Posts by Helmut

    Ein qualifizierter Dharmalehrer haftet nicht am Ego an, weil er erkannt hat, dass es kein Ego gibt, sondern nur die Vorstellung von einem Ego; so wie es zwar eine Vorstellung von einem Hasenhorn gibt, aber kein Hasenhorn.


    Ein qualifizierter Dharmalehrer haftet auch nicht an seiner Persönlichkeit an, denn er hat die Selbstlosigkeit der Person oder des Selbst oder des Ichs völlig korrekt verstanden.


    An der Persönlichkeit haften nur diejenigen an, die kein korrektes Verständnis der Existenzweise der Person haben. Anhaftung ist immer mit getäuschter Ansicht verbunden.


    Von einem qualifizierten Dharmalehrer zu erwarten, dass er nicht an seiner Persönlichkeit anhaftet ist kein Wunschdenken, sondern eine wesentliche Qualifikation eines Dharmalehrers.

    Genauso wenig wie man in Deutschland kein Mathematiklehrer ist, nur weil man sich dafür ausgibt, genauso wird man nicht zum Dharmalehrer nur weil eine Person sich dafür ausgibt.


    Um ein Dharmalehrer zu sein, muss eine Person klare Kriterien erfüllen. Die muss man als Schüler kennen und dann eben prüfen, ob die Person sie erfüllt und deshalb auch ein Dharmalehrer ist. Mit dieser Prüfung sollte man sich wirklich Zeit lassen.


    Genauso wie man selbst die Freiheit hat, eine Person nicht als Dharmalehrer anzunehmen, so hat ein Dharmalehrer auch die Freiheit, eine Person als Schüler abzulehnen.

    Hallo fotost ,


    auf welche Dialoge beziehst du dich? Für Hamburg kann ich sagen, dass der interreligiöse Dialog nicht gescheitert ist. Dort findet der interreligiöse Dialog allerdings zwischen vielen Religionen statt. Er hat nicht nur eine über 30 Jahre alte Tradition, sondern auch eine solide Basis für die Zukunft.

    Im 42.Vers der Ratnavali gibt Nagarjuna eine Definition des Nirvana:


    Wenn Nirvana keine Nicht-Dinghaftigkeit aufweist, wie könnte es dann dinghaft sein? Nur die Auslöschung des Irrglaubens an Dinge und Nicht-Dinge gleichermaßen wird als Nirvana bezeichnet." (J.Hopkins, Nagarjunas Juwelenkette, übersetzt von E.Liebl, Kreuzlingen/München 2006, S.168)


    Dinghaftigkeit und dinghaft sowie Dinge und Nicht-Dinge haben in diesem Kontext die Bedeutung von inhärenter Existenz. Der erste Satz sagt also aus, dass das Nirvana weder inhärent nicht-existent noch dass es inhärent existent ist. Wie alle Phänomene besitzt das Nirvana keine inhärente Existenz, weil es abhängig existiert.


    Der zweite Satz besagt, dass Nirvana in dem Auslöschen des Irrglaubens an inhärente Existenz besteht. Nirvana ist also abhängig vom Verlöschen dieses Irrglaubens.


    In einer Übersetzung dieses Verses direkt aus dem Tibetischen ins Deutsche lautet er:


    Wenn Nirvana kein inhärentes Nicht-Ding ist,

    wie kann es ein inhärentes Ding sein?

    Nirvana ist das Ende des Festhaltens

    an inhärenten Dingen und Nicht-Dingen.

    Was evident ist, ist sichtbar und evident ist, dass die meisten deutschen Texte Dukkha mit "Leid(en" übersetzen

    Du meinst, wenn Du einen eingedeutschten psychologischen Fachbegriff hörst, dann interessiert Dich auch die psychologische Bedeutung nicht, sondern nur die Alltagsbedeutung?

    Nein, ich meine die Doktrin kann man nur auf Basis geschriebener Worte erforschen. Und in deutschen Übersetzungen sieht man "Leid(en)", in englischen sieht man "suffering". Fußnoten dazu findet man nicht. Einzelmeinungen, so interessant sie auch sein mögen, spielen bzgl. der Doktrinen keine Rolle. Sonst müsste man Doktrinen ja auf dem Wege von zahllosen Interviews und Statistiken ermitteln können.

    Da die Bedeutung der Worte nicht in ihnen selbst liegt, sondern diese sich nur aus dem Kontext ergibt in dem die Worte benutzt werden, muss man eben in die Suttas schauen.


