Reinigungsmethoden im Tantra

Moderator: kilaya

Ich finde diesen Link im Augenblick sehr hilfreich und möchte ihn mit Euch teilen. Vielleicht kann ja sonst noch jemand was damit anfangen:
https://studybuddhism.com/de/fortgeschr ... gsmethoden

Hindernisse treten ja leicht mal vermehrt auf, wenn man intensiver praktiziert, innere wie äußere Unannehmlichkeiten - das geht manchmal alles Hand in Hand. Wenn man in dem Link etwas herunterscrollt, kommt man zu den sieben wichtigsten Methoden, um mit auftretenden Problemen zu arbeiten. Die Liste geht hier von anfänglich einfach bis fortgeschritten nicht so einfach. Wer es also ausprobieren will, sollte unbedingt vorne anfangen:

Berzin-Archiv hat geschrieben:
Im Allgemeinen gibt es viele Methoden, die man im Buddhismus anwendet, um uns von Problemen zu befreien. Im Folgenden wollen wir sieben dieser Methoden näher untersuchen.

Sich in Selbstkontrolle üben
Wenn störende Emotionen oder störende Geisteshaltungen entstehen und karmische Tendenzen zur Reifung gelangen, sodass wir uns danach fühlen, diese Emotionen auszuleben, ist die erste Stufe, um Probleme zu vermeiden, zu „verweilen wie ein Holzklotz“ – so wie es Shantideva empfohlen hat. Das bedeutet, wir machen Gebrauch von unserer Wachsamkeit, um uns gewahr zu werden, dass eine störende Emotion in uns entstanden ist; dann wenden wir die Kraft der Vergegenwärtigung an, um uns an die leidhaften Konsequenzen zu erinnern, die daraus folgen werden, wenn wir diese negativen Emotionen ausleben. Wir wenden zudem ethische Selbstdisziplin an, um uns selbst davon abzuhalten, diese negativen Emotionen auszuleben. Obwohl uns diese Methode, mit dieser potenziell gefährlichen Situation umzugehen, nicht von den wahren Ursprüngen unserer Probleme befreit – uns letztendlich also nicht von unseren störenden Emotionen und Geisteshaltungen, und auch nicht von den karmischen Tendenzen, sie auszuleben, befreit – hindert sie uns nichtsdestotrotz daran, dass wir die wahren Ursachen unserer Probleme noch zusätzlich verstärken.

Anwendung von Gegenmitteln
Wenn wir uns in Selbstkontrolle üben, eine störende Emotion nicht auszuleben, wenn diese in uns entsteht, so wirkt diese Selbstkontrolle der störenden Emotion nicht wirklich entgegen. Um der störende Emotion wirklich etwas entgegenzusetzen, müssen wir sie in direkterer Weise angehen. Die erste Methode dafür ist, ein Gegenmittel anzuwenden. Ein Beispiel hierfür ist, die Meditation über die Hässlichkeit (beispielsweise des Körpers, den wir begehren) durchzuführen, um so unsere Anhaftung zu überwinden. Ein weiteres Beispiel eines Gegenmittel ist die Meditation über Liebe um unserem Ärger entgegenzuwirken. Wenn wir starker sexuelle Anziehung gegenüber jemandem empfinden, stellen wir uns das Körperinnere (dieser Person) vor, so als wenn wir die Haut abschälen würden. Bei Wut auf Personen, die uns auf die Nerven gehen, rufen wir uns zu Bewusstsein, dass sie sich so verhalten, weil sie selbst unglücklich sind und etwas sie stört. Dann wünschen wir ihnen mit Liebe, dass sie glücklich sein mögen und die Ursachen für ihr Glück erfahren mögen. Wir gehen selbst dann so vor, wenn unsere Liebe aus dem Eigeninteresse heraus entstanden ist, dass uns diese Menschen nun nicht weite auf die Nerven gehen mögen. Diese Methode ist jedoch bloß vorläufig. Sie befreit uns nicht in der Weise von den störenden Emotionen, dass sie nie wieder auftreten werden.

