Beiträge von IkkyuSan

    Mit dem Wort "vage" bezog ich mich auf die Formulierungen wie "perfekte Lehre" oder auch jetzt "die Lehre Buddhas", oder am Anfang "die Lehre Buddhas, wie sie IST".


    Das sind alles Synonyme.





    Ja.




    Und ich mein eben, es sind alles von Menschen gemachte Wege, die zur Nondualität führen sollen, und wohl auch können.


    Ich denke nicht, dass viele Wege zur Nondualität führen, oder führen sollen. Der Buddhismus gehört schon mal nicht dazu.




    Auf verschiedene Weisen, die erstmal alle respektiert werden sollten - solang, bis man konkrete Einwände hat. Und die kann man dann auch konkret diskutieren.Verstehst du, was ich damit meine?


    Ja sicher, aber hier wurde es ja bisher noch nicht so konkret. Wenn es konkret werden soll, dann müssten wir einzelne Punkte untersuchen. Wir können ja einfach mal damit anfangen:


    Inwiefern ist der Buddhismus für dich ein Weg, der zur Nondualität führen soll?

    Ich kann mit Vorstllen, dass gerade für Führungskräfte Selbstliebe sehr wichtig ist.

    Ohne Frage, ja. Aber warum zum Teufel das ganze dann unter "Zen Buddhismus" laufen lassen?




    Dass wir nicht mehr auf einen Nenner kommen, ist wohl klar, und das darf ja auch mal sein.


    Das ist völlig in Ordnung, ja.




    Ich tu mir halt schwer mit manchen der Aussagen, weil ich den Eindruck hab, dass da in starken, deutlich abwertenden Worten kritisiert wird, und dass das Gegenstück der sehr vage bleibt.


    Wieso denn? Das Gegenstück ist die Lehre Buddhas, die alles andere als vage ist.


    Mit "abwertenden Worten" hab ich persönlich kein Problem, auch wenn das vielleicht arrogant rüberkommt. Ich bin gewiss kein "Dharma Keeper" und auch kein Meister. Doch die Lehre Buddhas hat eben einen bestimmten Wert - und wenn ich Verfälschungen diesen selben Wert nicht zuschreibe - was ich ja tue - nun, dann bin ich eben "abwertend".




    Insbesondere, da du ja anscheinend dich auch dem Zen verbunden fühlst, wo ja eine gewisse Skepsis bezüglich Überlieferungen und Konzepten nicht ganz unüblich ist.


    Skepsis ist natürlich wertvoll und da wird auch viel Wert darauf gelegt. Das soll aber nicht heißen, dass man die Buddha Lehre komplett als vage Überlieferung ansieht. Zuerst einmal ist ja das Vertrauen in die Lehre entscheidend, dann die persönliche Anwendung und dann kann man seine Skepsis ansetzen - wie beschreibt es Buddha und wie nehme ich es wahr? Deckt sich die Erfahrung Buddhas mit meiner Erfahrung? Hab ich etwas übersehen? In dieser Art verstehe ich Skepsis. Aber natürlich gibt es innerhalb des Zen, Meister, die das überzogen haben.



    Es ist halt einfach auch ein, aus meiner Sicht, stärker religiös geprägter Ansatz, als ich ihn z.B. hab.


    Schau mal, das hat doch mit "Religion" nichts zu tun. Wenn ich die Lehre Buddhas kennenlerne UND sie anwende und praktiziere UND schließlich feststelle, dass sie korrekt ist - dann folgt daraus ein 100% Glaube. Dieser Glaube ist aber kein religiöser Vorschuss, sondern ein nachträglicher. Ich glaube ja auch daran, dass ein Glas Wasser meinen Durst lindert - eben weil ich es erfahren habe. Wenn dann aber jemand hingeht und sagt, ein Glas Wasser wäre aber auch gut, um seine Festplatte zu formatieren, dann hat das mit dem Ursprung nichts mehr zu tun.



