Posts by SteFo

    Zur Diskussion:

    Ich denke im Hinayana wird es wieder etwas anders ausgelegt als im Mahayana-Buddhismus, beziehungsweise speziell im tibetischen Buddhismus. Mir ging es jetzt neben dem Zweck (Gewissheit im Dharma) insbesondere um die Form. Also wie stark muss die Konzentration/Versenkung in der analytischen Meditation sein, um von Meditation in Abgrenzung von Kontemplation sprechen zu können? Oder ist analytische Meditation gar keine "richtige" Meditation. Für Vipassana benötigt man - soweit ich das verstanden habe - nur momentane Sammlung und keine angrenzende oder volle Sammlung. Oliver Petersen spricht in dem Vortrag jedoch von einspitziger Konzentration als Bedingung von Meditation (und ich verstehe hier: auch von analytischer Meditation). Oder meint er damit Shamata?

    Nachlesen in Tsongkhapas Lamrim oder in Meditation on Emptiness von Hopkins

    denn oben hast du mir geantwortet:


    Wie man eine Schrift liest und interpretiert ist eine Erfahrung - ich fragte nach individuellen Erfahrungen, sehe da jetzt kein Problem. Ein Studierter ist erfahren, eben weil er Schriften gelesen, erfasst und interpretiert hat.

    Die Doktrin kann man ausschließlich materialistisch-wissenschaftlich erforschen. Wie das geht, dazu habe ich mich bereits hier, im letzten Absatz ab "Das alles wirft die Frage auf: ..." geäußert. Da muss dann nichts interpretiert werden, denn man liest objektiv, an nichts glaubend und kein persönliches Interesse am Gelesenen habend. Weiterhin relevant ist der Beitrag darunter, hier, ab dem vorletzten Absatz ab "In einem nächsten - im letztem Abschnitt aus Post #102 - noch unerwähnten Schritt ".

    Wenn wir den Gautama


    Es ging mir weniger um Erfahrung, sondern um das, was wir aus den Schriften raus lesen ...

    Irgendwie scheinst du nicht zu wissen, worum es dir eigentlich geht, denn oben hast du mir geantwortet:

    Ich denke, es macht keinen Sinn eine Frage zu stellen, die von der Doktrin beantwortet wird.


    Doch macht es, weil ich ja zu Menschen spreche und nicht zu Doktrinen. Vielleicht lehne ich mich da ein wenig aus dem Fenster, aber ich meine, dass Menschen individuelle Erfahrungen machen und traue ihnen auch zu, diese zu äußern, auch wenn man gegen "Doktrinen" verstößt.

    Aber wenn es dir, wie du schreibst nur um "individuelle Erfahrungen" geht, warum müssen diese dann unter "Nirvana" und "Nicht-Selbst" subsummiert werden, da doch - wie allgemein bekannt ist - Menschen ihre inneren Erfahrungen (die von anderen nicht gesehen werden können) mal so und mal anders benennen, grade wie es ihnen gefällt.


    Buddha war ja auch ein Mensch und da wir Übersetzungen haben, werden wir wahrscheinlich auch nie 100% den wahren Kern hinter den Benennungen finden - das ist einfach unmöglich. Aber ein Austausch ist nichts schlechtes, dafür sind Foren doch da oder nicht?

    Wenn wir den Gautama nur als ganz normalen Mensch sehen, dann ist dein Anliegen a la "Ach reden wir einfach mal drüber, was uns so als unsere Erfahrungen einfällt beim Thema" berechtigt. Wenn wir den Gautama allerdings als eine Art "Übermenschen" (aka "Buddha") ansehen, was wir gemäß der buddhistischen Doktrin tun müssten, dann ist deine Anliegen nicht berechtigt, denn seine benennenden Worte haben dann eine Bedeutung, die sich ausschließlich aus den Schriften ergibt und der individuelle Ausdruck individueller Erfahrungen von ganz normalen Menschen hat damit nichts gemein.

    Ich seh den Gautama nur als ganz normalen Menschen an, der hatte etwas erfahren, was ihm "gut" erschien und dieses Gute schien ihm offensichtlich nicht so recht kompatibel mit der Selbstwahrnehmung, die er hatte bevor er seinen Erfahrungsweg begonnen hatte. Da der Intellekt der Menschen sehr kreativ ist, hat er sich dann eine Theorie zu seinen Erfahrungen ausgedacht.

