Posts by fotost

    Was tatsächlich reinkarniert, ist Kultur, Gene, Religion, Tradition, aber es gibt keinen Persönlichkeitskern oder eine Seele.

    Ok, das erstere ist wohl am tiefsten in der Darwinschen Evolutionslehre zu sehen, die in der etablierten Wissenschaft allgemein akzeptiert wird**, das zweite 'es gibt keinen Persönlichkeitskern...' ist unter der Bezeichnung Anatta zentraler Teil der Buddha Lehre.


    Ich empfehle Die Rede vom Merkmal der Seelenlosigkeit


    Ich begrüße es, daß Du beim Teil Reinkarnation auch auf Elemente wie Kultur, Tradition eingehst, das wird meiner Meinung nach zu selten beachtet, steht aber keineswegs im Widerspruch zur Lehre. Wenn wir akzeptieren, daß der Mensch ein soziales Wesen ist, macht eine Erweiterung des Reinkarnationsgedanken auf diese Ebene Sinn.


    ** Wer kennt Buddhisten, die sich gegen die Evolutionstheorie wenden? Es gibt andererseits eine Menge fundamentalistische Christen und besonders Muslime, die dagegen wettern..

    Zuerst einmal - es ist schade, daß Du Deinen persönlichen Zugang zur Lehre verloren hast (oder abgebrochen hast). Aus dem, was Du geschrieben hast, bin ich allerdings nicht ganz sicher, wie weit dieser Zugang gereicht hat.


    Für mich ist Buddhismus relativ einfach eine Erfahrungslehre, die eindeutig atheistisch ist. Aus der Selbstbeschreibung des von Dir verlinkten YT Kanals


    Quote

    Menschen ohne traditionellen Glauben an persönliche Götter, also übernatürliche Wesen, die neben der Erschaffung von Weltall und den Inhalten auch jeden Menschen in Handarbeit herstellen, allmächtig, allwissend, all-dieses und all-jenes sind.

    Wo wäre das in der Lehre zu finden? Sicher beschreibt Buddha an vielen Stellen Götter, Geister und ähnliches, aber das hat mit theistischen Ideen kaum etwas zu tun.


    Wo überhaupt ist in der Kern-Lehre etwas zu finden, daß man 'glauben' müsste? Das Beispiel, das Du gibst - es ist möglich, aus dem Leidenskreislauf auszusteigen - lässt sich vielleicht naturwissenschaftlich schwer belegen, aber es ist persönliche Erfahrung von vielen Menschen, die sich von religiösen Erfahrungen abhebt.


    Buddhismus ist keine 'andere Religion', deshalb danke, aber nein danke an Deine Einladung! Ich habe keine Lust, an irgendwelchen Gladiatorenwettkämpfen zur Belustigung einer anonymen Menge teilzunehmen. Sehr viel früher hätte ich es vielleicht gemacht, aber ich verstehe inzwischen, daß so etwas regelmäßig auf eine endlose Streiterei über Semantik oder private Elemente hinausläuft.

    Der erste Schritt des achtfachen Pfades ist 'rechte Anschauung, manchmal auch rechte Ansicht oder rechtes Verstehen genannt. Die Idee dabei ist für mich, daß man die Lehre zuerst einmal gehört oder gelesen haben muss, um sie übend anwenden zu können. Damit wird klar, warum diese Komponente der Weisheitsteile des achtfachen Pfades ganz am Anfang steht.


    Ohne Wissen über die Lehre gibt es nur ein mehr oder weniger zufälliges, teilweises Befolgen der Lehre, wie wir es zum Teil in anderen Lehren sehen, die sich nach dem Buddhismus ohne jede Kenntnis des Buddhismus entwickelt haben. Als Beispiel etwa der europäische Humanismus. (Ich will hier auf keinen Fall eine Diskussion darüber auslösen, wie weit einzelne Gründerfiguren des europäischen Humanismus Wissen über die buddhistische Lehre hatten - wäre bestimmt interessant, aber das sollte ein eigenes Thema sein.)


