Beiträge von kongjiazhong

    Hallo Schanta,


    ich wundere mich, nachdem ich Deine Ausführungen aufmerksam gelesen habe, nicht darüber, dass mit dir manche Menschen keinen Kontakt haben möchten. Und zwar, aber das wirst Du vielleicht nicht verstehen, ganz unabhängig davon, ob sie SGI-D Anhänger im Rhein-Main-Gebiet sind, oder nicht.


    Manche Menschen meidet man halt. Ich meide welche. Und welche meiden, Gott sei Dank, mich.


    Wie kommst Du auf die Idee, dass irgendjemand mit Dir Kontakt halten oder nach zehn Jahren ihn wieder aufnehmen müsste? Kannst Du diese Entscheidung nicht den anderen überlassen, haben sie nicht die Freiheit dazu?


    Ich stelle mir gerade vor, was Du hier alles schreiben würdest, wenn die "SGI-Nichirens" in deiner Notlage am Ball geblieben wären, wenn sie sich um dich gekümmert hätten, genauso so, als ob du darauf ein Recht hättest, wie Du es dir gewünscht hast.


    Und da sehe ich, dass Du geschrieben hättest, dass sie dich mit "Liebe", mit "Mitgefühl" (die natürlich nur geheuchelt hätten sein können) so lange traktiert hätten, bis Du ihnen ganz auf den Leim gegangen wärest, denn das machen Sekten so usw., usf.


    Wie Du vielleicht weißt, steht das überragende Objekt der Verehrung im Mittelpunkt der ganzen Sache. Sich in einer psychischen (also mehr oder weniger in einer geistigen, um nicht zu sagen spirituellen) Notlange zu befinden, aber das wichtigste Heilmittel, dass diese Menschen zu bieten haben, Objekt und Verehrung (Du hast einen lustigen und passenden Ausdruck für das Chanten genannt, der mir gerade entfallen ist) abzulehnen macht diese Art von Medizinern ratlos und fassungslos. Du wolltest es nicht, sie haben es respektiert, sie haben dich nicht bedrängt und genötigt. Ich finde: Respekt!


    Es ist nicht meine Absicht in diesem Forum ausschließlich ehemalige Anhänger (Praktizierende) des Nichiren Buddhismus im Stil der SGI zu finden, die mir irgendwie suspekt und sozusagen geistig unattraktiv vorkommen, aber ich finde hier nur solche.


    Schanta, bei wem soll ich mich darüber beschweren?


    Schande:

    Also: Nach 10 mahren habe ich die Wochen mal wieder versucht, dahin Kontakt zu knüpfen und habe vorgeschlagen, diese Zeit mal gemeinsam aufzuarbeiten. Erneut wieder NULL REAKTION.


    Diesen mir unbekannten Leuten kann ich zu dieser Entscheidung nur gratulieren.


    Zitat

    Die Überschriften der Sparten klingen doch eigentlich so, das
    man hier "seine Erfahrungen mit einer buddh. Tradition" posten kann.
    Dachte ich.


    Ich hätte nichts dagegen. Ich befürchte aber, dass Du dich in ein relativ schlechtes Licht setzen würdest - das beurteile ich nach dem, was Du schon geschrieben hast.


    Zitat

    Meine Ankunft in so einer Gruppe lief das erste Jahr eigentlich recht gut.


    Sehr erfreulich!


    Zitat

    Diese Meditation vor einem Gohonzon hat wahrlich etwas.


    Ja, so ist es.


    Zitat

    Damals in 2006: Ich kam in eine Beziehungskrise und stürzte ab, mitunter hatte ich auch in den falchen Momenten zu viel Alk getrunken.


    Ja, kenne ich auch, es ist der Blues.


    Zitat

    Meine tiefe Depression erzeugte seitens der Gruppe das Angebot, mal vorbei zu kommen, um bei mir den Gohonzon aufzustellen und zu chanten.


    Das nenne ich Mitgefühl. Und man wollte dir mit allem helfen, man wollte dir mit dem Großartigsten zu Hilfe kommen was man hat.


    Zitat

    Ich lehnte dies ab,dachte, ich bringe dazu nicht die Kraft auf, etc.


    Das ist dein gutes Recht, es ist deine Entscheidung in Freiheit.


    Zitat

    Danach lies man mich nach dieser Zurückweisung sofort fallen, und zwar ausnahmslos und vollständig und dies bis zum heutigen Tage


    Man hat also deine Entscheidung respektiert und dich in Ruhe gelassen.


    Zitat

    es gab seit diesem Tag im Jahre 2006 KEINEN EINZIGEN VERSUCH, über irgendein Komm.mittel, mich zu kontakten - ABSOLUT NULL.


    Ich pflege auch mit diversen Leuten keine Kontakte mehr. Ich bin so frei. Es gibt in Deutschland über 80.000.000 Menschen, die keine SGI-Anhänger sind, es gibt also genügend Kontaktmöglichkeiten.


    Zitat

    Man hat mich gemieden und ausgegrenzt, als wäre ich eine Art gefährlicher Psychopath.


    Jedenfalls Du bist der Meinung, dass Du kein Psychopath bist. Ich habe schon von Stalkern gelesen, die ihre vergangene "Liebe" nicht loslassen können, ständig Kontakt suchen, ständig keinen finden, die ihr ganzes Unglück oder Glück von einer Person abhängig machen. Die auch noch Jahre oder Jahrzehnte ständig auf tatsächliche oder eingebildete, auf zu Recht oder aufgrund bloßer Bosheit erfolgten Zurückweisungen fixiert sind. Besonders gesund kommt mir das nicht vor.


    Zitat

    Ich fiel dann so tief, das ich nicht mehr wollte und es in einem neuen Leben weiter versuchen wollte.


    Es bleibt dir natürlich unbenommen, deinen Suizidversuch der SGI-D in Rhein-Main in die Schuhe zu schieben, aber ist das realistisch und fair? Wahrscheinlich haben 99,99 Prozent aller Versuche das eigene Leben zu beenden oder sozusagen zu unterbrechen, um "neu" anzufangen (genauer gesagt, um den gleichen Mist in einem neuen Körper fortzusetzen) nichts mit den "Nichirens" zu tun. Es kann dafür noch eine Reihe anderer Gründe geben.


    Zitat

    Ich habe mich gut regeneriert.


    Mein Ratschlag: Dann freue dich darüber und lasse andere in Frieden.


    Kongjiazhong

    void:

    "Du bist nichts - dein Volks ist alles"


    Das ist nicht Faschismus, sondern eine Meditationsanleitung.


    Nimm dich zurück, du bist nicht so wichtig, die Erfüllung deiner Wünsche ist nicht das Bedeutsamste, kümmere dich um andere, du bist von ihnen abhängig, du wurdest in eine bestimmte Generationenfolge hineingeboren, in eine Familie, in ein Volk, vergesse das nicht, bedanke dich für all die Wohltaten, die dir zu teil wurden, sei wenigstens ihnen gegenüber wohlgesonnen, wen es sein muss, opfere dein Leben für deine Freunde. Wenigstens, weil man damit anfangen sollte, das zu tun, was am einfachsten ist, in der Regel sind es die einem recht Nahe stehenden Menschen, denen gegenüber man Mitgefühl entwickeln, denen man behilflich sein kann.

    Dies zu tun, bedeutet nicht, anderen (Fernstehenden, anderen "Völkern" zu schaden). Die eigenen Nachbarn nicht grüßen, aber "Welcome" plärren, ist in gleicher Weise typisch, wie lächerlich.


    "Du bist nichts - dein Volks ist alles" - das ist der Leitspruch aller Buddhas und Bodhisattvas.


    Kongjiazhong

    Axel:

    kongjiazhong
    Du missverstehst (hoffentlich nicht absichtlich...) mein Zitat als Faschismus-Apologie.