    Kannst du nicht einfach klar machen, welche Ziele du verfolgst, wenn du von "Synergien" sprichst? Warum befasst du dich damit? Strebst du die Ziele des Buddhismus an und glaubst mit Hilfe psychotherapeutischer Ideen diese leichter/besser erreichen zu können oder strebst du im 'do-it-yourself' Modus psychotherapeutische Ziele an und glaubst diese mit Hilfe buddhistischer Ideen leichter/besser erreichen zu können?

    Das sind genau die Fragen, auf die ich versuche im Prozess eine Antwort zu finden. Ich würde gerade sagen: sowohl als auch. Auch wenn das für dich unbefriedigend oder als Rumgeeier erscheinen mag.

    Du versuchst also herauszufinden, welches deine Ziele sind. Gut, viel Glück dabei!

    Ich denke, es macht keinen Sinn eine Frage zu stellen, die von der Doktrin beantwortet wird.


    Doch macht es, weil ich ja zu Menschen spreche und nicht zu Doktrinen. Vielleicht lehne ich mich da ein wenig aus dem Fenster, aber ich meine, dass Menschen individuelle Erfahrungen machen und traue ihnen auch zu, diese zu äußern, auch wenn man gegen "Doktrinen" verstößt.

    Du glaubst also nicht nur, dass es Menschen gibt, die "Nirvana" und "Nicht-Selbst" Erfahrungen machen, sondern du glaubst auch noch, das es diese hier gibt, unter den Usern des Forums und dass diese "Erhellenderes" dazu äußern könnten als was bereits Doktrin ist. Aber wenn es dir, wie du schreibst nur um "individuelle Erfahrungen" geht, warum müssen diese dann unter "Nirvana" und "Nicht-Selbst" subsummiert werden, da doch - wie allgemein bekannt ist - Menschen ihre inneren Erfahrungen (die von anderen nicht gesehen werden können) mal so und mal anders benennen, grade wie es ihnen gefällt.

    Und wenn du von "Synergien" sprichst, so scheint mir, dass du dann einen Nutzen/Zweck im Sinne haben musst, anhand dem du "Synergien" erst feststellen kannst. Was ist dann dieser Nutzen/Zweck? Der Nutzen/Zweck der Psychotherapie oder der Nutzen/Zweck des Buddhismus oder der Nutzen/Zweck eines dritten Systems?

    Der "Nutzen" wären ja die Ziele. Also wobei natürlich beide, die Psychotherapie und der Buddhismus, nicht von Nutzen sprechen und keine utilitaristischen Nutzenkalküle verwenden. Die Ziele sind anderer Natur denke ich.

    Warum eierst du denn so rum? Kannst du nicht einfach klar machen, welche Ziele du verfolgst, wenn du von "Synergien" sprichst? Warum befasst du dich damit? Strebst du die Ziele des Buddhismus an und glaubst mit Hilfe psychotherapeutischer Ideen diese leichter/besser erreichen zu können oder strebst du im 'do-it-yourself' Modus psychotherapeutische Ziele an und glaubst diese mit Hilfe buddhistischer Ideen leichter/besser erreichen zu können? Oder verfolgst du Ziele aus einer anderen dritten Ideensammlung?

    Ich verstehe deine Worte so, dass deine Sicht auf die Dinge geprägt ist von dem Wunsch dich einem philosophischen System anzupassen (eine "(Post-)Moderne [Sicht] ... nach Hegel"), um deine Erfahrungen in einem einheitlichen System zu integrieren.

    Hegel war der letzte Philosoph in der kontinentalen Philosophie, der den Versuch unternahm ein System zu entwerfen, das die ganze Welt erklären kann. Wenn man dem Systemgedanken folgt führt das dazu, dass man Probleme mit Dissonanzen, Lücken, Rissen und Unstimmigkeiten hat, denn man möchte ja letztendlich doch alles in einer Einheit zusammenführen. Daran ist Hegel ja auch gewissermaßen gescheitert.

    Ich tippe mal, dass sich Hegel zu sehr auf den natürlichen Intellekt verlassen hat und wünsche allen, dass sie es besser machen als er.



    Vielleicht verstehst du ja als "sinnvolle Ergänzung" deine individuelle Zusammenstellung des Typs individuelle Zusammenstellungen von aus der Psychotherapie und/oder dem Buddhismus entliehenden Ideen zur Steigerung des individuellen Wohlbefindens.

