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Abwendung

  • mukti
  • 14. März 2024 um 10:35
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  • mukti
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    • 14. März 2024 um 10:35
    • #1

    [lz]

    Wenn er häufig die Abwendung vollzieht bei der Körperlichkeit, beim Gefühl, bei der Wahrnehmung, bei den Gestaltungen und beim Bewußtsein; und wenn er deren Vergänglichkeit, Leidhaftigkeit und Ichlosigkeit betrachtet, dann durchschaut er die Körperlichkeit, durchschaut er das Gefühl, durchschaut er die Wahrnehmung, durchschaut er die Gestaltungen, durchschaut er das Bewußtsein.

    Diese durchschauend, wird er befreit von der Körperlichkeit, befreit vom Gefühl, befreit von der Wahrnehmung, befreit von den Gestaltungen, befreit vom Bewußtsein, wird er befreit von Geburt, Altern und Sterben, von Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung, wird er befreit vom Leiden, so künde ich.

    S.22.39-42[/lz]

    Abwendung bedeutet nicht wegschauen sondern genau hinschauen, die Vergänglichkeit, Leidhaftigkeit und Ichlosigkeit betrachtend.

    Mehr braucht es gar nicht, fehlt nur noch das unermüdliche Üben in Zurückgezogenheit, oder?

    Mit Metta, mukti.


  • Monikamarie
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    • 14. März 2024 um 10:46
    • #2

    Mukti, dieses immer wieder darauf Zurückkommen und Erinnern hilft mir gerade jetzt. Ich erlebe, wie schnell ich wieder aus dem Stress herauskomme, der durch meinen Umzug in den letzten Wochen und vorallem seit Samstag mich immer wieder an den Rand der Kraftlosigkeit bringt.

    Wenn ich mich dann still hinsetze in innere Zurückgezogenheit, verfliegt sofort der mentale Stress, der Körper braucht natürlich "mehr".

    Aber wichtig ist mir wirklich meine nervliche Fähigkeit, alles auszuhalten, z.B. die IT-Probleme, die auftreten ... plötzlich kein Online-Banking usw.

    Und ich freue mich sehr, dass ich die obigen Betrachtungen schon so gut integriert habe, dass sie sofort wirken.

    Danke Mukti auch für die Erinnerung.

    _()_ Monika

  • Igor07
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    • 14. März 2024 um 11:49
    • #3

    Meine enorme, herzliche Dankbarkeit, mukti. Das erinnert mir sehr interessanten Gedanken im Buch" Buddhistisches Denken" von E.Conze. Was mich zuerst sehr irritiert hatte. So frei sinngemäß, nur der, wer den absoluten Ekel empfindet, also den Widerwillen gegen das normale (als ob), das gewöhnliche Leben, welche wir alle führen, denn man ("") kann nicht in allem drei, eigentlich vier (hinter der Oberfläche der Schönheit den Verfall und Zerfall, also wieder den Ekel ohne Ende zu sehen), der kann, also wäre nicht imstande den buddhistischen Weg richtig zu verstehen, verschweige ihn zu gehen. Die absolute "Abwendung" wäre dann der einzige Weg. So kann man verstehen, warum der junge und kerngesunde Prinz Siddhartha die Familie, das Reich, den Palast verlassen hatte, um das Tod- lose zu suchen.

    Abschließend bemerkt, das passt nicht total an die moderne Gesellschaft, die nur das Genießen will (die Befriedigung ist die Wurzel des dukkha, MN 1), es koste, was es wolle. Was nur dukkha verstärkt und das Samsara-Rad dreht noch schneller. So sehe ich. LG.

  • Qualia
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    • 14. März 2024 um 12:29
    • #4

    Abwendung, Hass überwinden durch bewusste Zuwendung.

    Zuwendung, Gier überwinden durch bewusste Abwendung.

    Das befreit von Richtig oder Falsch, also vom Leiden.

    Warum? Die eigenen Meinungen werden durchschaut.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

    2 Mal editiert, zuletzt von Qualia (14. März 2024 um 12:51)

  • Monikamarie
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    • 14. März 2024 um 12:53
    • #5

    Lieber Igor, ich verstehe obigen Text in erster Linie "zu erkennen, zu sehen, in sich hineinlauschen". Das Abwenden geschieht von alleine, da muss ich keine Bewertungen finden wie "schrecklich oder eklig".