    Als erste Annäherung sind das Sutta über die vier edlen Wahrheiten (Samyutta Nikaya 56.11) und das 9.Sutta des Majjhima Nikaya hilfreich. In MAjjhima Nikaya 9 besonders die Abschnitte 15 ff. Hilfreich ist auch K.Zumwinkels Hinweis in seinen Vorbemerkungen zu seiner Übersetzung des Majjhima Nikaya: "... hat es [Dukkha] die Bedeutung 'das, was nicht auf Dauer zufriedenstellen kann, worin der Keim des Leids steckt' [...] Dukkha auch angenehme Zustände umfasst ..."

    Die Freude ist dagegen ein Geistesfaktor, der in der Lage ist, die heilsamen Handlungen anderer und die eigenen heilsamen Handlungen der Realität gemäß wahrzunehmen. Das Erfreuen an den eigenen heilsamen Handlungen ist somit etwas Positives, Heilsames. Man sammelt damit heilsame karmische Potentiale im eigenen Geisteskontinuum an.

    Aha, ist schwer zu verstehen, wenn man es nicht selbst schon erlebt hat. Da den Unterschied zu erkennen. Mir gefällt mehr, man hat in dem Moment eine bedingungslose Freude, eine Freude in sich,

    Eine derartige bedingungslose Freude kann es nicht geben, auch wenn wir gerne daran glauben.


    Eine bedingungslose Freude wäre eine Freude, die nicht durch Ursachen und Bedingungen entsteht. Das würde bedeuten, die Freude wäre immer da oder könnte nie entstehen.


    Wir wissen aber, dass Freude mal vorhanden und mal nicht. Dass dies so ist, hängt also von Bedingungen ab und deshalb gibt es keine bedingungslose Freude.


    Unsere Freude hängt von verschiedensten Umständen ab: Wir freuen uns, weil wir etwas Schönes erleben; weil wir mit lieben Menschen zusammentreffen usw.


    Wie alle Phänomene ist auch die Freude ein abhängiges Phänomen und deshalb kann sie nicht bedingungslos existieren, auch wenn wir glauben dass es so wäre.

    In der Meditation vertieft man wiederum die Einsicht, die man durch Kontemplation erlangt hat.

    K. wäre ein sich ansehen, vor Augen führen. Oder ?

    Kontemplation ist mehr ein vertiefendes Nachdenken, mit dem man das, was man durch Unterweisungen gelernt hat, durchdringt, festigt und stabilisiert.

    Sich an den eigenen heilsamen Handlungen zu erfreuen, egal ob sie in der Vergangenheit oder in der Gegenwart stattgefunden haben, ist auf jeden Fall förderlich für die eigene Geistesentwicklung.

    Ich weiß nicht, ob das stimmt, denn man sollte nicht doch nicht stolz auf sich sein, oder ist es auch erlaubt ? Ich dachte oder denke, Stolz ist ein Hindernis, ein Geistesgift ? Wäre wohl Gier. ( Ich habe dies, ich kann dies, Eigensucht ).

    Sich über seine heilsamen Handlungen zu erfreuen und Stolz sind zwei völlig verschiedene Geistesfaktoren.


    Stolz ist nach dem oberen abhidharma-System der 51 Geistesfaktoren von Asanga ein unheilsamer Geistesfaktor. Er ist ein selbstgefälliger Geist mit dem man sich über andere erhebt. Mit dem Geistesfaktor Stolz vergleicht man sich mit anderen und erhebt sich über sie, hält sich für etwas Besseres. Es ist ein verblendeter Geistesfaktor, der die Realität verzerrt wahrnimmt.


    Die Freude ist dagegen ein Geistesfaktor, der in der Lage ist, die heilsamen Handlungen anderer und die eigenen heilsamen Handlungen der Realität gemäß wahrzunehmen. Das Erfreuen an den eigenen heilsamen Handlungen ist somit etwas Positives, Heilsames. Man sammelt damit heilsame karmische Potentiale im eigenen Geisteskontinuum an.


    Wenn ich meine heilsamen Handlungen zum Anlass nehme, mich mit anderen zu vergleichen, und mich dann für etwas Besseres halte als die Anderen, dann ist dies nicht mehr ein Erfreuen an den eigenen heilsamen Handlungen, sondern Stolz, eine Leidenschaft. eine Verblendung.

    Es ist die irrtümliche Annahme, dass Wahrheit irgendwie in der Praxis, in der Versenkung, in der Meditation zu finden sei ...

    Die Lehrer von denen ich in den letzten zwanzig Jahren Dharma-Unterweisungen erhalten habe, haben diese Annahme nicht vertreten.


    Um zum Beispiel die vier edlen Wahrheiten tiefgründig zu verstehen, braucht es Praxis und Weisheit. Zunächst lernt man, was die vier edlen Wahrheiten sind. In der Kontemplation vertieft man diese Erkenntnis, die man durch Lernen erlangt hat. In der Meditation vertieft man wiederum die Einsicht, die man durch Kontemplation erlangt hat. Das sind die drei höheren Schulungen, die wir aus dem indischen Buddhismus kennen. Sie bedingen einander.


    Man findet die Erkenntnis der vier edlen Wahrheiten nicht in der Praxis usw., sondern man erlangt sie durch die Übung von Weisheit und Praxis. Deshalb wird die Lehre ja auch zu Methode/Praxis und Weisheit zusammengefasst. Aber mit der Methode allein erlangt man das Nirvana nicht. Ebenso erlangt man es auch allein durch Weisheit nicht. Das Nirvana erlangt man nur durch Methode und Weisheit. Beide stützen und verstärken einander. Man muss sich in beidem schulen.

    Das, was wir hier diskutieren, ist verkopfter westlich-säkularer Buddhismus, der bereits in einer säkularisierten Form in den Westen kam, egal ob Zen drauf steht oder Vajrayana. Weltweit sieht Buddhismus völlig anders aus, als wir meinen, was Buddhismus sei.

    Das sind erst einmal unbelegte Behauptungen deinerseits. Oder willst du uns nur vermitteln, dass du ein hervorragender Kenner der Strömungen des weltweiten Buddhismus bist?


    "(...) Aber wenn man praktiziert, dann erkennt man doch nach relativ kurzer Zeit, was für einen selbst Dukkha ist, wenn man offen genug für Hinschauen und Erfahrung ist. Und umgekehrt, was nicht. Um diese Geistesschulung kommt man doch überhaupt nicht herum, da sind die Schriften oder Lehren der jeweiligen Tradition nur ein Anhaltspunkt. Und es ist überhaupt nicht nötig, das sofort trennscharf entscheiden zu können. Das merkt man dann mit der Zeit schon, ob man auf dem richtigen Dampfer ist."

    Wie wäre es mal mit einer Quellenangabe, damit man dieses Zitat inhaltlich einordnen kann?


    Es hat sich erledigt. Siehe Beitrag #50 und Beitrag #51.

    Das Bedingte ist abhängig von

    Ursachen und Umständen
    seinen Teilen
    begrifflicher Benennung

    Das Nicht-Bedingte ist auch vom Umständen abhängig: nämlich von seinen Teilen und von der Benennung.

    Das Nicht-Bedingte ist abhängig vom Glauben, denn es existiert schlicht und einfach nicht.

    Wenn es das Nicht-Bedingte, also die Phänomene, die nicht durch Ursachen, also nicht kausal, entstanden sind, nicht gibt, dann gibt es auch die Selbstlosigkeit der Person nicht. Da Buddha Sakyamuni aber diese gelehrt hat, hätte er nach deiner Argumentation etwas gelehrt, was nicht der Realität entspricht.

    Diese Beispiele sind keine Dualismen, auch wenn Formulierungen wie Leiden versus Leidlosigkeit usw. diesen Eindruck erwecken können. Derartige Formulierungen blenden tendenziell die gegenseitige Abhängigkeiten aus.


    Von Leiden kann man nur im Zusammenhang von Leidlosigkeit sprechen, so wie man von Gesundheit nur im Zusammenhang mit Krankheit sprechen kann und umgekehrt. Leiden und Leidlosigkeit kann man voneinander unterscheiden, aber deshalb sind sie noch keine Dualitäten. Das kann man auf die meisten anderen Beispiele übertragen


    Zu "Das Bedingte vs. das Nicht-Bedingte (Auch wenn die Vorstellung, dass es Bedingungen braucht, um das Nicht-Bedingte zu erlangen, zutiefst unlogisch ist)"


    Das Bedingte sind alle Phänomene die durch Ursachen und Umstände entstanden sind. Das Nicht-Bedingte ist nicht durch Ursachen, aber durch Bedingungen entstanden. Hier muss man sich klar machen, dass das abhängige Entstehen im Buddhadharma nicht gleichbedeutend ist mit Ursache-Wirkungs-Beziehung. Diese ist nur ein Aspekt des abhängigen Entstehens.


    Das Bedingte ist abhängig von

    • Ursachen und Umständen
    • seinen Teilen
    • begrifflicher Benennung

    Das Nicht-Bedingte ist auch vom Umständen abhängig: nämlich von seinen Teilen und von der Benennung.


    Das Bedingte und das Nicht-Bedingte sind also abhängige Phänomene und sie sind abhängig von Bedingungen, die nicht das Bedingte oder Nicht-Bedingte sind. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden ist: Das Bedingte ist unbeständig und wandelt sich deshalb von Moment zu Moment, während das Nicht-Bedingte beständig ist und sich nicht von Moment zu Moment wandelt


    Und auch das Bedingte und das Nicht-Bedingte sind gegenseitig voneinander abhängig wie Leiden und Leidlosigkeit.

