Beiträge von Geronimo

    Libre:


    "Wie verhält sich ein buddhistischer Mönche wenn er eine geklatsch bekommt bzw. ihm Schaden zugefügt wird?" - Hält er die andere Wange hin?



    http://www.palikanon.com/angutt/a04_161-170.html

    goodlife89:

    Hallo,


    ich finde es sehr schwer zu unterscheiden, ob der Alkohol per se als "schlecht" angesehen wird oder der Zustand, in den man kommt, wenn man zu viel getrunken hat. Einige schrieben hier von alkoholfreien Bier oder Medikamente, wie ist es damit? Ein Malztrunk für Kinder enthält ja schon < 0.5%.


    Ein alkoholfreies Bier macht mich auf jeden Fall schon ein bisschen beschwipst. Das glaubt dir zwar allgemein kaum einer, aber jeder der mal länger nichts getrunken hat wird das bestätigen können.


    Also gilt für mich auch dabei das es mir auf meinem Weg nicht unbedingt weiterhilft.

    Sôhei:


    Verstehe nicht, worauf du hinaus willst.
    Weißt du, dass es eine buddhistische Befreiung gibt, oder glaubst du es? Und wenn du es weißt, wodurch? Und wenn die Antwort nur darin besteht, durch die Praxis des Achtfachen Pfades (und nicht weiter belegbar ist), dann ist es halt Glauben.
    Ist ja auch egal.


    Ich merke wie mir jeder Schritt auf dem 8fachen Pfad gut tut. Wie klar mein Geist heute ist, im Gegensatz zu früher. Wie ausgeglichen ich den größten Teil des Tages mittlerweile bin. Wie freundlich sich mein Herz nun anfühlt. Was muss ich denn noch mehr wissen?


    Die Praxis, das Loslassen, ist eine einzige Befreiung. Er wirkt so wie er ist, wenn man ihn nur geht.

    Sôhei:


    Ich vermute durch beides, so wie eben andere Menschen auch, die eine Lehre oder Weltanschauung vertreten haben - von Sokrates bis Osho. Wobei ich unter "Präsenz" an eine charismatische und eindrucksvolle Person denke; ob Buddha tatsächlich beim Doppelwunder Feuer und Wasser aus seinem Leib hat austreten lassen - keine Ahnung. Beides, die verbale ebenso wie die Darlegung durch Präsenz, haben manche überzeugt und andere nicht. Unwiderlegbarkeit oder Widerspruchsfreiheit sehe ich da auch nicht.


    Was brauchst du denn noch für deine Praxis?

    Verzeih' wenn ich da noch einmal mit dem Büddha antworte. Aber prägnanter geht es nicht.


    Zitat

    "Darüber erwägt ein Weiser so: 'Wenn es eine andere Welt gibt, dann wird dieser gute Mensch bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode an einem glücklichen Bestimmungsort, ja sogar in der himmlischen Welt wiedererscheinen. Aber egal, ob das Wort jener guten Mönche und Brahmanen wahr ist oder nicht, einmal angenommen, es gibt keine andere Welt: dieser gute Mensch wird trotzdem hier und jetzt von den Weisen als eine sittsame Person gelobt, als einer mit richtiger Ansicht, der die Lehrmeinung der Bejahung vertritt. Wenn es aber andererseits eine andere Welt gibt, dann hat dieser gute Mensch einen doppelt guten Wurf gemacht: weil er von den Weisen hier und jetzt gelobt wird, und weil er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in glücklichen Umständen, ja sogar in der himmlischen Welt wiedererscheint. Er hat diese unbestreitbare Lehre richtig angenommen und übernommen, auf eine Weise, daß sie sich in beide Richtungen erstreckt und die unheilsame Alternative ausschließt.'"


    http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m060z.html

    Sôhei:


    Verstehe ich nicht ganz. Gibt es denn einen Beweis für die Befreiung, wie sie im Kernholz-Text angedeutet wird? Sonst ist es doch eine Glaubensentscheidung (basierend auf Erfahrungen und Überlegungen, ja, aber doch ein gewisser Rest von Glauben.) Und sind die Unwägbarkeiten für dich nicht mehr vorhanden? Sprich, kennst du die Umstände deines Dahinscheidens schon?
    Wenn zweimal "Ja" fände ich es natürlich spannend, mehr darüber zu erfahren. Wenn zweimal "Nein", betrifft es dich ja ebenso wie mich.


    Wie soll so ein Beweis denn aussehen? Woran erkennst du denn ob der 8fache Pfad funktioniert oder nicht?

    Sôhei:


    Bitte nicht als "Contra" missverstehen, ich sehe das eigentlich genauso. Allerdings gehen mit einer solchen Auffassung viele Glaubensentscheidungen und Unwägbarkeiten einher: Annahme einer Möglichkeit der irgendwie gearteten Befreiung durch geistige Klarheit, vielleicht speziell im Todesmoment (d.h. eine ganze Weltsicht); Unklarheit darüber, wie der eigentliche Tod tatsächlich kommt - kann ja auch absolut unvermittelt sein - Herzversagen, Pistolenschuß, Verkehrsunfall etc. - oder eine langsames Verlieren der geistigen Kräfte wie Demenz u.Ä., oder trotz allem Beeinträchtigung durch Medikamente infolge untragbarer Leiden etc. etc. Das alles hindert mich nicht, es trotzdem zu versuchen. Aber für mich ist klar, dass es keine handfeste Grundlage dafür gibt, so zu handeln bzw. dieses zu glauben.


    Das musst du ganz allein für dich selbst herausfinden. Was ich für mich herausgefunden habe steht hier.

    Sôhei:

    Geronimo


    Sehe ich für mich weitgehend genauso. Finde es gerade oder eigentlich auch bei Alkohol nur wichtig, genauer hinzuschauen; aus den bereits genannten Gründen.
    Was meinst du mit "letzem Schritt gehen"?


    Gruß,
    Sôhei


    Ich zitiere mal aus Buddhadasa's "Das Kernholz des Bodhibaums", denn besser könnte Ich es auch nicht ausdrücken. Nur das man "den letzten Schritt" nicht nur auf den Moment des Todes bezieht, sondern auf die Möglichkeit den Pfad jederzeit ganz bis zum Ende gehen zu können.



    http://www.dhamma-dana.de/buec…rnholz_des_Bodhibaums.pdf

    Losang Lamo:


    Das fünfte Sila "Kein Alkohol" ist für mich eine große Hilfe. Alles Herumhantieren mit dieser Droge ist für mich einfach nur eine potentielle Gefährdung - kein Ausdruck von "Freiheit".
    Die klare Entscheidung "kein Alkohol" ist für mich eine große Erleichterung, ein guter Halt. Keine inneren Diskussionen mehr.
    Das ist eine Befreiung. :)


    Ich habe für mich selbst auch festgestellt das wann immer ich etwas länger tugendhaft lebe, umso sicherer werde ich im Umgang mit mir selbst und anderen. Das ist garnicht so einfach zu beschreiben. Aber es gibt mir ein Gefühl der Klarheit, Entschlossenheit, ja ganz allgemein der Richtigkeit.


    Das hat nichts mit Überlegenheit oder "besser und schlechter" zu tun, sondern ist zuerst einmal nur mich selbst sehr wirksam. Ich stelle mir dabei die Tugend wie ein Gefäß vor, in dem schon die kleinsten Risse oder Löcher einen Verlust an Kraft bedeuten können. Man fühlt sich stark wenn man es schafft dem heilsamen zu folgen.

    Sôhei:

    Ich glaube auch beim Thema Alkohol können externe Begründungen und Richtlinien nur begrenzt helfen. Denn die Frage bleibt ja offen - wie ist die von Geronimo zitierte Aussage zu verstehen? Als Edler unter Edlen - und unter nicht-Edlen? (Vielleicht im Sinne von "Allen alles werden" dann erlaubt?). Und - nur berauschende Getränke? Und sonstige Mittelchen sind erlaubt? Oder alles, was extern in den Gehirnstoffwechsel eingreift sollte vermieden werden? Also auch Tee und Kaffee, aber auch Medikamente. Aber vor allem: das Zitat sagt zwar, wie das Verhalten sein sollte, aber nicht warum! (Natürlich, Geronimo hat schon seine Beweggründe und Erfahrungen angeführt. Aber wenn es darum geht, ob ein gelegentliches Glas Wein auf dem Heilsweg grundsätzlich und für alle hinderlich ist, bewegen wir uns halt nur noch im Bereich der Meinungen, ohne da wirklich handfest argumentieren zu können. Meiner Meinung nach.)


    Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Für mich ist es kein nützlicher Begleiter mehr.


    "Edler unter Edlen" muss man nun wirklich nicht auf die Goldwaage legen. Es bedeutet wie sich jemand verhält der auf ein glückliches Leben aus ist.


    Was berauschende Mittel angeht, so bezieht sich der Buddha vornehmlich auf Alkohol:


    Zitat

    'Ich will abstehen von den zum Leichtsinn führenden berauschenden Getränken wie Wein und Branntwein', ist der Wortlaut der letzten für alle Buddhisten bindenden 5 Sittengelübde (siehe sikkhā-pada).
     
    »Einen sechsfachen Unsegen bringt das Genießen von den zum Leichtsinn führenden berauschenden Getränken, wie Wein und Branntwein, nämlich:


    es führt zum Verlust des Vermögens,
    zu Streitigkeiten,
    ist eine Quelle der Krankheit,
    erzeugt üblen Ruf,
    zerstört das Schamgefühl,
    schwächt die Einsicht«


    http://www.palikanon.com/wtb/surameraya.html


    Aber das ist letztlich auch garnicht so entscheidend, denn du praktizierst ja für dich, und nicht für den Buddha. Wenn du der Ansicht bist das Kaffee, Tee oder intensiveres dir auf dem Pfad helfen, dann ist das zuallererst mal eine persönliche Entscheidung. Ich für mich selbst habe festgestellt das tatsächlich jedes Mittel das mein Bewusstsein in irgendeiner Weise stärker beeinflusst eher hinderlich als förderlich für die Praxis (8facher Pfad) ist. Selbst Grüner Tee, so sehr er mir auch schmeckt und ich ihn schätze, macht mich aüf ganz subtile Weise nervös. Und das ist im Alltag wie auch in der Meditation eher nicht so hilfreich.


    Am Ende geht es aber wirklich nur darum ob etwas dir beim loslassen hilft oder nicht. Denn wenn du dich an Hilfsmittel gewöhnst dann machst du gleich eine neue Baustelle wieder auf die auch irgendwann bearbeitet werden muss. Zumindest wenn du auch den letzten Schritt machen möchtest.

    Zitat

    "Puṇṇa, es gibt vier Arten der Handlung, die von mir verkündet wurden, nachdem ich sie mit höherer Geisteskraft unmittelbar selbst verwirklicht hatte. Was sind die vier?


    Es gibt dunkle Handlung mit dunklem Ergebnis;
    es gibt helle Handlung mit hellem Ergebnis;
    es gibt dunkle-und-helle Handlung mit dunklem-und-hellem Ergebnis;
    und es gibt Handlung, die weder dunkel, noch hell ist, mit weder-dunklem-noch-hellem Ergebnis, Handlung, die zur Vernichtung von Handlung führt."


    ...


    "Und was, Puṇṇa, ist Handlung, die weder dunkel, noch hell ist, mit weder-dunklem-noch-hellem Ergebnis, Handlung, die zur Vernichtung von Handlung führt? Der Wille, der im Überwinden der Art von Handlung steckt, die dunkel, mit dunklem Ergebnis ist; und der Wille, der im Überwinden der Art von Handlung steckt, die hell, mit hellem Ergebnis ist; und der Wille, der im Überwinden der Art von Handlung steckt, die dunkel und hell, mit dunklem und hellem Ergebnis ist: dies nennt man Handlung, die weder dunkel, noch hell ist, mit weder-dunklem-noch-hellem Ergebnis, Handlung, die zur Vernichtung von Handlung führt. Dies sind die vier Arten der Handlung, die von mir verkündet wurden, nachdem ich sie mit höherer Geisteskraft unmittelbar selbst verwirklicht hatte."


    http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m057z.html

    Dana:


    Ich bin auf der Erde, in dem Körper, ganz kurze Zeit da.
    Wer weißt, vielleicht in nächstem Leben werde ich keinen menschlichen Körper bekommen.
    Dann nutze ich jetzt die Möglichkeit, die sich mir in diesem Leben eröffnet, etwas gutes zu tun. :)


    Damit fährt man in jedem Fall am Besten. Ich selbst bin für jede Gelegenheit dankbar wenn ich um Hilfe gebeten werde. Und sei es auch "nur" das ich mal eine halbe Stunde am Telefon zuhöre.