    Aber wenn halt jemand hergeht und sagt, was ihr da macht, wie ihr das macht, ist degeneriert und schlecht, dann stellt sich die Frage - wie macht man's besser, wer macht's besser? Naja - sei's drum.


    Ganz einfach:


    Wie macht man es besser?


    Indem man sich an die Lehre Buddhas hält.


    Wer machts besser?


    Man selbst machts besser, indem man in seiner Praxis ehrlich bleibt und verworrenes und illusionäres Zeug wegwirft, auch wenn es schmerzt und man es lieber anders haben möchte.

    Als Veranschaulichungsvideo hab ich dieses hier zufällig gerade gefunden und ich muss es hier teilen, weil es exakt das visuell umsetzt, was ich meine:


    Zen und die Kraft der Selbstliebe


    Hier geht es also darum, ein starkes Selbst aufzubauen (!), damit man mehr mit sich und der Welt in Einklang kommt, Freude und Liebe spürt, und dann letztlich nur noch Licht und Liebe wird (!).


    Was hier klingt wie ein spirituelles 08/15 Seminarangebot, wird hier als Buddhismus verkauft, mit einer wirklich sehr gut dargestellten Lehrerrolle. Der Typ ist sympathisch, benutzt geheime Mantras und redet voller Überzeugung und macht seine Spässchen.


    Der Max und die Hilde kommen dann nach so einem Vortrag heim und finden den Buddhismus wirklich knorcke und machen sich jetzt fleißig ans Werk, ein starkes Selbst aufzubauen dass sich letztlich dann in Liebe verwandelt. Und das steckt wiederum andere an, die finden das auch ganz toll und so macht das dann über die Jahrzehnte die Runde...und irgendwann weiß keiner mehr, worum es überhaupt im Buddhismus geht, da durch diese Verwässerungen Inhalte durch Phrasen ausgetauscht wurden.


    Und dann der Witz: "Treffen sich 2 Buddhisten..."


    Buddha redet von Nicht-Selbst, diese Buddhisten wollen ein Selbst aufbauen. Buddha redet davon, Vorstellungen abzubauen, diese Buddhisten fördern Sie. Buddha verwarf metaphysische Systeme, diese Buddhisten entwerfen welche. Und dann noch als völlige Karrikatur, dies dann "Zen" zu nennen...aber da Sprach ja auch ein Zen Meister!


    Dann lieber keinen Meister und mit der Mönchsrobe ins Bordell.

    Man kann immer nur Menschen manipulieren. Das Universum interessiert es nicht, was jemand denkt.


    Menschen die prahlen mit "Secret Erfahrungen" und "Bestellungen beim Universum" waren immer schon vorher gut betucht, bzw. hatten eine gute Stellung usw. Konkrete Beweise kann keiner von denen liefern. "Parkplatzbestellungen" und weitere Kniffe sind erfahrbar, ja, Synchronizitäten und Deja Vu´s auch, ja, aber das sind allesamt Täuschungen unseres eigenen Verstandes.


    Energie folgt der Aufmerksamkeit - ein Spruch, den diese Leute vollkommen falsch verstehen.

    Da finde ich mittlerweile bestimmtes, direkt erlebbares Verhalten einiger Lehrer, was von den Massen mitbekommen wird schlimmer. Um auf deine Frage einzugehen: Ja warum liest man in bestimmten (nicht nur "buddhistischen") Lehr- oder "Wissens"- Büchern richtiggehenden Unfug?


    Es ist da auch die Möglichkeit, Geld zu verdienen und nicht zuletzt spielen gerade im Fall "Tibet" politische Interessen eine grössere Rolle. Wie sonst kann man es erklären, dass gerade lehrende Menschen aus Tibet, von denen einige ja ganz offensichtlich Nibbana nicht erreicht haben, so überrepräsentiert im Westen sind?


    Ja, volle Zustimmung meinerseits.




    Ja eben. Es geht um das, was gelehrt werden soll. Und wenn die Anpassung so stark ist, dass anatta zB (dein Beispiel) ausgeklammert wird, dann ist das in meinen Augen keine Anpassung mehr. Es ist dann eine andere Lehre.


