DIE RECHTE WENDE

Moderator: void

kilaya hat geschrieben:
Es scheint ja so zu sein, dass in Indien tatsächlich extremistische Kräfte an der Regierung sind. Und Indien hat Krieg, Terror und religiöse Unruhen Zuhauf.


Indien, ich unterstelle mal, Du meinst hier das demokratische Indien nach der Unabhängigkeit, war mehrfach Opfer von Angriffskriegen. Jede Nation hat ein Recht darauf, sich dagegen zu verteidigen.
Und Terror in Indien, so er denn auftritt, ging meist von einer einzigen religiösen Gruppe aus.
Leider führt das dazu, daß religiöse Unruhe tatsächlich bei allen Gruppen auftritt.
kilaya hat geschrieben:
Es scheint ja so zu sein, dass in Indien tatsächlich extremistische Kräfte an der Regierung sind.

Zumindest aus religiöser Sicht...

kilaya hat geschrieben:
Und Indien hat Krieg, Terror und religiöse Unruhen Zuhauf.

Wenn man bedenkt, dass Indien größer als ganz Europa ist, relativiert sich das ein wenig, aber: ja.

kilaya hat geschrieben:
Was man als Besucher mitbekommen kann in so einem riesigen Land, wenn man nicht gerade gezielt bestimmte Orte aufsucht, ist ja immer nur ein sehr eingeschränktes Bild.

Definitiv;

fotost hat geschrieben:
Und Terror in Indien, so er denn auftritt, ging meist von einer einzigen religiösen Gruppe aus.

Das stimmt; in Gujarat vergeht im Moment keine Woche, in der nicht Muslime von extremistischen Hindus angegriffen werden. :wink: (sehr zum Entsetzen gemäßigter Hindus übrigens)

Liebe Grüße, Aravind.
fotost hat geschrieben:
Und Terror in Indien, so er denn auftritt, ging meist von einer einzigen religiösen Gruppe aus.
Leider führt das dazu, daß religiöse Unruhe tatsächlich bei allen Gruppen auftritt.


Auch die naxalitischen Maoisten verübten Anschläge


    Allein in diesem Jahr (2009) wurden bislang knapp tausend Menschen von den sogenannten Naxaliten getötet. Paramilitärs und Polizisten sollen die Radikalen nun besiegen,
    ...
    Im Laufe der Jahre gewannen die Naxaliten mit jeder Offensive gegen sie durch die wechselnden Regierungen in Neu-Delhi mehr Anhänger. Inzwischen zählen sie indischen Geheimdiensten zufolge etwa 50.000 Mitglieder und 20.000 Kämpfer in 20 der 28 indischen Unionsstaaten.
    ...
    Der Konflikt hat die bittere Ursache, dass in den vergangenen 20 Jahren über einem Viertel seiner Einwohner rein gar nichts gebracht hat: Die Zahl der Inder, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen, liegt nach Uno-Angaben bei etwa 300 Millionen - kaum weniger als noch vor einem Vierteljahrhundert. Weltweit ist die Zahl der Menschen, die unter dieser Armutsgrenze leben, dagegen von 1,5 Milliarden auf etwa 970 Millionen gefallen.
    ...
    Seit Jahren nehmen sich hier bei Grundbesitzern verschuldete Bauern das Leben, weil sie ihre Familien nicht mehr ernähren können, junge Männer kehren verzweifelt aus den Städten zurück, wo sie vergeblich nach einem besseren Leben gesucht haben. Viele dieser Menschen sehen in den Naxaliten die Rächer der Armen.

Und dieser Terror ist ja aus sozialen Gründen und hat in den besonders armen Regionen seine Basis. Es wird nur in den Medien nicht so stark erwähnt weil islamistischer Terror etwas ist was für die Welt Relevanz hat, während die Naxaliten nur do ein komisches lokales soziales Problem sind.

In dem Wikipedia Artikel steht:


    Bei einem Angriff von mehr als 350 maoistischen Kämpfern auf eine Einheit der indischen Bundespolizei im Bundesstaat Chhattisgarh am 6. April 2010 wurden mehr als 70 Polizisten getötet. Am 29. Mai 2010 töteten Naxaliten 26 Polizisten in einem Feuergefecht in Chhattisgarh. Ein schweres Zugunglück mit mindestens 70 Todesopfern auf der Bahnstrecke Mumbai-Kolkata am 28. Mai 2010 wurde durch die indischen Behörden auf einen Naxaliten-Anschlag zurückgeführt. Bei einem Naxaliten-Angriff auf eine Wagenkolonne der regierenden Kongresspartei im Bundesstaat Chhattisgarh am 26. Mai 2013 starben mindestens 23 Menschen und mindestens 30 wurden verletzt. Der Premierminister Manmohan Singh nannte in einer Reaktion auf den Anschlag die Naxaliten die größte innere Sicherheitsbedrohung Indiens

Dies deutet darauf hin, dass es in Indien politische Instabilität gibt, die eng mit sozialen Problemen zusammenhängt.
Gibt es eine Statistik oder Schätzung dazu wieviele terroristische Anschläge aufgrund von Armut, sozialer Ungleichverteilung, aus tatsächlich rein religiösen Gründen, anderer Ideologien oder aus anderen Motiven verübt werden? Also so in etwa.
Spock hat geschrieben:
Gibt es eine Statistik oder Schätzung dazu wieviele terroristische Anschläge aufgrund von Armut, sozialer Ungleichverteilung, aus tatsächlich rein religiösen Gründen, anderer Ideologien oder aus anderen Motiven verübt werden? Also so in etwa.


Das ist schwierig, weil ja das Religiöse oft mit dem Sozialen zusammenhängt. Allein wenn man das indische Beispiel betrachtet: Da sind ja die Rechten einerseits rassistisch, andererseits such nationalistisch aber eben auch sehr religiös. Und einen Yoga-Minister haben sie auch.

Vielleicht drückt sich ein bestimmter Unmut zu kurz gekommen zu Wein bei uns jetzt als "Rechte Wende" aus der sich früher als linke Bewegung manifestiert hätte? Warum jetzt rechts?
Spock hat geschrieben:
Gibt es eine Statistik oder Schätzung dazu wieviele terroristische Anschläge aufgrund von Armut, sozialer Ungleichverteilung, aus tatsächlich rein religiösen Gründen, anderer Ideologien oder aus anderen Motiven verübt werden? Also so in etwa.

Spannende Frage! Terror aus rein religiösen Gründen kann ich mir so gar nicht vorstellen. Wenn ich religiös gefestigt bin, und nicht von meinen Ängsten (oder Ehrgeiz) zerfressen werde, warum sollte ich dann Andersgläubige umbringen?

Lg, Aravind.
void hat geschrieben:
aus der sich früher als linke Bewegung manifestiert hätte? Warum jetzt rechts?

Das frage ich mich auch. Fast schon süß, wenn es nicht so schockierend wäre, ist die Diskussion um weitere Automatisierung und Wegfall von Arbeitsplätzen. Mein Gott, was tun wir jetzt?
Dabei ist die Zunahme der Produktivität seit 200 Jahren Alltag, und es ist eine Kernaufgabe des Staates und der Gesellschaft, die Verteilung der zugehörigen Gewinne zu organisieren. (bevor mir jemand Sozialromantik unterstellt: ich bin Unternehmer)

Ein unseliger Grund ist sicher der Glaube an den Neoliberalismus. Wie eine solche absurde Theorie quasi zur Staats- und Weltdoktrin werden kann, erschließt sich mir einfach nicht.

Stay tuned, Aravind.
Schlimm finde ich auch dieses Gejammer der AfD, wie undemokratisch die AfD-Gegner seien, wenn sie die Dinge benennen, wie sie sind. Im AfD-Parteiprogramm kann jeder herauslesen, dass Diskriminierung erklärtes AfD-Ziel ist. Öffentlich zugänglich und ganz klar.
Sich da als Opfer darzustellen, sobald sich jemand dagegen wendet, ist ziemlich zynisch. Wenn diese Wölfe Kreide fressen, werden trotzdem keine Demokraten draus.
void hat geschrieben:
Vielleicht drückt sich ein bestimmter Unmut zu kurz gekommen zu sein bei uns jetzt als "Rechte Wende" aus der sich früher als linke Bewegung manifestiert hätte? Warum jetzt rechts?

Manchmal glaubt man halt links die Lösung zu finden, manchmal rechts. Dabei dreht man sich wohl eher im Samsara-Kreis, wenn man die Lösung im Äußeren sucht und nicht im eigenen Geist.
void hat geschrieben:
Vielleicht drückt sich ein bestimmter Unmut zu kurz gekommen zu Wein bei uns jetzt als "Rechte Wende" aus der sich früher als linke Bewegung manifestiert hätte? Warum jetzt rechts?

Ja, macht eig kein Sinn wieso es nicht links ist, aber ich hab ma nachgedacht...

1. Ich glaube das is von Land zu Land verschieden. In meinen Augen ist Deutschland nicht so linksliberal wie es in ruhigen Zeiten gibt oder scheinen mag. Aber es gibt auch so ne Art Pseudolinks, wovon wiederum einige genervt sind, auch Linke selber (Gendersternchen, elitäres Gehabe, Rassismus, Mitläufertum, nicht kritisch genug oder zu viel, usw.). Vieles wird als Fahne hochgehalten, aber is eig bedeutungslos, je nachdem was man als "links" versteht. Postmoderne halt...

2. Gesamtgesellschaftlich nehm ich ausserdem ne gewisse Gleichgültigkeit war und fehlende Solidarität (klar gibts auch immernoch genug Nette). Ich bilde mir ein, dass das aber tatsächlich auch der gesellschaftliche Wechsel von der Moderne (zwar Aufklärung, aber noch familiärer und sozialer Rückhalt stärker betont) zur Postmoderne (bruchstückhafter Individualismus und "anything goes") zu merken war. Ich bin aber auch Ossi und das aus der Hauptstadtzentrum, ich glaube, da is der Effekt noch krasser. Also von "Kinderfesten auf der Strasse mit Nachbarn organisieren und Wäsche auf dem Hof aufhängen, wo jederzeit alle langgehen können, aber egal passiert eh nix" zu "ich hab kA wer in meinem Haus grade wohnt, darf nich mehr raus, wenns dunkel is. Strassenfeste mit Nachbarn und Kuchen gibts auch nicht mehr und auch keine Draussenwäscheleinen zum durchrennen, dafür Zäune". Nich falsch verstehen, ich will den Osten jetzt nich schönreden, sondern nur n Ausschnitt und nen bestimmten Bruch davon zeigen. Ich glaube, dass das viele auch als Bruch zwischen den Epochen und zwischen Nationalität und Globalisierung so empfinden oder sehen, incl. der Ideologien und allem.

Wenn man das als Hauptmerkmale dieser Zeit empfindet (ich meine nicht denkt, sondern wirklich empfindet), dh. nicht als Freiheit, sondern als entwertendes Überangebot an Partnern, an Essen, an Möglichkeiten, usw., nicht als Individualismus, sondern als Einsamkeit und das "anything goes" als absolute Beliebigkeit in jeder Hinsicht versteht (also auch ethisch) und nicht so wie es ursprünglich von Herr Feyerabend gemeint war und denkt genau das sei im Kern liberal, modern und/oder links, dann kann ich das Bedürfnis nach Revisionismus, Seperatismus, usw. als so ne Art Lösung dagegen verstehen. Andere "Traditionalisten" haben ja auch krasse Probleme mit dem vermeintlichen "anything goes" von dem sie glauben, dass das liberal postmodern sei und die Rechten, die jetzt laut sind, die waren davor whrsl mehr unter sich. Is ja nich so, dass sie tatsächlich ganz plötzlich aus dem Boden schiessen.

