Aus Lamrimschriften

  • Die Lamrimschriften sind vom Inhalt her Mahayanaschriften. Dies wird bereits in Atishas Schrift Die Lampe auf dem Pfad deutlich.


    In dem 3./4. und 5.Versdefiniert er die drei Gruppen von Praktizierenden: Die Praktizierenden mit niedriger, mittlerer oder höherer Motivation.


    "(3) Denjenigen, der mit irgendwelchen Methoden den eigenen Vorteil nur im Glück des Samsara sucht, den erkenne als Menschen mit niedriger Motivation.


    (4) Denjenigen, der dem Glück des Samsara den Rücken kehrt und sich von schlechten Handlungen abwendet, jedoch nur den eigenen Frieden im Sinn hat, den nenne einen Menschen mit mittlerer Motivation.


    (5) Derjenige, der alle Leidend er anderen vollständig und in jeder Hinsicht beenden möchte, weil ihre Leiden Bestandteil des eigenen Bewusstseinsstroms sind, der ist ein Mensch mit höherer Motivation."

    (Quelle: Atischa, die Lampe auf dem Weg, hrsg. vom Aryatara Institut 1985)


    Ab Vers 6 erklärt Atisha den Mahayanapfad, das Vollkommenheitsfahrzeug und das Tantrayana in 62 Versen:


    "Diesen hervorragenden Wesen, die die höchste Erleuchtung wünschen, werde ich die richtige Methode erklären, die mir von meinen Lehrern gezeigt worden ist."

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • es scheint so zu sein, dass die acht weltlichen Dharmas auch in den ausführlichen Lamrimschriften nicht besonders behandelt werden, aber indirekt sind sie natürlich angesprochen, wenn es darum geht, was aufzugeben ist.

    Den einzigen direkten Bezug auf die acht weltlichen Dharmas im ersten Band des Lamrim Chenmo habe ich hier gefunden (Band 1, S.350):


    Quote

    Moreover, the four cravings for gain, fame, praise and pleasure and the dislike for their opposites are quick to occur and difficult to get rid of. Strive to remedy this, and stop these eight worldly concerns by meditating on the faults of cyclic existence in general and by cultivating the mindfulness of death in particular. Eliminate pride, as it is the chief obstacle to the development of the path in this lifetime and causes future rebirth as servant and so forth.

    Meine Übersetzung:


    Darüber hinaus treten die vier Anhaftungen an materiellen Besitz, Ruhm, Lob und sinnliche Annehmlichkeiten und die Ablehnung von ihrem jeweiligen Gegenteil schnell auf und sind schwer loszuwerden. Bemühe dich dem abzuhelfen und beende diese acht weltlichen Dharmas, indem du über die Unvollkommenheit zyklischer Existenz im Allgemeinen meditierst und die Erinnerung an die Vergänglichkeit im Besonderen kultivierst. Beseitige Stolz, der ein Haupthindernis bei der Entwicklung auf dem Pfad in dieser Lebenszeit darstellt und eine zukünftige Wiedergeburt als Diener und so weiter bewirkt.

    Im Zusammenhang mit dem Zitat sprichst du von zwei Bedeutungen des Begriffs Dharma. Der Begriff Dharma hat aber noch eine Reihe weiterer Bedeutungen.

    Ja, das war mir bewusst. Es ging mir vor allem darum, auf die unterschiedlichen Bedeutungen in dem Zitat hinzuweisen und nicht um eine erschöpfende Erklärung des Bedeutungsfelds von "Dharma".

    Freundschaft mit sich selbst zu schließen, ist wesentlich, um sich auf dem Pfad weiter zu entwickeln.

  • Zu der Anhaftung an Lob und Anerkennung und der Ablehnung von Kritik habe ich mir einige Gedanken gemacht:


    Ich hafte an, wenn ich die Erwartungen von Anderen übererfüllen möchte, um deren Anerkennung zu erlangen. Ich bin in der Ablehnung, wenn ich die Erwartungen anderen brüsk zurückweise und gegen den Strom schwimme. Es sind zwei Seiten einer Medaille. In der Erfüllung der Erwartungen steckt die Ablehnung, da ich mit so einer Haltung nicht wirklich bereit bin von anderen etwas anzunehmen. Insgeheim halte ich mich für schlauer und möchte meine Unabhängigkeit in der Abhängigkeit bewahren. In der Ablehnung steckt der Wunsch nach Anerkennung, da ich mich mit meinem heroischen Stemmen gegen den Strom besonders hervor tue und über andere stelle.

