Posts by Helmut

    Doch geht es, das 'Nichts' ist kein materielles Ding, keine physikalische Größe, es ist ein geistiges Konstrukt, genauso ...

    Ein geistiges Konstrukt ist ein existierendes Phänomen. Wäre ein geistiges Konstrukt kein existierendes Phänomen, dann könnte man auch nicht sagen wodurch es charakterisiert ist.


    Egal was man unter 'Nichts' konkret versteht, es wird immer eine Negation sein, wahrscheinlich immer eine nicht-bestätigende Verneinung wie die Leerheit von inhärenter Existenz (Sunyata).


    Ich fand Helmuts Worte eine Zumutung, der mich zutiefst in meiner Zen-Buddhistischen Ehre gekränkt hat und meine Grundfesten infrage stellte. Es wäre eine Entschuldigung angemessen.

    Wieso sind meine Worte in Beitrag#19, die oben nochmals zitiert habe für dich denn eine Zumutung? Ich habe weder dich persönlich noch den Zen-Buddhismus angegriffen. Vielmehr habe ich ja deiner Aussage, die ich in Beitrag#19 zitiert habe, zugestimmt.

    Quote

    Inmitten von Samsara existiert Nibbana

    Ein normaler Mensch stellt sich Samsāra1 gewöhnlich als etwas vor, das ganz anders ist als Nibbāna2 und im Gegensatz dazu steht. In diesem samsārischen Strudel wirbelt der Mensch unablässig umher, bis er sich Nibbāna zuwendet.

    Ich möchte hier aber gerne einbringen, daß Nibbāna tatsächlich in eben diesem Daseinsstrudel existiert. Der weise Mensch, der ohne nach außen gerichtete Anstrengung danach sucht, kann es entdecken, nicht aber ein Narr. Es ist also eine Frage der eigenen Fähigkeiten.

    Dann hat sich Buddha Sakyamuni wohl tüchtig geirrt als er die Vier edlen Wahrheiten der Heiligen gelehrt hat!

    Quote

    Doch auch wenn es in der buddhistischen Vorstellung viele Äonen harter Disziplin brauchen mag, um sich schließlich aus Samsara zu befreien und Nirvana zu erreichen, sollte man nicht vergessen, dass auch diese "Dinge" nicht existieren, außer wenn wir ihnen Namen geben.

    Die knappe Formulierung "... dass auch diese 'Dinge' nicht existieren, außer wenn wir ihnen Namen geben." kann leicht zu dem Irrtum führen, Phänomene würden bereits existieren, wenn wir ihnen einen Namen geben. Das alleine reicht aber nicht. Nur durch den Namen 'Hasenhorn' entsteht ein solches ja nicht.


    Dass Samsara und Nirvana in Abhängigkeit von Benennung existieren, ist ja nur ein Aspekt ihres abhängigen Bestehens, wenn auch ein sehr subtiler Aspekt.


    Das abhängige Bestehen der Phänomene wird ja anhand von drei Ebenen beschrieben:

    • Abhängigkeit von Ursachen und Bedingungen
    • Abhängigkeit des Ganzen von seinen Teilen
    • Abhängigkeit von Benennung

    Alle drei Ebenen des abhängigen Bestehens sind an jedem Phänomen gegeben.* Wenn Nagarjuna und die Prasangika-Madhyamikas sagen, dass die Phänomene bloße Benennungen sind, dann negieren sie ersten beiden Aspekte des abhängigen Bestehens nicht, sondern betonen damit die Bedeutung des dritten Aspektes.


    Der dritte Aspekt bedeutet, dass die Phänomene keinerlei Eigenwesen, keine inhärente Existenz besitzen. Die Phänomene existieren also nicht aufgrund eines ihnen innewohnenden Wesenskerns, sondern nur weil zu den beiden ersten Ebenen des abhängigen Bestehens noch die Benennung durch den Geist hinzukommt.

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    * Genau genommen: Die erste Ebene des abhängigen abhängigen Bestehens trifft nur auf die produkthaften, unbeständigen Phänomene zu, aber nicht für die beständigen Phänomene wie zum Beispiel die Selbstlosigkeit der Person.

    Doch geht es, das 'Nichts' ist kein materielles Ding, keine physikalische Größe, es ist ein geistiges Konstrukt, genauso ...

    Ein geistiges Konstrukt ist ein existierendes Phänomen. Wäre ein geistiges Konstrukt kein existierendes Phänomen, dann könnte man auch nicht sagen wodurch es charakterisiert ist.


    Egal was man unter 'Nichts' konkret versteht, es wird immer eine Negation sein, wahrscheinlich immer eine nicht-bestätigende Verneinung wie die Leerheit von inhärenter Existenz (Sunyata).

    Meine Aussage, die du zitierst, widerspricht nicht MMK 25.19-20, aber deiner Fehlinterpretation dieser Textstelle, die du hier ja schon oft im Forum vorgetragen hast. Dein Fehler besteht darin, diese Aussagen Nagarjunas aus dem Kontext seiner Intention, die er mit MMK verfolgt, herauszulösen und dann wortwörtlich zu nehmen als wenn die Bedeutung der Worte in den Worten selber liegt.


    Wenn man MMK liest, sollte einem schon auch bewusst sein, auf welcher der beiden Wahrheitsebenen er argumentiert, auch wenn er sie im Text nicht ständig benennt.


    Zitat

    Es gibt nichts, was das Samsara vom Nirwana und das Nirwana vom Samsara unterscheidet.


    Diese Aussage hat nur Gültigkeit auf der Ebene der letztlichen Wahrheit. Also wie Samsara und Nirvana existieren: Beide besitzen keine inhärente Existenz. In dem Punkt unterscheiden sie sich nicht, aber nur in diesem Punkt.


    Beschäftigt man sich mit Samsara und Nirvana auf der Ebene der konventionellen Wahrheit, zum Beispiel anhand der Lehre von den vier Wahrheiten der Edlen, dann wird man keinerlei Übereinstimmung finden.

    Skandha Benennungsgrundlage des zu Ergreifenden.

    Samsara und Nirvana sind die, die nach Skandha als Mein und Ich greifen und anhaften.

    Wenn Nirvana Ergreifen und Anhaften ist,

    dann ist das Nirvana eines Arhats keine Befreiung,

    weil in seinem Geist noch Verblendungen gegeben wären.


    Wenn Samsara und Nirvana das Ergreifen von Ich und Mein sind,

    dann ist die Darstellung der ersten drei edlen Wahrheiten in SN 56.11 falsch,

    weil es ja den grundlegenden Unterschied zwischen ihnen, wie in SN 56.11 dargelegt, dann nicht geben kann.

    Samsara und Nirvana sind die, die nach Skandha als Mein und Ich greifen und anhaften.

    Diese Gleichsetzung von Samsara und Nirvana widerspricht den Aussagen Buddha Sakyamunis in der Lehrrede von den vier edlen Wahrheiten. Dort hat er sie als Gegensatz dargelegt. Samsara muss man durch die Verwirklichung des Nirvana überwinden. Nirvana greift nach nichts und haftet auch an nichts an, weil im Zustand des Nirvanas die Unwissenheit vollständig überwunden ist.

    Das Samsara und Nirvana nur bloße Begriffe, für etwas Diffuses sind, muss dann schon selbstständig erkannte werden, um seine Anhaftungen an Begriffen zu erkennen.

    Dass Samsara und Nirvana bloße Begriffe für etwas Diffuses sind trifft nicht zu. Die beiden Begriffe haben eine klare, eindeutige Benennungsgrundlage auf die sie sich beziehen. Die Begriffe Samsara und Nirvana sind nur diffus so lange man ihre Benennungsgrundlage nicht verstanden hat.

    Na dann man los, die Benennungsgrundlage kann ja nur genauso knackig sein wie die beiden Begriffe,

    Die Benennungsgrundlage von Samsara und Nirvana sind unsere Skandhas, weil es Samsara und Nirvana nicht unabhängig und außerhalb von den Skandhas gibt. Im Zusammenhang mit anderen Phänomenen als den Skandhas kann man nicht von Samsara und Nirvana sprechen.


    Samsara und Nirvana sind zwei unterschiedliche Perspektiven auf die Skandhas. Samsara bedeutet, dass die fünf Daseinsgruppen Leiden sind, weil wir sie unfreiwillig aufgrund von Karma und Klesas annehmen müssen. Nirvana bedeutet, dass unser Geisteskontinuum frei ist von allen Leiden und ihren Ursachen; dass wir die dritte edle Wahrheit verwirklicht haben.


    Die Zustände von Samsara und Nirvana stehen in einem direkten logischen Widerspruch zueinander; dass heißt sie schließen sich gegenseitig aus. Wenn unser Geist durch Samsara geprägt ist, haben wir die dritte edle Wahrheit noch nicht in unserem Geist verwirklicht. Haben wir die dritte edle Wahrheit, also Nirvana, verwirklicht, gibt es den Zustand von Samsara nicht mehr in unserem Geist, weil alle Leiden samt ihren Ursachen vollständig aufgegeben sind.


    Während Samsara ein unbeständiges Phänomen ist, ist Nirvana ein beständiges Phänomen. Hat man Nirvana verwirklicht, fällt man aus diesem Zustand nicht wieder heraus; so wie ein Arhat nicht wieder zu einem Stromeingetretenen werden kann.

    Das Samsara und Nirvana nur bloße Begriffe, für etwas Diffuses sind, muss dann schon selbstständig erkannte werden, um seine Anhaftungen an Begriffen zu erkennen.

    Dass Samsara und Nirvana bloße Begriffe für etwas Diffuses sind trifft nicht zu. Die beiden Begriffe haben eine klare, eindeutige Benennungsgrundlage auf die sie sich beziehen. Die Begriffe Samsara und Nirvana sind nur diffus so lange man ihre Benennungsgrundlage nicht verstanden hat.

    Wenn im Kontext des Dharma, der Lehre des Buddha, die Rede davon ist, dass man Festhalten oder Anhaftung aufgeben soll, dann geht es immer darum, getäuschte Ansichten über die Realität, die auf Unwissenheit beruhen, aufzugeben.


    Man kann hier auf dem Forum getäuschte Auffassungen über die Realität verbreiten wie in anderen Medien. Es geht aber nicht darum, sie hier nicht mehr zu äußern, sondern darum, sie im eigenen Denken aufzugeben.

    Doch, wenn Nirvana erreicht ist, geht es mit Sicherheit im lebend sein wieder auf Samsara zu. Festhalten wollen ist auch hier die Illusion, das man alles erreicht hat und es Beständigkeit ist. ...

    Verstehe ich nicht so recht, Samsara bedeutet ja festhalten wollen und Nirvana ist ohne die Illusion, die zum Festhalten führt. Aber irgendwie haben wir eine verschiedene Sprache, vielleicht ist das Zen-typisch, keine Ahnung.

    Buddha weist immer wieder darauf hin, das Festhalten an Samara, Sinnesleiden und oder Nirvana Sinnesfreuden vermieden werden muss.

    Es wäre hilfreich, wenn Qualia mal zwei, drei Textstellen aus den Sutras aufzeigen würde aus denen dies hervorgeht. Mit SN 56.11 kann man nicht belegen, dass Buddha darauf hinweist, dass das Festhalten an Nirvana vermieden werden muss.

    Da besteht ja kein Dissens. Allerdings gründet sich auf solchen Abstrakta die Lehre. Wer eben nicht "Das Leiden" sieht, wie es mit allen Wesen verbunden ist, alldurchdringend, der wird auch keine Befreiung erlangen können - wer immer auf sein konkretes Leiden, seine Wiedergeburt fixiert ist, bleibt drin hängen. Diese Fixierung ist schon dann gegeben, wenn man denkt, es ginge im "Bedingten Entstehen" um die Wiedergeburt von Individuen, statt um die Reproduktion von Leiden. Wer da jetzt konkret und wie leidet, oder möglicherweise denkt, er sei davon ausgenommen, ist dort kein Thema.

    Wer das Leiden nur allgemein oder abstrakt als "Das Leiden an sich" auffasst, kommt meines Erachtens nicht weiter. Es geht meines Erachtens vielmehr darum, das eigene Leiden im Samsara, das vielfältige Ausprägungen hat, ganz konkret als Leiden zu erfassen und zu verstehen, warum es Leiden ist. Auf der Grundlage kann man dann den Wunsch entwickeln, dieses Leiden zu überwinden. Dies ist aber auch die Grundlage dafür zu erkennen, dass die anderen Lebewesen in Samsara sich in der gleichen leidvollen Situation befinden. Dadurch kann dann der Wunsch entstehen, den anderen Wesen aus dem Leid heraushelfen zu wollen.


    Jemand der den achtfachen Pfad übt wird die Beendigung des samsarischen Leidens (3.Edle Wahrheit) erlangen und zum Arhat werden. Er sieht sicherlich die Leiden der anderen Lebewesen. Aber erst der Bodhisattva geht den Schritt, den anderen Lebewesen dabei zu helfen, sich aus den samsarischen Leiden zu befreien.


    Auch jemand, der ein Arhat werden will, muss mit seinen Übungen dafür sorgen, dass er eine Wiedergeburt als Mensch in seiner nächsten Existenz erlangt, denn es bedarf mehrerer Leben, um ein Arhat zu werden, nachdem man den Stromeintritt verwirklicht hat. Wiedergeburt als Mensch ist aber nicht sein Hauptziel, sondern das Erlangen des Zustandes eines Arhats. Diesen kann er aber nur in einer menschlichen Existenz verwirklichen.


    Bedingtes Entstehen und die zwölf Glieder stehen in einem Verhältnis von Allgemeinem und Besonderem zueinander. Der Begriff des bedingten Entstehens ist umfassender als der Begriff der zwölf Glieder, weil sich die zwölf Glieder nur darauf beziehen wie wir aufgrund von Karma und Klesas in samsarische Existenzen eintreten. Und die zwölf Glieder beinhalten die Wiedergeburt, weil sich ein zwölfgliedriger Zyklus mindestens über zwei Leben hinzieht.


    Die zwölf Glieder beschreiben wie wir als Individuen immer wieder in samsarische Existenzen geraten und so lange wir aufgrund von Karma und Klesas in diese Existenzen geraten, werden wir auch immer wieder die acht Leiden erleben, die in SN 56.11 genannt worden sind. In den zwölf Gliedern geht es meines Erachtens nicht um die Reproduktion des Leidens, sondern darum wie wir in Existenzen geraten in denen wir zwangsläufig Leiden erfahren müssen.

    Die zwölf Glieder schweben ja nicht unabhängig über den Wassern. Die von dir genannten physisch-psychischen Prozesse, die zu Dukkha führen, existieren ja nur in Abhängigkeit von konkreten Menschen. Sie erleben die zwölf Glieder. Unabhängig von ihnen gibt es sie nicht.


    Eine Lebensweise von Moment zu Moment ist ja nicht frei von den zwölf Gliedern so lange man sich nicht aus der samsarischen Existenz befreit hat.

    Dieser Einwand entkräftet oder relativiert doch mein Argument nicht. Es ist schon richtig, Dukkha wird konkret individuell erlebt, zugleich ist es ein allgemeines Merkmal, ein Daseinsmerkmal. Deshalb sind auch die Prozesse, die zu Dukkha führen, allgemeiner Natur, sie gelten für jedes Wesen. Es ist aber etwas ganz anderes, wollte man einen Strom individuellen Bewusstseins dort hineinprojizieren.

    Daseinsmerkmal ist ein abstrakter oder allgemeiner Begriff. Der allgemeine Begriff 'Daseinsmerkmal Dukkha' bringt ja nur zum Ausdruck, dass alle Lebewesen in Samsara Dukkha erleben. Und auch die zwölf Glieder sind ein allgemeiner Prozess, der bei allen samsarischen Wesen auf die gleiche Weise abläuft. Allgemeine Begriffe sind aber nur begriffliche Zusammenfassungen konkreter Umstände.


    Das Erleben von Dukkha und den zwölf Gliedern selbst ist aber ein höchst individueller Prozess, der sich von Individuum zu Individuum in Abhängigkeit von der Ausprägung der ursächlichen Faktoren deutlich unterscheidet, obwohl sich der Ablauf der Faktoren nicht ändert.


    Wir sind als individuelle Person ein Kontinuum unserer Skandhas, das, wenn wir es nur auf dieses Leben beziehen, mit der Geburt beginnt und mit dem Tod endet und sich in dieser Zeitspanne von Moment zu Moment verändert ohne seine grundlegende Struktur zu verlieren.


    Es wird in die zwölf Glieder kein individuelles Bewusstsein hineinprojiziert. Die zwölf Glieder existieren ja nicht losgelöst von unseren Skandhas. Sie existieren nur in Abhängigkeit von ihnen.

    So lange wir uns in Samsara befinden, sind diese zwölf Glieder Kennzeichen unserer Skandhas.

    Dann geht Buddha Sakyamuni auf die zwölf Glieder des abhängigen Entstehens ein. Sie bilden einen Spezialfall des abhängigen Entstehens und haben zum Thema wie wir in Samsara hineingeraten und und wie wir Samsara überwinden. Die zwölf Glieder beziehen sich somit auf die individuellen Existenzen.

    Du bist immer sehr schnell mit "somit". Von Individuellen Existenzen ist da kein einziges Wort zu finden. Was dort steht, betrifft (unabhängig von einer speziellen Person) physisch-psychische Prozesse/Funktionen, wie sie in gegenseitiger Abhängigkeit zu Dukkha führen. Die sinnvollste Leseweise ist dann von Moment zu Moment.

    Die zwölf Glieder schweben ja nicht unabhängig über den Wassern. Die von dir genannten physisch-psychischen Prozesse, die zu Dukkha führen, existieren ja nur in Abhängigkeit von konkreten Menschen. Sie erleben die zwölf Glieder. Unabhängig von ihnen gibt es sie nicht.


    Eine Lebensweise von Moment zu Moment ist ja nicht frei von den zwölf Gliedern so lange man sich nicht aus der samsarischen Existenz befreit hat.

    Dieser Faktor verstärkt sich und wird zum Ergreifen (upadana). Auf der Grundlage entsteht dann der Faktor Werden (bhava). Der Faktor Werden ist der Umstand dafür, dass es dann zur Geburt (jati) kommt. Wenn der Faktor Werden zu Ende geht, hört das jetzige Leben auf. Mit dem Faktor Geburt ist dann der erste Moment einer neue Existenz entstanden.

    Interessanter Gedanke. Nur zunächst einfach eine Behauptung.
    Hier wird (a) vorausgesetzt, dass Bedingtes Entstehen das Aufeinanderfolgen von individuellen Existenzen beschreibt.

    Im Sutra vom Reiskeimling sagt Buddha Sakyamuni zunächst:

    Zitat

    Was aber wird abhängiges Entstehen genannt? Folgendes wird abhängiges Entstehen genannt: Weil es dieses gibt, entsteht jenes; weil dieses entstanden ist, ist jenes entstanden.


    Dann geht Buddha Sakyamuni auf die zwölf Glieder des abhängigen Entstehens ein. Sie bilden einen Spezialfall des abhängigen Entstehens und haben zum Thema wie wir in Samsara hineingeraten und und wie wir Samsara überwinden. Die zwölf Glieder beziehen sich somit auf die individuellen Existenzen.


    Das abhängige Entstehen gilt allgemein natürlich für alle Phänomene. Die zwölf Glieder haben aber nur die individuellen Existenzen als Bezugsobjekt und keine anderen Phänomene.

    Ich denke mal, Bewusstsein und Körper zerfallen in unterschiedlicher Weise.

    Der Körper braucht länger, bis alles - vor allem die Knochen - zerfallen sind. Das Bewusstsein hingegen ist ganz schnell ausgeschaltet - wie die Lampe, wenn ich den Schalter nutze. :) :idea:

    Natürlich kann man sich den Zerfall des Bewusstseinskontinuum so vorstellen. Der entscheidende Punkt ist doch, ob man nachweisen kann, dass das Bewusstseinskontinuum auf diese Weise zerfällt und dann nicht mehr gegeben ist.

    In den deutschen Übersetzungen des Sutras und von MMK taucht der Begriff Wiedergeburt nicht auf. Es wird dort von dem Eingehen in eine neue Existenz gesprochen. Das bedeutet aber Wiedergeburt.

    Das wäre erstmal zu zeigen, bloße Behauptung reicht da nicht aus.

    Die Zyklen der zwölf Glieder des abhängigen Entstehens laufen im eigenen Kontinuum ab und nicht außerhalb irgendwo anders. Es ist die eigene Unwissenheit, die unsere Taten motiviert und diese hinterlassen ihre Wirkungen, karmische Prägungen, im eigenen Bewusstsein. Im Todesprozess entsteht zunächst Verlangen (trsna). Dieser Faktor verstärkt sich und wird zum Ergreifen (upadana). Auf der Grundlage entsteht dann der Faktor Werden (bhava). Der Faktor Werden ist der Umstand dafür, dass es dann zur Geburt (jati) kommt. Wenn der Faktor Werden zu Ende geht, hört das jetzige Leben auf. Mit dem Faktor Geburt ist dann der erste Moment einer neue Existenz entstanden.


