinen Dingen regelmäßig praktiziert, dann fällt es uns eventuell leichter dieses Leben los zu lassen.

    Darf ich Dich fragen, Sherab, ... wer diese Aussage ursprünglich tätigte? Das ist mir so noch nie gesagt wordeṇ. (Gelug-Lehrer)


    Zitat

    Als Zufluchtsobjekt ist eine Sangha nur dann geeignet, wenn die Sangha Mitglieder mindestens Leerheit realisiert haben. Ein kleiner Kreis von Buddhisten wäre in diesem Sinne keine Sangha.

    Mal abgesehen von meiner Lehrerin habe ich leider keine andere Quelle. Muss auch nicht unbedingt Gelugsprache sein.

    Aber sie sagt dass man auch die "Gemeinschaft aller buddhistisch Praktizierenden" als Sangha bezeichnen kann,

    dagegen sei es falsch von "meiner Sanngha" und "Deiner Sangha" zu sprechen,

    Mir wäre das einfach zu eingeschränkt. Ich fühle mich jedem gemeinschaftlich verbunden, der sich auf den Weg macht. In diesem Sinn repräsentiert Buddhaland für mich im Moment am ehesten das, was ich von Sangha erwarte.

    Ich finde, wir sollten nochmal genau über die Bedeutung des Wortes Zuflucht nachdenken.