Posts by void

    Nur weil du eine Religion nicht als Narrativ erkennen willst, heißt dies ja nicht, dass eine Religion kein Narrativ ist.

    Natürlich ist ein Mythos ist eine Erzählung. Erzählungen sind ein wichtiger Bestandteil von Religionen. Aber daneben gibt es nicht viele andere Elemente: Rituale, Tänze, Opfer, Initationsriten, Trancen usw.


    Gerade im Buddhismus ist Meditation kaum wegzudenken. Die Narrativen Elemente halten zwar vieles zusammen, Religion auf Narrative zu reduzieren wäre aber ein Fehler.

    Zunächst war der Mensch ohnmächtig und Religion war ein Versuch die Mächte in innerhalb und außerhalb zu besänftigen. Wenn das Meer eine unberechenbare Macht ist, die Tod aber auch Fische bringen kann, dann macht es Sinn diese Kraft zu besänftigen und damit kontrollierbar zu machen.


    So ging man ja auch mit anderen Stämmen um, deren Sprache man nicht kannte. Zuerst mal war man im Alarmmodus, dann wich das tatsächliche Bedrohen. Einem rituellen Bedrohen und irgendwann kam man zu einem Punkt, wo man gemeinsam feierte und ebenfalls noch sehr gestellt Geschenke und Heiratspartner austauschte. Das bedrohliche Andere wurde zu etwas , das zwar mächtig war und stets ins Negative kippen konnte, mit dem man in Austausch treten konnte sozialisiert


    Und so sind Götter auch prinzipiell sehr fremde Kräfte, denen man eine Maske angetan hat und sie zu einem Du sozialisiert hat


    Viel von dieser wichtigen Aufgabe der Bahnnung haben heute andere Bereiche übernimmen. Die Polizei bannt das Verbrechen, Penzilin die Bakterien und die Wissenschaft die Dinge. So sind es dann vor allem die tiefen Kräfte im Menschen - Aggression, Begierde - die für die Religion zum Bannen und Bändigen übrigbbleibt.

    Zum Ziel? Ja, zu den austauschbaren Wunschvorstellungen nach Maßgabe persönlicher Vorlieben und Abneigungen. - Mit Wünschen kann man spielen, doch Wahrheit trägt einen universellen Charakter und mit dem spielt man nicht!

    Wir sind hier im Unterforum "Buddhismus und Wissenschaft im Dialog" und Hendrik hatte einen Beitrag aus der Wissenschaft gepostet, in dem es um die Vielfalt von Religion und die Schwierigkeit dies zu definieren geht.

    Es lässt sich nicht einfach aussuchen, was höhere Wahrheit ist und was nicht - sonst wären wir beim Wunschkonzert, wo nach persönlichem Belieben und persönlichen Abneigungen ausgewählt wird.

    Wahrheit ist ein Wort das in seiner Grundbedeutung "vettrauenswürdigkeit" bedeutet. Während in den Naturwissenschaften Wahrheit relativ eng gefasst werden kann ( etwas ist der Fall oder eben nicht) ist das im religiösen Bereich nicht der Fall. Ob ein religiöser Weg "vertrauenswürdig" ist entscheidet sich darin, ob er mich zu Ziel bringt. Von daher ist es nicht ausgeschlossen, dass unterschiedliche Wege mit ganz anderen, wiedestrebenden Konzepten jemand zum gleichen Ziel bringen. Oder eben Wege mit nahezu gleichen Konzepten einen in die Irre führen.

    Religionen sind Erzählungen oder Philosophien, welche neben ethischen Richtlinien (Normen; Gebote, Verbote) mentale 'yogische' Methoden wie Gebet und/oder Meditation und/oder Entsagung und/oder physisches Yoga beinhalten und welche behaupten, dass wenn sie geglaubt werden und man seine Lebensführung nach ihnen ausrichtet, man die/das darin beschriebene ultimative Heil/Erlösung/Befreiung/ewige Leben erlangt, entweder nach dem Tode oder den Tod überdauernd.

    Wie gesagt, ist so eine "soterologische" Form von Religion extrem selten. Das von dir gesagt ist vielleicht für Islam, Buddhismus, Judentum und Christentum anwendbar.


    Aber findest du das von dir gesagte in Daoismus oder Konfuzianismus? Im Shintoismus oder Animismus? In der polynesischen Religion? In der Religion der Sumerer, der alten Griechen und Römer? Ich denke nicht.

    Selbst die These, dass Religion sich mit dem höchsten beschäftigt, trägt doch nicht.


    Religion beschäftigt sich mit mächtigen Kräften um uns. Man nehme mal die römischen Götter die z.B für sexuelles Begehren ( Venus) , Krieg (Mars) oder auch das Meer ( Neptun) mit seinen Stürmen und Fischen zuständig sind. All diese Kräfte müssen besänftigt und gewogen gemacht werden. Aber auch wenn sie als mächtig verehrt werden ist darunter schwerlich das Höchste zu verstehen. Gerade die frühen Christen sagten Recht deutlich dass sie zwar Willens waren die heidnischen Götter mit Dämonen gleichzusetzen in ihnen aber nicht das Höchste zu sehen bereit waren.


    Dies zeigt deutlich, dass die Religion die sich an ein universelles Transzendetes richtet nur eine kleine Teilmenge von dem darstellt was Religion im Allgemeinen bezeichnet.

    Wenn ein Religionsbegriff nur die gerade verbreiten universalistischen "Hochreligionen" ( Christentum, Judentum, Hinduismus, Islam , Buddhismus, Zaroastrische Religion) umfassen sollte, wäre es kein großes Problem da einen passenden Religionsbegriff zu schnitzen.


    Aber wenn man sich das Feld aller Religionen anschaut die es gab und gibt, dann sind diese zum "universellen" und "transzendenten" neigenden Religionen eine Ausnahme.


    Ein Religionsbegriff muß auch für Taoisimus und Shintoismus funktionieren, für polytheistische Religionen wie die der Griechen,Römer, Ägypter und Azteken passen.


    Und drüber hinaus für animistische,totemesistische und schamanistische Religionen sowie die diversen Formen des Ahnenkults.

    Hier geht viel nicht vom Individuum aus sondern von der Gemeinschaft. Und man will z.B nicht eine Beziehung zum Transzendenz öffnen sondern durch Riten und Opfer die Kräfte der Welt besänftigen und gewogen machen.


    Die Schwierigkeit einen umfassenden Religionsbegriff zu finden hat nichts mit dem Unterschied zwischen Christentum und Buddhismus zu tun sondern mit dieser komplexen Vielfalt.

    Wenn man auf beides den Begriff der "Depersonalisierung" anwendet ist das vielleicht zutreffend aber irreführend

    Aber lieber void, das kann ich sehr gut kontern. Wenn das Wort wirklich so irreführend ist, warum wurde der Faden dann erstellt? (in der Rubrik Allgemeines zum Buddhismus :? :?: )Der normale Mensch, der keinen blassen Schimmer über den Buddhismus hat, könnte denken, dass Erwachen und psychische Krankheit dicht miteinander verbunden sind.

    Du hast die Ausfahrten von Shakyamuni erwähnt. Während er vorher so dahinlebte, haben ihm die Erlebnisse den Boden unter den Füssen weggezogen. Und er merkte, dass die Welt von der er vorher gedacht hatte die sei sicher, trügerisch war. Vielleicht passt da der Begriff des Traumas. In der Welt tat sich ein Riss auf und Shakyamuni versucht von da an zu einer Position zu finden, die jenseits von Krankheit, Vergänglichkeit und Tod ist.


    Aber später kam es zu einer Umkehrung - wo er nicht mehr an das "bedrohte Selbst" dachte, sondern das Anhaften an einem Selbst als die Ursache des Leidens sah.


    Aber was willst du damit sagen. Wenn du sagen willst, dass Trauma auch eine positive, motivierende Rolle haben können, stimmen wir überein. Aber der Weg ist von der Zersplitterung zur Ganzheit.


    Und ja, vielleicht kann es da sinnvoll sein, so ein erschütterndes Erlebnis zu haben wie Shakyamuni.

    Traumatisierung ist eine seelische Verwundung - die Ganzheit der Person ist beschädigt - geht verloren.


    Sammlung ist dagegen der Weg zu einer Ganzheit die über die Person hinaus zu einer größeren Ganzheit geht. Weswegen dann auch die Person losgelassen werden kann.


    Wenn man auf beides den Begriff der "Depersonalisierung" anwendet ist das vielleicht zutreffend aber irreführend. So als wirft man Arbeitslose ( die eine Arbeit wollen und keine finden) und Privatiers ( die so viel Geld haben dass sie nicht arbeiten müssen) zusammen in eine Kategorie. Das kann man vielleicht machen, aber meist ist es nicht sinnvoll.

    Manchmal frage ich mich ob Erwachen (Stromeintritt, Satori, Samadhi, Unio mystica, kleine oder große Wesensschau....) nur ein positiv besetztes Depersonalisations-/Derealisationsphänomen ist! Aber das sollte ich mich hier in diesem Forum wohl nicht weiter fragen und zum medizinisch psychischen Sektor wechseln!

    Befreiung bedeutet Befreiung von Gier und Hass. Es wird mit Friede, Freude und der Fähigkeit assoziiert , alles was kommt geduldig annehmen zu können.


    Depersonalisierung ist etwas was mit Traumatisierung assoziiert wird. Eine Situation ist so schrecklich, so unerträglich, dass man sich innerlich herauszieht und sich quasi von außen sieht. Der Nachteil ist dann aber eben eine Selbstentfremdung, die mit emotionaler Taubheit, Roboterhaftigkeit und einem Gefühl von Abwesenheit einhergeht.


    Es müsste doch klar sein, dass das ein Gegenteil von Sammlung, Achtsamkeit, Präszenz ist.


    Aber kann es dann so etwas wie "positive Depersonalisierung" geben. Mir fällt da Ohashi ein, die sich selber an ein Bordell verkauft um ihre Eltern zu erhalten.


    Aber ist das tatsächlich Depersonalisierung wenn sie a bei ihrer sicher für viele traumatisierten Arbeit ein Koan bearbeitet?


    Oder hilft es ihr nicht, sich eben nicht innerlich tot zu werden sondern im hier und jetzt - so unangenehm dieses ist - präsent, freundlich und offen zu bleiben?

    Denn dann verspanne ich mich,

    Verspannung ist Angst.

    Es ist ganz wichtig, diesen körperlichen Aspekt von Angst zu betonen. Emotionen sind ja so etwas wie eine Bereitschaft zu einem bestimmten Verhalten. So ist Wut ja ein Zustand der Angriffsbereitschaft. Und Angst ist eine Bereitschaft zum Rückzug - zum sich Verkriechen. Das Gegenteil davon offen und freundlich zu sein.


    Von daher helfen da für mich Formen des Bodyscans, wo ich -angefangen bei den Augen - schaue dass der Körper entspannt und freundlich ist. Aber auch wenn ich oft sehr angespannt bin, habe ich natürlich keine Angststörung.

    Angstörungen haben anscheinend eine starke kulturelle Komponente:

    The way anxiety is conceptualized and defined is heavily shaped by cultural factors. In the West, anxiety is generally seen as an internal, individual experience — a psychiatric disorder stemming from biological and psychological factors. However, in many non-Western cultures, anxiety is more commonly understood in relation to social contexts and relationships.

    Für mich macht das Sinn. Wenn man vom Subjekt aus denkt, dann hat "hat" dieses Subjekt Angst. Aber das Gegenteil von Angst wären ja Trost, Geborgenheit, Zuversicht und Entspannung. Und da fällt einem ja auf, dass da viel Soziales dabei ist.


    Da Kind das allein im dunklen Wald ist hat Angst, während diese Angst verschwindet je mehr liebevoll, starke Beschützer da sind. In der USA hat man untersucht, wie starke mit Angst den unterschiedlichen ethnischen Gruppen vorkommt:

    The results showed that Asian Americans consistently endorsed symptoms of all four major anxiety disorders (social anxiety disorder, generalized anxiety disorder, panic disorder, and post-traumatic stress disorder) less frequently than any of the other racial groups. White Americans (N = 6,870) consistently endorsed symptoms of social anxiety disorder (12.6%), generalized anxiety disorder (8.6%) and panic disorder (5.1%) more frequently than African Americans (8.6%, 4.9%, 3.8%, respectively), Hispanic Americans (8.2%, 5.8%, 4.1%, respectively), and Asian Americans (5.3%, 2.4%, 2.1%, respectively).

    Weiße Amerikaner haben also hier eine doppelt so hohe Rate wie asiatische Amerikaner.


    Woran liegt das?

    Der Anfang ist ja gut. Die Religionswissenschaftlerin Astrid Mattes sagt dem ORF:


    Zitat

    Da wir so viele unterschiedliche Phänomene Religion nennen wollen, gelingt es nicht, einen Kern davon zu benennen. Dazu kommt, dass der Religionsbegriff aus der europäischen, christlich geprägten Geistesgeschichte entstanden ist und es daher fraglich ist, ob dieses Konzept auf andere Kulturen übertragen werden kann


    Von daher ist es verwunderlich ist, das man dann Leute fragt, die genau von diesem christlich geprägten Religionsbegriff geprägt ist: Die römisch katholischer Theologen Hans Schelkshorn und Franz Winter. Und bekommt dann eben die Antworten die man "wissenschaftlich seriös" nicht geben kann.


    So als landet ein Special "Ökosystem Wald" beim Holzhändler, für den alles ganz einfach ist und der einem seine Liste mit Quadratmeterpreise hinhaut: Christliche Transzendenz, Hindu-Transzendenz, Buddhistische Transzendenz.

    Ich habe das Gefühl, die zur Einsamkeit gehörende Emotion ist die Angst. Angst ist ja etwas, was einen dazu bringt sich in sich selber zurück zu ziehen wie eine Schnecke. Das Gegenteil wäre dann eine Offenheit, Freundlichkeit und Furchtlosigkeit, die es erlaubt mir dem was einem begegnet klar zu kommen.


    Vielleicht ist das aber auch falsch und es gibt Formen der Einsamkeit die nicht aus Angst kommen.

    Obwohl - ein wenig extrem ist das schon, mit der Autorität eines zertifizierten Zenmeisters den Leuten Tips zum effektiveren Abknallen von Menschen zu geben; die Vermeidung bzw. Bewältigung unangebrachter(?) Schuldgefühle mit inbegriffen. Gäbe es da nicht unproblematischere business opportunities? Vielleicht Zen für Trickbetrüger? Zen für Zuhälter? Nun gut - der Markt in Israel ist halt etwas speziell ...

    Kennst du den Roman achtsam Morden ? Da geht es um einen Mafia-Anwalt, dem seine Arbeit für gewissenlose Schurke psychosomatische Gewissenbisse verursacht die Work-Life-Balance und Familienleben gefährden.

    Weswegen er - zunächst skeptisch - von seiner Frau zum Achtsamkeitscoach geschickt wird.


