Posts by Tai

    Sehr treffende Analyse und gut auf den Punkt gebracht, void. Chapeau!

    ... aber ich achte noch zu sehr auf Geräusche.

    Ich weiß ja nicht, nach welcher Methode du meditierst, aber versuch doch einfach mal, während der Meditation auftauchende oder konstant präsente Geräusche zum Anlass zu nehmen, mit deiner Aufmerksamkeit zurückzukehren zu dem, was genau jetzt gerade passiert. Meist sind wir ja sogar während der Meditation mit unseren Gedanken irgendwo anders unterwegs. Geräusche können da sehr hilfreich sein.


    Du kannst auch dein Gewahrsein auf dasjenige richten, das da gerade ein Geräusch hört und so wieder zurück in die eigentliche Meditationspraxis finden.

    Mitgefühl offenbart geistige Schwäche im Gegensatz zu wirklich sinnvollen Tugenden wie Hilfsbereitschaft, Gemeinsamkeit, Grosszügigkeit, Stärke, Treue etc.

    Ohne Mitgefühl und Empathie (die sich gegenseitig bedingen , da ohne Empathie ein Mitgefühl erst gar nicht entsehen kann und Empathie i.a.R. zu Mitgefühl führt) entwickeln sich auch nicht Treue, Hilfsbereitschaft, Gemeinschaft und Großzügigkeit. Mitgefühl spielt zu Recht eine so große Rolle in der buddhistischen Lehre, da das Erwachen zum Einen Geist einem radikalen, geistig-emotionalen Sich-Öffnen entspricht, was mit dem Begriff 'allumfassendes Mitgefühl' (verkörpert durch den Bodhisattva Avalokiteshvara) recht adäquat beschrieben ist.


    Beruflich habe ich immer mehr auch mit dem in den letzten Jahrzehnten signifikant angestiegenen Phänomen von empathieunfähigen Kindern und Jugendlichen zu tun. Die Unfähigkeit, Empathie und Mitgefühl zu entwickeln, ist tatsächlich eine Schwäche (nicht umgekehrt), die das Leben dieser Menschen und ihrer Umgebung nachhaltig schädigt. Empathieunfähige Kinder und Jugendliche ecken ständig an - ohne zu verstehen, warum eigentlich. Sie können ihre eigene Wirkung auf andere nicht einschätzen, soziale Situationen nicht deuten und haben i.a.R. auch keine Freunde. Ihren eigenen Begierden und Wünschen sind sie dagegen relativ schutzlos ausgeliefert, den ohne Empathie und Mitgefühl gibt es (außer der rein intelektuell verstandenen Angst vor Bestrafung oder negativen Konsequenzen) auch nicht viel, was sie dem Diktat der eigenen, egozentrischen Bedürfnisse entgegensetzen könnten. Vor diesem Hintergrund verwundert es auch nicht, dass das Verhalten dieser Menschen andere zurückstößt, dass sie nicht oder nur sehr bedingt klarkommen in Bildungssystemen und beruflichen Tätigkeitsfeldern.


    Die Fähigkeit zu Empathie und Mitgefühl ist keine Schwäche, sondern ein Mittel zur Befreiung (vom Ego).

    Ich shehe es ähnlich wie Hendrik es gibt auf dem recherche Blog von Sebastian Lipp auch einige Intressante Aussagen aus Büchern Nydahls und eine Zusammenfassung seiner Politischen Ansichten.


    "An der Spitze von Nydahls Werteskala steht demnach »der dänische Wikinger, gefolgt von anderen Nord- und Zentraleuropäern, aber dann geht es abwärts bis zur Basis, wo sich die Latinos, Schwarze und Asiaten finden.« Wenn es um Afrikaner und Asiaten gehe, spreche Nydahl »statt von ‚Menschen‘ nur noch von ‚Stämmen‘ oder ‚ihresgleichen’«

    Danke. Da kommt mir fast die Galle hoch wegen solchen Aussagen. Und Trauer. :(


    Geht mir genauso. da bin ich ganz bei dir.