    Der Wunsch nach Anerkennung und die Ablehnung von Kritik sind ein Paar der acht weltlichen Dharmas. Ich möchte diese Haltungen, die so tief in meinen Charakter eingegraben sind, loslassen und einen mittleren Weg finden. Es entsteht so viel Leid dadurch für mich selbst und für Andere. Ich möchte meine Zeit nicht in diesem Hamsterrad auf der Jagd nach einem scheinbaren Glück vergeuden, sondern sinnvoll einsetzen.

    Freundschaft mit sich selbst zu schließen, ist wesentlich, um sich auf dem Pfad weiter zu entwickeln.

  • "(3) Denjenigen, der mit irgendwelchen Methoden den eigenen Vorteil nur im Glück des Samsara sucht, den erkenne als Menschen mit niedriger Motivation.


    (4) Denjenigen, der dem Glück des Samsara den Rücken kehrt und sich von schlechten Handlungen abwendet, jedoch nur den eigenen Frieden im Sinn hat, den nenne einen Menschen mit mittlerer Motivation.


    (5) Derjenige, der alle Leidend er anderen vollständig und in jeder Hinsicht beenden möchte, weil ihre Leiden Bestandteil des eigenen Bewusstseinsstroms sind, der ist ein Mensch mit höherer Motivation."

    Ich frage mich, ob man diese Stufen in der Praxis wirklich scharf voneinander abgrenzen kann. Ich könnte mir vorstellen, dass da auch oft ein fließender Übergang passiert oder auch wie bei der Echternacher Sprungprozession (ein Schritt vor und zwei zurück) kein linearer Fortschritt statt findet.

    Ich habe tatsächlich bevor ich mit dem Lamrim-Studium und den Meditationen dazu angefangen habe auch schon mal versucht Tonglen zu praktizieren, was ja eigentlich mit die höchste Praxis der Praktizierenden mit höherer Motivation ist. Und ich hatte obwohl ich schon meine Schwierigkeiten damit hatte, trotzdem das Gefühl, dass ich dadurch weiter gekommen bin. Wie streng meinst du sollte man sich an die Abfolge der Schritte auf dem Pfad halten? Bauen die Schritte wirklich immer sinnlogisch aufeinander auf? Oder kann auch eine andere Reihenfolge beschritten werden?


    Man kann den Aspekt des Fortschreitens auf dem Pfad ja mit unterschiedlichen Bedeutungsakzente verstehen. So klingt "Stufen" schon anders als "Schritte" auf dem Pfad.

    Freundschaft mit sich selbst zu schließen, ist wesentlich, um sich auf dem Pfad weiter zu entwickeln.

  • Ich halte es für sinnvoll, sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Lamrim zu beschäftigen.


    Grundlegend ist natürlich erst einmal die Struktur des Lamrims. Sie ist geprägt durch die Einteilung der Praktizierenden in Praktizierende mit anfänglichen, mittleren und höchsten Fähigkeiten. Die Unterscheidung wird vorgenommen anhand der Motivation und Zielsetzung der Praktizierenden wie in den Versen 3-5 aus Atishas Die Lampe auf dem Weg. Entsprechend der Zielsetzung der Praktizierenden werden dann die Lehrreden Buddha Sakyamunis zugeordnet.


    Jeder Praktizierende kann sich selbst entsprechend der eigenen Zielsetzung einer dieser drei Stufen zuordnen und hat dann eine Orientierung bezüglich der Schulung.


    Es ist nützlich, diese Struktur beim Lesen der Lehrreden im Hinterkopf zu haben, weil man sich dann verdeutlichen kann, welcher Stufe eine Lehrrede zugeordnet werden kann. Das verringert die Gefahr, die Lehrreden des Buddha für widersprüchlich zu halten.


    Eine andere Perspektive ist es, den Lamrim als Schulungsweg aufzufassen. Dass der Lamrim ein Schulungsweg ist, ergibt sich ja auch aus Titeln von Lamrimschriften:

    • Atisha, Die Lampe auf dem Weg
    • Phagmodrupa, Wie man stufenweise in die Lehre Buddhas eintritt
    • Dje Tsong-kha-pa, Die große Darlegung des Stufenweges auf dem Pfad zur Erleuchtung

    So wie die drei Höheren Schulungen von Ethik, Konzentration und Weisheit aufeinander aufbauen so ist dies auch bei den drei Arten von Praktizierenden so.


    Die Übungen eines mittleren Praktizierenden bauen auf den Schulungen des Praktizierenden mit anfänglichen Fähigkeiten auf. Sich in den Übungen eines anfänglich Praktizierenden zu schulen, um eine Wiedergeburt als Mensch in der nächsten Existenz zu erlangen, ist ja wichtig. Ein Praktizierender mit mittleren Fähigkeiten erkennt, dass es zwar gut ist als Mensch wiedergeboren zu werden, aber die nächste menschliche Existenz nicht grundsätzlich besser sein wird als die jetzige. Deshalb strebt er eine Befreiung aus Samsara an. Um diese Befreiung erreichen zu können, ist eine menschliche Geburt erforderlich. Deshalb muss auch er sich in den Schulungen üben, die mit den anfänglichen Praktizierenden übereinstimmen. Aber macht dies mit einer anderen Motivation als der anfänglich Praktizierende.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Helmut


    Ja, das leuchtet mir schon ein, dass der Lamrim als eine systematisierte Form der Lehre seine Vorteile hat. Wenn die Menschen im Westen verschiedene Versatzstücke der Lehre hier und dort mitbekommen, aber nicht wissen wie sie im gesamten Lehrgebäude einzuordnen sind, dann bringt das sicher Probleme mit sich. Mir ging es ja ähnlich mit der Tonglen Meditation. Als ich dann erfahren habe, dass sie im Stufenweg eher am Ende steht und für sehr fortgeschrittene Praktizierende vorgesehen ist, hatte ich eine andere Perspektive auf diese Praxis und habe mich weniger unter der Druck gesetzt.


    Ich mache mal einen gewagten Vergleich. In der Schule gibt es in Mathematik einen Lehrplan, der vorsieht, dass bestimmte Themen in einer bestimmten Reihenfolge durchgearbeitet werden. Erst die Grundrechenarten, dann Flächenberechnung und dann der Satz des Pythagoras. Das ist als Lehrgebäude mit verschiedenen Ebenen / Plateaus mit Exposition von neuen Themen, Übungsphasen und Wiederholungen so festgelegt. Jetzt kommen aber die Reformpädagogen und sagen, ich mache schon in der fünften Klasse eine Unterrichtseinheit, in der die Kinder sich forschend mit dem Satz des Pythagoras auseinandersetzen. Das kann für einige Kinder das Verständnis für Geometrie vertiefen und ihre Begeisterung für Mathematik wecken. Aber die Lehrer, die nach dem Lehrplan vorgehen, schlagen wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammen und sagen, das könne man auf keinen Fall machen.

    Freundschaft mit sich selbst zu schließen, ist wesentlich, um sich auf dem Pfad weiter zu entwickeln.

  • Ich pick mir was raus, mache es und versuche mein Erfahren damit zu kommunizieren, da es meist nur Lehrer mit flatternden Händen über dem Kopf zusammenschlagende Lehrer gibt, schweige ich darüber.

  • Mabli ,


    man kann ja auf unterschiedliche Weise Zugang zum Dharma bekommen. Bei mir war es halt ein sechszehnmonatiger Kurs zum Lamrim am Tibetischen Zentrum Hamburg. Irgendwie brachte mich das Lesen verschiedener Bücher damals nicht mehr weiter.


    Andere lesen sich durch den Palikanon oder beschäftigen sich intensiv mit einzelnen Suttas wie zum Beispiel dem Sutta von den vier edlen Wahrheiten. Wieder andere finden ihren Zugang zur Lehre durch Sutra wie dem Lankavatarasutra, dem Lotossutra oder dem Diamantsutra. Meist kommen dann nach und nach weitere Schriften hinzu und das Bild rundet sich und kompletter.


    Wichtige Schriften sind für mich auch Santidevas Bodhicaryavatara, Candrakirtis Madhyamakavatara oder Nagarjunas Ratnavali. Jetzt steht wieder vermehrt der Lamrim im Mittelpunkt, da einer meiner Lehrer einen mehrjährigen Kurs zum Lam rim chen mo von Tsongkapa gibt.