    Ich nehme einfach die Ziele der Psychotherapie und des Buddhismus, also die (Wieder-)Herstellung von Autonomie und psychozialer Integrität und das Erlangen von nibbana und frage, ob sich diese Ziele gegenseitig ausschließen oder im Rahmen der Verfolgung dieser Ziele vielleicht sogar Synergien entstehen können.

    Ok, du versuchst also eine dritte Perspektive einzunehmen und die Objekte "Psychotherapie" und "Buddhismus" aus dieser zu betrachten. Inwieweit diese dritte Perspektive aber ggf. gar keine genuine dritte Perspektive ist, weil auch sie Ideen von "Psychotherapie" und/oder "Buddhismus" nutzt, bleibt ungeklärt.

    Und wenn du von "Synergien" sprichst, so scheint mir, dass du dann einen Nutzen/Zweck im Sinne haben musst, anhand dem du "Synergien" erst feststellen kannst. Was ist dann dieser Nutzen/Zweck? Der Nutzen/Zweck der Psychotherapie oder der Nutzen/Zweck des Buddhismus oder der Nutzen/Zweck eines dritten Systems?

    ...

    In wie fern macht dies Sinn?

    Ich denke, es macht keinen Sinn eine Frage zu stellen, die von der Doktrin beantwortet wird. Und von der Doktrin abzuweichen mit eigenen Gedankenfabrikationen und auf diesen eine Frage aufzubauen zu Begrifflichkeiten, deren Bedeutung sich notwendigerweise nur aus der Doktrin ergibt, macht auch keinen Sinn.

    Die Frage nach der Gleichzeitigkeit von Psychotherapie und spiritueller Praxis läuft nach meiner Einschätzung auf ein integriertes einheitliches System hinaus. Das Subjekt erfährt ja dann parallel seine Psychotherapie und seine spirituelle Praxis und wenn diese für das Subjekt kein integriertes einheitliches System bilden, dann läuft das mit großer Wahrscheinlichkeit auf kognitive Dissonanz hinaus.

    #1 Das mit dem einheitlichen System ist so eine Sache. (Post-)Moderne Menschen in einer funktional differenzierten Gesellschaft haben es da schwer, wenn sie den Anspruch aufrecht erhalten alle Erfahrungen zu einem einheitlichen System zu integrieren. Die Philosophie hat den Anspruch aufs System bereits nach Hegel aufgegeben. Die Frage ist, ob sich dieser Anspruch heute noch in der Alltagserfahrung der Menschen aufrecht erhalten lässt.


    #2: Das Konzept der kognitiven Dissonanz ist ja selbst Teil des medizinisch-psychologischen Systems und damit in seiner Geltung durchaus begrenzt. Daneben gibt es die Systeme Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Erziehung, Religion, Recht, intime Beziehungen, Familie und was weiß ich noch. Diese Systeme funktionieren jeweils nach eigenen Logiken, die sich nicht ohne weiteres ineinander übersetzen lassen.

    #3 Und nochmal: für mich geht es nicht darum ein einheitliches System aus Religion und Psychotherapie zu konstruieren, sondern die Möglichkeit einer sinnvollen Ergänzung in den Blick zu nehmen. Dafür muss der Therapeut nicht zum Guru werden und der spirituelle Lehrer nicht zum Therapeut. Das kann personell durchaus getrennt sein.

    "#1-2" eingefügt


    ad #1: Ich verstehe deine Worte so, dass deine Sicht auf die Dinge geprägt ist von dem Wunsch dich einem philosophischen System anzupassen (eine "(Post-)Moderne [Sicht] ... nach Hegel"), um deine Erfahrungen in einem einheitlichen System zu integrieren. Damit implizierst du, dass es gar nicht um einen "Anspruch" geht (den du glaubst aus meinen Worte herauslesen zu können, obgleich ich ihn niemals erhoben habe), sondern um ein natürliches Bedürfnis, welches auch dir widerfährt. Deine eigene Frage beantwortest du damit aber nicht, weil nur dein Wunsch erkennbar wird, nicht aber inwieweit es dir gelingt deinen Wunsch zu realisieren.

