Beiträge von void

    zum Beispiel , das Abendmahl in der Kirche. Das anbeten irgendwelcher Götter im Buddhismus. Das drehen dieser Räder in buddhistischen Klöstern. Gut vielleicht schieße ich da über das Ziel hinaus, aber es ist doch wichtig sich auf die wirklichen Inhalte zu konzentrieren. Die Sprache von Ritualen treffen oft nicht den Kern.Frag mal jemand In der Kirche der ein Abenmahl mit macht .Der kann dir ev sagen das der Wein den er zu trinken bekommt das Blut Jesus darstellt aber die tiefe Bedeutung bleibt so verborgen.

    Soweit ich es versteh, besteht die tiefere Bedeutung im Christentum darin, dass der Mensch denkt, er würde aus sich selbst und unabhängig von Gott bestehen. Während die tiefere Wirklichkeit die ist - dass der Mensch in jedem einzelnen Moment aus Gott und seiner Liebe heraus lebt. In einem Psalm heisst es: "Du bist der Weinstock - wir sind die Reben" - der Mensch ist sich dieser tiefen und innigen Beziehung nur nicht bewusst und glaubt an eine Existenz unabhängig von Gott.


    Natürlich kann man jetzt wie im Evangelium von der Beziehung zwischen Mensch und Gott reden und die Geschichte dieser Bezihung aufrollen. Das Sakrament (im katholischen sinne) ist aber etwas, in dem von dieser "intensive Beziehung" nicht gesprochen wird, sondern versucht wird, sie drastisch vor Augen zu bringen - sie zu verköpern. Die Beziehung zwischen "Rebe und Weinstock" zeigt, dass das eine ein Teil des anderen ist, der diesen hervorbringt. Aber was ist, wenn selbst so drastische Vergleiche nicht helfen, die unmittelbare Nähe Gottes zu erfahren? Wenn man nach noch drastischeren Vergleichen für die extreme Nähe sucht, kann man (wenn man vor dem Sexuellen zurückschreckt) vom Rebstock zum Menschen übergehen: Gott ist uns so ähnlich wie unsere eigenes Blut - er ist uns so ähnlich wie jemand den wir verspeisen. Er ist ganz Teil von uns, wir sind ganz Teil von ihm. Indem man sich ganz auf diese Vorstellung einlässt, kann man von da aus zu einer Erfahrung der realen intensiven Beziehung zwischen Gott und Mensch gelangen. Dies verlangt aber ganz viel Demut und die Bereitschaft sich ganz in diese Beziehung fallenzulassen. So ist der Plan.


    Bist du denn jemals in eine Kirche gegangen und wolltest dort Gott finden und eine intensive Beziehung mit ihm führen? Aber wenn du das nicht willst, warum gehst du dann an einen Ort der einzig diesem Zweck dient und tust die Mittel, die diesem Zweck dienen sollen ab?

    Religiöse Inhalte lassen sich ja einerseits über Sprache transportieren, andererseits aber auch über die Einbeziehung anderer Sinneskanäle und des Köpers insgesamt. Einerseits kann das eine ganz große Wirkung erzielen, andererseits kann es einem auch wie "billige Jahrmarkttricks" oder sogar Manipulation erscheinen.


    Shakyamuni Buddha war dem Rituellen eher abgeneigt. Soweit ich weiss, sprach er sich gegen Musik, Schauspiel und jede Art der Unterhaltung aus und ihm war schon eine "musikalische" Rezitation von Sutten zu sinnlich. Andererseits war es so, dass Buddha während seines Lebens bei vielen Menschen schon allen durch seine Präszenz etwas bewirkte. Von daher begann man nach seinem Tod nicht nur seine Worte aufzuschreiben, sondern gerade die Laien suchten auch Spuren seine Präsenz. Man begann die Orte seines Wirkens zu besuchen und Stupas mit

    den Reliquien Buddhas und wichtiger buddhistischer Lehrer zu errichten. Um sich Buddha nicht nur theoretisch sondern eben auch auf anderem Weg zu vergegenwärtigen.


    Es gibt ja verschiedene Menschen: Die eher vekopften, die einen Zugang über Worte finden - und eher lyrische Gemüter, bei denen eine geklungene Atmosphäre ganz viel ausrichten kann. Es gibt ja Christen, für die die christlichen Rituale ihrer Kindheit eine ganz tiefe Verwurzelung im katholischen Glauben geschaffen haben, die rein über Worte nicht zu erreichen gewesen wäre. Nur weil man selber auf diesem Frequenzband nicht empfänglich ist, kann man es ja anderen zugestehen. Und gerade im katholischen Christentum sind die Sakramente kein Beiwerk zur Schrift, sondern selber zentrales Glaubenselement.

    OT: Warum schreiben manche eigentlich "der" Sangha, andere "die" Sangha?

