Mara, bzw. "das Böse"

  • Ich möchte anmerken, dass der Begriff "das Böse" eher was christlich Angehauchtes ist.

    Zumindest fehlt diesem Begriff im buddhistischen Kontext die moralisierende Komponente. Gerade in Bezug auf Māra ist das 'Böse' identisch mit der Fortsetzung von Alter, Krankheit und Tod bzw. die Vereitelung der Befreiung davon.

    Niemand kann Alter, Krankheit und Tod entgehen.

    Jeder hat die Möglichkeit sich von der Anhaftung an illusionäre Ideen zu Alter, Krankheit und Tod zu befreien :rainbow:

    Mögen alle Lebewesen wohlauf und glücklich sein

    Verehrung Ihm, dem Erhabenen, Heiligen, völlig Erwachten!

  • Das Böse, auch christlich angehaucht, entspricht dem Verständnis nach, durchaus dem Begriff "Mara". Es erscheint zusammen mit dem Begehren, der Gier und ist wohl auch untrennbar damit verbunden.

    Das Böse ist aber eher eine uralte Metapher und keineswegs christlich angehaucht. Es kommt ja u.a. aus dem jüdischen und wird sichtbar durch das Gesetz. Generell hat es seinen Ursprung im unterscheidenden Bewusstsein.

  • Wer bestimmt den auf dieser Welt bzw. in unserer Gesellschaft wer die Guten bzw. die Bösen sind?


    Wobei ich bei meiner Einschätzung bleibe, dass meine persönliche Lebenserfahrung, so war, dass ich mehr auf Menschen traf, die überwiegend keine guten Absichten hatten, wobei vielleicht vielen das nicht bewusst war und ist, weil sie gar nicht drüber nachdenken.


    Die besten Wesen auf diesem Planet waren Tiere, die mir begegnet sind, wobei ich nur mit Haustieren zu tun hatte, also meinen Hunden, die waren allesamt den Menschen weit überlegen.


    Ich hoffe, ich erlebe es noch, dass ich auch noch positive Erfahrungen machen darf in meinem Leben. Die jetzige Gesellschaft steht für mich am Abgrund - Tendenz zu einem Umdenken nicht erkennbar - dies ist eine globale Aussage nicht auf mein Sandkorndasein. LG Son

  • Ich hab über das Böse viel nachgedacht. Zu Beginn muss man aber sicher schreiben, dass das Böse ein gefährlicher Begriff ist, der zum Missbrauch einlädt. Der DL hat die Gründe gut dargestellt.


    Die Frage bleibt dennoch, ob sich das Böse auf innere Eigenschaften, Persönlichkeitsstrukturen anwenden lässt. Wenn man die buddhistische Trias Gier, Hass, Verblendung benutzen möchte, dann kann man die Verblendung gut mit dem Narzissmus in Verbindung setzen, scheint mir. Der bekannte Psychoanalytiker Kernberg hat dazu eine fortschreitende Kette vom harmlosen Narzissten bis zum bösartigen Narzissten gezeichnet und im Detail in Hinsicht auf forensische Psychiatrie beschrieben.


    Das bedeutet überhaupt nicht, dass alles Destruktive in der Welt auf den Narzissmus zurückzuführen wäre! Beispielsweise zeigten schon in den 60ern Tests, wie manipulierbar Menschen sind, andere zu quälen. Dies wurde im Zuge des Eichmann Prozesses zum Ziel psychologischer Forschung.

  • Was für mich ein wichtiger Aspekt ist, ist die Unterscheidung zwischen einer Person und dem, was die Person tut. Ich betrachte keinen Menschen als "böse", aber Menschen tun böses, und damit muss man umgehen. Für mich ist die buddhistische Umgangsweise, so schwer sie auch zu halten ist, dass man das Verhalten sanktioniert, aber dem Menschen deswegen nicht böse ist und man schon gar nicht Hass o.ä. empfinden sollte. Also: handeln, aber ohne Hass oder Zorn, vllt schafft man sogar, es mit Mitgefühl zu tun. Das ist eine Übung, an der man sich täglich messen kann.


