Posts from He Who Remains in thread „Buddhismus: Missbrauch im Namen der Erleuchtung“

    Um nun auf die westlichen Produktionsbedingungen zurück zu kommen: diese charakterisieren Horkheimer/Adorno mE recht treffend als "Kulturindustrie" (in: Dialektik der Aufklärung, Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug). Unter diesen Bedingungen wird der Dharma zur kostenlosen Ressource für eine Warenproduktion.


    Die modernen Produktionsbedingungen als Teil des kapitalistischen Systems sind im Kern den alten Produktionsbedingungen der Sklavenhalter- und Feudalgesellschaften gleich auf Ausbeutung der Vielen durch die Wenigen ausgelegt. Und der Dharma ist hier das Mittel der Ausbeutung. Da wird vom Thron herab gepredigt, weil die Kanzlei nicht mehr reicht. Da wird vom Wahren Menschen ohne Rank (und Namen) gepredigt nur damit der Prediger auf seinem Podium auf seinen Roshi-Rank verweist und autoritäres Cosplay macht. Kann man Dharma im Westen demokratisieren?


    In Anlehnung an die Prinzipal-Agent-Theorie, die auch im Kontext des Marktversagens Anwendung findet, ist das Lehrer-Schüler-Verhältnis zwingend durch asymmetrische Informationen gekennzeichnet. Und Informationen sind Macht. Da ist das Missbrauchspotential systemimmanent und kann zum Sanghaversagen führen. Da muss man institutionell gegenarbeiten. Zum Beispiel mit Christophers Ansatz des Kleinem.

    Kennt hier irgendwer vergleichbare Fälle, die den Theravada im Westen betreffen?


    Auf Twitter bin ich auf robhogendoorn (@robhogendoorn) / Twitter aufmerksam geworden als er den DBU-Tweet mit der Stellungnahme kommentierte. Auf seinem Account teilt er eine Liste von 49 niederländischen Mitgliedsgruppen der BUN. Nach ihm haben Stand 05.06. 2021 25 Gruppen oder 51% gegenwärtig oder in der Vergangenheit einen spirituellen Leiter oder Lehrer mit öffentlicher Missbrauchsbeschuldigung. Mehrmals taucht dort für den Theravada auch 'Mettavihari' auf. Bin mir aber unsicher, wie das zu verstehen ist und frage einmal nach. Quelle robhogendoorn auf Twitter: „On June 5, 2021, 51 percent of the members of the Buddhist Union of the Netherlands (BUN) had or have a spiritual leader who has been discredited by public allegations of sexual abuse. https://t.co/FpfE0dsZpM“ / Twitter

    Für mich ist es immer wieder dasselbe. Man ist solange gegen Missbrauch bis der Guru auf den man sein Yoga macht in irgendeiner Weise involviert ist. Dann beginnt das Lavieren. Von der DBU, Tenzin Peljor und im Internet werden Strohmänner aufgebaut, um das Schweigen des Dalai Lama zu erklären.


    Er sei nicht mit "besonderer Allmacht" bestückt. Der Herr Friedensnobelträger sei weder "weder das Oberhaupt aller buddhistischen Traditionen, noch das Oberhaupt der tibetischen buddhistischen Traditionen – ist nicht einmal das Oberhaupt seiner eigenen, der Gelug Tradition". Daher hat er "keinerlei Befugnis, anderen Traditionen wie der Nyingma Tradition, aus der Sogyal und Spatz stammen, auch nur Ratschläge, geschweige denn Weisungen zu erteilen".


    Und daher darf er nichts sagen?


    Wie soll ich das jetzt in meine Welt übersetzen. Ein geschätzter Teamleiter in einem Sportverein wird als Vertrauensperson aufgesucht und von Missbrauch im Verein informiert. Der denkt sich, nun ja weder habe ich besondere Allmacht hier noch bin ich das Oberhaupt unseres Sportvereins. Ja nicht einmal vom Ruder- oder Handballverein. Bin ja sogar nicht einmal Oberhaupt, sondern nur Teamleiter in meinem Fußball-Bereich. Da habe ich keinerlei Befugnis anderen auch nur Ratschläge zu geben, geschweige denn Weisungen zu erteilen. Und irgendetwas unterschreiben tue ich schon gar.


    Und was? Alle klatschen ihm für sein richtiges Nichtstun Beifall und nennen ihn ehrfürchtig den Herrn, der die Welt mit Mitgefühl betrachtet.

    Eine Stellungnahme zur Doku der DBU. Was denkt Ihr?


    https://buddhismus-deutschland.de/stellungnahmen/


    Das Goldene Kalb aka Dalai Lama darf keine Kratzer bekommen. Schnell mit dem Lackstift drüber. Typisch. Auf das 'aber' habe ich bei jedem Absatz gewartet. Als ob man ein klares Wort nur erwarten darf von Leuten mit "besonderer Allmacht in der buddhistischen Welt". Ein paar Absätze später heißt es dann: "Die DBU ist entschlossen, den Weg der Aufklärung über Missbrauch und sexualisierte Gewalt, der Aufarbeitung vergangener und der Verhinderung neuer Fälle weiterzugehen". Hätte der Dalai Lama da nicht mit seiner Unterschrift vor fast 30 Jahren schon Teil dieser Aufklärung sein können...

    Ich werde mich an dieser Stelle nicht mehr weiter dazu äußern


    Schade. Du hast ja angekündigt mit der Missbrauchsbeauftragten zu sprechen und mich hätte es sehr interessiert, wie sie die Themen anspricht oder ob sie dies gar nicht tut:

    und da werde ich mich direkt hier Vorort mit der Missbrauchsbeauftragten des Bodhicharya in Verbindung setzen


    Hat die Doku eure Wahrnehmung über den Buddhismus irgendwie geändert?


    Die Doku behandelt ja nur den tibetischen Buddhismus. Dies sollte die Wahrnehmung des gesamten Buddhismus richtigerweise nicht ändern.

    und dann noch Leute findet, die das akzeptieren oder unterstützen.....Ich kapiers nicht.


    Ich will das noch einmal aufgreifen und werde mal deutlich und frage mich inwieweit du und Amdap nicht schon kurz davor stehen, zu diesen Leuten zu gehören.


    Die Vaterschaft und die Geldüberweisungen sind wohl als belegte Fakten anzusehen. Im Raum steht dann die Anschuldigung der Vergewaltigung durch Karmapa OTD. Ich zitiere wie schon zuvor den Blog Buddhismus kontrovers von Tenzin Peljor:


    Quote

    Der Gyalwang Karmapa Ogyen Trinley Dorje ... wird beschuldigt, eine Nonne in Ausbildung in einem Kloster in New York im Jahr 2017 sexuell missbraucht und geschwängert zu haben... Laut Han traf sie den Karmapa zum ersten Mal im Jahr 2014, als sie seine Erlaubnis erhalten habe, sich als Nonne ausbilden zu lassen. Han wollte nach eigener Aussage eine buddhistische Nonne werden. Zwei Jahre später habe sie ein dreijähriges Retreat in einem Kloster in Upstate New York begonnen. An diesem Retreat-Ort, Karma Ling, habe sie als Nonne im Zölibat gelebt und praktiziert. Am 14. Oktober 2017 habe der Karmapa sie in ihrem Zimmer sexuell angegriffen. Durch den angeblichen Übergriff sei sie schwanger geworden. (Quelle: Der 17. Karmapa sieht sich mit Klage konfrontiert – Buddhismus kontrovers (buddhismus-kontrovers.info))


    Die Anklage steht ja nicht irgendwo im Raum, sondern vor Gericht. Und dazu schreibt ihr:

    auch wenn es von Seitens Karmapa OTD diese Geschichte mit der Schwangerschaft gibt (ich habe das gestern selbst hier iwo in den Links gelesen), aber vielleicht war es sein "Erstes Mal" und er ist schwach geworden,verhält sich aber sonst vorbildlich, er soll sich um die Frau ja auch gekümmert haben, sodass sie eine Wohnung kaufen konnte.

    Nicht optimal,aber zumindest scheint da kein Missbrauchssystem dahinter zu stecken und Menschen machen nun auch mal Fehler und ich hoffe, dass er daraus gelernt hat.

    aber vielleicht hatte er wirklich ne Sinnkrise, ob Lama bleiben oder nicht,war tatsächlich verliebt und konnte es dann nicht durchziehen, das ist Nachvollziehbar.


    Dann kriegt er immer das beste Essen vorgesetzt - wie langweilig! - und alle verneigen sich vor einem, das ist fast verstörend, wenn man damit nicht groß geworden wäre. Er schaut auch nicht mehr so locker und fröhlich in die Kamera wie noch als Kind.

    Es ist keinesfalls zu entschuldigen, doch wenn man in diesem Kontext schwach wird, wundert's einen nicht.


    Was für ein Luxusleben führen dagegen wir Otto Normalverbraucher und -meditierer!


    Wahnsinn! Ne Nonne auf ihrem Retreat vom Oberbonzen vergewaltigen und schwängern und dann von "Sinnkrise", "nicht optimal" und "in diesem Kontext schwach wird, wundert's einen nicht" faseln. Da wird dann schon akzeptiert und unterstützt.


    Noch einmal. Mein Kenntnisstand ist, dass ein Gericht noch keine Feststellung zu schuldig/unschuldig vorgenommen hat. Aber ich finde euch verharmlosend.