    Nur weil ich dir in deinen Ausführungen (Obacht) Recht gegeben habe, bedeutet dies nicht, dass ich sie als apologetisch auffasste, schließlich bin ich ja kein F-Apologet. Allerdings bin ich auch kein Antifa-Apologet, denn ich meine, polemisch auf den Punkt gebracht, dass der Antifaschismus das schlimmste Ergebnis des Faschismus ist und dass die tatsächlichen oder gefakten Verbrechen der "Faschisten" und der "Nazis" lediglich deshalb bis heute prominent herausgestellt werden, obwohl sie schon viele Jahrzehnte zurückliegen, weil sie als gute Alibis für die Verbrechen ihrer Gegner dienen, die nicht aufhörten, von Massaker zu Massaker, von Krieg zu Krieg, von Hunger zu Hunger und so weiter weiter zu machen, bis heute.

    Zitat

    Es geht mir nicht darum, den historischen Faschismus oder die Militarisierung der japanischen Gesellschaft gegen Kritik zu immunisieren,


    Ja, warum auch.

    Zitat

    sondern um eine gewisse Denkfaulheit, die glaubt, es wäre ein Erkenntnisfortschritt damit verbunden, einfach irgendwo ein Etikett draufzukleben.


    Wie wir wissen, gibt es zahllose Etiketten, zum Beispiel "Zen".

    Zitat

    vielmehr das hirnlose Draufschlagen mit schiefen historischen Analogien.


    Wenn man mit dem Draufschlagen anfängt, sollte man sich wenigstens nicht wundern, wenn zurückgeschlagen wird.

    Zitat

    Um bei Deinem Zitat zu bleiben: Den 'politischen Menschen' Ezra Pound kann man mit guten Gründen kritisieren, weil sein (theoretisches) Verständnis des Begriffes 'usura' (Wucher) zu einer heillosen, durchgeknallten politischen Praxis geführt hat. Jetzt aber die 'Cantos' als 'faschistische Literatur' zu lesen, ist Denkfaulheit getarnt als Empörung.


    Ja. Und nur deshalb, weil sein Verständnis des Wucherzinses nicht das - wie ich finde - bedeutend tiefer reichende Verständnis des Geldes von Marx war, heißt das nicht, dass man zum (antifaschistischen) Apologeten des Geldes werden müsste, was heute sozusagen selbstverständlich der Fall ist. Die Transformation von Zen in das Politische, oder wie das am Anfang hieß, führte bislang noch nicht zu einer Kritik (und Abschaffung) des Geldes (der Ware, des Kapitals, des Wertes). Und wer davon nicht reden will, sollte vom "Faschismus" (des 20. Jahrhunderts und von dem des 21, Jahrhunderts, wie Casa Pound Italia) schweigen, finde ich, und sich nicht künstlich über irgendeine Verbindung von "Zen und Faschismus" aufregen.


    Kongjiazhong

    Axel:

    Ich wäre ja dafür, den Begriff Faschismus hundert Jahre wegzusperren, ehe man ihn wieder sinnvoll in der politischen Diskussion einsetzt. Mal abgesehen davon, dass (vor allem hier in Deutschland) kaum jemand differenziert zwischen Faschismus und Nationalsozialismus, 'Faschismus' ein Totschlagargument ist (und nicht die Beschreibung eines politischen Systems) und damit alles zwischen 'Find' ich Scheiße!' bis hirnloses Einschlagen auf Pegida gemeint sein kann, bedeutet er heutzutage im politischen Diskurs meisten: 'Stopp, hier diskutieren wir nicht weiter!'


    Sehe ich genauso. Es scheint hier so zu sein, dass Faschismus fraglos als etwas ganz, ganz … ganz Böses erscheint. Ezra Pound sah es anders. Es ist auch etwas, was es überall geben kann, wer will schon zwischen Italien der 20er - 40er Jahre und Japan während der Meiji-Restauration unterscheiden. Hauptsache, dass es astreine Demokraten waren, die zum bislang einzigen Mal gute, gute … gute Atombomben auf wehrlose und vollbesetzte Städte warfen. Was wäre daran so verwerflich, wenn die Übertragung des Zen in das Politische "Faschismus" wäre und nicht, was heutzutage viel wahrscheinlicher ist, Konsumismus, Atomismus (die Monade und ihre Kernwaffe), Demokratismus, Kapitalismus (ist sowohl faschismus- als auch demokratiekompatibel), Geldregiertdieganzeweltunddasistauchgutsoismus und so weiter.
    Kongjiazhong

    Cravin:

    Wie kann man ins Reine Land wiedergeboren werden, wenn es im Buddhismus die Vorstellung einer Seele garnicht gibt ?


    Und wie
    konntest du im Unreinen Land
    geboren werden wenn es
    im Buddhismus die Vorstellung einer Seele
    gar nicht gibt besser: Wenn es die Seele nicht gibt
    Das was jetzt hier ist wird
    auch dann dort sein im
    Reinen Land
    Das was jetzt hier nicht ist wird
    auch dann dort nicht sein im
    Reinen Land


    Kongjiazhong

    catflap08:

    @ kongjiazhong Mir war schon sehr bewusst von wem welches Zitat stammt


    Klingt nicht besonders plausibel, denn du schriebst (die deutsche Grammatik sollte dir geläufig sein und jeder kann es ja nachlesen), dass die Sache mit der Ono meine Erfindung sei (was sie leider nicht ist). Es ist jedenfalls lustig und wirft ein schönes Licht darauf, was du hier sonst so behauptest. Argonath ist auch nicht zu verachten. Als Gegner des "Ikedaismus" (alles ist auf Ikeda zentriert, ohne ihn läuft gar nichts) stellt er ein Video vor, um zu zeigen, wie böse es in der SG zugeht, in dem sich Leute darüber beklagen, dass es heutzutage viel zu wenig "Ikedaismus" gibt. Nicht sehr kohärent.


    Kurz zum "Pazifismus": Ich kenne keine pazifistische politische Partei. Pazifismus (im Sinne einer vollkommen strikten Gewaltlosigkeit) und Politik passen nicht zusammen. Weder in Japan, noch sonst wo. In Japan wurde in den letzten Jahren lediglich versucht, Normalität herzustellen. Dies ist mit Hilfe der Komeito gelungen. Das ist alles andere als skandalös, wie du es darzustellen versuchst. Ich bin weder für noch gegen Komeito (beides wäre natürlich auch vollkommen irrelevant), allerdings weiß ich es zu schätzen, wenn eine nichtgutmenschliche Realpolitik betrieben wird.


    In Deutschland gibt es eine "pazifistische" Organisation, die sich DFG-VK nennt und Veranstaltungen à la "Lichter für den Frieden in Syrien" durchführt. Und sie war noch im September 2015 davon überzeugt, dass SGI eine "Friedensbewegung" sei: http://www.dfg-vk-mainz.de/aktuell/buddhismus/ Dort hat man (damals wenigstens) noch nicht deine Komeito-SG-Kritik, catflap, zur Kenntnis genommen.


    Kongjiazhong

    catflap08:

    @ kongjiazhong
    Yoko Ono des Nichiren Buddhsimus … klingt fast als hätten sie mit der Dame selbst einen Disput gehabt


    Falls du mit "sie" mich meinen solltest, du kannst mich gerne Siezen, dann will ich darauf hinweisen, dass die Yoko-Ono-Geschichte nicht von mir stammt, sondern von Argonath und der hat Abitur. Insofern sollte er

    Zitat

    sich mit historischen Themen

    ziemlich gut auskenen, so dass er nicht so

    Zitat

    schnell zu Fehleinschätzungen kommen

    dürfte, anders als ich. Ich habe ihn zitiert.


    Zitat

    Yoko Ono des Nichiren Buddhsimus … das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.


    In diesem Falle würdest du dir, ja, wie soll ich das nennen, gut, ich will's neutral sagen, sein "Erzeugnis" auf der Zunge zergehen lassen, warum auch nicht.


    Kongjiazhong

    Argonath:

    kongjiazhong Ich bin relativ amüsiert wie bierernst so ein Video bzw. das Teilen eines solchen interpretiert wird.


    Ich versuchte lediglich darzustellen, dass ich deine Interpretation des Videos, sagen wir, "amüsant" finde. Und da du dies als Offenbarung meiner "Hybris" verstehst, findest du sicherlich deine eigene Qualifizierung einer Priesterin als

    Zitat

    Yoko Ono der Nichiren Shu

    und ihre maliziöse Beschreibung als "Industriellenwitwe und Ex-Sopranistin" die aus "persönlicher Eitelkeit" einen kleinen eigenen "schicken Tempel" aufgemacht hat, als besonders bescheiden, zurückhaltend und vorsichtig.


