Vajrasattva-Mantra zur Bereinigung auch ohne Einweihung ?

Moderator: kilaya

Hallo miteinander
Ich möchte gerne wissen, ob ich das Vajrasattva-100-Silben-Bereinigungsmantra als Bereinigungsübung verwenden kann, auch wenn ich keine Tantrische Einweihung habe.
In den Beschreibungen wird ebendies gesagt, auf der HP von Berzin sagt er, das man
dieses Mantra durchaus als „vorbereitende Übung“ nutzen kann, auch wenn man
keine Einweihung hat.
Ist das so und hat es dann eine (wenn auch abgeschwächte) Wirkung ?

LG Rolf
Ich kann dir nur sagen, wie ich es gelernt habe: Für das 100-Silben-Mantra braucht man eine Übertragung und für die Vajrasattva-Praxis eine Ermächtigung.

Das 6-Silben-Vajrasattva-Mantra ist aber - laut Aussage meines Lehrers - genauso "wirkungsvoll" wie das lange, dafür benötigt man aber keine Einweihung.

Keine Garantie, ob das in jeder Richtung oder bei jedem Lehrer so ist.
RolfGe hat geschrieben:
Ich möchte gerne wissen, ob ich das Vajrasattva-100-Silben-Bereinigungsmantra als Bereinigungsübung verwenden kann, auch wenn ich keine Tantrische Einweihung habe.


Nach meinem Verständnis würde das keinen Sinn machen.
Mantras sind Teil einer jeden tantrischen Praxis.
Wenn man sie nicht richtig anwendet, könnte es passieren, dass sie falsch verstanden werden.
Der Dalai Lama macht sich manchmal über seine Landsleute lustig, wenn er sieht, wie geizig sie manchmal sind: "Dann klingt das Mantra des Mitgefühls nicht mehr wie Om mane Padme Hung, sondern wie Om Money Padme Hung und schließlich nur noch nach Money, Money, Money, Money... u.s.w." :)
Sherab Yönten hat geschrieben:
Om Money Padme Hung

ghihihi
Ich war früher Mitglied im Orden Ariya Maitreya Mandala, gegr. von Lama Anagarika Govinda.
Hier lernte man kein Ngöndro als komplexe Praxis, sondern allein Vajrasattva als Hauptpraxis, das lange Mantra (Dharani) auf Sanskrit. Die Vajrasattva-Praxis wich in ihrem Ablauf ab von der Form, wie sie bei den Traditionstibetern als in das Ngöndro eingebettete Praxis übermittelt wird.
Einweihungen gab es nur selten, und es wurde auch immer wieder hervorgehoben, dass Einweihungen nicht notwendig seien, um eine Praxis zur Wirkung kommen zu lassen. Wenn jemand sie unbedingt wünsche, weil er sie zu seiner Festigung brauche, dann könne es für ihn/sie aber gerne eine Einweihung geben.
Im AMM wurden Einweihungen einzeln erteilt. Der/die Kandidatin musste einen ganzen Tag sich in eine Hütte oder dergleichen verziehen und fasten und schweigen. Die Einweihung fand dann meist in der Nacht statt, nur mit kompetenten Ordensmitgliedern und unter Ausschluss der sonstigen Öffentlichkeit. Die ganze Prozedur kostete sowohl die kompetenten Ordensmitglieder als auch den/die Kandidaten enorme Vorbereitung. Ich selbst war nie interessiert an einer Einweihung, habe ein sehr stressiges Leben mit Nachtdiensten in Unregelmäßigkeit usw., und freue mich über jede Mütze Schlaf, die ich nachts erheischen kann. Wenn eine Einweihung nicht notwendig ist, was soll sie dann, frag(t)e ich mich. Bei dieser Einstellung bin ich geblieben. Wichtig ist doch, dass man mit Ernsthaftigkeit und größter Hingabe praktiziert.

Wenn ich so daran denke, dass ich mit ca. 13-14 Jahren hingebungsvoll allein die Zufluchtsformel rezitierte - aus einem Buch, weil ich keine buddhistischen Kontakte hatte! Das war damals meine echte Zuflucht. Eine soooo lange Zeit später, 1999, nahm ich dann beim AMM öffentlich Zuflucht, aber es war bei weitem nicht so prägend wie der damalige Akt.

Wenn ich heute an einer Einweihung teilnehme, meist bei den K.-Kagyüs, ist es eine Mischung aus Neugier und Hoffnung. Ich mag Zeremonien sehr, kann es aber nicht unbedingt mit mir persönlich verbinden und stattdessen nur hoffen, dass ich weiter nach und nach Fortschritt mache.
Das ist alles. Die wahre Einweihung geschieht in unserem Inneren.