    Der Sachverhalt, dass die Gleichzeitigkeit von Psychotherapie und Buddhismus im Subjekt notwendigerweise ein integriertes System erforderlich macht, ist von natürlichen Bedürfnissen aber eigentlich unberührt.



    ad #2: Deine Einwand geht an der Sache vorbei:

    Die Unvereinbarkeit von Buddhismus und Psychotherapie wird auch deutlich, wenn eine Abweichung vom Normalzustand des jeweiligen Systems aus der Perspektive des jeweiligen Systems bewertet wird:

    1. buddhistische Perspektive: eine Abweichung vom Buddhismus durch Anhängen an psychotherapeutischen Ideen hat zur Folge die Nichterreichbarkeit des Zieles der buddhistischen Praxis.

    2. psychotherapeutische Perspektive: eine Abweichung von psychotherapeutischen Instruktionen durch Anhängen an buddhistischen Ideen hat zur Folge ein Scheitern der Psychotherapie oder - wenn versucht wird zu vereinen, was nicht vereinbar ist - eine kognitive Dissonanz.

    Ich wiederhole aber, dass davon unbeschadet ist, dass manche Psychotherapien buddhistische Methoden modifizieren und diese Modifikationen anwenden - aber eben nur punktuell ohne den Buddhismus damit integrieren zu wollen.


    ad #3: Vielleicht verstehst du ja als "sinnvolle Ergänzung" deine individuelle Zusammenstellung des Typs individuelle Zusammenstellungen von aus der Psychotherapie und/oder dem Buddhismus entliehenden Ideen zur Steigerung des individuellen Wohlbefindens. Dass es sich dabei aber weder um Buddhismus noch um Psychotherapie handeln kann, und aufgrund der Unvereinbarkeit auch nicht um ein integriertes System der beiden, sollte eigentlich selbstverständlich sein.

    "#1-#3" eingefügt


    ad #1: Das Wort "wahr" will ich im Kontext vom Ideen und Ideensammlungen, wie der Buddhismus eine ist, gar nicht verwenden. Bei Ideensammlungen geht es um Kohärenz und Konsistenz, nicht um Wahrheit oder Unwahrheit.

    Buddhismus ist nun mal zuallererst eine der Weltreligionen und schließt Karma und die Wiedergeburtslehre notwendigerweise mit ein. Bei Religionen geht es notwendigerweise um Spiritualität, welche über den natürlichen Verstand hinausgeht, denn sonst ginge es ja exklusiv um Sinnlichkeit.

    Aber ich verstehe natürlich, dass du es nicht akzeptieren kannst, wenn ich dein Etikett "säkularer Buddhismus" als ein Oxymoron bezeichne, denn deine Selbstidentität hängt ja an der Affirmation dieses Oxymorons als "Buddhismus".


    ad #1 und #2: Du übernimmst die philosophischen Elemente "anicca, dukkha, anatta" aus dem Buddhismus, aber bereits bei "nirvana" solltest auch du auf begrifflich Unbestimmbares treffen, sofern du das Wort "nirvana" nicht nur als Platzhalter für etwas Triviales verwendest.


    ad #2: Ich sehe auch keine Probleme zwischen Psychotherapie und Buddhismus, was aber nicht bedeutet, dass sie vereinbar wären. In der Diversität, welche ich als 'do-it-yourself'-Psychotherapie bezeichnet habe, finden sich bei manchen Individuen auch Ideen aus der Psychotherapie neben Ideen aus dem Buddhismus, da es aber weder Psychotherapie noch Buddhismus ist, wäre die beste Bezeichnung "individuelle Zusammenstellung von aus der Psychotherapie und/oder dem Buddhismus entliehenden Ideen zur Steigerung des individuellen Wohlbefindens".


    ad #3: Du beziehst dich also auf meine Einschätzung der Vielzahl individueller Zusammenstellungen von aus der Psychotherapie und/oder dem Buddhismus entliehenden Ideen zur Steigerung des individuellen Wohlbefindens.

    Deine Ausführungen zum sB sind vielleicht nicht "böse" gemeint, sind aber diskreditierend: sB ist "eine Art populäre 'do-it-yourself' Psychotherapie Anwendung ... in Kreisen, die weder mit religiöser Spiritualität noch mit Wissenschaft was am Hut haben.". Hallo? :shock:

    PS: Ich kann nicht erkennen, warum "populäre 'do-it-yourself' Psychotherapie Anwendung ... in Kreisen, die weder mit religiöser Spiritualität noch mit Wissenschaft was am Hut haben." "diskreditierend" sein soll.


