Verliebtheit und Meditation

Moderator: kilaya

Niemanden treffen von dem man das Gefühl hat, dass er zu einem passt ist einfach Samsara. Glaub nicht dass man dann was machen kann weil der andere spürt das.Und man selbst kann sich auch nicht verbiegen.
Oder man sieht es dann locker. Nennt man Freundschaft Plus.
"Freundschaft Plus" funktioniert für mich nicht, da ich mich immer ganz öffne. Da gelten die gleichen Prinzipien für "Partnerschaft" und "Sexuelle Begegnung".
Also geht dann eben nichts. Wenn keiner da ist und man sich nach jemand fiktives sehnt-ich finde da kann man nur darüber reflektieren, dass Samsara Leid ist.

Es hat allerdings auch eventuell zu tun mit der Idee des Romantischen was ja eine kulturelle Erfindung Europas ist. In Filmen wird einem das vorgegaukelt. Ist vielleicht nicht so gesund, sowas in den eigenen spirituellen Weg reinzubringen. Man hat dann diese Idee vom spirituellen Partner und im Grunde ist es aus der Idee des Romantizismus. Und dann trifft es halt nicht ein.

Ich sag ja, Nonne ist eine Alternative. Sonst dreht man sich in Gedankenkreisen.
Hier Mooji zum Thema wie man den Wunsch nach einem Partner los wird. Von buddhistischen Lehrern kenn ich so ein Video nicht:

https://www.youtube.com/watch?v=Tgs0_--t0NY
MFS hat geschrieben:
Hallo Leute. :)

Ich bin gerade dabei mich zu verlieben, das erste Mal seit ich praktiziere. Früher mochte ich diese Gefühle. Ich habe mich stundenlangen Tagträumerein hingegeben, dauernd Phantasiegespräche mit der betroffenen Person geführt, mich mit der Verliebtheit abgelenkt und mir damit die Zeit vertrieben, sie "konsumiert" wie eine Droge. Mittlerweile finde ich all das aber ziemlich lästig, ich fühle mich benebelt und "nicht nüchtern". Was mich aber mit am meisten stört ist, dass ich mich während der Meditation nun sehr viel schlechter konzentrieren kann. Ähnlich geht es mir übrigens mit starker Vorfreude.

Wie seht ihr das, ist Verliebtheit für euch nur eine Ablenkung unter vielen oder hat sie einen besonderen Stellenwert? Wie geht ihr während der Meditation damit um? Versucht ihr Verliebtheit eher zu vermeiden? Welche Ratschläge könnt ihr mir geben, um mich davon nicht so vereinnehmen zu lassen (ich kann es ja leider nicht einfach abstellen :D )?

Ich freue mich auf eure Antworten, vielen Dank. :)


Hallo lieber MFS.

Also ich versuche in der Meditation, aber auch im Alltag, die Gefühle und Empfindungen des Körpers möglichst gleichmütig und neutral zu fühlen, mir anzuschauen und einfach damit zu sein.

Möglichst ohne die Geschichten dazu. Einfach nur das Gefühl und die Empfindung. Man kann sich auch anschauen oder fragen wo im Körper das Gefühl oder die Empfindung scheinbar ist und dann gezielter darauf schauen.

Dieses "benebelt fühlen" habe ich eigentlich nur, wenn ich anfange mir Geschichten zu den Gefühlen oder Empfindungen zu erzählen und wenn ich mich darin verliere.

Ansonsten ist es eher belebend.

Es kann auch sinnvoll sein durch die Entwicklung von Geistesruhe (zum Beispiel Achtsamkeit auf den Atem) einen stabileren, stärkeren, neutraleren und gleichmütigeren Geist zu entwickeln, um damit dann die starken Gefühle auch gleichmütig betrachten zu können, ohne sich von Gedanken und den Gefühlen, Empfindungen mitreißen zu lassen. So jedenfalls meine Meinung und begrenzte Erfahrung bis jetzt.

Das ist dann Geschmacks-, Situations- und/oder Charakterfrage ob man die Meditation bewußt in Geistesruhe- (Samatha) und Weisheitsmeditation (Vipassana) einteilt. Oder einfach spontan das anwendet was passend erscheint. Oder garnichts bewußt anwendet, sondern einfach nur sitzt und lebt.

Wenn Gefühle zu stark werden, kann auch vermeiden die beste Lösung sein. Allerdings wird man vor sich selbst nicht auf Dauer weglaufen können. Also irgendwann, wenn man die Kraft dazu hat, wird man sich den Dingen stellen müssen. Aber das ergibt sich auch automatisch. Je mehr Kraft ich habe um so mehr traue ich mir zu und um so abenteuerlustiger bin ich.

Ich denke es ist allgemein gut ein Gleichgewicht zwischen Anstrengung und Erholung, zwischen aktiv und passiv, zwischen männlichen Aspekten in sich und weiblichen Aspekten in sich zu finden.

In der Erholungsphase sammelt man die Kraft und Energie um sich dann den schwierigen und/oder unangenehmen Aspekten des Lebens und/oder der Meditation stellen zu können. Wenn man merkt, dass die Energie aufgebraucht ist, es einem nichtmehr gut tut, dann ist wieder Erholung angesagt. Bis man sich wieder zutraut weiter auf das Schwierige zu schauen. Also ein beständiger Wechsel und ein Zusammenspiel der Polaritäten. :dao:

Also weder sich überfordern, noch sich unterfordern, ist meiner Meinung nach die beste Herangehensweise. Wobei es natürlicherweise dabei passieren kann, dass man an seine Grenzen stösst und sich zeitweise entweder überfordert oder unterfordert. Das ist Teil der Übung, das immer besser einschätzen zu können und ein Gefühl dafür zu bekommen.

Das ist alles nichts was man an einem Wochenende meistert. Dazu braucht es auch Geduld. Daran kann man ein ganzes Leben arbeiten. Es umfasst das ganze Sein. Ganzheitliches Denken hilft.

Im optimalen Fall findest du entweder einer Art inneren Frieden, aus dem heraus du lebst, meditierst und praktizierst - und der eigentlich jetzt schon hier ist, wenn man das Glück hat das zu sehen. Oder dir ist sogar der innere Frieden egal und du bist einfach hier. Aber auch das kann schon zuviel sein. ... ^^

Ich habe am Anfang allgemein über Gefühle und Empfindungen geschrieben. Setze je nach belieben Ärger, Wut, Trauer, Glück, Freude, Liebe, Verliebtheit usw. ein. Die Grundherangehensweise ist die Gleiche.

Ich persönlich schaue mir Verliebtheit einfach an und bin damit, fühle sie, wenn sie auftritt. Ich muß das nichteinmal benennen.

Aber man kann auch eine Metta-Meditation (liebende Güte) daraus machen. Also wenn ich nicht weiß wohin mit der vielen Liebe, dann einfach in die Welt austrahlen lassen. Bevor man platzt. Zum Beispiel wie hier:

Majjhima Nikāya 7
Das Gleichnis vom Tuch - Vatthūpama Sutta

...

13. "Er verweilt, indem er eine Himmelsrichtung mit einem Herzen durchdringt, das erfüllt ist von Liebender Güte [1]; ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte Himmelsrichtung; auch nach oben, nach unten, in alle Richtungen und überall hin, und zu allen wie zu sich selbst, verweilt er, indem er die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringt, das von Liebender Güte erfüllt ist, unerschöpflich, erhaben, unermeßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen."