A.
Die Idee mit dem kurzen Mantra scheint mir gut; dann einfach zusehen, dass Du eine Einweihung bekommst bei nächster Gelegenheit...
Mein erster Kontakt mit Buddhisten war eine wöchentliche Vajrasattva-Meditationsgruppe für Einsteiger und Anfänger - also Leute ohne Einweihung.
Es gab Kontroversen darüber, ob das korrekt war oder nicht sein dürfe. Also, normalerweise war das nicht korrekt, aber unter gewissen Auflagen wurde diese Praxisgruppe vom zuständigen Rinpoche gutgehießen. Die
Praxistexte waren eine abgespeckte, verwestlichte Version. Sie ließen sich gut nachvollziehen für Leute, die noch nichts davon gehört hatten.

Man durfte die Praxistexte nicht mit nach Hause nehmen. Es war eine reine Gruppen-Veranstaltung und die neuen Leute profitierten vom Wissen und der Vermittlung der Technik und Theorie durch alte Hasen. Das war wirklich eine schöne Sache und ich glaube, deshalb hat der Rinpoche es auch zugelassen.

Aber ich habe erst angefangen, es zu Hause allein zu praktizieren, nachdem ich eine Einweihung mitgemacht hatte. Da gehört ja noch dann die offizielle Zufluchtnahme und die Bodhisattvagelübde dazu. Dadurch bekommt das Ganze Kraft und Basis.

Im Buddhismus ist ja immer total wichtig: wer ist der Lehrer? Welche Linie? Wer hat den Praxistext verfasst? Das wird sehr ernst genommen. Es ist ja nicht wie beim New Age, wo man Anleihen an alles Mögliche nimmt und sich daraus sein eigenes Dings mixt.

RolfGe hat geschrieben:
...
In den Beschreibungen wird ebendies gesagt, auf der HP von Berzin sagt er, das man
dieses Mantra durchaus als „vorbereitende Übung“ nutzen kann, auch wenn man
keine Einweihung hat.
...

Vajrasattva ist eine vorbereitende Übung. Eine von 5 Übungen, wo man 100.000 Mantren "sammelt". Das Verfahren heißt Ngöndro. Um das zu machen, nimmt man in Vajrasattva eine Einweihung. So kenne ich es wenigstens.

Eine Einweihung ist kein Hindernis. Ich würde es vergleichen mit Schuheanziehen, wenn man eine Wanderung machen will. Schuhe sind für eine Wanderung kein Hinderniss.
Vajrasattva steht schon auch noch eigenständig. Wenn es um Reinigung geht, auch der eines Raums vor einer anderen Einweihung z.B., wird meist Vajrasattva praktiziert. Auch mit Neulingen. (Aber da halt auch in der Gruppe...) Dann gibt es noch die Verwandschaft von Medizinbuddha und Vajrasattva. Reinigung und Heilung hängen eng zusammen.
Ja, richtig.
Es ist eine tolle Übung. Sehr hilfreich.
Es kann, glaub ich, nicht schlimm sein, wenn man sich dazu hingezogen fühlt, dass man es schonmal anfängt. Aber ich glaube, man macht nur halben Kram, wenn man niemals versucht, einen Lehrer und eine Einweihung zu finden.
kilaya hat geschrieben:
Vajrasattva steht schon auch noch eigenständig. Wenn es um Reinigung geht, auch der eines Raums vor einer anderen Einweihung z.B., wird meist Vajrasattva praktiziert. Auch mit Neulingen. (Aber da halt auch in der Gruppe...) Dann gibt es noch die Verwandschaft von Medizinbuddha und Vajrasattva. Reinigung und Heilung hängen eng zusammen.


Genau, man kann ihn z.B. auch als Yidam praktizieren.
ehrlich gesagt hängt es von der person ab, ob sie eine einweihung wirklich benötigt - oder ob sie schon von selbst genügend vajrasattva aspekte mitbringt, um damit zu arbeiten.

vajrasattva selber ist ein relativ leicht zu erreichender yidam, d.h. möglicherweise benötigt es tatsächlich keine einweihung.

aber um auf nummer sicher zu gehen und sich nicht selbst zu schaden, weil man keine einweihung hat und sie eigtl benötigt, würde ich empfehlen eine einweihung zu nehmen.


wenn sie von einem realisierten meister ist, wird die einweihung einem dann sowieso auch sehr stark nutzen.
Hallo miteinander
Danke erst einmal für Eure Antworten
Also zum Verständnis: ich habe vor, 2019/ 20 den Tantra-Kurs des TZ mitzumachen, da wird
sicher auch die Gelegenheit zu einer Einweihung sein. Das ist mein Vorhaben.