Negative Umstände zu positiven wandeln
Eine andere Methode ist es, in einer schwierigen Situation unsere Geisteshaltung zu ändern und negative Umstände in positive umzuwandeln. Wenn wir zum Beispiel Schwierigkeiten erfahren, sehen wir unser Leiden als Verringerung unserer vergangenen negativen karmischen Potentiale an, anstatt über das Leiden, das wir erleben, aufgebracht und verärgert zu sein. Wir denken: „Es ist gut, dass ich leide. Weil meine negativen karmischen Potenziale jetzt heranreifen, werde ich davon gereinigt, später in diesem Leben etwas weitaus Schlimmeres ertragen zu müssen oder in einer schlechteren künftigen Lebensform wiedergeboren zu werden.“

Wenn wir überdies Probleme erfahren, stellen wir uns vor, all das Leiden von anderen Lebewesen, die von ähnlichen Problemen heimgesucht werden, auf uns zu nehmen. Wenn wir beispielsweise Hepatitis haben, so denken wir „durch meine Hepatitis, mögen die Leiden aller anderen, die jetzt gleichfalls unter Hepatitis leiden, von ihnen weichen zu mir kommen, und möge das negative karmische Potenzial von jedwedem in Zukunft Hepatitis zu bekommen, jetzt bei mir heranreifen. Möge in dieser Weise niemand jemals mehr unter Hepatitis zu leiden haben.“

Diese Methode, unsere Geisteshaltung zu verändern und negative Umstände in positive umzuwandeln, ist tatsächlich ein sehr effizienter Weg, mit Leiden umzugehen. Es handelt sich jedoch wiederum nur um eine vorläufige Methode zur Beseitigung unserer Probleme und ihrer wahren Ursprünge.

Einen zur störenden Emotion exakt gegenteiligen Geisteszustand entwickeln, der diese ausschließt
Eine dritte Methode, die im Buddhismus angewendet wird, ist es, einem Objekt gegenüber einen exakt gegenteiligen Geisteszustand zu entwickeln, anstelle der störenden Emotion, die wir zuvor empfanden und die uns viele Probleme bereitet hat. Einen exakt gegenteiligen Geisteszustand zu entwickeln ist ein effektives Gegenmittel, da wir nicht zwei sich gegenseitig ausschließende Möglichkeiten, ein Objekt wahrzunehmen in unserer geistigen Wahrnehmung gleichzeitig haben können. Unser Bewusstsein kann dasselbe Objekt nicht zur gleichen Zeit auf zweifache, sich widersprechende, sich gegenseitig ausschließende Art aufnehmen. Wenn der entgegengesetzte Geisteszustand durch Logik gestützt ist, während der sich gegenseitig ausschließende andere Geisteszustand durch ein falsches Verständnis erzeugt wurde, dann wird – sofern es uns möglich ist, stets auf diesen entgegengesetzten Geisteszustand fokussiert zu bleiben, sein exaktes Gegenteil niemals wieder entstehen.

Beispielsweise schließen sich das Greifen nach einer wahrhaft erwiesenen Existenz und die Erkenntnis der Leerheit, also die völlige Abwesenheit einer wahrhaft erwiesenen Existenz, gegenseitig aus. Wenn ich zum Beispiel diese Uhr betrachte und die Zeit, die sie angibt, so kann ich nicht auf dieses Objekt mit demselben Geist in zweifacher, entgegengesetzter Weise schauen. Ich kann die Uhr nicht so betrachten, dass sie sowohl ein wahrhaft erwiesenes „fünf vor zwölf“ zeigt, als auch, dass es nichts derartiges gibt, wie wahrhaft erwiesene „fünf vor zwölf“. Das sind zwei sich gegenseitig ausschließende Betrachtungsweisen in Bezug auf das Objekt, das ich sehe. Wenn ich die Zeit als ein wahrhaft erwiesenes „Ding“ betrachte, gerate ich in Panik, dass ich nicht mehr genügend Zeit habe, diesen Vortrag abzuschließen. Wenn ich die Zeit hingegen mit dem Verständnis betrachte, dass es nichts derartiges gibt, wie eine wahrhaft erwiesene Zeit, beispielsweise als eine Zeit, zu der ein Vortrag beendet sein muss, so werde ich gelassener reagieren.