    Was wäre korrekt?

    Wenn man ein Fremdwort im Deutschen verwendet, dann kann man sich einerseits daran orientieren, welches Geschlecht das Wort in der Orginalsprache hat (hier männlich) oder aber welches Geschlecht das entsprechende deutsche Wort (die Versammlung, die Gemeinschaft) hat.

    PS:...😲Bevor Ihr in den ‚Krieg’ zieht....Kann mir mal kurz jemand die Sutra mitteilen in der ein übergeordneter (Sangha) Verband genannt wurde?..Finde die grad nicht so schnell...

    Es ist so, dass Buddha ingesamt die Einheit und die Eintracht des Ordens wichtig war. Die Situation von heute- dass die Gemeinschaft der Buddhisten in lauter kleine Einheiten aufgespaltet ist, würde er - milde ausgedrückt - nicht billigen:


    Wie aber stellt man Eintracht im Orden her? Ist da nicht der erste Schritt so etwas wie die buddhitische Ordengemeinschaft - wo die Ordinierten der verschiedenen Linien zusammenkommen. Und ist nicht auch Verständigung und Zusmmenarbeit zwischen den Laien ein wichtiges Ziel zu dem ein Dachverband einen sinnvollen Beitrag leisten kann?


    Wobei ja die genannten Ziele nicht wiederpruchsfrei sind: Ist man lieber "an Eintracht froh" auch wenn man das Gefühl hat, der andere ist ganz und garnicht "der Lehre treu"? Oder riskiert man Zwist, um der treheit an der Lehre willen? Das sind keine einfachen Entscheidungen.

    Aber geht es denn da, wirklich drum, ein Paradoxon zu verhindern, um nicht in eine Iterationeschleifen zu geraten?


    In der westlchen Philopshiegeht es ja häufig um Wahtheit - d.h. darum möglichst allegemeingültige Aussagen über die Wirklichkeit zu finden. Solche Aussagen sind natürlich immer sehr abstrakt und dadurch wird natürlich etwas wegabstrahiert. In einer Koan-Situation geht es nahezu um das Gegenteil geht, nämlich darum, in einen direkten, unvermittelten Kontakt zur Wirklichkeit zu kommen und dann aus diesem direkten Kontakt heraus heraus zu sprechen - also nicht "partikular" zu werden und sich an Einseitigkeiten und Abstraktionen zu hängen sondern in direktem Kontakt mit dem zu treten, auf was sich die Begriffe beziehen.


    Weil Long-ya da noch nicht angelangt ist, kommen Cui-wei und Lin-ji mit sehr konkretem Zeug wie Stützbrett, Sitzkissen und Schläge an. Aber es hilft nichts. Die Iteration - also das Drängende an der Situation - ergibt sich daraus, dass Cui-wei , Lin-ji Long-ya von der Ebene der Begriff auf das hinführen wollen, worauf sich die Begriffe beziehen. Es sind keine Philosophen sondern eher so ein Schlägertrupp von Philophoben, die einen daran hindern, die Wirklichkeit zu Wahrheiten zu reduzieren.


    Im Daosimus gibt es ja die Sage von Hundun:

    Der Herrscher Hun Dun bekam regelmäßig Besuch von den Herren des Südmeeres, Shu, und des Nordmeeres, Hu. Da er diesen immer große Gastfreundschaft gewährte, beschlossen diese beiden eines Tages, ihm seine Güte zu vergelten. Lange überlegten sie, was sie ihm Gutes tun konnten, und hatten endlich folgende Lösung:

    Alle Menschen verfügen über sieben Körperöffnungen - zum Sehen, Hören, Essen und Atmen. Doch der große Hun Dun verfügt über keine einzige Öffnung, deshalb wollen wir ihm welche zufügen.
    Sie traten vor Hun Duns Thron und schlugen ihm dies vor, Hun Dun nahm den Vorschlag begeistert an. So bohrten sie ihm Tag für Tag eine Öffnung in den Körper. Am siebten Tag aber, als sie die siebte Körperöffnung zu Ende gebohrt hatten, verstarb Hun Dun.

    Die Herren des Südmeeres und des Nordmeeres denken, sie tun dem amorphen Gesellen Hundun etwas Gutes, indem sie den Kontakt zu Wirklichkeit von etwas Amorphen, Unvermittelten zu etwas Definiertem und Vermittelten machen - zu klaren Input- Ouput-Kanälen sortiert nach Inhalt - aber genau dadurch töten sie ihn.


    Insofern es auch in der Koanpraxis um den unmedierten, unmittelbaren Kontakt geht,wird da Hundun beschützt: Long-ya muss dran gehindert werden in der Tradition der beiden Meeresherren einen Zugang zu legen, der das Indrekte durch das Direkte und das Amorphe durch das Konkrete ersetzt. Und nur insofern, seine Versuche nicht zugelassen werde, ergibt sich das iterative Kreisen.

    Lieber Rupert Reiger,


    ich verstehe nicht ganz, auf was du hinauswillst. Ich verstehe es so, dass du eine Zusammenhang zwischen dem in der Logik (Lügner-Paradoxon und Russel) und in Koans untersuchst. Dir fällt auf, dass da das Pardoxon auf ähnliche Weise konstruiert wird, nämlich indem sowohl Bejahung als auch Verneingung ausgeschlossen werden.


    Gerade wegen dieser ähnlichen Struktur, nimmst du wohl an, dass Pardaoxa in Koans eine ähnliche Funktion haben, wie Prdoxa in der Logik. Hier klingt es so, als würde in Koans auf ein logisches Problem Bezug genommen und dabei eine Lösung gefunden (Schranke) die aber nicht an eine klare Lösung wie die von Kurt Gödel heranreicht:

    Kurt Gödel hat nun in seinem Unvollständigkeits-Theorem (gutes dazu findet man) bewiesen, dass ein widerspruchsfreies, vollständiges formales System aus Axiomen abgeleitet prinzipiell nicht möglich ist! Das gilt prinzipiell, unabhängig davon ob man nun so ein Beispiel, wie das Beispiel von Russel oder die aus den Koan, kennt oder nicht. Es kann also prinzipiell beides nicht bewiesen werden: Dass so ein System widerspruchsfrei ist (unabhängig davon ob man dazu Beispiele wie oben kennt oder nicht, dann kann man sie suchen) und dass so ein System vollständig ist (unabhängig davon ob man dazu Beispiele kennt oder nicht, dann kann man sie suchen). Natürlich haben die alten Chinesen Gödels Beweis nicht gekannt. Aber sie haben zumindest das Paradoxe der Beispiele klar gesehen und sie haben es gelöst durch: Schranke!

    Wobei es ja nicht so ist , dass es bei Koans um Axiomsysteme, Vollständigkeit oder Logik geht. Natürlich gibt es eine strukturelle Ähnlichkeit insofern, als auch im Koan das Paradoxe verwendet wird, um ein System durch inneren Widerspruch auszuhebeln.


    Bei logischen Pardoxa geht es um logische Axiomsysteme geht, die da "ad absurdum" geführt werden. Gödel zertrümmerte das Hilbertprogramm  - die Hoffnung der formalen Logik auf eine ebenso vollständiges wie widerspruchsfreies Axiomensystem. Gödel zeigt die Logik des formalen Folgerns und Beweisen auf und damit dann natürlich auch bei Turing die Grenzen der Berechenbarkeit.


    Darum geht es bei Koans nicht. Koans sind eine religiöse Praxis, bei der es auch darum geht, die Grenzen aufzuzeigen. Aber s geht um die Überwindung unserer ganzen alltäglichen Denkungsart in Ich und Mein, Subjekt und Objekt. Das ist ja eine sehr andere Funktion, die nur durch eine Methode - nämlich die alles hin auf einen inneren Widepruch zu kulmulieren - eine strukturelle Ähnlichkeit erhält. Eine der grossen Unterschiede ist, dass dabei die Person selbst ( der Schüler) im Mittelpunkt steht, und er auf inneren Widerpruch gestossen wird, den er darstellt. Das geht schon sehr viel weiter als die Ebene logischer Beweisbarkeit.

    Für mich ist die Welt ein kreativer Prozess, bei dem sich ganz viel ergibt. So wie sich auch am Computer aufbauend auf einfachen Strukturen viel ergeben kann. Aber auch wenn es sich ergibt ist es dann insofern "wirklich" als es reale Wirkungen zeigt. So sind die Blätter die vom Baum fallen Ergebnis tausenfacher Verkettung, aus dem Spiel von Wind und Atmosphäre und Sternen und Evolution geboren. Wenn die alten Inder die Welt als ein "kosmisches Spiel" sahen, dann enthält das ja viel Wahrheit.


    Während der Begriff "Simulation" noch darüber hinausgeht und nach Fälschung klingt - nach so tun als ob - als wäre da jemand der bewusst täuscht und die Fäden zieht. Das klingt dann sehr Science Fiction und Verschwörungstheorie.

    Aber zurück zum Thema. Herr nydhal braucht die Dbu nicht. Umgekehrt sieht die Sache schon anders aus. Warum setzen die sich nicht an einen Tisch und regeln die ganze Sache?

    Die Sache zieht sich seit 1999 hin, wir haben also nächstes Jahr "20 Jahre Ole Nydahl DBU Misere":


    1. Ole Nydahl distanziert sich nicht von seinen Aussagen. Eben weil er das aus tiefsten Herzen fühlt, und er das als berechtigte Sorge sieht.

    2. Der Diamantweg distanziert sich nicht von Ole Nydahl, weil er diesen als Lehrter und Gründer hoch verhert und auch organisatorisch und finanziell eng an ihn gekoppelt ist.

    3. Die DBU wird sich nicht von ihren Werten distanzieren.


    Das sich das so lange hingezogen hat, liegt wohl daran, dass die DBU lange versuchte, den Buddhismus als offizielle Konfession druchzusetzten, wofür eine große Anzahl von Mitgliedern wichtiger ist als die Distanzierung von Gemeinschaften wie dem Diamantweg.

    Wenn das wirklich die Worte von Nydhal sind, dann kann man ihn getrost als radikal bezeichnen.

    Aber wir dürfen natürlich nicht übersehen das der Islam und unsere Demokratie nicht harmonisieren.

    Der Koran gehört überarbeitet, was aber für die islamische Gemeinschaft nicht akzeptabel ist.

    Ich kann dafür aber keine Lösung anbieten.

    Danke für ihre Antwort!

    Es gibt einen Quiz, wo man raten soll, welche Aussagen aus den Koran sind und welche aus dem alten Testament. Es ist kaum womglich, da auch im alten Testament sehr viel Blutrünstiges und Menschenverachtendes steht, bei denen einem die Haare zu Berge steht. Die ist aber deswegen weniger relevant, weil man solche Aussagen als aus einer bestimtmen Zeit bezogen ansieht und von daher nicht wörtlich nimmt. Es war ja auch im islam so, dass sich rund um den Koran herum viele Schulen der Auslegung und Interpretation gebildet haben. Man also bei den Aussagen sehr den Kontext ein Stück weit mitberücksichtigt hat( ntürlich weit nicht so wie bei einer modernen " historisch kritische Exegese" wünschenswert) Aber es waren dann die Fundamentalisten, die dazu übergingen das abszuschütteln, und Zitate aus dem Zusammenhang zu reissen, und auf neue Situationen anzuwenden. Man muss "nichts überarbeiten" sondern einfach von jedem einzelnen die freundlichste Auslegung verwenden. Für viele Moselms bedeutet "Dschihad" nicht Kampf gegen Ungläubige sondern so etwas wie rechte Anstrengung im Glauben. Viele Islamkritiker ähndeln auf verblüffende Art den Islamisten, indem sie nämlich auch Zitate aus dem Zusamnehang reissen, und auf die böswilligste und kämpferischste Art interpretieren. Sie wollen zeigen, dass die kriegrische Interpretation die "richtigere" ist. Was historisch schon richtig sein könnte, aber nicht so arg konstruktiv.

    Überbevölkerung ist ein sehr ideologischer Begriff, weil viele Leute wenn sie an "zu viele Menschen" denken, primär an die anderen denken.


    Bitte melde dich an, um diesen Anhang zu sehen.


    Quelle Wikimedia Commons


    Von den Leute im dunkelroten Europa fühlt sich keiner zu viel, es ist die Flut von draussen die man fürchtet. Die Leute reden in einem Atemzug davon sich bedrängt und überfremdet zu fühlen und kündigen an, wenn alles zu viel wird, in die schönen grünen Gebiete mit viel Natur auswandern zu wollen: Nach Kanada oder Neuseeland. Weg von Enge, Druck und Beton.

    Mir hat in der Bibel das Gleichnis vom barmherzigen Samariter gefallen. Ich lege das so aus, dass es darauf ankommt, konkret gut zu handeln. handelt Von denen die nicht helfen ist es dann egal, dass der eine Priester und der andere Levit ist. So lange ihr Denken nicht zum richtigen Handeln führt ist es egal, was sie für einen Status und was für ein Bekenntnis haben. Ob sie jetzt an Buddha oder Jahve oder sonstwas glauben. Das hilft alles nichts.


    Und umgekehrt ist es dann bei jemanden der richtig handelt vielleicht egal, ob er zusätzlich an eine flache Erde, Baumnymphen oder Leuchtwesen glaubt.

    Die Situation entspricht ja so der ungeschminkten menschliche Grundsituation, die der Buddhismus zeichnet: Man ist mit

    Vergänglichkeit von allem konfrontiert, und steht in seinem ganzen Wollen und Sehnen reichlich hilflos da. Ich wünsch dir ganz viel Kraft und ganz viel Geduld und ganz viel Frieden, bei dieser grossen Aufgabe.

    Ja. Genauso, wie man klar definieren sollte, was "säkular" und "religiös" bedeutet, bevor man diese Begriffe für eine Fundamentalkritik verwendet. Das sind auch sehr glitischige Begriffe, insbesondere, wenn man sie zugleich auf westliche und östliche Denksysteme anwendet.

    Ja. der Begriff "religiös" ist sehr schwammig, weil Religion so viele Funktionen haben kann. Aber eine Funktion von Religion sticht heraus, nämlich die ganz archische Funktion von Religion, der Bewahrung und Legitimation der Gesellschaftsstruktur zu dienen. Eine Funktion, die nicht der Motivation Buddhas entsprach, aber immer wieder ein Motiv von Herrschenden und Mächtigen sein konnte, den Buddhismus zu fördern.


    Gerade bei den sprichwörtlichen "Stammesreligionen" war es ja, so dass die religiöse Ordnung die Ordnung des Kollektivs ist. Und schon das bringt ja einen gewissen "Tranzendenzbegriff" mit sich, weil die kollketive Ordnung ja dem Zugriff des einzelnen Mitglied enthoben sein sollte und da niemand ein 11. und 12 Gebot nach Gusto auf die Steintafel kritzeln sollte. Dies wird erreicht, indem die kollektive Ordnung mit dem - die alltägliche Erfahrungswelt übersteiegenden Übernatürlichen und Göttlichen assoziiert wird - mit Blitz und Donner, Heiligenschein und Wundern. Auch bei den alten Staaten war es ja so, dass die Götter und das Göttliche eng mit der Machtordnung verbunden war. Und diese Funktion von Religion als Repräsentant der Macht, die alles am Laufen hält, zieht ja bestimmte Formen nach sich: Götter - die als Herrscher Angehörigen der jeweiligen Oberschicht ähndeln, Rituale und Gepräge um Macht und Erhabenheit zu transportieren, die Ordnung zu erhalten und die Menschen in sie einzufügen. Die meisten Religionskritiker dachte eigentlich NUR an diese Funktion von Religion und die anderen waren ihnen eher egal.


    An den Stellen, wo der Buddhismus der Macht nahe war, geriet er immer in die Gefahr durch die Erfüllung dieser Funktion deformiert zu werden und die Tranzendenz der Macht zu verköpern. Während er dann, wenn sich an den Rändern der Machtodnung aufhielt, eher seinen eigentlichen Aufgaben nachgehen konnte. Oft war es auch so ein Arrangement: Die Mönche führten bestimmte Rituale für das Wohl des Staates aus, damit sie die Ressourcen hatten, Menschen den Weg zur Befreiung zu weisen.


    Dabei tritt die scheinbar paradoxe Situation auf, das nämlich dort, wo der Buddhismus seiner eigentlichen Aufgabe nachgeht, und er andere Aufgaben von sich weist, er vielleicht nicht so besodners "religiös" wirkt. Beispielsweise wenn Bodhidharma mit seinem "offenen Weite nichts von heilig" den chinesischen Kaiser verwirrt. Er aber dort, wo er weltliche Aufgaben übernimmt und den Bedürfnissen von Menschen und Staaten nachkommt und rituell auftrumpft, er eher dem gängigen Bild von Religion entspricht.


    Ich glaube auch, das viele nicht verstehen, dass der Begriff "Säkularisierung" hauptsächlich die Trennung von religiösen und weltlichen Aufgaben bedeutet. Was natürlich bedeutet das Religion religöser wird d.h. sich seinen ursprünglichen Aufgaben widmet.

    Schon ein Blick in Google (Schlagworte 'Buddhismus' und 'Transzendenz' bzw. 'Buddhism' und 'transcendence') zeigt, dass es so einfach jetzt auch wieder nicht ist: Von Autoren und Praktizierenden aller Schulen wird der Begriff 'Transzendenz' immer wieder bemüht und auf Aspekte der Lehre angewandt.

    Im westlichen Tranzendenzbegriff kommen viele verschiedene Arten des Übersteigens vor:

    • die Materie hin auf das Geistige
    • das Weltliche hin auf das Göttliche
    • das Natürliche hin auf das Übernatürliche
    • das Zeitgebundene hin auf das Ewige
    • der beschränkte menschliche Willen auf den Willen Gottes
    • (zurückgehend auf Plato) das Konkrete hin auf die abstrakte Welt der Ideen
    • das Subjektive hin auf das Objektive.

    Und Kant gibt es ja auch noch! Viele dieser Überschreitungen werden als zusammenhängend - als Varianten der gleichen Übersteigens - gedacht.


    Im buddhistischen Kontext wird zunächste einfach nur Samsara hin auf Nirvana überstiegen. Was mit den allermeisten der im westlichen Tranzendenzbegriff enthaltenden Differenzen überhaupt nicht zusammenpasst. Wobei es da schon auch Annäherungen gibt. Also z.B kann man ja einen Adibuddha wirklich als einen "abstrakteren Buddha" sehen. Aber die Ähnlichkeiten erlauben es nicht, den buddhitischen Transzendenzbegriff als eine Variante des westlichen Tranzendenzbegriffs anzusprechen.


    In den Interviews von Binder mit dem Humanistischen Pressedienst habe ich sehr das Gefühl, dass beide da eine gemeinsame Basis n einem unreflektierten ewestlchen Begriff von Tranzendenz haben, den sie auf den Buddhismus anwenden.


    Die Wurzel aller Dinge - (Mūlapariyāya Sutta)


    Ein Arhat ist jemand, der das Ziel des buddhistischen Pfades unwiderruflich erreicht hat. Das mit dem 1, 2 und 3 sind nur Unterüberschriften um den Text zu gliedern. Es wird nicht in verschiedene Arhatstufen wie Dan Grade beim Karate unterschieden. Und man wird nicht vom Arhat zum Weltling. Wenn du willst kann ich das in den Bereich Suttenbesprechnung kopieren und wir sprechen dort genauer darüber.

    und ich seit ca. 25 Jahren und kam noch nie auf solche abwertenden Gedanken :?

    In dem Bereich ist es ja sehr wichtig, die Leute mit viel Respekt zu behandeln und ihre Würde zu achten. Und ich verneigen mich vor dir wenn du das tust.


    Wobei es dabei einerseits um den konkreten Mensch geht und dass es ihm gut geht. Aber gleichzeitig hat das aber auch was fiktives, nämlich indem man da auch den Mensch ehrt, der nicht mehr da ist, sondern nur noch in der Erinnerung. Auch mit einem Toten geht man ja vor allem respektvoll um, weil man den Mensch der war ehrt. Auch wenn die Leiche selbst eben nur ein Haufen verwesender Organe ist.


    Und so ist es wenn man über einen Demenzen sagt, dass er nur mehr "vegetiert" ( also auf das Niveau von Pflanzen wie Bäumen und Gemüse herabgestiegen ist) gleichzeitig wahr, aber eben entwürdigend und schrecklich. So die es auch schrecklich ist, dass jemand tot ist und vergammelt, gerade wenn man ihn geliebt hat.


    Gerade wenn die Wirklichkeit entwürdigend und hässlich ist, tendiert ein respektvolle Blick dazu zu beschönigen und zu verhüllen.


    Für mich ist Demenz die Horrorvorstellung, dass mein Geist verwest bevor es mein Körper tut und der Begriff "Gemüse" ist schlichtweg Ausdruck dieses Horrors.

    Voidilein, dumm wie Gemüse? Ernsthaft deine Ausdrucksweise?

    Ich finde Demenz schrecklich, und da ist es tatsächlich so dass man teilweise nur mehr dahinvegetiert, d.h teilnahmslos und passiv vor sich hinlebt. Das Wort kommt tatsächlich von "Vegetation".


    Ich denke das ich mir innerhalb der Vegetation ehrwürdigere und respektvollere Bilder wählen könnte. Also vielleicht einen uralten, ehrwürdigen bemoosten Baum. Weil das respektvoller und ehrwürdiger ist als "Gemüse".Aber meine Angst geht dahin, dass man man eben auch viel von der Würde verliert. Du musst dir da ganz viel Angst dazu denken. Vor dem Verlust meiner geistigen Fähigkeiten habe ich mehr Angst als vor Schmerz und Tod an sich.

    Nicht nur in einem wachen, rationalem Zustand sind Gier und Hass abwesend sondern auch im Halbschlaf oder Demenz.


    Man kann auch ein dementer Arhat sein: Man kann dumm wie Gemüse sein und trotzdem friedvollen Gemüts.

    Dann ist so eine Demenzstation wohl ein Ort voller Heiliger :?

    In kleinster Weise. Je weniger Kontrolle man besitzt, desto mehr ist man den Umständen ausgeliefert und voller Angst. Wenn man sich selbst und seine nächsten Angehörigen nicht mehr vertrauen kann, fördert dies Paranoia und Wut. Unter Umständen totaler Ohnmacht friedvoll zu bleiben ist schwerer als unter normalen Umständen. Das schwinden geistiger Kontrolle fördert eher Gier und Hass als dass es zum Frieden beiträgt. Eine Demenzstation ist kein Ort des Friedens. Vor allem verhindern ja geringe geistige Kräfte, dass man Befreiung erlangt.


    Aber jemand der bereits Arhat ist, ist genauso der Vergânglichkeit unterworfen wie alle anderen. Wenn er alt wird setzten körperliche und geistige Funktionen aus. Wenn aber Arhatschaft da verschwinden würde, wäre sie bedingt und vorläufig.

    Von Binder gibt es auch ein Buch zum Buddhismus.


    so etwas wie ein dogmatisches Zentrum, ein kleines Paket an Lehren, die die meisten buddhistische Richtungen teilen und die deshalb auch im Mittelpunkt meiner Darstellung und Kritik stehen. Das sind die Lehren von den Vier Edlen Wahrheiten, die sogenannten Drei Kennzeichen des Seins, das abhängige Entstehen, der Wiedergeburtskreislauf und die Behauptung, ihn verlassen und ins Nirvana eingehen zu können.

    Keine dieser Lehren ist meiner Ansicht nach haltbar, auch nicht die Leidenslehre, die noch viele Anhänger, welche nicht mehr an Wiedergeburt und Nirvana glauben, als zeitlose Wahrheit begreifen und im Buddhismus eine geniale Psychologie und Psychotherapie sehen.

    Es ist eine Fundamentalkritik und auch ein "säkularer Buddhismus" ist für ihn nicht möglich:


    Meiner Meinung nach kann es, wörtlich genommen, einen säkularen Buddhismus so wenig geben, wie ein säkulares Christentum oder einen säkularen Islam. Der Buddhismus war und ist eine Religion, eine Weltanschauung, die auf dem Glauben an eine transzendente Sphäre errichtet ist. Sie heißt im Buddhismus bekanntlich Nirvana. Sinn und Zweck der buddhistischen Lehre und Praxis ist es, mittels vollkommener Trieberlöschung (im Hinayana) oder Triebtranszendierung plus vollkommener Erkenntnis (im Mahayana) den Wiedergeburtskreislauf zu verlassen und ins Nirvana einzugehen. Ein säkularer Buddhismus muss diesen Kern weglassen, hat aber dann mit Buddhismus nichts mehr zu tun. Meditation und Achtsamkeit waren für Buddha kein Selbstzweck, sondern wurden um der endgültigen Erlösung willen praktiziert, und Meditation und Achtsamkeit machen keinen Buddhismus, es gibt sie auch anderswo.

    Nirvana bedeutet nur, dass da keine Gier und kein Hass sind. Auch wenn sich das in bestimmten Wissen und Erkenntnissen ausdrücken kann, ist es nicht an das Vorhandensein bestimmten Wissens oder bestimmter geistiger Fähigkeiten gebunden.


    Nicht nur in einem wachen, rationalem Zustand sind Gier und Hass abwesend sondern auch im Halbschlaf oder Demenz.


    Man kann auch ein dementer Arhat sein: Man kann dumm wie Gemüse sein und trotzdem friedvollen Gemüts.

    Lassen wir mal Entropie einen Moment weg. Waere es dann moeglich saemtliche Erkenntnisse, Erfahrungen und Fortschritte der Meditation Rueckgaengig zu machen? Also einmal Nirvana (Abwesenheit von Gier hass und Verblendung) aufzugeben und rueckgaengig zu machen? Die Gruende dafuer sind nicht weiter wichtig. Sondern nur ob so eine Moeglichkeit besteht.

    Es liegt in der Definition von Nirvana, dass es etwas vollständiges und entgültiges.


    Wenn etwas was Verlöschen erschien, wieder aufglimmt war es nicht vollständig erloschen. Wenn es vollständig erloschen ist, dann bedeutet es genau, dass da nichts ist was wieder aufglimmen könnte.

    Xa Loi:

    Guten Abend,

    als außenstehender hätte ich ne Frage zum Vajrayana:

    So wie ich das verstanden habe, ist die Vorstellung der Wiedergeburt im tibetischen Buddhismus anders als im restlichen Buddhismus. Hier wird ja in etwa das Existieren eines anfangs- und endlosen Bewusstseins gelehrt (korrigiert mich wenn ich falsch liege).

    Es ist komplizierter: Im Buddhismus wird unter Bewußtsein im Allgemeinen "viññāna" verstanden - also das menschliche Bewusstsein. Dieses ist bedingt, kann also schlecht "anfang und endlos" sein. Wie Gedanken und Gefühl ist es zutiefst vergänglich. Man kann es - wie von ThoH beschrieben - als einen Bewußtseinstrom sehen.


    Ich glaube, dass die Idee eines "anfangs- und endlosen Bewusstseins" von wo anders stammt. Nämlich aus der buddhitischen Philosophie und hier im speziellen aus der Yogacara (Vijñānavāda) Schule. Der Hintergrund ist der, dass man sich fragt, warum - wenn alles leer von inhärenter Existenz ist - überhaupt etwas ist. Warum entstehen Phänomene? Warum entstehen Gefühle? Warum enstehen Wolken und Tiere? Und von dieser philosophischen Warte aus, kamen bestimmte Richtungen zu der Idee, dass es in der Welt auch nicht viel anderes ist als im Kopf. Auch die Welt ist in gewisser Weise "wie eine Traum". So wie im Kopf Gefühle und Gedanken entstehen und vergehen, entstehen in der Welt Phänomene. Den stärksten Niederschlag fand diese Vorstellung das der Grund der Wirklichkeit dem Bewusstsein ähndelt in der Yogacara Schule:


    Zitat

    Die Welt ist nichts mehr als eine mentale Konstruktion, somit nur Traum, nicht seiend. Nichtseiend ist aber auch der Träumer (Ich), denn ist die Welt nur Traum, dann ist auch der Träumer (Ich) nur geträumt.