    Und das ist eben das total Entspannende, wenn ich alles vorurteilsfrei anschaue und den IST-Zustand akzeptiere, mich hingebe an das, was ist, dann kommt mein Geist zur Ruhe und unnötige Sorgen und Ängste lösen sich auf.

    Das ist gerade meine wichtigste Erfahrung.

    _()_

  • Igor07
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    • 14. März 2024 um 13:42
    • #6
    Monikadie4.:

    Lieber Igor, ich verstehe obigen Text in erster Linie "zu erkennen, zu sehen, in sich hineinlauschen". Das Abwenden geschieht von alleine, da muss ich keine Bewertungen finden wie "schrecklich oder eklig".

    Liebe @Monikadie4. , ich nehme die Welt so wahr, es passiert keine Bewertung, und genau deswegen ich folge dem buddhistischen Weg. So ist mein Weg, der andere kann es anders sehen. Kein Problem.

    So Nyanatiloka:

    Zitat

    "Dadurch dass etwas Körperliches als Objekt da ist, entsteht das Bewußtsein, und dieses löst sich wieder auf. Über jenes Objekt nachdenkend, betrachtet der Übungsbeflissene die Auflösung jenes Bewusstseins. Wie aber betrachtet er es?

    1. Als vergänglich betrachtet er es, nicht als etwas Beständiges.
    2. Als elend betrachtet er es, nicht als Glück.
    3. Als unpersönlich betrachtet er es, nicht als etwas Persönliches.
    4. Er wendet sich davon ab, findet keine Lust mehr daran.
    5. Er löst sich davon los, giert nicht mehr danach.
    6. Er bringt es zum Erlöschen, läßt es nicht mehr entstehen.
    7. Er läßt es fahren, hält nicht mehr daran fest.

    https://www.palikanon.com/visuddhi/vis21.html

    Alles Gute! :taube: :taube: :taube:

  • mukti
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    • 15. März 2024 um 10:56
    • #7
    Igor07:

    Das erinnert mir sehr interessanten Gedanken im Buch" Buddhistisches Denken" von E.Conze. Was mich zuerst sehr irritiert hatte. So frei sinngemäß, nur der, wer den absoluten Ekel empfindet, also den Widerwillen gegen das normale (als ob), das gewöhnliche Leben, welche wir alle führen, denn man ("") kann nicht in allem drei, eigentlich vier (hinter der Oberfläche der Schönheit den Verfall und Zerfall, also wieder den Ekel ohne Ende zu sehen), der kann, also wäre nicht imstande den buddhistischen Weg richtig zu verstehen, verschweige ihn zu gehen. Die absolute "Abwendung" wäre dann der einzige Weg.

    Gustav Meyrink hat es in einem Roman so ausgedrückt:


    [lz]

    Und ich sehe Frau Welt vor mir mit arglistigem Lächeln und mit dem gestohlenen Antlitz der Heiligen, – sehe sie von rückwärts aufgerissen und vom Nacken bis zu den Fesseln ihrer Füße nackt und als ein wimmelndes Grab von Nattern, Kröten, Lurchen und eklem Ungeziefer. Und während von vorn Wohlgeruch und alle Lieblichkeit und Hoheit der Göttin sich in Gestalt und Zügen abspiegeln, dringt Fäulnisgeruch aus ihrer mir abgekehrten Seite und das unauslöschlich der Seele mit unnennbarem Grauen sich einprägende Geheimnis der hoffnungslosen Verwesung.

    (Aus "Der Engel von westlichen Fenster")[/lz]

    In der von mir zitierten Lehrrede S.22.39 ist das Paliwort für Abwendung

    "nibbidā", Mylius übersetzt es mit "Verdruss, Ekel, Ernüchterung". Nach dem Wörterbuch von Nyanatiloka ist "Nibbidānupassanā" (Betrachtung der Abwendung) eine Übung zur Entwicklung des Hellblicks (vipassanā).

    Die beiden Daseinsmerkmale Leid und Vergänglichkeit werden in den Lehrreden oft mit dem dritten Daseinsmerkmal in Verbindung gebracht, Nicht-Selbst: von dem was vergänglich ist, kann man nicht zurecht sagen 'das bin ich, das gehört mir, das ist mein Selbst'. Man kann nicht bestimmen 'so will ich sein, so soll es bleiben'. Nach einem idealen Dasein zu streben bedeutet demnach einer Chimäre hinterherzulaufen. Aber sogar wenn das einigermaßen klar ist, läuft man trotzdem im Samsara umher, wenn man nicht häufig genug die Betrachtung der Khandha nach den drei Daseinsmerkmalen übt.

    Man lebt halt nicht in so günstigen Umständen wie damals, wo man den Buddha um eine persönliche Unterweisung bitten und dann in Abgeschiedenheit danach praktizieren konnte. Da mag es besser sein langsamer und vorsichtiger vorzugehen um durch solch intensive Betrachtungen keinen ungesunden Lebensüberdruss zu entwickeln, bzw. einen Hass auf das Leben. Das wäre dann wohl nur die andere Seite des Begehrens - ein Widerwille weil es nicht so ist wie man es gerne hätte. Das ist ja sogar damals mit einigen Mönchen geschehen, die sich dann umgebracht haben. Die rechte Einsicht bleibt dagegen nicht am Ekel hängen sondern ist mit dem befreienden Glück der Loslösung verbunden welches das Begehren versiegen lässt, weil es größer ist als alle Sinnesfreuden.

    Mit Metta, mukti.


  • Igor07
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    • 15. März 2024 um 16:02
    • #8
    mukti:

    Die rechte Einsicht bleibt dagegen nicht am Ekel hängen sondern ist mit dem befreienden Glück der Loslösung verbunden welches das Begehren versiegen lässt, weil es größer ist als alle Sinnesfreuden.

    Das ist mir klar, lieber mukti. So lese ich in einem Buch:

    Zitat

    Ersehnt, erwünscht, faszinierend, interessant, mit Wünschen verbunden und erregend – da steht nichts von angenehm und Wohl. Die fünf Stränge des Wünschens (kāmagūna) werden auch die Objekte des Sinnesvergnügens genannt. Ver-gnügen ist der ver-gebliche Versuch, Genügen zu ver-schaffe n. Das Glück des Wünschens (kāmasukha) kommt über den unweisen Einsatz der fünf äußeren Sinne zustande.

    Also, mit den eigenen Wörtern ,wenn man es erkennt , dass alles mögliche Ver-gnügen nur nicht mehr als der vergebliche Versuch darstellt, "Genügen" zu verschaffen, dann man wendet sich ab von den Chimären, und wie es der Autor M139 übersetz, von " pissiges Glück, ein Glück gewöhnlicher Menschen, ein unedles Glück.". ("Gegen den Strich", Metikko Bhikkhu, S. 274).

    So , anders ausgedrückt, man transzendiert das Begehren(als die Wurzel des dukkha), weil, wie du es absolut treffend zu Sprache gebracht hatte, , dieses Glück der Loslösung ist, mit den / allen möglichen Sinnenfreuden/ nicht zu tun hat, aber übersteigt die und transmutiert auf die höchste Ebene. Das wäre dann der klare Blick, und genau deswegen man redet über die "Abwendung". So hatte ich besonders gut bei Analayo verstanden. Nicht absolut gehört mir, und es gibt keinen "Ich", alles fließt, so es bleibt keine andere Lösung, also zuerst die Abwendung, und dann, das Leben, wie es ist hinter sich zu lassen. Innerlich, aber rein sozial, wir alle tragen die Verantwortung. Man braucht doch keinen "pissigen" Gewöhnlichen Glück von den Sinnesfreuden. Entspricht total MN 1, so wie ich es sehe. LG. _()_

  • mukti
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    • 16. März 2024 um 11:13
    • #9
    Igor07:

    ... dieses Glück der Loslösung ist, mit den / allen möglichen Sinnenfreuden/ nicht zu tun hat, aber übersteigt die und transmutiert auf die höchste Ebene. Das wäre dann der klare Blick, und genau deswegen man redet über die "Abwendung". So hatte ich besonders gut bei Analayo verstanden.

    So verstehe ich es auch aber es geht mir oft wie dem Haushälter Tapussa:

    Zitat

    Uns Hausleuten, die wir die Sinnendinge genießen, an den Sinnendingen Freude, Gefallen und Entzücken finden, uns dünkt die Entsagung gleichsam ein Abgrund.

