Zeitgenössische Zen-Kunst?

  • gbg:

    Schönheit der Bewegung, das sehe ich auch im ersten Bild so.
    Aber man beachte de rafinierten Standpunkt des Beobachters. Sehr in Ordnung. Wie das Bild selbst


    Hat nur nix mit "Zen" zu tun.

    • Offizieller Beitrag

    Es gibt einige visuelle Grundlagen, die sich in den Kulturen sehr unterscheiden. Der Psychologe Richard Nisbett hat das in seinem Buch "The Geography of Thought" herausgearbeitet.


    Eine verblüffende Sache dabei war, dass die Beziehung zwischen Vordergrund und Hintergrund anders gedacht wird. Im Westen überweiegt eine Denkeweise, in der man sich auf den Vordergrund konzentriert und sich z.B wenn man ein Bild aus dem Gedächtnis wiedergeben soll, sich besonders gut an den Vordergwrgund erinnert. Und auch besser erkennt, wo das selbe Vordergrgundelment vor unterschielichen Hintergründen zu sehen ist.


    In Ostasien jedoch tritt der Hintergrund nicht zurück, man behandelt Hintergrund und Vordergrund nicht verschieden und kann sich genauso gut an den Hintergrund wie den Vordergrund erinnern.


    Dieser Unterschied korrespondiert mit Unterscghieden in anderen Bereichen. So wird Kleinkinder in Japan die Welt eher über Verben nachegebracht während europäische Mütter dazu neigen, zusammen mit ihren Kindern Dinge zu bennenen ("Das ist ein Hund") - also von Nomen ausgehen.


    Ich glaube, dass dies auch sehr eng mit den philosophischen und spirituellen Traditionen verknüpft ist. Nicht von "festen Ich-Kernen" auszugehen ist ja sehr verwandt damit ob sich der Vordergrund im Hintergrund auflöst.


    In vielen Zen-Kallgraphien ist es so, dass das optische Spannungfeld zwischen Form und freien Raum, die Bedingtheit von Form insgesamt ausdrückt.


    Auch bei japanischen Künstlern, die mit Zen so direkt nichts am Hut haben, spielen solche Themen mit rein. So mag ich Takashi Murakamis Superflat Idee, wo er in so einer Pop-Kultur-Oberflächlichkeit den Unterschied zwischen dem Bedeutenden und dem Belanglosen leugnet (The Meaning of the Nonsense of the Meaning).

    • Offizieller Beitrag
    Spock:

    Hier is n deutscher Artikel zum Thema unterschiedliche Wahrnehmung, usw.


    http://www.deutschlandradiokul…ml?dram:article_id=318333


    Ich sah auch mal eine Doku dazu, die ich ganz gut fand, aber ich finde sie leider nicht mehr.


    Ja, wobei ich nicht weiss, ob das noch zum thema "Zeitgenössische Zen-Kunst?" passt, oder schon off-topic wird.


    Mir geht es ja öfter mal umgekehrt: Bei manchen Zen-Texten hatte ich das Gefühl, dass das darin zum Ausdruck kommende Verhältnis zur Natur sehr anders ist. Also z.B zum Regen, zu Wolken usw. Und da hatte ich dann bei bestimmten japanischen Bildern (Kokusai, Hiroshige) ein Aha-Erlebnis des Wiederkennens.


    Es drückt sich also nicht in diesen Bildern ( die ja ganz weltlich gedacht sind) Zen aus, sondern es ist so, dass beidem ein bestimmtes Weltverhältnis zugrude liegt, das öfter mal sehr anderes ist als das unsere.

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Die Künstler des 20. Jahrhunderts, die die Autonomie der Kunst als Errungschaft feierten, musste der hohe Abstraktionsgrad der ZEN-Gedanken und die daraus resultierende Ästhetik faszinieren.


    Der Begriff der Leere (ku), sichtbar als der leere Grund des Bildes und identisch mit dem leeren Grund des Seins, dem satori, wird zum zentralen Thema, zur Grundhaltung einer Reihe von Künstlern. Der erste ZEN Patriarch Bodhidharma prägte die markanten Worte: „Offne Weite – nichts Heiliges.“


    Mir kommt es so vor, als sei Zen von der westlichen Kunst ganz schön zweckentfremdet worden.


    Das gesamt 20. Jahrhundert war ja von der "Erweiterung des Kunstbegriffs" geprägt. Während Kunst am Anfang des Jahrhunderts noch prototypisch "für das Höhere" und "die Kultur" samz ihren bürgerlichen Werten stand, wurde das im Laufe des Jahrhunderts immer mehr dekonstruiert, so dass die Kunst ihren Sockel gegnüber dem "banalen Alltag" verlor.


    In so einem Kontext kann man natürlich zu dem Gefühl kommen, Bodhidharma spricht einem mit seinem „Offene Weite – nichts Heiliges.“ aus der Seele. Die asiatische Kunst konnte helfen, dass man sich von den Fesseln der eigenen Tradition löst. Was aber, wenn man mit der Dekonstruktion fertig ist? Wenn man mit John Cage Stille als Musik begreift und monochrome Bilder aufhängt?


    Ich finde es war logisch, dass man aus dieser Schwerelosigkeit zwischen Alten und neuen Werten schliesslich dann dem Gravitationsfeld der kaiptalistischen Moderne erlag. Aus dem "nichts Heiliges.“ heraus integriert man Alltagsgegnstände und kommt dann von diesen zur Trivialkultur - Colaflaschen und Comics um dann bei Warhol bei den Dollarzeichen hängenzubleiben.


    Zen war ein kongenialer Stichwortgeber für die Dekonstruktion, der aber dann wieder eine Phase der Konstruktion folgte, der Performance und des Happenings ( Wobei mir Nam June Paiks TV Buddha gefällt)

  • Wow, interessant wie Void sich auskennt in der "Zeitgenössischen Kunst" Murakami, Cage....Bist du zufällig aus der Branche oder liegt ein Studium hinter dir? :)


    Ich habe letztens Franz Klines Bilder im Museum angeschaut, die haben mich teilweise auch an Zen erinnert.


    https://www.google.de/search?q…RAhWGIJoKHVDBD5MQ_AUIBigB


    Und allgemein, die ganze "New York School" kann gennant werden, Barnett Newman, Rothko usw


    Oder Amerikaner die mit dem Licht gearbeitet haben, Dan Flavin, James Turrell. Ahja, Anish Kapoor hat auch einen Haufen Meditativer Skulpturen. Richard Serras Begriffe von Raum könnten Buddhistisch interpretiert werden oder wir könnten gleich zum Tarkovskys "Meditations-Kino" springen, irgendwie lässt sich alles mit Kunst verbinden. :lol: