DIE RECHTE WENDE

Moderator: void

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http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=70183

Beobachtungen jenseits der Mitte.: Sie sind Autoren, Verlagsbesitzer, Philosophen, Künstler, Studenten, Kirchenmänner und Politiker. Gebildet, wortgewandt, und gleichzeitig radikal - Knotenpunkte im neurechten Netzwerk zwischen AfD und Identitärer Bewegung.

einer der üblen Brandstifter:

https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_Kubitschek
Das ist ein weltweites Phänomen dass sich da jetzt wieder auftut in dieser Zeit. Multikulti ist out, man besinnt sich wieder auf Nation und Volk. Wir haben in Österreich demnächst die Rechten in der Regierung. Die FPÖ, die ist in der Nachkriegszeit gegründet worden von einem ehemaligen SS-Mann, eine Partei von Nazis für Nazis. Soll sich ja angeblich gewandelt haben in österreichtreue Heimatliebe.
Wird in dem Beitrag Ole Nydahl erwähnt? Der passt da ja prima rein.
Der Unbuddhist hat geschrieben:
Wird in dem Beitrag Ole Nydahl erwähnt? Der passt da ja prima rein.


Es gibt auf Youtube ein Video, wo der identitäre Vordenker und Kubitschek-Kumpel Martin Lichtmesz aus dem rechten Roman "das Heerlager der Heiligen" liest. Dabei trägt er ein T-Shirt mit einer tibetischen Gottheit drauf.

Daraufhin habe ich mich gefragt, ob Lichtmesz einen Bezug zum tibtischen Buddhismus hat.
Hast du den Link da?
Mal schaun ob man das findet das Video....
Der Unbuddhist hat geschrieben:
Mal schaun ob man das findet das Video....


Ja - man findet es. Martin Lichtmesz liest aus "Das Heerlager der Heiligen" -
ich stell den link hier nicht rein.
Aber Tibet und die Neue Rechte knüpft an alte Arierträume an.

Bemerkenswert bei dem 3Sat-Beitrag fand ich das Verhalten des liberalen Buchmesse-Leiters. Wer die Geister rief ... er hat den Verlag zum ersten Mal eingeladen -.
Tychiades hat geschrieben:
Aber Tibet und die Neue Rechte knüpft an alte Arierträume an.
Nettes und knappes Dossier dazu: https://www.tibet.de/fileadmin/pdf/tibu ... tibu90.pdf

Was die 'rechte Wende' unter mehr oder weniger Intellektuellen angeht, so ist das ein 40 Jahre alter Hut aus Frankreich (die "nouveaux philosophes"). Intellekt und Intelligenz sind nicht zufällig zwei verschiedene Begriffe.

()
Jetzt hatte ich doch zuerst gedacht, aus dem achtfachen Pfad sei plötzlich der neunfache geworden und zu rechte Anschauung... sei jetzt noch rechte Wende dazugekommen.

Scherz beiseite.

Bei einer Betrachtung des Phänomens sollte man vielleicht (was den Älteren leichter fallen wird) eine mittelfristige Entwicklung der Gesellschaft betrachten. Die größte Partei Deutschlands etwa ist in den letzten 20 Jahren kontinuierlich nach links gewandert. Man kann das gut finden oder schlecht; persönliche Ansicht.

Der durchschnittliche AfD Wähler vertritt heute (weitgehend) Positionen, die vor 15-20 Jahren Mitte CDU gewesen sind.
Die Führungscrew ist so durchwachsen, wie sie es bei den Grünen oder Linken auch gewesen ist, als diese Parteien 4 Jahre alt gewesen ist.

Der Fokus auf dem Fehlverhalten einzelner oder dämliche Einzelpositionen behindert nur die Auseinandersetzung mit Themen, vielleicht soll es das sogar. Ich möchte nicht unbedingt eine Neuwahl, ganz nüchtern würde ich im Moment dabei eher einen Zuwachs an AfD Stimmen erwarten, da die letzte Wahl gezeigt hat, daß dies für die Zusammensetzung des Parlaments keine verlorenen Stimmen mehr sind. Eigentlich möchte ich auch nicht, daß eine Partei (Minderheitenpartei) einen Wahlkampf themenmäßig total vorschreibt, was geschehen könnte.
fotost hat geschrieben:
Ich möchte nicht unbedingt eine Neuwahl, ganz nüchtern würde ich im Moment dabei eher einen Zuwachs an AfD Stimmen erwarten,

ich auch nicht und ich verstehe nicht, was Schulz da macht. Vielleicht geht die SPD dadurch noch mehr in den Keller.
Er behauptet, der Wähler habe ja die große Koalition abgewählt. Naja, einige Leute haben halt AfD gewählt. Und nach deren Pfeife tanzt er jetzt oder wie? obwohl die große Koalition möglich wäre und Jamaika von anfang an etwas absurd war. Und jetzt geht nix mehr, na toll. Die deutsche Kanzlerin kann keine Regierung bilden, infolge des Aufstiegs der Rechten. Das hat Europa grade noch gefehlt.
Sudhana hat geschrieben:
Tychiades hat geschrieben:
Aber Tibet und die Neue Rechte knüpft an alte Arierträume an.
Nettes und knappes Dossier dazu: https://www.tibet.de/fileadmin/pdf/tibu ... tibu90.pdf

Guter Text, danke :)
kilaya hat geschrieben:
Sudhana hat geschrieben:
Tychiades hat geschrieben:
Aber Tibet und die Neue Rechte knüpft an alte Arierträume an.
Nettes und knappes Dossier dazu: https://www.tibet.de/fileadmin/pdf/tibu ... tibu90.pdf

Guter Text, danke :)

Unglaublicher Zufall, während meiner Studienzeit "erbte" ich ein Konvolut an Zoologie-Lehrbüchern, Monographien und Separata aus den 30ern, dazwischen ein paar Briefe des ehemaligen Besitzers, damals offenbar Jungassistent an meinem Institut, an seine damalige Freundin (Verlobte/Ehefrau, keine Ahnung), und einer davon löste bei mir ein gehörigen Ekelanfall aus, wie er dort quasi in ejaculatio seinen erfolgreiche Aufnahme in die SS feierte, von wegen "aus Karrieregründen", haha. Ein anderer war an seinen Prof., "den Stresemann" gerichtet. Den kannte ich natürlich, der Name des Typen sagte mir nix.
Jetzt schon.
fotost hat geschrieben:
Jetzt hatte ich doch zuerst gedacht, aus dem achtfachen Pfad sei plötzlich der neunfache geworden und zu rechte Anschauung... sei jetzt noch rechte Wende dazugekommen.

Scherz beiseite.

Bei einer Betrachtung des Phänomens sollte man vielleicht (was den Älteren leichter fallen wird) eine mittelfristige Entwicklung der Gesellschaft betrachten. Die größte Partei Deutschlands etwa ist in den letzten 20 Jahren kontinuierlich nach links gewandert. Man kann das gut finden oder schlecht; persönliche Ansicht.

Der durchschnittliche AfD Wähler vertritt heute (weitgehend) Positionen, die vor 15-20 Jahren Mitte CDU gewesen sind.
Die Führungscrew ist so durchwachsen, wie sie es bei den Grünen oder Linken auch gewesen ist, als diese Parteien 4 Jahre alt gewesen ist.

Der Fokus auf dem Fehlverhalten einzelner oder dämliche Einzelpositionen behindert nur die Auseinandersetzung mit Themen, vielleicht soll es das sogar. Ich möchte nicht unbedingt eine Neuwahl, ganz nüchtern würde ich im Moment dabei eher einen Zuwachs an AfD Stimmen erwarten, da die letzte Wahl gezeigt hat, daß dies für die Zusammensetzung des Parlaments keine verlorenen Stimmen mehr sind. Eigentlich möchte ich auch nicht, daß eine Partei (Minderheitenpartei) einen Wahlkampf themenmäßig total vorschreibt, was geschehen könnte.