    So ist es. Nimmt man die Grundpfeiler weg, entsteht ein neuer Bau.




    Buddhistische Lehren zu verstehen, hat automatisch zur Folge, dass sich da Motivationen ändern. Ich glaube, dass da viele Lehrer und auch Bücherschreiber sind, die Nibbana nicht erreicht, NichtWissen nicht überwunden haben. Es aber selber glauben. Es gibt nämlich kein "EgoDilemma", wenn Ich-Illusion überwunden wurde.


    Nun, ich denke auch das dies zutrifft, nur sehe ich das ganze auch ein wenig realistisch: Man muss nicht "vollkommen befreit" sein um Bücher zu schreiben oder zu lehren. Denn dann gäbe es wohl nicht viele Bücher und nur eine Handvoll Lehrer, wenn überhaupt. Charaktereigenschaften laufen oftmals weiter, ohne dass man da großartig was daran drehen kann, etwa ein zorniges Naturell wird wahrscheinlich niemals vollkommen friedfertig dahinleben. Aber darum geht es ja gar nicht, sondern um den Abstand, das erkennen, in was man sich wiedermal verstrickt, wenn Gefühl/Tat XY auftritt und man es bewusst bemerkt und sich anschaut.

    Fakt ist, dass die buddhistische Philosophie, so wie sie IST, im Westen nicht gut ankommen würde - darum muss man sie verwässern und verfälschen

    Mir klingt es so, als gingest du von einer reinen, unangreifbaren Lehre aus, die irgendwo in Asien existiert. Du sagst "perfekt". Und die dann denaturiert, "verwässert" wird. In meiner Sicht eine nicht unproblematische Idealisierung. Gelebter Buddhismus ist doch immer ein Kontinuum aus Theorie, Anpassungen an die regionale Kultur und Schwerpunktsetzungen durch einzelne Schulen, Zentren, Lehrer. Mal mit mehr Erfol, mal mit weniger.


    Wie "IST" denn die buddh. "Philosophie"? Worauf beziehst du dich?


    Hallo Grashuepfer,


    meine Vorredner haben schon die wichtigsten Punkte genannt: Dukkha und Anatta.


    Das sind für mich die absoluten Säulen, auf denen die buddh. Philosophie ruht inkl. den Weg, der aus Dukkha führt. Die ursprüngliche Lehre aus Asien beinhaltet diese Themen in einem sehr großen Maße.


    "Perfekt" ist keine Idealisierung meiner Seite, sondern der 100% Glaube und das Vertrauen in die überlieferte Lehre. Diese Lehre ändert sich im Kern NICHT - daher:


    Zitat

    Gelebter Buddhismus ist doch immer ein Kontinuum aus Theorie, Anpassungen an die regionale Kultur und Schwerpunktsetzungen durch einzelne Schulen, Zentren, Lehrer


    Kann ich dem nicht zustimmen. Das dies aber heute überall gemacht wird und als "normal" empfunden wird, ist eben auch Teil meiner Kritik. Sicherlich lebt jedes Individuum die buddh. Lehre anders aus, das ist keine Frage. Keine zwei Menschen gehen den gleichen Weg. Aber ich halte es einfach für nicht förderlich, die Lehre zu verwässern, indem man z.B. den westlichen Glaubensstandart a la "Streben nach Glück" in die Lehre irgendwie hineinschiebt, um sie dem Publikum schmackhaft zu machen. Wenn man von "Glück" reden möchte, dann ist das buddh. Glück nicht das Glück, welches wir im Westen meinen (Hochgefühle, Freude usw.) sondern es ist eher mit Ruhe verbunden, Abstand zu den samsarischen Ketten.

    Sobald ich dieses Mindset erreicht habe häufen sich aber die Zufälle.


    Das mit dem "Mindset" ist eine gefährliche Sache. Da du dieses Wort benutzt, gehe ich davon aus, dass du darüber gelesen hast. Doch solche Mindsets haben keine Macht, sie verzerren nur die Realität, weil du sie eben anders wahrnimmst (durch das entsprechende Mindset gefärbt). Subtil kann so etwas zu Allmachtsphantasien führen. Die Lehrerin war eben nicht wegen dir und deinem Mindset krank, sondern sie war krank - Punkt. Den Rest reimst du dir dann eben aufgrund des Mindsets zusammen.

    Das ist kein Fakt. Maximal ist Fakt, dass man so denken könnte, dass sowas "Fakt" wäre.


    Dann stellt sich jedoch die Frage, warum man so viel abwegiges in buddh. Büchern liest, was mit der ursprünglichen Lehre nichts zu tun hat?




    wieviel Entstellung/Verwässerung einer Lehre muss man denn in Kauf nehmen, um den ganzen Planeten zu bekehren?


    Für mich persönlich - gar keine Verwässerung. Warum sollte man eine in sich perfekte Lehre verwässern?



    Andere Fragen: wieviel "Verwässerung" muss man betreiben, damit alle Menschen etwas verstehen? Ist Verstehen durch verwässerten Wahrheitsgehalt möglich?


    Man kann sicherlich die Verständnisebenen anpassen, bzw. die Lehren so weit vereinfachen, dass es jeder versteht. Das sogenannte "Bauernzen" hat so was gemacht. Doch das würde ich nicht "verwässern" nennen, sondern "vereinfachen", was auch völlig in Ordnung ist, wenn man die wichtigen Dinge nicht auslässt. Ich muss ja z.B kein eingefleischter Kenner der Madhyamaka Philosophie sein, um der Lehre Buddhas zu folgen bzw. sie zu verinnerlichen.


    Doch stellt sich dabei ja ein weiteres Problem: Verstehen ist ja nicht Gleichbedeutend mit Anwenden!


    Ich kann also theoretisch hingehen, und alles so vereinfachen oder verwässern, dass es "mein Publikum" versteht, aber das bringt ja überhaupt nichts, wenn da keine weitere Motivation vorliegt. So war es z.B. auch früher gar nicht verkehrt, einen neuen Zen Schüler auch mal ein, zwei Nächte bei Regen vor dem Kloster warten zu lassen. Als Lehrer allgemein sollte man sich nicht so sehr "dem Publikum" anpassen - ist meine Meinung.



    Worum geht es im Buddhismus? Geht es darum, NichtWissen zu überwinden, oder darum: verwässerte Lehren zu verbreiten?


    Das sollte sich jeder selbst fragen und auch für sich selbst beantworten. Ich denke einfach nur, dass viele "schwarze Schafe" sich darüber vollkommen bewusst sind, dass sie die Lehren verwässern, um etwa mehr Absatz mit Büchern zu machen.


    Der Punkt ist ja der: Ich kritisiere das nicht.


    Diese Lehrer machen einfach nur, was in Ihren Augen notwendig ist - sie denken betriebswirtschaftlich.

    Hallo Arthur,


    Zitat

    Hierzu ein Gedanke: Wohl alle buddhistischen Schulen würden zustimmen, dass der Kern des Buddhismus die Lehre vom "Nicht-Selbst" ist, also die Abwesenheit von einem unveränderlichen oder gar ewigen Wesenskern. Daraus leitet sich die Maxime der Abkehr von Gier, Egoismus und Selbstsucht ab. Nun ist aber zumindest im Westen eher das Gegenteil gefordert, wenn man sich auf dem Markt der Religionen durchsetzen und es "zu etwas bringen" will: Selbstvermarktung, Selbstbehauptung und auch eine gewisse Ellbogenmentalität. Ist es da nicht naheliegend, dass es eher solche Leute zu Prominenz bringen und eine Karriere auf dem Buddhismus aufbauen, denen es in Wahrheit nicht um den Dharma, sondern um gänzlich andere Dinge geht, während möglicherweise Lehrer, die den Dharma zutiefst verinnerlicht haben, zum Teil völlig unbeachtet bleiben?


    Das hast du völlig richtig erkannt. Darum ist auch der Dalai Lama so hoch angesehen.


    Fakt ist, dass die buddhistische Philosophie, so wie sie IST, im Westen nicht gut ankommen würde - darum muss man sie verwässern und verfälschen, das hat jeder "gute" Guru bis jetzt so gemacht, von Osho, Praphupad, Papaji, Dalai Lama und wie sie alle heißen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass diese Leute die Lehre nicht verstehen, denn meist verstehen sie sie sehr gut. Doch als Lehrer müssen sie Kompromisse eingehen, um eine Anhängerschaft zu gewinnen.


    Mit Anatta und den den wichtigen Stützpfeilern kommt man aber nicht weit, das will keiner hören, außer man verwässert es in einer Art von pantheistischem Allgeist, den man dann letzten Endes "sei". Oder man sagt den Leuten, dass sowieso "jeder den richtigen Weg geht" und das sich "alles auf Glück" zubewegt. Solche Phrasen muss man drauf haben, sonst bringt man es im Westen nicht weit. Ein bischen privater und emotionaler Missbrauch gehört auch dazu, um "menschlich" zu bleiben.

    Wir hatten letztens einen Zen Roshi da, der es anhand eines Baums erklärt hat. Der Baum besteht ja aus allem möglichen bis runter auf die Molekülebene.


    Ja, so kann man das mit allen Gegenständen machen, auch mit sich selbst - konsequent zu Ende untersucht kann man nur bei shunyata (Leere) landen - denn Atome kann man ja wieder zerlegen usw.

    Das Nichtwissen schlechthin in dieser von mir vorgestellten Beschreibung soll ein Ding mit Eigennatur sein, wie wir es uns vorstellen und messen können.


    Solche ein Ding namens "Nichtwissen" gibt es aber nicht.


    Eine buddh. Untersuchung untersucht stets die Beziehungen, die Verhältnisse - man kann "Nichtwissen" nicht als Ding objektivieren und dann untersuchen, so wie du es gerne machen möchtest. Denn dann würdest du Nichtwissen mittels Nichtwissen untersuchen wollen, die beide im Fahrwasser des Samsara dahinschwimmen.

    Zu dem Stuhl:


    Es gibt ein Beispiel mit einem Pferdewagen - wenn man ihn in alle Einzelteile zerlegt, dann ist es kein Wagen mehr, sondern wir haben Räder, Schrauben, Latten etc. Auch den Stuhl könnte man auseinandernehmen, in 4 Beine, den Rücken und den Sitzboden. Dann ist es auch kein Stuhl mehr. So ist das mit der abhängigen Entstehung zu verstehen.


    Die Benennung ("Das ist ein Stuhl") bezieht sich nur auf einen momentanen Zustand. Würde ein Bein fehlen, dann wäre es schon: ("Das ist ein kaputter Stuhl"). Holen wir ihn ganz auseinander und verteilen seine Einzelteile in verschiedenen Räumen, so verschwindet die Benennung ganz (Unser Verstand kann natürlich ein einzelnes Stuhlbein erkennen und macht dann eine Ableitung, aber das ist ja wieder genau das Thema - wir fixieren gedanklich eine Selbstexistenz, die es so gar nicht gibt).

    Zur Zeit als Zenon - der Gründer der Stoa gerade geboren war- fand der Feldzug Alexander des Grossen nach Indien statt, den auch etlich Philosophen begeleiten. Allerdings war keiner ein direkter Lehrer Zenons:


    Danke void, sehr interessante Info.

    Du siehst das völlig richtig: zum korrekten Verständnis der Darlegungen Nagarjunas bedarf es fundierter Kenntnisse, die Nagarjuna bei seinen Zeitgenossen und Schülern (somit auch Lesern seiner Texte) schlichtweg voraussetzte. (Ein Atomphysiker wird seine Ausführungen zu neuesten Erkenntnissen auch nicht allgemeinverständlich darlegen, sondern dem Wissen seiner Kollegen (und Studenten seines Fachs) angemesseṇ.)

