Was ist Metta praktisch?

Moderator: void

Hallo,

ich versuche, meine Meditationen mit einer kurzen Metta-Meditation zu beginnen. Allerdings bleibt das bei mir Lippenbekenntnis - so wie ich das verstanden habe, soll man ja quasi positive Gefühle senden - an sich, an liebe Menschen, an neutrale Menschen bis hin zu schwierigen Menschen. In allen Meditationsanleitungen steht irgendwas wie "Liebe senden" oder Ähnliches.

Selbst bei meinen Kindern - die ich sehr liebe - empfinde ich da aber nichts, wenn ich etwas wie "Möge XY frei sein von Leiden" sage. Nicht falsch verstehen, ich empfinde sehr viel für meine Kinder, aber eben nicht, wenn ich Metta-Sätze vergegenwärtige. Da ich das jetzt schon länger so treibe, glaube ich auch nicht, dass es eine Frage der Zeit ist. Ich bin allerdings generell nicht der Visualisierungs-Typ. Die Frage, wie ich jetzt mit Metta in der Meditation, aber auch im Alltag umgehen soll, beschäftigt mich, weil die Bedeutung von Metta so stark betont wird.

Nun habe ich gelesen, dass manche Metta nicht mit liebender Güte, sondern einfach mit Freundlichkeit übersetzen. Das lässt sich gut praktizieren (da nicht von schwer steuerbaren Gefühlen abhängig), allerdings schlecht meditieren. Lässt sich diese Interpretation halten? Und wenn Metta-Meditation so wichtig ist, was macht man, wenn da keine liebende Güte auftaucht?
Cfant hat geschrieben:
Hallo,

ich versuche, meine Meditationen mit einer kurzen Metta-Meditation zu beginnen. Allerdings bleibt das bei mir Lippenbekenntnis - so wie ich das verstanden habe, soll man ja quasi positive Gefühle senden - an sich, an liebe Menschen, an neutrale Menschen bis hin zu schwierigen Menschen. In allen Meditationsanleitungen steht irgendwas wie "Liebe senden" oder Ähnliches.

Selbst bei meinen Kindern - die ich sehr liebe - empfinde ich da aber nichts, wenn ich etwas wie "Möge XY frei sein von Leiden" sage. Nicht falsch verstehen, ich empfinde sehr viel für meine Kinder, aber eben nicht, wenn ich Metta-Sätze vergegenwärtige. Da ich das jetzt schon länger so treibe, glaube ich auch nicht, dass es eine Frage der Zeit ist. Ich bin allerdings generell nicht der Visualisierungs-Typ. Die Frage, wie ich jetzt mit Metta in der Meditation, aber auch im Alltag umgehen soll, beschäftigt mich, weil die Bedeutung von Metta so stark betont wird.

Nun habe ich gelesen, dass manche Metta nicht mit liebender Güte, sondern einfach mit Freundlichkeit übersetzen. Das lässt sich gut praktizieren (da nicht von schwer steuerbaren Gefühlen abhängig), allerdings schlecht meditieren. Lässt sich diese Interpretation halten? Und wenn Metta-Meditation so wichtig ist, was macht man, wenn da keine liebende Güte auftaucht?

Lieber cfant,

Imho ist ein wesentliches Ziel der Metta-Übung, Dein Herz aufgehen zu lassen, das Gefühl ist erst mal zentral, nicht der Text. Wenn ich nicht in Metta-Stimmung bin (beispielsweise, weil ich mich sehr stresse), dann benutze ich oft ein Bild meiner Enkel, auf dem die beiden unglaublich süß, frech und lebendig aussehen. Dabei öffnet sich mein Herz automatisch, und ich kann gute Wünsche an mich und andere senden.
Ich habe gehört, bei manchen Leuten funktionieren auch Welpen oder Kätzchen als Einstimmung. :)

Lieb Grüße, Aravind.
Bei Mettameditationen fängt man meistens bei sich selber an (wie du schon sagst). Man kann sich da Verschiedenes wünschen zB. "Möge ich gesund und glücklich sein." oder "Möge ich Frieden finden." und wenn sich so n entspanntes Gefühl ausbreitet, dann wünscht man das auch anderen und schaut dass die Entspannung erhalten bleibt, sonst beginnt man die Medi von vorne. Also bei sich selbst.

Im Theravada werden gerichtete Meditationen (die Achtsamkeit ist auf ein geistiges Objekt gerichtet) oder Metta-Meditation teilweise auch als "vorbereitende Übung" bezeichnet, dh. dass sie dabei helfen, dass man entspannt aber wach ist (gegen Trägheit, Unruhe, Sorgen, usw.).

Zu der Frage ob eher friedvoll oder liebende Güte:
meistens trifft es sich ja am Ende. Also wenn ich selber Frieden in mir habe, dann möchte ich niemanden schaden und dass es auch anderen gut geht.
Cfant hat geschrieben:
Selbst bei meinen Kindern - die ich sehr liebe - empfinde ich da aber nichts, wenn ich etwas wie "Möge XY frei sein von Leiden" sage.


Da würde ich wohl auch nichts empfinden... ;-)

Ich formuliere solche Sätze stets für mich um, z.B. bei der Metta-Meditation, wenn ich an meine Frau denke, dann denke ich "Ich wünsche XYZ, dass es ihr gut geht, und dass ich in meinem Herzen nur Gutes, Liebes für sie empfinde..." Das klappt dann schon besser. Jedenfalls bei mir.

Vor allem habe ich mich die ersten Monate, ach, fast ein Jahr, nur mit den Menschen "metta-mässig" beschäftigt, die ich wirklich mag, gern habe, liebe. Die anderen, Bekannte, Kollegen, Nachbarn und solche, die ich gar nicht mag, kamen erst viel später dran. Bei denen, die ich nicht mag, schaffe ich es bis heute nicht wirklich, jedenfalls nicht immer tief empfunden (manchmal gelingt mir ein Anflug von Metta für meine "Spezies" zu empfinden, das sind dann fast Feiertage ;-) ).

Die Metta-Übung ist meine "Haupt-Meditation", eigentlich meine einzige (hin und wieder mache ich auch eine Atem-Meditation, aber nichts geht mir so nahe wie die Metta-Meditation).

Und wenn Metta-Meditation so wichtig ist, was macht man, wenn da keine liebende Güte auftaucht?


Üben, üben, üben... Wie lange machst Du das schon? Ich fast 30 Jahre lang, mehr oder weniger regelmässig...

Schönen Gruss

DW
Meine Erfahrung mit der Metta-Meditation (wahrscheinlich ein wenig ungewöhnlich):

Wenn ich daran denke, was Eltern (er-)tragen müssen, die ihr unheilbar krankes Kind während seiner letzten Lebenswochen begleiten, dann fällt es mir überhaupt nicht schwer, für die meinigen Worte, wie: "Mögen sie frei von Leiden sein", zu formulieren, und genau dies auch tief im Inneren, als brennenden Wunsch, zu empfinden.

Freunden, Bekannten, Leuten, die man hier und dort trifft, sowie Unbekannten, (z.B. in den Krisenregionen unserer Welt), und auch allen Tieren, wünsche ich ebenfalls (tief empfunden) alles Liebe und Gute.

Lange Zeit wusste ich nicht, was ich mit dem letzten Punkt anfangen sollte. Es gab und gibt niemanden, den ich nicht mag.

Ich dachte an Menschen, die Mitmenschen aufhetzen und sie zu Straftaten anstiften, Menschen, die ihre Mitmenschen schädigen, oder ermorden usw., aber auch dort konnte ich höchstens neutral empfinden, denn auch sie haben eine Geschichte, die letztendlich zu dem, was ist, führte.

Ich habe schließlich Menschen, die (berufsmäßig) Tiere töten, in die Metta-Meditation aufgenommen. Auch dies sind keine Menschen, die ich nicht mag, aber sie tun mir, (ebenso sehr, wie die Tiere, die sie töten), leid. Ich bin davon überzeugt, dass ein solcher Beruf im subtilen Bereich (im Unterbewusstsein) schwere Verletzungen hinterlässt. Ich kann weder die Menschen, noch die Existenz der Schlachthöfe, (alternativ Versuchslabors, etc.), und auch nicht das unendliche Leid der Tiere ändern, ... fühle mich so machtlos – aber umso inniger schließe ich verursachende und ausführende Menschen (und die leidenden Tiere) in diese Meditation ein …

LG mkha'
Danke für eure Rückmeldungen. Warum ausgerechnet bei der Metta-Meditation bei mir keine Gefühle kommen ist mir ein Rätsel :mrgreen: Aber na gut, üben wir eben weiter. :)
Cfant hat geschrieben:
Warum ausgerechnet bei der Metta-Meditation bei mir keine Gefühle kommen ist mir ein Rätsel

Das liegt vielleicht an deiner Erwartungshaltung.
Also bei Metta-Meditation müssen nicht unbedingt Gefühle kommen.
Es ist auch ein Erfolg der Metta-Meditation wenn keine Gefühle kommen.
Z.B. keine Haß-Gefühle oder wenn aggressive oder sonstige schlechte
Gefühle schwinden. Darüber kann man dann erfreut sein und schlechte
Gefühle schwinden. Fühlt man sich dann dabei wohl ist das Gefühl genug.
Es geht nicht darum, das eine zu lassen und das andere zu befeuern.
Es geht nicht darum, sich gut zu fühlen, weil man nicht mehr schlecht empfinden würde.