Lies vielleicht mal auf der HP von "Kein Mensch ist illegal" http://kein-mensch-ist-illegal.org
oder auf Facebook über "Weiße Rose Gemeinschaft" https://www.facebook.com/WeisseRoseGeme ... t/?fref=ts

"Dämliche Einzelpositionen" sind in der AfD so sehr keine Einzelfälle, dass man mMn schon eher davon ausgehen kann, dass sie die Regel sind. Ich versteh gar nicht, wo Du das her hast, dass die AfD so harmlos sei. Hat die "Mitte der CDU vor 15-20 Jahren" wirklich nationalsozialistische und menschenverachtende Forderungen gestellt?
Gut, die waren damals wirklich für die Ausbeutung der Armen, aber solch kaum kaschierte Nazi-Ideologien... daran kann ich mich nicht erinnern.
Ich meine, das ist in dem Ausmaß neu und alles andere als harmlos.
Naja mit dämlichen Positionen sind auch Grüne und Linke gut bestückt ...
Nur das sie nicht national reagieren. Und ich habe selbst weder menschenfeindliche noch "rassistische" Töne im AfD Programm gefunden. Kann aber auch daran liegen, das ich nicht zu Gefühlsduselei neige und es eher pragmatisch sehe.

Doch mich wundert dieser Hetzthread in einem buddhistischen Forum.

_()_
jianwang hat geschrieben:
Doch mich wundert dieser Hetzthread in einem buddhistischen Forum.

Bitte was?
Aber gut zu wissen, wie du sonst so die Welt siehst.
Turmalin hat geschrieben:
fotost hat geschrieben:
Ich möchte nicht unbedingt eine Neuwahl, ganz nüchtern würde ich im Moment dabei eher einen Zuwachs an AfD Stimmen erwarten,

ich auch nicht und ich verstehe nicht, was Schulz da macht. Vielleicht geht die SPD dadurch noch mehr in den Keller.
Er behauptet, der Wähler habe ja die große Koalition abgewählt. Naja, einige Leute haben halt AfD gewählt. Und nach deren Pfeife tanzt er jetzt oder wie? obwohl die große Koalition möglich wäre und Jamaika von anfang an etwas absurd war. Und jetzt geht nix mehr, na toll. Die deutsche Kanzlerin kann keine Regierung bilden, infolge des Aufstiegs der Rechten. Das hat Europa grade noch gefehlt.


Naja..CDU und SPD haben beide massiv an Stimmen verloren..daraus kann man schon schließen, dass die große Koalition abgewählt wurde. Außerdem wollte die SPD nicht der AFD das Feld der größten Oppositionspartei überlassen. Das ist nachvollziehbar, finde ich.
Im Prinzip kann eine Minderheitsregierung funktionieren...das geht auch in den skandinavischen Länder. Grundvorrausetzung wäre dann aber, dass die Parteien Toleranz auch vorleben. Da müsste dann jeder von Fall zu Fall entscheiden, was gut fürs Land ist und man müsste Kompromisse eingehen ... strategisches Scharmüzel, welches nur der Machtausweitung der jeweiligen Partei dient...müsste dann in den Hintergrund geraten.... Das ist mit der politischen Kultur die in Deutschland gepflegt wird, aber wahrscheinlich so nicht möglich...Da scheint mehr das ich, ich, ich der jeweiligen Parteien zu zählen....Dann braucht man sich aber auch nicht über den Stimmenzuwachs der AFD wundern....wenn man den Egoismus selbst so vorlebt.
Losang Lamo hat geschrieben:
"Dämliche Einzelpositionen" sind in der AfD so sehr keine Einzelfälle, dass man mMn schon eher davon ausgehen kann, dass sie die Regel sind. Ich versteh gar nicht, wo Du das her hast, dass die AfD so harmlos sei. Hat die "Mitte der CDU vor 15-20 Jahren" wirklich nationalsozialistische und menschenverachtende Forderungen gestellt?