Es ist diese Art der Methode, die der Buddhismus im Allgemeinen heranzieht, um die wahre Beendigung der wahren Probleme und ihrer wahren Ursachen zu bewirken, sobald wir den tiefsten wahren Ursprung all unserer Probleme als unsere Unwissenheit der Leerheit identifizieren.

Störende Emotionen in die zugrundeliegende konventionelle Natur des Geistes auflösen
Wenn störende Emotionen entstehen, so bietet die Mahamudra-Meditation eine Anzahl von Methoden an, um sie in die zugrundeliegende konventionelle Natur des Geistes aufzulösen. Im Buddhismus bezieht sich „Geist“ auf die geistige Aktivität von bloßer Klarheit und Gewahrsein. Das bedeutet, dass „Geist“ beschrieben wird als die geistige Aktivität des Hervorbringens von Erscheinungen, die geistigen Hologrammen ähneln, und als die geistige Aktivität, mit der wir uns kognitiv mit diesen Erscheinungen befassen. Bei diesen zwei Aspekten der geistigen Aktivität handelt es sich um zwei Darstellungsweisen ein und derselben Aktivität; diese beiden Aktivitäten finden nicht aufeinanderfolgend statt. Darüber hinaus findet allein nur diese geistige Aktivität statt, ohne von einer Person oder Entität namens „Geist“ hervorgebracht oder beobachtet zu werden, die von dieser (Aktivität) getrennt wäre.

In der Mahamudra-Meditation der Gelug-Kagyü-Tradition verschieben wir den Fokus unserer Aufmerksamkeit weg vom Inhalt der Sinneswahrnehmung oder der geistigen Wahrnehmung, die von störenden Emotionen begleitet wird, und wir fokussieren uns stattdessen auf die (bloße) konventionelle Natur der geistigen Aktivität, die auftritt. Die geistige Aktivität bringt nicht allein eine kognitive Erscheinung des Objekts dieser störenden Wahrnehmung hervor und ist kognitiv mit ihr befasst – sie tut dasselbe auch mit der störenden Emotion. Und das ist auch alles, was geschieht. Ändern wir den Fokus unserer Aufmerksamkeit auf diese Weise, so entfernt man die emotionale Energie, welche die störende Emotion antreibt und aufrechterhält, und bringt sie zur Ruhe.

Die Methode der Karma-Kagyü und Drugpa-Kagyü-Mahamudra-Meditation beruht darauf, den Geist auf natürliche Weise zur Ruhe kommen zu lassen, sobald eine störende Emotion entsteht, anstelle bei der Art der Wahrnehmung, die sie enthält, zu verweilen und sie zu analysieren. Wenn die störende geistige Aktivität und jeglicher begrifflicher Gedanke natürlich abklingt, so ist der Geist, gleich einem Vogel, der von einem Schiff in der Mitte des Ozeans in die Freiheit entlassen wurde, automatisch in seinem ursprünglichen reinen Zustand von Klarheit und Gewahrsein, in dem er seit jeher immer war.

Störende Emotionen in das zugrundeliegende tiefe Gewahrsein auflösen
Eine weitere Methode, die in der Mahamudra- und Dzogchen-Meditation genutzt wird, ist, die fünf Hauptarten störender Emotionen in die fünf ihnen entsprechenden Arten tiefen Gewahrseins (tib. ye-shes) aufzulösen, die ihnen zugrunde liegen. Jede Art von tiefem Gewahrsein trägt die grundlegende Struktur ihrer entsprechenden störenden Emotion bei, während die begleitende Unwissenheit den störenden Aspekt ausbildet.