    Ich denke, jeder muss entsprechend seinen Motivationen und Fähigkeiten den eigenen Zugang zum Dharma suchen und finden. Das ist nicht immer ein gradliniger Weg.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Die Übungen eines mittleren Praktizierenden bauen auf den Schulungen des Praktizierenden mit anfänglichen Fähigkeiten auf. Sich in den Übungen eines anfänglich Praktizierenden zu schulen, um eine Wiedergeburt als Mensch in der nächsten Existenz zu erlangen, ist ja wichtig. Ein Praktizierender mit mittleren Fähigkeiten erkennt, dass es zwar gut ist als Mensch wiedergeboren zu werden, aber die nächste menschliche Existenz nicht grundsätzlich besser sein wird als die jetzige. Deshalb strebt er eine Befreiung aus Samsara an.

    Die Übungen eines Praktizierenden mit höchsten Fähigkeiten bauen auf den Schulungen des mittleren Praktizierenden auf. Der höchste Praktizierende entwickelt Mahakaruna und Bodhicitta, um die Fähigkeiten zu erlangen, die es ihm ermöglichen, den anderen fühlenden Wesen den Weg aus Samsara entsprechend ihren Fähigkeiten aufzuzeigen und zu vermitteln.


    Bodhicitta kann man aber nur entwickeln, wenn man die eigene leidvolle Situation in Samsara erkannt hat. Man entwickelt Bodhicitta, weil man erkennt, dass die anderen fühlenden Wesen in derselben leidvollen Situation sind wie man selber und dies nicht ertragen kann.


    Zu dem Zusammenhang der Übungen der drei Arten von Praktizierenden aus dem Lam rim chen mo:

    • Kontempliere und meditiere zunächst wie ein Mensch mit Mindestbefähigungen [Praktizierender mit anfänglichen Fähigkeiten] aufgrund welcher Handlungen und wie intensiv dir in der langen Vergangenheit der Existenzen die Ursache für deine unzähligen Leiden widerfuhren
    • Auf dieser Basis erkenne meditativ wie ein Mensch mit mittleren Befähigungen, dass dir selbst in einem der glücklichen Daseinsbereiche - als Mensch oder als deva - unermessliche Leiden widerfahren, so dass du die scheinbar vorteilhaften Lebensweisen endgültig verlassen und Entsagen praktizieren willst
    • Auf Basis der heilsamen Haltung des Entsagens kannst du schließlich den Geisteszustand einer bedingungslosen Liebe und eines umfassenden Mitgefühls für alle fühlenden Wesen entwickeln, indem du etwa deine Empathie steigerst, sodass die Anderen dir so nahe sind wie du dir selbst. Hiervon ausgehend wirst du schließlich einen authentischen und handelnden Erleuchtungsgeist entwickeln, im Geist verankern und entsprechend agieren.

    (Die große Darlegung des Stufenweges auf dem Pfad zur Erleuchtung, dharma-univerity-press.org, 2019, S.157/158)

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Der Praktizierende mit anfänglichen Fähigkeiten, der eine hohe Wiedergeburt als Mensch anstrebt, schult sich

    • erstens darin, sich von den unzuverlässigen Annehmlichkeiten dieses Lebens abzuwenden und
    • zweitens darin, die Ursachen für das Glück zukünftiger Leben anzusammeln.

    Der erste Punkt hat wiederum zwei Aspekte: "[1] Sich daran erinnern, dass man sterben wird, sowie überlegen, dass man nicht lange auf dieser Welt bleibt; [2] was in späteren Existenzen kommen wird: das Glück und Leid der zwei Arten von Wesen, die im Daseinskreislauf umherwandern."


    Man erinnert sich daran, dass man sterben wird und nicht lange auf dieser Welt bleibt indem man über vier Themen kontempliert und meditiert:

    "[1] welche Nachteile entstehen, wenn man sich den Tod nicht vergegenwärtigt; [2] welche Vorteile die Entwicklung dieser Vergegenwärtigung mit sich bringt; [3] welches Bewusstsein der Vergegenwärtigung des Todes hervorgebracht wird und [4] wie man die Vergegenwärtigung des Todes entwickelt."


    Zitate aus: Tsongkhapa, Der Mittlere Stufenweg, München 2007, S.106

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Quote

    In den Unterweisungen heißt es, wir sollten uns an die Vergänglichkeit des Lebens und aller geschaffenen Phänomene erinnern. Da das Leben vergänglich ist, werden wir früher oder später unseren Körper verlassen müssen und mit ihm alle anderen Objekte. Das einzige, was wir im Moment unseres Todes mit uns nehmen können, ist das von uns geschaffene tugendhafte und untugendhafte Karma.