    Wenn ich stattdessen jetzt aber schreiben würde: "mit Afrikanern will ich nicht im selben Raum meditieren, schwarze Menschen entsprechen nicht meinem Geschmack, eine schreckliche Vorstellung, dass bei einem Retreat überwiegend solche Menschen um mich herum wären" - dann wäre das nach meinem (und wahrscheinlich doch wohl auch nach deinem) Verständnis eindeutig rassistisch und diskriminierend. Denn unsere Hautfarbe bzw. die Region, aus der wir oder unsere Vorfahren stammen, sagen nichts aus über unseren Wert und unsere Menschenwürde. Wir können nichts dafür, wo und mit welcher Hautfarbe wir geboren werden und helle Haut ist nicht besser oder schlechter als dunkle. Umgekehrt würde es mich extrem verletzen, wenn ich in einem öffentlichen Forum als dunkelhäutiger Mensch mit afrikanischen Wurzeln solche Sätze lesen müsste wie die, die ich oben in diesem Absatz in Anührungsstriche ("") gesetzt habe. Auch als hellhäutiger Mensch wäre ich da sehr sensibel. Aber für dunkelhäutige Menschen in Deutschland kommt noch hinzu, dass sie i.a.R. Diskriminierungen schon häufig erfahren mussten.


    Ich denke, sehr ähnlich geht es queeren Menschen. Ich kann nichts dafür, wenn ich mich als Mann nicht zu Frauen, sondern zu Männern hingezogen fühle oder als Frau zu Frauen oder zu beiden Geschlechtern. Oder wenn ich zwar in den Körper einer Frau geboren wurde, mich aber eindeutig als Mann fühle oder wenn ich gar keine sexuellen Neigungen verspüre usw. Jeder Mensch sollte das Recht haben, das sein zu dürfen als was er oder sie sich fühlt. Und was das genau ist, kann wirklich nur jeder selbst wissen. Menschen deswegen abzulehnen oder auszugrenzen, finde ich ähnlich schlimm wie sie wegen ihrer Hautfarbe oder ihres Herkunftslandes abzulehnen oder auszugrenzen.


    Ich glaube, dass einige Sätze, die du weiter oben geschrieben hast, für queere Menschen recht verletzend sein können - auch wenn das wahrscheinlich nicht deine Absicht war. Du schreibst ja selbst, dass du noch übst und dass du selber da offener sein solltest. Vielleicht hilft dir mein Vergleich mit der Diskriminierung gegenüber dunkelhäutigen Mitmenschen zu verstehen, was ich meine. Es geht um folgende Passagen:


    Der Autor allerdings scheint mehr für Queere zu sein. Ich finde das auch nicht so reizend, die Vorstellung, dass da nur solche wären in einer Gemeinschaft, bei einem Retreat oder überwiegend nur solche.

    ich bleibe lieber alleine, als wenn ich mich solchen irritierenden Menschen aussetze.

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    Tai

    … denn er fragt genau DAS.

    Eben. Deswegen mein Hinweis.

    Dann ist Baso nicht bei Sinnen …

    Das musst du schon selbst herausfinden, ob er bei Sinnen ist. Dann kannst du auch gleich in Erfahrung bringen, wo der Kerl steckt, was es mit dem in die Nase Kneifen auf sich hat und wann das alles stattfindet.


    Hier gehst du dem Baso auf den Leim (Kursiv-Setzung von mir):

    Zitat

    … erkennen zu können, dass das ganze Leben das Klatschen der einen Hand war.

    Zitat

    Dann hat es sich gelohnt, ganz genau hingehört zu haben.

    Zitat

    Wo war das Klatschen?


    (only my two cents)

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    Wenn jemand fragt: „Wo war das Klatschen?“

    Das würde doch im Koan-Zen niemand bei Sinnen so fragen. Wen interessiert denn, wo das Klatschen war? Da kann doch nur ein Gedanke bei herauskommen und wann findet der genau statt? Pass gut auf, sonst zwickt dich Meister Baso in die Nase (Stichwort: Hyakujo und die Wildente).

    Ist sicher, dass das Cannabis rein war, etwa aus der Apotheke oder legal? Es gibt andere Substanzen ...?

    Der Betroffene im obigen Beispiel berichtet ja, dass es sich um selbstangebautes, also wohl "sauberes" Cannabis gehandelt habe. Man kann hier und da auch noch andere Berichte über Cannabis als Auslöser einer HPPD finden. Und da Betroffene HPPD als eine Art Hölle beschreiben, ist es durchaus angemessen, davor zu warnen wie Henna01 es weiter oben getan hat.


    Man muss allerdings fairer Weise auch sagen, dass HPPD eine sehr seltene Erkrankung ist und dass unter den bekannten Fällen Cannabis gegenüber Halluzinogenen wie LSD, Psilocybin, synthetischen Cannaboiden oder Ecstasy nochmal deutlich seltener als Auslöser auftritt - vor allem, wenn man dem dann gegenüberstellt, wie häufig Cannabis weltweit konsumiert wird. Trotzdem gibt es vereinzelte Fälle und es macht Sinn, davor zu warnen.


    Womit ich nicht mehr mitgehe, ist, daraus eine Verbotsforderung für Cannabis abzuleiten. Das erscheint mir als unverhältnismäßig. Mit derselben Logik könnte man auch das Verbot von Erdnüssen forden - tödlich für manche Nussallergiker - und überhaupt Nüsse. Auch histaminhaltige und alle glutenhaltige Lebensmittel wie Getreide, natürlich auch Milch und sämtliche Medikamente, bei denen es jemals zu unerwünschten Nebenwirkungen gekommen ist usw. usf.

    Deswegen empfiehlt Zen, vom Bewerten und Beurteilen abzulassen, um wieder in diesen Zustand des Erwachens zurückzufinden


    Ich würde eher sagen, dass Zen gar nichts empfiehlt, außer Zazen zu üben, und für Dich selbst herauszufinden, wie dieser oder jener Zustand sich anfühlt.

    Ich beziehe mich hier u.a. auf die Lehre von Meister Huang Po, der wohl als seriöser Vertreter der Zen-Lehre gelten dürfte. (Da wir im Anfängerbereich schreiben hier für alle, die im Zen nicht so zu Hause sind zur Einordnung: Huang Po ist der Lehrer des Meisters Lin-Chi's, auf Japanisch Rinzai, auf den sich die Rinzai-Schule zurückführt.)


    Quote

    Sie (die Fühlenden Wesen) wissen nicht, dass sie in genau dem Augenblick, in dem sie ihr begriffliches Denken aufgeben, zum Einen Geist erwachen, der Buddha ist und alle Lebewesen.


    Huang Po, Geist des Zen, Kap.1

    Quote

    Unvergleichlich ist, wer das begriffliche Denken aufgibt. Warum? Weil er keine Begriffe mehr formt.


    Huang Po, Geist des Zen, Kap.4

    Quote

    Dieser Geist ist nicht an begriffliches Denken gebunden. So unterscheiden sich Buddhas und Lebewesen in keiner Weise. Könntet ihr euch nur vom begrifflichen Denken befreien, so hättet ihr alles erreicht.


    Huang Po, Geist des Zen, Kap.6

    Ich setzte voraus, dass Bewerten und Beurteilen als Ausdruck des begrifflichen Denkens verstanden wird und deute Huang Po's Worte als klare Empfehlung.


    Sich zu bemühen, irgendwie wertungsfrei durch die Welt zu schweben, wäre ja hoffnungslos

    Genau um einer solchen Fehlinterpretation entgegenzutreten, habe ich das ja so ausführlich zu erklären versucht. Solltest du Huang Po's Worte oder meine Beiträge #2 und #18 als Plädoyer für ein "irgendwie wertungsfrei durch die Welt zu schweben" verstanden haben, würde mich das etwas ratlos zurücklassen. Zur Erinnerung, ich schrieb u.a.:


    Es ist für uns alle absolut (über)lebenswichtig, Situationen, Menschen und Sachverhalte angemessen einschätzen und in diesem Sinne 'beurteilen' zu können. Auch unsere Fähigkeit, etwas zu beurteilen ist Ausdruck unserer ursprünglichen Natur und keineswegs etwas Schlechtes, das man ablehnen sollte.


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    Weil wie Monika schrieb es Energie kostet oder wie mir die KI sagte mehr Gelassenheit bringt?

    Das sind natürlich auch sehr hilfreiche Nebeneffekte. Der Hauptgrund ist nach meinem Verständnis, dass das konsequente Ablassen von Bewertungen und Beurteilungen unmittelbar zur Erleuchtung führt.