    In einem tieferen Verständnis, also bei denjenigen, die sich auf den Weg gemacht haben, verändert sich dann der Begriff Unwissenheit. Vieles dazu wurde hier schon geschrieben. Es geht dann darum, die Weisheit der Lehre nicht anwenden zu wollen (aus welchem Grund auch immer) obwohl eigentlich der buddhistische Weg zu einer spezifischen Frage bekannt ist.


    Ich würde es mehr in die Richtung - nicht wissen wollen, vorhandene Erkenntnis ablehnen - sehen. Handeln gegen besseres Wissen, aufgebaut auf der Lehre widersprechende, der Lehre fremde Ideen.

    Auf die Ausgangsfrage zurückkommend 'Können sich Psychotherapie und Buddhismus ergänzen?' - es kommt wohl darauf an, wer hier versucht, Elemente aus verschiedenen Ebenen zu integrieren.


    Ich sehe zuerst einmal keine echten Hindernisse, wenn die Beteiligten bereit sind, sich darauf einzulassen. In einer echten Psychotherapie wird das Thema Buddhalehre sowieso irgendwann angesprochen, wenn klar wird, daß das Konzept der Lehre Teile des Denkens und Handelns beeinflussen.


    Wenn man nicht gerade ein Mönch ist, bestimmt Buddhismus nicht das gesamte Leben. Genauso gut könnte man fragen 'Können sich Sport und eine gesunde Ernährung und Buddhismus ergänzen?'

    Nun, in der Medizin gilt wohl - was Wirkung hat, kann auch Nebenwirkungen haben!


    Ich kann mir gut vorstellen, daß das, was die meisten bei Meditationserfahrungen als positiv erleben, das Herunterfahren und die zeitweilige Befreiung von Störfeuer bei anderen, die sich auf ein gewisses Niveau von Störfeuer eingestellt haben als sehr ungewöhnlich und damit als Bedrohung angesehen werden kann. Angst ist durchaus eine 'normale' Reaktion auf starke Veränderungen.


    Es wäre spannend zu erfahren, ob es diese Situation bereits zu Lebzeiten Buddhas gegeben hat und was dazu empfohlen wurde.

    Der ganze Theravada ist von einem tiefen Respekt gegenüber Lehrern gekennzeichnet


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    »Mit 'Gott' bezeichnet man die Eltern, 'die ersten Lehrer' nennt man sie; sie sind der Kinder Ehrfurcht würdig, [2] sind die Erbarmer des Geschlechts. Es schenke ihnen darum Achtung der Weise und bediene sie mit Speise wie auch mit Getränken, mit Kleidung und mit Lagerstatt, mit Baden und mit Gliederreiben und mit der Füße Waschung auch.

    Anguttara Nikaya III.31-40


    Es ist ganz bestimmt kein Zufall, daß nach dem Pali Kanon die ersten Menschen, denen Buddha nach seinem Erwachen von seinen neuen Erfahrungen erzählen wollte (und die er eindeutig bekehren wollte) seine beiden letzten Lehrer Āḷāra Kālāma und Uddaka Rāmaputta sind. Erst nachdem er erfährt, daß beide inzwischen verstorben sind, wendet er sich an seine ehemaligen mit-Asketen.


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    "Ich erwog folgendes: 'Wen sollte ich zuerst das Dhamma lehren? Wer wird dieses Dhamma schnell verstehen?' Da fiel mir ein: 'Die Bhikkhus der Fünfergruppe, die mir aufwarteten, während ich mit meinen Bemühungen (asketische Übungen) beschäftigt war, waren sehr hilfsbereit. Angenommen, ich lehre sie zuerst das Dhamma.'

    Majjhima Nikāya 26


    Interessant ist aber, daß Buddha in gleichem Zusammenhang betont, daß er selbst für den entscheidenden Schritt keinen Lehrer hatte und brauchte.


    Majjhima Nikāya 26


    Die grundsätzlichen Grenzbedingungen für alle Lehrertätigkeit ist wieder in der Kalamer Sutta zu finden


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    Geht, Kālāmer, nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters! Wenn ihr aber, Kālāmer, selber erkennt: 'Diese Dinge sind heilsam, sind untadelig, werden von Verständigen gepriesen, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Segen und Wohl', dann, o Kālāmer, möget ihr sie euch zu eigen machen.

    Anguttara Nikaya 3 (62-66)


    Einem Lehrer zuzuhören kann gut sein, die Wahrheit des Dargelegten selbst verstehen, ist besser!


    Buddha war ein Menschenkenner. Zu seinen allerletzten Äußerungen gehört ganz klar die Idee, daß nach seinem Tod die dargelegte Lehre allein die Richtschnur sein soll und daß es keines Lehrers bedarf.


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    Dann sprach der Erhabene den ehrwürdigen Ānanda an: "Es könnte sein, dass euch einfallen würde: 'Der Meister dieser Lehre ist vergangen, nicht gibt es für uns einen Meister.' So sollt ihr das, Ānanda, aber nicht sehen. Die von mir dargelegte Lehre und die von mir erlassene Zucht, Ānanda, ist nach meinem Tode euer Meister.

    Digha Nikaya 16.2


    An gleicher Stelle


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    «Was hat denn, Anando, die Jüngerschaft noch von mir zu erwarten?

    Aufgewiesen hab' ich, Anando, die Satzung, und habe kein Innen und kein Außen gemacht: nicht gibt es, Anando, beim Vollendeten ein Aufsparen in der hohlen Faust.

    Wer da etwa, Anando, also dächte: "Ich habe die Jüngerschaft zu lenken", oder: "Auf mich angewiesen ist die Jüngerschaft", der hätte ja wohl, Anando, in betreff der Jüngerschaft noch etwas anzuordnen. Der Vollendete hat, Anando, keine solchen Gedanken, wie: "Ich habe die Jüngerschaft zu lenken", oder: "Auf mich angewiesen ist die Jüngerschaft"; was sollte, Anando, der Vollendete in betreff der Jüngerschaft irgend noch anzuordnen haben? Ich bin doch, Anando, jetzt alt geworden, ein Greis, hochbetagt, bin meinen Weg gegangen, am Ziel angelangt, stehe im achtzigsten Jahre. Gleichwie etwa, Anando, ein abgeratterter Karren mit Ach und Krach weitergebracht wird, ebenso auch wird, Anando, mit Ach und Krach, so zu sagen, der Leib des Vollendeten weitergebracht.

    Abgesehen von dem, was SteFo geschrieben hat, würde ich den Blick lenken auf den Bereich, in dem Regeln für ein organisiertes Zusammenleben explizit aufgestellt sind, auf den Vinaya Pitaka.


    Da ist ganz deutlich ein hierarchisches System zu erkennen, mit zum Teil Überregelungen von Kleinigkeiten und deutlichen Strukturen und Funktionen, die an Gerichtsbarkeit, Wahlen etc. erinnern. Wenn Du Teilbereiche der Buddhistischen Gemeinde nimmst wie etwa im imperialen Japan oder in chinesischen Shaolin Klöstern ist sogar eine gewisse Nähe zu militärnahen Strukturen zu sehen, wenn man denn möchte,


    In der realen Welt außerhalb des Ordens hat sich die Lehre und ihre Anhänger recht anpassungsfähig an die unterschiedlichsten Gesellschaftssysteme gezeigt.

    Vielleicht so ungefähr wie meine Nachbarin. Ungefähr 85, geistig wach und immer freundlich trotz zunehmender körperlicher Probleme.

    Falls es das geben würde, ich würde mir schon eine Statue nach ihrem Vorbild irgendwo hinstellen. Obwohl ich nicht denke, daß sie noch einen Kreuzsitz schaffen würde - aber dafür gibt es ja Photoshop.. 8)

    Was mir hier wichtig ist (und besonders im Zusammenhang mit den Merkmalen anicca, dhukka und anatta.

    Weder Bewusstsein noch Verstand haben eine zeitlich oder geistig übergeordnete Bedeutung.


    Bewusstsein ist der Versuch des Einzelnen, sich zu erklären, Verstand ist vielleicht der Versuch von Gruppen so etwas wie Bewusstsein zu definieren. Wenn Du Unterschiede herausarbeiten möchtest, solltest Du mit Deinen eigenen Definitionen starten!


    Wo fängst Du an mit Deinen Fragen?