    "diskreditierend" [laut Duden]: jemanden, etwas in Verruf bringen; jemandes Ruf, Ansehen schaden, abträglich sein.


    "diskreditierend" wäre es ja nur, wenn der Begriff "säkularer Buddhismus" für eine definierte Gruppe von Individuen mit einheitlichert Sichtweise stehen würde und den Ruf hätte, religiöse Spiritualität zu lehren und auf dem Boden der Wissenschaft zu stehen. Dies ist aber alles nicht der Fall, denn dahinter verbirgt sich ein Sammelsurium individueller Sichtweisen, denen lediglich gemein ist, dass sie sich vom Glauben an "nibbana, Karma und Wiedergeburt" abgrenzen (und damit von religiöser Spiritualität) und fragt man die Wissenschaft (wer sollte sonst kompentent sein?), dann haben buddhistische Sichtweisen nichts mit Wissenschaft zu tun.

    Auch ""populäre 'do-it-yourself' Psychotherapie" ist nicht diskirminierend, denn dass philosophisch-buddhistische Ansichten populär sind, kann gar nicht bezweifelt werden und dass mit 'do-it-yourself' Herangehensweisen bezeichnet werden, die nicht unter Leitung einer Fachfrau/eines Fachmannes erfolgen, ist auch selbstverständlich. Und da der Begriff "Psychotherapie" im Gegensatz zu "Psychiatrie" eben grade nicht auf mentale Erkrankungen abhebt, sondern auf weitverbreitete beinahe alltägliche mentale Unpässlichkeiten (so lästig und behindernd diese auch sein können), ist auch dieser nicht diskriminierend.

    Die Frage nach der Gleichzeitigkeit von Psychotherapie und spiritueller Praxis läuft nach meiner Einschätzung auf ein integriertes einheitliches System hinaus. Das Subjekt erfährt ja dann parallel seine Psychotherapie und seine spirituelle Praxis und wenn diese für das Subjekt kein integriertes einheitliches System bilden, dann läuft das mit großer Wahrscheinlichkeit auf kognitive Dissonanz hinaus. Für den Psychotherapeuten ist das natürlich - ökonomisch gesehen - ein Vorteil.

    Auch auf Seiten des Therapeuten, der Therapie mit Spiritualität verbinden will, kann kognitive Dissonanz die Folge sein, weil für ihn nicht klar sein könnte, ob er als Therapeut oder als Guru tätig ist und seine Tätigkeit als Guru zu psychotherapeutisch relevanten Symptomen bei seinem Klienten führen kann.


    Ein "Nebeneinanderbestehen" von inkompatiblen System verneine ich ja gar nicht. Alle Lehren, egal worüber, bestehen nebeneinander.


    Ich könnte mir auch vorstellen, dass für eine erfüllende spirituelle Praxis, welche den Namen "spirituell" auch verdient, weil sie über die Sphäre des natürlichen Intellekts hinausgeht, eine "mentale Gesundheit" Vorbedingung ist und also - nicht generell, aber im Einzelfall - eine psychotherapeutische oder gar eine psychiatrisch-medikamentöse Vorbehandlung angezeigt sein kann.

    Das ist schon klar.

    [user='13573'] "...buddhistische Spiritualität (hängt) notwendigerweise vom Glauben an nibbana, Karma und Wiedergeburt ab." In meiner Welt nicht. Das ist eine verengte Sicht auf das, was Buddhismus ist. ;)

    ...


    Deine Ausführungen zum sB sind vielleicht nicht "böse" gemeint, sind aber diskreditierend: sB ist "eine Art populäre 'do-it-yourself' Psychotherapie Anwendung ... in Kreisen, die weder mit religiöser Spiritualität noch mit Wissenschaft was am Hut haben.". Hallo? :shock:

    Du musst zugeben, dass meine Sicht konsistent ist: Spritualität zeichnet sich grade dadurch aus, dass sie über das, was dem natürlichen Intellekt zugänglich ist, hinausgeht. Genau das macht die buddhistische Lehre mit "nibbana, Karma und Wiedergeburt". Alle Versuche diese Spiritualität zu Verweltlichen, d.h. dem natürlichen Intellekt "verdaubar" zu machen, nenne ich - in Anlehnung an das, was auch im Christentum geschah und geschieht, "protestantisch" und die Folge ist auch eine typisch "protestantische": Diversifizierung bis hin zur vollständigen Individualisierung der Sichtweisen mit Ausrichtung auf das individuelle Selbst und dessen "Gutfühlen" und Verlust der Spiritualität. Was dann noch zu erkennen ist, ist eben das, was ich im Kontext des Oxymorons "säkularer Buddhismus" beschrieben habe, ein Begriff der nur vortäuscht, was nicht da ist.