    Ich habe das mal beim Dalai Lama gelesen, leider weiss ich nicht mehr wo, als er gefragt wurde, worauf die "zornvollen Gottheiten" den zornig seien, da Zorn ja als Störgefühl gelte. Er sagte sinngemäß, dass der Zorn sich als zerstörerische Energie auf das Verhalten richte, aber niemals auf den Menschen selbst. Es gebiete das Mitgefühl dem Schützer, dem Menschen zu helfen, sein zerstörerisches Verhalten aufzugeben. Da er sich ja auch selbst damit schadet. Das war für mich einleuchtend und etwas, an dem ich immer versuche, mich zu orientieren.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
     OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Was für mich ein wichtiger Aspekt ist, ist die Unterscheidung zwischen einer Person und dem, was die Person tut. Ich betrachte keinen Menschen als "böse", aber Menschen tun böses, und damit muss man umgehen. Für mich ist die buddhistische Umgangsweise, so schwer sie auch zu halten ist, dass man das Verhalten sanktioniert, aber dem Menschen deswegen nicht böse ist und man schon gar nicht Hass o.ä. empfinden sollte. Also: handeln, aber ohne Hass oder Zorn, vllt schafft man sogar, es mit Mitgefühl zu tun. Das ist eine Übung, an der man sich täglich messen kann.


    Ich habe das mal beim Dalai Lama gelesen, leider weiss ich nicht mehr wo, als er gefragt wurde, worauf die "zornvollen Gottheiten" den zornig seien, da Zorn ja als Störgefühl gelte. Er sagte sinngemäß, dass der Zorn sich als zerstörerische Energie auf das Verhalten richte, aber niemals auf den Menschen selbst. Es gebiete das Mitgefühl dem Schützer, dem Menschen zu helfen, sein zerstörerisches Verhalten aufzugeben. Da er sich ja auch selbst damit schadet. Das war für mich einleuchtend und etwas, an dem ich immer versuche, mich zu orientieren.

    Ich beziehe mich auf einen Dialog mit Howard C. Cutler. Folgende Gründe nennt der DL dafür, den Begriff des Bösen nicht zu verwenden:


    • Gefahr der Manipulation: Politische oder religiöse Führungspersönlichkeiten können mittels Schwarzweißmalerei Menschen aufwiegeln, sodass es zur Dämonisierung einer Person oder Gruppe und schlussendlich zu deren Entmenschlichung kommt.
    • Sehen wir die Natur eines Menschen als dauerhaft und unabänderlich böse an, so scheint dessen Beseitigung die einzige Lösung. Doch gibt es Gründe und Bedingungen, die dazu führen, dass sich ein Mensch destruktiv verhält. Daher kann destruktives Verhalten vorübergehender Natur sein. Das eröffnet die Möglichkeit für Veränderungen.
    • Das Etikett hindert uns daran, die wirklichen Wurzeln und Ursachen eines Verhaltens ausfindig zu machen. Das kann dazu führen, dass man das eigentliche Problem absichtlich anzugehen vermeidet.
  • ... das kann ich sehr gut nachvollziehen, denn meine Schnurrer gehören zu einfühlsamsten mir bekannten Wesen.

    Hier kann man solche "Schnurrer" auch ab und zu sehen.

    Was meist du was die schnurren wenn sie eine kleine niedliche Maus

    oder ein kleines Vögelchen gefangen haben. Da kann man jedes mal

    froh darüber sein das die "Schurrer" nicht größer sind.

  • Hallo,


    ich bin wirklich ein großer Befürworter der buddhistischen Basis Lehren. Wenn ich sagen würde, ich kenne mich in der Tiefe aus würde ich lügen. Aber das habe ich schon öfter geschrieben, ich halte mich wie die Christen (wenn sie es denn tun...) an die 10 Gebote, so versuche ich mich an den 8fachen Pfad zu halten, die vier edlen Wahrheiten bzw. erkenne auch die Geistesgifte an.


    Und ich schaffe es auch mehr diese Lehre in mein Handeln einfließen zu lassen, das freut mich, weil gut denken und gut handeln sind ja zwei verschiedene Dinge.


    Was mich aber sicher unterscheidet ist, auch das ist eine Wiederholung, dass es mir sicher nicht gelingt Menschen, die bewusst böse Dinge gegen andere Menschen tun zu verzeihen oder Mitgefühl ihnen entgegen zu bringen. Für mich hat der jeweilige Mensch, der das tut durchaus eine Selbstverantwortung, das halte ich auch bei mir selbst so.


    Ich kann hier immer wieder nur über meine Arbeit sprechen und da sehe ich tagtäglich dass es eben wirklich bewusste Strategien gibt anderen zu schaden und damit habe und werde ich mich nie identifizieren können oder gar Verständnis für so ein Handeln haben, weil hier wird nicht nur Menschen geschadet sondern die "Täter" haben Freude daran und das erinnert mich schon sehr an eine Zeit, wo ich noch nicht auf dieser Welt war "hoffe ich".