Mit der Idee, daß der Bundeswahlleiter und 15 Landeswahlleiter eine Partei zur Wahl zulassen, die in der Regel nationalsozialistische und menschenverachtende Ideen vertritt machst Du es schwierig, mit Dir zu diskutieren.

Im Prinzip unterstützt Du aber nur meine grundsätzliche Annahme, daß eine Auseinandersetzung über Themen vermieden werden soll.

Ob das jetzt so buddhistisch ist einem großen Teil der Wähler entweder Nähe zu nationalsozialistischen und menschenverachtenden Ideen zu unterstellen oder sie einfach für zu dumm zu erklären um an einem demokratischen Prozess teilzunehmen bezweifle ich. Rechte Rede ist es auf keinen Fall. Hilfreich auch nicht wirklich.
fotost hat geschrieben:
Mit der Idee, daß der Bundeswahlleiter und 15 Landeswahlleiter eine Partei zur Wahl zulassen, die in der Regel nationalsozialistische und menschenverachtende Ideen vertritt machst Du es schwierig, mit Dir zu diskutieren.


http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 66760.html

Sie machen es ja sehr geschickt: sie machen Aussagen, die genau so gemeint sind, wie sie klingen und die Schlagzeilen machen, und surfen dann auf der Empörung. Rudern auf Nachfrage zurück: "das ist nicht so gemeint wie es klingt". Dabei wissen sie genau, welche Grenzen sie nicht überschreiten dürfen, um nicht Gefahr zu laufen nicht mehr wählbar zu sein.

Das mit einer normalen konservativen Partei wie der CDU oder sogar auch CSU zu vergleichen, ist doch eine arg steile These. Die AfD überschreitet regelmäßig und systematisch Grenzen, die die CDU niemals auch nur angekratzt hätte. Dass aber die AfD in alle Richtungen fischt, ist klar, und dass es konservative Wähler gibt, denen die CDU inzwischen zu links ist, auch. Deswegen ist die AfD aber nicht gleich die "neue CDU" - das sind zwei verschiedene Dinge.

Auch muss man sich anschauen: wer lässt sich in der AfD wählen und tritt wie auf - und wer wählt die AfD und warum. Besonders bei den Wählern ist das Spektrum sehr breit und da ist es auch nicht so eindeutig wie bei den meisten Kandidaten und deren Weltanschauungen.

Ausserdem: mit jeder Spaltung der Partei (Lucke, Petry) spalten sich eher gemäßigte und wirtschaftskonservative Leute ab und es bleibt immer mehr der "rechtspopulistische Rest" übrig. Damit rückt die Partei kontinuierlich nach rechts, wie man auch an der Parteiführung erkennen kann.
fotost hat geschrieben:
Losang Lamo hat geschrieben:
"Dämliche Einzelpositionen" sind in der AfD so sehr keine Einzelfälle, dass man mMn schon eher davon ausgehen kann, dass sie die Regel sind. Ich versteh gar nicht, wo Du das her hast, dass die AfD so harmlos sei. Hat die "Mitte der CDU vor 15-20 Jahren" wirklich nationalsozialistische und menschenverachtende Forderungen gestellt?

Mit der Idee, daß der Bundeswahlleiter und 15 Landeswahlleiter eine Partei zur Wahl zulassen, die in der Regel nationalsozialistische und menschenverachtende Ideen vertritt machst Du es schwierig, mit Dir zu diskutieren.

Erstens haben die Wahlleiter nicht über das politische Programm einer Partei zu befinden, sie untersuchen nur formale Kriterien.
Und zweitens war das nicht die Aussage von LL.

fotost hat geschrieben:
Ob das jetzt so buddhistisch ist einem großen Teil der Wähler entweder Nähe zu nationalsozialistischen und menschenverachtenden Ideen zu unterstellen oder sie einfach für zu dumm zu erklären um an einem demokratischen Prozess teilzunehmen bezweifle ich. Rechte Rede ist es auf keinen Fall. Hilfreich auch nicht wirklich.