Das sind halt "Wohlstandsprobleme". So als sei das selber Dekadenz und iwie so gewollt. Also eigentlich sollte man sich doch darüber freuen. Tun aber nich alle.

3. Linksextremisten und Rechtsextremisten betreiben nicht die selbe Art der... ähm "Krisenpolitik".

4. Der Rest ist familiäre, kulturelle "Tradition" (nett gesagt) und/oder Bauchgefühl von den einen und Lautstärke von den anderen, bestimmte Methoden (Propaganda 4.0, virtuelle Scheinriesen, Bürger vor Ort mobilisieren, usw.). Unter den Intellektuellen evtl. Müdigkeit von der Postmoderne. Einige von denen waren davor links, aber da gings einfach nicht genug ab (zumindest behaupten sie das) und so kommt man auch relativ einfach zu Macht. Und dann noch Sicherheitsfragen und Soziales, was scheinbar die Rechten ansprechen und die anderen nicht. Was nicht mal stimmen muss, sondern nur einfach vermehrt subjektiv so wahrgenommen oder behauptet wird. Merkel- und Flüchtlingspolitikkritik gabs zB. auch genug von links, aber die waren halt für die Medien nich so interessant.

5. Das linke politische Angebot wird aus "traditionellen Gründen" (hust) in ihrer Gegend nicht genutzt, denn die linksgrünversifften Teddybärwerfer (sic!) sind ja Traumtänzer, usw. Wobei absurderweise gleichzeitig immer wieder betont wird, dass die Wähler die AfD nicht aufgrund des Programms gewählt haben. Aber um Vernunft geht es vielen auch nicht. Die gleichzeitige Behauptung, dass es genau darum geht, also um den Common Sence is halt propagandabedingt. Jede Propaganda (links, rechts, liberal) behauptet das als Kernaussage, dass es um den "gesunden Menschenverstand" ginge. Aber wer nich so propagandaversiert ist oder für den Kritik was neues ist, der denkt sich vllt "Ja, WOOOW! Wie recht die haben!". Dazu n gefühlt unterrepräsentiertes rechtes Angebot in der Politiklandschaft, sagte mir ein AfDwähler, der mit der CDU unzufrieden war und die FDP für noch schlimmer hielt, als die AfD. Er fragte "Wen soll man denn wählen, wenn man konservativ ist und unzufrieden mit der CDU?", da fiel mir auch nix ein.

Ich glaube das sind Punkte, die es bei den Linken (zur Bundestagswahl und so) nich so gab.
Spock hat geschrieben:
5. ...
Dazu n gefühlt unterrepräsentiertes rechtes Angebot in der Politiklandschaft, sagte mir ein AfDwähler, der mit der CDU unzufrieden war und die FDP für noch schlimmer hielt, als die AfD. Er fragte "Wen soll man denn wählen, wenn man konservativ ist und unzufrieden mit der CDU?", da fiel mir auch nix ein.


LOL, ich hätte da auch keine Antwort :upsidedown:

Den 15-20% Wertkonservativen in unserer Gesellschaft kann man ja auch nicht so einfach sagen, ihr seid unerwünscht.
Die konsequente Linkswanderung der CDU hat da große Lücken in der dargestellten Politiklandschaft gelassen.

Nebenbei ist es nicht wirklich eine Linkswanderung der Partei, sondern eher einiger recht kleiner Gruppen, die im Moment aber die Partei repräsentieren. An der Basis dürfte es an ganz vielen Stellen deutlich anders aussehen.
Ich denke, wenn man unzufrieden mit der CDU ist, ist AfD zu wählen trotzdem keine Alternative. Wenn man ein bestimmtes Essen nicht mag (z.B. halbgare Bratwurst), kann man nicht alternativ stattdessen etwas gänzlich Ungenießbares zu sich nehmen (z.B. Kohle).