...
Quelle: http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m007z.html

Das hat meiner begrenzten Erfahrung nach folgende Vorteile: 1. Man bleibt weicher, geschmeidiger, als wenn man diese Gefühle wegdrückt. 2. Man hat etwas zu tun (das Ausstrahlen der Güte), man kommt dadurch von den vielen Geschichten rund um das Verliebtsein weg. Es gibt höchstens noch die Geschichte, dass man gerade Güte in die Welt ausstrahlt. 3. Man ist irgendwann nichtmehr so abhängig von der Zuneigung anderer, dem Wohlgefallen anderer. Man hat das ja selbst in sich, was man vorher bei anderen suchte. 4. Man kommt zu einer umfassenderen Liebe, die sich nicht nur auf eine konkrete Person und nur auf diese Person bezieht, sondern die alle Wesen und die ganze Welt umfasst. Das wiederum hilft natürlich beim Loslassen und auf dem Weg der vollkommenen Befreiung ungemein, wenn sich die Sichtweise auf diese Art vergrößert.

Vielen reicht dieser Zustand dann schon aus. Nach der überlieferten Buddhalehre wie ich sie zur Zeit verstehe, ist dieser Zustand aber nur ein Teilabschnitt auf dem Weg zum vollkommenen Beenden von Unbefriedigtheit und Leid.

Denn auch dieser Zustand soll wohl vergänglich sein und deswegen unbefriedigend bis leidhaft, wenn man daran haftet. Wenn man ihn als ich und mein sieht.

Das heißt aber nicht, dass man diesen Zustand der umfassenderen Liebe meiden muß. Erst wenn man etwas besseres oder leidfreieres findet, würde ich das machen. Und auch auf dem Weg ist es ein ziemlich nützliches Werkzeug oder Hilfsmittel. Gerade in schwierigen Phasen auf dem Weg. Schon allein wegen der stabilisierenden Wirkung auf die Psyche.

Auf dem Weg zu dieser umfassenderen Liebe kann es aber auch zu inneren und äußeren Reinigungsprozessen kommen. Auch da immer aufpassen sich weder zu überfordern noch zu unterfordern. Und im Zweifel auch mal nicht meditieren, wenn es zuviel wird. Oder eine andere Art der Meditation probieren.

Die vorher erwähnte Stabilität und Gleichmütigkeit kann da helfen. Gleichmut ist auch ein Brahmavihara wie liebende Güte, Mitfreude (Freude! :) ) und Mitgefühl. Also bei Bedarf auch den Blick auf diese Aspekte lenken oder gleich umfassend mitpraktizieren.

Majjhima Nikāya 7
Das Gleichnis vom Tuch - Vatthūpama Sutta

...

13. "Er verweilt, indem er eine Himmelsrichtung mit einem Herzen durchdringt, das erfüllt ist von Liebender Güte [1]; ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte Himmelsrichtung; auch nach oben, nach unten, in alle Richtungen und überall hin, und zu allen wie zu sich selbst, verweilt er, indem er die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringt, das von Liebender Güte erfüllt ist, unerschöpflich, erhaben, unermeßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen."

14. "Er verweilt, indem er eine Himmelsrichtung mit einem Herzen durchdringt, das erfüllt ist von Mitgefühl; ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte Himmelsrichtung; auch nach oben, nach unten, in alle Richtungen und überall hin, und zu allen wie zu sich selbst, verweilt er, indem er die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringt, das von Mitgefühl erfüllt ist, unerschöpflich, erhaben, unermeßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen."

15. "Er verweilt, indem er eine Himmelsrichtung mit einem Herzen durchdringt, das erfüllt ist von Mitfreude; ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte Himmelsrichtung; auch nach oben, nach unten, in alle Richtungen und überall hin, und zu allen wie zu sich selbst, verweilt er, indem er die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringt, das von Mitfreude erfüllt ist, unerschöpflich, erhaben, unermeßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen."

16. "Er verweilt, indem er eine Himmelsrichtung mit einem Herzen durchdringt, das erfüllt ist von Gleichmut; ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte Himmelsrichtung; auch nach oben, nach unten, in alle Richtungen und überall hin, und zu allen wie zu sich selbst, verweilt er, indem er die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringt, das von Gleichmut erfüllt ist, unerschöpflich, erhaben, unermeßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen."

...
Quelle: http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m007z.html

Ich habe im Palikanon manchmal gelesen, dass die Himmelswesen aus Mangel an Kraft und/oder Güte in niedrigere Daseinsebenen sinken. In dieser Formulierung steht Kraft gleichberechtigt neben Güte. Güte oder liebende Güte muß also nichts Kraftloses sein und wenn man merkt, dass man dabei Kraft verliert, dann vielleicht den männlichen Aspekt der Kraft mehr stärken bzw. mehr in den Blick nehmen. Wenn dann dieser Pol wieder zu sehr die Oberhand gewinnt auf eine unheilsame Art und Weise, dann sich vielleicht wieder der Güte zuwenden und so weiter.

Es geht mir jetzt nicht darum ob es diese Daseinsebenen wirklich gibt, sondern darum, dass es schön den männlichen und weiblichen Aspekt aufzeigt. Wobei das männliche und weibliche Prinzip sich natürlich nicht auf diese zwei Begriffe beschränkt. Ein Ausdruck eines dieser beiden Prinzipien kann auch sein auf jeden Begriff zu verzichten. Bin mir nur nicht sicher ob das dann männlich oder weiblich wäre.

Man kann also durchaus ein kraftvolles, starkes Wesen sein und gleichzeitig auch liebevoll und weich. Und im richtigen Moment zeigt man entweder mehr die männliche Seite oder die weibliche Seite oder beide Seiten zugleich oder gar keine der beiden Seiten.

Der Weg die Liebe als spirituelles Mittel zu benutzen ist auf jeden Fall ein Abenteuer und nichts für Warmduscher. Trotzdem ist es natürlich auch Warmduschern erlaubt diesen Weg zu gehen. Ich bin ja selbst noch ein großer Warmduscher.

Ich denke auch nicht, dass man zwanghaft nach einem passenden Partner für sich suchen muß. Ich denke, wenn es Zeit dafür ist, wird es sich ergeben. Trotzdem kann man natürlich alles Mögliche unternehmen in dieser Richtung, wenn man will. Aber man muß es nicht.

Und alles nur meine persönliche Meinung. Jeder muß für sich die richtige Herangehensweise und die passende Balance finden. Sollen nur eine paar Anregungen und Gedanken dazu sein.

Vielleicht zum Abschluß noch Mr. Miyagi (leider nur in gebrochenem Englisch):

https://www.youtube.com/watch?v=QsPoBXemFmg
Falls jemand das Video nicht sehen kann : Es geht um Balance im Leben. (Ist nur sehr kurz das Video, es entgeht einem nichts, wenn man nicht draufklickt.)

Liebe Grüße
Hast Du schön geschrieben, Raphy.
:rose:
Sehr gerne liebe Doris. :)

Liebe Grüße
Raphy hat geschrieben:
Hallo lieber MFS.

Also ich versuche in der Meditation, aber auch im Alltag, die Gefühle und Empfindungen des Körpers möglichst gleichmütig und neutral zu fühlen, mir anzuschauen und einfach damit zu sein.
Möglichst ohne die Geschichten dazu. Einfach nur das Gefühl und die Empfindung. Man kann sich auch anschauen oder fragen wo im Körper das Gefühl oder die Empfindung scheinbar ist und dann gezielter darauf schauen.

Das versuche ich auch, nur ist es bei mir oft mehr Gleichgültigkeit. Den Unterschied spüre ich dann sehr deutlich, sobald ich mit mehr Gleichmut meditiere. Das Problem haben aber vermutlich viele, besonders Anfänger. :)


Raphy hat geschrieben:
Dieses "benebelt fühlen" habe ich eigentlich nur, wenn ich anfange mir Geschichten zu den Gefühlen oder Empfindungen zu erzählen und wenn ich mich darin verliere.

Ansonsten ist es eher belebend.

Ich kenne es eigentlich nur in Verbindung mit erfundenen Geschichten, ist mir noch gar nicht so aufgefallen. :?


Raphy hat geschrieben:
Es kann auch sinnvoll sein durch die Entwicklung von Geistesruhe (zum Beispiel Achtsamkeit auf den Atem) einen stabileren, stärkeren, neutraleren und gleichmütigeren Geist zu entwickeln, um damit dann die starken Gefühle auch gleichmütig betrachten zu können, ohne sich von Gedanken und den Gefühlen, Empfindungen mitreißen zu lassen. So jedenfalls meine Meinung und begrenzte Erfahrung bis jetzt.
[...]

Da bin ich gerade dran, nur will mir das noch nicht so wirklich gelingen. Ich drifte kaum komplett von meinem Meditationsobjekt ab, meistens sind aber noch "Parallelgedanken" da.


Raphy hat geschrieben:
Wenn Gefühle zu stark werden, kann auch vermeiden die beste Lösung sein. Allerdings wird man vor sich selbst nicht auf Dauer weglaufen können. Also irgendwann, wenn man die Kraft dazu hat, wird man sich den Dingen stellen müssen. Aber das ergibt sich auch automatisch. Je mehr Kraft ich habe um so mehr traue ich mir zu und um so abenteuerlustiger bin ich.

Ich denke es ist allgemein gut ein Gleichgewicht zwischen Anstrengung und Erholung, zwischen aktiv und passiv, zwischen männlichen Aspekten in sich und weiblichen Aspekten in sich zu finden.

Das hört sich sehr interessant an, finde ich. Meistens wird einem ja gesagt, dass man sich seinen Gefühlen ausnahmslos und immer stellen soll, davon war ich aber noch nie wirklich überzeugt.


Raphy hat geschrieben:
[...]
Ich persönlich schaue mir Verliebtheit einfach an und bin damit, fühle sie, wenn sie auftritt. Ich muß das nichteinmal benennen.

Vom "einfach anschauen" bin ich, besonders was Verliebtheit betrifft, meilenweit entfernt. Ich kenne die aktuelle Person erst seit wenigen Wochen, und auch das nur über Textnachrichten/WhatsApp. Und trotzdem ist eine relativ starke Verliebtheit spürbar, und mittlerweile auch eine beginnende Abhängigkeit (kontrollieren wann sie zuletzt online war, Freunde wenn eine Nachricht kommt, Trauer wenn keine Nachricht kommt, dauerndes Grübeln darüber ob ich ihr schreiben soll oder nicht, usw.). Das ist doch völlig irre...


Raphy hat geschrieben:
Aber man kann auch eine Metta-Meditation (liebende Güte) daraus machen. Also wenn ich nicht weiß wohin mit der vielen Liebe, dann einfach in die Welt austrahlen lassen. Bevor man platzt.
[...]

Metta-Meditation mache ich phasenweise als seperate Meditation, da konnte ich bisher aber noch nicht richtig "reinfinden".


Raphy hat geschrieben:
Ich denke auch nicht, dass man zwanghaft nach einem passenden Partner für sich suchen muß. Ich denke, wenn es Zeit dafür ist, wird es sich ergeben. Trotzdem kann man natürlich alles Mögliche unternehmen in dieser Richtung, wenn man will. Aber man muß es nicht.

Vermutlich will ich keinen Partner, zumindest jetzt nicht. Aber ich unternehme dennoch immer wieder Schritte in diese Richtung. Aber das kenne ich ja schon von den Drogen.

Danke für deine ausführliche Antwort, Ralphy. :)
MFS hat geschrieben:
Hallo Leute. :)

Ich bin gerade dabei mich zu verlieben, das erste Mal seit ich praktiziere. Früher mochte ich diese Gefühle. Ich habe mich stundenlangen Tagträumerein hingegeben, dauernd Phantasiegespräche mit der betroffenen Person geführt, mich mit der Verliebtheit abgelenkt und mir damit die Zeit vertrieben, sie "konsumiert" wie eine Droge. Mittlerweile finde ich all das aber ziemlich lästig, ich fühle mich benebelt und "nicht nüchtern". Was mich aber mit am meisten stört ist, dass ich mich während der Meditation nun sehr viel schlechter konzentrieren kann. Ähnlich geht es mir übrigens mit starker Vorfreude.

Wie seht ihr das, ist Verliebtheit für euch nur eine Ablenkung unter vielen oder hat sie einen besonderen Stellenwert? Wie geht ihr während der Meditation damit um? Versucht ihr Verliebtheit eher zu vermeiden? Welche Ratschläge könnt ihr mir geben, um mich davon nicht so vereinnehmen zu lassen (ich kann es ja leider nicht einfach abstellen :D )?

Ich freue mich auf eure Antworten, vielen Dank. :)


Eine wunderschöne Frage und meinen herzlichen Glückwunsch zur Verliebtheit. Schmetterlinge im Bauch, das ist das Leben. Auch der Buddha wurde gezeugt;)

Für die Meditation aus meinem Zen-Verständnis: beobachten. Es ist halt da und lenkt Dich ab. Und?

Ansonsten alles liebe Dir und Deiner Liebe und wenn's dann doch nicht funkt: Du warst verliebt. Ist doch wunderschön!

Darauf wollte ich eigentlich nicht eingehen, aber hier stehe ich und kann nicht anders:

Carneol hat geschrieben:
Das erinnert mich an einen Text, den ich mal gelesen habe:
Ute Strohbusch (2015): Das weibliche und männliche Urprinzip


Ute Strohbusch hat geschrieben:
Das weibliche Prinzip

    Die weibliche Energie ist erschaffend, bringt die Idee in die Manifestation.

    Die weibliche Energie ist diffus, in die Tiefe und Breite zerfließend, strömend, emotional und ohne Form.

    Sie ist schöpferisch, kreativ, Leben gebärend, aufnehmend, umwandelnd und heilend.

    Die weibliche Energie ist überfließende Liebe und dient sich selbst.

    Das weibliche Prinzip ist HINGABE, es ist EMPFÄNGLICH und PASSIV.



Das männliche Prinzip


    Die männliche Energie ist der Impuls, die Idee.

    Die männliche Energie ist zielgerichtet, nach vorne oben gerichtet wie der Phallus.

    Sie ist kämpferisch, gebündelt, dynamisch, leistungs- und wettbewerbsorientiert und zerstörend.

    Die männliche Energie schützt und hält die weibliche Energie, gibt ihr ein Gefäß, einen Rahmen, eine Sicherheit und Struktur, in der sie sich an sich selbst hingeben und entfalten kann.

    Das männliche Prinzip ist STRUKTUR, es ist HALTEND und AKTIV.

Da muss man erstmal drauf kommen.
Und ich meine jetzt nicht, da müsse Mann erstmal drauf "kommen".

Ich hab' jetzt keine Ahnung, was dieser armen Frau im Leben alles begegnet ist, aber ihre Coaching-Opfer tun mir leid.

Es gibt halt schon einen unterschied zwischen der nicht geschützten Berufsbezeichnung "Coach" und einem Mediziner mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung oder einem Psychologischen Psychotherapeuten (PP). Etwa 16 Semester an der Universität und eine gründliche Supervision durch ausgebildete PP, in auch die eigene Lebensgeschichte inklusive ihrer darin möglicherweise verborgenen Übertragungsfehler beleuchtet werden.

Ich bin jetzt weder Arzt noch PP und will auch beides nicht mehr werden, ich halte gerade die PP - Ausbildung für reformbedürftig und wünsche mir eine Öffnung für Psychologiestudierende M.Sc., auch, wenn sie die dreijährige PP Zusatzausbildung nicht selbst bezahlen können oder wollen.

Aber wenn ich so einen Mist lese,
Ute Strohbusch hat geschrieben:
Ich bin metaphysische Lebensberaterin
, dann können meiner Ansicht nach die Hürden für eine Zulassung als Therapeut*in gar nicht hoch genug sein!

