Posts by Gurkenhut

    Nein, ich verstehe deinen Hass auf den tibetischen Buddhismus nicht.

    Ich habe mich lange mit Gewaltstrukturen gegen Frauen und Kinder in unserer Kultur beschäftigt und mich irgendwann auf den Standpunkt gestellt, dass ich nicht alle Menschen hassen will, weil die Strukturen so gravierend waren und immer noch nicht gänzlich vorbei sind.

    Damit will ich keine Handlung rechtfertigen, sondern meinen Standpunkt erklären, dass ich Menschen nicht gänzlich verurteile, für das was gewesen ist, mir statt dessen die Aufarbeitung und das Erzählen der Geschichten wichtig ist.

    Und was das persönliche Leid lindern angeht: Tonglen fängt bei einem selbst an, und hat die Kraft einem sehr stark zu helfen für andere da zu sein, statt seine Aggression vor anderen auszukippen.

    Ich bezweifle, dass auch nur ein einziger Mensch durch seine Methoden irgendwas gewonnen hat.

    Ich bezweifle, dass er so ein hohes Ansehen hätte, wenn seine Methoden ohne Gewinn wären.

    Und falls "durch seine Methoden irgendwas gewonnen" eine transitive Relation ist, möchte ich mich hier bei Pema Chödrön für den Gewinn bedanken, den ich aus ihren Büchern ziehe. _()_

    Gurkenhut


    Danke dir für deine Antwort. Ich bin kürzlich erst in einem Meditationskurs mit Tonglen in Berührung gekommen und es fühlte sich für mich hilfreich und stimmig an. Jetzt habe ich ein kleines Buch von Pema Chödrön dazu gelesen, in dem die Praxis gut erklärt wird. Aber das ganze Drumherum sind für mich noch böhmische Dörfer. Z.B. tauchen die Begriffe Lamrim und Lojong in dem Kontext immer wieder auf. Ich bin ja jemand, der den Dingen auf de Grund gehen und genau verstehen möchte. Das kann eine positive Eigenschaft sein - kann aber auch was von Kontrolle haben. Vielleicht ist es ja auch gar nicht nötig immer alles ganz genau zu verstehen und zu wissen, um in der Praxis weiter zu kommen.

    Ich glaube nicht, dass man die böhmischen Dörfer kennen muss um von Tonglen zu profitieren. Gerade wenn es dir erstmal nur um die Erarbeitung oder Durcharbeitung der Gefühle geht.

    Andererseits kann ich die Neugier auf die Grundlagen gut verstehen :)

    Im Zuge meiner Beschäftigung damit habe ich jedenfalls festgestellt, dass es im tibetischen Buddhismus eine Menge Gruppen gibt, die sich gegenseitig vorwerfen Sekten zu sein oder sektiererische Praktiken zu verfolgen. Das macht es nicht unbedingt einfacher da einen guten Einstieg in das Thema zu finden.

    Das stimmt. Gleichsam sind Streitsituationen für mich ein guter Ausgangspunkt zu schauen, ob ich von jemandem lernen will, weil mit Schönwetter gut umgehen können viele.

    Ich habe jetzt durch ein wenig lesen heraus gefunden, dass die Tonglen Praxis im tibetischen Buddhismus eingebettet ist in eine umfangreiche Geistesschulung. Weiß jemand von Euch vielleicht mehr dazu? Das würde mich sehr interessieren dazu mehr zu erfahren.

    Niemand mehr da, der hier besser drauf antworten kann als ich? :cry:

    Ich freue mich jeden Tag über die gute Anleitung und den Nutzen des ganzen für meinen Alltag. Bin aber auch erst seit vier Monaten dabei, mich ernsthaft mit Lojong/Lodjong auseinander zu setzen. Das sind kurze einprägsame Merksätze, die entweder das Verständnis vertiefen und das Herz öffnen sollen (in der Meditation und im Alltag) oder konkrete Handlungsanweisungen für den Alltag.

    Auch hier möchte ich anmerken, dass es sehr kompetente Menschen gibt, die einem da mit Rat und Hilfe zur Seite stehen können. Manche der Merksätze kann man sehr falsch oder sehr destruktiv verstehen.

    Für die Freundin, die mir gestern bei einem Kaffee sagte, eigentlich will sie nicht mehr, aber wegen der Kinder kann sie nicht einfach aufgeben.

    _()_

    Möge es dir gut gehen, obwohl du vor solchen Schwierigkeiten stehst.

    Hallo Mabli,

    willkommen hier im Forum.

    Tonglen ist so eine gute Methode, wenn man einen Zugang/ eine Anleitung gefunden hat, mit der man gut arbeiten kann. Für mich klingt das bei dir so, weil du von hilfreich sprichst. Ich habe mal versucht, mein ganzes Gefühlsleben mit dem denkenden Hirn zu begreifen (und im Grunde irgendwie auch dort bearbeiten bzw. lösen zu wollen), mittlerweile bin ich auch bei Tonglen angekommen und übe mich "einfach nur" darin, dass was jetzt gerade da ist annehmen und loslassen zu können und einen angemessenen Weg zu finden, manches davon auch mitzuteilen. Mit der Übung geht's dann langsam tiefer in die verschiedenen Gefühle rein.

    Pass bitte auf dich auf, manchmal kommt man allein nicht weiter mit Techniken aus Büchern.

    Möge es dir wohl ergehen.

    _()_

    Lieber Wu° , ich habe wirklich einen Augenblick darüber nachgedacht, Deinen Beitrag zu löschen. Das ist so der alte BL-Ton, der erstmal immer das schlechte unterstellt und rumätzt. Ich würde mich freuen, wenn auch Du zu einem wohlwollenden Ton findest.