Meine Frage zielt dahin, ob die Rezitation bzw das Nachvollziehen der Bereinigungsübung
ohne Einweihung wirksam / wirkungslos / hilfreich / schädlich / sinnlos / ein bißchen wirksam ..ist.

Mir geht es einfach um eine gute Bereinigungsübung..

LG Rolf

PS: Allen einen guten Rutsch und ein gesundes neues Jahr
Zur Bereinigungsübung:
Was spricht dagegen erstmal andere vorbereitende Übungen zu machen?
Zum Beispiel das bewusst machen der kostbaren menschlichen Existenz? Die 4 edlen Wahrheiten an sich? Das sind doch auch wichtige Grundlagen

Ob nun Karma wirklich bereinigt werden kann, sei mal dahin gestellt. Das ist eine Vorstellung aus dem tibetischen Buddhismus(ich bin selbst Anhänger des tib. Buddhismus).

Was in allen Buddhistischen richtungen aber gemeinsam ist ist unter anderem die Notwendigkeit von richtigen Verhalten mit der richtigen Motivaton. Siehe dazu zum Beispiel die Paramitas. Auch diese Praxis der Paramitas führt zu positiven Karma

Liebe Grüsse
Tobias
Es wird ja nicht "Karma" gereinigt, wie es salopp gerne gesagt wird, sondern karmische Eindrücke im Geist werden durch die Praxis entschärft, ans Licht gebracht, aufgelöst wenn möglich. Normalerweise passiert das auf natürliche Weise im Alltag, aber die Konsequenzen davon wollen wir vielleicht abmildern. Oder den Prozess beschleunigen oder bestimmte Eindrücke sofort ans Licht holen. Dabei hilft das Kraftfeld von Vajrasattva und die spezifische Visualisierung. Das Mantra gibt in der Übersetzung einige Hinweise, was alles gereinigt wird und v.a. was das Ziel all der Mühe ist. Wir selbst sind die Erfüllungsgehilfen unserer eigenen karmischen Eindrücke und lassen dann die "Früchte" wachsen. Also können wir auch in diesen Ablauf eingreifen und etwas verändern. Aber genauso wie wir nicht alle Gewohnheiten von jetzt auf gleich fallen lassen können, können wir auch nicht die karmischen Eindrücke allesamt so leicht loslassen.
RolfGe hat geschrieben:
Hallo miteinander
Danke erst einmal für Eure Antworten
Also zum Verständnis: ich habe vor, 2019/ 20 den Tantra-Kurs des TZ mitzumachen, da wird
sicher auch die Gelegenheit zu einer Einweihung sein. Das ist mein Vorhaben.

Meine Frage zielt dahin, ob die Rezitation bzw das Nachvollziehen der Bereinigungsübung
ohne Einweihung wirksam / wirkungslos / hilfreich / schädlich / sinnlos / ein bißchen wirksam ..ist.

Mir geht es einfach um eine gute Bereinigungsübung..

LG Rolf

PS: Allen einen guten Rutsch und ein gesundes neues Jahr

Wahrscheinlich hängt das Resultat stark mit der jeweiligen Person zusammen, die es praktiziert. Aber ich halte Vajrasattva auf jeden Fall für wirksam. Und eine Verbindung zur „Lineage" macht es noch besonders wirksam.
RolfGe hat geschrieben:
Hallo miteinander
Danke erst einmal für Eure Antworten
Also zum Verständnis: ich habe vor, 2019/ 20 den Tantra-Kurs des TZ mitzumachen, da wird
sicher auch die Gelegenheit zu einer Einweihung sein. Das ist mein Vorhaben.

Meine Frage zielt dahin, ob die Rezitation bzw das Nachvollziehen der Bereinigungsübung
ohne Einweihung wirksam / wirkungslos / hilfreich / schädlich / sinnlos / ein bißchen wirksam ..ist.

Mir geht es einfach um eine gute Bereinigungsübung..

LG Rolf

PS: Allen einen guten Rutsch und ein gesundes neues Jahr


das kann dir nur ein (teil)verwirklichter lehrer wirklich sagen. und der kann dir auch sagen, welche praxis bei dir für die besten resultate sorgt..

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