    Also Korrektheit im Arbeitsleben einzufordern ist eines, aber bewusste Handlungen zu setzen um jemanden zu schaden da muss ich zwar leider zusehen, weil ich nichts tun kann, aber für mich persönlich ziehe ich da innerlich wirklich die Konsequenzen. Im privaten Bereich kenne ich solche Menschen nicht bzw. wenn würde ich mich von ihnen fernhalten.


    Ich sehe es auch nicht mehr als meine Aufgabe ein Bewusstsein zu schaffen, weil diese Menschen ändern sich nicht, das habe ich jahrelang versucht. Ich habe auch vieles gemacht in meinem Leben, was nicht gut war, aber es war aus meiner Sicht keine Entscheidung jemand bewusst zu schaden.


    Wobei diese Menschen von denen ich spreche, denen ist es ja nicht mal bewusst, was sie tun, weil die gar nicht nachdenken, aber befreit sie das von "Schuld"? Ich trenne Mensch und Eigenschaften des Menschen nicht, das wäre ein Freibrief für jeden alles zu tun ohne Konsequenzen.


    Wenn ich mich natürlich in einem Umfeld von Gleichgesinnten bewegen kann, dann man auf so ein Thema, wie ich es darstelle gar nicht treffen. Ich sage auch nicht alle Menschen sind nicht gut, aber vieles was ich beobachte ist für mich mehr als befremdlich.


    LG Son


  • .... versuche ich mich an den 8fachen Pfad zu halten, die vier edlen Wahrheiten bzw. erkenne auch die Geistesgifte an. Und ich schaffe es auch mehr diese Lehre in mein Handeln einfließen zu lassen, das freut mich, weil gut denken und gut handeln sind ja zwei verschiedene Dinge.


    Was mich aber sicher unterscheidet ist, auch das ist eine Wiederholung, dass es mir sicher nicht gelingt Menschen, die bewusst böse Dinge gegen andere Menschen tun zu verzeihen oder Mitgefühl ihnen entgegen zu bringen. Für mich hat der jeweilige Mensch, der das tut durchaus eine Selbstverantwortung, das halte ich auch bei mir selbst so.

    Hallo Son,


    wenn man die Inhalte Deiner Zuschriften liest, bemerkt man recht bald, dass das Umsetzen der buddhistischen Lehre in Deinem Alltag Einzug gehalten und einen festen Platz bekommen hat. Verantwortung für sein Denken, Reden und Handeln und allem daraus Resultierenden zu übernehmen, sollte selbstverständlich sein, doch nicht jeder ist dazu in der Lage. Dass Du dies für selbstverständlich hältst, ehrt Dicḥ.


    Ich freue mich, dass mir einiges gelingt, aber ich weiß auch sehr genau, der Weg dorthin war steinig und steil, ich kann also nicht das Maaß der Dinge sein. Diese Tatsache, dass ich selbst Jahrzehnte brauchte, um die Grundlagen der Lehre zu verinnerlichen, um gemächlich einige wenige täglich umzusetzen, lässt mich innehalten - immer dann, wenn ich bemerke, dass ein: "Wie -kann-man-bloß ..." in meinem unterscheidenden Geist auftauchṭ.

    Ich sehe es auch nicht mehr als meine Aufgabe ein Bewusstsein zu schaffen, weil diese Menschen ändern sich nicht, das habe ich jahrelang versucht.

    Das musst Du auch nicht, Son, ... Sich selbst so anzunehmen, wie man ist, mit allen Vorzügen und vermeintlichen Schwächen, ist keine leichte Aufgabe, aber es ist von Vorteil, sie zunächst einmal zu meisterṇ .... Kann ich mich und meine Macken annehmen und ertragen, fällt mir das Annehmen all dessen, was ich an meinen Mitmenschen meist etwas "schräg" fand (und finde), gewiss auch leichter, (sollte man zumindest meinen), ... und das Annehmen dessen, was ist, das Entwickeln altruistisch liebenden Mitgefühls und einer guten Portion Verständnis für die Feinheiten, geschieht meist proportional - also in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander (gelingt mir das eine, dann gewiss auch das andere usw.)

    Arbeit .... bewusste Strategien gibt anderen zu schaden .... hier wird nicht nur Menschen geschadet sondern die "Täter" haben Freude daran ...