    Im Zen heißt es, dass du zur wahren Natur erwachst (also Erleuchtung verwirklichst), sobald du radikal und in voller Konsequenz dein begriffliches Denken aufgibst. Damit ist jetzt aber nicht gemeint, prinzipiell das Denken aufzugeben und dann nie wieder einen Gedanken zu fassen. Gemeint ist, genau jetzt das Denken und Bewerten und Beurteilen loszulassen. Denn unser zwanghaftes Denken-Müssen in jedem Moment und die dabei entstehenden Bewertungen und Beurteilungen führen zu Vorlieben und Abneigungen. Durch diese Vorlieben und Abneigungen haften wir an Dingen und Formen und Vorstellungen an. Dabei ensteht die Trennung zwischen uns und der Welt, es entsehen Gier, Hass, Angst und Verblendungen, also vielfältiges Leiden.


    In einem solchen Zustand sind wir nicht mehr in der Lage, unsere ursprüngliche, allumfassende Natur zu schauen, also Erleuchtung zu verwirklichen. Deswegen empfiehlt Zen, vom Bewerten und Beurteilen abzulassen, um wieder in diesen Zustand des Erwachens zurückzufinden, der frei ist von Form oder Leerheit (siehe hierzu z.B. das Herzsutra oder auch das Diamant-Sutra).


    Weil es für uns Menschen nicht leicht ist, dieses große Erwachen zu verwirklichen, hat uns der Buddha mit seiner Lehre viele gute Hilfestellungen gegeben. Das Heilsame zu tun und das Unheilsame zu unterlassen, kann uns dabei helfen, diesen Weg des Buddha zu gehen. Im Moment des Erwachens muss aber alles Heilsame und alles Unheilsame losgelassen werden - sonst gibt es kein Erwachen. Denn am Heilsamen und Unheilsamen hängen letztlich wieder die Vorlieben und Abneigungen, das Haften an Formen und das Entstehen der 3 Geistesgifte (Gier, Hass, Verblendung).


    Ein vollkommen erwachter Mensch sollte idealer Weise in der Lage sein, jedem Moment und seinen Herausforderungen gerecht zu werden. Wenn er dazu etwas beurteilen muss, dann tut er dies ohne Eigennutz oder Vorlieben oder Anhaftungen, sondern nur, um das zu tun, was die Situation gerade erfordert. Die Praxis eines erwachten Menschen besteht darin, seine wahre Natur zu schauen, selbst dann, wenn er etwas beurteilen muss. Nur im Gewahrsein der ureigensten, allumfassenden Natur, also des Unbedingten, in dem sich Form und Leerheit nicht unterscheiden, ist es überhaupt möglich, etwas zu beurteilen ohne zugleich einer Anhaftung auf den Leim zu gehen. Im Diamant-Sutra (Kapitel 7) wird das so ausgedrückt:


    Quote
    Weil alle Weisen Unterscheidungen auf der Grundlage des Unbedingten (asaṃskrta) treffen.

    Und genau da löst sich der 'krasse Widerspruch', wie du es erstmal zurecht genannt hast, auf. Schließlich ist auch unser begriffliches Denken Ausdruck unserer ursprünglichen Natur.


    Vereinfacht auf den Punkt gebrachts: Wann immer nötig, beurteile die Dinge ruhig, um das Heilsame zu tun und das Unheilsame zu vermeiden, Doch wann immer du Zen praktizierst, lass alles Bewerten und Beurteilen und alles Heilsame und Unheilsame los, um deine wahre Natur zu schauen.


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    Das Buddha zwischen heilsamen Handlungen und unheilsamen unterschieden hat ist ein Teil dessen was ich weiß, es steht aber in krassem Widerspruch dessen was ich fragte bzw. dass man nicht urteilen soll bzw. bewerten

    Das stimmt erstmal.


    Um diesen Widerspruch aufzulösen, musst du verstehen, warum überhaupt empfohlen wird, dass man nicht urteilen und bewerten soll. Was glaubst du, warum das so empfohlen wird?

    Nach meinem Verständnis ist da ein klarer Unterschied:


    Achtsames Gehen bedeutet für mich, achsam zu sein während man geht, ebenso wie man auch achtsam essen oder achtsam arbeiten kann. Also du bleibst dessen gewahr, was da gerade genau passiert. Du bist ganz im Gehen ohne mit den Gedaken abzuschweifen. Das kann z.B. auch während eines Spaziergangs sein, wo du gleichzeitig in der Lage bist, die gerade nötigen Entscheidungen zu treffen, etwa: Ich gehe jetzt lieber hier lang, ich warte lieber erst den Fahraradfahrer ab, bevor ich die Straße überquere etc.


    Meditation im Gehen bzw. Gehmeditation dagegen ist eine ganz konkrete Methode zum Erwachen. Ähnlich wie Zazen folgen Gehmeditation oder Kinhin einer ganz bestimmtem Form (man spricht auch von formellem Gehen). Das heißt, man geht auf eine ganz bestimmte Art, in einem festgelegten Tempo eine festgelegte Runde (meist in der Gruppe) manchmal noch verbunden mit einer bestimmten Art der Atmung etc. Unterschiedliche Schulen pflegen da unterschiedliche Formen, wobei ich nicht sagen würde, dass die eine besser oder geeigneter wäre als die andere. Wichtig ist nur, dass es diese festgelegten Formen gibt, denn dann brauchst du während der Gehmeditation nichts mehr zu entscheiden, was sehr befreiend sein kann. Du folgst einfach der Form und kannst dich währenddessen ganz und gar auf deine Meditationspraxis einlassen. In meinem Fall wäre das die Ausrichtung auf die Koanfrage "Was ist dies?"

    Sorry, wieder eine Frage, die nur anders ist, aber ich kann ja nicht zu jeder Frage, die mir wichtig ist ein neues Thema aufmachen, aber die Frage wäre mir sehr wichtig ...

    Eine sehr bedeutungsvolle Frage, die, wie ich finde, einen eigenen Thread verdient ( Hendrik).


    ... ich habe gehört, man soll nicht beurteilen oder bewerten, aber das geht bei den meisten Menschen nicht. Als Lösung wurde gesagt, man soll die Beurteilung bzw. Bewertung, die automatisch geschieht keine Bedeutung geben. Auch hier frage ich mich, wie soll das in der Praxis aussehen? Und was ist das Endresultat dieser Vorgangsweise? Mehr Gelassenheit im Idealfall?

    Es ist für uns alle absolut (über)lebenswichtig, Situationen, Menschen und Sachverhalte angemessen einschätzen und in diesem Sinne 'beurteilen' zu können. Auch unsere Fähigkeit, etwas zu beurteilen ist Ausdruck unserer ursprünglichen Natur und keineswegs etwas Schlechtes, das man ablehnen sollte.


    Allerdings ist der Buddhismus eine Lehre des Erwachens (eine Erleuchtungslehre). Im Zen-Buddhismus heißt es, dass dieses Erwachen in genau dem Augenblick eintritt, in dem alles Denken und Beurteilen losgelassen ist. Das heißt, wenn du dich auf die Zen-Praxis einlässt, also immer in dem Moment, solltest du schon versuchen, (z.B. mit Hilfe der Koanpraxis oder anderer Methoden) vom begrifflichen Denken inklusive dem Beurteilen und Bewerten abzulassen. Das ist ein direkter Weg in das Erleben und Erfahren desjenigen, das du selber ursprünglich und unmittelbar bist. Mit 'unmittelbar' meine ich, genau jetzt so wie es ist und nicht die gedankliche Vorstellung von was auch immer. Diesen Zustand der unmittelbaren Wahrheit auszuhalten ohne sich gleich wieder in gedankliche Vorstellungen zu flüchten, ist für uns alle sehr herausfordernd. Es erfordert all unsere Kraft, all unseren Mut und all unsere Entschlossenheit, führt aber auch direkt ins Erwachen.


    Das heißt aber nicht, dass wir, wann immer es nötig ist, etwas einzuschätzen oder zu beurteilen, dies nicht auch tun sollten. Einschätzungen helfen uns dabei, uns im Leben zu orientieren. Meist wissen wir allerdings intuitiv schon recht schnell, was für uns wichtig und richtig ist. Dann geht es darum, entsprechend zu handeln, statt in endlosen Überlegungen weiter nachzugrübeln.


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    Es macht für die meisten Leute einfach keinen Sinn, Cannabis über eine Apotheke zu beziehen. Ausgenommen davon sind natürlich Menschen, den das soziale Netzwerk fehlt, um Cannabis mit einem guten Standard zu beschaffen.

    Stimmt sicher, aber gerade der "gute Standart", also eine gewisse spürbare Wirkung wird eben leider häufig auch über die zugesetzten gefährlichen synthetischen Canaboide erzielt. Nur Dealer mit Stammkunden haben i.d.R. überhaupt ein Interesse an solchen Wirkungsstandarts, da sie ihre Kunden halten bzw. neue Stammkunden hinzugewinnen wollen. Die Gewinnmarge wird gesteigert, indem man einerseits das Produkt massiv streckt und gleichzeitig den Qualitätsverlust mit synthetischen Canaboiden (über-)kompensiert. Die Dealer machen große Gewinne und die Kunden sind zufrieden mit ihrem "guten Standart". Der ehemalige Dealer Banks berichtet im Podcast Grasland z.B. davon, dass seinen Kunden sauberes, also nicht mit synthetischen Canaboiden besprühtes Cannabis einfach nicht wertig genug erschien. Ihnen war dabei natürlich nicht bewusst, woher die "Wertigkeit" kam; soetwas wird von den Enddealern selbstverständlich nicht kommuniziert - sofern diese das überhaupt selber wissen.


    Das "Straßen-Cannabis", das jeder leicht an einschlägigen Orten etwa in Berlin oder anderen Großstädten erwerben kann, ist dagegen teilweise auch einfach nur gestreckt ohne mit synthetischen Cannaboiden "aufgewertet" worden zu sein. Hier geht es für die Dealer i.d.R. um Laufkundschaft, da spielt der Standart keine besonders große Rolle. Schließlich sind auch synthetische Cannaboide ein Kostenfaktor - wenn auch ein geringer.


    Dass Herr Lauterbach den Schwarzmarkt austrocknen will, halte ich angesichts der extremen gesundheitlichen Gefahren besonders

    von Streckmitteln wie Klebstoff, Blei, Glassplittern, Sand, Flüssigplastik, Haarspray oder Dünger, aber auch von synthetischen Cannaboiden für ausgesprochen sinnvoll. Ich kann mir aber nicht vorstellen, wie die beschlossenen Maßnahmen das bewirken sollen. Schließlich wird es ja auch nach der Legalisierung nicht möglich sein, Cannabis irgendwo in Deutschland legal zu kaufen (außer auf Rezept wie schon jetzt). Und selbst Cannabis anzubauen oder in einen der mit limitierter Mitgliederzahl Cannabis anbauenden Clubs einzutreten, halte ich schon für eine hohe Hürde.

    Bei der Legalisierungsdiskussion geht es um das Rausch-Mittel Cannabis, das einen zig-fach höheren THC-Anteil hat als die Hanfpflanze vor 20 ... Jahren

    Dass Cannabis heute meist stärker ist als früher, wurde hier ja schon mehrfach thematisiert. Aber von einem "zig-fach" höheren THC-Anteil zu sprechen, scheint mir doch ein wenig überdramatisiert. Eine aktuelle Untersuchung, die den THC-Gehalt von Marihuana in Deutschland innerhalb des Zeitraums von 2008 - 2021 betrachtet, spricht von einem "leichten Anstieg" der letzten Jahre:


    Quote
    War etwa bei Blüten im Jahr 2008 noch ein THC-Gehalt von rund zehn Prozent im Durchschnitt üblich, lag der Wirkstoffgehalt der Droge im Jahr 2021 dagegen bei rund 14 Prozent.

    https://de.statista.com/statis…marihuana-in-deutschland/

    Ich vermute, du meinst es nicht so, aber hier von einer "zigfachen" (also mindestens 20-zigfachen oder noch größeren) Erhöhung zu reden, klingt leider ein bisschen nach Dämonisierung dieser Pflanze - die in den vergangenen 100 Jahren schon so häufig und oft wider besseren Wissens demonisiert wurde.