Ich hab übrigens grad gelesen, dass Beatrix von Storch zur Zeit bei Twitter gesperrt sei wegen Hass-Sprache.
Losang Lamo hat geschrieben:
Ich denke, wenn man unzufrieden mit der CDU ist, ist AfD zu wählen trotzdem keine Alternative. Wenn man ein bestimmtes Essen nicht mag (z.B. halbgare Bratwurst), kann man nicht alternativ stattdessen etwas gänzlich Ungenießbares zu sich nehmen (z.B. Kohle).

Ich hab übrigens grad gelesen, dass Beatrix von Storch zur Zeit bei Twitter gesperrt sei wegen Hass-Sprache.

Ich formuliers um:

Die Funktionäre der neuen Rechten sind wie gewohnt aus taktischen Gründen provokant (Wählerauftrag, das Programm wars wohl nich).

Die Leute echauffieren sich wie gewohnt. Die Zeit bezeichnet das Krisenfetischismus und die Medien verdienen damit. Egal wie trivial, platt und vorhersehbar es ist, es verbindet (links, wie rechts).

Ich blick nich mehr durch was jetzt angeblich alles nicht funktioniert, aber dieses System funktioniert auf jeden Fall, wie gehabt. Kulturindustrie oder...

Ich formuliers nochma um:

NEU NEU NEU!!! AUFMERKSAMKEIT! Kulturindustrie 2.0. Jetzt auch in der Version "Antikulturindustriekulturindustrie" und mit "Systemkritiksystemkritik", incl. passender Lifestyles... NEU!!! MEHR AUFMERKSAMKEIT BITTE!! NEU! NEUUUUU!

Will einer n T-Shirt dazu? Jetzt mit grosser Wende. Kann man von links auf rechts wenden oder andersrum. Einmal umgedreht, is wie neu.

Ps.: das macht jetzt nur Sinn, wenn du auch die Artikel liest.
@Spock Das trifft den Nagel auf den Kopf. Und manchmal muss man wohl inzwischen wirklich auch einen Aufmerksamkeitsfetischismus betreiben und diesen Stil mit anderen Inhalten oder satirisch verwenden, um sich weitläufig verständlich zu machen.

UNGLAUBLICH! ER WÄHLTE DOCH NUR DIE AFD - DACHTE ER - SEHT HIER WAS DANN GESCHAH!!
@kilaya

Ich weiss nich...

Aus dem Krisenfetischismus-Artikel:
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass das, was am ehesten ein Korrektiv zum unendlichen Metakrisenbewusstsein seine könnte, die, so Giglioli, "allgemeine, positive Idee des Guten" ist. Also genau das, was ursprünglich integraler Bestandteil jeder Krise war: die Möglichkeit der Verbesserung und Genesung. Und es ist ja eben auch nicht so, dass es für aktuelle Krisen nicht genug Lösungsvorschläge gäbe. Wie eine wirklich geschlechtergerechte Gesellschaft aussieht, wie Reichtum sozialer verteilt oder die Wirtschaft nachhaltiger organisiert werden kann, das alles wird seit Jahren und Jahrzehnten fortlaufend diskutiert. Würde man die Krisengeräusche für einen Moment herunterdimmen, könnte man sich diese Vorschläge sogar auch anhören.

Ich glaube es wäre gut, wenn man insgesamt etwas entspannter wäre. Ich meine was bringt es den 100 000sten Artikel mit "Uschi aus der AfD hat den Peter beleidigt." zu lesen?
Das Beispiel war nicht ganz passend für das was ich sagen wollte. Es war halt auch eher eine Satire. Was die AfD selbst angeht wäre eine Mischung aus sachlichen Infos und "Ignore" gegenüber den Aufmerksamkeits-Spielchen wohl am besten. Aber man könnte eben in der Aufklärung Satire vllt. bestimmte Leute leichter erreichen, indem man die gleichen Methoden verwendet, aber die Inhalte austauscht. Ich meine jetzt nicht "Links gegen Rechts" da habe ich Dich schon verstanden. Ich meine mehr: Vernunft gegen Populismus mit teilweise "populistischen" Methoden.
kilaya hat geschrieben:
... indem man die gleichen Methoden verwendet, aber die Inhalte austauscht.