    A.IX.41

    Auch dem Buddha ist es so gegangen:


    [lz]

    Auch ich, Ānanda, hatte vor meiner vollen Erleuchtung, als ich noch nicht völlig erleuchtet, noch ein Anwärter auf die Erleuchtung war, den Gedanken: 'Etwas Gutes ist die Entsagung! Etwas Gutes ist die Abgeschiedenheit!' Doch mein Herz, Ānanda, fühlte keinen Drang zur Entsagung, neigte nicht dazu, festigte sich nicht darin und fand darin keine Befreiung.[/lz]

    Er hat sich gefragt warum er keine Neigung zur Entsagung fühlte, obwohl er doch erkannt hat, dass sie etwas Gutes ist.


    [lz]

    Und der Gedanke kam mir: 'Nicht habe ich das Übel der Sinnendinge erkannt und oft erwogen, habe den Segen der Entsagung noch nicht empfunden und erwirkt. Darum eben fühlt mein Herz keinen Drang zur Entsagung, neigt nicht dazu, festigt sich nicht darin und findet darin keine Befreiung.[/lz]

    Also hat er sich darin geübt das Übel der Sinnendinge zu erkennen und oft zu erwägen:


    [lz]

    Und in der Folgezeit, Ānanda, erkannte und erwog ich oft das Übel der Sinnendinge, und ich empfand und erwirkte den Segen der Entsagung, so daß mein Herz einen Drang fühlte zur Entsagung, dazu neigte, sich darin festigte und darin Befreiung fand, in der Erkenntnis: 'Das ist der Friede!'[/lz]

    Demnach geschieht die Abwendung von den Sinnesfreuden wenn das Übel darin klar erkannt ist und diese Erkenntnis geschieht durch oft wiederholte, tiefgründige Erwägung und Betrachtung.

    Wie gut doch der Buddha alles erklärt hat!

    Mit Metta, mukti.


  • Qualia
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    • 16. März 2024 um 11:50
    • #10

    Jeder Mensch hat seine Sucht, Süchte, denen er sich bewusst ist oder nicht, sie alle zu kennen ist die Aufgabe, damit sie nicht so schnell zum Tod führen.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • Igor07
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    • 16. März 2024 um 14:19
    • #11
    mukti:

    Demnach geschieht die Abwendung von den Sinnesfreuden wenn das Übel darin klar erkannt ist und diese Erkenntnis geschieht durch oft wiederholte, tiefgründige Erwägung und Betrachtung.

    Wie gut doch der Buddha alles erklärt hat!

    Ja, klar, mukti , was mir hier einfällt, ohne sehr tiefe und transformierende Kraft der Entrückungen , die so enorme innere (innige) Seligkeit bescheren, dass es alle mögliche Sinnenfreude einfach übersteigt , (und transzendiert auch) die Erlösung wäre nicht möglich. Also, anders ausgedrückt, der Buddha war der Mystiker, kein existenzieller Philosoph. Diese ganze Erklärung kommt zustande als das Ergebnis der inneren Erkenntnis. So sehe ich. Schöne Zusammenfassung von dir. Tolle Leistung! :like: LG. _()_

  • Anna Panna-Sati
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    • 17. März 2024 um 01:15
    • #12
    Igor07:
    mukti:

    Demnach geschieht die Abwendung von den Sinnesfreuden wenn das Übel darin klar erkannt ist und diese Erkenntnis geschieht durch oft wiederholte, tiefgründige Erwägung und Betrachtung.

    Wie gut doch der Buddha alles erklärt hat!

    Ja, klar, mukti , was mir hier einfällt, ohne sehr tiefe und transformierende Kraft der Entrückungen , die so enorme innere (innige) Seligkeit bescheren, dass es alle mögliche Sinnenfreude einfach übersteigt , (und transzendiert auch) die Erlösung wäre nicht möglich. Also, anders ausgedrückt, der Buddha war der Mystiker, kein existenzieller Philosoph. Diese ganze Erklärung kommt zustande als das Ergebnis der inneren Erkenntnis. So sehe ich. Schöne Zusammenfassung von dir. Tolle Leistung! :like: LG. _()_

    Verstehe ich dich richtig, lieber mukti , dass du meintest, durch häufig geübtes Kontemplieren (so würde ich "tiefgründige Erwägung und Betrachtung" bezeichnen) reife/entstünde die Erkenntnis, welche die Abwendung von den Sinnesfreuden bewirkt?