    Lieber Hendrik,

    deine Antwort startet mit der Machtdemonstration zu zeigen, dass du hier am längeren Hebel sitzt.


    Vielleicht magst du bei dir mit dem Wohlwollen anfangen, statt erstmal das Schlechte zu unterstellen und die Keulen auszupacken. Geäußerte Kritik mag nervig sein, doch sie ist auch ein Geschenk, so du kein Interesse an einem leeren Forum hast.

    "Beginne, wo du bist

    Eine Anleitung zum mitfühlenden Leben"

    von Pema Chödrön


    Irgendwie habe ich bei ihr zwei Anläufe gebraucht und bei diesem speziellen Buch nochmal einen Umweg, dabei beschreibt sie so treffend und humorvoll.

    Shambala an. Da wird bis heute geleugnet, dass es überhaupt Missbrauch gab.

    das ist jetzt mal ne glatte Lüge!!!!!


    Dass sich Shambhala umfassend von Trungpa distanziert hätte, ist mir nicht bekannt. Selbst außerhalb von Shambhala gilt er als großer Lehrer, der, naja, halt ein Alkoholproblem hatte. Nobody is perfect.

    Zur Formulierung (nicht nur auf Shambhala bezogen): Was meinst du mit "umfassender Distanzierung von Trungpa"?

    Mir ginge es bei dem Thema erstmal nur um eine Distanzierung von den Verhaltensweisen (inkl Aufarbeitung des Gewesenen und Verhinderung von möglichem Zukünftigen.)

    Danach ist es mMn nicht grundsätzlich verkehrt die guten und die schlechten Seiten eines Menschen nebeneinander stehen zu lassen.


    (Parallel zu deinem Text direkt davor geschrieben.)

    das ist jetzt mal ne glatte Lüge!!!!!

    Danke Samten. Es war eine sehr kurze Suche bis zu einer Seite in der die Aufarbeitung geschildert wird.

    Lieber Gurkenhut , ich hatte gegenüber Samten bereits angekündigt, dass wir uns demnächst in einem separaten Thread mal sehr genau (und sachlich) Shambhala, Trungpa und Co. mal ansehen.

    Warum nicht in dem Faden schon mit der Sachlichkeit anfangen? Ich finde, diesem komplizierten Thema nutzt der Gebrauch einer präzisen Sprache.

    (Im übrigen gern Liebe Gurkenhut.)

    Und mein Freund Tenzin steht heute oft sehr einsam auf weiter Flur mit seiner Aufklärungsarbeit und wird von seinen Geschwistern in seiner Tradition arg bedrängt. Der tib. Buddhismus hat große strukturelle Probleme. Dass ich das schreibe - und im einzelnen zeigen kann - hat nichts mit einer grundsätzlichen kritischen Haltung gegenüber einem trad. Buddhismus zu tun, wie Du wohl vermutest.


    Wenn es in der deutschen bud. Szene nicht einige kritische Köpfe gäbe - Tenzin gehört natürlich dazu, aber vielmehr noch Buddhisten, die nicht in der tib. Traditionen stehen - gäbe es oft die Selbstkritik bei den Tibetern gar nicht. Das ist meine feste Überzeugung und zeigt sich an vielen Beispielen. Im Eingangspost geht es ja genau darum: Um das Schweigen über Missbrauch.

    1. Was erwartest du bei dem Thema? Das die Gemeinschaft, in dessen Reihen Missbrauch stattfand/stattfindet dem, der es öffentlich Bekundet fröhlich um den Hals fällt?

    2. Ich las den Eingangspost so, dass es um das Reden über Missbrauch ging.

    Der normale Weg ist es ja, dass sich Menschen freiwillig dazu entscheiden Mönche oder buddhistische Lehrer zu werden. Orgyen Thringle Dorje kam aber schon als Kind ins Kloster, würde dann mit 7 als Karmapa anerkannt. Dies bedeutet eine extreme Erwartung:

    Tatsächlich möchte ich auch nicht mit diesem armen Menschen tauschen. Ich verfüge über eine gewisse Freiheit zu gehen wohin ich will und zu sein, der ich möchte. Wer als kleines Kind schon für eine Rolle trainiert wird, wie er, hat das in diesem Masse nicht.


    Er wird von Menschen, die ihm begegnet sind, als depressiv beschrieben. Das rechtfertigt natürlich keinesfalls Missbrauch. Aber das ganze ist ein klarer Hinweis auf strukturelle Probleme dieser Religion.

    Klingt nach der Möglichkeit einer existenten Win-Win-Lösung.

    Wenn die Initiator_innen sich wenigstens einmal namentlich genannt hätten, ohne erkennbaren Bezug zum thematischen Austausch, hätte ich es als Anlass genommen, mal zu sehen, ob ich von ihnen was lernen kann.

    Ich bin derzeit arg zwiegespalten, was das lernen wollen angeht, bei gleichzeitiger Faszination für manch Lehrinhalt.


    Und es freut mich zu lesen, dass es die Plattform gibt, Meinungsfortentwicklung bei diesem Thema scheint mir gleichermaßen schwierig wie wertvoll.

    " Wir sind mit (...) einfach auf der sicheren Seite, dass es auf lange Sicht problemlos weiter läuft."

    Lieber Hendrik,

    ich schließe mich dem Dank für's Forum an, mit welcher Farbe auf immer. Der obige völlig falsch zitierte Satz hat mir gerade das erste Lachen des Tages geschenkt. _()_