Posts by Bhavanga

    Meines Wissens nach hat er in der Erleuchtungsnacht wohl Anapanasati, also die achtsame Betrachtung des Atems praktiziert, und dabei kam ihm die befreiende Einsicht in das bedingte Entstehen, die ihn zur Erleuchtung führte. Vor seiner Erleuchtung war er neben asketischer Praxis ja nacheinander bei verschiedenen Lehrern, um jeweils fortschreitende Vertiefungen, die "Jhanas" zu erlernen, die ihn aber noch nicht zum Ziel gebracht haben. Diese entstehen durch Konzentrationsmeditation, in der der Geist einspitzig, d.h. Konstant auf einem Objekt gehalten wird, z.B. auf dem Atem in der Anapanasati-Meditation. Ich denke mal in den Jahren seiner Suche hat er mit Sicherheit auch eine Vielzahl anderer Übungen praktiziert.


    Ich glaube Zen-Meditation ist quasi die Freistil-Variante von der Achtsamkeit auf dem Atem, bzw. auf dem Gewahrsein, also auch eine Konzentrationsmeditation die zu solchen Einsichten führen kann?

    Also als von Psychosen Betroffener weiss ich, dass es möglich ist, Konfrontationen mit Wesenheiten als als real und persönlich stattfindende Begebenheit zu erleben...auf vielfältigste Weise, überzeugend oder fragwürdig, schemenhaft oder gewaltig, als innere Stimme im Kopf oder als real empfundene Lebenssituation oder darüber hinaus, hier oder auf dem Mond, oder sonstwo... Auch Menschen, die starke psychedelische Drogen genommen haben, einen schweren Entzug durchmachen, im Koma waren, oder manchmal einfach aus dem blauen Himmel heraus, schildern manchmal Begegnungen mit allerlei Wesenheiten. Die lügen ganz gewiss nicht alle - überlegt auch mal, was man im Traum alles erleben kann, dann gibt es auch Wachträume, wo man zudem bei vollem Bewusstsein ist, warum sollte man also nicht plötzlich einen Gott vor sich stehen sehen können, zumal wenn man es gerade nach jahrelangem inneren Kampf als erster seit unvorstellbarer Zeit aus eigener Kraft geschafft hat dem gemeinsten Teufel weit und breit zu entkommen? Also erleben kann man so etwas definitiv auf die verschiedensten denkbaren Weisen. Ob und wie es tatsächlich auch so stattgefunden hat, ist eine andere, wie ich finde unzulässige, nicht abschliessend klärbare Frage und auch nicht wirklich entscheidend.


    Vielleicht ist ja ein interessanter Aspekt an der Überlieferung, dass sie eben nicht eindeutig auf derartige Fragen eingeht. Weil es gar nicht wichtig ist, was genau und wie stattgefunden hat. Es geht mehr um interessante Details, wie etwa dass der Buddha voller Mitgefühl Mut gefasst hat, und seine Befreiung nicht einfach nur genossen hat, sondern auch weiter vermittelt hat, zum Wohle der Wesen, die wenig Staub auf den Augen Tragen, deren Schicksal der Brahma ihm ja angemahnt hat! Der Buddha hatte ja auch nicht einfach nur kein Interesse, sondern er hatte einfach Zweifel daran, ob und wie er das überhaupt schaffen könnte. Und der Brahma sagte, du kannst, und: er hat's dann gemacht... Das ist ja eine sehr wegweisende Entscheidung, und zeigt, dass wir uns selbst in allergrösster Erhabenheit wähnend nicht von unseren Mitwesen entfernen sollten, sondern dass es eine höchst wichtige Entscheidung sein muss, sich trotzdem zu mühen um sie nicht ihrem Leid zu überlassen, sondern zu versuchen zu helfen, wo man es kann...


    void schrieb:

    Zitat

    Da Buddha jegliches Anhaften überwunden hatte, kann der

    Wunsch alle Wesen zur Befreiung zu führen nicht in Buddha selbst angesiedelt werden. Auch dieses für uns so noble Ziel würde ja ein Anhaften am Wohl aller Wesen bedeuten.


    ...und der Buddha konnte! Solch einen Sachverhalt verstehe ich anders, als dass ich solch eine Aussage als gültig empfinden würde. Natürlich gibt es Geistesgifte und geistige Aktivität, die unheilsam ist, die zu Begierde und Anhaftung führt, und von der man wenn diese überwunden wurden dermassen unabhängig wird, dass man solche Dinge nicht mehr verfolgt, oder sie auch irgendwann gar nicht mehr in sich finden kann. Aber das Fehlen der unheilsamen Triebe macht in meinem Verständnis Platz für heilsame Neigungen und Handlungen, die nicht von derlei Mechanismen betroffen sind, sondern spontan in Erscheinung treten wo unheilsames überwunden oder nicht vorhanden ist. In den Schriften steht ja auch, dass im Buddha keinerlei unheilsame, tadelnswerte Dinge mehr zu finden sind, aber sehr wohl noch eine vielzahl durchweg heilsamer, erhabener, enthaltsamer usw. Neigungen und Handlungen. Ein Erleuchteter ist ja doch kein Stück Brot geworden, dass alles losgelassen habend gar nichts mehr kann - das wäre ja katastrophal und höchst tragisch, niemand der noch bei Trost ist würde so etwas ernsthaft wollen. Vielmehr ist er völlig geläutert, jenseits jeglicher unheilsamer Tendenzen, nicht mehr willens und auch nicht mehr in der Lage unheilsame Bestrebungen zu verfolgen...aber je nach persönlicher Veranlangung wahrscheinlich sehr wohl noch in der Lage hilfreich für andere Wesen agieren zu wollen, wenn dies heilsame, verdienstvolle, untadelnswerte Handlungen sind. Alles andere wäre für solch eine Person aber wahrscheinlich wirklich völlig uninteressant.

    Ich versuche daran zu denken, dass es eine Übung ist, und kein allerstrengstes Gebot, was mich leitet. Es ist zwar schön daran zu denken, dass man vielleicht eines Tages makellos sein könnte, aber der Weg dahin ist lang und ich denke man sollte nicht zuviel Gewicht in das unbedingte setzen, solange man sich nicht durch spezielle Gelübde an strengeres zu binden versucht hat.


    Ursache und Wirkung zu verstehen, also die Gesetzmässigkeiten von Karma, kann einen mahnen sich dabei auch anzustrengen. Sich bewusst zu machen, dass Schaden, den man anderen absichtlich antut, auf einen selbst zurückfallen wird. Aber schon absichtsloser Schaden relativiert die Sache ja. Mahnt zwar an immer aufzupassen um ihn zu vermeiden...aber manchmal passiert Unglück einfach, und dann nützt alle Schuldzuweisung auch nicht viel, um nächstes Mal besser aufzupassen. Es ist vielleicht sogar unmöglich, immer Schaden zu verhindern, und auch einem Makellosen geschieht mal ein Unglück, wenn auch absichtslos. Die Makellosigkeit ist also vielleicht eher nicht in den Auswirkungen im Leben zu finden, da die Welt in dieser Beziehung ihre Grenzen zu setzen weiss. Die Makellosigkeit ist vielmehr im Inneren zu finden, im Fehlen von Neigungen dazu, andere Wesen überhaupt bewusst schädigen zu wollen!


    Mit den Insekten fiel mir gerade ein passendes Beispiel ein. Denk mal an einen Ausserirdischen, der Ballast von seinem Raumschiff abwerfen muss, während er eine Kurve um die Erde fliegen muss. Dieser Ballast verglüht dann nicht ganz in der Atmosphäre, und schlägt durch das Dach deines Hauses und rafft dich hernieder. Würdest du dem Ausserirdischen das ernsthaft übel nehmen, der sich bei dieser Tat nicht viel gedacht hat, vielleicht nicht mal wusste, dass der Planet Leben beherbergt? Und auch gerade, weil es so ein Riesenzufall war, dass du getroffen wurdest? Vielleicht sollte man das ebenso mit den Insekten auf der Wiese so sehen. Du trittst ja nicht bewusst und voller Verachtung einen Käfer nieder, sondern gehst nur die Bahn deines Lebens, verfolgst deine Pläne und Ziele, die dich eben manchmal über Wiesen führen müssen. Und nicht nur du bist "schuld" daran, wenn es den Käfer trifft der zur falschen Zeit am falschen Ort war, sondern natürlich auch der, der überhaupt eine Welt geschaffen hat in der die Wege der Wesen auf diese ungünstige Weise kollidieren müssen. Vielleicht ist es auch so, dass das ja wahrscheinlich recht geringe Leid des Käfers gegen anderes Leid steht, dass verursacht werden könnte, wenn sich ein Mensch gar nicht mehr aus dem Haus traut, weil er zuviel Angst hat unabsichtlich auf einen Käfer zu treten!


    Aber zu versuchen Käfer zu schonen wo es möglich ist, ohne deswegen sein Leben übermässig einzuschränken, und nicht bewusst Käfer zu schädigen, kann natürlich in Mäßigung verfolgt eine gute gedankliche Übung sein, um Respekt vor dem Leben zu verinnerlichen. Eine Übung, die natürlich auch nur ihren Nutzen hat, so lange dieser Respekt noch entfaltet werden muss. Und die dann auch losgelassen werden muss, bevor sie zur neurotischen Macke wird, die auch keine Käfer retten kann, und vor der man dann aber irgendwann selbst gerettet werden muss...

    Ich finde A.VI.49 interessant, weil es auf etwas zeigt, was ich sehr wichtig finde.


    Da geht es ja darum, dass man einem anderen oder sich selbst, mit Bezug auf wieder eine andere Person, oder auf Fähigkeiten oder erbrachte Leistungen, keinen generellen Wert zuweisen soll. Also keinen Wert als Person, der diese generell als "besser" als eine andere, als deswegen zu priviligieren definieren würde.


    Wichtig finde ich auch, dass das ja heisst, dass man sich üben sollte, sich selbst (und auch andere) auch nicht als geringerwertig als eine andere Person zu empfinden, oder als generell geringerwertig aufgrund von Fähigkeiten oder geschehenen oder absehbaren Ereignissen.


    Das macht auch Sinn, wenn man etwa annimmt, dass Glück und Leiden das eigentlich relevante Maß unserer Existenz sind. Denn wenn jemandem aufgrund etwa einer vergangenen Tat ein geringerer Wert zugedacht wird, kann dies möglicherweise heissen, dass dieser dazu führt, dass Entscheidungen die in Zukunft getroffen werden aufgrund dieser Wertung nicht auf die bestmöglichste, am meisten Leiden verhindernde Weise getroffen werden könnten.

    Ich hatte bzw habe auch dieses Phänomen mit den konkurrierenden Objekten, zumal ich ja auch dauerhaft beide übe. Naja, was soll man dazu sagen - ich übe mich einfach in viel Geduld und Nachsicht, versuche zu akzeptieren was passiert, aber immer wieder sanft die Aufmerksamkeit auf das gewählte Objekt zu setzen. Wenn ich später Dinge gleichzeitig wahrnehme, ist das nicht schlimm, dann versuche ich eben das Zentrum der Aufmerksamkeit auf das gewählte Objekt zu setzen, das andere mehr im Hintergrund, als Nebensache zu belassen. Das hängt sicher auch von der Technik im Umgang mit Ablenkungen ab, die trainiert wird, wie man dann mit solchen umgehen soll...


    Irgendwann wird das gewählte Objekt bei mir so stark, dass das andere kaum bzw. gar nicht mehr ablenken kann, und eine Gewöhnung trat ein, die den Effekt weniger problematisch gemacht hat. Wenn du jetzt erst einmal nur auf den Bauch trainierst, wird die Empfindung an der Nase vielleicht auch mit der Zeit immer schwächer werden, und weniger aufdringlich. Ist halt eingewöhnt das stark wahrzunehmen, aber das gewöhnt sich sicher mit der Zeit auch wieder um! Das ist denke ich mit einem Umlernen auch wie mit antrainierten Fehlern bzw. Irrwegen in der Meditation, so etwas hatte ich schon viel. Erst scheint so etwas ganz dramatisch und frustrierend. Aber mit Ruhe, Geduld und Ausdauer, gewöhnt sich der Geist nach und nach an die neue Methode, und die alte geht in den Hintergrund über, oder das Problem wird mit der Zeit immer handhabbarer. Wie beim Fahrradfahren lernen, oder Schreibmaschine lernen. Es braucht einfach nur die allmähliche Gewöhnung, das Einschleifen durch Übung, die vielen geduldigen Wiederholungen.


    Das ist wahrscheinlich auch ein gutes Argument dafür, sich als Anfänger nach etwas Probieren erst einmal eine Technik auszusuchen, und dann nur diese gewissenhaft zu üben, den Weg so zu gehen wie er gelehrt wird und wie andere ihn schon erfolgreich gegangen sind.

    Beide Objekte haben ihre Eigenschaften und Besonderheiten. Die Technik, die du lernst, sollte eigentlich klar Auskunft darüber geben, welches Objekt du nutzen solltest, oder ob beide möglich sind.


    Der Bauch ist glaube ich einfacher zu verfolgen und ist stabiler. Der Atem an der Nase ist subtiler und anfangs schwieriger dauerhaft wahrzunehmen, aber erlaubt stärkere Konzentration durch seine verschiedenen Schichten der Wahrnehmbarkeit. Wenn Einsicht das Ziel ist, oder Achtsamkeit auf den Körper, ist vielleicht der Bauch günstiger. Wenn Einspitzigkeit bzw. Vertiefung das Ziel sind, der Atem an der Nase. So mein Gefühl dazu jedenfalls.


    Ich nutze zur Konzentration bzw. Achtsamkeit auf den Atem tatsächlich mittlerweile beide Objekte in der gleichen Session. Erst den Bauch, so lange ich noch entspannen und ruhiger werden muss. Dann, wenn ich gesammelt genug geworden bin, wechsle ich zur Nase, um noch stärkere Konzentration zu erlangen. Anfangs fand ich die Nase zu schwierig und frustrierend. Später erlaubte mir mein Fortschritt dann aber, auch dieses Objekt zu nutzen.

    Ich benutze den kostenlosen "Meditation Timer" von Harish Kumar Chauhan, und bin damit recht zufrieden. Man kann aus Geräuschen auswählen, oder eigene nutzen (runterscrollen), und eine Dauer sowie Intervalle oder Einzelsignale zwischendurch programmieren, die auch alle ihre eigenen Sounds zugewiesen bekommen können. Zudem hat das Programm eine Statistik, mit der man sehen kann wie gewissenhaft man sich in der Vergangenheit geübt hat. Das Programm kann auch den "nicht stören" Modus aktivieren während der Timer läuft, so dass keine Benachrichtigungstöne die Meditation stören können.

    Hallo!


    Gewisse Unterschiede in der Meditation gibt es meines Erachtens schon. Allein schon in der Technik. Manche Meditationen kultivieren bewusst symbolische Vorstellungen, bzw. Phantasievorstellungen oder gedankliche Vorgänge. Andere Meditationen hingegen zielen eher auf die Beruhigung des Geistes, oder die Bewusstwerdung seiner Vorgänge ab. Buddhistische Meditation zielt meinem Eindruck nach eher nicht auf die Kultivierung von gedanklichen Vorgängen oder von Symbolik ab, sondern auf die Achtsamkeit, Konzentration und Einsicht, und eine Arbeit, die den Geist im Sinne der Buddhistischen Lehre schult. Die sehr geläufige (buddhistische) Atembetrachtung etwa ziel stark auf die Beruhigung des Geistes und die Stärkung gegen und die Überwindung von Geistesgiften ab, wobei die zugrundeliegende Technik eher einfach und frei von Symbolik ist. Andere buddhistische Meditationen zielen auf eine Transformation der Eigenschaften des Geistes, etwa die Meditation der liebenden Güte ("Metta-Meditation"), die effektiv in Wohlwollen üben und positive Emotionen stärken soll. Dann gibt es in bestimmten buddhistischen Richtungen durchaus auch symbolische Meditationen, wo es sich dann etwa um Dinge wie Schutzgottheiten oder hilfreiche Eigenschaften von heiligen Wesen drehen kann, dazu kann ich jetzt aber mangels Erfahrung nichts weiter sagen.