Die männliche Energie ist zielgerichtet, nach vorne oben gerichtet wie der Phallus.

also meiner hängt, selbst, wenn er steht, so'n bisschen nach links unten. Und nu'?

Aber das soll Dich, lieber MFS, nun wirklich nicht stören.

Sei verliebt und hab' Freude an Deinem Leben, ohne jemand anderen dafür leiden zu lassen oder selbst darunter zu leiden.

LG
Andreas

edit: ich hatte versehentlich "psychologischer Psychotherapeut mit "pTT" abgekürzt. Das ist natürlich Quatsch, es muss PP heißen, ich habe es ersetzt. pTT ist die probabilistische Testtheorie, mit der ich mich gerade beschäftige;))
Sehr sympathisch, danke Andreas!
Hürden bei den Therapeuten berühren nicht den metaphysischen Lebensberater - da gibt es keine Hürde. Das Netz ist voller Lebensberater und -innen. Es scheint ein großes Bedürfnis zu sein, andere beim Leben zu beraten. :)
Hallo lieber MFS.

MFS hat geschrieben:
Raphy hat geschrieben:
Hallo lieber MFS.

Also ich versuche in der Meditation, aber auch im Alltag, die Gefühle und Empfindungen des Körpers möglichst gleichmütig und neutral zu fühlen, mir anzuschauen und einfach damit zu sein.
Möglichst ohne die Geschichten dazu. Einfach nur das Gefühl und die Empfindung. Man kann sich auch anschauen oder fragen wo im Körper das Gefühl oder die Empfindung scheinbar ist und dann gezielter darauf schauen.

Das versuche ich auch, nur ist es bei mir oft mehr Gleichgültigkeit. Den Unterschied spüre ich dann sehr deutlich, sobald ich mit mehr Gleichmut meditiere. Das Problem haben aber vermutlich viele, besonders Anfänger. :)

Finde ich super, wenn du den Unterschied schon kennst. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es Manche gibt, die den Unterschied noch nicht erkennen. Einfach weiter üben. Geduld, Geduld, Geduld.

MFS hat geschrieben:
Raphy hat geschrieben:
Dieses "benebelt fühlen" habe ich eigentlich nur, wenn ich anfange mir Geschichten zu den Gefühlen oder Empfindungen zu erzählen und wenn ich mich darin verliere.

Ansonsten ist es eher belebend.

Ich kenne es eigentlich nur in Verbindung mit erfundenen Geschichten, ist mir noch gar nicht so aufgefallen. :?

Ja, bei völlig frei erfundenen Phantasiegeschichten scheint mir dieser Effekt noch stärker zu sein. Vor allem, wenn man anfängt diesen zu glauben. Wobei Phantasiegeschichten den Vorteil haben können, dass man weniger an ihnen hängt, wenn man weiß, dass es einfach ausgedachte Ablenkung ist und sich nüchtern den Effekt anschaut den diese Geschichten auf einen selbst haben, wenn man sich zu sehr damit beschäftigt.

Während die alltäglichen Geschichten ja oft sehr wahr rüber kommen und man ja auch immer wieder von den anderen bestätigt bekommt, dass sie wahr sind, weil die ja auch oft an den Wahrheitsgehalt ihrer Geschichten glauben.

Ich will damit aber nicht sagen, dass man zwanghaft auf alle Geschichten verzichten muss. Wer das kann, super. Aber viele brauchen auch ein Stück weit die Geschichten, so scheint mir. Manche mehr und manche weniger. Deswegen ist es wichtig, wenn man sich schon Geschichten erzählt, dann wenigstens gute Geschichten. Ich bin auch noch nicht fähig, völlig geschichtenfrei zu leben.

Zum Beispiel die Geschichte von den 5 Silas (https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf_Silas, http://www.palikanon.com/wtb/sila.html) oder dem edlen achtfachen Pfad (https://de.wikipedia.org/wiki/Edler_Achtfacher_Pfad, http://www.palikanon.com/wtb/magga.html) finde ich gut und auch heilsam.
Buddha vergleicht in der Überlieferung seine Lehre mit einem Floß, das dafür da ist, mit ihm das Wasser zu überqueren. Aber wenn man auf der anderen Seite angelangt ist, macht es wenig Sinn das Floß weiter herum zutragen. http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m022z.html

Und natürlich sollte man das Floß nicht versenken, wenn man noch auf dem Wasser ist. Da sehe ich die Gefahr bei manchen, dass sie glauben sie wären schon angekommen, obwohl sie es vielleicht noch nicht sind. Aber gut, das muss jeder für sich entscheiden. Ich kann mich auch irren.

Was mir aber gut tut, ist mich nicht ständig gedanklich mit der Lehre zu beschäftigen, sondern den Kopf auch mal frei zu bekommen. Danach denkt und praktiziert es sich auch wieder frischer.

Es gibt ja auch in der Meditation Phasen wo ich weniger bis gar nicht denke. Oder das Denken mehr in den Hintergrund gerät. Sehr befreiend.

MFS hat geschrieben:
Raphy hat geschrieben:
Es kann auch sinnvoll sein durch die Entwicklung von Geistesruhe (zum Beispiel Achtsamkeit auf den Atem) einen stabileren, stärkeren, neutraleren und gleichmütigeren Geist zu entwickeln, um damit dann die starken Gefühle auch gleichmütig betrachten zu können, ohne sich von Gedanken und den Gefühlen, Empfindungen mitreißen zu lassen. So jedenfalls meine Meinung und begrenzte Erfahrung bis jetzt.
[...]

Da bin ich gerade dran, nur will mir das noch nicht so wirklich gelingen. Ich drifte kaum komplett von meinem Meditationsobjekt ab, meistens sind aber noch "Parallelgedanken" da.

Immerhin. Da bist du schon weiter als ich. Ich drifte ständig ab. Allerdings mache ich oft mehr eine objektlose Meditation. Also ich sitze einfach. Und da ist es dann egal, ob ich abdrifte oder nicht. Da ich ja nicht mal auf den Atem unbedingt achte dabei. Ich bin einfach da und schaue was passiert. Und da muss auch noch nicht mal das Schauen mit dabei sein.

Trotzdem haben sich im Laufe der Zeit ein paar hilfreiche Herangehensweisen herausgebildet. Also wenn ich bewusst auf etwas achte, ist es meist der Körper. Entweder in seiner Gesamtheit oder Teile davon oder Gefühle und Empfindungen. Das passt für mich am Besten. Manchmal achte ich aber auch auf den Atem. Vielleicht ist der Atem noch ein zu feines Objekt für mich und deswegen hilft mir der gröbere Körper wohl mehr zur Zeit.

MFS hat geschrieben:
Raphy hat geschrieben:
Wenn Gefühle zu stark werden, kann auch vermeiden die beste Lösung sein. Allerdings wird man vor sich selbst nicht auf Dauer weglaufen können. Also irgendwann, wenn man die Kraft dazu hat, wird man sich den Dingen stellen müssen. Aber das ergibt sich auch automatisch. Je mehr Kraft ich habe um so mehr traue ich mir zu und um so abenteuerlustiger bin ich.

Ich denke es ist allgemein gut ein Gleichgewicht zwischen Anstrengung und Erholung, zwischen aktiv und passiv, zwischen männlichen Aspekten in sich und weiblichen Aspekten in sich zu finden.

Das hört sich sehr interessant an, finde ich. Meistens wird einem ja gesagt, dass man sich seinen Gefühlen ausnahmslos und immer stellen soll, davon war ich aber noch nie wirklich überzeugt.

Wer das kann, Super. Ist sicher sehr hilfreich auf dem Weg und im Leben allgemein, wenn man das kann. Ich bin dazu leider noch nicht fähig.

Auf der anderen Seite gibt es vom Buddha 7 überlieferte Herangehensweisen, Prinzipien wie man Gier, Hass und Verblendung überwindet.