    Dass dein Verständnis nicht korrekt ist. Denn was in dem theravadischen Sutta ausgesagt wird ist lediglich, was das Selbst bzw, das Ich nicht ist. Das Selbst/Ich als solches wird aber nicht verneint. Und auch "objekthafte Wahrnehmung" wird nicht verneint.


    Hast du überhaupt meine Beiträge gelesen? Dann würdest du nicht sagen, dass mein Verständnis nicht korrekt ist, denn ich sage genau das die ganze Zeit, was ich im Zitat fett markiert habe.

    Wenn ich zu einem Thread was beitrage, dann scheint mir der Eröffnungspost die angemessene Referenz, denn der Threaderöffner hat ja üblicherweise eine Frage.


    Und da du geschrieben hattest

    Zitat

    So wie ich das verstehe (und ja ich kenne die anatta Theorie):


    -Es wird gezeigt, dass alle Arten von objekthafter Wahrnehmung negiert werden müssen

    -Die Methode entspricht quasi dem "neti-neti" Prozess der Upanishaden

    -Was bleibt übrig?

    hattest du damit ja dein Verständnis ausgedrückt.

    "#1-4" eingefügt


    ad #1: Alle Aussagen mit Bezug auf nicht-materielle Objekte sind nicht zu "belegen" (iSv "beweisen"). Solche Aussagen können jedoch auf Plausibilität geprüft werden. In diesem Sinne hängt die buddhistische Spiritualität notwendigerweise vom Glauben an nibbana, Karma und Wiedergeburt ab. Die Psychotherapie hängt aber vorranging vom Glauben an das Selbst in diesem einen (und letzten) Leben und der Wichtigkeit des Wohlergehens in diesem einen (und letzten) Leben ab.


    ad #2: Verwissenschaftlichung in strengem Sinne bedeutet "Abkehr von Volkspsychologie" (wozu die buddhistische Psychologie als Unterart gehört) und Hinwendung zu Meßbarem und Verwissenschaftlichung in weiterem Sinne bedeutet "klinische Versuche, die wissenschaftlichen Kriterien genügen". In der Psychotherapie gibt es nur Ansätze von "Verwissenschaftlichung in weiterem Sinne". Wenn "buddhistische Methoden in die Therapie Eingang finden" dann ist deren Wirksamkeit überhaupt nicht wissenschaftlich nachprüfbar, nicht mal in weiterem Sinne, eben weil die buddhistische Psychologie eine Variante der Volkspsychologie ist.


    ad #3: was du beschreibst ist keine Ergänzung, sondern hier erkennt ein Meditationslehrer die Grenzen seines Geschäfts und verweist bei einem Fall jenseits der Schönwetter-Selbsterfahrung (nur für die scheint er sich zuständig zu fühlen, Gott sei Dank!) auf die in der öffentlichkeit als "seriöser" angesehene Psychotherapie. Keine Ergänzung also, sondern Systemwechsel.


    ad #4: Ich finde das überhaupt nicht "böse" und war auch nicht von Boshaftigkeit angetrieben als ich das schrieb. Nein, mir erscheint das sehr plausibel.

    Dass dein Verständnis nicht korrekt ist. Denn was in dem theravadischen Sutta ausgesagt wird ist lediglich, was das Selbst bzw, das Ich nicht ist. Das Selbst/Ich als solches wird aber nicht verneint. Und auch "objekthafte Wahrnehmung" wird nicht verneint.

    Es geht darum wie Psychotherapie und Buddhismus sich ergänzen können.

    "Ergänzen" ist nicht möglich, weil

    1. die Psychotherapie den Buddhismus ent-spiritualisiert (ähnlich wie im modernen zeitgeistigen Protestantismus das Christentum entspiritualisiert wurde dadurch dass glaubensfremde Elemente und Moralvorstellungen integriert wurden)

    2. der Buddhismus die Psychotherapie entweder ent-wissenschaftlicht (sofern man annehmen will, dass Psychotherapie irgendwas mit Wissenschaft zu tun hat) oder die Psychotherapie unrettbar von Wissenschaft abschneidet (eine Verwissenschaftlichung der Psychotherapie also verunmöglicht).


