Posts by void

    Ich denke das mit dem "nicht bewerten" ist in erster Linie eine Meditationsanweisung:

    In der Meditation macht es Sinn, nicht vorschnell zu urteilen sondern die Dingen so sein zu lassen wie sie sind. So gewinnt man eine innere Freheit die man im Alltag nutzen kann.


    Während so ne generelle Aussage, dass man nicht bewerten soll, unsinnig wäre. Im Alltag muß man häufig urteilen. Wenn die Ampel grün ist macht es Sinn zu gehen, wenn sie rot ist sollte man stehenbleiben Es gibt ganz viele Situationen, wo man Urteilsvermögen braucht.


    Dieses wird wiederum wird ja sogar besser, wenn man sich nicht von seinen Emotionen überrumpeln lässt, vorschnell und kopflos zu urteilen.


    Ich würde bei sowas keine KI fragen.

    Der Hintergrund ist folgender: Seit Anbeginn ist die Gattung Mensch mit einem inneren Überlebensprogramm ausgestattet, das ihr Überleben in einer feindlichen Umwelt sichern sollte. Dieses Programm funktioniert auch heute noch auf die gleiche Weise.

    Im Kern geht es darum, das eigene Leben zu schützen. Dazu wird alles, was unsere Sinne wahrnehmen, im Limbischen System unseres Gehirns zunächst auf Freund oder Feind überprüft. Unterhalb der Bewusstseinsschwelle erfolgt in Bruchteilen von Sekunden eine Bewertung, die in einer von drei Kategorien mündet: angenehm, unangenehm oder weder-angenehm-noch-unangenehm.


    Letzteres winkt unser System quasi durch; es schenkt ihm keine weitere Beachtung. Angenehm oder unangenehm jedoch versetzen uns augenblicklich (und gewöhnlich unbemerkt) in den Zustand von Verlangen oder Widerstand

    Diese Zustände haben bestimmten Gedanken, Emotionen und Impulse im Gepäck, die uns zu bestimmten Handlungen veranlassen, denen gewöhnlich jegliche Objektivität fehlt. In der Regel geschieht all das vollautomatisch und deshalb ist es weit entfernt von der Idee eines selbstbestimmten Lebens.

    Die Gefahr besteht also darin, dass die Bewertungen Teil eines Automatismus sind uns es von daher wichtig ist eben nicht automatisch zu handeln sondern, dass da zwischen Empfinden und Handeln möglichst viel Freheit ist.


    Dies bedeutet aber nicht dass "beurteilen" grundsätzlich vermieden werden soll.


    Buddha unterscheidet pausenlos zwischen heilsam und unheilsam und hält auch andere dazu an. Und es ist auch nicht möglich. Wir können keinen Schritt tun ohne zu schauen wohin wir gehen

    Buddha sagt, dass Achtsamkeit nicht auf das Sitzen beschränkt sein soll sondern alle Aktivitäten umfassen soll:

    Außerdem, ihr Mönche, wenn der Mönch geht, weiß er: 'Ich gehe', wenn er steht, weiß er: 'Ich stehe', wenn er sitzt, weiß er: 'Ich sitze', wenn er liegt, weiß er: 'Ich liege.' Was er auch immer mit dem Körper unternimmt, das weiß er. So weilt er beim Körper, den Körper innen betrachtend, den Körper außen betrachtend, den Körper innen und außen betrachtend. Er weilt beim Körper das gesetzmäßige Entstehen betrachtend, das gesetzmäßige Vergehen betrachtend, das gesetzmäßige Entstehen und Vergehen betrachtend

    Achtsames Gehen und Gehmeditation sind meiner Meinung nach so ziemlich das Gleiche. Und der Unterschied liegt vielleicht darin inwieweit man im Alltag achtsam geht oder es als formelle Meditation praktiziert wie das Kinhin im Zen.


    Wie das im Thervada ist weiß ich nicht

    Im Palikanon ist Meditation in Gehen "cankama" - "Auf und abgehen"

    Diese Definition, dass Verblendung bewirkt, nur einen von vielen Aspekten eines Ganzen zu sehen und diesen für "normal" zu halten, ist mir neu. :)

    DIe Geschichte von den Blindgeborenen wird von Buddha darauf angewendet, wie unterschiedliche Wanderaketen unterschiedliche Aspekte verabsolutieren.

    Aber ich denke, das so ein Denken, dass einen Teil verabsolutiert und für das Ganze hält auch auf viele andere Situationen anwendbar ist.