Das sind Sehen, Kontrolle, Gebrauch, Erdulden, Vermeiden, Entfernen und Entfalten.

Erdulden würde dann wohl dem sich ausnahmslosen stellen der Gefühle entsprechen.
Es gibt aber auch Entfernen, wo man unheilsame Geisteszustände entfernt und sie nicht duldet.
Oder man vermeidet Situationen die das Wachsen auf dem Pfad verhindern oder nicht unbedingt nötig sind und den Weg nur unnötig erschweren.

Wenn also eine Übung dazu führt, dass sich Gier, Hass und Verblendung vergrößern, ist das vielleicht auch nicht so gut. Da ja das Ziel der Lehre ist Gier, Hass und Verblendung bis in die feinsten Ausprägungen zu überwinden, zum Schwinden zu bringen.

Aber wie gesagt, wer dazu fähig ist sich seinen Gefühlen ausnahmslos und immer zu stellen, Super. :like:

Majjhima Nikāya 2
Alle Triebe - Sabbāsava Sutta

...

(Triebe, die durch Erdulden zu überwinden sind)

18. "Welche Triebe, ihr Bhikkhus, sollten durch Erdulden überwunden werden? Weise betrachtend erträgt da ein Bhikkhu Kälte und Hitze, Hunger und Durst, und Kontakt mit Stechfliegen, Moskitos, Wind, Sonne und Kriechtieren; er erträgt böswillige, unwillkommene Worte und entstandene körperliche Gefühle, die schmerzhaft, quälend, scharf, bohrend, unangenehm, schmerzlich und lebensbedrohlich sind. Während Triebe, Ärger und Fieber in einem entstehen könnten, der solche Dinge nicht erduldet, gibt es keine Triebe, keinen Ärger oder Fieber in einem, der sie erduldet. Diese nennt man die Triebe, die durch Erdulden überwunden werden sollten."


(Triebe, die durch Vermeiden zu überwinden sind)

19. "Welche Triebe, ihr Bhikkhus, sollten durch Vermeiden überwunden werden? Weise betrachtend vermeidet da ein Bhikkhu einen wilden Elefanten, ein wildes Pferd, einen wilden Bullen, einen wilden Hund, eine Schlange, einen Stumpf, ein Dornengestrüpp, einen Abgrund, eine Klippe, eine Müllgrube, eine Kloake. Mit weiser Erwägung vermeidet er, auf ungeeigneten Sitzen Platz zu nehmen, zu ungeeigneten Lagerstätten zu wandern [10], und sich mit schlechten Freunden abzugeben, da ihn weise Gefährten im heiligen Leben eines üblen Verhaltens verdächtigen könnten, wenn er dies täte. Während Triebe, Ärger und Fieber in einem entstehen könnten, der diese Dinge nicht vermeidet, gibt es keine Triebe, keinen Ärger oder Fieber in einem, der sie vermeidet. Diese nennt man die Triebe, die durch Vermeiden überwunden werden sollten."


((Triebe, die durch Entfernen zu überwinden sind)

20. "Welche Triebe, ihr Bhikkhus, sollten durch Entfernen überwunden werden?

Weise betrachtend duldet da ein Bhikkhu einen entstandenen Gedanken der Sinnesbegierde nicht; er überwindet ihn, entfernt ihn, beseitigt ihn und vernichtet ihn.
Er duldet einen entstandenen Gedanken des Übelwollens nicht; er überwindet ihn, entfernt ihn, beseitigt ihn und vernichtet ihn.
Er duldet einen entstandenen Gedanken der Grausamkeit nicht; er überwindet ihn, entfernt ihn, beseitigt ihn und vernichtet ihn.
Er duldet entstandene üble unheilsame Zustände nicht; er überwindet sie, entfernt sie, beseitigt sie und vernichtet sie.

Während Triebe, Ärger und Fieber in einem entstehen könnten, der diese Dinge nicht entfernt, gibt es keine Triebe, keinen Ärger oder Fieber in einem, der sie entfernt. Diese nennt man die Triebe, die durch Entfernen überwunden werden sollten."

...
Quelle: http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m002z.html

MFS hat geschrieben:
Raphy hat geschrieben:
[...]
Ich persönlich schaue mir Verliebtheit einfach an und bin damit, fühle sie, wenn sie auftritt. mussIch muss das nicht einmal benennen.

Vom "einfach anschauen" bin ich, besonders was Verliebtheit betrifft, meilenweit entfernt. Ich kenne die aktuelle Person erst seit wenigen Wochen, und auch das nur über Textnachrichten/WhatsApp. Und trotzdem ist eine relativ starke Verliebtheit spürbar, und mittlerweile auch eine beginnende Abhängigkeit (kontrollieren wann sie zuletzt online war, Freunde wenn eine Nachricht kommt, Trauer wenn keine Nachricht kommt, dauerndes Grübeln darüber ob ich ihr schreiben soll oder nicht, usw.). Das ist doch völlig irre...

Ja, so ziemlich irre. Aber auch irgendwie normal. Es gibt bestimmt Manche denen es ähnlich geht. Die Unterschiede sind wahrscheinlich nur graduell, wie weit man dann auch Taten folgen lässt oder wie weit man sich damit geistig beschäftigt. Leichte Anwandlungen in diese Richtung kenne ich auch von mir, aber ich gebe dem möglichst keine Nahrung, weil ich es auch irre finde. :)

Aber gut, dass du das siehst. Einige sehen das noch nicht einmal bei sich, so scheint mir. Wichtig ist sich nicht dafür zu verurteilen wie man jetzt ist, aber trotzdem auch keine Dinge zu tun die anderen schaden. Da sind die 5 Silas auch wieder eine super Hilfe und Orientierung, finde ich.

Gerade auch in Zeiten wo man geistig sehr durch den Wind ist und nicht immer weiß was richtig und falsch ist, hat man dann immer die Silas als Linie die man niemals überschreitet.

Je mehr man sich in guten Zeiten die Silas bewusst macht, darüber reflektiert und möglichst auch ihren Sinn und ihre Wichtigkeit wirklich selbst erkennt, umso mehr schützen sie einen auch in den weniger guten Zeiten, sind mehr im Geist präsent und verankert. Aber nur meine Meinung und Erfahrung dazu.

MFS hat geschrieben:
Raphy hat geschrieben:
Aber man kann auch eine Metta-Meditation (liebende Güte) daraus machen. Also wenn ich nicht weiß wohin mit der vielen Liebe, dann einfach in die Welt ausstrahlen lassen. Bevor man platzt.
[...]

Metta-Meditation mache ich phasenweise als seperate Meditation, da konnte ich bisher aber noch nicht richtig "reinfinden".

Ist auch nur eine von vielen Möglichkeiten der Praxis. Ansonsten gilt wie immer: Geduld, Geduld, Geduld. Das sind oft jahrelange, wenn nicht gar lebenslange Prozesse. Meiner Meinung nach.

MFS hat geschrieben:
Raphy hat geschrieben:
Ich denke auch nicht, dass man zwanghaft nach einem passenden Partner für sich suchen muß. Ich denke, wenn es Zeit dafür ist, wird es sich ergeben. Trotzdem kann man natürlich alles Mögliche unternehmen in dieser Richtung, wenn man will. Aber man muß es nicht.

Vermutlich will ich keinen Partner, zumindest jetzt nicht. Aber ich unternehme dennoch immer wieder Schritte in diese Richtung. Aber das kenne ich ja schon von den Drogen.

Alles Gute dir. Und dass du drogenfrei bleibst. :)

MFS hat geschrieben:
Danke für deine ausführliche Antwort, Ralphy. :)

Sehr gerne.

Nur so als kleine Achtsamkeitsübung zwischendurch: Ich werde ohne kleines "L" geschrieben. Ist aber nicht schlimm. :)

Und alles von mir Geschriebene nur (m)eine Meinung.

Liebe Grüße
Halloechen,

solche zustände eignen sich super, um sich seine ganzen inneren Trips und Muster anzuschauen, genau wie du es jetzt machst.
Bevor du praktiziert hast, warst du damit vermutlich unbewußt, jetzt 'arbeitest' du damit.
Alles richtig.

:sunny:
Lucy hat geschrieben:
Halloechen,

solche zustände eignen sich super, um sich seine ganzen inneren Trips und Muster anzuschauen, genau wie du es jetzt machst.
Bevor du praktiziert hast, warst du damit vermutlich unbewußt, jetzt 'arbeitest' du damit.
Alles richtig.

:sunny:

Ja, danach sieht es wirklich aus. :? Rein mit der Verliebtheit könnte ich vermutlich ganz gut arbeiten. Mein Problem ist aber, dass Verliebtheit bei mir mittlerweile Hand in Hand mit Ängsten geht. Und da bin ich mir nicht sicher ob ich das noch bewältigen kann, oder ob ich mich nicht doch besser davor "schützen" sollte. Ich bin gerade dabei den Kontakt zu der Frau, in die ich aktuell verliebt bin, abzubrechen. Ich werde vermutlich in ein paar Sätzen meine Situation erklären. Mir tut das wahnsinnig weh und es ist schwer auszuhalten, aber für alles es nimmt mir zumindest ein Stück weit die Angst. :cry:


@Raphy (diesmal richtig geschrieben :D )
Nochmals vielen Dank für deine Antwort. :)
MFS hat geschrieben:
Ja, danach sieht es wirklich aus. :? Rein mit der Verliebtheit könnte ich vermutlich ganz gut arbeiten. Mein Problem ist aber, dass Verliebtheit bei mir mittlerweile Hand in Hand mit Ängsten geht. Und da bin ich mir nicht sicher ob ich das noch bewältigen kann, oder ob ich mich nicht doch besser davor "schützen" sollte. Ich bin gerade dabei den Kontakt zu der Frau, in die ich aktuell verliebt bin, abzubrechen. Ich werde vermutlich in ein paar Sätzen meine Situation erklären. Mir tut das wahnsinnig weh und es ist schwer auszuhalten, aber für alles es nimmt mir zumindest ein Stück weit die Angst. :cry: )


In der Pubertät ist es ja üblich, dass man so so unglaublich verliebt ist und das dann ganz stark von einer Person zur nächsten verlagert. Während man das als Erwachsener normalerweise nicht hat, so dass extreme Stimmungschankungen wo man zwischen Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt ossziliert, ja sogar als Symptome für ne Borderline-Störung gelten. Bist du dir sicher das das bei dir nicht der Fall ist? "Wahnsinnig weg" und "schwer auszuhalten" klingt schon so nach starkem Leidendruck.
@void
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wurde bei mir tatsächlich schon mehrfach diagnostiziert.
MFS hat geschrieben:
@void
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wurde bei mir tatsächlich schon mehrfach diagnostiziert.


Dann wäre die Frage, gar nicht so sehr konkret "Meditation und Verliebtheit" sondern eher sowas wie "Meditation bei Boderline". Also was da Leute mit einer zum überschäumen neigenden Emotionalität beim Meditieren speziell beachten können.
MFS hat geschrieben:

...

@Raphy (diesmal richtig geschrieben :D )
Nochmals vielen Dank für deine Antwort. :)

Gerne. :)

Liebe Grüße
void hat geschrieben:
MFS hat geschrieben:
@void
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wurde bei mir tatsächlich schon mehrfach diagnostiziert.


Dann wäre die Frage, gar nicht so sehr konkret "Meditation und Verliebtheit" sondern eher sowas wie "Meditation bei Boderline". Also was da Leute mit einer zum überschäumen neigenden Emotionalität beim Meditieren speziell beachten können.

Stimmt, das wäre präziser gewesen.
Bei mir persönlich kommen während der Meditation eigentlich kaum Gefühle auf. Da gibt es "langeweile/ich will aufhören" und manchmal leichte Trauer, und das war's dann auch schon. Mich überrascht das öfters. Man könnte doch meinen, dass es besonders bei Persönlichkeiten wie mir zu starken Gefühlen während der Meditation kommt. Ich vermute aber, dass ich einfach noch nicht dazu in der Lage bin, richtig loszulassen.

Ich komme in der Psychotherapie bei diesem Thema jedenfalls nicht mehr wirklich weiter. Mein Therapeut sagt, ich müsse nur die richtige Frau finden. Ich sage, dass ich auch von der "richtigen" Frau nicht weniger abhängig wäre als von einer beliebigen Frau. Und diese Abhängigkeit bringt ja sehr starke Symptome mit sich. Ich glaube, ein soziales Netz und Freunde würden mir deutlich mehr helfen als eine Liebesbeziehung.
Mein Therapeut sagt, ich müsse nur die richtige Frau finden. Ich sage, dass ich auch von der "richtigen" Frau nicht weniger abhängig wäre als von einer beliebigen Frau.

Kann sein. Muss aber nicht.
Du weißt es schließlich nicht, weil Du ja noch keine Beziehung hattest. Wenn ich Dich richtig verstanden habe, waren es bisher nur Fantasien, und die waren so gestaltet, dass die Fantasien immer befeuert wurden, aber nie die Gefahr bestanden hat, sich wirklich einzulassen. Damit können Fantasien auch nicht auf ihren Realitätsgehalt überprüft werden. Sie sind aufregend, aber auch gefahrlos.
Die Abhängigkeit besteht wohl in der Hauptsache aus der Angst der Andere würde einen doch einmal im Stich lassen, man könne sowieso nicht genügen … und da sucht man sich halt den sicheren Weg: freie Fantasien und Abbruch. Das lässt einem die Kontrolle über eine so angstbesetzte und gefährliche Sache wie Beziehung.
So kommt es zu den widersprüchlichen Signalen, die nur Verwirrung stiften.

Manchmal trifft man auch auf Menschen, die sich davon nicht irritieren lassen. Damit wird die Sinuskurve des emotionalen Auf- und Nieder flacher, und vielleicht meint man dann, den anderen nicht genug lieben zu können, aber solche ruhigeren Beziehungen können einem eher das Gefühl von Sicherheit geben. In einem sicheren Umfeld kann man mit den eigenen Emotionen und Ängsten, dem Gefühl nicht zu genügen aber besser umgehen, man kann sich auch streiten und miteinander wachsen.
Und ja, Freunde sind Gold.

So sind jedenfalls meine Erfahrungen. Kannst Du was damit anfangen? Habe ich Dich überhaupt richtig verstanden?
@Doris Rasevic-Benz

Ja, du hast mich richtig verstanden. :)
Nur ist die Abhängigkeit keine Fantasie, die gab es ja schon bei unterschiedlichen Frauen. Es stimmt aber, dass das keine Liebesbeziehungen sondern Freundschaften waren.


Manchmal trifft man auch auf Menschen, die sich davon nicht irritieren lassen. Damit wird die Sinuskurve des emotionalen Auf- und Nieder flacher, und vielleicht meint man dann, den anderen nicht genug lieben zu können, aber solche ruhigeren Beziehungen können einem eher das Gefühl von Sicherheit geben.

