Ohren zu halten bei der Meditation

There are 19 replies in this Thread. The last Post () by Aravind.

  • Wir haben vorgestern beim Yoga eine "neue" Meditation kennengelernt.

    Man sollte sich die Ohren zu halten bei der Meditation.

    Gibt es solch eine Anweisung auch im Buddhismus?

    Eigentlich geht man ja mit Geräuschen genauso um wie mit Gedanken:

    Nicht bewerten und vorbei ziehen lassen.

    Liebe Grüße
    Sherab


    "Wenn der Bodhisattva erkennt, dass die 5 Skhandas wie eine Illusion sind,

    aber Illusion nicht zu einer Sache macht und die Skhandas zu einer anderen,

    .....dann ist dies eine Übung der Weisheit, die höchste Vollkommenheit."


    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Mir war am Anfang der Urwald in Thailand immer zu laut. Aber in Wirklichkeit wurde ich nicht durch die Geräusche gestört, ich habe meinen Geist nach außen geschickt.

    Aus buddhistischer Sicht halte ich wenig von dem perfekten und ruhigen Raum für die Meditation.

    Es sind nur Besucher, wir noten sie, und verbleiben bei dem meditationsobjekt.

  • Mei, man kann es natürlich als Stütze sehen. Es ist ja durchaus legitim, am Anfang erst einmal Bedingungen zu schaffen, die dem Erreichen einer gewissen Ruhe zuträglich sind. So, wie man halt eher in einer ruhigen Ecke zu ähnlichen Zeitpunkten sitzt, und nicht unregelmäßig an immer anderen Orten in der Innenstadt... zumindest, solange man noch kein Vollprofi ist. Natürlich muss man diese Stützen dann auch abbauen, wenn man Fortschritte gemacht hat, sonst kommts zur Stagnation. Insofern - warum nicht?


    Aber ich stells mir halt schwierig vor. Da schlafen einem doch nach ein paar Minuten die Arme ein? Und wenn man Zugang zu einem ansatzweise ruhigen Raum hat, braucht man es wohl eher selten.

  • "Once there was a meditator. He loved sitting on the cushion but he got annoyed by all the things that disturbed him. The noises of the traffic outside, his neighbours talking and listening to music, dogs barking…

    at least he closed his windows, shut the curtains and took his earplugs so no no one could disturb him. But even when he shut out the whole world his annoying boss, the foolish coworkers and the argue with his wife come to chase him in his thoughts."

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht

  • Wir haben vorgestern beim Yoga eine "neue" Meditation kennengelernt.

    Man sollte sich die Ohren zu halten bei der Meditation.

    Gibt es solch eine Anweisung auch im Buddhismus?

    Eigentlich geht man ja mit Geräuschen genauso um wie mit Gedanken:

    Nicht bewerten und vorbei ziehen lassen.


    Gehört habe ich auch noch nichts von "Ohren zu halten" beim Meditieren.

    Hat man denn explizit gesagt, dass die Geräuschkulisse vermindert werden soll?


    Ansonsten gibt es im Yoga das Palmieren der Augen.

    Ich halte meine warmen Handflächen vor die Augen, damit sich diese entspannen können.


    Warum sollte dann dieses Palmieren nicht auch für die Ohren funktionieren?

    Ich könnte mir vorstellen, dass diese "Kräfte" dort ähnlich funktionieren.


    Aber genaues weiß ich leider nicht - praktiziere auch schon lange Yoga aber immer beim selben Lehrer; der grundsätzliche

    alte Techniken für die Besten hält.:)

    Doch nichts verging je, was nur einen Augen-Blick wahr war.:sunny::rose:


  • Nein, explizit wurde das nicht gesagt. Es war auch nur für eine kurze Zeit, noch nicht mal 5 Minuten, so dass die Arme nicht einschliefen. Der ganze Kurs dauert 90 Minuten und war eine Kombination aus Stärkung der Wirbelsäule und Yin Yoga.

    Liebe Grüße
    Sherab


    "Wenn der Bodhisattva erkennt, dass die 5 Skhandas wie eine Illusion sind,

    aber Illusion nicht zu einer Sache macht und die Skhandas zu einer anderen,

    .....dann ist dies eine Übung der Weisheit, die höchste Vollkommenheit."


    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Gibt es solch eine Anweisung auch im Buddhismus?

    Eigentlich geht man ja mit Geräuschen genauso um wie mit Gedanken:

    Nicht bewerten und vorbei ziehen lassen.