    Zu einer Zeit, als die 60- und 70-jährigen, die heute in buddhistischen Zentren auftauchen oder in Foren wie diesen schreiben, in ihren Zwanziger waren und in der die christlichen Kirchen noch die Hoffnung hatten, sie könnten langfristig in Europa überleben, gab es verschiedene Ansätze zu gemeinsamen Gesprächen und sogar gemeinsamen Aktivitäten wie geteilte Meditationen in katholischen Klöstern (buddhistische Zentren dafür gab es damals fast nicht).


    Ohne jetzt größere Untersuchungen anzustellen - es sieht für mich so aus, als ob alle diese Versuche eines Dialogs im Sande verlaufen sind und letztlich ohne Ergebnis verblieben,


    Hat jemand eine Erklärung dafür und/oder gute Studienergebnisse, die eine Übersicht geben?

    Ohne den Versuch einer 'Schuldzuweisung' - welche Seite hat zuerst aufgegeben?

    Kennt jemand parallele Aktivitäten aus dem asiatischen Raum?

    Quote

    „Aller Kummer, alle Klagen und die zahllosen Arten von Leiden in der Welt treten wegen unserer Lieben auf; wenn wir keine Lieben haben, treten sie nicht auf.

    Darum sind die, die in der ganzen Welt überhaupt keine Lieben haben, glücklich und frei von Gram. Daher strebe den unbefleckten Zustand an, wo kein Kummer herrscht, und hab in der Welt überhaupt keine Lieben.“

    Visākhāsutta—Sabbamitta


    Wenn man hier Lieben mit Anhaften oder Idee der Erfüllung unserer Wünsche durch andere übersetzt, macht das absolut Sinn.

    @Anna Panna


    danke für die freundliche Antwort. Ich mag besonders den Begriff 'der Natur vertrauen'.


    Für mich als betont säkularen Buddhisten sind die einfachen Themen der Lehre die wichtigsten.

    Die erste der edlen Wahrheiten: das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll! Leben bedeutet nicht Leiden, es bedeutet der Gefahr des Leidens ausgesetzt zu sein. Die weiteren edlen Wahrheiten zeigen den Weg davon weg.


    Was auch das letzte mögliche Leiden umfasst. Vertrauen in die Lehre und die Vorbereitung kann auch die Erfahrung der letzten Grenze erträglicher machen.

    Für die meisten Menschen ist das Reden über oder der Gedanke an den Tod unangenehm und wird am besten ausgeblendet.

    Der Versuch etwas festzuhalten, der Drang anzuhaften als eine der letzten Quellen des Leidens.

    Ich habe jetzt nicht den ganzen Thread durchgelesen und ich hoffe, ich wiederhole nichts.


    Habt ihr mal überlegt, daß in Extremsituationen wie Sterben, besonders, wenn es ein natürlicher (Alters)Tod ist und kein Unfall oder so etwas, der Körper sowieso eine Menge natürlicher Stoffe aussendet, um die Situation zu erleichtern? Einige dieser Stoffe sind durchaus mit massiven Drogen wie Opiaten zu vergleichen.


    In jedem Krieg gibt es Berichte von Soldaten, die Schusswunden erhalten und trotzdem einfach weitermachen, weil ihr Körper genug eigene Schmerzmittel produziert, um die Folgen der Verletzung für eine Weile zu unterdrücken.

    Außerdem laufen die fortschrittlichen Leute ja reihenweise davon. Die Austritte gehen ja nicht zurück durch das was jetzt so versucht wird. Papiere sind noch keine Änderungen im Kirchenrecht.

    Ich bin nicht sicher, ob man den Leuten, die aus den Amtskirchen austreten, immer unterstellen kann, daß sie innerhalb der Kirche eine fortschrittliche Haltung eingenommen hätten. Was auch immer fortschrittlich in diesem Zusammenhang bedeuten mag.


    Die meisten Austritte dürften das Ergebnis einer Kombination von kritischen Überlegungen zu den Berufskirchen in Verbindung mit der Erhebung von Zwangsbeiträgen (der Zehnte) sein.


    Die Verfehlungen der Kirchen werden keinen kleinen Beitrag geleistet haben.