    Eine Steigerung von 10% auf 14% innerhalb von 15 Jahren ist ja auch schon nicht ganz unerheblich. Und wenn du noch weitere 10 Jahre zurückgehst, kommst du sicher auf noch höhere Steigerungsraten (wenn auch sicher nicht auf zigfache). Die entscheidende Steigerung des heute verbreiteten Cannabis kommt aber nach meinem Wissensstand nur bedingt durch höhere THC-Werte als viel mehr durch die zusätzlich aufgesprühten synthetischen Cannaboide zustande. Wir reden hier über eine Vielzahl von Stoffen, die noch kaum erforscht, aber leider weit verbreitet sind, ohne dass die Nutzer i.d.R. überhaupt wissen, dass dem gekauften Cannabis etwas zugefügt wurde. Pauschal lässt sich wohl zumindest festhalten, dass die meisten synthetischen Cannaboide um ein Vielfaches stärker wirken als THC, wenn auch meist nur für etwa 30 Minuten, dass sie (im Gegensatz zu THC) auch körperlich abhängig machen können und als teils sehr gesundheitsschädlich eingestuft werden.


    Eine Cannabis-Legalisierung würde den Zugang zu nichtgestrecktem Cannabis dagegen erleichtern. Neben synthetischen Cannboiden wären da vor allem noch Klebstoffe, Blei, Glassplitter, Sand, Flüssigplastik, Hormone, Haarspray und Phosphor/Kaliumdünger als Streckmittel zur Gewichtserhöhung/Ertragssteigerung der gedealten Ware zu nennen (Quelle: Deutscher Hanfverband).

    Tai und Bebop : ich experimentiere auf Empfehlung meines Hausarztes seit ca. einem halben Jahr mit Metoprololtartrat, Handelsname Metoprolol (u.a. AbZ-Pharma). 25mg (1/2 Tablette) täglich. Ein Betablocker, aber Migräne ist auch offizielle Indikation (also kein off-label-use). Mein Eindruck ist, dass es Frequenz und Intensität der Schmerzattacken merklich senkt. Gegenindikation ist im wesentlichen Hypotonie (Betablocker halt ...). Mein Verbrauch an Naratriptan ist in diesen Wochen deutlich (ca. um ein Viertel) gesunken. Nicht die Lösung, bringt aber etwas Erleichterung.

    Freut mich, dass es ein bisschen hilft. Metroprolol hatte mir vor über 20 Jahren mal eine Ärztin verschrieben. Ich kam leider nicht wirklich dazu, die Wirkung längerfristig zu testen, da die besagte Ärztin mir gleichzeitig dafür das damals noch rezeptpflichtige Naratriptan nicht mehr verschreiben wollte. Meine neue Ärztin war dann wieder vom Metoprolol nicht begeistert, setzte stattdessen auf Akupunktur (was mir überhaupt nicht geholfen hat) hat mir aber auch das sehr gut wirkende Maxalt verschrieben.


    Danke für den Hinweis. Eine Reduzierung des Triptanverbrauchs kann ja manchmal den Unterschied machen bezogen auf MÜK bzw. MIKS.

    Ich muss wohl in einigen Situation im Leben akzeptieren, dass es mit Gelassenheit nicht geht und einige Menschen nur eine sehr aktive Kommunikation verstehen. Heißt von einer passiven Rolle in eine deutlich aktivere Rolle zu gehen.

    Da hast du sicher recht.


    Für mich persönlich verstehe ich Gelassenheit nicht als Gegensatz zu aktivem Einschreiten. Gerade in der aktiven Rolle ist Gelassenheit für mich umso wichtiger. Gelassenheit bedeutet vielleicht auch, frei handeln zu können: Wo es angebracht erscheint, einzuschreiten oder sich zurückzuhalten, je nachdem.

    Quote

    Habe ich auch mal versucht mit der selben Absicht, bin aber schnell wieder davon abgekommen.

    Hallo Tai, kommst du vlt. aus dem medizinischen Bereich? Was hatte das Tryptophan denn bei dir bewirkt? Ich denke manchmal, dass unser bei Migräne gestörter Serotonin-Haushalt möglicherweise sogar von zu vielen Glückshormonen (infolge Zen-Praxis) durcheinandergebracht wird.

    Kann das wohl sein?