    Zitat

    Ich kann nur jedem raten den Weg mit der SGI nicht weiter zu gehen. Man hat ja gerade große Schwierigkeiten nach dem "Bruch" mit dem Daigohonzon irgendwie ideologisch die Kurve zu kriegen und es immer noch wie Buddhismus erscheinen zu lassen.


    Du kannst ja jedem zu allem raten, aber ich halte das schon fast für eine, um deine Worte zu gebrauchen,

    Zitat

    dümmliche Unverschämtheit

    der Werteschaffenden Gesellschaft zu unterstellen, sie würde, "es" nur als Buddhismus erscheinen lassen, während du (selbstverständlich) in der Lage bist zu beurteilen, was, wohl, das Wesen des Buddhismus und was bloßer Schein ist. Der Soka-Gakkai-Buddhismus ist Fake und deiner ist es nicht. Und so weiter.


    Die Kritik der SG müsste dem Gegenstand angemessen sein, hinsichtlich Form und Inhalt, sonst macht man sich lächerlich.


    Der erste Schritt einer Kritik müsste sein, die SG im Zusammenhang mit anderen organisierten Formen des Buddhismus zu bringen. Wenn du den "Ikedaismus" kritisierst, was ist mit dem "Nichirenismus" oder dem "Dalailamismus" usw. usf., "unklare Vereinsstrukturen und Finanzen", mein Gott, du kannst doch nicht so naiv sein, anzunehmen, dies sei, falls es derartiges gibt, für die SG spezifisch, wo gibt es denn mit der "Mitgliederbetreuung" betraute "psychologisch oder gesprächstherapeutisch erfahrene Laien", und wer entscheidet ob sie erfahren genug sind? Dies sind nur ein paar Punkte, worin sich die SG nicht unbedingt von anderen unterscheidet. Ein weites Feld ist die nichirenistische Doktrin in ihren unterschiedlichen Ausprägungen selbst, der man viele skeptische Fragen stellen könnte.


    Wir beide sind keine Experten der japanischen buddhistischen Geschichte, ich wette aber, dass eine kritisch-historische Analyse der Entwicklung und Gegenwart der Nichiren Shu vieles zu Tage befördert hat, was als Gegenmittel einer tendentiellen Idealisierung (vor dem dunkel gemalten Bild der SG) tauglich wäre, wir kennen die Ergebnisse aber nicht. Immerhin, du konntest dir ja schon mal ein ein wenig realistisches Bild von der NS machen, so gut kommt sie - deinen Berichten zu folge - nicht weg.


    Meine langjährigen (distanzierten und wohlwollend kritischen) Erfahrungen mit der SGI-D zeigten mir, dass dies eine buddhistische Organisation ist, zu der man so oder so stehen kann, die es aber nicht (positiv und negativ gemeint) verdient, besonders kritisiert (oder gar dämonisiert) zu werden, für einen unrealistischen oder gar hysterischen Enthusiasmus gibt es meiner Auffassung nach aber auch keinen Grund. Chanten und chanten lassen.


    Kongjiazhong

    Dort,


    wo Anarchisten an der Macht waren, und das waren sie bislang (und das wird auch so bleiben) ausschließlich in Teilen Spaniens (CNT, FAI, Durruti) und der Ukraine (Macho), waren sie brutal und gewalttätig (im Krieg geht es nicht anders).


    Insofern waren sie natürlich alles andere, als libertär, antiautoritär (einem eine Kugel in den Bauch oder in den Kopf zu schießen ist nicht gerade "antiautoritär"). Tausende, zehntausende katholische Priester, Mönche und Nonnen wurden zum Beispiel massakriert, weil sie, hieß es, mit den Feinden der Anarchisten paktierten, natürlich nur mit deren "rechten Feinden".


    Ihre "linken" Feinde, also die "Republikaner" und vor allem die "Stalinisten", also auch die "Internationalen Brigaden", setzten den Anarchisten ziemlich zu (Barcelona 1937). Die Anarchisten waren nicht fähig, soll kein Vorwurf, sondern nur eine Feststellung sein, den Bolschewismus genauso zu bekämpfen, wie den "Faschismus". Sie hatten auch "republikanische" und "demokratische" Illusionen. Es gab aber „Einspruch gegen die Kapitulationen von 1937, vor den Libertären der Gegenwart und der Zukunft – Von einem „Unkontrollierten“ der Eisenkolonne".


    https://andiewaisendesexistier…kapitulation-von-1937.pdf


    Ukraine: Nestor Machno, Plattformismus https://de.wikipedia.org/wiki/Plattformismus


    Der Anarchismus (selbstverständlich zähle ich irgendwelche Hipster, Poeten, Tanten und Pazifisten, Veganer, Stirnerianer usw. nicht dazu) ist tot. Und er ist nicht tot, denn die Partei der sozialen Liquidation, die keine Macht außerhalb ihrer selbst duldet, existiert weiter.


    Kongjiazhong

    catflap08:

    @ kongjiazhong
    Ich finde es eigentlich ziemlich unverschämt sich über angeblich mangelnde Englischkenntnisse auszulassen. Weil es eher davon zeugt, dass dein Unwissen zum Thema recht ausgeprägt ist.


    Alles ist relativ, besonders unwissend bin ich aber nicht.


    Zitat

    1. Handelt es sich bei zumindest einem der Herren nicht „nur“ um irgendeinen Mitarbeiter sondern auch Leiter innerhalb der SGI.


    Ich kenne leitende Mitarbeiter, die über ihre Chefs herziehen, das ist normal, manchmal sind sie auch besonders beleidigt usw. und schmeißen dann im Zorn das Handtuch, das ist nichts Besonderes.


    Zitat

    Ist die Kritik an der SGI/Komeito nicht neu. Neu ist allerdings, dass sich nun Mitglieder öffentlich dazu äußern. Als eine Partei die de facto nur aus SGI Mitgliedern besteht und ihrem Selbstverständnis buddhistisch geprägt ist war das Schweigen der Komeito zu diesem Punkt immer schon unverständlich – für mich ist schon Unverständlich das eine angeblich buddhistische Partei sich in einer Koalition befindet mit einer Partei deren Mitglieder klare revanchistische Tendenzen verfolgen


    Wenn es christliche Parteien gibt, vielleicht kennst Du welche, und islamische, wieso sollte es keine buddhistischen Parteien geben? "Revanchismus" ist lediglich ein polemischer politischer Kampfbegriff. Es geht vor allem um eine Verfassungsänderung (warum sollten Verfassungen nicht geändert werden dürfen?), die dem japanischen Staat das erlaubt, was jeder Staat darf, nämlich auch außerhalb seines Staatsgebietes militärisch aktiv zu werden, selbstverständlich nur im Einklang mit dem Völkerrecht und zu Verteidigungszwecken (und für Freiheit § democracy), Die USA dürfen das, Russland darf das, Deutschland darf das, der Iran und Israel usw., usf. dürfen es, wieso denn Japan nicht? China rüstet auf, warum sollte Japan nichts tun? Übrigens, dass es innerhalb der Komeito und in anderen Parteien Meinungsverschiedenheiten, öffentlichkeitswirksame Austritte usw. gibt, ist ziemlich normal, kein Grund zur Aufregung.


    Zitat

    Aber vielleicht sind politische Ansichten, wie der der Nippon Kaigi, die MEINER Meinung nach faschistisch sind auch bei uns wie auch Japan langsam hoffähig.


    NK hat immerhin mit K (SG) nichts zu tun, abgesehen davon würde ich patriotische Bewegungen nicht als "faschistisch" denunzieren, wenn "faschistisch" etwas Übles sein sollte. Die Kommunistische Partei Chinas ist ziemlich patriotisch, insofern müsstest Du sie auch als "faschistisch" bezeichnen.


    Zitat

    Die Kommentare bezüglich des Gesundheitszustandes von Herrn Ikeda lässt die Frage offen wer nach 2010 noch recht lange als Ikeda die Editorials in der Japan Times schrieb – er wohl nicht.