    Zwischen dem Faktor Werden und dem Faktor Geburt besteht dadurch ein Zusammenhang. Deshalb setzt sich unserer Kontinuum fort. Es setzt sich nicht unser körperliches Kontinuum fort, denn es zerfällt im Tode in seine materiellen Teile. Das Bewusstseinskontinuum zerfällt aber nicht wie das körperliche Kontinuum. Deshalb ist das Bewusstseinskontinuum das Kontinuum, dass sich von dem jetzigen Leben in die nächste Existenz fortsetzt hat mit all den karmischen Prägungen, die sich zum Zeitpunkt unseres Todes noch in unserem Bewusstseinskontinuum befinden.


    Entscheidend ist nicht der Begriff Wiedergeburt, sondern der Prozess, der mit diesem Begriff bezeichnet wird. Der Begriff Eingehen in eine neue Existenz ist in meinen Augen gleichbedeutend. Und dieser Prozess besteht darin, das unser anfangs- und endloses Bewusstseinskontinuum von Existenz zu Existenz weitergeht. Und so lange wir die Unwissenheit nicht überwinden, setzt sich unser Bewusstseinskontinuum in samsarischen Existenzen fort.

    Also geht man mal von Abidhamma Theravāda aus, da wurden Dhammas mit svabha (Essenz) in Verbindung gebracht. Dann kommt nagarjuna und reißt mit der madhyamaka einiges an Weltbild ein, denn die Phänomene sind nun śunya, also ohne svabha. Damit brechen aber einige Begründungen zusammen mit denen die Vorstellung von Wiedergeburten erklärt wurden. Und in yogacāra hat man sich Gedanken gemacht wie alles doch zueinander passen könnte, śunyata und viele Leben.

    Welche wären das denn? Und warum konnte man dann die Wiedergeburt nicht mehr erklären, so dass dann Yogacara notwendig wurde?

    Hallo Bosluk ,


    Quellen, die wir bei uns am Zentrum benutzen sind zum Beispiel:

    • Das Sutra vom Reiskeimling (Salistambasutra)
    • Mulamadhyamakavatara Kapitel 25 (Übersetzung Weber-Brosamer / Back)

    In Dalai Lama, Die Harvard-Vorlesungen, Herder Spektrum 1993 gibt auf den Seiten 106 ff eine zusammenfassende Darstellung, die diese beiden Texte verbindet.


    In den deutschen Übersetzungen des Sutras und von MMK taucht der Begriff Wiedergeburt nicht auf. Es wird dort von dem Eingehen in eine neue Existenz gesprochen. Das bedeutet aber Wiedergeburt.

    Wiedergeburt als 3-Leben-Interpretation der 12-Glieder des bedingten Entstehens kennt nur der Theravada.

    Der Madhymaka verwirft diese Deutung und setzt das bedingte Entstehen mit der Leere gleich (MMK 24,18)

    Die vier Wahrheiten der Edlen und die 12 Glieder des abhängigen Entstehens sind grundlegende Dharma-Lehren und werden auch im Mahayana und deshalb auch im Madhyamaka gelehrt.


    Die 3-Lebens-Interpretation der 12 Glieder wird auch im Madhyamaka benutzt, um den Ablauf eines zwölfgliedrigen Zyklus zu verdeutlichen. Manchmal wird auch eine 2-Lebens-Interpretation benutzt, weil diese zunächst leichter nachzuvollziehen ist. Dabei laufen über die Existenzen hinweg stets zahllose solcher Zyklen parallel zueinander ab. Im Madhyamaka wird also die Deutung wie wir sie aus dem Theravada kennen nicht verworfen, sondern auch zur Erklärung von Wiedergeburt benutzt.


    Im Mahayana, nicht nur im Madhyamaka, einer Unterschule des indischen Buddhismus, werden die Lehre von den zwölf Gliedern des abhängigen Entstehens und die vier Wahrheiten der Edlen mit der Lehre von der Leerheit (Sunyata) verbunden. Dadurch wird aufgezeigt, dass weder die zwölf Glieder noch die vier Wahrheiten inhärent existieren.


    MMK 24.18 zeigt die enge Verbindung von abhängigem Entstehen und Leerheit (Sunyata) recht kurz und knapp auf. Beide bedingen einander. Mit dem abhängigen Entstehen kann man die Leerheit begründen und mit der Leerheit kann man das abhängige Entstehen begründen.