Bei sehnsüchtigem Verlangen beispielsweise fokussiert sich unsere Wahrnehmung von etwas auf ein spezifisches Objekt, betrachtet es als etwas „ganz besonderes“ und übertreibt dabei seine guten Qualitäten. Diesem sehnsüchtigen Verlangen zugrundeliegend ist ein individualisierendes tiefes Gewahrsein, welches das Objekt als bloßes individuelles Element, verschieden von allen anderen, unterscheidet. Um das zugrundeliegende tiefe Gewahrsein zu erkennen, können wir entweder die Struktur der störenden Emotion analysieren oder die geistige Aktivität ganz natürlich zur Ruhe kommen lassen, damit sie ihr zugrundeliegendes tiefes Gewahrsein enthüllt.

Meditation in Analogie
Eine siebte Methode, die im Buddhismus benutzt wird, um uns selbst von Problemen zu befreien, ist die Meditation in Analogie zu dem, wovon wir uns befreien wollen, und in Analogie zu jenem, was wir erlangen wollen. Dies ist die Methode, die ganz allgemein im Tantra benutzt wird, insbesondere im Anuttarayoga-Tantra. Sie wird in Verbindung mit der Meditation über Leerheit und Bodhichitta durchgeführt.

Die grundlegende Methode dabei ist, dass wir uns wie ein getarnter Geheimagent verhalten und das imitieren, was wir zerstören wollen. Serkong Rinpoche liebte es, dieses Bild zu verwenden. Wie ein getarnter Geheimagent gehen wir bis in die tiefsten Ebenen unseres Geistes hinab, um die natürliche Tendenz unseres Geistes auszukundschaften, und zu schauen, wie unser Geist das hervorbringt, was uns im Leben widerfährt. Wir finden den entscheidenden Schwachpunkt des ganzen Mechanismus heraus, dann sabotieren wir die Mechanik, sodass diese aufhört weiterhin das hervorzubringen, was wir beseitigen wollen. In gewissem Sinne stellen wir die Mechanik auf den Kopf, sodass sie anstelle von dem, was wir nicht erfahren wollen, das hervorbringt, was wir erlangen möchten. Es ist vergleichbar mit einem mentalen Judo. Dies ist also die Methode, die wir im Anuttarayoga-Tantra anwenden.

Wir sprechen stets über eine Basis, die es zu reinigen gilt, einen Pfad, auf dem wir die Reinigung durchführen und dem Resultat der Reinigung: Grundlage, Pfad und Resultat. In unserem Fall hier sind alle drei in Analogie zueinander: die Basis, die wir reinigen möchten, der Pfadgeist, mit dem wir die Reinigung ausführen, wie auch das Resultat der Reinigung. Indem wir diese drei in Analogie haben, können wir den Pfad wie einen Geheimagenten benutzen um die Basis zu reinigen und die Resultate hervorzubringen.

Die Methode wird dann klarer werden, wenn wir uns das spezifische Beispiel des unkontrollierbar sich wiederholenden (Kreislaufs) von Tod, Bardo und Wiedergeburt als Basis, die wir reinigen möchten, ansehen. Wie wir gesehen haben, sind Tod, Bardo und Wiedergeburt eine andere Art und Weise, um die edle Wahrheit des Leidens darzustellen – das alles durchdringende Leiden, befleckte Aggregate zu besitzen. Durch Anuttarayoga-Tantra-Praxis zielen wir darauf ab, uns von der Erfahrung von Tod, Bardo und Wiedergeburt unter dem Einfluss von Karma, sowie uns von unserem Erleben von störenden Emotionen und Geisteshaltungen zu befreien, indem wir uns wie ein Geheimagent in verdeckter Mission verhalten.
Danke, liebe Losi!
Das finde ich in der Tat auch hilfreich.
:om:
Fehlt in diesem Link nicht die Vajrasattva Methode?
nein, das gehört unter den letzten punkt mit dem geheimagenten. eine interessante beschreibung davon, die ich so noch nie gelesen habe.
Sehr hilfreich!

Danke dafür!

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