    Naja, Du hast Deine Frage ja schon selbst beantwortet. :)

    Das erinnert mich an einen Retreat. Am Anfang sagte mein Lehrer grinsend: Ach, ich habe übrigens X extra zu diesem Retreat eingeladen. Sie ist total erkältet und schnieft und hustet den ganzen Tag. Super für Euch alle, um Hingabe an das zu üben, was ist.

    Wie Martin1980 bemerkte, es gibt keine Ablenkungen im Außen, nur innere Reaktionen.


    Liebe Grüße, Aravind.

    PS: Bin ich eigentlich der Einzige, der gerne ein Photo der Gruppe mit zugehaltenen Ohren sehen möchte? :wink:

  • Dann hat es vermutlich mit der Geräuschkulisse nichts zu tun, lieber Sherab.

    Wenn ich meine Ohren ganz sanft mit meinen warmen Handflächen zuhalte - merke ich sofort dass die Entspannung einfließt:D

    Sehr guter Tipp!

    Doch nichts verging je, was nur einen Augen-Blick wahr war.:sunny::rose:


  • Habt ihr das mal selbst ausprobiert?


    Wenn man mit der flachen Hand die Ohren zuhält und etwas drückt, hört man die eigene Atmung viel lauter. Das dadurch wahrgenommene Atemgeräusch erleichtert das Gefühl für den Verlauf und die Tiefe der eigenen Atmung. Vielleicht war ja das der Zweck der Übung.


    Ob das buddhistisch ist, wäre mir ganz egal; was hilft, das hilft. Ein gute Atmung ist eine wichtige Voraussetzung dafür, um bei der Meditation konzentriert und wach zu bleiben.

  • was ist denn eine gute Atmung bei der Meditation?

    Die Frage kannst du dir nicht selbst beantworten? Kann ich mir nicht vorstellen ...

    Die Frage war schon ernst gemeint. Ich kenne nur Achtsamkeit auf den Atem, so wie er halt gerade ist. Die Atmung in der Meditation als gut oder schlecht zu bewerten, ist mir nicht geläufig. Deswegen dachte ich, ich habe Dich vielleicht falsch verstanden.


    Liebe Grüße, Aravind.

  • Die Frage war schon ernst gemeint. Ich kenne nur Achtsamkeit auf den Atem, so wie er halt gerade ist. Die Atmung in der Meditation als gut oder schlecht zu bewerten, ist mir nicht geläufig. Deswegen dachte ich, ich habe Dich vielleicht falsch verstanden.

    OK, jetzt verstehe ich, was du meinst.

    Wenn man die Atmung einfach nur beobachtet, wird sie meistens "gut", das gilt für den Normalfall.


    Aber es gibt natürlich auch eine hektische Atmung. Und wenn man das so läßt wie es ist, zwar gut beobachtet, aber längere Zeit hektisch weiteratmet, kann man durchaus in Muskelkrämpfen landen, auch ohne zu bemerken, woran es liegt. Man kann auch so flach atmen, daß man Kopfschmerzen bekommt oder einduselt oder Konzentrationsprobleme bekommt.

    Deshalb ist es gut, selber zu merken, wenn man etwas gegensteuern sollte. Damit meine ich keine Abwertung des eigenen Atemstromes!

    In der Gruppe würde das wahrscheinlich der Lehrer bemerken, aber einige Anfänger hier meditieren ja auch alleine.


    Also, im Normalfall regelt sich das von alleine, hat auch etwas damit zu tun, in welchem Zustand man mit der Meditation beginnt.

  • Als meine Kinder noch in der Pubertät waren und sich regelmäßig im Flur vor meiner Türe stritten, wenn ich meditierte, da hatte ich Ohropax als Meditations-Equipment an meinem Altar liegen. Ich konnte sie damit zwar noch hören, aber es zerrte nicht mehr so direkt an den Nerven.


    Das war eine wichtige Phase des Nichthandelns, die die Kinder auch mal brauchten. Ich hab damals ja täglich Streit geschlichtet, vermittelt, zum gegenseitigen Austausch von Sichtweisen angeregt, sie getrennt und damit Schlimmeres verhindert... Das ganze Repertoire haben sie genossen. Da war es für sie auch mal wichtig zu sehen: jetzt meditiert Mamma, sie eilt nicht zu Hilfe, wir sind jetzt zu dieser Zeit ganz allein dafür verantwortlich, ob es eskaliert oder nicht. