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Wellness-Buddhismus

  • jwh
  • 2. April 2023 um 13:39
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  • Thorsten Hallscheidt
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    • 4. April 2023 um 19:26
    • #26
    jwh:

    Ich befürchte auch, dass ich hier zu viel präsent bin, es übertreibe was dann einen negativen Effekt hat.

    Ich glaube, da musst Du Dir keine Sorgen machen. :) Es ist doch schön, wenn jemand viele Fragen hat, und es ist auch schön, wenn viele verschiedene Antworten zusammen kommen. Da haben alle was davon, finde ich – von Fragen und von Antworten.

    Das ist denn doch nur der Abendwind, der heute mit ordentlich verständlichen Worten flüstert.

  • Monikamarie
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    • 4. April 2023 um 19:36
    • #27
    Thorsten Hallscheidt:
    jwh:

    Ich befürchte auch, dass ich hier zu viel präsent bin, es übertreibe was dann einen negativen Effekt hat.

    Ich glaube, da musst Du Dir keine Sorgen machen. :) Es ist doch schön, wenn jemand viele Fragen hat, und es ist auch schön, wenn viele verschiedene Antworten zusammen kommen. Da haben alle was davon, finde ich – von Fragen und von Antworten.

    So sehe ich das auch, jwh, ich werde dadurch auch wieder lebendig, denn es geht ja um Grundwissen und Erfahrung und nicht um komplizierte Begriffsbestimmungen etc. Dazu habe jedenfalls ich keine Lust (mehr).

    Alles gut :)

  • Sudhana
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    • 5. April 2023 um 19:25
    • #28

    [lz]

    Der Produktionsapparat und die Güter und Dienstleistungen, die er hervorbringt, »verkaufen« das soziale System als Ganzes oder setzen es durch. Die Mittel des Massentransports und der Massenkommunikation, die Gebrauchsgüter Wohnung, Nahrung, Kleidung, die unwiderstehliche Leistung der Unterhaltungs- und Nachrichtenindustrie gehen mit verordneten Einstellungen und Gewohnheiten, mit geistigen und gefühlsmäßigen Reaktionen einher, die die Konsumenten mehr oder weniger angenehm an die Produzenten binden und vermittels dieser ans Ganze. Die Erzeugnisse durchdringen und manipulieren die Menschen; sie befördern ein falsches Bewußtsein, das gegen seine Falschheit immun ist. [...] So entsteht ein Muster eindimensionalen Denkens und Verhaltens, worin Ideen, Bestrebungen und Ziele, die ihrem Inhalt nach das bestehende Universum von Sprache und Handeln transzendieren, entweder abgewehrt oder zu Begriffen dieses Universums herabgesetzt werden. Sie werden neubestimmt von der Rationalität des gegebenen Systems und seiner quantitativen Ausweitung.

    Diese Tendenz kann mit einer Entwicklung der wissenschaftlichen Methode zusammengebracht werden: mit dem Operationalismus in den Naturwissenschaften, dem Behaviorismus in den Sozialwissenschaften.[...]

    Außerhalb der akademischen Sphäre ist die »weitreichende Änderung aller unserer Denkgewohnheiten« ernster. Sie dient dazu, die Gedanken und Ziele denjenigen gleichzuordnen, die das herrschende System erzwingt, und diejenigen abzuwehren, die mit dem System unversöhnbar sind. Die Herrschaft einer solchen eindimensionalen Realität bedeutet nicht, daß der Materialismus herrscht und es mit geistigen, metaphysischen und künstlerischen Beschäftigungen zu Ende geht. Im Gegenteil, es gibt allerhand im Stil von »Gemeinsamer Gottesdienst diese Woche«, »Warum es nicht einmal mit Gott versuchen«, Zen, Existentialismus und Beatniks usf. Aber solche Arten von Protest und Transzendenz stehen nicht mehr im Widerspruch zum Status quo und sind nicht mehr negativ. Sie sind vielmehr der feierliche Teil des praktischen Behaviorismus, seine harmlose Negation, und werden vom Status quo als Teil seiner gesunden Kost rasch verdaut.

    Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch[/lz]

    OM MONEY PAYME HUNG

  • nuk
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    • 6. April 2023 um 00:10
    • #29
    Sudhana:
    [lz]

    Der Produktionsapparat und die Güter und Dienstleistungen, die er hervorbringt, »verkaufen« das soziale System als Ganzes oder setzen es durch. Die Mittel des Massentransports und der Massenkommunikation, die Gebrauchsgüter Wohnung, Nahrung, Kleidung, die unwiderstehliche Leistung der Unterhaltungs- und Nachrichtenindustrie gehen mit verordneten Einstellungen und Gewohnheiten, mit geistigen und gefühlsmäßigen Reaktionen einher, die die Konsumenten mehr oder weniger angenehm an die Produzenten binden und vermittels dieser ans Ganze. Die Erzeugnisse durchdringen und manipulieren die Menschen; sie befördern ein falsches Bewußtsein, das gegen seine Falschheit immun ist. [...] So entsteht ein Muster eindimensionalen Denkens und Verhaltens, worin Ideen, Bestrebungen und Ziele, die ihrem Inhalt nach das bestehende Universum von Sprache und Handeln transzendieren, entweder abgewehrt oder zu Begriffen dieses Universums herabgesetzt werden. Sie werden neubestimmt von der Rationalität des gegebenen Systems und seiner quantitativen Ausweitung.

    Diese Tendenz kann mit einer Entwicklung der wissenschaftlichen Methode zusammengebracht werden: mit dem Operationalismus in den Naturwissenschaften, dem Behaviorismus in den Sozialwissenschaften.[...]

    Außerhalb der akademischen Sphäre ist die »weitreichende Änderung aller unserer Denkgewohnheiten« ernster. Sie dient dazu, die Gedanken und Ziele denjenigen gleichzuordnen, die das herrschende System erzwingt, und diejenigen abzuwehren, die mit dem System unversöhnbar sind. Die Herrschaft einer solchen eindimensionalen Realität bedeutet nicht, daß der Materialismus herrscht und es mit geistigen, metaphysischen und künstlerischen Beschäftigungen zu Ende geht. Im Gegenteil, es gibt allerhand im Stil von »Gemeinsamer Gottesdienst diese Woche«, »Warum es nicht einmal mit Gott versuchen«, Zen, Existentialismus und Beatniks usf. Aber solche Arten von Protest und Transzendenz stehen nicht mehr im Widerspruch zum Status quo und sind nicht mehr negativ. Sie sind vielmehr der feierliche Teil des praktischen Behaviorismus, seine harmlose Negation, und werden vom Status quo als Teil seiner gesunden Kost rasch verdaut.

    Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch

    [/lz]

    Da haste ja nen intellektuellen Klotz reingehauen.

    Aber könntest du vielleicht mal näher erläutern, was er mit "Wellnessbuddhismus" zu tun hat? Wolltest du vielleicht die Vermarktung der Lehre und der Praxis andeuten?

  • Maha
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    • 6. April 2023 um 10:44
    • #30

    Sudhana

    Mit Marcuse als intellektuellem Schwergewicht zum Thema Wellness-Buddhismus handelt man sich natürlich einige Annahmen ein, über die man sich im Klaren sein sollte. Marcuse wurde rezipiert als Kritiker der Konsumgesellschaft und der sexuellen Liberalisierung "von oben" (Stichwort: repressive Entsublimierung). Er diagnostizierte eine "Schrumpfung" des bürgerlichen Ichs.

    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du keine Berechtigung hast, diesen Inhalt zu sehen.

    Marcuse stellt sich das als eine gesellschaftliche Pathologie vor, die er mit dem Begriff repressive Entsublimierung erklärt.

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    Es ist jedoch fragliche inwieweit Marcuse sich bei seiner Analyse wirklich auf empirische Evidenz stützt.

    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du keine Berechtigung hast, diesen Inhalt zu sehen.

    Quelle der Zitate: Reimut Reiche: Haben frühe Störungen zugenommen? aus: Reimut Reiche: Treibschicksal der Gesellschaft

    "Das Siegel der erreichten Freiheit: Sich nicht mehr vor sich selbst schämen."

    - Irvin Yalom, Und Nietzsche weinte

    Einmal editiert, zuletzt von Maha (6. April 2023 um 11:12)

  • Sudhana
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    • 6. April 2023 um 13:54
    • #31
    nuk:

    Aber könntest du vielleicht mal näher erläutern, was er mit "Wellnessbuddhismus" zu tun hat?

    Nun - es wurde hier darauf verwiesen, dass der Begriff 'Wellness-Buddhismus" zunächst einmal einer Definition bedarf. Ich halte da Marcuses Beschreibung bestimmter, auf den ersten Blick nicht-affirmativ erscheinender kultureller Phänomene als "harmlose Negation" des Status quo und "als Teil seiner gesunden Kost" für nützlich insofern sie einen wesentlichen Aspekt dessen verdeutlicht, was ich unter 'Wellness-Buddhismus' verstehe bzw. worin ich den entscheidenden Unterschied zum Buddhadharma sehe. Ersterer zielt nicht auf die Negation des Status quo, den Ausbruch aus Samsara, sondern darauf, es sich in Samsara möglichst gemütlich einzurichten. Gelegentlich mal eine Auszeit nehmen um für die nächste Runde im Rattenrennen wieder fit zu sein ...

    Maha : der Begriff der repressiven Entsublimierung ist in der Tat problematisch; Entsublimierung verweist auf eine soziologisch relevante massenspychologische Analogie zu individualpsychologischen Vorgängen - wobei diese Analogie gewiss ihre Grenzen hat und nicht überstrapaziert werden sollte (was Reiche verdeutlicht). Nichtsdestotrotz geht es speziell in dem von mir zitierten Abschnitt um etwas anderes, nämlich um die "Operationalität" eindimensionalen Denkens - und da bemüht und zitiert Marcuse nicht Freud, sondern den Physiker Bridgman (Nobelpreis 1946):
    [lz]

    Wir wissen eindeutig, was wir unter Länge verstehen, wenn wir sagen können, wie lang jedes beliebige Objekt ist; und für den Physiker ist außerdem nichts erforderlich. Um die Länge eines Objekts herauszufinden, müssen wir bestimmte physikalische Operationen durchführen. Der Begriff der Länge ist daher festgelegt, wenn die Operationen festgelegt sind, wodurch die Länge gemessen wird: das heißt, der Begriff der Länge enthält nur so viel wie die Reihe von Operationen, wodurch die Länge bestimmt wird. Im allgemeinen verstehen wir unter irgendeinem Begriff nichts als eine Reihe von Operationen; der Begriff ist gleichbedeutend mit der entsprechenden Reihe von Operationen.

    [...]

    Den operationellen Gesichtspunkt zu übernehmen, involviert weit mehr als die bloße Einschränkung des Sinnes, in dem wir den >Begriff< verstehen, es liegt vielmehr eine weitreichende Änderung aller unserer Denkgewohnheiten darin, daß wir es uns künftig versagen, Begriffe als Werkzeuge unseres Denkens zu gebrauchen, von denen wir uns nicht hinreichend als Operationen Rechenschaft ablegen können.[/lz]

    So tief wollte ich eigentlich nicht einsteigen (ein paar Zitate können da auch nur als Andeutung dienen), aber der von Marcuse beschriebene Operationalismus ("ein totaler Empirismus, was die Behandlung der Begriffe angeht; ihr Sinn wird auf die Darstellung partikularer Operationen und partikularen Verhaltens eingeengt" a.a.O.) beschreibt mE ein weiteres Charakteristikum von 'Wellness-Buddhismus': seine Zweckgerichtetheit, charakteristisch ist die Ausrichtung auf einen durchaus 'samsarischen' Nutzen. Ein psychohygienisches Angebot mit zweifelhafter Wirksamkeit.

    OM MONEY PAYME HUNG

    Einmal editiert, zuletzt von Sudhana (6. April 2023 um 14:26) aus folgendem Grund: Typo

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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