    Achtsamkeit ist definitiv ein Faktor, der durch viele Meditationstechniken geschult werden kann, und natürlich auch und vor allem durch buddhistische. Es ist eine fundamentale geistige Fähigkeit die Dinge unmittelbar und unverklärt im Hier und Jetzt zu erkennen, die selbst übrigends auch nötig für den Fortschritt in der Meditation ist. Im buddhistischen "achtfachen Pfad" ist die Achtsamkeit einer der 8 Grundpfeiler, was ihre Wichtigkeit unterstreicht. Natürlich "wirkt" die Achtsamkeit nicht nur in der Meditation, sondern sie ist wie ein Muskel, der wenn er trainiert wird auch im Alltag mehr Kraft bedeutet wo immer man sie braucht. Manche Menschen möchten eine sehr starke (immer wache) Achtsamkeit kultivieren, und trainieren das Gewahrsein nicht nur in der Meditation, sondern auch im Alltag, manchmal auch den ganzen Tag über.


    Ein Training der Achtsamkeit ist aber nicht alles, was in der Meditation passieren kann. Es werden auch andere Fähigkeiten trainiert, etwa Geduld, die Stabilität des Geistes, eine grundliegende geistige Ruhe, Gesammeltheit, auch Entspannung, Erkenntnisse über die Natur der eigenen Person...man wird recht bald mit sich selbst konfrontiert werden, und das ist etwas, woran man sehr wachsen, und manchmal auch gesunden kann. Zudem können buddhistische Meditationstechniken (auch Atem und Metta), wenn man sie bis in ein fortgeschrittenes Niveau verfolgt, einen Zugang zu deutlich und intensiv veränderten, wenn auch sehr friedvollen, Geisteszuständen erlauben (die Vertiefungen), oder Prozesse auslösen, die einen direkt erlebbaren wie auch (manchmal "leider") desillusionierenden Zugang zu Einsichten über die Natur der Realität erlauben. Das braucht schon viel Arbeit, Mühe und Hingabe, dorthin zu gelangen, aber das sind Ziele, die durch Meditation erreichbar, erlebbar sind.


    Ich finde es wichtig, dass auch über so etwas offen gesprochen wird, denn manche Meditierende erreichen solche Zustände unvorbereitet auf eigene Faust, und sind dann ohne Vorwissen und guten Rat und Beistand durch Lehrer oder erfahrenere Meditierende aufgeschmissen. Es kann sogar manchmal vorkommen, dass das gefährlich wird, und sich Menschen in den Erfahrungen bzw auf dem Weg dorthin quasi verirren, oder dann unangenehmes ohne die richtige Führung erlebt werden muss. Unter anderem deswegen besteht der buddhistische Pfad nicht nur aus einer Schulung in Meditation, sondern beinhaltet auch eine Schulung in Ethik, die besser nicht zu leicht genommen werden sollte, und die unter anderem solche Probleme vermeiden bzw. entschärfen helfen kann. Tiefere Meditation ohne das richtige Wissen (oder jemanden, der es hat, und einen begleitet), und ohne richtige Schulung in Ethik halte ich für potentiell gefährlich, auch aus eigener bitterer Erfahrung. Das betrifft aber wahrscheinlich eher nur einzelne, und ich denke, viele Menschen pflegen auch ohne tieferes Verständnis der Materie eine für sie sehr förderliche Meditationspraxis.

    Diese kurze Anleitung zeigt so das Grundgerüst auf: Die Metta-Meditation: Vorstellung und Anleitung - Ich will meditieren!


    Die hier schon verlinkte Version aus dem Vissudhi Magga liest sich etwas trocken und knapp, ist aber sehr fundamental.


    Besser wäre aber wahrscheinlich ein umfangreicheres Buch, das mehr auf die Besondernheiten und Probleme, die bei jeder Meditation auftreten können, eingeht. Etwa die Vorbereitung, der Umgang mit Ablenkungen und wie man bei der Sache bleibt, was man bei Schwierigkeiten probieren kann, und dergleichen Mehr.


    Auch die Beschäftigung damit, eine anderen wohlwollende Haltung einüben zu wollen, bedeutet ja, dass man sich damit beschäftigen sollte, was Menschen auch wirklich glücklich macht, und was sie nur vordergründig glücklich macht. Oder auch zu erkennen, dass es wichtig ist, nicht aus egoistischen Gründen sondern respektvoll zu wünschen, das auch ernst zu nehmen. Man sollte es auch wollen - diese Meditation macht wohlwollender, das ist ihr SInn, und diese Wirkung kann auch eintreten, aber nur, wenn man es schafft aufrichtig wohlwollend zu denken. Das muss aber nicht sofort klappen, und es ist normal, dass man sich an so etwas Stück für Stück rantasten muss, bis es funktioniert und sich auch "richtig" anfühlt.


    Also, so wie ich es praktiziere, kommt es auch ohne bunte Phantasiewelten aus. Solche helfen wahrscheinlich einigen, sich emotional in die richtige Stimmung zu versetzen. Metta-Meditation ist ja auch durchaus etwas emotionales, und kann und soll ja auch positive Gefühle hervorrufen.


    Mein Ansatz ist mir erst eine Formel zu überlegen, die Wohlwollen ausdrückt. Also etwa "Mögest du gesund und glücklich sein, frei von Sorgen und Schwierigkeiten". Wenn ich bereit zu der Meditation bin, dann wähle ich immer eine Person oder eine Gruppe, und versuche den Wunsch immer wieder darauf zu richten, indem ich ihn innerlich aufsage und mich dann versuche, in den Sinn einzuspüren.


    Dabei versuche ich an die Person (oder mich selbst) zu denken, und den Wunsch auch zu meinen während ich ihn sage. Konkrete Vorstellungen dabei suche ich nicht gezielt, sondern lasse sie eher von selbst kommen, was mir gerade einfällt. Es kann helfen, daran zu denken wie gut es für die Person wäre, auf die gesagte Art glücklich zu sein. Oder wenn man an sie denken muss, wie es ihr schlecht geht, wie es wäre, wenn sie stattdessen glücklich wäre. Manche sagen auch, wenn sie Probleme haben, jemandem Glück zu wünschen, hilft es etwa sich diese Menschen als Kinder vorzustellen, oder als weise gewordene friedliche und zufriedene Alte.


    Wenn ich merke, dass die Vorstellungen schwächer werden, oder eine "Pause" entstehst oder ich den Faden verloren habe, dann wiederhole ich einfach die Formel und nehme quasi den Faden damit wieder auf, ihn aufrecht zu erhalten. Wenn ich den Wunsch etliche Male wiederholt habe, ist es möglich, dass ich merke, wie sich nach und nach ein gutes Gefühl aufbaut. Das kann aber einiges an Übung brauchen, bis man sowas merkt. Wenn es stabil ist versuche ich es in eine andere Richtung mitzunehmen und richte mein Wünschen auf die nächste Person, also erst so auf mich, dann jemanden, der mir nahe steht, dann eine mir neutrale Person, dann jemanden, den ich schwierig finde, dann weitere Gruppen, je nachdem wie es meine Zeit erlaubt, und meinen Anleitungen folgend.

    Einige Lehrinhalte sind halt logisch nicht erfassbar,

    Auf welche Lehrinhalte des Dharma trifft dies denn zu?