    An dich, lieber Igor07 hätte ich die Frage, was du mit "Entrückung" meinst? Vielleicht die meditativen Vertiefungszustände?

    Ich würde jetzt auch mal - ganz theoretisch - davon ausgehen, dass die Sinnesfreuden, an denen man schon sein ganzes Leben hindurch intensiv anhaftet(e), u.a., weil sie gute Gefühle erzeugen und - temporär - glücklich machen, nur losgelassen werden können, wenn man die Erfahrung machen konnte, dass eine noch tiefere (und "unabhängige" !) Glückseligkeit möglich ist.

    In S.12.61 lehrt der Buddha:

    "....2. "Ein un-unterrichteter gewöhnlicher [166] Mensch, ihr Bhikkhus, mag wohl gegen diesen Körper, der aus den vier groben Elementen [167] gebildet ist, Widerwillen fassen, mag gegen ihn gleichgültig werden, mag von ihm sich loslösen [168].

    3. Warum das? Man sieht, ihr Bhikkhus, an diesem Körper, der aus den vier groben Elementen gebildet ist,

    • Mehrung (ācaya) und
    • Minderung (apacaya),
    • Annahme (ādāna) und
    • Ablegung (nihkhepana).

    Darum mag wohl ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch gegen ihn Widerwillen fassen, mag gegen ihn gleichgültig werden, mag von ihm sich loslösen.

    4. Was aber da, ihr Bhikkhus, DENKEN heißt, und GEIST und BEWUSSTSEIN, dagegen ist ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch nicht imstande Widerwillen zu fassen, nicht imstande dagegen gleichgültig zu werden, nicht imstande davon sich loszulösen."

    5. Warum das? Lange Zeit hindurch, ihr Bhikkhus, ist das ja von dem ununterrichteten gewöhnlichen Menschen angestrebt, begehrt, verlangt: das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst. Darum ist ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch nicht imstande dagegen Widerwillen zu fassen, nicht imstande dagegen gleichgültig zu werden, nicht imstande davon sich loszulösen.

    6. Es ist besser, ihr Bhikkhus, wenn ein ununterrichteter gewöhnlicher Mensch diesen Körper, der aus den vier groben Elementen gebildet ist, als sein Selbst annimmt [170], nicht aber das Denken.

    7. Warum das? Man sieht, ihr Bhikkhus, wie dieser Körper, der aus den vier groben Elementen gebildet ist, ein Jahr besteht, wie er zwei Jahre besteht, wie er drei Jahre besteht, wie er vier Jahre besteht, wie er fünf Jahre besteht, wie er zehn Jahre besteht, wie er zwanzig Jahre besteht, wie er dreißig Jahre besteht, wie er vierzig Jahre besteht, wie er fünfzig Jahre besteht, wie er ein Jahrhundert besteht, wie er noch länger besteht. Was aber da, ihr Bhikkhus, Denken heißt und Geist und Bewußtsein da entsteht bei Nacht und bei Tag eines und ein anderes wird aufgehoben[171].

    8. Gerade so, ihr Bhikkhus, wie ein Affe, der in der Wildnis, im Walde sich ergeht, einen Zweig ergreift, und wenn er ihn losgelassen, ergreift er einen anderen (Zweig). Ebenso (ist es mit dem) was da, ihr Bhikkhus, Denken heißt und Geist und Bewußtsein: da entsteht bei Nacht und bei Tag eines und ein anderes wird aufgehoben.

    9. Ein unterrichteter frommer Jünger, ihr Bhikkhus, erwägt da gut und reiflich das Gesetz von der ursächlichen Entstehung: wenn jenes ist, tritt dieses ein; aus der Entstehung von jenem folgt die Entstehung von diesem; wenn jenes nicht ist, tritt dieses nicht ein; aus der Aufhebung von jenem folgt die Aufhebung von diesem. ........"

    Samyutta Nikaya 12.61-70


    Letztlich muss also Paticcasamuppada völlig durchschaut worden sein, um sich tatsächlich vollständig von den Khandha abwenden und loslösen zu können.

    Wobei dem Widerwillen jeweils immer die Gleichgültigkeit folgt, also quasi noch eine "Zwischenstation" vor dem endgültigen Loslassen....:

    "...Und wenn er Widerwillen faßt, wird er gleichgültig, und infolge der Gleichgültigkeit löst er sich los. Wenn er sich losgelöst hat, entsteht in ihm die Erkenntnis: ich habe mich losgelöst [173]. Er erkennt: vernichtet ist die Geburt; gelebt der heilige Wandel; vollbracht ist was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein."


    Liebe Grüße, Anna :) _()_ :heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • mukti
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    • 17. März 2024 um 17:55
    • #13
    Anna Panna-Sati:

    Verstehe ich dich richtig, lieber mukti , dass du meintest, durch häufig geübtes Kontemplieren (so würde ich "tiefgründige Erwägung und Betrachtung" bezeichnen) reife/entstünde die Erkenntnis, welche die Abwendung von den Sinnesfreuden bewirkt?

    Ja, die Kontemplation wird aber nicht Abwendung bewirken wenn Weisheit, Sittlichkeit und Sammlung nicht entsprechend entwickelt sind.

    Mit Metta, mukti.


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    • 17. März 2024 um 18:33
    • #14

    [lz]

    3. "Für einen der Lehre getreu [82] lebenden Mönch, ihr Mönche, ist dies der Lehre gemäß, daß er häufig die Abwendung vollzieht [83] von der Körperlichkeit, dem Gefühl, der Wahrnehmung, den Gestaltungen und vom Bewußtsein; daß er bei der Körperlichkeit, beim Gefühl, der Wahrnehmung, bei den Gestaltungen und beim Bewußtsein die Vergänglichkeit betrachtet - das Leiden betrachtet - die Ichlosigkeit betrachtet.

    4. Wenn er häufig die Abwendung vollzieht bei der Körperlichkeit, beim Gefühl, bei der Wahrnehmung, bei den Gestaltungen und beim Bewußtsein; und wenn er deren Vergänglichkeit, Leidhaftigkeit und Ichlosigkeit betrachtet, dann durchschaut er die Körperlichkeit, durchschaut er das Gefühl, durchschaut er die Wahrnehmung, durchschaut er die Gestaltungen, durchschaut er das Bewußtsein[/lz]

    Wenn ich mir diese Stelle ( sn22.39 ) in einer anderen Übersetzung anschaue.

    Find Dhamma gift:

    yaṁ rūpe nibbidābahulo vihareyya, vedanāya nibbidābahulo vihareyya, saññāya nibbidābahulo vihareyya, saṅkhāresu nibbidābahulo vihareyya, viññāṇe nibbidābahulo vihareyya.  


    They should live full of disillusionment for form, feeling, perception, choices, and consciousness.


    Yo rūpe nibbidābahulo viharanto, vedanāya … saññāya … saṅkhāresu nibbidābahulo viharanto, viññāṇe nibbidābahulo viharanto rūpaṁ parijānāti, vedanaṁ … saññaṁ … saṅkhāre … viññāṇaṁ parijānāti,  


    Living in this way, they completely understand form, feeling, perception, choices, and consciousness.

    Das Wort, das oben mit Abwendung übersetzt wird, ist also "Nibbida"

    wird hier von Bhikku Sujato als "disillusionment" übersetzt. Manche, wie Ajahn Chah verwenden den Begriff disentchantment.

    Dr. Ari Ubeysekara:

    “Nibbidā” in the Pali language, which is said to have been the spoken language in that part of India where the Buddha lived and taught, literally means “without finding”.

    It has several English translations such as aversion, disenchantment, disgust, disillusion, revulsion, distaste and weariness. It means one comes to a self-understanding of the immense suffering involved in the endless conditioned existence in the cycle of repeated birth and death (samsāra) and skillfully turns one’s mind towards the transcendent un-conditioned state of Nibbāna, which is complete cessation of suffering with no further rebirth. An understanding of the true nature of impermanence in all conditioned things including ourselves and all our experiences helps one to develop a sense of disenchantment.

    In the Buddhist literature, there is a story about a dog who finds a bone which has been exposed to the elements for such a long time that it has no flesh or marrow left in it. When the dog first sees the bones it gets excited and starts chewing the bone hoping that there is some meat in the bone. Initially, when the bone is wet with the dog’s own saliva, it makes the dog think that the bone is a juicy bone, but soon it realises that it cannot get anything from the bone by continuing to chew. So the dog feels disenchanted with the bone and throws it out in disgust. In the same way, when one realises that one cannot get lasting happiness through transient and impermanent phenomena in life, one becomes disenchanted and looks for an alternate skillful way.

    Ich find's das Bild mit dem Hund und dem "frustrierenden Knochen" sehr einprägsam

    Gemeint ist also ein "sich enttäuscht/desillusioniert abwenden" und kein "mit Widerwillen abwenden".

  • Monikamarie
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    • 17. März 2024 um 18:48
    • #15

    Mein Empfinden von "Abwenden" ist nicht enttäuscht, sondern befreit

    das brauch ich nicht (mehr), das brauch ich nicht, das brauch ich nicht ... usw.

    Ich war vor 50 Jahren von einem Mann sexuell abhängig, ich wünschte mir 1977, davon befreit zu werden. Das hat durch ein traumatisches Erlebnis "geklappt". Von da ab war ich von dieser Last befreit - keineswegs enttäuscht.

    Der Beginn einer neuen Reise mit vielen anderen Verirrungen, aber kein Opfer meiner Triebe dieses Ausmaßes mehr, denn ich fand meinen Weg - voller Vertrauen.

    _()_ _()_ _()_

  • Igor07
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    • 17. März 2024 um 19:35
    • #16

    Ich hatte KI gefragt, ich markiere, was ich selbst als wichtig sehe:

    Zitat

    "Nibbida" ist ein Begriff aus dem Buddhismus, speziell innerhalb der theravadischen Tradition. Nibbida (oder Nibbidaa auf Pali) bezieht sich im Allgemeinen auf Entzauberung, Leidenschaftslosigkeit oder spirituelle Ermüdung. Es ist ein Geisteszustand, in dem man sich von den weltlichen Angelegenheiten und Begehren entzaubert fühlt, was dazu führt, dass man sich von ihnen abwendet und sich dem Pfad der spirituellen Befreiung zuwendet.

    In der buddhistischen Praxis wird Nibbida als ein wichtiger Faktor auf dem Weg zur Erleuchtung betrachtet. Es entsteht, wenn man die inhärente Unzufriedenheit (Dukkha) in weltlichen Erfahrungen und Begehren erkennt und dadurch eine leidenschaftslose Haltung gegenüber ihnen entwickelt. Diese Leidenschaftslosigkeit ist kein Zustand der Abneigung oder Negativität, sondern vielmehr eine Anerkennung der vergänglichen und unbefriedigenden Natur weltlicher Phänomene, die letztendlich zu einem tieferen spirituellen Einblick und zur Befreiung (Nibbana oder Nirvana) führt.

    Man kann es als das Durchschauen betrachten, um den Illusionen (Maya, Täuschung) nicht mehr auf den Leim zu gehen. In einem anderen Buch habe ich gelesen, dass wenn man wahrnimmt (nicht spekuliert oder darüber nachsinnt, sorry), dass alle Dinge vergänglich sind, und genau deswegen, dass es betont wurde, sie alle leid-haft sind. Unsere Art der Wahrnehmung möchte dies nicht wahrhaben, da es sehr schmerzhaft ist, alle Illusionen hinter sich zu lassen. So geht es in diese Richtung. So man wendet sich ab, wer sollte so wunde (nackte) Haut (Allegorie) haben? Fehlanzeige. Man braucht, anders ausgedrückt, nur die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind, es entsteht keine "Bewertung", dann der Prozess der Abwendung kommt wie von selbst zustande.

    Abschließend fällt mir MN75 ein, wo der normale Mensch wie eine Lepra-Kranke dargestellt ist. Und je mehr es juckt, desto mehr kratzt er sich. (-nackte, wunde Haut). Das verstärkt das Leiden immens, aber so ticken wir alle doch, scheint mir. (außer Arahaten, usw.).


    So auch Mettiko Bhikkhu übersetzt MN 118 mit dem Wort " Ent-reiz-ung". Wenn die Dinge für uns den gewöhnlichen Reiz verlieren, so wie entblößt werden, so bleibt nicht anderes zurück, als die Abwendung. _()_

    Einmal editiert, zuletzt von Igor07 (17. März 2024 um 20:14)

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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