    Von all den Menschen die wir treffen sehen wir nur einen winzigen Teil und dann filtern wir noch diesen nach unseren Wünschen und Projektionen. Von daher wäre es gut, wenn wir zu all dem was wir sehen immer berücksichtigen, was wir nicht sehen.

    Verblendung bedeutet ja, dass man bei etwas nicht das Ganze in allen seinen Aspekten sieht, sondern es auf einen seiner Aspekte reduziert, und diesen als das Normale sieht.

    Diese Definition, dass Verblendung bewirkt, nur einen von vielen Aspekten eines Ganzen zu sehen und diesen für "normal" zu halten, ist mir neu. Meinst du damit nur den jeweils negativen oder positiven Aspekt? (Also z.B. bei Krankheit den Schmerz, bei einer Liebesbeziehung das Glück?)

    Es sollte keine Definition sein. Als solches wäre es nicht sehr gut.


    Unsere ganze Wahrnehmung basiert darauf, dass sie aus der Komplexität der Welt das für uns Relevante herausschält und den Rest ignoriert. Man sieht das gut bei einfachen Tieren. Es wird das zum Objekt, was für ein Bedürfnis relevant ist: "Ding zu essen"- Nahrungsmittel "Ding zu fürchten" - Feind usw. Um etwas zu sehen, muß es grob aus den Hintergrund herausgehauen werden. Verblendete Wahrnehmung besteht aus dem was die Filter von Gier und Hass als relevant erachten und dadurch dass der Rest ausgeblendet wird. Bei Menschen ist das natürlich abgemildert. Weil wir so viele verschiedene Bedürfnisse haben, wir je nach Fall etwas anderes relevant. Bäume können Baumaterial, Versteck, Schönheit oder, Brennmaterial sein. Aber trotzdem ist es so, dass wir verblendet sind.


    Aber es ist ja weder möglich noch nötig etwas in allen seinen Aspekten zu sehen, also zu wissen wie eine Fledermaus oder ein Borkenkäfer den Baum sieht. Für Buddha genügt dass es anattā, leidhaft und vergänglich ist.


    Ein wichtiger Zugang ist wohl das Wissen über das eigene Nichtwissen. Also das wir mit Scheuklappen durchs Leben schreiten und Teile für das Ganze halten.

    "...5. "Ihr Bhikkhus, es gibt diese zwei Arten der Suche: die edle Suche und die unedle Suche. Und was ist die unedle Suche? Da ist jemand selbst der Geburt unterworfen und sucht, was ebenfalls der Geburt unterworfen ist; er ist selbst dem Altern unterworfen und sucht, was ebenfalls dem Altern unterworfen ist; er ist selbst der Krankheit unterworfen und sucht, was ebenfalls der Krankheit unterworfen ist; er ist selbst dem Tode unterworfen und sucht, was ebenfalls dem Tode unterworfen ist; er ist selbst dem Kummer unterworfen und sucht, was ebenfalls dem Kummer unterworfen ist; er ist selbst der Befleckung unterworfen und sucht, was ebenfalls der Befleckung unterworfen ist."...."

    https://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m026z.html

    Verblendung bedeutet ja, dass man bei etwas nicht das Ganze in allen seinen Aspekten sieht, sondern es auf einen seiner Aspekte reduziert, und diesen als das Normale sieht.


    Unser Körper ist ja beispielsweise ein ganze Roulette-Rad an Zuständen. Ein Körper kann jung oder alt sein, kraftstrotztend oder auch krank und verfallen sein. Je mehr man das ganze Rad vor Augen hat, desto weniger enttäuscht ist man, wenn es von einem guten in einen nichts so guten Zustand übergeht.


    Von daher ist es für jemand im Leben stehenden wichtig, bei allem das Ganze zu sehen. Wenn ich mir eine Katze anschaffen, dann kann es sein dass sie ein süßes Kätzchen ist mit dem ich spielen kann, sie tötet aber vielleicht andere Tiere, kotzt auf den Teppich, wird krank, stirbt. Das ganze Katzen Roulette Rad an Zuständen.


    Befleckt bedeutet das nichts rein ist ( außer Buddhaschaft) sondern alles ein Roulette Rad an Möglichkeiten und Risiken.

    Der unerfahrene gewöhnliche Mensch, ihr Mönche, empfindet ein Wohlgefühl empfindet ein Wehgefühl, empfindet ein Weder-wehe-noch-wohl-Gefühl. Auch der erfahrene edle Jünger, ihr Mönche, empfindet ein Wohlgefühl, empfindet ein Wehgefühl, empfindet ein Weder-weh-nach-wohl-Gefühl. Was ist da nun, ihr Mönche, die Besonderheit, was die Verschiedenheit, was der Unterschied zwischen einem erfahrenen edlen Jünger und einem unerfahrenen gewöhnlichen Menschen?

    Es liegt in der Natur des Körpers, dass er ganz unterschiedliche Zustände haben kann, eben angenhme - z.B wenn man fit und verliebt ist und ganz schreckliche - wenn man ohnmächtig und totkrank ist. Weil das in der Natur des Körpes liegt, kann jeder in die Situation kommen.


    Gleichwie, ihr Mönche, wenn da ein Mann von einem Pfeil angeschossen würde, und er würde dann noch von einem zweiten Pfeil angeschossen. Da wurde dieser Mensch, ihr Mönche, die Gefühle von zwei Pfeilen empfinden.


    Ebenso nun auch, ihr Mönche, wenn der unbelehrte gewöhnliche Mensch, von einem Wehgefühl getroffen, traurig, beklommen ist, jammert, sich stöhnend an die Brust schlägt, in Verwirrung gerät, dann empfindet er zwei Gefühle, ein körperliches und ein gemüthaftes. Ist er von einem Wehgefühl getroffen worden, so leistet er Widerstand. Dann wird in ihm, der dem Wehgefühl Widerstand leistet, der Hang zum Widerstand gegen das Wehgefühl angelegt.

    Der zweite Pfeil kommt also von dem Willen, der sich gegen die jetztige Situation richtet.

    Wird aber der erfahrene edle Jünger, ihr Mönche, von einem Wehgefühl getroffen, dann ist er nicht traurig, beklommen, jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend an die Brust, gerät nicht in Verwirrung. So empfindet er nur ein Gefühl, ein körperliches, kein gemütmäßiges.

    Das Leid des zweiten Pfeils kommt also aus Gier - etwas anderes als das was ist wollen. Und Hass - das was ist ablehnen. Und dies ist wiederum eng mit dem Ich verbunden. Weil das Ich ja einen"grünen Bereich" dessen was akzeptabel ist absteckt.


    Dukkha bedeutet von seiner Grundbedeutung her "Reibung". Die Reibung zwischen Wollen und Welt.

    Die Metapher vom mittleren Weg wirkt eben bis heute gegen exzessive frömmigkeits-Performance an (nicht immer Erfolgreich), und dass hat schon damals funktioniert wie auch heute.

    Ja, in vielen Religionen gibt es ja so eine lineare Skala zwischen dem niederen Weltlichen und dem höheren, reinen Sakralen. Da zeugt es doch von der tiefen Einsicht Shakyamunis dass er diese lineare Skala zurückweist und Gier auch dann zurückweist wenn sie sich auf das Höhere und Heilige richtet. Auch Religion und Askese können Gier. Von daher könnte ja gerade ein säkularer Buddhist die Idee des "mittleren Wegs" als Wegbereiter religionskritischen Denkens sehen.

    Mallinson spricht in dem Vortrag (ab ca. 11:50) die Frage an inwieweit Buddha das Asketentum als Irrweg verwarf oder als Stufe auf dem Pfad zur Erleuchtung betrachtete. Anscheinend gibt es für beide Sichtweisen Belege in den kanonischen Texten.

    Buddha sah in der Askese nicht Irrweg sondern etwas optionales. Von daher wehrte er sich gegen Vorschläge wie die von Devadatta der verpflichtende strengere Regeln für alle Mönche forderte, er sah es aber nicht als Problem das mit Mahākāśyapa einer seiner Hauptschüler als großer Asket galt. Das Problem war ja nicht Askese selbst sondern das Anhaften daran - der Asketenstolz.


    Von daher ist das mit dem mittleren Weg doch nur für Leute wichtig, die zum Asketenstolz neigen. Wenn ich so rumschaue sind das eher weniger.