    Meine persönliche Theorie dazu, warum der Buddha in solchen Fragen doch lehren konnte... Obwohl sich manche Themen (Karmawirkung, das Wirken der Buddhas, etc.) bei genauerer Untersuchung komplett dem Verstand entziehen können... Ist, dass der Buddha vielleicht einfach durch seine Erinnerung an die vielen vielen Leben, die er mit der Erleuchtung erwirken konnte, Zugriff auf einen massiven Schatz aus Lebenserfahrungen hatte, aus den unterschiedlichsten Perspektiven.


    Vielleicht hat er ja seine Aussagen über Ursachen und Wirkungen einfach aus dieser Erfahrung abgeleitet? Die Aussagen im Kanon basieren ja auch immer entweder auf verallgemeinernden, aber eher vagen Aussagen (eine Tat bringt gute Frucht/schlechte Frucht), oder aber auf Anekdoten, was in einzelnen Fällen konkret als Folge einer Tat entstanden ist. Solche Aussagen lassen sich durchaus aus der Verarbeitung von konkreten, evtl. wiederholten Erlebnissen ableiten. Zumal der Buddha auch von Erlebnissen (auch in seinem letzten Leben) berichtete, die ihn scheinbar mehr Information in der Realität wahrnehmen liessen, etwa den Bestimmungsort von Wesen und ihre Herzensneigung, wovon man dann mit der Zeit wahrscheinlich sehr viel über das Wesen der Realität ableiten kann.

    Der Pali Kanon als gebundene Bücher füllt glaube ich einen ganzen Schrank. Sieht man manchmal auf Bildern aus Klöstern.


    Die moderne Technik hilft hier weiter. Ich habe mir die komplette Webseite auf einem pc mit einem Spezialprogramm runtergeladen (httrack, hat ewig gedauert...). Das Ergebnis ist jetzt bei mir eine 60mb zip Datei (ohne die MP3 mit dem Vortrag über Mahasi Meditation), die ich auf meinem Handy entpacken (kostet noch mal 300 mb) und dann immer offline lesen kann. So habe ich den ganzen Wandschrank mit dem Kanon mit allem drum und dran und noch einigen hübschen büchern einfach immer in der Hosentasche, auch ohne Internet. Und kann ihn sogar anderen, die mir vertrauen, noch per Bluetooth weitervererben. Obwohl ich selbst lieber vorsichtig wäre, von wem ich Sachen webseiten annehme, nicht dass die Seiten dann schön durch die Gegend funken... Und der Betreiber der Webseite hat gegen mehr als eine Privatkopie wahrscheinlich auch was dagegen...

    Bei der Meditation nicht auf die Uhr schauen...am besten man sieht sie gar nicht! Ich nutze eine Handy app, in bestimmten, langen abständen einzelne gongs erklingen lässt. Momentan einen dezenzen Klang alle 20 Minuten, dann weiss ich in etwa wie lange meine session schon läuft, wie schnell ich ruhig wurde, welche Übung sich noch lohnt, Als Gelegenheit zu schauen ob ich noch bei der Sache bin und meine Haltung richtig ist... Aber selbst das ist alles eigentlich schon zu viel Ablenkung. Das Handy sehe ich bei der Meditation aber nicht an, und die app schaltet auch die Benachrichtungen und Anrufe stumm während ich meditiere. Meditation ist nur: ich und der Geist. All die Ungeduld, Unsicherheit wie lange man sitzt, das Abwarten des Klanges, das Nachschauenwollen wie lange man schon sitzt usw...sind eigentlich Sachen, denen man in der Meditation nicht nachgehen sollte, sondern man sollte sie eher als aus der Ruhe bringend erkennen, und durch Gleichmut versuchen zu überwinden. Genau dieses Überwinden macht einen Teil der Segensreichen Wirkung der Meditation aus, und hilft sich von derartigen Dingen auch im Alltage nicht mehr so schnell bewegen lassen zu müssen.


    Ansonsten kann ich dir nur empfehlen, das mit der Meditation nicht zu einfach zu nehmen...entweder einen guten Lehrer, oder wirklich intensiv und im Detail mit dieser Kunst beschäftigen. Meditation wirkt erstmal einfach, aber es ist besser, man hat eine gute Anleitung, die einen immer in der richtigen Spur hält, und damit man weiss, was einen erwartet und wie man die erwünschten Ergebnisse gezielt erreichen kann.

    Hier wurden schon viele gute Tipps gegeben wegen Gedankenkarussel... Eines will ich dazu noch schreiben, auch gerade, weil mir mal wieder bewusst wurde wie wichtig das für mich ist: Den Gedanken auch mal den Raum geben, den sie da permanent von einem fordern.


    Ich habe nicht so Probleme mit dem Schlafen, kenne aber das Gedankenkreisen den Tag über und in der Meditation. Vor allem in der Meditation war es lange problematisch für mich, dass ich von vielen Gedanken zu meinem Leben und der Welt abgelenkt wurde. Wenn ich gerade wenig Sorgen hatte, konnte ich gut meditieren, aber sobald was am glühen war, wurde es schwierig... Und je mehr man eigentlich relevante Probleme im Leben versucht zu ignorieren oder auszuklammern, umso deutlicher melden sie sich oft dann erst recht immer wieder zurück!


    Dann habe ich angefangen, diese ganzen Gedanken einfach mal bewusst zuzulassen, und mich ihnen zu stellen. Wenn ich mich zur Meditation hinsetze, dann sitze ich entspannt, versuche im Hier und Jetzt anzukommen, und schaue immer wieder ruhig auf den Atem. Erzwinge aber nichts, sondern lasse die Gedanken erstmal einfach alle kommen und gehen wie sie wollen. Aber eben bewusst, ich sehe dem Denken in's Auge, und versuche irgendwie innerlich geschickt damit umzugehen, was sich mir da alles zeigt. Ich bleibe natürlich ruhig, und achte immer wieder auf den Atem, nutze diese Zeit auch um immer ruhiger und entspannter zu werden, was auch hilft die Gedanken sachlicher zu erfassen, und dann später in der Sitzung Konzentration und Gemütsruhe zu erfahren. Ich lasse mich aber eben davor bewusst ablenken, und versuche auch die Gedanken ernst zu nehmen und auch immer irgendwie meine Lehre aus ihnen zu ziehen.


    Irgendwann dann merke ich meist, dass die wirklich wichtigen Probleme alle einmal angedacht wurden, und ich hoffentlich dann für den Moment irgend einen brauchbaren Stand zu ihnen gefunden habe, oder sogar eine gute Idee als Auflösung. Meist rotieren dann im Geist immer noch Gedanken... Aber eben keine relevanten mehr, die tatsächliche Probleme in meinem Leben angehen, sondern meist nur noch so Dinge wie Wiederholungen oder Übertreibungen, unsinniges, Träumereien usw. Dann weiss ich, das Denken hat sein Pulver verschossen, und ich weiss der Zeitpunkt ist gekommen auf das Geplapper nicht mehr achten zu müssen. Ich entscheide dann bewusst: so, ab jetzt wo alles wichtige erschöpft wurde, versuche ich mich nur noch auf meinen Atem zu konzentrieren, und nicht mehr auf die Gedanken zu achten. Und: es scheint zu funktionieren, die Ablenkungen sind dann bei mir wirklich nicht mehr so übermächtig. Oft nimmt diese Denkphase bei mir durchaus die ersten 20-30 Minuten der Meditation ein, manchmal auch die ganze Session, manchmal nur 5 Minuten. Aber ich weiss eben, es ist irgendwie bei mir nötig, es hilft mir, und danach bin ich befreiter und kann dann erst richtig meditieren!


    Also bei mir macht es wirklich einen grossen Unterschied. Das bewusste "Abarbeiten" dieser Gedanken hilft mir zudem, zu den ganzen Problemen die ich in der Welt so habe auch einen guten Stand zu entwickeln, und auch oft um Lösungen zu finden, wie ich die Probleme befrieden kann, so dass sie mich in Zukunft nicht mehr so belasten. Statt zu versuchen davor abzuhauen, halt erstmal den Dingen ruhig versuchen in's Auge zu sehen und Lösungen zu finden. Das geht zwar nicht immer gut, und manchmal ist die Lösung einfach Abwarten, oder später damit beschäftigen, oder auch mal "keine Ahnung...". Aber selbst mir das einzugestehen kann helfen, den Druck etwas zu lindern. Letztenendes denke ich, die ganzen Probleme plagen mich auch abseits der Meditation deswegen weniger, aber das habe ich noch nicht so genau beobachtet.


    Vielleicht hilft dir dieser Ansatz ja auch, mit deinen Gedanken vor dem Schlafen besser umzugehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man auch ohne Meditation vor dem Einschlafen gut den Gedanken einfach mal eine Weile die Aufmerksamkeit schenken kann, die sie da von einem wollen, und dass man danach dann vielleicht auch besser einschlafen kann.

    Ich praktiziere auch immer mal den Body Scan, vielleicht hilft dir meine Erfahrung als Anregung für deine Praxis etwas weiter.


    Also ich meditiere hauptsächlich nach Culadasa, und in seinem Shamatha 10-Stufenmodell gehört Body Scan in Stufe 5 zu den empfohlenen Methoden zur Steigerung der Konzentration und Achtsamkeit.


    Ich empfinde es unter anderem auch als Training der Wahrnehmbarkeit des Körpers. Ich glaube, gerade wenn man wie ich meist mit offenen Augen meditiert, entwickelt sich schnell ein Ungleichgewicht in der Wahrnehmung, bei mir etwa, dass ich den Geist und auch das visuelle Empfinden der Welt immer stärker wahrgenommen habe, und den Körper im Vergleich immer schwächer. Durch systematisches Body-Scan Training kann man glaube ich dieses Ungleichgewicht korrigieren, und sich wieder stärker des Körperempfindens bewusst werden, was auch mental einen stark "erdenden" Effekt haben kann, also dass geistige Impulse im Vergleich zur Wahrnehmung des Körpers nicht mehr so übermächtig sein müssen.


    Also ich weiss nicht genau, wie es anfangs bei mir war, da ich vor 20 Jahren schon einmal regelmässig meditiert habe, und dabei auch Body-Scan praktiziert habe. Die durch Training gesteigerte Wahrnehmung des Körpers ist wie ein Muskel, der nie ganz verschwindet, den man aber nur durch regelmässiges Training intensiv wirksam sein lassen kann. Jedenfalls ist es bei mir so, dass ich wenn ich darauf achte, ein Gefühl für die Position meines Körpers, seiner Körperteile, und der Empfindungen an und in ihm haben kann. Wenn ich im Body Scan etwa meinen Fuß beachten will, dann spüre ich mich quasi in meinen Fuß ein - ich achte auf alle Empfindungen in ihm, und verweile aber auch durchaus eine Weile bei jedem Element das ich betrachte, bis ich es eine Weile deutlich wahrnehmen konnte. Ich kann ja wissen, wo und wie mein Fuß gerade ist, und darauf versuche ich eben zu achten bzw den Umfang des Zentrums meiner Aufmerksamkeit auf ihn auszurichten. Wenn ich mich stark konzentriere, dann fühle ich etwa auch, dass da ein Socken um ihn ist, und ahne wie sich das räumlich verhält. Es ist auch hilfreich, mit der Aufmerksamkeit die Details vom Fuß, die man fühlen kann, genauer zu untersuchen, etwa ob man die einzelnen Zehen fühlen bzw anhand des Gefühls ihre Position erahnen kann, die Bereiche der Ferse oder den Ballens. Von den Details versuche ich dann wieder zurück zum ganzen Körperteil, und reflektiere dabei, was ich wahrnehme (und was nicht). Also den Sinn, dass da ein Körperteil ist, das zum Körper gehört, den Tastsinn, die Wärme/Kälte, Schmerz/Wohl, Bewegung, evtl kann man auch das Blut spüren, das zirkuliert, oder wenn man vorher schon auf den Atem Konzentriert war, kann man auch Ströme aus Empfindungen im Körper wahrnehmen, die scheinbar zum Atem gehören, und je nach spiritueller Praxis vielleicht noch andere Dinge. Dabei warte ich erst, bis ich eine klare geistige Auffassung und Wahrnehmung von dem Körperteil habe, das ich betrachte, und etwas bei diesem Eindruck verweilt bin. Das kann je nach Ablenkungen, Verfassung etc. auch mal etwas dauern, also ganzer Körper um die 20 Minuten etwa, oder noch länger - deswegen finde ich geführte Anleitungen nicht so gut, meist zu hektisch, vor allem für Anfänger. Man kann aber vielleicht durch geführte Anleitungen gut lernen durch den Körper durchzugehen, und worauf man achten kann - um sich bei späterem Zeitpunkt, dann ohne die Anleitung, das noch einmal in aller Ruhe, sich viel Zeit lassend, noch einmal nachzuvollziehen.


    Ich kann mir vorstellen, dass man anfangs noch ungewohnt sein kann, diese Wahrnehmungen alle zu empfinden. Z.B. in's Detail zu zoomen und die Zehen zu fühlen ist schon tricky und erfordert viel Willenskraft. Vielleicht wären einige Vorübungen hilfreich, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wenn man das auf Anhieb noch nicht so kann. Etwa bewusst den Körper Sinnesreizen auszusetzen, die man stark bzw moderat fühlen kann, um sich nach und nach an die subtileren Empfindungen heranzutasten. Ich dachte gerade daran, dass unter der Dusche, und kurz danach, wenn man den Körper intensiv fühlen kann, einfach immer wieder bewusst auf die Empfindungen im Körper, die Körperteile und ihre Position, zu achten. Auch kann es anfangs hilfreich sein, bewusst Körperteile leicht zu bewegen, um ihre Position fühlen zu können. Oder bewusst Muskeln anzuspannen und zu entspannen. Die Idee, einfach mal PMR (progressive Muskelentspannung) zu praktizieren, finde ich gar nicht so falsch. Ich empfinde die Fähigkeit, Muskeln bewusst zu entspannen wenn ich sie als angespannt fühle, auch sonst für die Meditation enorm Hilfreich, und es ist eine Fähigkeit, die sich durchaus auch auf das geistige anwenden lässt.


    Vielleicht ist die Betrachtung in Bewegung auch eine hilfreiche Idee, etwa einfach beim Gehen oder während einer Gehmeditation auf den Körper zu achten bzw. auf mit ihm verbundene Sinneseindrücke. Oder einfach im Alltag immer wieder kurze einzelne Betrachtungen durchzuführen, vor allem wenn man gerade interessante Sinneseindrücke hat, die ein Körperteil stärker empfindbar machen. Ich denke, dass du deinen Körper im Ruhezustand glaubst nicht spüren zu können, kann daran liegen, dass solches Bewusstsein wirklich eher subtil ist, und es einfach bei dir noch nicht so ausgeprägt bzw durch das Leben trainiert ist. Vielleicht hilft dir einfach etwas Übung, und mit der Zeit wird die Achtsamkeit auf den Körper stärker werden können.


    Zudem trainiere ich den Body Scan meist im Setting einer Meditation. Vorher sitze oder liege ich schon 10-20 Minuten und achte auf meinen Atem und lasse die Gedanken vorbeiziehen und entspanne alles was an der Ruhe und Gesammeltheit zerrt oder sie belastet - in eine ruhigen, sehr entspannten und gesammelten Verfassung ist ein Body Scan noch einmal etwas anderes, als einfach so im Alltag. Zudem ist mir im Meditationssetting immer mein Atem im Bewusstsein, nicht immer im Vordergrund, aber er ist immer mindestens halb bewusst aktiv und begleitet die scannende Aufmerksamkeit.


