Avijja

  • Avijjā (f.) [Sk. Avidyā; fr. a + vid] Unwissenheit; die Hauptwurzel des Bösen und der ständigen Wiedergeburt (siehe paṭiccasamuppāda).


    PTS Avijjā

    Avijjā (f.) [Sk. Avidyā; fr. a + vid] Unwissenheit; die Hauptwurzel des Bösen und der ständigen Wiedergeburt (siehe paṭiccasamuppāda).


    Zur Etymologie und Begriffsabgrenzung:


    Das "a" ist eine Verneinung und das Verb "vid" bedeutet "wissen" oder "erkennen"*. Der Sanskritbegriff vidyā stammt von den Veden ab, dort umfasst das Wissen (vidyā) viele Bereiche: Kunst, Wissenschaften, Opferrituale, Magie, usw. In D1 wird dieses brahmanische Wissen dem Wissen und der Weisheit des Erwachten gegenübergestellt und als Unwissenheit (avijjā) angesehen, da es nicht der Bewusstseinsklarheit dient und der Anhaftungsfreiheit, dh. somit nicht zur Leidbefreiung beiträgt.


    *PTS Avijjā


    Dieser Teil handelt zum Beispiel von der falschen Ansicht, dh. dem brahmanischen Wissen:

    Zitat

    35. Diese Asketen und Brahmanen, ihr Mönche, erklären die Lehre von der Ewigkeit und erklären das Selbst und die Welt als ewig aus vier Gründen. Diejenigen Asketen und Brahmanen, ihr Mönche, die die Lehre von der Ewigkeit erklären und das Selbst und die Welt als ewig erklären, alle diese tun es aus diesen vier Gründen oder einem von diesen vier, nicht gibt es außer diesen einen anderen.


    36. Aber, ihr Mönche, dies weiß der Vollendete: Auf diesen Ansichten beharrend, diese ergreifend, diese festhaltend werden sie in solcher Existenz erscheinen, solche Fortexistenz haben. Dies weiß der Vollendete, und er weiß darüber hinaus. Dies wissend hält er nicht fest, loslassend verwirklicht er bei sich den Herzensfrieden, und das Entstehen und Vergehen der Gefühle, deren Annehmlichkeit, deren Nachteil und das Entkommen daraus erkennt der Vollendete der Wahrheit gemäß. An nichts anhaftend ist er befreit, ist er, ihr Mönche, der Vollendete.

    pk D1


    Avijjā findet sich in unterschiedlichen Passagen und Zusammenhängen wieder, zB. hier:

    Zitat

    S. 35.53 Unwissen I


    "Wie nun, o Herr, wird vom Kenner, vom Sehenden das Unwissen überwunden, und wie steigt Wissen auf?"


    Wer das Auge , o Mönch, als unbeständig erkennt und sieht, der überwindet das Unwissen, und dem steigt das Wissen auf. Wer die anderen Innengebiete und die 6 Außengebiete (ayatana), das sechsfache Bewußtsein, die 6 Berührungen, die 18 Gefühle als unbeständig erkennt und sieht, der überwindet das Unwissen, und das Wissen steigt auf. So nun, o Mönch, so erkennend und sehend wird das Unwissen überwunden, und so steigt das Wissen auf.

    pk avijjā


    Zusammenfassend wird hier Wissen (vijjā) und Weisheit (paññā) synonym benutzt und auf die vier Grundlagen der Achtsamkeit verwiesen, so wie das Durchschauen der drei Daseinsmerkmale (Vergänglichkeit, Nicht-Selbst, Unzulänglichkeit). Die anhaftungsfreie und klare Sicht des vollkommen Erlösten wird als "wissend" bezeichnet. Alles was davon abweicht trägt somit immer auch Unwissenheit in sich.


    Siehe Satipatthana