    Nach der Überlieferung hatte Buddha hatte gerade dadurch Befreiung erlangt, dass er von seiner asketischen Extremismus abgewandelt hatte. Und dann fragte er sich, wem er die neue Lehre verkünden könnte. Und da seine beiden Lehrer gestorben waren, wandte er sich eben an seine 5 Mitasketen. Und für diese war er ein Abtrüniger, ein Weichei, das statt sich asketisch zu Knechte ein Lottrleben führte:


    Auf diese Worte hin sprachen die fünf Mönche zu dem Erhabenen: "Du hast, lieber Gotama, mit deinem Wandel, deiner Lebensweise, deiner Betätigung schmerzlicher Abtötung nicht den höchsten von Menschen erreichbaren Zustand, die völlige Erkenntnis edlen Wissens erreicht. Wie kannst du jetzt, wo du im Überfluß lebst, von deinem Ringen nach Vollkommenheit dich abgewendet hast und von Überfluß umgeben bist, zu diesem höchsten von Menschen erreichbaren Zustande, zu der völligen Erkenntnis edlen Wissens gelangt sein?"

    Und von daher war es für ihn zentral zu betonen, dass er sich zwar von der Welt angewand hatte aber eben auch von der Extrem Askese:


    Darauf sprach der Erhabene zu den fünf Mönchen: "Der Vollendete, ihr Mönche, lebt nicht im Überfluß, nicht hat er sich von seinem Ringen nach Vollkommenheit abgewendet, nicht ist er umgeben von Überfluß. Der Vollendete, ihr Mönche, ist heilig und völlig erleuchtet.

    ...

    "Folgende zwei Extreme, ihr Mönche, sind von dem, der die Welt verlassen, zu meiden. Welche zwei? Das erste besteht in der Betätigung von Lust, Freude und Neigungen zu den Vergnügungen; es ist niedrig, gemein, passt nur für einen Unbekehrten, ist unedel und führt zum Verderben. Das zweite besteht in der Betätigung übermäßiger Selbstanstrengung; es ist leidensvoll, unedel und führt auch zum Verderben. Diese zwei Extreme sind zu vermeiden. Der mittlere Wandel aber, wie er von dem Vollendeten erkannt wurde, bringt Einsicht und Verständnis und führt zur Ruhe, zur Erkenntnis, zur Erleuchtung, zum Nirvana.

    Hier ist die Reihenfolge also die , dass Shakyamuni sich zuerst vom Asketentum abwand, dann Befreiung erlangte, und erst dann eine Sangha gründete


    Eine Reihenfolge in der Buddha als Asket Befreiung erlangt hätte, als Asket die Sangha gründete und dann aus *politischen Gründen" verkündet, dass Askese zur Befreiung unnötig und hinderlich ist, wäre nicht glaubwürdig gewesen.

    Der Begriff "lebensbejahend" erscheint mir nicht sehr hilfreich.


    Als Synonyme werden mir "lebensfroh" , "frohgemut", "sonniges Gemüt" angeboten. Ein Buddha - jemand der ohne Gier und Hass und ohne Leid ist, kann natürlich jede Situation akzeptieren und zu ihr "ja" sagen.


    Andererseits wird unter Lebensbejahung von bestimmten auch die Bejahung der Triebe verstanden - von Gier und Hass - Zuneigung und Abneigung. Diese sind aber nach Buddha der Grund warum wir nicht zufrieden sein und "Ja" sagen können. So lange etwas fehlt oder etwas zu viel ist sagen wir "nein" zum Leben es ist ungenügend - es ist Dukkha


    Der Begriff der Lebensbejahung scheint mir also seltsam und inkonsistent und deswegen nicht brauchbar.


    Buddha geht es um die Freiheit von Gier und Hass. Und dabei hat er festgestellt, dass die Leute nicht nur an Sinnesvergnügen haften können, sondern Asketen auch einen Asketenstolz entwickeln können, wo sie ihr Ego darauf aufbauen, auf was sie alles verzichten können. Es gab damals ja recht schräge Asketen:


    2. Da gingen Puṇṇa, ein Sohn der Koḷiyer, ein Asket, der sich der Ochsenübung verpflichtet hatte, und auch Seniya, ein nackter Asket, der sich der Hundeübung verpflichtet hatte, zum Erhabenen [1]. Puṇṇa, der Asket mit der Ochsenübung, huldigte dem Erhabenen und setzte sich seitlich nieder, während Seniya, der nackte Asket mit der Hundeübung, Grußformeln mit dem Erhabenen austauschte, und nach diesen höflichen und freundlichen Worten setzte auch er sich seitlich nieder, zusammengerollt wie ein Hund. Puṇṇa, der Asket mit der Ochsenübung sagte zum Erhabenen: "Ehrwürdiger Herr, dieser Seniya ist ein nackter Asket, der sich der Hundeübung verpflichtet hat, der das tut, was schwierig zu tun ist: er nimmt seine Nahrung zu sich, wenn sie auf den Boden geworfen wurde. Jene Hundeübung hat er seit langer Zeit auf sich genommen und ausgeübt. Was ist seine Bestimmung? Was wird sein künftiger Weg sein?"

    "Genug, Puṇṇa, laß es sein. Frag mich das nicht."

    Ein zweites Mal sagte Puṇṇa, der Asket mit der Ochsenübung zum Erhabenen: "Ehrwürdiger Herr, dieser Seniya ist ein nackter Asket, der sich der Hundeübung verpflichtet hat, der das tut, was schwierig zu tun ist: er nimmt seine Nahrung zu sich, wenn sie auf den Boden geworfen wurde. Jene Hundeübung hat er seit langer Zeit auf sich genommen und ausgeübt. Was ist seine Bestimmung? Was wird sein künftiger Weg sein?"


    "Mittlerer Weg" bedeutete für Buddha also nicht, keinesfalls irgendeinen Kompromiss oder eine Halbherzigkeit im Bezug auf Nibbana. Sondern nur dass man neben der Anhaftung an Sinnliches auch die Anhaftung an übersteigerte Askese aufgibt.

    Gibt es dazu etwas im buddhimus was mir helfen könnte hier klarer zu sein?

    Das Problem an der Stelle ist am ehesten die Sprache. Weil eben die Sprache die Objekte um über die sprechen zu können schon verdinglicht. Und dadurch dann alles sehr wirr wird


    Mir helfen da als Beispiel gut die seltenen Fälle bei denen die Verdinglichung sich schwer tut. Ich finde da Berge gut, weil sie zwischen Ding und Landschaft sind. Da sieht vielleicht das Dorf im Norden einen dreizackigen yberg den sie den "südlichen Dreispitz" nennen und das südliche Dorf sieht zwei Spitzen als einen Berg der 'nördlich Teufelgabel" heißt und der dritte Spitz heißt "einsames Horn".Bei so einem Beispiel sieht man gut die Wechselwirkung zwischen Phantasie und Terrain.


    Während es bei Fällen, bei denen die Verdinglichung nicht nicht reibt , es schwer wird drüber zu reden. Der "Apfel an sich"- der "wahrgenommene Apfel" - der "gedachte Apfel". Hier gerät man eher durcheinander.

    Das kann ich nicht unterschreiben

    Threaderöffner Weltling hat nach einer Begriffsklärung des Begriffs "Shunyata" gefragt. Und dafür ist es ja wichtig - vollkommen unabängig davon welche Sicht wir persönlich unterschreiben können und welche nicht - die Veränderung aufzuzeigen, die der Begriff durchgemacht hat.


    Und da kann man das mit dem "Entstehen in Abhängigkeit"(Leerheit) entweder sehr prosaisch sehen - also dass halt alles sich gegenseitig triggert wie du so schön sagst oder man kann auch in Poesie verfallen wie im Blumengirlanden Sutra:


    Im Avatamsaka-Sutra steht: Die Buddhas erkennen mit ihrer Weisheit, daß der ganze Kosmos der Seienden ohne Ausnahme so wie das große „Netz im Indra-Palaste“ ist, so dass alle Seienden wie die Edelsteine an jedem Knoten des „Indra-Netzes“ untereinander unendlich und unerschöpflich ihre Bilder und die Bilder der Bilder u.s.f. in sich spiegeln. (Buch 28, Das Buch von der Wunderbarkeit des Buddha)

    Dieses Prinzip drückt die Sichtweise des buddhistischen Holismus aus. Jeder Gegenstand und jedes Lebewesen existiert nicht isoliert für sich, sondern ist mit allen anderen verbunden und ist selbst in jedem anderen Teil enthalten. Alles ist gegenseitig durchdrungen. Die Kurzform dieses Prinzips lautet: Alles in Einem – Eines in Allem.

    Das mit Indra und den Edelsteinen ist ja ein sehr schönes Bild. Aber fast zu schön. Es ist so wie ein Zaubertrick. Man startet mit Fragmentierung und Pluralität - alles ist von anderen abhängig und vergänglich aber aber am Ende wird das "große poetische Eine" aus dem Hut gezogen. Wir starten mit Vergänglichkeit und Ichlosigkeit und über eine holistischen Trick fügt sich das dann zu einem Ganzen, dass dann fast schon wieder unvergänglich und das mit dem "Alles in Einem – Eines in Allem." klingt verdächtig nach Atman und Brahman.