    Besondere Visualisierungen, oder die Lokalisation von Organen usw praktiziere ich (noch) nicht. Ich versuche bei tatsächlichen Empfindungen zu bleiben, und eben bei dem Sinn, wie mein Körper aufgebaut ist. Wie bei jeder Meditation erlebe ich hier auch immer Ablenkungen und Hindernisse, etwa Verfremdungen oder Verschiebungen, Missempfindungen bzw. Störungen durch geistige Aktivitäten. Meine Linie ist immer klipp und klar bei der (Sinnes-)Wahrnehmung und dem natürlichen Körperbewusstsein zu versuchen zu bleiben.

    Wenn man es versuchen will, kommt man wohl um drei Dinge nicht herum: Sila, Samadhi, Prana. Die muss man versuchen aufzubauen und immer weiter daran arbeiten. Das Leiden nimmt ja auch schon durch die irgendwann ab, nicht erst irgendwann in weiter Ferne.


    Aber was auch hilft, auch mir gerade sehr hilft. Gerade in einer Welt wie dieser, wo es echt krass abgeht. Man sollte besser versuchen aufzuhören, wegen den anderen zu meckern, und Beschuldigungen vor sich herzuschieben. Die machen das nun mal so, das muss man irgendwie leider akzeptieren. Dann kann man versuchen von diesen Menschen zu lernen, wie man es nicht macht. Dann kann man bei sich selbst anfangen, versuchen die Dinge besser zu machen. Aber andere kann man nicht immer ändern, also sollte man versuchen damit, wie es ist, eben so geschickt umzugehen wie es möglich ist. Von sich selbst aus kann man eh nur wirklich was bei sich selbst ändern, nicht bei anderen. Anderen kann man nur versuchen beizustehen, und man kann aber auch nicht jedem beistehen. Und darf dabei nicht vergessen, dass man selbst auch wie die anderen immer mal schwach war, vielleicht auch immer wieder sein wird, und dass man glücklich ist, wenn man allein schon die Idee haben darf, dass die Dinge auch anders funktionieren könnten.

    Hallo anfaenger !


    Du hast nun gemerkt, dass Meditation keine einfache Sache ist, obwohl die "Anleitung" erst einmal sehr simpel klingen kann.


    Ich vergleiche das mit einem nach und nach Gewöhnen an etwas. Dabei werden auch Fähigkeiten trainiert, die ausserhalb der Meditation von Nutzen sein können.


    Kennst du den Unterschied, wenn man etwas macht, und entweder man fühlt sich unbeobachtet dabei, oder beobachtet? Auch dass es schwieriger sein kann, und man viele Gedanken haben kann, wenn man denkt, man wird beobachtet? Etwa so ist es in der Meditation, wenn man anfängt sich selbst zu beobachten, seinen Geist zu beobachten. Das erzeugt erst einmal grosse Spannung, und man muss sich nach und nach daran gewöhnen, das zuzulassen und natürlich dabei sein zu können.


    Wenn man sich daran gewöhnt hat, bei etwas beobachtet zu werden, dann kann man wieder Ruhe und Sicherheit dabei haben. So ist es auch irgendwann in der Meditation.


    Auch durch das Gewöhnen, das Zulassen, das in's Auge sehen - können viele dieser Erscheinungen der "Bewusstheit" nach und nach ihren Schrecken verlieren. Es ist genau wie mit dem Schmerz, und dem schaut man in der Meditation durchaus auch in's Auge: wenn man erkennt, dass das Leiden daran nur im Geiste liegt, nicht im Körper und der Empfindung, dann erträgt man die Empfindung irgendwann sehr viel besser. So macht diese Bewusstheit, die dir nun störend auffällt und unangenehm ist, irgendwann das Gegenteil von dem was du fürchtest, sie kann das Leid, das durch Schmerz entsteht lindern, und verstärkt es nicht unbedingt, wie du fürchtest. Man ist sich dabei aber sehr wohl der unangenehmen Erscheinungen bewusst, sie nehmen einen nur nicht mehr so mit!


    Auch das mit dem Abgelenktsein gehört leider dazu. Weisst du, dein Geist trainiert sich in der Meditation quasi selbst, indem du solche Schwierigkeiten dabei durchleben musst. Etwa trainiert er dabei gerade massiv, mit Ablenkungen umzugehen. Jedes Mal, wenn du eine Ablenkung vom Objekt (vom Atem z.B.) bemerkst und zurückkehrst, gehst du aktiv mit einer Ablenkung um. Diese Fähigkeit wird dadurch trainiert, und kann sich auch ausserhalb der Meditation fortsetzen - d.h. du wirst irgendwann in der Lage sein, auch im normalen Leben Ablenkungen schnell zu erkennen und abbrechen zu können. Zudem hast du sicher schon gemerkt, dass so etwas zuzulassen eine enorme Geduld und Ruhe, und den Willen dranzubleiben erfordert. Diese Eigenschaften werden durch die Meditation auch trainiert, und nutzen dir irgendwann sehr im alltäglichen Leben.


    Was du also jetzt als mühselig empfindest, kann dir also durchaus noch von grossem Nutzen sein, wenn du dich weiter durchbeisst und die Meditation richtig übst. Auch musst du nicht denken, dass diese Phase ewig anhält. In der Meditation geht man durch verschiedene Entwicklungsstufen, und die ersten bedeuten halt so ein brachiales Abgelenktsein und das Ausgesetztsein der Erfahrung gegenüber. Später, wenn du darin geübter geworden bist, kann dir die Meditation vielleicht genau das Gegenteil werden, ein Ort der Ruhe und Sammlung und Erholung. Denn je besser man mit den Ablenkungen umgeht, umso mehr und durchgängiger bleibt man beim Atem, und das verändert irgendwann den Geist und macht ihn sehr ruhig und entspannt, und lässt ihn irgendwann auch sehr wohltuende Vertiefungszustände erleben.


    Auch ist das mit den Ablenkungen so, dass sie anfangs ganz schön schwierig sein können, und überwältigend und überfordernd wirken können. Mit der richtigen Technik aber wird der Geist immer geschmeidiger im Umgang mit ihnen, und kann irgendwann einfach so ohne viel Anstrengung auf dem Objekt/auf dem Atem bleiben, und Ablenkungen von sich abweisen, noch bevor sie die Aufmerksamkeit vom Atem wegbringen konnten. Bei mir hat sich diese Fähigkeit nach und nach entwickelt. Es sind aber ausser den Anfänglichen Ablenkungen auch noch andere Schwierigkeiten und Hindernisse zu erwarten, mit denen man ebenso umgehen lernen muss. Vor allem man selbst steht sich schnell im Weg bei der Meditation. Das ist die grösste Schwierigkeit an sich in der Meditation, finde ich, aber auch die kann man meistern!


    Und wenn du zu grosse Schwierigkeiten mit den Ablenkungen hast, dann kannst du vielleicht vorübergehend eine andere Technik benutzen, oder eine Hilfstechnik, um durch mehr Konzentration auf den Atem schneller ruhig zu werden, und dann besser mit der Situation umgehen zu können. Mir hat am Anfang etwa sehr geholfen, verschiedene Zählübungen zu machen, also die Atemzüge zu zählen.


    Achso das mit der Schutzfunktion, ja nun... Ich denke, die Veränderungen durch die Meditation sind sinnvoll in unserer Welt. Wir leben nicht mehr direkt der Natur ausgesetzt, sondern in einer Zivilisation. Also müssen wir nicht immerzu unter Strom stehen, sondern können auch ruhig bleiben. Meditation kann in der Tat sehr ruhig und besonnen machen, auch Schrecken überwinden lehren usw. Mir hat es schon viel genutzt, in schwierigen Situationen einfach cool bleiben zu können, mit Bedacht und Kopf entscheiden zu können, statt mit Bauch und Angst, mich nicht aufregen zu müssen sondern immer ganz ruhig bleiben zu können.