    Wir sollten jede Bitte (auch wenn sie unausgesprochen bleibt) die an uns herangetragen wird als Geschenk betrachten, denn wir dürfen auch nicht vergessen das es durchaus viel Überwindung kosten kann andere überhaupt um etwas zu bitten. Und so ist ein "Ja" fast immer die bessere Antwort, selbst wenn wir dabei auch das eine oder andere Mal ausgenutzt werden. Denn auch dann haben wir in jedem Fall unser Herz geöffnet und es ein weiteres Stück wachsen lassen.


    Diese Möglichkeit sollten wir uns wirklich von niemandem nehmen lassen. Wir können nämlich auch durch ein "Nein" in den allermeisten Fällen Niemanden verändern. Von daher lasse ich mich in bestimmten Fällen lieber auch mal bewusst ausnutzen, zumindest wenn ich der Meinung bin das es Sinn macht, als das ich eine Gelegenheit für mich selbst verstreichen lasse.

    Da ich relativ fromm bin, was die Lehre des Buddha angeht, hat mich folgende Aussage über die Jahre immer mehr motiviert:


    Zitat

    Inwiefern aber lebt ein Edler mit Edlen zusammen? Da enthält er sich des Tötens, steht ab vom Stehlen, von unrechtem Geschlechtsverkehr, von Lüge (54: vom Hinterbringen, rohen Worten, müßigem Geschwätz, von Habsucht, Gehässigkeit und schlechten Ansichten), enthält sich des Genusses von berauschenden Getränken, er ist sittenrein, von gutem Charakter; und mit einem vom Makel des Geizes freien Herzen lebt er im Hause, indem er Asketen und Priester weder lästert noch verleumdet. Insofern lebt ein Edler mit einer Edlen zusammen.


    http://www.palikanon.com/angutt/a04_051-060.html


    Darüber hinaus habe ich festgestellt das ich mittlerweile besser denn je schlafe, seit ich mein letztes Bier zum letzten Jahreswechsel getrunken habe.


    Ab und zu meldet sich noch das Verlangen nach einem Gläschen, weil es ja durchaus eine angenehme Wirkung haben kann. Aber ich ziehe einfach zu viel Kraft aus dem Verzicht (und der Einhaltung gewisser heilsamer Grundregeln), als das ich das für ein paar angenehme Stunden wieder aus dem Gleichgewicht bringen möchte.


    Ohne Alkohol machen zwar einige gesellschaftliche Ereignisse erstmal für eine Weile nicht den selben Spaß wie früher. Aber bald freut man sich über die Klarheit, Übersicht und ja Einfachheit, die man dadurch gewonnen hat, inkl. der daraus folgenden neuen Betätigungsfelder (wie z.B. Situationen objektiver erkennen und entscheiden zu können), und möchte sie nicht mehr missen.


    Ich gehe sogar soweit zu sagen das Alkoholverzicht für mich im Endeffekt eine der besten Entscheidungen meines Lebens war, und das obwohl ich dem Alkohol eigentlich auch nur sporadisch zugetan war. Denn echte geistige wie körperliche Klarheit kann einem letztlich mehr Glück bescheren, als es ein (oder viele) ausgelassener Abend je könnte.


    Und nein, ich sehe hier den mittleren Pfad (wo man sich nur gelegentlich mal ein Gläschen gönnt) nicht als den Nützlichsten. Denn ich habe für mich erkannt, das ich im Schnitt ca. 2 - 3 Monate brauche, um nach bereits einem einzigen Bier ungefähr die selbe Ausgeglichenheit und Klarheit wieder zu erlangen, die mir jetzt ein so guter Begleiter geworden ist. Und mehr muss ich dann dazu auch garnicht wissen.


    http://palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m058z.html