Das hab ich auch erst gedacht, bis ich den Effekt auf der rechten Seite beobachtete. Wachstum, weil Aufmerksamkeitsmagnet. Man macht sie damit wichtiger als sie sind, was sie dann bestätigt. Zum Beispiel ihre Memefluten (vllt war das, wenn auch Ausversehen, sogar ein gutes Beispiel), genau da geht es ja eben nicht um konstruktiven Austausch. Oder auch Andrea Nahles ihr provokanter Fresse-Versuch. Du weisst schon... Sowas passiert bei Strategie-Kopierversuchen. Und wenn man da jetzt etwas anderes markantes von dieser Partei kopieren wollen würde (wenn auch mit anderem Inhalt) ausser das, dann wüsste ich nicht was.
Na ok, da habe ich einen anderen Blickwinkel auf die Memes und Methoden. Clickbait wurde nicht von der AfD erfunden, sondern von bestimmten Webseiten, die auf diese Weise mehr Werbeeinnahmen generieren konnten. Und dann haben es einige Medien kopiert, weil sie Probleme mit zurückgehenden Werbeeinnahmen für kostenlose Angebote haben. Mit wenig Erfolg.

Memes sind ja auch keine Erfindung politischer Gruppen. Sie sind viel älter und wurden von denen einfach gekapert. Man erreicht nun mit dieser "Sprache" bestimmte Bevölkerungsgruppen - und wenn bestimmte Parteien diese Sprache kapern, aber die "Altparteien" sich zu fein dazu sind, dann erreichen sie diese Bevölkerungsgruppen eben schlechter.

Ich verwende Memes völlig unpolitisch um bestimmte Infos zu transportieren. Wenn man in den sozialen Medien etwas in leichter Weise unverändert verbreiten will, gibt es kaum Alternativen. Man muss es nur schaffen, die Message in extrem komprimierter Form rüberzubringen. Das kann auch eine Kunstform sein, oder im esoterischen Bereich werden einfach Weisheiten oder positive Botschaften so verbreitet.

Lieber ein Meme selbst machen als etwas scheinbar eindeutiges aus einer zweifelhaften Quelle weiter teilen.
Ich denke, dass es kein "Reichweitenproblem" der Altparteien ist, sondern der Schmerzgrenze. Es gibt zB. genauso viele linke "digitale Stämme", usw. Und wie du sagst, gibt es schon Meme, Storytelling, Klickbaits und wasnichalles. Aber die pieksen meistens nich in die historische Naziwunde. Das is der Unterschied.

Es gibt wenig was "Wutbürger" so sehr aufregt wie Gutmenschen. Bleibt doch einfach nett zunanda.
kilaya hat geschrieben:
Na ok, da habe ich einen anderen Blickwinkel auf die Memes und Methoden. Clickbait wurde nicht von der AfD erfunden, sondern von bestimmten Webseiten, die auf diese Weise mehr Werbeeinnahmen generieren


Es gibt da eine innere Logik: Wenn man News macht, deren Sinn es lediglich ist, Aufmerksamkeit Werbeinahmen zu generieren, dann ist die Wirkung diese: Statt das die "Nachricht" einen mit der geteilte, oftmals enttäuschenden und ernüchternwn gemeinsamen Realität zu konfrontiert, bestärkt die Filterblase die eigenen Vorurteile und Emotionen.