    Ich war nie besonders langmütig. Bemerkte ich z.B., dass meine Mitmenschen sich mit einigen Dingen, (Wahrheit o.ä.), wiederholt schwertaten, z.B. Eintragungen schönten, Arbeitskollegen austricksen, auf sanfte Hinweise, Dinge in Ordnung zu bringen, nicht reagieren, kurz: von sich überzeugt und "lernresistent" waren, krachte es plötzlicḥ! (Unterredung im kleinen Kreis: Vorgesetzte Mitarbeitervertreter, Mitarbeiter) ... Doch weisst Du, das kostet einiges an Kraft, verlangt ein breites Kreuz, und das Akzeptieren der Tatsache, von einigen gewiss nicht ins Nachtgebet eingeschlossen zu werdeṇ ;)

    ... nicht mal bewusst, was sie tun, weil die gar nicht nachdenken, aber befreit sie das von "Schuld"? I

    Um diese Frage nicht umständlich an Hand der Lehrmeinungen zu beantworten, möchte ich es zunächst einmal so ausdrücken: ein jeder, der das Privileg genoss, Eltern, Paten, Erzieher, Ausbilder etc. zu haben, die ihm grundlegende Werte vermittelten, ist ein Glückspilz.


    Manch ein Kind bekommt sehr viel Materielles, ... aber nichts, was ihm das Gefühl, erwünscht und angenommen zu sein, vermittelt, nichts, was ihm Geborgenheit und Wärme gibt, und nichts, was ihm aufzeigt, wie man mit Herzgeist agiert; ...


    ... wieder andere, wachsen in einer Familie auf, die sich zwar sehr bescheiden muss, aber sehr viel Liebe zu geben hat, und sich, wann immer erforderlich, die Zeit fürs Beantworten der Kinderfragen nimmt, etc..


    Dazwischen gibt es viele Varationen, ... aber die "wichtigen Güter", Zuwendung, Verständnis, Liebe, Geborgenheit im Kindesalter, sind die Basis eines friedlicheren, förderlichen Miteinander im Erwachsenenalter ...


    Einerseits ist also niemand ist frei von der Verantwortung für eigenes Tun, andererseits werden nicht viele Menschen, denen "die wichtigen Güter" im Kindesalter vorenthalten wurden, und das nötige Grundwissen bezüglich altruistischer Ethik allgemein, Liebe, Mitgefühl und die nötigen Hinweisen, wozu so etwas dienlich ist, was es bewirkt, usw. nicht vermittelt wurde, aus freien Stücken "an sich arbeiten" (siehe z.B. Autofahrer, die mit Höchstgeschwindigkeiten durch Innenstädte sausen) ...


    "Der Welt", der Menschheit ging manches verloren, ... doch es nützt nichts, die Ohren hängen zu lassen, und zu klagen, wie fürchterlich alles sei ... Wenn ich etwas ändern möchte, muss ich bei mir selbst anfangen, bei meiner Sicht der Dinge; ... und wenn mir alles grauschwarz vorkommt, wird es Zeit, die "Fenster des Herzens" zu putzen: Ärmel aufkrempeln, und los gehtś: wie Ayya Khema sagte: Beginne, wo du bisṭ


    LG mkha'

  • Hallo mkha,

     

    danke für deine Zeit, die du dir genommen hast mir so viele gute Dinge zu schreiben.

     

    Du hast es gut beschrieben, was deine eigene Entwicklung anging, es ist ein nicht einfacher Weg selbst Grundpfeiler der Lehre für sich im täglichen Leben zu integrieren und so geht es mir auch, wobei ich diesen großen Wunsch bzw. dass ich da Handlungsbedarf habe erst vor nicht so lange Zeit auch erkannt habe.

     

    Vorher dachte ich zwar, ich lebe gut, aber es war leider ein Irrglaube. Wobei auch heute ist viel an Verbesserungspotential da, ich habe erst geschafft einige kleine Schritte umzusetzen.

     

    Mich selbst so anzunehmen wie ich bin fällt mir nach wie vor schwer, dazu bin ich zu selbstkritisch bzw. andererseits aber auch zufrieden, wenn es Tage gibt, wo ich mein Denken und Verhalten eins ist. Letzte Woche wurde ich „bombardiert“ mit negativen Dingen über andere und habe sachlich dagegen gehalten bzw. mit Gleichmut reagiert, aber eben nicht Stellung bezogen, da war ich dann schon zufrieden, dass mir das gelungen ist, aber das ist nur ein Beispiel.