    Und als er dann selber in brenzlige Situationen kommt, kann er das gelernte gut anwenden, um seinen Arbeitgeber - ruhig ein und ausatmend - um die Ecke zu bringen. Dieser erstickt qualvoll im Kofferraum - ein Störgefühl das man gut ausblenden kann, wenn man nur genug um Hier und Jetzt verweilt. So schafft er es dann selbst zum "achtsam mordenden" Mafia Boss aufzusteigen.


    Besonders schön ist getroffen, wie das Eliminieren störender Gedanken in das Eliminieren störender Menschen übergeht.

    Hier heißt über Nissim Amon:

    Er diente in der Armee als Kampfsoldat im Libanonkrieg. „Selbst als ich aus dem Krieg zurückkam, um am Schabbat zu leben, fragte mich mein Vater nicht, was ich getan habe, wie es war, im Krieg zu sein, was sie dort essen, wo geschossen wird, und dafür frage ich mich immer noch Ich verzeihe es ihm bis heute nicht"

    Das was er da erlebt hat, war also so schlimm, dass er seinem Vater nicht verzieh ihn nicht darauf angesprochen haben. Von daher kann man annehmen, dass er vom Libanonkrieg schwer traumatisiert war. Und weil er sich dann aus dieser Erfahrung heraus in die israelischen Soldaten einfühlt, sorgt er sich um deren seelische Gesundheit und gibt ihnen Tips:


    Wenn man eigenen Soldaten als "die Guten" sieht und sich mit ihnen identifiziert, dann ist es nachvollziehbar, dass da jemand ihnen dabei helfen will bei ihrer Aufgabe gesammelt zu bleiben.


    Aber Soldaten sind oft nur Werkzeuge und können nicht sehen, in das was sie tun verhältnismässig ist oder selber in Gräuel ausartet. Im Krieg wird oft alles mögliche - von Töten von Zivilisten bis hin zu Entführung und Folter - als legitim hingestellt. Sollte man sich daran beteiligen?

    Auf den Beitrag Anna Panna-Sati


    Nach diesem Beitrag frage ich mich, wie klassifiziert man Menschen ein, die alle die Symptome durchgemacht haben, sie kennen und doch einsam sind ohne sich einsam zu fühlen, sondern zufrieden? Gibt es eine Klasse für mich der mit Einsamkeit keine Probleme mehr hat? Oder bleibt wieder nur Hofnarr?

    Einsamkeit bedeutet ja nicht allein sein. Es gibt viele Menschen die sehr alleine sind ohne damit ein Problem zu haben. Der Extremfall ist ja der glückliche Eremit.


    Während das Wort " Einsamkeit" ja eine Diskrepanz zwischen den gewünschten und den tatsächlichen sozialen Beziehungen beschreibt.

    Aber wenn ich jetzt doch geschafft hätte gleichmütig zu bleiben, frage ich mich, wo da in dieser konkreten Situation der Unterschied wäre zu Gleichgültigkeit.

    Das wichtige was was man wahrnehmen kann ist der Unterschied zwischen Offenheit und Abschottung.


    Zitat

    Gleichmut bezeichnet einen offenen, ausgeglichenen, unvoreingenommenen Zustand


    Dies bedeutet nicht, dass Abschottung immer schlecht wäre. Wenn ein "du kannst mich mal" hilft eben nicht aufgebracht oder wütend zu werden, ist es ja in gewisser Weise sinnvoll. Abschottung merkt man an Distanzierung und diese ist mit einer nicht freundlichen Haltung verbunden. Wenn jemand wirklich gleichmütig ist schafft er es nicht nur sich aus der Situation rauszuziehen sondern auch noch gegenüber dem Chef eine freundliche und offene Haltung zu haben.

    Und jetzt Frage ich mich, ob ich mir mit dem Wunsch wieder mehr draußen zu sein, selber mehr Leid in mein Leben hole und ob es sich am Ende lohnt.

    Die Frage ist vor allem, welche Freude dem Leid gegenübersteht. Bei uralten Leuten ist es ja teilweise auch so, dass die ein Besuch sehr stresst und die für Tage hinaus "groggy" sind. Aber das Erlebnis jemanden zu sehen erfüllt sie dann wieder so mit Freude, dass sie sich lange daran freuen können. Und so die Strapazen auf sich nehmen.


    Wenn man es als gesunder und junger Menschen etwas macht, was an die körperlichen und geistigen Grenzen geht ( einen Marathon, eine Bergtour zum Matterhorn , eine Expedition) erhält man dafür viel Anerkennung und wenn dich deine Scooter-Expeditinen an deine Grenzen bringen, hast du da auch viel Anerkennung für deinen Wagemut verdient.


    Aber weil die Scooter Expeditionen ja strapaziös sind, würde ich die nicht einfach unbedacht unternehmen sondern mit einem klaren Ziel. Mit etwas, worüber du dich im nachhinein freuen kannst. Mir würde im Haus vor allem die Natur abgehen. Und so wurde ich gezielt Expeditionen unternehmen um die Natur zu zelebrieren. Die Enten im Park, die Fische, die Bewegung der Bäume, den Duft des Frühling. Oder bestimmte Menschen. Und wenn mich dass fertig machen würde dann würde ich mir einfach einen entsprechenden Turnus überlegen ( einmal die Woche) wo es noch so geht. Während ein Rausgehen um des Rausgehend willen vielleicht nicht zielgerichtet genug ist.

    Mir fällt da ein Teil eines Briefes von Kleist ein

    Kleist war weite Teile seines Lebens depressiv und hat sich am Ende umgebracht. Depression führt ja einerseits dazu, dass man sich auch inmitten netter Leute fremd fühlt - was zur Einsamkeit beiträgt. Und andererseits tendieren Menschen auch dazu Depressive zu meiden - weil die einen ja runterziehen können. Was dann natürlich Depression steigern kann.

    Ich weiß nicht genau, was Einsamkeit ist. Natürlich sind erstmal viele Leute einsam, weil sie alleine sind. Aber es gibt ja sowohl Leute die sehr alleine sind ( der spirituelle Einsiedler) und Leute die inmitten sozialer Bindungen oder auch in Menschenmassen einsam sind.


    Ich habe mal nachgeschaut und bin auf das "Kompetenznetz Einsamkeit" gestoßen. Da heißt es:


    Einsamkeit ist ein subjektives Gefühl, bei dem die eigenen sozialen Beziehungen nicht den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen.

    Wenn man sich nach dem Partner sehnt und dieser tot ist, dann ist das ein Wunsch der ja leider nicht zu erfüllen ist. Aber ansonsten kann man ja anfangen seine Bedürfnisse anzusehen und zu schauen, wo es Menschen gibt mit denen man auf eine gemeinsame Wellenlänge kommt.


    Das Kompetenznetzwerk hat ja sogar eine Karte für Angebote.

    Das ist in dem Thread leider falsch ausgedrückt. Nāgārjuna spricht nicht von Eier relative und einer absoluten Wirklichkeit sondern von einer relativen und absoluten Wahrheit. Wirklichkeit gibt es nur eine.

    "Leben in Harmonie" gibt es jedoch auch ohne Menschen nicht - das sogenannte "ökologische Gleichgewicht" ist ein gedachter Idealzustand, der höchstens kurzfristig erreicht wird (und natürlich auch "Opfer" fordert).

    Die Natur ist so eine Abfolge von Ökosystemen - von fragilen Gleichgewichtszuständen. Von Thomas Halliday gibt es das Buch "Urwelten" wo er die Naturgeschichte als Abfolge dieser ganz unterschiedlichen Ökosysteme erzählt.