Natüich auf allen Seiten: Bei linken Gutmenschen, Neoliberalen und Rechten gleichermaßen. Aber insgesamt ist es ein Schritt weg von Ausgleich und Sachlichkeit zu Wut und Empörung. Sagt doch dein vermehrter Sasha Lobo dauernd.
Die entscheidende Frage für mich bei dem obigen Beispiel ist z.B.: wer konnte es sich verkneifen, den Link anzuklicken? Und dahinter ist dann auch noch etwas anderes, als man erwartet. Es ging mir um Veranschaulichung, nicht die exakte Ausführung. Es wurden ja auch die zwei Techniken "Clickbait" und "Meme" kombiniert. Das Meme habe ich schnell zusammengeklickt, weil ich als Linkziel nicht einfach auf die Forumsstartseite gehen wollte. Wenn man sich in den sozialen Medien bewegt, kommt man nicht weit wenn man bestimmte Strukturen nicht nutzt. Aber es muss natürlich rüberkommen, und im Ergebnis muss Substanz folgen. Eine Partei, die sich da selbst auch noch einen zusammenlügt und dann weiter Versprechen bricht und Klientel-Politik macht, die treibt die Leute nur noch weiter von sich weg.
kilaya hat geschrieben:
Eine Partei, die sich da selbst auch noch einen zusammenlügt und dann weiter Versprechen bricht und Klientel-Politik macht, die treibt die Leute nur noch weiter von sich weg.

Ich glaube das hat die berliner SPD (Privatisierungen von Wasser, Energie und allem was nich nietundnagelfest is, illegale Verträge, Korruptionen, "Hartzis ausm Ring. Wir sind das neue NewYork.", usw.) jetzt auch langsam verstanden. ;)
Ich befürchte wirklich verstanden haben das bisher die wenigsten Parteien / Politiker. Sie haben verstanden, was die Leute stört und lernen es mehr oder weniger zu instrumentalisieren, machen dann aber letztlich weiter so. Obwohl ihnen genau das Verhalten immer mehr auf den Kopf fällt. Sie haben nicht verstanden, dass es nicht auf die Worte ankommt, sondern auf die Handlungen. Und dann ist es klar, dass die gewinnen, die mit Worten noch besser umgehen können, auch wenn sie nichtmal ihren eigenen Wählern irgendwas Gutes wollen.
Der Druck hat sich erhöht. Sie haben jetzt zumindest gesehen, dass es zu Problemen führen kann. Ihr weiteres Handeln wird sich dann zeigen.
Wessen Druck ist es denn, und wer erhöht ihn?
Von der rechten zur vollkommenen Wende bzw. Umkehr:
ich habe jetzt ein Dankbarkeitstagebuch angefangen.
Tychiades hat geschrieben:
Von der rechten zur vollkommenen Wende bzw. Umkehr:
ich habe jetzt ein Dankbarkeitstagebuch angefangen.

Ich weiß nicht, ob ich Dich richtig verstehe. Aber das Stichwort "Dankbarkeit" halte ich in diesem Zusammenhang für sehr wichtig.
Dankbar zu sein bedeutet ja nicht, keine Kritik mehr zu üben und sich nicht mehr bemühen vorhandene Schieflagen und Missstände anzusprechen und versuchen zu beseitigen. Nur, wenn ich mir bewusst bin, in welcher freien Gesellschaft, welche friedlichen Gesellschaft wir leben dürfen, dann kann ich mit Problemen ganz anders umgehen. Dazu gehört auch, die Bewusstmachung der Vorzüge, die man in seinem persönlichen Bereich genießen darf (z.B. Freiheit von Hunger, Krieg, Gesundheit, Familie – das ist individuell). Dann sind nicht mehr Frustration und Hass der Motor für mein Handeln, sondern die Wertschätzung unserer Werte und der Wunsch, dass es allen so gut gehen möge wie einem selber und Verbesserungen alle betreffen mögen. Damit ist Ausgrenzung ausgeschlossen :mrgreen: .