Dem würde ich nicht widersprechen, aber du kennst ja bestimmt den Spruch, "Man muss sich selbst lieben können, bevor man von jemand anderen geliebt werden kann.". Und mit der Fähigkeit, mich selbst zu lieben, ist es bei mir nicht weit her. Vielleicht muss ich mich an diesem Punkt erst "verbessern", bevor eine Liebesbeziehung auch ohne übertriebene Abhängigkeit funktionieren kann. Das wäre zumindest meine Theorie dazu. :?
MFS hat geschrieben:
Dem würde ich nicht widersprechen, aber du kennst ja bestimmt den Spruch, "Man muss sich selbst lieben können, bevor man von jemand anderen geliebt werden kann.". Und mit der Fähigkeit, mich selbst zu lieben, ist es bei mir nicht weit her. Vielleicht muss ich mich an diesem Punkt erst "verbessern", bevor eine Liebesbeziehung auch ohne übertriebene Abhängigkeit funktionieren kann. Das wäre zumindest meine Theorie dazu. :?


Ja, den kenne ich. Ich kenne auch seine Tücken.

Ich denke, dass die meisten Menschen sich bisweilen nicht lieben, also voller Selbstzweifel sind, sich hassen, sich als ungenügend empfinden usw. Beim einen ist das mehr und beim anderen weniger stark ausgeprägt. Würde man also dem Spruch folgen und bei jeder Krise, bei jedem Selbstzweifel die Beziehung kappen "um sich erst selbst lieben zu lernen", dann würde gäbe es wohl fast keine stabile Beziehungen mehr.

In Beziehungen zu anderen Menschen spiegeln wir uns. Beziehungen können auch dabei helfen, das angeknackste Selbstbild zu heilen. Wenn das Selbstbild angeknackst ist, kann man dazu neigen diejenigen Menschen, die einen mögen, für doof zu betrachten, ihnen also nicht zu glauben, dass sie einen positiven Blick auf einen haben.
Mir hat mal vor vielen Jahren jemand gesagt, dass er alle Leute verachte, die ihn mögen, weil sie ja doof sein müssten, ihn gern zu haben, weil wenn sie wüssten, was er für ein Arschloch sei … Was dazu führte, dass er sich zu Menschen, die ihn wirklich liebten, wie ein ebensolches verhalten hat.
Aber manchmal muss man den Menschen vertrauen, und von der Prämisse ausgehen, dass man liebenswert ist. Das geht nur, wenn man lernt die Phasen des Selbstzweifels und des Gefühls der Verlorenheit auszuhalten, ihnen keine übermäßige Bedeutung mehr zuschreibt und sie nicht weiter nährt.
Meiner Meinung nach ist beides notwendig, zu lernen sich auszuhalten und zu lernen von anderen gehalten zu werden.
Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass Selbstzweifel jemals aufhören. Diese Idee habe ich aufgegeben. Was ich aber erlebe ist, dass diese Selbstzweifel seltener sind, weniger intensiv und sehr schnell vorübergehen. Und sie sind nicht alles, was ich erlebe, sondern machen nur einen Teil meines Lebens aus. Das zu erkennen, war sehr wichtig für mich.

Eine extrem wichtige Erkenntnis für mich: Man kann nicht jeden lieben. Das klingt so selbstverständlich, aber für einen Menschen mit Selbstzweifel ist das mehr als nur eine Phrase, wenn sie ernst genommen wird. Das bedeutet nämlich, wenn man abgewiesen wird, dann ist das nicht, weil man nicht liebenswert ist, sondern weil der Spruch auch andersherum gilt: Ich kann nicht jeden lieben, also muss ich es akzeptieren, dass auch ich nicht von jedem geliebt werden kann. Es ist nicht meine Schuld, wenn der Andere mich nicht lieben kann, selbst wenn er versucht mir das einzureden (ich gehe von "normal" netten Menschen aus, nicht von Serienmördern :D ).

Das sind jedoch Erkenntnisse, zu denen ich auch durch Beziehungen zu anderen gelangt bin. Denn während ich mich innerlich zerfleischte, liebten sie mich einfach. Ihre Realität deckte sich also nicht mit meiner inneren Realität. So ein Widerspruch kann ganz schön erhellend sein.
Im Grunde geht es wohl immer darum, das negative Gedankenkarussell zu unterbrechen und wieder zum Alltag zurückzukehren. No drama!

Was ich letztendlich sagen will, dieses Postulat, man müsse sich erst selbst lieben lernen, bevor man andere lieben kann, kann auch dazu verwendet werden, das Gefühl des eigenen Ungenügens weiter zu befeuern. Denn der nächste Selbstzweifel wartet immer vor der Tür … Ich finde es nicht einfach, da einen vernünftigen Mittelweg zu finden, aber offenbar ist das über die Jahre erlernbar.
Wie mir scheint geht es auch hier um das erkennen der Extreme. Wie Du sagst wartet der nächste Selbstzweifel schon, das heißt auch das das nächste Extrem in das ich fallen kann schon gelegt ist.
Andererseits hat es mir geholfen das ich nicht diesem Extrem ausweichen will, es vermeiden, nicht haben wollen. Mir hilft das erkennen und das bewusste nicht Gedanken-anhängen an einem Erkannten gegen das andere.

Verliebtheit und Meditation sind ja die Extreme oder das zwischen dem gewählt werden kann. Wählt man das eine meldet sich das andere. Das ist so. In der Meditation stört die Verliebtheit und in der Verliebtheit stört die Meditation oder das Stillsein, denn da will ich ja verliebt-sein, weil das aber immer Erregung ist stört der Gedanke an Still-Ruhig-sein, Meditation. Wenn ich jemanden nicht mögen will, weil ich glaube zu wissen wie der zu sein hat, wende ich mich von dem ab der in mir sagt das der doch eigentlich ganz normal sein muss, weil er ein Mensch ist.

Wo ist der "Fehler"? Der liegt in dem Denken in den Gegensätzen. Wenn ich in Gedanken wählen kann wende ich mich in Gedanken gegen das Andere und das Andere wehrt sich gegen dieses Abwenden durch Aufmerksam machen. Dieses Gedanken anhängen muss ich zulassen und gleichzeitig die Wahlobjekte erkennen. Die Gedanken wählen ein Objekt, Verliebtheit oder Meditation, das ist so, das ungeliebte, nicht gewählte, weht sich durch Gedankenmachen. Und genau da setzt das Bewusste-Sein an. Diese Einmischung des nicht gewählten wird unterbrochen. Jetzt ist Verliebtheit dran und das wird jetzt getan, Meditation wird der Gedankenhahn abgedreht, mit der Ankündigung das sie auch bald das Recht der ungeteilten Aufmerksamkeit bekommt, jetzt wird nicht geteilt. (Edit: Jetzt kann nie geteilt sein. Nachdenken bringt: Ich bin zuspät, ich bin zuspät.)

Wählen ist das Problem. Doch ohne Entscheidung für etwas gibt es kein Handeln. Entscheiden hat die Wirkung der Handlung und die Wirkung der Nichthandlung gegenüber dem nicht gewählten. Dann setzt der Gedankenmachen-krieg ein, zwischen dem Auserwählten und dem der Abgewiesen wurde. Der kann nur beendet werden indem ich mich darin übe das für jetzt gewählte mit meinem Ganzen Sein tue und mich nicht von der beleidigten Leberwurst in mir oder auch außerhalb von mir bedrängen lasse, wer beleidigt sein möchte darf das sein nur jetzt stört es mich nicht und nachher ist das nicht gewählte, abgewiesene daran. Wenn es dann immer noch beleidigt ist lass ich es beleidigt sein und wähle das andere.

Der höchste Weg
ist nicht schwierig,
nur ohne Wahl.
Hasse nicht,
liebe nicht,
dann ist es klar,
und eindeutig.

Der Weg ist ohne Wahl weil er nicht Wählt, also abwägt was zu tun ist, wenn eigentlich schon klar ist was zu tun ist. Die Entscheidung ist schon getroffen, man weiß was zu tun ist und dann fängt man an in Gedanken zu wählen, nach der Entscheidung. Mach es oder lass es aber mach Dir keine Gedanken darüber ob lieben oder hassen, denn Entscheiden heißt eben selbstverständlich etwas zu tun was jetzt zu tun ist und etwas zu lassen das jetzt nicht zu tun ist.
Wähle, Wäge nicht, Entscheide. Mach es oder lass es. Versuchen ist tun, es gibt kein Versuchen. Unsere Gedankengebäude versuchen uns.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Ich denke, dass die meisten Menschen sich bisweilen nicht lieben, also voller Selbstzweifel sind, sich hassen, sich als ungenügend empfinden usw. Beim einen ist das mehr und beim anderen weniger stark ausgeprägt. Würde man also dem Spruch folgen und bei jeder Krise, bei jedem Selbstzweifel die Beziehung kappen "um sich erst selbst lieben zu lernen", dann würde gäbe es wohl fast keine stabile Beziehungen mehr.

:like: :like:
Selbstliebe hilft enorm, eine erwachsene Beziehung zu führen. Aber, wie Doris sagt, auf die perfekte Selbstliebe können die meisten von uns nicht warten... 8)

Das gleiche gilt für "die Richtige". Was, wenn die Dir über den Weg läuft, und Ihr aus Unerfahrenheit die Beziehung vor die Wand fahrt? Lieber mit der "etwas richtigen" Frau üben... :wink:


Liebe Grüße, Aravind.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Was ich letztendlich sagen will, dieses Postulat, man müsse sich erst selbst lieben lernen, bevor man andere lieben kann, kann auch dazu verwendet werden, das Gefühl des eigenen Ungenügens weiter zu befeuern. Denn der nächste Selbstzweifel wartet immer vor der Tür … Ich finde es nicht einfach, da einen vernünftigen Mittelweg zu finden, aber offenbar ist das über die Jahre erlernbar.

So hatte ich das bisher noch nicht betrachtet, hört sich für mich aber auch vernünftig an. Vielleicht kann man es so sagen: Ein gewisses Maß an Selbstliebe ist für eine gesunde, stabile Partnerschaft von Vorteil. Diese Selbstliebe muss aber nicht "perfekt" oder grenzenlos sein. :)


Ellviral hat geschrieben:
[...]
Wo ist der "Fehler"? Der liegt in dem Denken in den Gegensätzen. Wenn ich in Gedanken wählen kann wende ich mich in Gedanken gegen das Andere und das Andere wehrt sich gegen dieses Abwenden durch Aufmerksam machen. Dieses Gedanken anhängen muss ich zulassen und gleichzeitig die Wahlobjekte erkennen. Die Gedanken wählen ein Objekt, Verliebtheit oder Meditation, das ist so, das ungeliebte, nicht gewählte, weht sich durch Gedankenmachen. Und genau da setzt das Bewusste-Sein an. Diese Einmischung des nicht gewählten wird unterbrochen. Jetzt ist Verliebtheit dran und das wird jetzt getan, Meditation wird der Gedankenhahn abgedreht, mit der Ankündigung das sie auch bald das Recht der ungeteilten Aufmerksamkeit bekommt, jetzt wird nicht geteilt. (Edit: Jetzt kann nie geteilt sein. Nachdenken bringt: Ich bin zuspät, ich bin zuspät.)

Wählen ist das Problem. Doch ohne Entscheidung für etwas gibt es kein Handeln. Entscheiden hat die Wirkung der Handlung und die Wirkung der Nichthandlung gegenüber dem nicht gewählten. Dann setzt der Gedankenmachen-krieg ein, zwischen dem Auserwählten und dem der Abgewiesen wurde. Der kann nur beendet werden indem ich mich darin übe das für jetzt gewählte mit meinem Ganzen Sein tue und mich nicht von der beleidigten Leberwurst in mir oder auch außerhalb von mir bedrängen lasse, wer beleidigt sein möchte darf das sein nur jetzt stört es mich nicht und nachher ist das nicht gewählte, abgewiesene daran. Wenn es dann immer noch beleidigt ist lass ich es beleidigt sein und wähle das andere.
[...]

Du hast da einen für mich persönlich sehr wichtigen Punkt angesprochen. Normalerweise läuft es bei mir so ab: Ich nehme mir etwas vor ("Ab jetzt bleibe ich konzentriert - in der Meditation, im Alltag, in der Arbeit.", "Ab heute esse ich kein Fleisch mehr!", "Ab heute mache ich Diät!"). Sobald ich mich dann einmal nicht mehr komplett an meine Vorgaben halte, fühle ich mich als Versager.

Nach deinem Kommentar gestern Mittag habe ich dann versucht, etwas weniger dogmatisch zu denken. Ich habe morgens meditiert und die Verliebtheit und alles andere in dieser Zeit möglichst gut ausgeblendet. In der Stunde danach bis zur Ankunft in der Arbeit habe ich es mir "gegönnt", mich der Verliebtheit hinzugeben. Während der Arbeit habe ich dann wieder versucht, mich möglichst gut darauf zu konzentrieren. Und so ging es dann immer weiter, und ich habe das Gefühl, dass ich nun ein bisschen besser mit meiner Situation umgehen kann. Zumindest sehe ich da noch viel Potential.

Vielen Dank für eure Kommentare. :)
Ich würde gerne ein bisschen differenzieren.

"Selbstliebe" klingt so als ob man immer himmelhochjauchzend über sich denkt und empfindet. Also, im Grunde genommen kann das als Selbstverliebtheit verstanden werden.
Aber ich verstehe unter "Liebe", dazu gehört auch die Liebe zu sich selbst, "miteinander durch Dick und Dünn zu gehen". Also auch zu sich stehen, wenn man mal nicht zu sich stehen kann, wenn man gerade dabei ist sich selbst zu zerfleischen, sich zu hassen, sich vor sich selbst zu ekeln. Das hat was mit Aushalten zu tun, Geduld und Abwarten. Ich kann mich also auch selbst lieben, wenn ich das mal anders empfinde, einfach indem ich mir gegenüber nicht die Hoffnung und die Geduld verliere. Damit legt man dann weniger Gewicht auf momentane Gefühle, sondern nimmt eine grundlegende Haltung ein. Normalerweise lieben uns unsere Eltern auch, wenn wie ihnen Mühe machen oder in einer schwierigen Lebensphase sind. Diese Elternhaltung können wir uns selbst gegenüber einnehmen. Wir können dies auch lernen, wenn wir das von den realen Eltern nicht in ausreichendem Maße bekommen haben. Ist halt schwer, aber nicht unmöglich.

Der Dharma lehrt, dass alles vergänglich ist. Somit sind auch diese Tiefen vergänglich. Wenn ich also gerade in Selbstzweifeln versinke, dann kann das Wissen um die Vergänglichkeit dieses Zustandes hilfreich sein.

Im übrigen sehe ich im Selbstzweifel Nutzen: Er hilft bei unserer Entwicklung weiter. Nur wenn er alles beherrschend wird, den Blick auf anderes verstellt, zu einem statischen, lähmenden Zustand führt, ist er schädlich. Sich wegen Selbstzweifel abzulehnen ist daher kontraproduktiv. Besser ist es, dies als grundlegende Tugend zu betrachten und sie in einer günstigen Weise kultivieren zu lernen. Anfangen kann man mit dieser Sichtweise, indem man sich z.B. überlegt, dass man andere, denen es genauso geht, besonders gut verstehen kann. Wie erleichternd ist es doch, Leute zu finden, die einen verstehen! Das kennen wir alle. So hat dieser Selbstzweifel, den wir aufgrund des Missempfindens, das er auslöst, ablehnen und als persönlichen Makel werten, schon den ersten positiven Aspekt und bildet zugleich eine Brücke zu den Mitmenschen. Gleichzeitig kann man sich schon allein damit in einem besseren Licht sehen.
@Doris Rasevic-Benz

Mit "Selbstliebe" habe ich ziemlich genau das gemeint, auch wenn das Wort zugegebenermaßen nicht besonders treffend ist. :)

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