    Danke für eure Ansichten dazu! Ich hatte auch den Eindruck, dass viele die so unterwegs sind eigentlich fundamental wichtige Dinge nicht richtig beachten und dann schnell mal Probleme oder überfordernde Erfahrungen haben dadurch. Trotzdem haben mir Schilderungen aus dem Umfeld schon viel geholfen, mein Meditationserleben besser zu verstehen, oder Schwierigkeiten, die dabei entstehen können, richtig einzuordnen.


    Also die Leute die ich meine, scheinen mir eigentlich recht informiert was passieren kann, so wirkt auch ihr Austausch. Aber eben fixiert auf das Meditationserleben und die (erwünschten und unerwünschten) Änderungen und Erlebnisse dadurch. Es ist halt irgendwie eine Art technischer, traditionsloser Buddhismus scheint mir, wo manche Teilnehmer gut informiert scheinen, andere aber nicht so.

    Wie seht ihr das moderne Phänomen eines pragmatischen Herangehens an den Buddhismus? Also zielgerichtete Praxis auf dem Pfad um möglichst schnell via Meditation und Einsichtspraxis Wirkung zu erzielen, oft ohne direkten Bezug zu einer Tradition. Ich sehe dies als schon recht zielgerichtet auf die Einsichtspraxis. Also etwa eine Praxis nach den Büchern von Daniel Ingram, Burbea und co.


    Ist dies ein Phänomen, das eher in Amerika zu finden ist, und hier noch nicht so weite Verbreitung hat? Ist mein Eindruck falsch, dass hier viele ohne Bezug zu Traditionen Einsichtspraxis betreiben?


    Ich bin mir auch nicht sicher, aber mir scheint diese Strömung ist nicht direkt mit dem sekulären Buddhismus zu verbinden, etwa was die Beachtung vom Konzept Wiedergeburt oder der Wahrnehmung von Erscheinungen angeht, auch wenn wahrscheinlich etliche in diesem Umfeld aus der sekulären Ecke kommen. Sehe ich das richtig, oder liegt mein Eindruck hier falsch?


    Es scheint mir manchmal teils schon recht heftig in Richtung Rock'n'Roll des Buddhismus zu gehen. In einem Forum geht es viel um konkrete Meditationserlebnisse und damit verbundene Ansichten, und manchmal auch um Drogenerfahrungen. Wie seht ihr diese Strömungen? Weg zur Befreiung ohne Brimbamborium, oder gefährliches vorgehen?

    Nirvana - frei von Gier, Hass, Wahn, Illusionen. Eins mit der Realität - auf unverfremdete Weise, sie im Hier und Jetzt zu umarmen und dann aber auch wieder loslassen zu können. Nicht festhaltend, gelangt man über sie hinaus. Ich denke schon, dass es besser ist, als von Begierden zu schlimmem getrieben zu werden, vom Hass zu noch schlimmerem, durch den Wahn die Illusionen für real halten zu müssen, und die Welt durch all diese Dinge geblendet nur so zu sehen, dass sie eben diese Dinge immer weiter geschehen lässt. Das ist eben die Einsicht, dass die Natur der Dinge, die wir erleben, leider nie das sein kann, was wir von ihnen wünschen - erst ohne Wünschen, ohne Hass und Begierde ihnen gegenüber, können wir sie akzeptieren und mit ihnen Frieden machen. Der Buddhismus zeigt dann, wie man das schafft, und was dann passieren kann.


    Es gibt übrigens Buddhisten, die das Konzept vom Himmel wegen der Abwesenheit von Leid wie du auch als problematisch sehen, da die Wesen dort durch ihr angenehmes Dasein keinen Wunsch nach Befreiung entwickeln können, obwohl ihr Dasein dort eigentlich auch genauso Leer ist wie unseres. Ich habe es dann so verstanden, dass auch Himmelswesen noch durch Begierden, Stolz, Eitelkeit, Zorn auf unedles, und dergleichen betroffen sein können.


    Warum genau es das Leid überhaupt gibt, das beantwortet der Buddhismus aber glaube ich nicht direkt. Er zeigt erstmal nur Wege aus diesem heraus. Zu wissen, warum es das Leid gibt, ist glaube ich dafür nicht nötig. Ich persönlich glaube, so lange wir noch in unserem Dasein gefangen sind, werden wir das auch nie wahrheitsgemäss erfahren dürfen. Vielleicht ist es ein Mara, vielleicht ein Gott, es scheinen jedenfalls Regeln zu sein an die wir alle gebunden sind. Ich persönlich glaube, dass wir das auch gar nicht wissen können, was das ganze soll - und aus meiner Sicht verneint der Buddhismus an sich auch nicht die Idee von einem alles geschaffen habenen Gott, genausowenig wie er sie bestätigt. Ich vermute das liegt daran, dass es für den Weg aus dem Leiden unerheblich ist, und man dafür nur die Regeln kennen muss, nicht wer sie aufgestellt hat. Die Christen berufen sich halt auf ihre Visionen, das Sehen dieses Wesens, den Austausch mit ihm. Vielleicht wird so etwas, da es auch Täuschung sein kann, einfach nicht akzeptiert, sondern nur die Regeln, da sich diese in der Praxis als wiederholbar und effektiv herausgestellt haben?


    P.S. Auch der Weg zum Nirvana ist geprägt von viel viel Leiden, riesig ist der Berg an Knochen, der aufgehäuft wurde, ein Ozean ist der See der Tränen, die wir weinen mussten, bis es uns ermöglicht wird dem Leiden endlich zu entkommen und Frieden zu finden, schon zu Lebzeiten und darüber hinaus. Deswegen soll man sein Leben auch nie wegwerfen - zu kostbar ist es, auch die leidvollen Momente, bringen sie einen der Erlösung ja jeden Moment ein Stückchen näher.

    Ja also, ich denke man sollte zumindest sein Selbst be-frieden, so dass es nicht mehr dazu geneigt ist übermässig den Trieben zu folgen, sondern nur noch dort wo es noch gesund und sinnvoll ist, so lange man an sie gebunden ist.

    Sieh es mal so - als Informatiker beschäftigst du dich hauptsächlich mit der Herstellung von Werkzeugen, oder mit der Technik, die dafür nötig ist.


    Ich würde auch sagen, das sollte meist unproblematisch sein, ausser es geht direkt um Dinge wie Waffen und Viehzucht. Wenn einer einen Hammer macht, dann denkt er auch nicht daran, dass damit jemand erschlagen werden könnte. Und mit dem Hammer könnte man auch Dinge herstellen, die noch tödlicher sind. Aber dafür kann der Werkzeugmacher erstmal nichts! Und wenn er dann plötzlich eine Pistole machen soll, erst dann weiss er, okay es ist definitiv eine Waffe, also ein Werkzeug das primär zum Töten und Verletzen gedacht wurde...und kann sich immer noch aus ethischen Gründen weigern, den Job zu machen.


    Sieh es auch mal so herum, dass die Informatik, gerade die moderne, auch ein wahrer Segen sein kann. Sie kann direkt dabei helfen, Menschen zu ernähren, ihnen bessere Heilung von Krankheiten zu ermöglichen, sie zu bilden, ihnen Sicherheit zu schaffen, weniger Ressourcen zu verschwenden usw. Es sind schon sehr mächtige, teils spezialisierte, teils generell einsetzbare Werkzeuge. Ich kann mir vorstellen, dass es im Gegenteil also sogar ein sehr gutes Karma ist, an der Herstellung eines informationstechnischen Werkzeuges zu helfen, das Leben retten kann, vor allem wenn es ein gutes Werkzeug ist und die Arbeit deswegen besonders motiviert gemacht wird.

    Also das mit dem Willen vom Sieg muss ja nicht zwingend so sein. Gerade unter der Hinsicht "Selbstverteidigung" geht es vielleicht manchmal nur um Schadensbegrenzung - durch Einsatz der Methoden bekommt dann etwa eine aggressive Person A einen moderaten Schaden, bevor sie einer wehrlosen Person B einen eventuell viel grösseren verursachen würde. Ich denke die meisten werden zustimmen, dass solch ein Ausgang günstiger ist, als wenn Person A gewähren gelassen worden wäre, auch wenn es natürlich besser wäre, niemand würde verletzt. Oder man kann verhindern, dass jemand mit Gewalt einen zu etwas zwingen könnte, damit einem selbst oder anderen Schaden zufügt. Das können sehr sehr schwierige Situationen sein, das zu entscheiden, falls man plötzlich vor ihnen steht - also die Möglichkeit, durch Einsatz des Gelernten dann Gewalt und Schäden bei Menschen verhindern zu können. Da geht es nicht unbedingt um einen "Sieg", sondern es kann auch einfach das Verhindern von weiterer Gewalt durch körperliche Methoden wichtig sein.


    Aber ich finde das ganz richtig mit dem Schwert das in der Scheide bleiben sollte. Die beste Gewalt ist die, die gar nicht erst passiert. Und selbst wenn man noch so fit ist, ist vielleicht oft besser, man lässt es meist doch lieber sein, um nicht noch alles schlimmer zu machen. Wenn man eine Kampfkunst kann, also der Körper in eine Waffe verwandelt werden kann, dann muss man auch lernen richtig damit umzugehen und das unter Kontrolle zu halten, das ist auch Verantwortung. Diese Waffe hat man immer bei sich, und sie ist nicht unbedingt vollkommen, sondern es kann immer auch daneben gehen. Und anderen Menschen eine Waffe unter die Nase zu halten, ist meist keine gute Idee.


    Ich denke, man kann Kampfkunst aber immer auch einfach nur so trainieren, selbst wenn man sie eigentlich nie einsetzen will, ausser es geht mal wirklich um Leben und Tod. Das denke ich ist durchaus eine gesunde Geisteshaltung, und das Training hat ja auch viele andere Vorteile, als dass man damit dann jemanden verletzen kann. Wer trainiert, ist auch gesündern, hat eine andere Ausstrahlung, sieht kräftiger aus, bewegt sich anders usw. Das kann einen auch durchaus schützen, auch wenn man sich geschworen hat, das nie auf einen Menschen zu richte.

    Lass dir nicht einreden, dass so etwas zu können grundverkehrt wäre. Vor allem, wenn es dir gut tut! Körperbeherrschung ist etwas enorm heilsames. Denk an die Shaolin-Mönche, die auch trainiert haben, und durch ihre Disziplin die Kampfkunst auf höchstes Niveau bringen konnten. Eine trainierte Körperlichkeit kann von grossem Nutzen für die Gesundheit und auch den Geist sein. Wer sich körperlich konzentrieren kann, kann das auch geistig. Die Mönche hatten ausserdem durch ihr Training, auch ohne jemanden schlagen zu müssen, Frieden. Weil genug Räuber bescheid wussten, wie hart die schlagen können, und es deswegen gar nicht erst bei ihnen versucht haben.


    Unheilsam ist solch eine Kunst wahrscheinlich nur, wenn sie missbraucht wird! Ich glaube, man kann so eine Kunst aber auch einsetzen, um Schaden zu verhindern. Also, wenn du es ernst nehmen willst damit, anderen Menschen nicht unnötig schaden zu wollen, dann lerne auch dich zurückzuhalten. Ausser du merkst es ist wirklich nötig, deine Fähigkeiten anzuwenden. Mach dir vorher ganz klar, wo deine roten Linien sind. Plane keine konkrete Gewalt vorweg, sondern lerne nur Situationen erkennen, wo es nicht mehr anders geht. Lerne diese aber auch gut erkennen, damit du weisst, was möglich ist, und wann du dich besser zurückhältst. Du kannst auch zusätzlich Bemühungen anstellen, dass du lernst welche Techniken ernsthaften Schaden bei dem Gegner verursachen können, und mit welchen du ihn noch relativ schadlos an etwas hindern kannst. Oder wie du abschrecken kannst, noch bevor jemand ernsthaft verletzt würde. Und auch lernen, welche Techniken wirklich allerletztes Mittel sein sollten, oder welche am besten gar nicht eingesetzt werden sollten. Und auch, in welchen Situationen die Gewalt nur alles schlimmer machen würde.


    Ich bin einer von denen, die denken, dass man Gewalt besser vermeiden sollte. Für mich persönlich, um meinen Geist auf einem friedlichen Niveau halten zu können, weil ich weiss sonst kann es sich gegen mich wenden! Ich halte das auch so, dass ich lieber vorsichtig bin, wie ich mich gedanklich dazu orientiere, und versuche nicht zu viele Dinge zu tun, die mich zu Aggression verleiten könnten. Das ist mein persönlicher Weg, der bestimmten persönlichen Schwächen Rechnung trägt. Aber ich würde immer gerne, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte, eine möglichst schadlose Kunst zum Umgang mit Gewalt lernen, auch durchaus eine körperliche. Einfach weil so eine Fähigkeit in einer Welt, in der es viel Gewalt gibt, von grossem Nutzen sein kann um sich und andere vor Gewalt schützen zu können. Ich respektiere auch jeden sehr dafür, der Kampfkunst auf hohem Niveau beherrscht, und sich Mühe gibt diese gewissenhaft einzusetzen und nicht zu missbrauchen.

    Ich denke, der Buddha hatte zu seiner hauptsächlich Zeit eine Art der Unterhaltung gesehen, die nicht geistig anspruchsvoll oder geistig anregend war. Sondern eher flache Unterhaltung. Die im Theater leidvolles oder leidbringendes als lustig oder besonders dargestellt hat, oder als Musik in Begleitung oder zur Bezweckung von Sinnesgenüssen einfacher Art auftrat. Vielleicht hatte er deswegen so eine schlechte Meinung von der Unterhaltung an sich.


    Ich denke, dass es durchaus Kunst gibt, die heilsam anregen oder die Kenntnis der Realität vertiefen kann. Wenn sie geschickt bestimmte Fragen aufwirft, oder wichtige Dinge nachempfindbar macht. Der Buddha selbst macht in den Sutren oft auch - lyrische Äusserungen in Versform, war also selbst ein Dichter, ein Künstler, er hat diese Kunst wohl nur nicht direkt als "Unterhaltung" angesehen! Dabei gilt sicherlich, dass Menschen auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen sind, und von unterschiedlichen Arten von Kunst angeregt werden können. Ich denke aber auch, es gibt auch heute ungünstige Arten der Unterhaltung, etwa Hollywoods Gewaltfilme, aus der nur kritische Geister lernen können, während unkritische eher ungünstig beeinflusst werden können, also Gier, Hass und Verblendung genährt werden können, anstatt dass gelehrt wird, sie zu hinterfragen.


    Was die Emotionen angeht, ich denke das sollte man nicht so sehen, dass sie, wenn sie leidvoll sind, irgendwie in Mitgefühl "umgeändert" werden sollten. Die Emotionen sind einfach nur die natürliche Reaktion des Geistes bzw. des Gemüts auf das erlebte. Ich denke, der Weg um sie weniger leidvoll werden zu lassen ist eine Kenntnis der sie auslösenden Realität, und vor allem eine Akzeptanz dieser. Dann werden die Emotionen von sich aus weniger leidvoll, und es kann sich womöglich zeigen, dass sie auch vorher schon eigentlich eine Form von Mitgefühl waren, und nun in anderer Form eben - nicht mehr leidvolles Mitgefühl geworden sind. Genauso wie Achtsamkeit auch erlaubt, sich der Natur dieser Emotionen bewusster zu werden, sie akzeptieren zu lernen, und dadurch können sie auch als weniger leidvoll und sogar bereichernd empfunden werden.