    Frage: Das ganze läuft hier unter der Überschrift 'Buddhismus: Missbrauch im Namen der Erleuchtung' einer TV Sendung im Arte Kanal. Hat jemand die Sendung zum problematischen Umgang der (hauptsächlich katholischen - ja, Arte ist ein halb französischer Sender) Kirche mit dem Gesamtthema Sexualität gesehen? Unmittelbar vor der Sendung zum Missbrauch in buddhistischen Gruppen?


    Also, wäre ich Katholik gewesen, hätte ich nach dieser Sendung eine Menge Fragen gehabt. Wäre ich ein schwankender Katholik, hätte ich inzwischen vielleicht meinen Austritt eingereicht.

    Also, wenn ich eine Schwester hätte, würde ich sie wahrscheinlich lieben.

    Aber wenn ich jemanden 'kleine Schwester' nennen würde, wäre das für mich ganz klar weit weg von amourösen Gedanken. In dieser Richtung solltest Du Dir keine Gedanken machen (sag' ich mal so als 70-jähriger Mann). Zur völligen Absicherung vielleicht ein Foto schicken mit Ehemann an der Seite.


    Was den Austausch von Geschenken angeht, so etwas kann immer daneben gehen, selbst bei besten und unschuldigsten Absichten unter Menschen aus dem gleichen Kulturkreis. Geld dürfte auch für einen tibetischen Mönch nicht unproblematisch sein, gibt es doch die Idee der Besitzlosigkeit.


    Vielleicht könntest Du im Diskurs das Gespräch darauf bringen.. Die Überbetonung des Materiellen hier im Westen und wie er in Nepal damit umgeht.


    Vielleicht solltest Du ganz direkt zum Ausdruck bringen, daß Dir bewusst ist, daß 300 Euro in Nepal oder in Deutschland ganz einfach zwei vollkommen unterschiedliche Dinge sind. Oft sind die Vorstellungen von Menschen in sich entwickelnden Ländern vom Leben im Westen genauso unrealistisch wie umgekehrt.


    Wenn das Geschenk ankommt, gib ihm einen schönen Platz und mach' ein paar Fotos davon. Die kannst Du sogar hier posten :)


    Ich wünsche Dir das beste für Deine Beziehung über tausende Kilometer..

    Die von mir dargelegte Lehre und die von mir erlassene Zucht, Ānanda, ist nach meinem Tode euer Meister.

    Wie kann ein Toter eine ganz normale Person sein?

    Verstehe ich nicht. Weder die dargelegte Lehre noch die Zucht sind tot, geschweige denn ein Toter.

    Es geht darum, daß die Sangha nach dem Tod des Buddha keinen neuen Lehrer braucht.

    Ich vermute, es ging darum, keine Eifersüchteleien, Gier nach Ämtern etc. aufkommen zu lassen und damit Spannungen zu vermeiden.

    [buddhistische Brille - tibetische:] Der Schüler soll den Lehrer als Buddha sehen. Der Lehrer ist aber nur insofern Lehrer als er lehrt, also die Lehre verkündet. D.h. indem der Lehrer die Lehre verkündet ist er Buddha. Hat der die Belehrung beendet, ist er nicht mehr Buddha, sondern eine ganz normale Person. Das verstehen offensichtlich einige Schüler nicht und projizieren "Buddha sein" auf die Person als solche und unterwerfen sich damit der Niedrigkeit der Person als solcher.

    Der Schüler soll den Lehrer als Buddha sehen, steht mE im direkten Widerspruch zu Lehre.

    Zitat

    »Das Reich der Wahrheitslehre,

    wie er's selbst erkannt,

    hat, als ein Lehrer ohnegleichen,

    der Buddha dieser Welt gekündet:

    A.IV.33 Der Löwe


    Zitat

    Ich habe keinen Lehrer, Meinesgleichen

    Ist nirgends auf der ganzen Welt zu finden

    Mit allen ihren Göttern, denn ich habe

    Als Ebenbild nicht mal ein einz'ges Wesen.

    Majjhima Nikāya 26


    Zitat

    Dann sprach der Erhabene den ehrwürdigen Ānanda an: "Es könnte sein, dass euch einfallen würde: 'Der Meister dieser Lehre ist vergangen, nicht gibt es für uns einen Meister.' So sollt ihr das, Ānanda, aber nicht sehen. Die von mir dargelegte Lehre und die von mir erlassene Zucht, Ānanda, ist nach meinem Tode euer Meister.

    Dīgha-Nikāya 16.6 Vers 1


    Hat der die Belehrung beendet, ist er nicht mehr Buddha, sondern eine ganz normale Person.


    Dieses etwas gruselige Dr. Jekyll und Mr. Hyde Bild ist doch fast genau das, was in der Doku als entschuldigende Erklärung für die Untaten selbst von einigen Opfern genannt und entlarvt wurde.

    Hat die Doku eure Wahrnehmung über den Buddhismus irgendwie geändert?

    Die Doku ist ja in einem Abendprogramm eingebunden gewesen, bei dem es um 'Macht und Religion' in einigen Zusammenhängen ging. Ich habe mir die Sendung zum Thema Zölibat davor angesehen und ganz ehrlich, die ist in jeder Beziehung besser gemacht gewesen. Persönlicher, mit mehr Information und einfach technisch besser!


    Mit der Sendung Missbrauch im Namen der Erleuchtung war das dann 3 Stunden Fernsehen und das war weit mehr als ich vertragen kann, so daß ich die folgende Sendung, obwohl auch interessant anmutend abgeschaltet habe.


    Es braucht mehr, um meine Wahrnehmung der Lehre oder der Praxis zu verändern als eine Fernsehsendung. Trotzdem bin ich für einige neue Informationen dankbar.


    Daß es überall, wo es Macht direkt neben Ohnmacht gibt, Übergriffe gibt und daß Buddhisten keine Übermenschen sind, war mir vorher klar. Was mich irritiert hat, war (genau wie bei der Sendung davor zu dem katholischen Thema) das Ausmaß des gezielten Wegsehens der 'übergeordneten Dienststellen'.

    Abgrenzungsenergien? Sicher, ich möchte mit solchen Leuten so wenig wie möglich zu tun haben. Oder um ausnahmsweise mal was aus der Bibel zu zitieren -

    Zitat

    Laß die Toten ihre Toten begraben

    (Lk 9, 60)


    Daß solche (sehr gelegentlichen) direkten Beobachtungen auch meine restliche EInstellung zu Kirche und Religion mitprägen, ist logisch. Genau wie die regelmäßigen Missbrauchsskandale an Kindern und Jugendlichen und die ewigen Geldgeschichten der Kirchen.


    Hass? Ich bin wahrscheinlich einer der Hass freiesten Menschen, mit denen Du je Kontakt haben wirst. Ich habe nur kein Problem damit, meine Meinung zu äußern und ich lasse es mir auch nicht von anderen schlechtreden.


    Falls es Dir Unwohlsein verursachen sollte - es gibt im Bereich Kontrollzentrum - Einstellungen die Möglichkeit Benutzer des Forums für Dich zu sperren. Bei mir ist da niemand drin...


    Dir ein gutes Wochenende

    Sicher wird jeder Buddhist Elemente jeder fremden Lehre, die teilweise zur Auflösung des Ego-Gedanken beiträgt, begrüßen.


    Die einzig echte buddhistische Antwort ist und bleibt dabei aber die Anatta Lehre


    Zitat

    16. "Daher, ihr Bhikkhus, sollte jegliche Art von Form, ob vergangen, zukünftig oder gegenwärtig, innerlich oder äußerlich, grob oder subtil, niedrig oder hoch, entfernt oder nah, sollte alle Form mit angemessener Weisheit der Wirklichkeit entsprechend gesehen werden: 'Dies ist nicht mein, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst.' Jegliche Art von Gefühl, ob vergangen, zukünftig oder gegenwärtig, innerlich oder äußerlich, grob oder subtil, niedrig oder hoch, entfernt oder nah, alles Gefühl sollte mit angemessener Weisheit der Wirklichkeit entsprechend gesehen werden: 'Dies ist nicht mein, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst.' Jegliche Art von Wahrnehmung, ob vergangen, zukünftig oder gegenwärtig, innerlich oder äußerlich, grob oder subtil, niedrig oder hoch, entfernt oder nah, alle Wahrnehmung sollte mit angemessener Weisheit der Wirklichkeit entsprechend gesehen werden: 'Dies ist nicht mein, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst.' Jegliche Art von Gestaltungen, ob vergangen, zukünftig oder gegenwärtig, innerlich oder äußerlich, grob oder subtil, niedrig oder hoch, entfernt oder nah, alle Gestaltungen sollten mit angemessener Weisheit der Wirklichkeit entsprechend gesehen werden: 'Dies ist nicht mein, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst.' Jegliche Art von Bewußtsein, ob vergangen, zukünftig oder gegenwärtig, innerlich oder äußerlich, grob oder subtil, niedrig oder hoch, entfernt oder nah, alles Bewußtsein sollte mit angemessener Weisheit der Wirklichkeit entsprechend gesehen werden: 'Dies ist nicht mein, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst.'" [3]

    17. "Indem er so sieht, wird ein wohlunterrichteter edler Schüler ernüchtert der Form gegenüber, ernüchtert gegenüber dem Gefühl gegenüber, ernüchtert der Wahrnehmung gegenüber, ernüchtert den Gestaltungen gegenüber, ernüchtert dem Bewußtsein gegenüber."

    18. "Wenn er ernüchtert wird, wird er begierdelos. Durch Begierdelosigkeit ist (sein Geist) befreit. Wenn er befreit ist, kommt das Wissen: 'Er ist befreit.' Er versteht: 'Geburt ist zu Ende gebracht, das heilige Leben ist gelebt, es ist getan, was getan werden mußte, darüber hinaus gibt es nichts mehr.'"

    Majjhima Nikāya 109


    (So oder sinngemäß in Dutzenden anderer Texte)


    Das vollständige Verstehen diese Lehre ist Voraussetzung für alles Weitere


    Zitat

    Wenn da, ihr Mönche, ein Mönch irgend etwas (kañci dhammam) als ein Ich (*1) betrachtet, so ist es unmöglich, daß er lehrgemäße Überzeugung besitzt. Besitzt er aber keine lehrgemäße Überzeugung, so ist es unmöglich, daß er den vollkommenen Pfad der Gewißheit betreten kann. Hat er aber nicht den vollkommenen Pfad der Gewißheit betreten, so ist es unmöglich, daß er die Frucht des Stromeintritts, der Einmalwiederkehr, der Nichtwiederkehr oder der Heiligkeit verwirklichen wird.

    Wenn aber, ihr Mönche, ein Mönch jegliche Erscheinung als Nicht-Ich betrachtet, so ist es wohl möglich, daß er lehrgemäße Überzeugung besitzt. Besitzt er aber lehrgemäße Überzeugung, so ist es wohl möglich, daß er den vollkommenen Pfad der Gewißheit betreten wird. Hat er aber den vollkommenen Pfad der Gewißheit betreten, so ist es wohl möglich, daß er die Frucht des Stromeintritts, der Einmalwiederkehr, der Nichtwiederkehr oder der Heiligkeit verwirklichen wird.

    A.VI.100 Lehrgemäße Überzeugung III - 5. Anatta Sutta


    Zu Deiner Anmerkung zum Thema Nächstenliebe - wenn ich gelegentlich beim Spazierengehen an einer Kirche vorbeikomme und dabei Leute sehe, die von einem Gottesdienst herauskommen, kommt bei mir beim Anblick dieser traurigen, verkniffenen Gesichter jedes Mal der Gedanke auf: Bitte, bitte, bitte -- liebt mich nicht so, wie ihr euch selber liebt!!! Geht lieber in einen Park oder eine Kneipe als in eure kalte, dunkle Kirche.


    Natürlich gibt es auch in Gemeinschaften, in denen der Großteil der Menschen Buddhisten sind Probleme, das dürfen wir aber in keinem Fall zu einer qualitativen oder quantitativen Gleichsetzung mit anderen Religionen ausarten lassen. Ganz konkret, im Moment gibt es einen Krieg in Europa - die einzigen Waffen, die dort benutzt werden, die nicht von einem Pfaffen oder Popen gesegnet wurden, dürften aus den Niederlanden und aus Deutschland stammen.