Denn in dem ganzen populistischen Geschrei, sehe ich Unzufriedenheit, die zum großen Teil die vorhanden Vorzüge ausblendet und Sündenböcke benötigt, um diese Frustration zu externalisieren. Aus lauter Leichtsinn und Undankbarkeit werden so lustvoll sämtliche Errungenschaften über Bord geworfen. Da wird nie und nimmer was zum Besseren geändert.
Losang Lamo hat geschrieben:
Ich denke, wenn man unzufrieden mit der CDU ist, ist AfD zu wählen trotzdem keine Alternative. Wenn man ein bestimmtes Essen nicht mag (z.B. halbgare Bratwurst), kann man nicht alternativ stattdessen etwas gänzlich Ungenießbares zu sich nehmen (z.B. Kohle).

Ich hab übrigens grad gelesen, dass Beatrix von Storch zur Zeit bei Twitter gesperrt sei wegen Hass-Sprache.

Ich denke, wenn man unzufrieden mit der SPD ist, ist Grüne/Linke zu wählen trotzdem keine Alternative. Wenn man ein bestimmtes Essen nicht mag (z.B. halbgare Bratwurst), kann man nicht alternativ stattdessen etwas gänzlich Ungenießbares zu sich nehmen (z.B. Kohle).

Warum berichtest du nicht auch von der Sperre des Satiremagazins "Titanic" wegen "Hass-Sprache"?
http://blog.fefe.de/?ts=a4b3dbdd

Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Ich weiß nicht, ob ich Dich richtig verstehe. Aber das Stichwort "Dankbarkeit" halte ich in diesem Zusammenhang für sehr wichtig.
Dankbar zu sein bedeutet ja nicht, keine Kritik mehr zu üben und sich nicht mehr bemühen vorhandene Schieflagen und Missstände anzusprechen und versuchen zu beseitigen. Nur, wenn ich mir bewusst bin, in welcher freien Gesellschaft, welche friedlichen Gesellschaft wir leben dürfen, dann kann ich mit Problemen ganz anders umgehen. Dazu gehört auch, die Bewusstmachung der Vorzüge, die man in seinem persönlichen Bereich genießen darf (z.B. Freiheit von Hunger, Krieg, Gesundheit, Familie – das ist individuell). Dann sind nicht mehr Frustration und Hass der Motor für mein Handeln, sondern die Wertschätzung unserer Werte und der Wunsch, dass es allen so gut gehen möge wie einem selber und Verbesserungen alle betreffen mögen. Damit ist Ausgrenzung ausgeschlossen :mrgreen: .

Denn in dem ganzen populistischen Geschrei, sehe ich Unzufriedenheit, die zum großen Teil die vorhanden Vorzüge ausblendet und Sündenböcke benötigt, um diese Frustration zu externalisieren. Aus lauter Leichtsinn und Undankbarkeit werden so lustvoll sämtliche Errungenschaften über Bord geworfen. Da wird nie und nimmer was zum Besseren geändert.

Das klingt wie ein Redebeitrag während der letzten SED-Parteiverammlung, als es um die "Konterrevolution" in der DDR ging.
Schon erstaunlich diese Parallelen. :?
Während bei BvS ja tatsächlich gegen Hass-Sprache vorgegangen wird, hat wohl bei der Titanik jemand von Twitter das Prinzip von Satire nicht verstanden. Sprich: das war ein Fehler und sicher nicht im Sinne des NetzDG...
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Tychiades hat geschrieben:
Von der rechten zur vollkommenen Wende bzw. Umkehr:
ich habe jetzt ein Dankbarkeitstagebuch angefangen.

Ich weiß nicht, ob ich Dich richtig verstehe.


Das macht nichts.

Ich habe da jetzt Schwierigkeiten drauf was zu antworten und fand heute dieses sehr schönen Beitrag über Dankbarkeit aus einem sehr schönen Blog:

http://blog.therese.kosowski.net/2008/0 ... daechtnis/

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