    :like:


    Genau das, so wollte ich auch gerade antworten.


    Darum könnte man auch, wenn Kritik auftaucht, ersteinmal überprüfen, inwieweit sich der Kritiker mit der buddh. Lehre auseinandergesetzt hat. Vieles würde sich da schon erledigen, da man ersteinmal die abhängige Entstehung, wie bei Buddha gelehrt, richtig verstehen und einordnen muss. Darauf baut eben alles auf, desweiteren Sunyata (Leere). Auch wie sich ein "Ich" bildet, sollte man von Buddha hören. Nagarjuna zum Einstieg würde glaube ich richtig nach hinten los gehen...

    Zur Auflockerung mal ein schönes Gedicht von Hermann Hesse, dass irgendwie sehr gut hier hin passt:



    Ist auch alles Trug und Wahn
    Und die Wahrheit stets unnennbar,
    Dennoch blickt der Berg mich an
    Zackig und genau erkennbar.



    Hirsch und Rabe, rote Rose,
    Meeresblau und bunte Welt:
    Sammle dich - und sie zerfällt
    Ins Gestalt- und Namenlose.



    Sammle dich und kehre ein,
    Lerne schauen, lerne lesen!
    Sammle dich - und Welt wird Schein.
    Sammle dich - und Schein wird Wesen.


    Neee,ganz im Gegenteil. im Verlauf des MMK wird ja verdeutlicht, dass solche Aussagen (wie du schon sagtest) immer nur konventionell getroffen werden. Etwas absolutes wird nur eben nicht aufgefunden (von einem Beobachter). Auch das Konzept der Leerheit wird, eben als solches verstanden und nicht etwa als eine absolute Wahrheit. N sagt das es von den Buddhas auserkoren wurde, als ein Hilfsmittel für das zurückweisen jeglicher Ansicht. Das allein zeigt doch schon, dass er dem eigenen Erkentnissvermögen kritisch gegenübersteht.

    Das Konzept des bedingten Entstehens, schließt doch den Beobachter nicht aus. Sonst könnten doch auch absolute Aussagen von einem Beobachter getroffen werden.

    Diese Interpretation überrascht mich. Das Konzept der Leerheit wird nicht als absolute Wahrheit verstanden? Könntest du bitte die entsprechende Textstelle anführen?


    Bei Nagarjuna´s Philosophie gibt es keine absolute Wahrheit.


    Doch um diese Philosophie zu untersuchen, unterscheidet man üblicherweise in absolut/konventionell.


    Gäbe es eine absolute Wahrheit, die Nagarjuna lehren würde, so würde die ganze Philosophie in sich selbst zusammenbrechen.


    Das eigentliche Fehlen ist ja gerade das Spannende.

    Ja eben, Platon ist eine ganz andere Schublade.


    Und natürlich haben die Stoiker auch geübt, etwa so wie die Daoisten. Wenn du das so hinbiegen willst, dass Logos "Sein" ist und sie damit in Einklang kommen wollten, dann gut - ich meine Logos ist ja wie Dharma, ein sehr offener Begriff. Ich verstehe ihn mehr so als "Gottintelligenz" oder im Sinne der Gnostiker. Aber da gibt es ja keine Regeln.


    Wichtig ist eben der markante Unterschied zu anderen griechischen Richtungen: Sie wollten kein metaphysisches Lehrgebäude errichten und wollten auch keine Philosophieschulen gründen, sondern wollten ganz minimalistisch die Hauptkernpunkte des praktischen Lebens aufgreifen und dafür eine praktikable Anleitung liefern. Mehr ist die Stoa auch eigtl. nicht - und das ist gut so ^^

    Ist aber so. Spielt eine Rolle.


    Na wenn du darauf beharrst, dann bitte ich um Zitate oder Auszüge. Bei Epiktet findet man einfach nichts ausgearbeitetes über Logos. Oder willst du noch andere mit ins Boot nehmen?

    An sich gilt ja dharma.


    Auch die Vertreter des Madhyamaka lehren "klassisches Dharma", wie Einhaltung von Ethik, Disziplin und Tugendregeln. Es wird oft gelehrt, dass man das kleine Fahrzeug (Hinayana) nicht überspringen darf. Man benötigt also das grundlegende Dharma als Grundlage. Dies ist ein Punkt, der sehr oft vernachlässigt wird. Gerade im Zen Bereich ist dies zu beobachten. Man vergisst aber allzuleicht, oder weiß es einfach nicht besser, dass die ganzen "Zen Chaoten" wie Ikkyu oder LinChi ein absolut gültiges und hart erarbeitetes Fundament besitzen, durch jahrelanges Üben der Regeln und Zazen.


    Darum sollte man auch Nagarjuna oder seine Vertreter nicht so einschätzen, als ob sie das Dharma übergehen oder es abschaffen. Sie sind völlig konform mit dem Buddha Dharma, auch wenn sie als "Erneuerer" erscheinen.


    Im Islam z.B. würde Nagarjuna auch nicht als "Erneuerer" angesehen, da er einfach keine neue Lehre bringt, sondern sich an die Überlieferung hält und sie als Fundament nutzt. Zu keiner Zeit verlässt er Buddha Dharma, auch wenn Buddha kein Tetralemma gelehrt hat. Es gibt eben auch Buddhisten mit langen Haaren.

    Also ich würde sagen, dass der "Logos" in der Stoa absolut keine Rolle spielt. Ich denke Platon hat den Logos noch am besten ausgearbeitet, wobei es dann sehr metaphysisch wird und die Stoa ist nicht metaphysisch orientiert. Klar werden auch mal Götter erwähnt, aber nur so beiläufig, weil sie halt oft verwendete Begriffe waren.


    Man sagt auch, dass die Menschen den Göttern vollkommen gleichgültig seien, da sie lieber ihr Leben in Harmonie ausleben und genießen und sich nicht mit so etwas belanglosem wie menschlichem Leben herumschlagen. Dies trifft auch den buddh. Kern, da dort die Götterwelt ebenfalls völlig von sich eingenommen ist. Auf jeden Fall schließt man in beiden Fällen einen "Schöpfer und Kontrolleur" aus, so wie er uns in den abrahamitischen Religionen präsentiert wird.

    Die Herausforderung lautet ja, Nagarjuna zu widerlegen. Das möchte ich jetzt versuchen.

    Zunächst ein Beispiel. Ein halbvolles Glas. Es existiert und ich kann es in die Hand nehmen. Wenn ich es nun vollschenke, dann ist es zwar voll, doch ändert sich gar nichts an seiner Existenz.

    Allgemein gesprochen. Existenz bedeutet, dass etwas nicht bloß gedacht ist. Es ist jedoch kein Begriff wie „blau“ oder „schwer“. Existenz fügt der Wirklichkeit nichts hinzu !

    Dass die existierenden Phänomene sich also wechselseitig bedingen, hat mit Existenz nichts zu tun.


    Doch, genau damit hat es etwas zu tun, da Existenz nicht anders erscheinen kann, wie eben durch abhängiges Entstehen.

    Du jedoch meinst, dass Existenz "an sich" schon existiert


    Zitat

    Zunächst ein Beispiel. Ein halbvolles Glas. Es existiert und ich kann es in die Hand nehmen.


    Ja, aber dieses Glas kann doch nur existieren, weil du gerade davor sitzt und es in die Hand nehmen kannst. Hier muss man aber aufpassen, dass man nicht in Idealismus abgleitet. Ohne das "Machwerk deiner Sinne" gäbe es dieses Glas überhaupt nicht.



    Zitat

    Existenz fügt der Wirklichkeit nichts hinzu !

    .

    Wo soll da der Unterschied sein? Wirklichkeit ist für dich das, wie du die "objektive Existenz" warhnimmst.