    Was ist der Zaubertrick: Ich denke dass man bei den drei Daseinsmerkmalen immer von einem konkreten Ding spricht "jedes Gebilde" ist vergänglich und bedingt. Während man in dem holistischen Ansatz von konkreten Leerheit einer konkreten Sache zu einer überbordenden Abstraktion geht und dann anfängt sich an dieser "kosmischen Vision von Leerheit" berauschen.

    Unbefriedigend betrifft jedes Lebewesen, wenn es Nahrung braucht.

    ... , schon weil es Nahrung braucht.

    Dukkha bedeutet nicht dass der Status quo schlecht ist ( Rückenschmerzen, Hunger, Krankheit) sondern dass es ein Wollen gibt, dass das nicht will. Einen schlechten Status quo gab es auch beim alternden Buddha aber weil Gier und Abneigung verlöscht sind, hat er Dukkha , hat er Samsara überwunden. Während die Daseinsmerkmale aniccā und anattā erhalten bleiben.


    Die dritte edle Wahrheit sagt, dass Dukkha überwundbar ist also kein Daseinsmerkmal jenseits von Samsara ist.

    Shunyata enthält annica, dukkha, anatta.

    Shunyata ist nicht annica, dukkha, anatta

    Shunyata ist frei von annica, dukkha, anatta,

    annica, dukkha, anatta sind nicht frei von Shunyata.

    Das klingt zwar elegant aber ich glaube du siehst da eine große Symmetrie in den Daseinfaktoren, die gar nicht da ist.


    Während für die samsarisches Existenz die drei Daseinfaktoren annica, dukkha und anatta gibt, erlebt der Befreite zwar annica, und anatta aber kein dukkha. Dukkha ist also nur ein "samsarisches Daseinsfaktor" aber kein universeller.


    Da Shunyata ja im Mahayana mit Buddhanatur und Soheit assoziiert wird, denke ich dass da nur das zweite gemeint ist.

    Ja. Identifizieren kommt ja von "Identität" und da stellt man sich so etwas drunter vor, wie die Psychologen. Also das man ein bestimmtes Selbstbild hat und einem da dann bestimmte Aspekte und Eigenschaften für einen selber wichtig sind und andere nicht. Identität hat damit zu tun wie man sich vor sich selber und vor anderen darstellt. So sah sich ja z.B Saddam Hussein als altorientalische König, als Held und Befreier. Aber irgendwie ist das alles egal.


    upādāna ( "Anhaftung" ) beschreibt eben nicht diese Identufikationen ( es ist nicht von Subjekt aus gedacht) sondern eben die darunterliehenden Süchte. Das woran man "klebt". Also bei Saddam seine Herrsucht, seine Machtsucht. Das von der beherrscht/ determiniert war. Seine Unfreheiten. Dies hat mir deinen Identitäten und Identfikationen bestimmt einen Zusammenhang aber eher einen losen. Er konnte sich gegenüber dem Westen ja "Freund des Westen" geben oder gegenüber der UdSSR als "säkularer nationaler Befreiungskämpfer" oder als "Beschützer der Gläubigen". Aber dies ist eben nur säkundär gegenüber der darunterliehenden Machtgier. Es ist wie gesagt basaler.

    Ich sage, dass "Identifikation" eine schlechte Übersetzung für das Wort Upādānao ist, weil dieses mehr als Identifikation umfasst. Aber natürlich umfasst es Identifikation. Das Problem ist - auch hier wiederhole ich mich - dass "Identifikation" einen kognitiven Prozess denken lässt. So als würde ein Nucht-Indentifizieten ( ich habe mit dieser Person nichts zu tun!") das Problem lösen. Aber so ist es nicht. Es gibt Leute die hassen sich selbst und wollen mit sich nichts zu tun haben aber das hilft nichts. Es geht um Anhaften und gegen Anhaften hilft Loslassen. Weil das kognitive Identifizieren eine Teilmenge des Anhaftens ist stimmt es natürlich, dass Identifikation schädlich ist. Aber es gibt eben basale Formen von Anhaften wie z.B Sucht für die der Begriff "Identifikation" nicht passt. Von daher ist es eine ungenügende Übersetzung.