Ich hätte jetzt auch nicht diese beiden Worte benutzt, zumal es hier ja um eine "Neue Rechte" geht, die zumindest in ihren Führungszirkeln versucht, zu platte Assoziationen mit alte Zeiten öffentlich zu vermeiden - was ihnen aber nicht selten misslingt.
Aber wie die "Alte Rechte" in den 20ern des letzten Jahrhunderts arbeitet sie ganz bewußt mit völlig absurden Verschwörungstheorien und Desinformation ("alternative Fakten")
Hab mir das Programm der AfD (die ja nur ein Arm der Neuen Rechten) ist angeschaut: Schon in der Präambel wird wieder das Märchen von der Nichtsouveränität Deutschland, seiner Fremdsteuerung und Beherrschung durch eine kleine politische Clique erzählt und dann wird wider besserer Kenntnis behauptet, es gäbe in Deutschland ein Problem der "Masseneinwanderung".
Der selbe irrationale Quatsch, der kein bissel zur Lösung der wirklichen Probleme beiträgt, wurde auch schon so vor 90 Jahren erzählt, nur ist das offenbar nicht mehr besonders präsent im kollektiven Bewußtsein, zu was das dann geführt hat.
Typisch Fussball-Kneipen-Stammtisch- Gelaber
Sry, mir zu dumm - geht raus und seht die Realität unserer "Politiker".
Das diese "Wende" besonders in Europa vorhanden ist - für mich nichts Verwunderliches.

Nur nebenbei - man darf keine Partei wählen, wenn man die "Vorposten" sieht und ihre Aussagen.
Das was mich an der aktuellen Lage am meisten besorgt ist in der Tat auch, dass in den 20er Jahren die Sache so gross werden konnte, weil die Lage niemand ernst genommen hat, bis es zu spät war.

Erstaunlich, wie wenige wirklich erkennen, dass heute vom rechten Rand aus mit exakt den gleichen Methoden gearbeitet wird wie damals. Sieht vielleicht nicht so aus, weil jetzt ja alles getwittert wird, statt Flugblätter zu drucken - ist ja moderner - aber die Methoden an sich sind fast identisch.
jianwang hat geschrieben:
Typisch Fussball-Kneipen-Stammtisch- Gelaber
Sry, mir zu dumm - geht raus und seht die Realität unserer "Politiker".
Das diese "Wende" besonders in Europa vorhanden ist - für mich nichts Verwunderliches.

Nur nebenbei - man darf keine Partei wählen, wenn man die "Vorposten" sieht und ihre Aussagen.


Das ist Stammtischgelaber! Und plumpe Demagogie.
Dass es Probleme in Europa und mit deren politischen Repräsentanten gibt, steht ja außer Frage. Aber ebenso, dass die "Rechte Wende" rein überhaupt nichts zu deren Lösung beitragen kann, sondern im Gegenteil, zu deren Verschärfung führt.
Die Gründe habe ich ja genannt, nur du gehst in typischer Manier darauf überhaupt nicht ein.
Grundsätzlich ist die "Neue Rechte" alles andere als neu. "Neu" ist sie in Deutschland lediglich im Vergleich zur Rechten vor '45 (die sich ja nicht nur auf NsDAP und DNVP reduzieren lässt) und zwar insofern als der Antisemitismus der "Alten Rechten" durch einen vergleichsweise unspezifischen Rassismus und Xenophobie ersetzt wurde. Ansonsten gab es diesen braunen Bodensatz in der Geschichte der Bundesrepublik von Anbeginn an (auch, wenn er nur zeitweise an der Wahlurne seine Notdurft verrichtete) und es gab auch immer ein zeitweiliges Übergreifen auf konservativ-bürgerliche Wählerschichten durch rechtspopulistische Parteien, die dann zu ephemeren parlamentarischen Erfolgen führten - von der SRP über die REP (wobei ich "rechtspopulistisch" als Bezeichnung für Parteien wie NPD oder DVU für verharmlosend und daher unangebracht halte) und diverse Eintagsfliegen wie die fast vergessene Partei Rechtsstaatlicher Offensive ('Schill-Partei') bis hin zur AfD.

Insbesondere halte ich REP und AfD für vergleichbar und entsprechend fällt auch meine Prognose hinsichtlich der weiteren Entwicklung der AfD aus. Zur Erinnerung: bei den Wahlen in Baden-Württemberg 1992 stellten die REP mit 10,9 % der Stimmen die drittstärkste Fraktion, 1996 holten sie noch einmal 9,1 %. Auch in Berlin holten sie 1989 7,5 %, bei den Neuwahlen 1990 flogen sie allerdings schon wieder raus. Europawahlen 1989 7,1 % - so viel wie die AfD 2014. REP und AfD haben auch insofern eine besondere Gemeinsamkeit, als sich bei beiden zunächst der abbröckelnde rechte Rand von Unionsmitgliedern und -wählern sammelte (was diese Gründungen dann auch für rechtskonservative Wähler als respektabel erscheinen ließ) und die Suche nach größerem Wahlerpotential diese Parteien schnell weiter nach rechts rücken ließ - nicht ohne erhebliche innere Auseinandersetzungen. Bei den REP ging diese Strategie nach hinten los; nach anfänglichen Wahlerfolgen verlor sie insbesondere im Osten der Republik vor allem Stimmen an die extremere DVU, die dann 2011 selbst in der NPD aufging. Es bleibt abzuwarten, ob die AfD - anders als die REP - den Spagat zwischen national-konservativen ('gutbürgerlichen') Wählern und rechtsextremistischem Pöbel auf die Dauer durchzuhalten vermag. Obwohl ich grundsätzlich eher zu Pessimismus neige, bezweifle ich es.

()
fotost hat geschrieben:
Losang Lamo hat geschrieben:
"Dämliche Einzelpositionen" sind in der AfD so sehr keine Einzelfälle, dass man mMn schon eher davon ausgehen kann, dass sie die Regel sind. Ich versteh gar nicht, wo Du das her hast, dass die AfD so harmlos sei. Hat die "Mitte der CDU vor 15-20 Jahren" wirklich nationalsozialistische und menschenverachtende Forderungen gestellt?


Mit der Idee, daß der Bundeswahlleiter und 15 Landeswahlleiter eine Partei zur Wahl zulassen, die in der Regel nationalsozialistische und menschenverachtende Ideen vertritt machst Du es schwierig, mit Dir zu diskutieren.

Im Prinzip unterstützt Du aber nur meine grundsätzliche Annahme, daß eine Auseinandersetzung über Themen vermieden werden soll.

Ob das jetzt so buddhistisch ist einem großen Teil der Wähler entweder Nähe zu nationalsozialistischen und menschenverachtenden Ideen zu unterstellen oder sie einfach für zu dumm zu erklären um an einem demokratischen Prozess teilzunehmen bezweifle ich. Rechte Rede ist es auf keinen Fall. Hilfreich auch nicht wirklich.

Ich bin jetzt irritiert. Ich richtete meine Rede an Dich, weil ich davon ausgegangen war, dass wir miteinander diskutieren können. Was steht dem im Weg?
Ich dachte, ich hab mich zivilisiert ausgedrückt und respektable Links angeboten.
Woran stößt Du Dich? An meiner Meinung, die ich früher schon in solchen Threads geäußert habe, oder an dem Zitat "dämliche Einzelpositionen"? Da hab ich nur Dich zitiert, um darauf einzugehen.
fotost hat geschrieben:
...
Der Fokus auf dem Fehlverhalten einzelner oder dämliche Einzelpositionen behindert nur die Auseinandersetzung mit Themen,


Der Wahrheitsgehalt Deiner Aussage, die AfD wäre sowas wie die "Mitte der CDU vor 20 Jahren" würde mich ehrlich interessieren. Ich habe hierbei niemanden beleidigt, sondern nur gesagt, das ich diese Aussage nicht nachvollziehen kann.
Vielleicht ist mir Rassismus in der CDU aber früher einfach nicht so krass aufgefallen. Heutzutage werden Fehltritte im Internet ja vervielfältigt und daher kontrastreicher wahrgenommen.
Irgendwo schrieb hier jemand, am Wahlprogramm der AfD "nichts Schlimmes" gefunden zu haben. Ist klar. Die menschenverachtenden Parolen rutschen nur andauernd nebenbei raus. Ups, sorry, das meinten sie aber ja nicht.

Aber auch im Wahlprogramm kann man zwischen den Zeilen deutlich lesen: http://www.bundestagswahl-bw.de/wahlpro ... l2017.html
Ich würde die Spitzen zusammenfassend ganz kurz mit "Ausländer, Transen und Öko-Spinner raus" übersetzen.
Sudhana hat geschrieben:
Obwohl ich grundsätzlich eher zu Pessimismus neige, bezweifle ich es.

Ich kann deinem begrenzten Optimismus, dass sich die Sache schon iwie totlaufen würde, leider nicht teilen.
Dagegen sprechen mehrere Gründe:
1. es ist mittlerweile nicht nur ein europaweites, sondern weltweites Problem (s. besonders USA).
2. es gibt - anders als noch vor 10 Jahren - überhaupt keinen öffentliche rationalen Diskurs mehr - weil sich die Änhänger der "Neuen" eben jenem praktisch totalverweigern und es dank des Durchdringungsgrades sozialer elektronischer Netze in ihrer eigenen Blase auch können.
3. völlig neue Situation bezüglich intellektueller Aufrüstung (rechte think tanks)
Moosgarten hat geschrieben:
Sudhana hat geschrieben:
Obwohl ich grundsätzlich eher zu Pessimismus neige, bezweifle ich es.

Ich kann deinem begrenzten Optimismus, dass sich die Sache schon iwie totlaufen würde, leider nicht teilen.
Dagegen sprechen mehrere Gründe:
1. es ist mittlerweile nicht nur ein europaweites, sondern weltweites Problem (s. besonders USA).
2. es gibt - anders als noch vor 10 Jahren - überhaupt keinen öffentliche rationalen Diskurs mehr - weil sich die Änhänger der "Neuen" eben jenem praktisch totalverweigern und es dank des Durchdringungsgrades sozialer elektronischer Netze in ihrer eigenen Blase auch können.
3. völlig neue Situation bezüglich intellektueller Aufrüstung (rechte think tanks)


Sehe ich auch so. Vor allem wenn man sich die finanziellen Quellen ansieht. Es gibt da auch auf europäischer Ebene sowohl im Intellektuellen bis zu Russland (A. Dugin), wie im Politischen Verbindungen. Auf der politischen Ebene laufen da Begleitprozesse, die dann auch die Rechtslagen verändern können, was man ja im Osten sehen kann.

https://sezession.de/

Bemerkenswert ist dann der Vorgang um Finis Germania - das ja nicht zufällig auf die Liste gekommen ist - und wird vom Antaios Verlag als Spiegel Bestseller beworben. Ich wusste nun, was sich hinter diesem Verlag verbirgt und es dauerte eine Weile, bis dann auf heise.de erste Kommentare dazu kamen und sich empörten.
Das ist schon ein Tiefschlag.
https://de.wikipedia.org/wiki/Finis_Germania

Hier sehe ich Kräfte am Werk, die mich an die Nazis erinnern. Und der Feind ist ja schon ausgeguckt - diesmal sind es Muslime und nicht Juden.
Mir wird es da richtig physisch schlecht und ich ekel mich, wenn ich das an mich heran lasse.
Vielleicht ist auch alles halb so schlimm. Bei der ganzen Trump Geschichte machte ich mir schliesslich auch unnötig Sorgen.