    Die Yogacara Schule selbst wurden von vielen als "zu extrem" abgelehnt. Trotzdem hatte sie sowohl in Tibet als auch in Japan großen Einfluß


    Wenn ich sage: "Die Welt ist flüchtig wie eine Traum, ständig entstehen bedingt von diesem Dinge und vergehen wieder wenn diese Bedingungen verschwinden", dann würden ja nahezu alle Buddhisten zustimmen. Weil beim Menschen das "Träumen" vor dem Hintergrund eines Bewusstseins stattfindet, kann man dann den Hintergrund vor dem sich die Welt ereignet mit "Leerheit" assoziieren und dem Bewusstsein parallel setzten: So wie das Bewusstsein der Raum meiner Wahrnehmung ist, ereignet sich das was sich in der Welt ereignet vor dem Hintergrund von "Leerheit". Die damit strukturell "irgendwie ähnlich wie Bewusstsein" ist. Aber wie erst soll man die Ähnlichkeit nehmen? Ist so eine Parallelsetzung nur ästhetisch und poetisch befriedigend, oder ist sie legitim? ist es nicht vielleicht so, als wenn eine Kultur den Regen wegen einer ähnlichen Struktur "Weinen des Himmels" nennt?


    Eine Gefahr der Metapher liegt darin, dass man der Welt ein menschliches Bewusstsein (viññāna) unterstellt. Und zweitens kann man dazu kommen, viññāna statt als bedingt zu sehen und es zu etwas Ewigem machen.

    Bei Thich Nhat Hanh gibt es eine Praxis der "Gathas".Er sagt, er hat das nicht erfunden, sondern dass das eine alte Praxis ist, die er als junger Thiền-Novize lernte. Die Gathas sind da so standartisierte "Anker des Innerhaltens", die man in seinen Tagesablauf einbaut z.B:

    • Aufstehen
    • Erster Schritt des tages
    • Händewaschen
    • Klo
    • Vor dem Essen
    • Nach dem Essen
    • Abwaschen
    • Putzen

    So als ertönt bei jedem dieser aölltäglichen Verrichtungen eine Glocke, die einen zur Achtsamkeit mahnt. Und zusätzlich hat er sich auch noch zeitgmäße Gathas für folgende Anlässe hinzugefügt:

    • Starten des Autos
    • Hochfahren des Computers.

    Es werden also buddhitische Anker geschickt im Alltag plaziert. Ich habe mal gehört, dass es auch im tibtischen Buddhismus Visualisisierugsthechniken eingesetzt werden, um Praxis im Alltag zu verankern. Wenn man jeden Tag S-Bahn fährt kann man sich ja an einer bestimtmen Stelle des Waggons einen Buddha vorstellen und die spezielle Praxis des "Metta für grantige Pendler" pflegen.

    "Therapie" klingt wie ein unschuldiger Begriff, weil er aus der Medizin kommt. In der Medizin ist es ja gut, wenn etwas einfach wieder funktioniert: Wenn das Bein wieder geheilt ist und die Leistungsfähigkeit wieder hergestellt ist. Wenn man buddhitische Praxis "therapeutisch" sehen will, dann gibt es da natürlich Aspekte, die eine positive Wirkung haben:

    All diese kann ja für einen Menschen nützlich, so dass er sich weniger im Weg steht und besser funktioniert. Aber in dem "Funktionieren" liegt ja ein Problem, weil die Medizin und auch der Therpie nicht nach dem Ziel fragen. Sagen wir mal Dschingis Khan will ein bessere Geißel der Menschheit sein, dann wird es ihm sicher helfen diese gesammelter zu tun, achtsam auf Mordversuche zu reagieren und seine Stimmungen und Gefühle stets unter Kontrolle zu halten. Er wird es damit schaffen, noch mehr Verheerung anzurichten als ohne. Die Therapie ist geglückt.


    Der Witz beim Buddhismus ist aber, das dieses Element nicht in den Dienst eines eigenen Wollens gestellt werden, sondern dass sie Teil der Befreiung vom Leiden sind - des Versiegens von Gier und Hass. Wenn man Elemente buddhitischer Praxis aus dem buddhitischen Kontext reisst, dann ist das eine Zweckentfremdung. Es kann sein, dass so ein "weltliche Zen"- der nicht Dharma- ist funktioniert.


    Für mich ist gerade die Rolle vom Zen im japanischen Militarismus die Geschichte so einer Zweckentfremdung. Und eben nicht der Anlass dazu Zen als Dharmapraxis zu diskreditieren und weitgehende Säkularisierung in einen therpeutischen Kontext zu fordern.