    Die Welt, in der wir leben, verändert sich auf der Ebene der Landschaft. Das Ausmaß und die Auswirkungen dieses Wandels sind oft schwer zu begreifen. Der Gedanke, dass etwas so Großes wie das Great Barrier Reef mit all seiner lebendigen Vielfalt eines Tages verschwunden sein könnte, klingt eigentlich unwahrscheinlich. Doch die Fossilienaufzeichnungen zeigen uns, dass solche umfassenden Veränderungen nicht nur möglich sind, sondern im Laufe der Erdgeschichte auch immer wieder stattgefunden haben. Die heutigen Riffe bestehen zwar aus Korallen, aber in der Vergangenheit waren muschelartige Weichtiere, Muscheln und sogar Schwämme Riffbauer. Korallen übernahmen erst dann die Rolle der dominierenden riffbildenden Organismen, als die Molluskenriffe dem letzten Massenaussterben zum Opfer fielen. Diese riffbildenden Muscheln entstanden im späten Jura und lösten die ausgedehnten Schwammriffe ab, die ihrerseits die riffbildende Nische ausfüllten, nachdem die Brachiopodenriffe durch das Massenaussterben am Ende des Perms völlig ausgelöscht worden waren. Langfristig gesehen könnten Korallenriffe auf dem gesamten Kontinent eines der Ökosysteme sein, die nie wiederkehren, ein typisches Phänomen des Känozoikums, das durch das vom Menschen verursachte Massenaussterben beendet wurde. Die Zukunft der Korallenriffe und anderer bedrohter Ökosysteme steht nun auf dem Spiel, aber die fossilen Aufzeichnungen zeigen uns, wie schnell Dominanz zu Obsoleszenz und Verlust führen kann, und dienen als Mahnmal und Warnung.

    Verschiedene Akte im Spiel des Lebens - und wenn der Vorhang der Massenauslöschung sich hebt, haben wir immer wieder wen anderes in der Rolle des Riffbauers. Mal ein Weichtier und mal eine Koralle. Und in diesem Akt haben wir als Menschen die Schurkenrolle "Ursache der Massenauslöschung". Die ja auch schon von Vulkanen und Meteoriten besetzt war

    Ich habe nachgeschaut wo das Wort "Leben" herkommt. Es ist eng verwandt mit "Leib" und "bleiben" - das wiederum eng mit Worten für "kleben/anhafen" verwandt ist.

    Zum Kleben/Anhaften sehe ich mit dem Leben keine Verbindung. Insgesamt ist die Deutung destruktiv, lebensverneinend. .

    Man kann ja mit der Pflanze anfangen: Pflanzen betreiben Photosynthese und ihr Wirken geht in die Richtung, die Bedingungen dafür aufrechtzuerhalten. Die Zweige wachsen hin zum Licht, die Wurzeln hin zum Wasser. Es wachsen Blüten um das Leben weiterzutragen. Alles um die Pflanze am Leben zu erhalten, zu gedeihen und zu wachsen. Die abrahamitischen Religionen sind von so einer Wüstensicht auf das Leben geprägt.


    Wenn man in einer Wüstenkultur ist, dann ist Leben etwas seltenes und bewahrenswertes. Der Garten muß von der Wüste geschützt, gehegt und bewahrt werden.


    Wächst man in den Tropen auf, dass gibt es da eher "zu viel Leben" - erstickendes Wachsen und Wuchern. Leben muß eher beschnitten und eingeht werden. Der Buddhismus ist eher von dieser tropischen Sicht geprägt.


    Weder das eine noch das andere ist profan.


    Man kommt ja leicht zu idyllischen Vorstellungen bei denen man das Leben in auf 'schenkenden Teil' ( Ernteglück, glückliche Viehherden) reduziert und die Aspekte die einem nicht gefallen oder die einen bedrohen ( Krankheiten, Unkraut, Parasiten, Schädlinge) in eine andere Kategorie packt.


    Aber wir sind mit dieser Diskussion ja unter "Allgemeines zum Buddhismus" weswegen hier andere Religionen nicht Thema sind.