Man kann das gute vergessen, ohne das Böse zu sein.
Spacy hat geschrieben:
Es geht nicht darum, das eine zu lassen und das andere zu befeuern.
Es geht nicht darum, sich gut zu fühlen, weil man nicht mehr schlecht empfinden würde.Man kann das gute vergessen, ohne das Böse zu sein.

Was auch immer, sehr nach dem Buddha hört sich das nicht an.
In der Praxis geht es jedenfalls zunächst darum das Gefühl
durch Abnahme von Gier und Haß zu verbessern.
accinca hat geschrieben:
Spacy hat geschrieben:
Es geht nicht darum, das eine zu lassen und das andere zu befeuern.
Es geht nicht darum, sich gut zu fühlen, weil man nicht mehr schlecht empfinden würde.Man kann das gute vergessen, ohne das Böse zu sein.

Was auch immer, sehr nach dem Buddha hört sich das nicht an.
In der Praxis geht es jedenfalls zunächst darum das Gefühl
durch Abnahme von Gier und Haß zu verbessern.


Ist es nicht schön, dass es sich nicht nach "Buddha" anhört?
Was ist das denn, deine "Praxis"?
In der Praxis geht es nur ums Überleben.
's steht halt nich genau so in seinem "Rezeptbuch"...und dann begreift er's nicht..... :rainbow:
Spacy hat geschrieben:
accinca hat geschrieben:
sehr nach dem Buddha hört sich das nicht an.
In der Praxis geht es jedenfalls zunächst darum das Gefühl
durch Abnahme von Gier und Haß zu verbessern.

Ist es nicht schön, dass es sich nicht nach "Buddha" anhört?
Was ist das denn, deine "Praxis"?
In der Praxis geht es nur ums Überleben.

In der Buddhalehre geht es eigentlich um die Überwindung
des Leidens. Das Leben durch immer wieder neues Leben zu
über-leben ist allerdings nicht die endgültige Praxis der Buddhalehre.
Wenn du diese Lehre so wie eine Bockspringübung aus der Schule ansiehst, wird dir sicherlich Erfolg gegönnt.

Jedoch hat weder das eine noch das andere etwas mit selbigem zu tun.

Schau doch nur der Löwenzahn !!! Die Schmetterlinge...
Siehst du... ? Da
Spacy hat geschrieben:
Schau doch nur der Löwenzahn !!! Die Schmetterlinge...
Siehst du... ? Da

Naiver geht's nimmer. Jedenfalls ist die Buddhalehre
kein Biologieunterricht für kleine Kinder.
accinca hat geschrieben:
Spacy hat geschrieben:
Schau doch nur der Löwenzahn !!! Die Schmetterlinge...
Siehst du... ? Da

Naiver geht's nimmer. Jedenfalls ist die Buddhalehre
kein Biologieunterricht für kleine Kinder.

Sondern
Du bist nur ein weiterer Vertreter der Orthodoxie.
Ob es dir hilft? Egal. Lauf... .
Man muss erkennen wollen, bevor man erkennen kann.
Spacy hat geschrieben:
Man muss erkennen wollen, bevor man erkennen kann.

Soviel Selbsterkenntnis hätte ich dir fast nicht zugetraut.
accinca hat geschrieben:
Spacy hat geschrieben:
Man muss erkennen wollen, bevor man erkennen kann.

Soviel Selbsterkenntnis hätte ich dir fast nicht zugetraut.

Du würdest dich wundern, ...
Spacy hat geschrieben:
accinca hat geschrieben:
Spacy hat geschrieben:
Man muss erkennen wollen, bevor man erkennen kann.

Soviel Selbsterkenntnis hätte ich dir fast nicht zugetraut.

Du würdest dich wundern, ...

In der Tat aber wer will das schon wollen.
Kennst du jemand - du vielleicht?
Ja - ich bin da.
Was bisr du? Das da? 8)
Spacy hat geschrieben:
Ja - ich bin da.
Was bisr du? Das da? 8)

Dolle Sache.
Das implizierte kluge ist immer anders.
Bist du anders?
(Sowieso - explizierte Antwort)

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