    Und zum Thema Myanmar - die Probleme dort sind zu 100% auf den britischen (englischen) Imperialismus zurückzuführen, der zu jedem Zeitpunkt die volle Unterstützung der britischen (englischen) Staatskirche hatte - die perverseste Form organisierter Religion - die Staatskirche!

    Wenn ich nicht genau wüßte, daß Dir klar ist, daß diese Art der Betrachtung nicht nur nicht-buddhistisch, sondern ausgesprochen anti-buddhistisch ist, würde ich den Dialog jetzt abbrechen. Ich nehme aber einmal an, daß es Dir darum geht ein wichtiges Thema weiterzuführen und daß Du deshalb zu einer kleinen Provokation bereit bist.


    Ich antworte mit den Worten des Buddha


    Quote

    »Aus diesem Grunde eben, Kālāmer, haben wir es gesagt: Geht, Kālāmer, nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters! Wenn ihr aber, Kālāmer, selber erkennt: 'Diese Dinge sind heilsam, sind untadelig, werden von Verständigen gepriesen, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Segen und Wohl', dann, o Kālāmer, möget ihr sie euch zu eigen machen. Was ich so gesagt habe, wurde eben mit Bezug hierauf gesagt.

    A.III. 66 Die Rede an die Kālāmer


    Dies zum Thema, etwas Glauben zum Wohlgefallen (dem eigenen und dem der anderen)


    Ich denke, es gibt einen weiteren zentralen Fehler in Deiner Ausführung - der angemessene buddhistische Umgang mit anderen. Die Lehre ist auf persönliches Wachstum ausgelegt. Die oft verwendeten Gleichnisse von Lotuspflanzen, die zuerst Schlammschichten und dann schmutziges Wasser durchdringen müssen, um danach in der Sonne sich frei entfalten zu können, sind ein schönes Beispiel.


    Das in Deinem Text genannte wohlige Vertrauen auf eine Vatergestalt als fadenscheiniger Erklärer für Erklärungsbedürftiges steht im Gegensatz zu einer buddhistischen Betrachtung, wo es um gegenseitige Hilfe, gegenseitigen Respekt und gemeinsame Weiterentwicklung geht.


    Kalyanamitta


    Das schönste mir bekannte Beispiel wird in der Khaggavisāna-Sutta beschrieben


    Zitat

    Spiel und Vergnügen gibt's im Kreise von Gefährten, Und zu den Kindern hegt man innige Liebe. Doch Abscheu fühlend, ob der Trennung von Geliebtem. Allein mag wandern man, dem Nashorn gleich.

    42

    In Himmelsrichtung vierfach wenn man heimisch [5], Abneigungsfrei [6], mit allem stets zufrieden, Und unverzagt ertragend jede Widrigkeit [7], Allein mag wandern man, dem Nashorn gleich.

    43

    Schwer zu befriedigen sind auch manche der Asketen Und gar noch Hausner, die im Hause leben. Nicht sich bekümmernd um die Kinder anderer, Allein mag wandern man, dem Nashorn gleich.

    44

    Der Kennmale des Weltlings sich entäußernd, Wie blattentblößter Kovilāra-Baum [8], Weltliche Bande heldenhaft durchbrechend, Allein mag wandern man, dem Nashorn gleich.

    45

    Wenn einen weisen Freund man findet, Als Weg-Gefährten, edel lebend, kraftvoll, Jedwede Widrigkeiten überwindend, Mag wandern man mit ihm, beglückt und achtsam. [9]

    46

    Wenn keinen weisen Freund man findet, Als Weg-Gefährten, edel lebend, kraftvoll, Gleich einem König, der besiegtes Land verläßt
    [10]
    , Allein mag wandern man, dem Nashorn gleich.


    Sutta Nipata I.3 35-75


    Also statt Ein- und Unterordnung in einem auf Autorität und letztlich Angst und Bedrohung geprägten Modell ein gleichberechtigtes Miteinander.

    Wo sich dieses Miteinander nicht möglich ist, sollte man eher allein bleiben, statt um ein wohliges Miteinander zu erreichen die Wahrheit zu verleugnen.