Auch wenn ich gewisse politische Meinungen nicht teile, haben auch Andersdenkende ein Recht ihre Ideale zu leben, solange keine totalitäre Gesellschaft errichtet wird, der Rechtsstaat gewahrt bleibt und Minderheiten geschützt bleiben.
Bakram hat geschrieben:
Vielleicht ist auch alles halb so schlimm. Bei der ganzen Trump Geschichte machte ich mir schliesslich auch unnötig Sorgen.

Unnötig? Ist Dir eigentlich klar, was dort gerade alles passiert? Oder fällst Du auch auf die Tweets herein, die mächtig von den Dingen ablenken, die so alles dort passieren? Ich empfehle die amerikanische Presse, Washington Post (konservativ), New York Times, Democracy Now und viele andere Medien, die guten Journalismus betreiben.
Es ist schlimmer gekommen als befürchtet. Nur bin ich froh darüber, dass in den USA das politische Bewusstsein und Engagement gestiegen ist. Der Schaden ist aber schon entstanden und es würde viele Jahre benötigen den wieder zu reparieren, sollte der Alp-Trump bald enden.

Ich möchte mich völlig Tychiades und Moosgarten anschließen. Nur ist mir schlecht und ich habe keine Möglichkeit das zu verdrängen und mich anders zu fühlen.
Den Totalitarismus hat die Rechte auf ihrer Agenda. In Osteuropa sind sie schon dabei die Demokratie abzubauen. Die Rechten verbünden sich weltweit und haben Netze gewoben. Gemeinsam mit Esoterikern, Verschwörungstheoretikern und Reichsbürgern unterwandern sie die Kultur. Selbst Leute, die nicht rechts einzuordnen sind, finden immer mehr Gefallen an Verschwörungstheorien und kruden Ideen. Sie bilden den Nährboden. Das war vor 1933 ganz genauso. Jeder Mist, der erscheint wird geglaubt. Statt sich zu informieren, wird der Verstand abgestellt.

Minderheiten haben es wieder viel schwerer hier unbehelligt zu leben. Allein die Tatsache, dass es jeden Tag einen Anschlag auf ein Heim gibt, sollte jeder Naivität den Garaus machen.
https://www.merkur.de/politik/zahlen-bu ... 35040.html
Tychiades hat geschrieben:
Hier sehe ich Kräfte am Werk, die mich an die Nazis erinnern. Und der Feind ist ja schon ausgeguckt - diesmal sind es Muslime und nicht Juden.


Juden werden momentan nur deshalb noch ausgespart, weil sie als Argument für die Hetze gegen Muslime gebraucht werden. Aber wenn man die Ohren aufsperrt, dann sieht man, das Antisemitismus nie aufgehört hat. Das fängt schon an zu leuchten, sobald vom personifizierten Teufel in Gestalt von Soros die Rede ist. Die Mär von der jüdischen Weltverschwörung ist virulent wie nie.
Gänzlich entarnt wird die vermeintliche Judenfreundlichkeit aber, wenn es um das Thema Drittes Reich geht, den Holocaust, Denkmäler, Geschichtsunterricht, Erinnerungskultur usw. Da wird der gleiche Schrott verzapft wie vor Jahrzehnten.

Diesmal würden es zuerst die Muslime sein, dann die Sinti und Roma, dann alle Menschen dunkler Hautfarbe, dann die Südosteuropäer, und wenn die Sündenböcke ausgehen, wird man auch offiziell die Juden wieder weg haben wollen. Parallel dazu von Anfang an alle Lesben, Schwulen, Transen, Feministinnen, linke Intellektuelle und Künstler. Und die Russen, die sind dann auch wieder dran. Da wird ihnen Putin, der noch mit den Nazis verbrüdert ist, auch nicht helfen können. Die Slawen galten immer schon als Untermenschen.
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