    Meine Erinnerung nach hat die Frau auch Klage gegen das Retreatzentrum eingereicht. Richtig so. Ich kann nur jedem empfehlen sich umzuschauen, ob der Ort, die Sangha wo man ist die Fürsorgepflicht im hohem Maße ernstnimmt. Werden Missbrauchstäter als Lehrer eingeladen, ist die Fürsorgepflicht für mich schon verletzt. Sind Vorwürfe erhoben und noch nicht ausgeräumt, tut eine Pause gut.

    auch wenn es von Seitens Karmapa OTD diese Geschichte mit der Schwangerschaft gibt (ich habe das gestern selbst hier iwo in den Links gelesen), aber vielleicht war es sein "Erstes Mal" und er ist schwach geworden,verhält sich aber sonst vorbildlich, er soll sich um die Frau ja auch gekümmert haben, sodass sie eine Wohnung kaufen konnte.


    Gerade der letzte Teil klingt ja erstmal harmlos und fast nett. Aber woher hat dieser Karmapa denn eigentlich das Geld? Es soll sich ja auf mehr als eine halbe Million Euro belaufen. Ich gehe einmal davon aus, dass dies Spendengelder sind. Gerne berichtigen! Wofür haben die Leute gespendet: für den Dharma oder aber für die Behebung der Kollateralschäden der Rumfickerei vom Karmapa? Ich würde mich so etwas von verarscht fühlen, wenn meine Spenden für solche Zwecke missbraucht worden wären. Und hierfür ist es auch belanglos, ob es „eine nicht einvernehmliche sexuelle Begegnung “ war oder nicht.

    Ab heute in der Mediathek:


    Buddhismus: Missbrauch im Namen der Erleuchtung - Die ganze Doku | ARTE


    Minute 9:40 ist aufschlussreich: Man müsse dem Lama blind folgen und gehorchen. Das ist genau das, was Dzongsar Khyentse zu den Missbräuchen von Sogyal Rinpoche bei Rigpa gesagt hat (und sie damit rechtfertigte). Das offenbart ein strukturelles Problem, das in den Diskussionen um Missbrauch im buddhistischen Kontext bisher viel zu kurz gekommen ist. Das betrifft auch nicht nur den tibetischen Buddhismus.


    Ich will hier auf einen alten Beitrag von mir hinweisen, wo eben dieser Dzongsar Khyentse auf seiner Rigpa-Versöhnungstour im Berliner Dharma Mati Zentrum deutlich machte, dass er - falls er ein Mahasiddha wäre, was er nicht ist - natürlich Schüler:innen sexuell, körperlich, emotional missbrauchen würde, wenn es diesen gut tun würde: RE: Schande im Dharma

    Ich frage mich, wie man das Dharma so falsch auslegen kann und dann noch Leute findet, die das akzeptieren oder unterstützen.....Ich kapiers nicht.


    Ich will jetzt nicht alte Leichen wieder ausgraben, aber erwähnen will ich es dennoch. Weil manchmal ist das, was man nicht erwartet doch irgendwie näher als man es sich vorstellt.


    Vor Jahren - und hier schreibe ich aus der Erinnerung - hatten wir im Forum einmal den "Fall Choenyi". Nichts großes oder so, aber der Faden ist dennoch schon lange nicht mehr öffentlich. Choenyi oder ähnlich, kann mich nicht mehr ganz genau erinnern, war hier kurzfristig Mitglied. Sie erzählte uns davon, wie ein tibetischer Lama ihr vor versammelter Sangha in die Magengrube schlug. Und wie dankbar sie ihm dafür war. Der Grund des Schlagens war, weil sie über "heilige Texte", die auf dem Boden lagen herüberstieg. Nicht nur hat die Sangha vor Ort geschwiegen, sondern auch die damaligen Tibeter hier auf Buddhaland. Keiner der damaligen Tibeter hier hat sich gegen das Schlagen eines religiösen Lehrers ohne Ausnahmen ausgesprochen. Nichts. Ein Mitglied hat sich gegen das Schlagen ausgesprochen, aber dann auch wieder gesagt, sie könne die Dankbarkeit für die Lektion des Schlagens nachvollziehen. Drei nicht-tibetische Mitglieder haben sich ausdrücklich gegen das Schlagen jeder Art ausgesprochen und wurden dann von der damaligen Tibet-Moderation zensiert, weil es als fundamentaler Angriff auf den tibetischen Buddhismus gewertet wurde.


    Damit kannst du jetzt machen, was du willst. Vielleicht findest du auch, es war nicht der Rede wert o.ä. Aber manchmal findet man Leute, die das akzeptieren oder unterstützen gleich da wo man selber ist.