    Es geht doch darum, primär aus den schönen Seiten der Vergangenheit die Dankbarkeit zu entwickeln und nicht aus den leidvollen.

    Sich an den eigenen heilsamen Handlungen zu erfreuen, egal ob sie in der Vergangenheit oder in der Gegenwart stattgefunden haben, ist auf jeden Fall förderlich für die eigene Geistesentwicklung. Genauso ist es sehr förderlich für die eigene Geistesentwicklung, wenn man sich über die heilsamen Handlungen und das Glück der anderen erfreut. Die eigenen unheilsamen Handlungen dagegen sollte man bereinigen, damit sie kein Leid in der Zukunft bewirken können. Und auch an den unheilsamen Handlungen anderer sollte man sich nicht erfreuen.

    Es geht darum zu erkennen, dass auch unsere Wissenschaft ein abhängiges Phänomen ist. Auch die Wissenschaft ist nicht in Stein gemeißelt, auch wenn es Einsichten gibt, die beständig sind wie die Erkenntnis der Schwerkraft. Aber es hat bereits mehrere Paradigmentwechsel in der Wissenschaft gegeben. Der neueste entstand durch die Quantenphysik. Bei diesen Paradigmenwechseln ging es nicht nur um Details.

    Es ist schwer vorstellbar, dass Erkenntnis, die unabhängig von Glauben ist, auf nicht-wissenschaftlichem Wege erworben werden kann. Erkentnis, die abhängt von Glauben ist, ist dagegen regelmäßig außerhalb der Wissenschaft möglich, wie die Weltreligionen eindrucksvoll belegen.

    Eine korrekte Erkenntnis der Farben, die wir mit dem visuellen Sinnesbewusstsein wahrnehmen, erfordert keine Wissenschaft. Es reicht, die sprachlichen Konventionen, die in unserer Gesellschaft gelten, zu kennen. Wenn wir in der Kita den Kindern die Farben beibringen, dann brauchen die Kinder keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, um sie korrekt zu erlernen und die Erzieherinnen brauchen keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, um korrekt die Farben zu lehren.


    Das Erwerben dieser korrekten Erkenntnis der Farben hängt aber auch nicht von irgendeinem Glauben ab.


    Somit ist es möglich, auf nicht-wissenschaftlichem Wege korrekte Erkenntnisse zu erwerben, die unabhängig von irgendeinem Glauben sind.

    Ich finde eher interessant, dass Karma als "Tat/Gedanke, der zu einem Ergebnis führt/Folgen hat" sich leicht widerlegen lässt. Es gibt etliche Gedanken, die im besten Sinne des Verständnisses folgenlos bleiben, etwa die nächtlichen im Traum. Auch die Folgen vieler Taten sind so marginal, dass sie im Grunde eher folgenlos genannt werden müssten.

    Im Grunde widersprichst du dir selbst. Du sprichst ja selber von Folgen vieler Taten. Ob die Folgen einer Tat intensiv sind oder nur marginal, ist dabei nicht entscheidend. Auch marginale Folgen einer Tat sind Folgen einer Tat und nur durch sie entstanden. Selbst diese marginalen Folgen von Taten sind selbst wieder Ursachen für weitere Wirkungen, die dann schon stärker sein können. Marginale Folgen von Taten als bedeutungslos abzutun, ist ein schwerer Fehler.


    Auch die Taten/Gedanken in einem Traum haben Wirkungen, denn sie bewirken Empfindungen/Gefühle, was wir ja merken, wenn wir im Traum negative bedrückende oder positive heilsame Situationen erleben.

    In dem Sutta heißt es zu Beginn:


    "Alles, ihr Mönche, ist in Brand. Was aber alles, ihr Mönche, ist in Brand? Das Auge, ihr Mönche, und die Formen, das Ohr und die Töne, die Nase und die Düfte, die Zunge und die Säfte, der Körper und die Gegenstände, der Geist und die Dinge sind in Brand." usw. (Übersetzung H.Hecker)


    Was will Buddha Sakyamuni mit dieser Analogie, dass alles in Brand ist ausdrücken, verdeutlichen?

    Das ganze Dasein ist doch Dukkha. Das ist rein universeller Prinzip.

    Wenn man das samsarische Dasein als Mensch mit dukkha gleichsetzt, dann missversteht man die erste Lehrrede des Buddha Sakyamuni. Denn der achtfache Pfad ist nicht dukkha, weil er das Gegenmittel gegen dukkha ist. Man kann nicht dukkha mit dukkha überwinden.


    Wir müssen allerdings in dieser mit dukkha verbundenen samsarischen Existenz den achtfachen Pfad anwenden, um Samsara und damit dukkha zu überwinden. Es gibt also mit dem achtfachen Pfad Phänomene in unserer samsarischen Existenz, die nicht dukkha sind.