    Davon unbeschadet kann sicherlich festgestellt werden, dass die Psychotherapie hie und da buddhistische Methoden in modifizierter Form übernommen hat. Aber das hat nichts mit gegenseitiger "Ergänzung" von inkompatiblen Gedankensystemen zu tun.


    Der sog. "säkulare Buddhismus" ist ein begriffliches Oxymoron und beinhaltet eigentlich nichts anderes als eine Philosophie des Inneren (inkl. praktischer Übungen), welche von den spekulativ-philosophischen Elementen des Buddhismus inspiriert wurde und als eine Art populäre 'do-it-yourself' Psychotherapie Anwendung findet in Kreisen, die weder mit religiöser Spiritualität noch mit Wissenschaft was am Hut haben.

    Es entspricht der Natur des Menschen sein Handeln mittels der Vernunft zu steuern. Sonst würde er sich ja nicht vom Tier unterscheiden. Deshalb sind moralische Prinzipien als Basis des Gewissens unerlässlich. Aber moralische Prinzipien sind verbunden mit einem Endzweck des eigenen Handelns und damit mit dem Glauben an diesen Endzweck. Wenn man nun wie der OP wiederholt ein schlechtes Gewissen hat, weil man wiederholt gegen die moralischen Prinzipien verstößt, dann gibt es folgende Ursachen:

    1. Endzweck und moralischen Prinzipien entsprechen nicht der menschlichen Natur

    2. Endzweck und moralischen Prinzipien entsprechen der menschlichen Natur, aber der eigene Glaube daran ist zu schwach

    3. Endzweck und moralischen Prinzipien entsprechen der menschlichen Natur, der eigene Glaube daran ist unerschütterlich, aber man scheitert dennoch aufgrund fehlender Achtsamkeit.


    An Glauben und Achtsamkeit lässt sich arbeiten, aber die Last des bereits aufgetretenen Scheiterns bleibt und jedes weitere Scheitern führt zu einer weiteren Anhäufung von Last. Wie mit letzterem umzugehen ist, kann ich in einem buddhistischen Anfängerforum nicht sagen.

    Worauf ich bis heute noch keine Antwort gefunden habe, wie geht ihr alle mit dem in so genannten schlechten Gewissen um?

    ...

    Mich treibt danach immer wieder ein schlechtes Gewissen verbunden mit Angst vor schlechten Karma um.

    Zunächst: Gewissen ist die praktische Beurteilung, welche von moralischen Prinzipien ausgeht und situativ (im Hier und Jetzt) Gutes befiehlt und Schlechtes verbietet.

    Das Subjekt ist also die praktische Vernunft. Aber eben weil es die praktische Vernunft im Hier und Jetzt ist, gibt es Gewissen, das objektiv richtig liegt, und es gibt Gewissen, das objektiv falsch liegt:

    1. Furcht oder situative Unsicherheit kann zu fehlerhaftem Gewissen führen, weil die praktische Vernunft situativ unangemessen beeinflusst wird.

    2. Bei unklaren moralischen Prinzipien kann allerdings auch die unabhängigste praktische Vernunft nicht sicherstellen, dass das Gewissen richtig liegt, weil sich die angewandten moralischen Prinzipien laufend situativ ändern können.

    Ich würde sagen, dass diese Zitate aus dem Kanon des Populär-Buddhismus stammen. Damit könnten sie bereits die gesamte Doktrin des Populär-Buddhismus widergeben, denn viel mehr als "loslassen" kennt der Populär-Buddhismus nicht.

    Ich würde empfehlen, sich selbst ein Bild zu machen anstatt sich auf die Bewertungen von buddhistischen Schreibern zu verlassen, die ihre eigene Interpretations-Agenda verfolgen. Ich kenne keinen anderen theravadischen Kommentar, der die Doktrin so gekonnt und strukturiert aus dem Dickicht der Suttensammlungen extrahiert. Das stört wiederum nicht wenige, weil das Dickicht der Suttensammlungen es im Gegensatz dazu ermöglicht, sich die erwünschten Rosinen herauszupicken und was nicht gefällt zu ignorieren.