    Du hast also keine Ahnung wer sie schrieb oder diktierte oder abnickte. Es gibt professionelle Reden- und Editorialschreiber (welcher Politiker schreibt seine Reden und Statements selbst?)


    Zitat

    wenn man, wie in diesem Beispiel parteipolitische Verstrickungen, die SGI öffentlich kritisiert – man wird auch aus der Glaubensgemeinschaft rausgeschmissen. Diese Herren sind also auch ihren Job los.


    Das wundert mich nicht, halte es aber nicht für skandalös, sondern, wie gesagt,für ziemlich normal und nicht für K-SG spezifisch.


    Zitat

    Der von dir zitierte Abschnitt könnte auch aus einer PR-Mitteilung der SGI stammen.


    Richtig. Ich habe ihn explizit zitiert, Argonath implizit.


    Zitat

    Es ist im Moment nicht nötig SGI bashing zu betreiben weil sich diese Organisation eh schon im Auflösungsprozess befindet. Ikeda war die SGI und die SGI Ikeda dieser Personenkult fällt eben irgendwann mal zusammen.


    Klar. 末法 Mò Fǎ, Mappō


    Kongjiazhong

    Argonath, als Du die Frage zu beantworten versuchtest, ob, wenn Du erlaubst, Sensei, noch lebt, schriebst Du folgendes:


    Zitat

    Hier ein gruseliger Einblick von entlassenen und exkommunizierten Mitarbeitern des Soka Gakkai Headquarter (…) Ein Hinweis mehr, dass hinter den Kulissen ein gnadenloser Machtkampf tobt. https://youtu.be/_YT8tNT8pTw Bitte fleissig teilen! Jeder soll wissen, was das für ein "Verein" ist!


    Ich habe mir die PK angesehen und konnte dort nichts anderes finden, als einen Auftritt zweier unzufriedener Angestellter, die ihre ehemaligen Vorgesetzten mies finden. Also etwas ganz Alltägliches, wenn man das Arbeitsleben kennt. Dabei dachte ich mir, gut, Argonath hat dies "publik gemacht" und ziemlich unzulänglich interpretiert, weil er entweder kaum Englisch kann, oder anderes zu tun hatte, als sich den Beitrag ganz anzusehen.


    Beim Lesen dieser Zeilen


    Argonath:

    Leider auch auf Englisch aber eine übersichtliche Darstellung der Unterschiede von nichiren Shoshu, Soka Gakkai und Nichiren Shu, wenn man nicht so sehr ins Detail gehen möchte...http://www.lotus-happiness.com…nichiren-shu-soka-gakkai/


    tippe ich jetzt auf mangelnde Englischkenntnisse, denn dort heißt es über Deine Lieblingsfeindin die Soka Gakkai (SGI), vielleicht gar nicht mal so falsch:


    "Simply put, the style of practice by SGI is a form of Engaged Buddhism as it advocates the application of Buddhist principles to create values, transform suffering, and achieve happiness in daily lives. Most SGI members are committed to promoting peace through active participation in the local communities. Aside from its extensive propagation efforts to reach out to the general public, it is notable for its strong Sangha in support of members who are fighting hard to overcome their suffering and obstacles."


    Dies hättest Du sicherlich nicht gebracht, wenn Du den englischsprachigen Inhalt verständest, also: SGI = Engagierter Buddhismus, Anwendung buddhistischer Prinzipien, Schaffung von (wohl positiv zu verstehenden) Werten, Umwandlung von Leiden, Erlangung von Glück im alltäglichen Leben, Propagierung von Frieden …


    Kongjiazhong

    gbg:

    Immer mehr Menschen interessieren sich nicht mehr für Kirchen, weil sie ihnen zu institutionell erscheinen.


    In Wirklichkeit möchten sie einfach mehr Zeit haben, in ihre Smartphones zu schauen, insbesondere Frauen, die früher nicht selten die Mehrheit der Interessierten darstellten.


    Zitat

    Was haben die Menschen gegen Institutionen?


    Sie haben zu wenig Thomas Hobbes gelesen. Sie sind gegen etwas, von dem sie keine Ahnung haben.


    Zitat

    Aber ihre Rituale finden sie auch in Buddhismus den sie häufig als Wellnesangebot wahrnehmen.


    Der Buddhismus ist nur ein sehr kleiner, eigentlich gänzlich unbedeutender Anbieter von Wellness, gerade wenn man ihn mit den größeren Wellnessquellen vergleicht, zum Beispiel der Internetpornographie.


    Zitat

    Der "führende" Advaita-Lehrer einer Organisation in Deutschland sprach sich gegen das Wellnesstum im Vedanta aus.


    Wen meinst Du?


    Zitat

    Wie sieht es ein Buddhist? Begrüßt ihr die softe Seite des Buddhismus für euch selbst und/oder begrüßt ihr sie auch für die "Anwerbung aus der soften Mitte"?


    Das verstehe ich zwar nicht ganz, jedenfalls wünschte ich mir mehr Weichheit, anderen mehr Härte.


    Zitat

    Die CSU wollte ja nie eine Partei rechts von sich haben nun gibt es die AFD. Die die CSU nun wieder rechts einzuholen versucht.


    Seit 1848 gab es nur sehr kurze Perioden, in denen es im formalen Sinne etwas anderes gab, als die Partei des Kapitals, links oder rechts, einholen, überholen - all das ist vollkommen egal.


    Zitat

    Seht ihr eine analoge Gefahr auch für den etablierten Lama-Buddhismus (ist das korrekt ausgedrückt?) der Meister ausbildet und entlässt ohne fundierte Kenntnisse?


    Die Destruktion des Lama-Buddhismus ist spätestens seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts derart weit vorangeschritten, dass ihm die ganze Wellnesss-Ja-Nein-Sache ziemlich egal sein kann. Insofern ein Spitz entlassen wurde, kann man nicht sagen, dass er ohne fundierte Kenntnisse entlassen wurde, aber sie nützten nichts, da er im Ethik-Business (vorläufig) endete. Das ist ein Fall.


    Zitat

    Und wie seht ihr den Büchermarkt?


    Es ist ein Markt, wie andere Märkte auch.


    Zitat

    Gibt es noch anspruchsvolle buddhistische Literatur? Wie war es früher?


    Ja. Früher war es genauso.


    Zitat

    Habt ihr diesbezüglich eher anspruchsvolle Bücher oder "Soft"bücher zuhause? Oder verzichtet ihr ganz auf Bücher?


    Ich habe ausschließlich anspruchsvolle Bücher zuhause.


    Kongjiazhong

    Amdap:

    Wir sollten verstehen, dass alle Erscheinungen in gegenseitiger Abhängigkeit bestehen, was ein Aspekt ist einer Wahrheit, deren anderer Aspekt beinhaltet, dass es keine eigenständige Existenz der Phänomene gibt. Ich bezweifle aber, dass Konjiazong diese Philosophie bekannt ist und er sich jemals bemüht hat, diese Wahrheit tiefgründig auszuloten.


    Diese "Philosophie" ist mir bekannt und ich habe mich schon bemüht und ich bemühe mich weiter (von wegen "jemals"), die "Wahrheit dieser Philosophie" im Rahmen des mir möglichen "tiefgründig auszuloten". Wenn Du dazu in der Lage wärst, dann könntest Du den Geschmack dieser Wahrheit in allen meinen Beiträgen herausschmecken. Wenn man aber guten Wein wie guten Wodka trinkt, dann entgeht einem manches und man schließt falsch. Mit den Ergebnissen meiner Bemühungen bin ich einigermaßen zufrieden, aber es könnte noch mehr dabei herauskommen, ich sehe es wie Du, es "kann noch werden". Ob Du das bezweifelst oder nicht, dies ist nicht gerade erheblich.


    Zitat

    ich warte mit hochgradiger Spannung auf Kongjiazongs Stellungnahme


    Nichts für ungut, aber ich gebe keine "Stellungnahmen" ab, insbesondere dann nicht, wenn man sie erwartet. Stattdessen gebe ich mich meinen Weekendvergnügungen hin.


    Kongjiazhong

    Ich schrieb,

    Zitat

    die spezifische Seinsweise der Juden - als Realität und als Vorstellung anderer davon - war eine Bedingung ihrer teilweisen Vernichtung.


    Das hat mit irgendeiner Mainstreamansicht auf irgendwelche Karmalehren nichts zu tun. Vielleicht ist es dir, bel, entgangen, was auch kein Problem ist, aber mit Karma beschäftige ich mich schon seit längerem nicht mehr und rate auch von einer Beschäftigung damit ab, denn es kommt in der Regel nichts Gescheites dabei raus.


    Als ich das obige Zitat schrieb dachte ich nicht an "Karma" und "Buddhismus", sondern an die Schrift "Zur Judenfrage" von Karl Marx (die für mich übrigens auch nicht die Offenbarung ist, sondern ein interessanter Hinweis).


    https://de.wikipedia.org/wiki/Zur_Judenfrage


    "Die spezifische Seinsweise der Juden - als Realität" - damit meinte ich ein spezifisches (historisches) Konstrukt, dass es ermöglicht, Juden von Nicht-Juden zu unterscheiden, dies ist etwas, was Juden (oder Han, oder Tibeter und was weiß ich für Leute noch) benötigen, um sich eine eigene Identität zu schaffen. Diese Identität ist nichts Ewiges, nichts Gegebenes, sondern etwas Geschaffenes. Ich selbst habe auch eine spezifische (sich verändernde) Seinsweise, man kann jedenfalls mich von dir unterscheiden.


    Was daran skandalös sein soll, was das mit "Karma" zu tun haben soll, was das mit der Auffassung zu tun haben soll, nach der die Juden - vermittelt über Karma/Frucht - selbst an ihrer teilweisen Vernichtung schuld sind, ist mir unverständlich.


    Am Rande sei bemerkt, dass im einem Teil des jüdisch-religiösen Milieus die Shoa selbstverständlich als göttliche Strafe für gravierende Verfehlungen des jüdischen Volkes interpretiert wird. Die Vorstellung, dass Individuen und Völker durch Gott für ihre Sünden gestraft werden, ist ein gängiges Motiv - ganz ohne zutun der buddhistischen Mainstreamkarmaisten, zu denen ich noch nicht einmal gehöre.


    Zitat

    und als Vorstellung anderer davon


    Ich lese gerade "Mein Kampf" (samt 3.500 wissenschaftlichen Anmerkungen), was mich in meiner Überzeugung stärkt, dass die Vorstellungen Hitlers (und vieler, vieler anderer) von den Juden äußerst wirkungsmächtig waren, unabhängig davon, ob es Wahnvorstellungen gewesen waren oder nicht. Es reicht also nicht nur aus, dieses, oder jenes, ganz oder teilweise zu sein, oder nicht zu sein, die Vorstellungen der anderen von einem, oder von einem Kollektiv, können sich mir nichts, dir nichts plötzlich als tödliche Gefahr manifestieren (insbesondere wenn sie sich mit besonderen gesellschaftlichen Voraussetzungen verbinden).


    Auch das hat nichts mit Karma zu tun, es hat nichts mit "selber schuld" zu tun, es hat nichts mit einer Rechtfertigung der Leiden von irgendjemanden zu tun.


    Aha.


    Kongjiazhong

    void:

    Während ich Engelbert als jemand erlebe, der großes Leid durchgemacht hat und dem Buddhismus hilft, von einem Leben in Scherben hin zu Ganzheit und Freude zu finden.


    Ich kenne "Engelbert", den strahlend leuchtenden Engel, nicht, aber es ist sehr schön, zu versuchen ein Leben in Scherben zu verlassen und einen reinen Ort der Ganzheit zu erreichen. "Reine Länder" sind ja ebenfalls etwas von dieser Art. Dies strebe ich in gewisser Weise auch an, denn Dukkha ist nicht das Ende, sondern der Anfang. Der Buddhismus lehrt so viele Mittel, wie es Wesen gibt.


    Dieses Forum, und das gilt für andere auch, ist ja kein intimer Ort der Begegnung, wie es ihn im privaten Bereich oder, zum Beispiel, in einer buddhistischen Übungshalle geben mag. Darüber sollte sich jeder bewusst sein und sich keine Illusionen darüber machen - den unrealistische Erwartungen werden enttäuscht, je früher, meine ich, desto besser. Ich nehme fast nichts, was gesagt wird, für wirklich bare Münze, für mich gibt es nur Andeutungen, was aus dem Gesagten nichts "Minderwertiges" macht - so verstehe ich auch die Beiträge anderer.


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    Von daher kann ich verstehen, das dein Fokus auf das Unvollkommene da als arrogant und destruktiv rüberkommt.


    Mein Fokus liegt auf dem Vollkommenen, das ist aber nicht das Gegenteil des Unvollkommen. Aber wer kann das schon wem und wann richtig "vermitteln". Beten und sitzen mag helfen, aber das tut jeder, am besten in guter Gemeinschaft mit den Buddhas, Bodhisattvas und den Mitmenschen, allein. Es wird zu viel über zu Verborgenes geredet. Gut, ich mache das teilweise auch, bin mir aber wenigstens des Provisorischen und sozusagen Künstlichen der Sache bewusst. Ich nehme das nicht zu ernst, aber es ist auch kein bloßes (jetzt negativ gemeint) Spiel. Mir ist schon klar, dass man diesen Ansatz als "arrogant" und "destruktiv" empfinden kann, aber gerade im Buddhismus gibt es ein breites Wellness-Angebot, so dass man sich von arrogant-destruktiven Zumutungen gleich wieder erholen kann.

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    Ich finde jetzt keine gute Metapher nur diese verquer-pathetische: Wo Engelbert vom Schlachtfeld sagen wir (Ausschwitz) hin zur Freude, zum Frieden und zur Harmonie wendet bis du so ein Schädel der aus den Gräsern lugt und vom nächten Krieg erzählst. Und das dann Demut und Mitgefühl nennst.


    Ein sehr schönes Bild. Nur ein aus den Gräsern lugender Schädel - das ist von Demut nicht weit entfernt. Ich versuche das mal in eine exotische Sprache zu übersetzen, es wäre als Name eine gute Alternative zu Kongjiazhong, wenigstens eine Ergänzung.


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    Gibt es sowas wie arrogante Demut?


    Ja, bei religiösen Menschen kommt so etwas vor. Das entspricht aber nicht meinem Selbstbild.


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    So Am Tisch wackeln, das auch die Klötzchen-Türme der anderen einstürzen und die Instabilität offenbar wird?


    Wenn die anderen allzu sicher sind, allzu arrogant sind, allzu stark (kommt auch bei Leuten vor, die von sich sagen und meinen dass sie Anfänger sind, dass es ihnen schlecht geht, dass sie das arme Opfer sind usw.) daherkommen, alles allzu besser wissen, sich allzu moralisch überragend finden - dann ist die Verwandlung von Klötzchen-Türmen und Klötzchen-Twintower in einstürzende Neubauten ein Freude machender Zeitvertreib, der sogar noch zu etwas gut ist, in mehrfacher Hinsicht.


    Kongjiazhong

    Engelbert:

    bevor der Stolz dazukam, auf das, was Du weißt.


    Mach mal halblang, was weiß ich denn schon. Einen gesunden Stolz würde ich mir zwar nicht absprechen, aber das ist ganz harmlos. Abgesehen davon kann ich doch nicht, gerade dort, wo ich wohne, mit gesenktem Blick an den Hauswänden entlang schleichen, was meinst Du, wo das enden würde?


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    Er erheitert sie, macht sie heiter froh (sampahamsako), so daß die Lehre Freude macht und wohltut, sich als befreiend zeigt, als erhellend.


    Also, daran mangelt es nicht, der Dalai Lama und viele Lehrerinnen und Lehrer grinsen, kichern, lachen leise und schalend, ständig, sie strahlen ihre gute Laune, ihre positiven Energien (fast schon gnadenlos) aus und machen alle heiter und froh. Ist dir das immer noch zu wenig?


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    Das kommt aus Deinem Pali Kanon


    Ich fetischisiere diesen Kanon nicht, bin auch kein schriftgelehrter Kenner, sondern nur ein kleines Lichtlein. Ich wüsste auch nicht, wann ich ihn hier das letzte Mal zitiert hätte, vielleicht verwechselt Du mich mit jemandem anderen, ist aber kein Problem.


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    Es ist die Art, wie junge Mönche gelehrt werden sollen.


    Bist Du denn ein Mönch? Wie ich hörte, sei das Lehrleben eines Mönchs, oder einer Nonne nicht gerade ein Zuckerschlecken (es mag verwöhnte Ausnahmen geben). Schaue dir mal bei Gelegenheit die Lehrjahre von Milarepa an, er hatte jedenfalls nicht viel zu lachen (das hat auch etwas mit "Abtragen von unheilsamen Karma" zu tun, hießt es), und er war "noch nicht einmal" Mönch.


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    Nicht mit Überheblichkeit und aufgeblähten Weisheitsmuskeln.


    Warum agierst Du so, wenn Du es nicht magst?


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    Es ist doch kein Wunder, dass Du mir überlegen bist.


    Ich gebe dir eine Handreichung in vier Absätzen zum Verständnis dessen, was gesagt, geschrieben und getan wird. Du kannst das universell und bezogen auf alles mit Erfolg anwenden, der Witz ist gerade, dies wirklich auf alles anzuwenden, dann wirst Du mir rasch das Wasser reichen können:


    Betrachte alle, inklusive dich selbst, als ziemlich unvollkommen, es gibt aber keinen Grund dich selbst als besonders und vollkommen unvollkommen zu betrachten.


    Betrachte alles und jeden als provisorisch, als letztlich unausgegoren, mal steht der eine Aspekt, mal ein anderer Aspekt im Vordergrund, mal wird von der einen Seite geschaut, mal von der anderen, nichts ist abgeschlossen, alles befindet sich in Entwicklung, in Bewegung, nichts ist ganz wahr, es gibt nur verschiedene Elemente, die man zusammenlegen und wieder trennen kann, alles ist Prozess.


    Es gibt diese Lehrmeinung und jene, der eine denkt so, der andere anders. Die Unterschiede sind in gleicher Weise Oberflächenphänomene und verschiedene konventionelle Aspekte des Einen, der Leerheit. Und dieser Zustand ist nicht wertlos und minderwertig, sondern es ein großartiger Zustand der Freiheit der Bewegung. Der Prozess selbst ist alles, das Ganze.


    Über Themen wie Karma usw. solltest Du so wenig wie möglich reden und denken, Du könntest die Erläuterungen der Meister der Vergangenheit und Gegenwart zur Kenntnis nehmen, aber sie nicht überbewerten, auch nicht missachten. Bete und sitze! Wenn Du schon meinst, Buddhastatuen füllen zu sollen, so mache es nicht aus höheren Gründen, sondern deshalb, weil es in der Tradition, mit der Du dich möglicherweise verbunden fühlst, eben so gemacht wird.


    Mache es, wie Du willst. Anhand der Früchte wirst Du deine Entscheidungen erfahren.


    Übrigens halte ich mich für einen der humorvollsten, undogmatischsten und demütigsten Schreiber in diesem Forum, was ich dir nur deshalb so explizit sage, weil ich befürchten muss, dass es dir selbst, vielleicht aufgrund innerer Hindernisse, noch nicht aufgefallen ist, dabei ist es gerade das, was mich mit einem Hauch von berechtigtem Stolz erfüllt.


    Kongjiazhong

    Engelbert:

    Hahahahaha.


    Nicht alle Wege führen in die Hölle, aber mehrere. Es ist immer gut, verschiedene Seiten und Aspekte zu berücksichtigen, auch Zeit und Gegensätze, und weiter zu denken (ich nenne das, laienhaft, "dialektisch denken").


    Nach meinem Verständnis lehrt der Buddhismus den mittleren Weg. Es ist eine Lehre, die sich auf viele Phänomene bezieht und v.a. das Verhältnis von "Existenz" und "Nicht-Existenz" im Blickfeld hat, aber ich wende sie auch auf alltägliche Angelegenheiten an, nicht zu viel, nicht zu wenig essen usw.


    Auch hinsichtlich des Verhältnisses zwischen wahrer Individualität und wahrer Gemeinschaft (und Gesellschaft) bin ich ein Partisan des Mittleren. Es gibt keine Individualität ohne Gemeinschaft und keine Gemeinschaft ohne Individualität. Die Zerstörung der Gemeinschaft zerstört das Individuum, ohne Anerkennung der Individuen gibt es keine Gemeinschaft.


    Allerdings meine ich, dass die Gemeinschaft höher ist, als das Individuum, denn der Mensch ist von Anfang seiner irdischen Existenz auf die anderen angewiesen, deshalb muss auch das Wohl der anderen im Mittelpunkt stehen (natürlich nicht auf "neurotische" Art).


    Ich selbst würde, das hoffe ich, für meine Familie und meine Freunde, in einer Gemeinschaft lebe ich (leider) nicht, jederzeit mein Leben hingeben, da wäre nichts Großartiges dabei, das wäre einfache Liebe.


    Der GULAG und der Islamische Staat sind für mich übrigens, da kann ich dich beruhigen, nicht Mittel gegen die Barbarei des "Individualismus", wie auch die kapitalistische Warengesellschaft nicht der Hort ist, in dem sich Individualität entfalten könnte (außer in Form einer Lüge).


    Zitat

    Ich glaube ich lasse das mit dem Buddhismus schnell sein (…).


    Was Du nicht er- und begriffen hast, kannst Du auch nicht loslassen, egal, wie Du dich bemühst.


    Kongjiazhong

    Sudhana:

    "Die Juden" haben Auschwitz definitiv nicht geschaffen (als Ursache und Bedingung gesetzt), auch nicht durch ihr karma.


    Die spezifische Seinsweise der Juden - als Realität und als Vorstellung anderer davon - war eine Bedingung ihrer teilweisen Vernichtung. Eine andere Bedingung war zum Beispiel der Organisationsgrad und die Zuverlässigkeit der Deutschen Reichsbahn.


    Solch eine Aussage kann man auch, um mal von den Juden wegzukommen, die auf allen Gebieten maßlos überschätzt werden, sowohl als Handelnde, als auch als Täter und Opfer, auch für die Toten der Bombardierungen von Tokyo oder Dresden treffen (es müssen nur ein paar Worte ausgetauscht werden).


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    Das ist schlicht eine strunzdumme oder aber zutiefst bösartige These, wie jeder weiss, der sich mit den historischen Tatsachen beschäftigt hat. Z.B. durch Lektüre von Saul Friedländers 'Das Dritte Reich und die Juden'.


    Hilfreich ist auch Raul Hilberg, Die Vernichtung der europäischen Juden. Nicht uninteressant sind die Ausführungen zum Reserve-Polizeibattaillon 101 (Browning, Ganz normale Männer).


    Auch das im Stil einer extrem aufwändig hergestellten großformatigen Studienbibel aufgemachte und mir gerade gelieferte fast sechs Kilo wiegende Werk "Mein Kampf" (ich weiß gar nicht, in welchem Bücherregal ich das unterbringen soll) des Adolf Hitler ist hilfreich, wenn man verstehen will.


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    Notabene: aus dem o.g. folgt auch, dass es so etwas wie ein "Gruppenkarma" (z.B. das Karma der Juden) nicgibt. Das ist eine rassistische Sichtweise und hat mit dem Dharma nichts zu tun. Auch, wenn Einzelne zumindest teilweise durch gleiche Ursachen und Bedingungen bestimmt (z.B. ein KZ) existieren, so existieren sie doch als Einzelne und nicht als Gruppe.


    Wieso die Besinnung, gerade in der Not, auf das Eigene, auf die Familie und Gruppe, auf das Kollektiv und die Ethinizität, auf gemeinsame religiöse und politische und kulturelle Werte und Überzeugungen, wieso die Abgrenzung von Fremden und Feindseligen, also die Besinnung auf gegenseitige Hilfe und Solidarität, auf die Affirmation des Menschen als soziales Tier als "rassistisch" (ein ausgelutschter und daher unbrauchbarer politischer Kampfbegriff) bezeichnet wird und warum das gemeinsame und zusammen erfolgende Agieren, das nur passieren kann, wenn das Gemeinsame schwerer wiegt, als das Trennende, als nicht mit dem Dharma vereinbar denunziert wird, ist mir schleierhaft.


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    Auch, wenn Einzelne gleich oder gar gemeinsam handeln, so handeln sie doch als Einzelne und nicht als Gruppe. Der Einzelne ist konkret, er hat eine persönliche sinnliche Erfahrung seines Seins und er hat einen persönlichen Willen. Gruppen sind nur Abstrakta - eine Gruppe hat weder sinnliche Erfahrung noch einen Willen, noch handeln Gruppen.


    Diese "These" passt in die vom Kapital vorgegebene Ideologie der "Individualisierung" (Atomisierung) als Instrument der Zerstörung jedweder Gemeinschaftlichkeit und Gesellschaftlichkeit. Selbstverständlich handeln Gruppen und Kollektive (auch: Klassen). Sie machen auch sinnliche, und zwar teilweise außergewöhnlich erotische, Erfahrungen. Ich habe jedenfalls solche Erfahrungen gerne gemacht, und kann immerhin bestätigen: Das gibt es.


    Hier kann man an den Nürnberger Parteitag oder an Liebhaber des Fußballspiels in und außerhalb von Stadien und an sehr vieles mehr denken, zum Beispiel auch an die verbale und gemeinschaftliche Vergegenwärtigung des Buddhanamens https://www.youtube.com/watch?…LH_BVW6DdgdZcN-Q&index=20


    Aus meiner Erfahrung könnte ich verschiedene Erfahrungen aus der "politischen" und "religiösen" Spähre (Fußball und Hools finde ich dagegen unerotisch, ist aber nur eine persönliche Marotte von mir) vorstellen, will es aber nicht.


    Die nationalsozialistischen Parolen, "Du bist nichts, dein Volk ist alles" und "Volksgemeinschaft" haben dies, wenn auch zu pathetisch und als "Lüge" gut zum Ausdruck gebracht. Das interessante ist, dass dies nichts Besonderes, sondern das Normale ist (zum Beispiel das maoistische "Dem Volke dienen" oder der Zusammenhalt irgendwelcher orientalischer Clans in Berlin oder Bremen, um nur zwei Orte zu nennen). Die extreme "Individualisierung" ist das Unnormale, das normal werden soll - dafür dient auch eine entsprechende Auslegung des Buddhadharma und anderer religiösen Lehren.


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    Auch die falsche Sicht von Gruppen ist nur ein feiges, bequemes Ausweichen vor der Verantwortung, die man als Einzelner für sein ganz persönliches Handeln (auch in einer Gruppe verschiedener Einzelner) und dessen Früchte trägt.


    Insofern Kollektive gemeinsam handeln, ernten sie auch gemeinsame Früchte.


    Die erfolgreiche Zersetzung des, um einen klassischen Ausdruck zu verwenden, Proletariats als Klasse für sich mit der historischen und globalen Aufgabe seiner eigenen sozialen Liquidation und ihre tendenzielle Verewigung als Klasse für das Kapital (d.h. ihre Atomisierung, die Auflösung kollektiver Bande untereinander) könnte man zum Beispiel als Ursache der gegenwärtigen Misere hinsichtlich der sogenannten Flüchtlinge betrachten.


    Der Siegeszug des Einzelnen (und seines Eigentums) ist der Siegeszug der Barbarei.


    Es ist schade, dass es gelungen ist den Buddhismus von der Höhe des Gemeinsamen in die Hölle der Individualität zu befördern. Ausnahmen und Gegentendenzen bestätigen natürlich die Regel.


    Eben: 末法, Mò Fǎ, Mappō.


    Kongjiazhong

    Engelbert:

    Wenn das so ist, und ich nehme an, dass wir uns nicht irren, wenn wir selbst dem Wesen, das einst auch für eine kurz Zeit der Mensch Hitler war, Erleuchtung und Buddhaschaft zuweisen,


    Dem Reichskanzler Adolf Hitler weist niemand Erleuchtung und Buddhaschaft zu, genauso wenig wie dir. Das gleiche gilt auch für ein von dir eingeführtes ominöses "Wesen", das Gefallen daran gefunden hätte, mal "Hitler" zu sein, und das möglicherweise sich heute als "Engelbert" betätigt. Auch hier gibt es keine Zuweisung.


    Der Buddhismus lehrt bekanntlich nichts, das man als "Wesen" bezeichnen könnte, insbesondere, wenn man damit, was die Regel ist, ein unveränderliches, unteilbares, aus sich selbst bestehendes "Selbst" versteht. Wenn man sagt, "mögen alle Wesen glücklich und frei von Leiden sein", so ist damit gemeint, dass es keine Wesen gibt. Ist aber nicht ganz einfach, ich habe es auch noch nicht begriffen.


    Frage doch mal deine Lehrerinnen. Wer von Anatta (sozusagen "Nicht-Wesen", Nicht-Selbst) nicht redet, sollte von Karma schweigen. Und wer anfängt von beidem zu Reden, ohne ein Buddha zu sein, der sollte zur Besinnung kommen und sich an eine Wand setzen und zu schweigen beginnen.


    Es geht nicht um eine "Zuweisung", sondern um die allen Wesen innewohnende sogenannte Buddhanatur, d.h. um das grundlegende Potential, die Buddhaschaft zu erreichen. Selbstverständlich haben auch Hitler und Merkel und Bomber Harris diese Buddhanatur.


    Esoterische Hitleristen wie Miguel Serrano oder Savitri Devi haben Hitler allerdings als einen Avatar von Vishnu bzw. als Kalki gesehen - dies können wir aber jetzt ignorieren.


    Kongjiazhong

    Engelbert:

    Geht der Buddhismus davon aus, dass die getöteten Menschen in Auschwitz nach vielen Leben Nirvana erreichen werden?


    Von den Fragen abgesehen, "wer" es erreicht, was "es" ist und welcher Zusammenhang zwischen den Gestorbenen und den Lebenden besteht, lehren wohl faktisch die allermeisten buddhistischen Sekten, dass alle Wesen das Potential "in sich" tragen, die Erleuchtung zu erlangen, zum Beispiel lehrt dies das Lotussutra. Mit Auschwitz oder Hollywood hat dies genauso wenig zu tun, wie mit "getötet" oder nicht getötet.


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    Was ist mit den KZ-Wächtern und Funktionären des dritten Reichs?


    Zwischen den Bewachten und den Wächtern gibt es hinsichtlich des Erleuchtungspotenzials keinen Unterschied.


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    Diese kleinen Jungen und Mädchen, bei denen nach der Einschulung sehr viel schief gelaufen ist... Steht denen am Ende ihres Daseinskreislaufes Erleuchtung offen?


    Wenn die diesbezüglichen Lehren korrekt sind, so ist dies der Fall - alle können die Buddhaschaft erlangen.


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    Ist für alle diese Wesen auch Buddhaschaft möglich?


    Ja.


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    Mit meinem ganz, ganz rudimentären Wissen glaube ich das schon!


    Dein Glaube ist dafür irrelevant. Entweder ist die Erleuchtung allen zugänglich, oder nicht. Dies hängt nicht von deinem Glauben ab.


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    Mit diesem Vertrauen habe ich Zuflucht genommen,


    War bei mir auch ein Aspekt, wenn ich es auch ein wenig anders ausdrücken würde.


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    Daher finde ich, dass die Diskussion zum Holocaust vom falschen, dualen Ende her angesehen wird.


    Das verstehe ich zwar nicht, möchte aber auch nicht, dass Du es mir zu erklären versuchst. "Auschwitz" und "Holocaust" kann ich nicht mehr hören, vielleicht gibt es auch noch anderes.


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    Ist es nicht Karma,


    Ich empfehle Dir, dich mit Karma erst am Ende deines Weges zu befassen, wenn überhaupt. Die Vermutungen deiner Lehrerin kannst Du einfach hinnehmen, ohne ihnen irgendeinen Wert beizumessen, Du musst ihr aber auch nicht widersprechen.


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    Schließlich war auch das Leid nicht pauschal exorbitant im Holocaust.


    Alles ist relativ. Manche reden aber von der "Singularität" des H. Und der Begriff "Leiden" oder gar dukkha hat viele Facetten.