     

    Ich bin anderen gegenüber sehr tolerant, weil ich ja nicht vergessen habe, wie viele Fehler ich in meinem Leben machte und nach wie vor mache. Das gilt gerade im Alltag, früher habe ich mich sehr über Kleinigkeiten geärgert, heute denke ich mir, ja, z.B. Regeln im Straßenverkehr, dass ich auch nicht immer alles richtig mache.

     

    Mitgefühl empfinde ich für viele Menschen, aber wie gesagt nicht für alle. Ich bin bei Sitzungen manchmal anwesend, wo einerseits über Missstände gesprochen wird und die Konsequenzen, wobei ich aber auch hier auf eine Bewusstseinsänderung setze und nicht dass man jemanden rausschmeißt, der Familie und Kinder hat.

     

    Und was für mich unverzeihlich ist, ist die Tatsache, wenn ich  merke, dass es den Ausführenden Freude macht und das obwohl sie selbst zum „Täterkreis“ gehören. Was heißt das? Sie sind selbst alles andere als Ideal.

     

    Meine Kindheit war geprägt davon, dass ich mehr oder weniger alleine aufgewachsen bin, meine Mama ging weg als ich 6 Jahre und ich bin bei meinem Vater aufgewachsen, der ein Geschäft hatte und der 7 Tage die Woche von Morgens bis Spätabends arbeitete. Ich hatte wenig Zuneigung von meiner Mutter in meiner Kindheit, von meinem Vater schon, aber er hatte wenig Zeit, ich habe gekocht und für mich gesorgt seit dieser Zeit, mit 15 Jahren starb mein Vater und von da an lebte ich alleine.

     

    Ich hatte auch mit Vorurteilen der Gesellschaft zu tun, da es ungewöhnlich war, dass Kinder (Bruder gibt es auch noch) beim Vater aufwuchsen. Ich sah auch das Sterben meines Vaters über 10 Monate lang.

     

    Warum schreibe ich das? Nicht, weil ich mich arm fühle oder es irgendeine Rechtfertigung sein soll sondern was ich nur damit sagen will, für mich gibt es keine Ausreden im Sinne, dass nur weil ich zu wenig Zuwendung bekam, dass ich deshalb später ein nicht guter Mensch sein darf.

    Ich war immer anders, schon als Kind, mein Umfeld war deutlich älter als ich und da waren auch Menschen dabei von denen ich viel gelernt habe. Was immer in mir war, war das Credo, ein gutes Leben zu führen, aber wie gesagt ohne Motiv, ohne Ziel.

     

    Das ist mir zum Teil gelungen, in vielen Bereichen nicht, vor allem was meine Partnerschaften betraf habe ich viele Fehler gemacht. Irgendwann kam auch die Erkenntnis, dass ich nicht so gut war wie ich dachte und da erst setzte die richtige Entwicklung ein, eben die Gedanken auch in Handlungen zu verwandeln.

    Ich kann übrigens mit der heutigen Gesellschaft kaum etwas anfangen, ich verstehe sie nicht und habe ganz andere Werte. Freiwillig treffe ich 2 Menschen im realen Leben, sonst bleibe ich lieber alleine.

    Ich habe leider nicht das Glück in einem Stück Land zu leben, wo ich die Chance habe einige Gleichgesinnte zu haben, daher ist es schwer. Nochmal für mich fühlt es sich an, als ob ich 20-30 Jahre geschlafen hätte und jetzt in einer anderen Zeit aufwache und es ist ja auch eine andere Zeit, nur dass ich nicht geschlafen habe, aber die gravierenden Veränderungen der Gesellschaft sind an mir vorübergezogen ohne dass ich sie so massiv bemerkte wie heute. Nochmal nicht die Welt hat sich verändert oder die Welt ist anders sondern die Menschen sind es.

    Was ich sicher nicht mehr machen werde ist im realen Leben oder auch virtuell andere von irgendwas zu versuchen zu überzeugen. Nicht nur dass  dies Kraft kostet, es ist komplett sinnlos. Es ist schon eine schwere Aufgabe sich selbst zu ändern und da habe ich genug Dinge, die ich zu bewältigen habe. Auch wenn das egoistisch klingen mag, letztendlich profitieren von einer positiven Persönlichkeitsentwicklung auch dann andere.

    Mitgefühl habe ich mit den vielen Menschen auf dieser Welt, die Leid haben, auch mit Menschen die aus anderen Ländern kommen im Gegensatz zu der allgemein doch sehr rechten Sicht der Gesellschaft. Die Probleme dieser Menschen sind mit unseren kaum zu vergleichen und wenn ihnen dann noch ein kalter Empfang bereitet wird, dann bin ich da sicher nicht dabei. Ich bin gegen jegliche rechte Ideologie und das schreibe ich deshalb auch hier, weil das ein Riesenthema unserer Gesellschaft weltweit gesehen ist.

    Bei uns gab es Wahlen vor einigen Monaten, das Hauptmotiv rechts zu wählen, war die Flüchtlingsfrage. Schon seltsam, es braucht nur irgendetwas Gravierendes passieren und wir selbst sind Flüchtlinge und würden dankbar sein, wenn man uns aufnimmt.

    Es kamen 2015 2 Mio. Flüchtlinge nach Europa – in Europa leben 500 Millionen Menschen und das Problem war nicht zu bewältigen?

    Und alle warnen vor einer Islamisierung unserer Kultur, jetzt frage ich mich wie sollen 2 Millionen Menschen 500 Millionen Menschen islamisieren? Wie soll das bitte gehen?

    Beispiel Terrorismus: 2016 gab 128 Terroropfer in Deutschland (bedauerlich keine Frage), aber es gab auch 40.000 Tote durch Feinstaub bzw. 40.000 Tote durch resistente Krankenhauskeime. Was ich damit sagen will, hier wird medial die Aufmerksamkeit bewusst auf alle möglichen Dinge gelegt, die von den wahren Problemen ablenken sollen und es wird auch alles dafür getan die letzte Empathie und Warmherzigkeit der Menschen zu zerstören.

    Das Meiste was ich hier schrieb war natürlich nicht auf Menschen bezogen, die hier in diesem Forum sind, mir ist schon klar, dass hier ein besonderer Kreis ist, die eben anders denkend sind – Gott sei Dank gibt es solche Menschen. Ich schrieb von der meiner Ansicht nach Mehrheit der Menschen, alles Liebe und Gute für dich und die andere Son

  • Hallo Son, ich seh das so:


    Nicht alles, was man in der Kindheit in problematischer Hinsicht erfährt, scheint mir reparabel. Nach meiner laienhaften Sicht kann eine Neigung zu bestimmten Affekten Folge sein, wenn diese in der Kindheit leider besonders „gefördert“ wurden. Wenn es also viel Grund beispielsweise zu Furcht oder Verlassenheitsgefühlen oder Ekel oder Wut etc. gab, dann kann über die Gehirnentwicklung eine Disposition oder Neigung für ein solches Erleben auch beim Erwachsenen verstärkt entstehen, weil gerade diese „Schaltkreise“ damals besonders befahren wurden.


    Was aber sicher unserem Einfluss unterliegt, sind die kognitiven Interpretationen, die wir später mit typischen Affekten, die unschwer entstehen, verknüpfen, wodurch dann komplexere Gefühle entstehen.


    Der zweite Bereich, den ich anmerken möchte, betrifft die Gruppendynamik, der wir als Rudeltier doch immer ausgesetzt sind. Fühlt man sich von prägenden Teilen einer Gruppe abgelehnt, ist es nur „menschlich“, ebenso kritisch zu reagieren und Charakter und Leistungen übertrieben kritisch zu beurteilen.


    Allein die so unterschiedlichen Bewertungen der Mitmenschen, die man selbst trifft, sind schon ein Hinweis darauf, dass es falsch wäre, Menschen pauschal als unethisch, prinzipiell schlecht zu klassifizieren. Dies ist sicher keine vorteilhafte Einstellung und wäre eine objektiv unrealistische Einschätzung.


    Als böse im eigentlichen Sinn sehe ich eine Gruppendynamik, die mit Hass zu tun hat. Das ist ein Thema, wozu der DL viel geschrieben hat.

  • Hallo Karnataka,


    Was du über die Kindheit schreibst finde ich gut, damit kann ich mich gut arrangieren im Sinne, dass ich mir vorstellen kann, dass diese Einflüsse sich dann später wirklich so auswirken.


    Die Gruppendynamik, die du auch ansprichst, sehe ich teilweise sehr weitläufig, ich sehe da in meinem Leben zwei große Gruppendynamiken. Meine Arbeit, wo sehr viele Menschen sind und es eine durchaus für mich eindeutig negative Dynamik gibt, nämlich anderen bewusst Schaden zuzufügen. Das ist für mich ein Faktum, weil ich die Bewegung, die da lenkt kenne bzw. sehe wie sie agieren bzw. was sie alles planen. Ich kann das nicht für gut heißen, habe aber in Anbetracht meiner Position keinen Einfluss darauf.


    Die zweite große Gruppendynamik ist für mich mittlerweile die Gesellschaft selbst. Mir gefällt die Entwicklung gar nicht und ich möchte auch gar nicht sagen, alle Menschen sind böse, aber die meisten spüren sich einfach nicht mehr und handeln leider auch danach.


    Aber was ich natürlich auch gerne schreibe ist, dass es Gruppendynamiken gibt bzw. Menschen die ich für gut halte, das klingt jetzt natürlich sehr subjektiv alles, ist es vermutlich auch. Wobei ich denke, mein Gefühl ist sicher nicht ganz falsch, ich spreche ja auch mit vielen Menschen und wenn man ein wenig in die Tiefe geht, dann bestätigen zwar viele, dass ihnen vieles nicht mehr gefällt, aber sie sind halt ein Teil davon und mir kommt immer vor, dass man die Menschen darauf stoßen muss, damit sie verstehen und diese Rolle möchte ich nicht mehr einnehmen.


    Das habe ich Jahre versucht mit dem ernüchternden Ergebnis eben genau nichts bewirkt zu haben, ich wollte bei einigen Menschen ein positives Bewusstsein schaffen, wie eben Mitgefühl oder Verständnis oder auch anderen helfen, heute denke ich mir alles komplett misslungen. Niemand hat seine Sichtweise auf irgendwas verändert - gar habe ich irgendjemand nachhaltig helfen können.


    Mir fallen da zwei wirklich gute Zitate ein, mit denen ich mich gut identifizieren kann, den einen Autor kenne ich nicht, der andere ist Einstein. "Je mehr ein Mensch versteht desto stiller wird er" - das wird und ist auch meine Strategie für mein zukünftiges und auch aktuelles Auftreten wenn ich in Gesellschaft trete und was Einstein gesagt hat traf scheinbar zu seiner Zeit zu wie auch heute nämlich sinngemäß "Je mehr der Mensch erkennt, dass sein aktuelles Weltbild eine Fiktion ist, desto höher sein Entwicklungsstand".


    LG Son

  • ich möchte auch gar nicht sagen, alle Menschen sind böse, aber die meisten spüren sich einfach nicht mehr und handeln leider auch danach.

    Ich finde, damit hast du es genau auf den Punkt getroffen.

    Sie spüren sich selbst nicht mehr, sie sorgen nicht mehr gut für sich selbst und das hat auch Auswirkungen auf alles andere.

    Sobald wir uns selbst wieder mehr spüren und akzeptieren können, ändert sich für jeden Einzelnen doch sehr vieles zum Guten.


    Ich finde gar nicht, daß das "Böse" so arg zugenommen hat, durch die Internetmöglichkeiten sind wir nur mehr darüber informiert und wir halten uns zu viel mit dem Negativen auf.

    Kleines Beispiel: Wann haben wir das letzte Mal etwas Positives über die Menschen in Amerika gehört? Ok, Natursendungen, aber etwas Positives über die Menschen dort? Oder die unzähligen Kriege, so kommt es einem jedoch vor. In wieviel Prozent aller Länder leben die Menschen friedlich zusammen, 80% oder mehr?

    Damit meine ich auch das Aufbauschen von jedem kleinen Zwischenfall in den Medien, aber wir tragen ja selbst auch dazu bei. Wie oft reden wir über das Schlechte und wie oft über das Gute?


    Ich habe vorhin ein Sendung in Arte gesehen, in der gesagt wurde, daß in einigen Ländern in Deutschland 30-35% neben der Arbeit noch ehrenamtlich arbeiten und in anderen Ländern sogar 50%. Sie engagieren sich ohne Lohn in den Bereichen Sport, Soziales, Natur und Umwelt, Religionen, Gesundheit usw. Ich finde, das sind wahnsinnig viele von uns, die tatkräftig mit anpacken.


    Was mir aber tatsächlich etwas fehlt, ist die Bereitschaft, sich selber zu begegnen, sich auch Zeit dafür zu nehmen.

  • Kleines Beispiel: Wann haben wir das letzte Mal etwas Positives über die Menschen in Amerika gehört? Ok, Natursendungen, aber etwas Positives über die Menschen dort?

    Bara, ich sehe es ähnlich wie du und hätte einfach den like-Button drücken können.


    Die oben zitierte Frage möchte ich aber gern mit positiven Nachrichten beantworten: Das letzte Mal, dass ich Positives hörte, war der von den Überlebenden des Parkland-Schul-Massakers organisierte March for our Lives. Es hat mich sehr berührt, wie die Teens das (natürlich mit Sponsoren und Unterstützern) auf die Reihe bekommen haben und sich gegen Waffen einsetzen, sehr, sehr zahlreich.


    Einer von ihnen ist David Hogg, der von Laura Ingraham, einer Moderatorin des sehr konservativen und trumpfreundlichen Senders Fox-News, extrem angegriffen wurde.

    Daraufhin hat er durch einen Tweet den größten Teil der Firmen, die ihre Sendung sponsoren, dazu gebracht, ihre Werbung aus der Sendung zurückzuziehen. Eine Möglichkeit, Einfluss auf sehr aggressive und einseitige Berichterstattung zu nehmen, die er erfolgreich genutzt hat.


    Ich habe das ganze hier nur verkürzt wiedergegeben, aber dieser junge Mann hat mich in diversen Interrviews sehr beeindruckt, genau wie seine Freund*innen, die sich genauso gegen Waffen engagieren und sich nicht einschüchtern lassen. 17 Jahre alt. Chapeau.


    Und etwas Positives. :)


    Edit: Ich liefere noch ein paar links nach:

    March for our lives, Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/March_for_Our_Lives (deutsch)


    David Hogg und Fox-News, Spiegel online: http://www.spiegel.de/politik/…n-fox-news-a-1200771.html


    Sehr beeindruckendes Interview mit David Hogg, CNN, englisch:

    2 Mal editiert, zuletzt von svea () aus folgendem Grund: Typos

  • Ja, das hat mich auch sehr berührt, diese Kids die das auf die Beine gestellt haben. Die Art, wie sie mit den Medien und der Öffentlichkeit umgehen. Man sprach von den größten Protesten der Jugend seit dem Vietnamkrieg - man kann nur hoffen, dass sie nicht locker lassen! Gerade unter Trump diese Macht der Waffenlobby zu brechen wäre ein ordentlicher "Coup" ;)

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
     OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Und doch, die schweigende Mehrheit der Waffengegner sagt sich: " Die schaffen das schon, was soll ich mich engagieren? Eigentlich ist das was die da machen ja auch ein Ausdruck von Gewalt nur eben nicht mit Waffen. Doch die Waffen möchte ich schon los werden, doch: Die schaffen das schon. Ich hab ja jetzt keine Probleme mit Waffen." Wenn er dann erschossen wird kann er für immer schweigen.


    Kann man übrigens ganz locker auf den Umgang mit den Nazis, einschließlich der AfD in Deutschland sehen.

    Ganz locker im Islam, der Gläubige Moslem erkennt in den moslemischen Mördern den Gläubigen. Lüge verbunden mit Wirklichkeit, der Wahrheit wird geglaubt auch wenn die direkt erlebte Erfahrung dem widerspricht.

  • Es gibt auch "Mara" als ganz harmlosen Frauennamen. ;) Und es gibt auch Leute, die mit ihrem Nick genau das Gegenteil ihrer Aktivität ausdrücken (wollen) wobei das dann meist eher umgekehrt läuft.

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  • Es gibt auch "Mara" als ganz harmlosen Frauennamen.

    Das arme Kind:eek: bzw. dieser unschöne Moment, wenn es die eigentliche Herkunft erfährt:?


    Und es gibt auch Leute, die mit ihrem Nick genau das Gegenteil ihrer Aktivität ausdrücken (wollen) wobei das dann meist eher umgekehrt läuft.

    Meinst Du mit Deiner Antwort, kilaya, jemand meldet sich in einem Forum mit Mara an, um gute Absichten zu teilen?

    wo liegt denn da der Sinn? und wie kommst Du darauf, dass es meist umgekehrt läuft? (Weil die Menschen misstrauisch sind, aufgrund des Namens oder reine Beobachtung?)


    Liebe Grüße von Schneelöwin

  • Ich hatte da ein paar Sachen im Hinterkopf, nicht zu wichtig nehmen was ich da geschrieben habe ;)


    http://www.baby-vornamen.de/Maedchen/M/Ma/Mara/

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