    Nein, ich hatte mich nur mal damit befasst als mögliche Prophylaxe gegen meine Migräneanfälle. Zuerst habe ich Tryptophan genommen, bin dann aber - da Tryptophan wohl mit anderen Aminosäuren konkuriert und die Wirkung daher häufig verpufft - zu 5-HTP und später zu Melatonin übergegangen. Morgens genommen (5-HTP) hat es sich gefühlt, wenn überhaupt, eher negativ auf die Migränehäufigkeit ausgewirkt. Abends eingenommen, hat es mich tatsächlich müde gemacht und spürbar tiefer schlafen lassen; das schien mir aber auch ein starker Eingriff in meinen Serotonin/Melatonin-Haushalt zu sein, der sich auf Dauer nicht gut angefühlt hat, da ich ohne Melatonin dann kaum noch tiefer schlafen konnte. Mag sein, dass die Migräneanfälle etwas seltener auftraten - signifikant anders war es aber nicht.


    Heute hat sich die Situation für mich tatsächlich ein Stück verbessert durch ein Bündel von Maßnahmen, die ich (falls es jemandem hilft) hier mal aufzähle:


    1. Abends 2-3 Stunden vorm Schlafebgehen immer noch komplexe Kohlehydrate zu mir nehmen z.B. Dinkelvollkornbrot, Hafermüsli etc. Dadurch beugt man relativ effektiv den Migräneanfällen vor, die bei Migränikern häufig nachts wegen Unterversorgung des Gehirns entstehen - wird von Ernährungswissenschaftlern für Migräniker heute so empfohlen und funktioniert bei mir auch ganz gut.


    2. Histaminhaltige Lebensmittel und Migräne-Trigger meiden, bei mir vor allem: Glutamate (E620-E625), Aspartam, Rotwein, dunkle Schokolade, Ananas, reife Bananen, Himbeeren.


    3. Extreme sportliche (Über-)Anstrengung meiden, was mir manchmal schwer fällt. Währenddessen und danach geht es mir meistens gut, aber am nächsten Tag folgt darauf fast immer eine Migräne. Die Menge der sportlichen Anstrengung, die ich noch gut vertrage, hängt dabei natürlich von der eigenen momentanen Fitness ab.


    4. Stress vermeiden bzw. die Ausschüttung von Stresshormonen (Noradrenalin, Adrenalin und Cortisol) vermeiden (bei der Arbeit nicht immer leicht - aber da hilft ja tatsächlich Zen).


    5. Allzu unregelmäßiges Schlafen (und Essen) vermeiden - klappt bei mir nicht immer so gut. Bei Sesshins habe ich bisher häufig mit Migräne Probleme gehabt, vermutlich wegen der Überanstrengung, des Schlafmangels und/oder des Essens (siehe Punkt 1 und 2).

    Ich hatte es mal zur Migräneprophylaxe versucht, brachte aber nichts.


    Habe ich auch mal versucht mit der selben Absicht, bin aber schnell wieder davon abgekommen.


    Soll stimmungsaufhellend wirken ... Schlaffördernd soll es auch sein, davon bemerkte ich jedoch auch nichts.

    Als Vorstufe von Serotonin, aber auch von Melatonin wirkt 5-HTP entweder stimmungsaufhellend (wenn man es morgens oder tagsüber einnimmt - weil unter dem Einfluss von Tageslicht daraus eher Serotonin gebildet wird) oder aber schlaffördernd (wenn man es abends oder nachts einnimmt - weil dann daraus eher Melatonin gebildet wird). Zur Migräneprophylaxe eignet sich wohl eher Melatonin, welches man aber auch direkt kaufen kann - 5-HTP ist in Deutschland allerdings auch erhältlich.

    Ich bin der klassische extrovertierte Introvertierte. Ich liebe den Kontakt mit Menschen, aber ich brauche dann gezielt Zeiten für mich alleine, um meine sozialen Batterien wieder aufzuladen. Wenn ich das ignoriere, bekomme ich ziemlich schlechte Laune...

    Geht mir ähnlich. Allerdings entspricht, was du beschreibst, meines Wissens per Definition eher dem klassisischen Introvertierten: Introvertierte Menschen lieben den Kontakt zu Menschen generell ebenso wie extravertierte - nur brauchen sie anschließend mehr Zeit und Rückzug für die Regeneration. :)