    Quote

    Wir müssen darüber nachdenken, dass auch wir im Moment des Todes nichts mitnehmen können, weder unsere Kinder noch unseren Ehemann oder die Ehefrau und auch nicht unsere Verwandten oder das in diesem Leben angesammelte Vermögen. Wenn wir sterben, lassen wir alles zurück. In Zukunft werden wir nichts mehr von dem benutzen können, was wir im Laufe einer Existenz angesammelt haben - außer dem Karma, welches wir erzeugt haben.

    Quelle der beiden Zitate: Geshe Yeshe Tobden, Der Weg des sanften Kriegers - Kommentar zu Santidevas Bodhisattvacaryavatara, München 2003, S.346/347

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • "[1] welche Nachteile entstehen, wenn man sich den Tod nicht vergegenwärtigt;

    "Heute sterbe ich nicht - so denken wir Tag um Tag. In Gedanken allein an dieses Leben, trübt sich der Blick unseres Geistes. Unsere guten Handlungen haben wenig Kraft, die schlechten befallen unsere drei Tore. So kehren wir den Lehren den Rücken. Was gäbe es, das erschreckender wäre? Deshalb bewahre den Gedanken an den Tod im Herzen und sieh her - die Wege, im Leben Großes zu erreichen, entbehren eines tieferen Sinnes!


    Die Haltung, noch nicht zu sterben, öffnet Verfall Tür und Tor."


    Quelle: Gomchen Ngawang Dragpa, Das Herzstück aller vortrefflichen Lamrim-Lehren

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Nachdem Gomchen Ngawang Dragpa kurz die Nachteile, die sich ergeben, wenn man nicht über den eigenen Tod meditiert, genannt hat, skizziert er den Nutzen, der sich aus der Meditation des eigenen Todes ergeben:


    "Sich des Todes bewusst zu sein, ist die Quelle alles Ausgezeichneten. Kurz, was alle Wesen ans Ziel bringen wird, das hast du jetzt gefunden. Sieh die Fehler darin, dich durch Essen und Trinken abzulenken, die Übung vor dich her zu schieben, in Schlaf und Dumpfheit zu verfallen oder in sinnloses Gerede. Wann ich sterbe kann niemand wissen. Lasse diesen Gedanken tief eindringen in dein Herz."

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Der dritte Punkt dieser Kontemplationen über den Tod besteht darin, sich zu verdeutlichen, welches Bewusstsein durch die Vergegenwärtigung des Todes hervorgebracht wird.


    "Bei denen, die ungeübt auf dem Pfad sind, zeigt sich die Angst vor dem Tode als Angst vor der Trennung von Angehörigen, diesbezügliche Sorge usw. Das ist es nicht, was hier geübt werden soll. Was also dann? Alle Körper, die unter dem Einfluss von Karma und Geistesplagen angenommen wurden, überdauern den Tod nicht. Das ist vorläufig nicht zu ändern, auch wenn es Angst macht. Jedoch ist der Tod vor allem deswegen zu fürchten, weil wir die Ursachen für die elenden Bereiche nicht getilgt und die Ursachen für höhere Bereiche und das letztlich Gute nicht verwirklicht haben. Wenn wir über die dadurch bedingte Angst nachdenken, können wir dafür sorgen, dass wir im Augenblick des Todes angstfrei sein werden, denn es besteht ja die Möglichkeit, die entsprechenden Ursachen zu verwirklichen. Setzen wir das jedoch nicht in die Tat um, so werden wir beim Sterben von Reue gepeinigt werden - aus Furcht, vom Daseinskreislauf allgemein nicht freizukommen und insbesondere davor, dass wir in die elenden Bereiche hinabfallen."


    Quelle: Je Tsongkapa, Der Mittlere Stufenweg, München 2007, S.110


    Nach diesen drei Kontemplationen, die Nachteile sich den Tod nicht zu vergegenwärtigen, die Vorteile sich diesen zu vergegenwärtigen und welches Bewusstsein durch die Vergegenwärtigung des Todes hervorgebracht wird, beginnt dann die Meditation über die Vergegenwärtigung des Todes anhand von drei Grundgedanken, die jeweils mit drei Gründen und einem Entschluss verbunden sind.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.