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    Auch hier ist es so, dass es nicht das Geschehen ist, das Leid verursacht, sondern die eigene Haltung dazu.


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du weißt, wovon du sprichst. Ich würde einfach kleinere Brötchen backen und mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn das bringt niemandem etwas.


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    Auch bei uns, die wir im Angesicht des Holocaust sofort zu leiden beginnen, nicht?


    Ich gehöre in diesem Fall nicht zum "wir" ("bei uns").


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    Ich versuche anstatt mit großem Mitleid das Geschehene mit gleichmütigen Mitgefühl zu behandeln.


    Dein Satz "ich behandele das Geschehene mit gleichmütigen Mitgefühl" ist eine Herausforderung an die Vernunft. Wie läuft denn bei dir die Behandlung?


    Zitat

    Und es ist für tibetische Lamas sicher einfacher als für einen deutschen Buddhismus-Anfänger wie mich.


    Das ist eine Überschätzung "der tibetischen Lamas". Immerhin schätzt Du dich selbst realistisch ein.


    Mein abschließender Rat: Halte dich von "Gleichmut", "Mitleid" (groß, mittel oder klein), "Auschwitz", "Mitgefühl" und "Nirvana" fern. Und: Hände weg von Karma!


    Kongjiazhong

    Amdap:

    mir kommt es fast so vor, als ob Du ziemlich negative Lebenserfahrungen gemacht hast


    Schon was von der ersten Wahrheit gehört? Abgesehen davon nutze ich nicht das Dharma, um mich besonders "positiv" zu fühlen. Das währe nämlich spiritueller Missbrauch. Deshalb fühle ich mich recht wohl.


    Mir ist aber durchaus bewusst, dass es das Dharma schon nicht mehr gäbe, als etwas Äußerliches und Sichtbares, wenn es findigen Menschen nicht gelungen wäre, es mit ihr, d.h. mit der besonderen Lebensweise atomisierter Individuen in der Warengesellschaft derart zu verbinden, dass es zu einem Hilfsinstrument für das glückliche Überleben der Monaden in der kapitalistischen Welt wurde, ähnlich dem Shopping. Die Rekuperation der buddhistischen Kritik durch das Kapital (als ein bestimmtes gesellschaftliches Verhältnis) ist vollständig gelungen. Hoffentlich gibt es noch Ausnahmen, die die Regel bestätigen können.


    Zitat

    ziemlich


    Eher nicht - hatte bislang ziemliches Glück. Man kann auch sagen: Noch nicht.


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    verbittert


    Nein, manchmal ist es mir aber ein wenig warm-sarkastisch ums Herz.


    Kongjiazhong

    Axel:

    So, bevor jetzt eine stressige Woche mit Nachtschichten beginnt und ich mal wieder zu gar nichts komme:


    Eine falsche Auswahl des Berufes, es ist unweise, stressige Berufswochen mit Nachtschichten zu haben und zu nichts zu kommen und das auch noch zu bejammern, wie du das implizit tust. Ein Minuspunkt.


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    Mit etwa 14 habe ich eine Ausgabe des Dao De Jing geschenkt bekommen. Ich habe das nächtelang gelesen, es aber (natürlich) nicht verstanden. Aber ich wusste: Da ist was.


    Da ist was. Sehr wahr. Ein Pluspunkt.


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    Mit etwa sechzehn habe ich die 'Dharma Bums' von Kerouac gelesen.


    Zu viel Militärkleidung, Portwein, Gammler, hohe Berge. Zu wenig Zen. Immerhin: Du hast dich, wie Willy Brandt, bemüht. Ein Pluspunkt.


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    Mit Anfang zwanzig habe ich 'in der Stadt' einige Semster (evangelische) Theologie hinter mich gebracht und hatte da erstmals Zugang zu einer Bibliothek und zu buddhistischen Gruppen.


    Ein Minuspunkt fürs bloße hinter Dich bringen (da wäre mehr drin gewesen). Ein halber Pluspunkt wg. der Bibliothek und ein halber wg. der Gruppen.


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    Das war zur Hochzeit von Osho, und natürlich bin ich voll darauf abgefahren.


    Selbstredend drei Minuspunkte.


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    Für welchen 'Anfang-Zwanzig-Jährigen' vom Dorf war damals diese Mischung aus Meditation und dem Versprechen von wildem Sex keine Verlockung? :D


    Sorry, das ist Augenwischerei, jeder halbwegs intelligente Dörfler hat davon die Finger gelassen, da war doch die Freiwillige Feuerwehr attraktiver. Eigentlich zehn Minuspunkte. Aus Mitgefühl gibt es aber nur zwei.


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    Zu diesem Zeitpunkt war mir dann klar, dass ich vielleicht langsam etwas Anständiges lernen sollte


    Gute Erkenntnis. Ein Pluspunkt.


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    (das mit der Theologie hat sich schnell als Irrweg rausgestellt, weil der damalige Sozialpädagoge meiner Kirchengemeinde meine Freundin gevögelt hat und das bis heute Zweifel an Kirchen, an Sozialpädagogen und an der Kombination von Religion und Sex hinterlassen hat... :twisted: ).


    Eine groteske Erklärung, was meinst Du übrigens, wie viel in buddhistischen Gruppen fremd gegangen wurde/wird, wie viele Freundinnen dort einem abhanden kommen?
    Ein Minuspunkt wg. der "Erklärung". Aber zwei Pluspunkte wegen der - immerhin - "Zweifel".


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    Gelernt habe ich dann Buchhändler und weil ich mich plötzlich um eine Abteilung 'Religionen' kümmern musste, kam ich nicht umhin, buddhistische Literatur zu lesen.


    Mit ein wenig mehr Enthusiasmus hättest Du zwei Pluspunkte (Bücher und Lesen finde ich immer gut), aber ich vergebe nur einen Punkt ("kam nicht umhin" - das ist ein wenig wenig).


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    Hier erkannte ich dann auch, dass Meditation nicht unbedingt Rumhüpfen bis zur Erschöpfung und hechelndes Atmen zu schlechter Musik ist.


    Die Musik finde ich gar nicht so schlecht, das will ich dir aber nicht ankreiden, Erkenntnisse sind immer gut: Ein Pluspunkt.


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    In meiner Nähe gab es ein (Theravada-)buddistisches Kloster und ich war dann erstmal lange sehr 'fundamentalistisch'.


    Tja. Was erwartest Du? Den Palikanon finde ich gut, Klöster auch. Also ein Pluspunkt. Dass du das aber gleich wieder als "fundamentalistisch" denunzierst verdient einen Minuspunkt. Andererseits meinst du vielleicht doch, dass nur Du "fundamentalistisch", im negativsten Sinn dieses Wortes, warst, insofern will ich auch einen Pluspunkt vergeben (Selbsterkenntnis gefolgt mit Verhaltenskorrektur).


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    Dass mir das 'Fundamentalistische' (inzwischen auch in der 'säkularen' Variante) nicht mehr so sehr liegt, hat nichts mit 'Erleuchtungserfahrungen' zu tun, sondern mit dem Älterwerden.


    Die Ungenauigkeit der Analyse will ich großzügig übergehen (es hat nichts mit dem Älterwerden zu tun). Erkenntnis ist, wie gesagt, immer gut. Also ein Pluspunkt.


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    Ich bin mir nicht mehr sicher, was 'ewige' Wahrheiten sind - buddhistisch oder sonstwie.


    Das ist eine gute Ausgangsbasis. Um dich zu ermuntern, nicht in das tiefe Loch der Beliebigkeit und in die Jauchegrube des Relativismus zu fallen, vergebe ich - künftige heilsame Geisteszustände antizipierend - großzügige zwei Pluspunkte.


    Und wie ist das Ergebnis? 13 Pluspunkte, neun Minuspunkte. Du hast dein bisheriges Leben also gerade noch mehr recht als schlecht zugebracht. Ich vermute, bei dir nur wenig Ehrgeiz voraussetzend, dass Du damit einigermaßen zufrieden bist. Dies gibt zwar einen weiteren Minuspunkt, die Pluspunkte überwiegen trotzdem immerhin noch. Gratulation.


    Kongjiazhong