    Leonie hat ja schon auf den

    guten Lexikoneintrag dazu verwiesen. Da wird erstmal auf die Verwendung in Palikanon/ Thervada eingegangen:


    Der Begriff der Shunyata leitet sich unmittelbar aus der buddhistischen Lehre vom „Nicht-Selbst“ ab. Er verweist auf die Substanzlosigkeit aller Phänomene infolge ihrer Abhängigkeit von bedingenden Faktoren: ihrem bedingten Entstehen (Sanskrit: pratityasamutpada, Pali: paticca samuppada). „Leerheit“ ist somit eine Umschreibung für das Fehlen eines konstanten Seins, einer Eigennatur und eines beständigen Ich im steten Wandel der Existenz. Die Erscheinungen sind in ihrer Leerheit ohne eigenes Kennzeichen, ohne inhärente Eigenschaften und damit nicht mehr als nominalistische Begriffe einer nicht wesenhaften Welt. Die Welt ist keine Welt des Seins, sondern des ständigen Werdens, in dem es keine festen Substanzen und keine unumstößlichen Realitäten gibt.

    Von da aus würde ich sagen der Begriff Leerheit umfasst bedingtes Entstehen und Anatta.


    Im Zuge des Mahayana kam es aber zu einer weiteren Ausweitung des Begriffs "Shunyata":

    In den Prajnaparamita-Schriften des Mahayana (z. B. im Herz-Sutra), deren Entstehungszeit um das 1. Jahrhundert v. Chr. anzusiedeln ist, findet der Leerheitsbegriff in der substantivierten Form seinen festen Platz. Es kommt dabei zu einem Bedeutungswandel. Die Daseinsfaktoren, die die gesamte Erfahrungswelt der Person konstituieren, sind nicht nur leer von einem Selbst, sondern leer von jeglicher Eigenexistenz. Alle Wesen, ob verblendet oder erleuchtet, sind demnach im universellen Bedingungszusammenhang des pratityasamutpada untrennbar miteinander verwoben und in ihrer Leerheit, die daraus resultiert, letztlich nicht voneinander getrennt und unterschiedslos.


    Es findet eine Universalisierung des Leerheitsaspekts statt.

    Und bei diesem "universalisierten Leerheitsbegriff" können dann manche nicht mehr mit.

    @Igor07


    Was ihr immer mit Eurer "Identifikation" habt :angel: .
    Gehts nicht ne Nummer kleiner?

    " Identifikation" ist ein Begriff der von manchen als Übersetzung für "Upādāna" verwendet wird. Sonst wird der Begriff ja entweder mit "Anhaftung" oder auch "Aneignung" übersetz.



    Weil etwas wird mit dem Ich verbunden wird klingt so als wäre es sehr nahe an dem Begriff der "Identifikation".Etwas wird mit dem ich "identifiziert". Das Problem dabei ist aber dass "Identifikation" ja Kognitives. Während "Upādāna" ja auch was ganz primitives, basal sein kann. Auch Tiere können ja z.B süchtig werden. An dem Objekt wird so angehaftet, dass es nicht mehr ohne geht.


    Von daher finde ich es keine gute Übersetzung. Es führt in die Irre. Ein Junkie kann tausendmal beteuern, dass er sich nullinger mit Heroin identifiziert. Das ist aber vollkommen schnurtzpiepegal so lange er anhaftet d.h süchtig ist.

    Im Prinzip war es doch so, dass es in China

    eine Zeit der Gesetzlosigkeit wo es eben viele Plünderungen gab - weswegen die Mönche gezwungen war sich sich da die Mönche so mit Händen und Knüppeln verteidigen. Mönche wurden zu Schlägern - gesitteten, kultivierten, anmutigen, lustvollen Schlägern. Aber halt Schlägern.


    Aber danach gab es ja wieder Frieden und da hatten sich die Mönche auf ihren Job - Befreiung zu erlangen konzentrieren können, statt rumzuhüpfen und mit Stöcken zu wendeln. Aber weil die inzwischen das Kämpfen spirituell geadelt hatten und für ihren Kampfstil bekannt waren, praktizierten sie es halt weiter.


    Man Stelle sich vor, der englische Klerus wäre den Beispiel von Bruder Tuck gefolgt und jede Abtei hatte jetzt katholische Kanpfmönche. Das würde man doch eher als Verirrung sehen statt zu fragen, wer sich da authentisch verirrt hat und wer nicht.

    Ich habe mitgemacht.


    Welchen Sinn und Zweck soll das Ganze haben, und was soll dabei herausgearbeitet werden?

    Um Schweigeretreats zu verbessern, anders zu gestalten eventuell?

    Es geht doch um eine Masterarbeit im Fachbereich Psychologie. Yanis schreibt, dass es da um Emotion geht:

    Derzeit befinde mich in der Ausbildung zum Psychotherapeuten und schreibe meine Masterarbeit, als Psychologe, an der Uni Wien, über Emotionen bei Meditation und Schweigeretreats.

    Was soll denn das für eine Dharmapraxis sein, die im Angesicht des normalen Alltags zerbricht? Klingt für mich eher nach Wohlfühlbuddhismus um des Egogemüts willen

    Unterschiedliche Menschen sind unterschiedlich belastet und unterschiedlich belastbar. Das was für den einen eine Herausforderung ist an der er wächst, ist für den anderen etwas worunter er leidet und zerbricht.

    Eine Frau hat gestern gesagt, wir im Westen leben in einem Psychokrieg zwischen einander und ich habe mir dabei gedacht, ganz falsch kann das nicht sein, so empfinde ich es auch manchmal

    Man neigt dazu, die eigene Situation zu verallgemeinern. So als befunden wir uns auf einem Hühnerhof wo jeder Henne die andere hackt. Aber das ist doch zu düster.

    Die Untersuchung ergibt, dass zum Zeitpunkt der Befragung 74 der insgesamt 2.765 erwerbstätigen Befragten gemobbt werden. Damit liegt die querschnittsbezogene aktuelle Mobbingquote in der erwerbstätigen Bevölkerung bei 2,7% .

    Es werden also ungefähr so viel Prozent (2.7%) der Arbeitnehmer gerade gemobbt wie gerade krankgeschrieben sind ( 3%)


    Einer von 40 wird gemobbt. Von daher sind die Chance nicht schlecht eine Umgebung mit weniger Mobbing und Bossing zu finden.


    Bei uns herrscht kein Psychokrieg und er tobt auch nicht im Westen.

    In traditionellen Gesellschaften wed man ja tendenziell mehr fertig gemacht wenn man nicht der Norm entspricht. Hier eine Karte zum Mobbing unter Schülern:


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    In einer Gegend wo jeder zweite fertig gemacht wird, kann man vielleicht von einem Psychokrieg reden.

    Wie geht man den um mit Menschen, die einen so hohen Pegel an Aggressivität haben?

    Buddha sagt, man solle solche Leute meiden:

    133. Welchen Menschen soll man ganz unbeachtet lassen, im Umgang und Verkehr meiden und nicht zum Gefährten machen?

    Da ist ein Mensch jähzornig und äußerst erregbar. Wenn man ihm auch nur das Geringste sagt, so wird er ärgerlich, gerät in Zorn und Wut, wird eigensinnig, legt Verstimmung, Groll und Mißtrauen an den Tag. Gleichwie ein schlimmes Geschwür, mit einem Stück Holz oder einer Scherbe angestoßen, heftig Eiter absondert,—oder wie ein Ebenholzfeuer, mit einem Stück Holz oder einer Scherbe aufgestört, heftig zischt und knistert,—oder wie eine Dunggrube, mit einem Stück Holz oder einer Scherbe aufgestört, heftig stinkt: ebenso ist da ein Mensch jähzornig und äußerst erregbar. Wenn man ihm auch nur das Geringste sagt, so wird er ärgerlich, gerät in Zorn und Wut, wird eigensinnig, legt Verstimmung, Groll und Mißtrauen an den Tag. Einen solchen Menschen soll man ganz unbeachtet lassen, im Umgang und Verkehr meiden und nicht zum Gefährten machen. Und warum? Beschimpfen möchte er einen, schmähen möchte er einen, Schaden möchte er einem antun: darum soll man einen solchen Menschen ganz unbeachtet lassen, im Umgang und Verkehr meiden und nicht zum Gefährten machen.

    Also weg von den üblen Gefährten.

    Eine schrecklich Praxis.


    Sie kann Menschen, die ein negatives Körperbild von sich haben, immens schaden.

    Ein negatives Körperbild hat man dann wenn man sich als defizitär erlebt weil man sich an einem unrealistischen Bild mißt.


    Von daher kann es da helfen, dich damit auseinanderzusetzen wie Körper real sind. Wenn man einen Überblick über möglichen realen Körper hat - die Bandbreite normaler Körper in der Sauna oder kranke Körper im Krankenhaus oder alte Körper im Altenheim, dann ist man doch "normaler" als wenn man ein unrealistischen, idealisiertes Körperbild hat


    Tot zu sein ist ein ganz üblicher Zustand in der Bandbreite von Körpern. Sie entstehen, wachsen, gehen kaputter und zerfallen halt.