Thai-Buddhismus: Rituale, Zeremonien, Bräuche

There are 18 replies in this Thread. The last Post () by Thomas23.

  • Wasser-Opfer:


    Ein Ritual welches im thailändischen Buddhismus verbreitet ist und auch in den Thai-Wats in Deutschland praktiziert werden kann ist das Gießen von Wasser aus einer Art Flasche in eine Schale.


    Zunächst bringt man den Mönchen bei einem Gang zum Wat eine Spende mit die man dort in einer der vorhandenen Räumlichkeiten einem auf erhöhter Ebene sitzenden Mönch in Sitzhaltung darbringt. Vor der Spendengabe verbeugt man sich zuerst 3x vor dem Buddha und dann 3x vor dem Mönch. Der Mönch wirft anschließend eine Art Tuch vor sich aus auf dem man die einzelnen Gaben ablegt. Er zieht diese Gaben dann mit dem Tuch zu sich.

    Nun begibt man sich an den Platz im Raum wo speziell hierfür hergestellte Gefäße mit Wasser bereit stehen, nimmt ein solches Gefäß an sich und begibt sich erneut in Sitzhaltung vor den Mönch. Jetzt öffnet man die Flasche mit Wasser und gießt dieses in eine Schale. Während des Gießens kann man sich verschiedene Dinge wünschen wie zB Gesundheit für die Eltern oder Erfolg bei einer bevorstehenden Prüfung etc.. Der Mönch segnet einen während des Gießens mit einem Gebet.

    Anschließend nimmt man die Schale mit Wasser und gießt das Wasser in eine vorhandene Pflanze im Wat. Auch hierbei wünscht man wie bereits beim ersten Gießen Glück, Gesundheit etc..


    Bilder: photo_29160905_gießen-sie-wasser-behälter-für-trankopfer-werkzeug-an-thailand.html

  • Bestattungzeremonie in Surin:


    Eine Bestattungszeremonie in Surin (sehr von den Khmer geprägte Provinz im Isan/Nordost-Thailand an der Grenze zu Kambodscha) läuft wie folgt ab:


    Der Leichnam wird am Heim der verstorbenen Person aufgebahrt, wo bis zu dessen Verbrennung ganztägige Zeremonien im Kreis der Familie, Freunde, Nachbarn, Bekannten durchgeführt werden. Der best-geeignete Tag der Verbrennung wird von einer zu dessen Bestimmung befähigten Person ausgewählt. Es handelt sich vermutlich um einen der allwöchentlich im thailändischen Kalender festgeschriebenen sog. "Buddha-Tage". (Hat die verstorbene Person Suizid begangen wird der Leichnam ohne Wartezeit direkt am ersten Tag verbrannt!)

    Jeden Tag kommen morgens und abends Mönche des vor Ort befindlichen Wats zur Zeremonie und beten auf eigens dafür eingerichtetem erhöhten Podest für die verstorbene Person. Die Gäste bringen Reis, Kerzen, Räucherstäbchen und Geld als Gabe mit. Es wird gegessen und getrunken. Alkoholkonsum ist nicht erlaubt.


    Am Tag der Verbrennung kommen die Gäste in weißer oder schwarzer oder auch schwarz/weisser (auch beliebige andere Kleidung ist ok, man ist da nicht so streng!) Bekleidung zur Zeremonie. Die Mönche kommen um ein Morgengebet zu halten und anschließend begleiten Mönche und Gäste den Leichnam der verstorbenen Person zum Wat in das Krematorium. Der vorderste der Reihe von Mönchen trägt eine Spindel mit einem Faden, welcher von den folgenden Mönchen in den Händen gehalten wird und welcher am Sarg befestigt ist, der sich hinter der Reihe von Mönchen befindet. Auch das Tragen von Kokosnüssen mit darin befindlichen Bambusstäben woran ein Geldschein ähnlich einer Fahne gebunden ist, von Blumen, Schalen mit Gaben etc. durch begleitende Gäste ist üblich. Es werden auch Geldscheine von der Familie in die Menge der Begleitpersonen geworfen, die aufgesammelt werden. Der Leichnam wird nun verbrannt. Einige Trauergäste warten bis zur vollzogenen Verbrennung vor Ort und andere begeben sich zurück zum Heim um die Zermonie dort fortzuführen.


    Im Anschluss an die Verbrennung werden die Knochen des Leichnams von hierfür zuständigen Bediensteten des Krematoriums mit Wasser gereinigt und vor den Familienmitgliedern aufgebahrt. Jedes Familienmitglied nimmt nun ein Stück Knochen an sich und legt dieses in ein Blatt (Bananen- oder Lotosblatt). Die Knochen werden nun zurück ins Heim gebracht wo die Zeremonie mit dem Abendgebet durch die Mönche fortgeführt wird. Die Knochen werden mit Kokosnusswasser gereinigt und in ein Gefäß (eine Art Urne) gegeben. Dieses Gefäß mit den Knochen wird einen Tag nach der Verbrennung im Rahmen eines letzten zeremoniellen Tages erneut zum Wat getragen und dort in eine für die verstorbene Person bereit gestellte Stupa gegeben, welche am üblichen Bestattungsort des Wats aufgestellt ist.

  • Gerne.

    Die Tradition mit der Spindel finde ich interessant. Die Spindel ist auch ein in Deutschland bekanntes heidnisches Symbol für die Holle/Holda (Erdgöttin), die große Spinnerin der Lebensfäden der Menschen von der Geburt bis zum Tod.

  • Ich kenne die thailändische Bedeutung der Spindel leider nicht, aber die Bedeutung als eine Art "Lebensfaden" erscheint mir ziemlich deutlich aus diesem Brauch hervorzugehen. Auch während thailändischer Hochzeitszeremonien findet eine Spindel symbolische Anwendung.


    Mit den Nornen hast Du Recht. Durch die in deutschen Märchen und Sagen oft in Zusammenhang mit Spindel und Spinnrad dargestellte "Frau Holle" erscheint es mir so das auch diese Gestalt gleich der Nornen als Schicksalsspinnerin verstanden werden kann. Aber beweisen lässt sich das nicht.

    Gut das Du da nochmal drauf hingewiesen hast. Ich hatte mich in diesem Punkt zugegebenermaßen von persönlicher Interpretation und Deutungsfreude hinreißen lassen.

  • Gut das Du da nochmal drauf hingewiesen hast. Ich hatte mich in diesem Punkt zugegebenermaßen von persönlicher Interpretation und Deutungsfreude hinreißen lassen.

    Ich hab mich auch gefreut, du. Ich denke es gibt schlimmeres als Freude zu teilen.

  • Moin Thomas23 , sind das eigene Erfahrungsberichte von dir?


    Der vorderste der Reihe von Mönchen trägt eine Spindel mit einem Faden, welcher von den folgenden Mönchen in den Händen gehalten wird und welcher am Sarg befestigt ist, der sich hinter der Reihe von Mönchen befindet.


    Ich bin mir auch unsicher, hierzu habe ich dennoch zwei Ideen. Zuerst eine Beschreibung aus Birma:


    Zitat

    And, finally, villagers must perform the ceremony of seeing if the leikpya (butterfly soul) has indeed left the body. This is done by putting a mirror before the mouth of the deceased and calling out to the leikpya. Then, with a bit of white string, the invisible leikpya is drawn onto a branch of a tree. In this way it will be carried carefully to the cemetery and set free when it sees that it needs a new material embodiment. It is this butterfly soul essence that goes on from existence to existence, and for the villager it is a material thing, the vehicle of metempsychosis, the carrier of continuous kan. It is the butterfly soul that can be misdirected or lost in transit between existences, to fall in the highly undesirable category of lost and wandering souls.


    The ceremony of the leikpya soul is carried out just before the body leaves the compound and sometime after the monks have arrived. The death watchers know what a butterfly soul looks like. It is a small, circular luminosity and can be seen glowing at night if it should escape It is called butterfly because it makes a noise like the fluttering of an excited, trapped butterfly's wings. It may, during the course of the death watch, come out and circle the house three times and then return to the body. It is in a state of uncertainty and worry about reincarnation.


    This view of the soul, of the trouble of transit, of the weighing up of the next form of existence, expresses the villagers' chief concern at a funeral. It is not sorrow for a life ended, a consciousness cut off, but rather a desire to guide the nucleus of kan to its proper destination, to help a soul over the blank spots between existences, to insure speedy transfer, and to keep the chain of being intact, without anomalies like wandering souls or lost spirits that may trouble the village and even bring it calamity. (Nash, Manning (1965): The Golden Road to Modernity. Village Life in Contemporary Burma, S. 154), deutsche Google-Übersetzung


    Ähnliches gibt es auch in Thailand mit ihrem "Seelen-Konzept" von winjan und khwan, siehe Tambiah, Stanley Jeyaraja (1970): Buddhism and the Spirit Cults in North-East Thailand, u.a. S. 57-59.


    Es könnte vielleicht auch ein sai sincana (ein heiliger Faden) sein. Allerdings weiß ich nicht, ob der in Thailand auch bei Beerdigungen verwendet wird. Dieser sai sincana spielt u.a. eine Rolle bei der Übertragung von "heiliger Kraft" von einer Quelle, wie zum Beispiel Buddhastatue, auf belebte und unbelebte Objekte (Swearer, Donald K. (2004): Becoming the Buddha. the Ritual of Image Consecration in Thailand, S. 80).

    Heutzutage suchen viele Menschen die Zweige, lehnen aber die Wurzel ab, vergessen das Wahre und fallen in das Falsche, sie haben den Buddhadharma geschädigt - Yunan Kewen


    Pamokkhas Aufsatzsammlung

  • In The Emotional Lives of Buddhist Monks in Modern Thai Film (Journal of Religion & Film 14:2, 2010) schreibt Justin McDaniel: "When they [i.e., monks] are called to perform a wedding or a funeral, they sit still in rows (of nine or four respectively), often holding sacred string (sai sincana) and chanting with eyes closed in unison" (S. 2). Demnach wird der sai sincana auch bei Beerdigungen in Thailand verwendet.


    Salguero schreibt in Honoring the Teachers, Constructing the Lineage:


    Zitat

    Sai sin is a common feature in Thai rituals, but its use is taken especially seriously among healers in Chiang Mai. It has multiple functions that are directly relevant to controlling spirits and energies: it can be used to delineate a protected space, as an implement for binding beneficial influences

    to the patient’s body, as a vehicle for trapping and removing evil influences, or as a conduit to direct or channel the powers generated through rituals ( palang). (Salguero, C. Pierce (2017): Honoring the Teachers, Constructing the Lineage: A Wai Khru Ritual among Healers in Chiang Mai, Thailand, S. 295-318. In: Hans Pols, Michele Thompson, and John Harley Warner (eds.), Shaping Practitioners and Fashioning Health Citizenship: Medicine and Health in Southeast Asia, Singapore: National University of Singapore Press., 2017)

    Heutzutage suchen viele Menschen die Zweige, lehnen aber die Wurzel ab, vergessen das Wahre und fallen in das Falsche, sie haben den Buddhadharma geschädigt - Yunan Kewen


    Pamokkhas Aufsatzsammlung

  • Hallo Old Man Pamokkha,


    Zitat

    Moin Thomas23 , sind das eigene Erfahrungsberichte von dir?

    Das Wasseropfer habe ich selbst praktiziert. Die Bestattung habe ich beobachtet.


    Leider habe ich momentan keine Zeit zu schreiben, aber vielen Dank für die hochinteressanten Infos!

    "sai sincana".. es gibt also durchaus noch andere Bedeutungen als wie ich annahm als "Lebensfaden".

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    Der Faden wird vielfältig eingesetzt.

    Zum Beispiel zum teilen der Verdienste und / oder zum stärken der sangha. Am Ende einer Zeremonie wird die Schnur in kleine Stücke geschnitten und jeder bekommt eine Schnur um das Handgelenk gebunden, während die Mönche einen Segen geben.

    Die Toten werden aufgebahrt und in einer Zeremonie schüttet man ein wenig Wasser über ihre Hände.

    Danach kommen sie in den Ofen.

    Bevor das Feuer entzündet wird, wirft man noch eine Blume rein.

    Während das Feuer entfacht wird, chanten die Mönche.

    Wird ein Mönch oder Yogi eingeäschert, sucht man in der Asche nach Reliquien, die dann aufgeilt wird.

  • Hatte ich ganz vergessen:

    Vielen Dank für die guten Infos Martin1980!


    Wie heisst denn diese Zeremonie mit dem Netz aus Fäden auf dem 2. Bild? Kennst Du Dich da aus?

    Ich habe im Internet etwas gesucht und gefunden das es die Verbundenheit aller miteinander symbolisieren soll.


    Hier auch Infos zu Sai Sin Ritualen auf englisch: Monk Blessed String Bracelets in Thailand (Sai Sin Thread)

  • Hallo Old Man Pamokkha,


    Zitat

    Moin Thomas23 , sind das eigene Erfahrungsberichte von dir?

    Das Wasseropfer habe ich selbst praktiziert. Die Bestattung habe ich beobachtet...


    Wenn du vor Ort bist und Lust und Zeit hast, poste doch ab und zu ein Foto. Würde mich interessieren.

    Heutzutage suchen viele Menschen die Zweige, lehnen aber die Wurzel ab, vergessen das Wahre und fallen in das Falsche, sie haben den Buddhadharma geschädigt - Yunan Kewen


    Pamokkhas Aufsatzsammlung

  • Wunschzettel verbrennen:


    Ein weiteres Ritual welches ich kennen lernen durfte und von welchem ich bislang nichts im Internet finden konnte.

    Der Ablauf ist weitgehend wie beim Wasser-Opfer in Post#1, also Spenden geben, Verbeugen, Mönch auf erhöhtem Podest...

    Hierbei schreibt man seinen Namen und persönliche Wünsche auf ein Papier, welches man dem Mönch aushändigt.

    Dies können Glückwünsche für die Eltern, Freunde..etc oder persönliche Wünsche sein.

    Der Mönch betet nun und liest anschließend den aufnotierten Namen und Text vor. Dann entzündet er das Papier und wirft es in eine Schale o.ä. wo es verbrennt. Dabei rezitiert er erneut Gebetstexte.

    Soweit ich informiert bin wird dieses Ritual eher seltener praktiziert als zB das o.a. Wasser-Opfer.



    Quote from Old Man Pamokkha

    Wenn du vor Ort bist und Lust und Zeit hast, poste doch ab und zu ein Foto. Würde mich interessieren.

    Ich bin leider nicht vor Ort.

  • Ritual des Weges vom Laien zur Mönchsordination:


    Erfahrungsbericht hier: Vom jungen Mann zum jungen Mönch


    Zitat

    Beim Ordenseintritt wird nicht wie in christlichen Orden das Leben Gott geweiht und ein lebenslanges Gelübde abgelegt, sondern die Gelübde werden für die Zeit des Ordensaufenthalts abgelegt und nicht als Buße sondern als Übungsweg verstanden. Der Orden kann auch jederzeit verlassen werden und man kann ihm auch wieder beitreten. In Thailand gehört eine Ordination auf Zeit für jeden jungen Mann zum guten Ton.


    Diese Ordination wird in Thailand als großes Fest mit traditioneller Musik und Tanz und mit der ganzen Familie gefeiert.


    Hier wird der Weg der Ordination auch geschildert:

    Mönch werden - Die Ordination

    Zitat

    Für die Ordination muss eine bestimmte Zeremonie abgehalten werden, die vorher eingeübt wird und wie folgt abläuft:

    Der junge Mann bereitet eine Schale vor, auf der Räucherstäbchen, Wachskerzen und Blumen liegen. Diese übergibt er seinen Eltern oder älteren Verwandten. Dabei kniet er sich vor ihnen hin und verbeugt sich in der Haltung der Verehrung mit gefalteten Händen vor ihnen. Dadurch erweist er ihnen Respekt und unterrichtet sie von seiner Bereitschaft, in die Ordination zu gehen. Anschliessend erfolgt ein zeremonieller Abschiedsgruss mit folgendem Inhalt: "Ich bitte darum, das alle Taten, die ich in Gedanken, Handlungen oder Worten gegen sie gewendet habe, gnädig zu vergeben". Nachfolgend verabschieden sich die Eltern oder Ältere und der junge Mann verbeugt sich nochmals mit gefalteten Händen bis zum Boden.


    Zitat

    Einen Tag vor dem Eintritt ins Kloster findet grosse Aufregung statt. Nachbarn und Verwandte bringen Geschenke und Spenden, meistens Geld, vorbei, um zu unterstützen und Verdienste zu erwerben. Die Vorbereitungen dauern meistens bis spät in die Nacht. In den ländlichen Dorfgemeinschaften ist die Hilfe untereinander immer noch vorbildlich, auch wenn zwischenzeitlich Unstimmigkeiten vorkamen.

    Der angehende Mönch war vorher für einige Zeit als Laie ins Kloster eingetreten, um zu lernen, wie er in Pali Fragen beantworten muss, die ihm die älteren Mönche bei der Ordination stellen werden. Zur Zeremonie gehört auch das Schneiden der Haare, der Augenbrauen und des Bartes. Danach wird er ganz in Weiss eingekleidet, das Symbol der Reinheit.


    Zitat


    Am Nachmittag vor dem Tag der Ordination schreitet der Kandidat, meistens mit anderen Kandidaten, entweder in einer Prozession durch die Ortschaft oder in der Wohngegend. Gegen Abend erfolgt nicht nur das gemeinsame Essen, sondern auch die Tham Khwan-Zeremonie. Khwan, der persönliche Geist, soll dadurch gestärkt werden, damit der Kandidat die Zeit im Kloster durchhält. In Verbindung mit der Ordination heisst diese Ritual Tham Khwan Nag. Nag, in Sanskrit und in Pali Naga, ist die Bezeichnung für eine mythische Schlange. Ein Kandidat für den Mönchsorden wird ebenfalls Nag genannt.


    Zitat

    Mit Absprache des Wats kann dann die Uhrzeit der Ordination festgelegt werden. Der Kandidat begibt sich zu einer Prozession vor seine Haus zum Wat. Er muss auf dem Weg zum Wat in seinen gefalteten Händen eine Kerze, Räucherstäbchen und eine Lotosblume tragen. Dies symbolisiert eine Verehrungsgeste. Mitgeführt werden die acht Requisiten eines Mönches: die Almosenschale, den herkömmliche Rock, das Übergewand, das Schultertuch, den Gürtel, das Rasiermesser, die Nadel und den Wasserfilter. Ausserdem bringt man Roben und andere Gaben für den zukünftigen religiösen Lehrer des Kandidaten und den Mönchen.


    Zitat

    Im Bereich des Bot, der Gebetshalle, angekommen, umschreitet die ganze Prozession dreimal im Uhrzeigersinn den Bot. Der Kandidat, der bereits vor dem Eintreten in den Bot-Bereich abgestiegen ist, geht zu einem der Grenzsteine vor dem Bot, erweist diesem seine Verehrung und spricht eine Pali-Formel. Dieser Grenzstein symbolisiert den Wohnort eines Schutzgeistes, der besänftigt werden muss. Danach erhebt er sich und geht in das Bot. Beim Betreten des Ordinationsraumes im Bot wird der Kandidat vor seinen Eltern oder seinem Förderer an der Hand geführt. Freunde und Verwandte folgen ihnen. Während sie hintereinander schreiten, sind sie alle mit einem lockeren Baumwollfaden in der Hand verbunden. Dieser Faden symbolisiert praktisch eine Art Verdienstleistung, damit jeder den gleichen Anteil an Verdienst erhält. Schwangere Frauen dürfen übrigens nicht an dieser Zeremonie teilnehmen, weil nach dem Glauben dadurch eine schwere Geburt möglich wäre.


    Zitat

    In der Ordinationshalle werden danach alle Geschenke abgelegt und man setzt sich. Der Kandidat zündet zunächst zur Verehrung Buddhas eine Kerze an und verbeugt sich. Dabei steht das Podest mit der Buddhastatue vor ihm, darunter sitzt die Versammlung der Älteren. Die Kerze hat auch eine Symbolik. Sobald die brennende Kerze an ihrem vorgesehenen Platz gesteckt wird, wird sie als Vorzeichen für das Mönchsleben gedeutet. Steht sie aufrecht, wird er der Religion lange dienen. Neigt sich die Kerze ein wenig, was meistens der Fall ist, wird er nicht sehr lange im Orden verbleiben. Je stärker sie sich neigt, desto kürzer wird sein Aufenthalt im Kloster sein.



    Zitat


    Jetzt erfolgt die Übergabe der gelben Mönchsgewänder. Der Kandidat muss sich vor den älteren Mönchen nieder hocken und das Gewand mit beiden Händen hochhalten. Nun muss er mit lauter Stimme in Pali den Ältestenrat um seine Ordination als Novize bitten. Wird die Zustimmung erteilt, geht er hinaus, um sich umzuziehen. Dabei wird ihm geholfen. Danach kommt er zurück, um sein Gelübde abzulegen, was wieder von einem älteren Mönch entgegengenommen werden muss. Danach muss er die Mönchsversammlung bitten, im Orden aufgenommen zu werden. Er überreicht dazu dem Obermönch die Almosenschale, der sie ihm dann mit einer Schlinge über die Schulter hängt.


    Zitat

    Zwei ältere Mönche nehmen sich dann seiner an und er wird in die Nähe des Rates geführt. Dort muss er vorgeschriebene Fragen in Pali mit Ja oder Nein beantworten. Diese Prozedur wurde vor der Ordination als Laie geübt. Sollte doch mal eine Frage falsch beantwortet werden, wird die Frage einfach wiederholt, damit der Kandidat die Frage richtig beantwortet. Da es für die jungen Menschen oft schwer ist, alles auswendig zu lernen, ist der Rat in dieser Beziehung geduldig. Danach wenden sich die beiden fragenden Mönche vom Kandidaten ab und teilen dem Rat mit, dass der Kandidat bereit sei. Erst jetzt erfolgt die Verkündung des Rates, dass der Kandidat in den Orden aufgenommen wird. Somit wird er zum richtigen Mönch. Die Zeit seiner Ordination wird genauestens notiert, da oftmals mehrere Mönche gleichzeitig ordiniert werden. Nun beginnt der neue Mönch, die Geschenke an die älteren Mönche zu verteilen, und er selbst empfängt ebenfalls Geschenke von Freunden und Verwandten. Schon am nächste Tag beginnt das Leben als Mönch.

  • Interessant finde ich auch die Erklärung für die Bezeichnung "Nag":


    Zitat

    Warum die Bezeichnung Nag? Eine Sage zufolge verwandelte sich zu Zeiten Buddhas eine Naga in einen Menschen, um zum Mönch ordiniert zu werden. Eines Tages verwandelte sich der Naga-Mönch im tiefen Schlaf zurück in eine Naga. Die Mönchsgemeinde sah dies und erschrak. Die Angelegenheit wurde sofort den Buddha vorgetragen und der Naga-Mönch wurde aus dem Orden ausgeschlossen, da nur Menschen als Mönch ordiniert werden durften. Die Naga erbat sich nun vom Buddha die Gnade, dass einem Kandidaten für den Mönchsorden ihr Name, Naga, als angenommener Name verliehen werde zur Erinnerung der Tatsache, dass sie einmal Mönch war. Der Buddha stimmte zu, und deshalb ragen alle Mönchskandidaten den Namen Naga oder Nag. Diese Sage trägt Spuren eines uralten Schlangenkultes.

    (Quelle: Thaipage - Mönch werden - die Ordination)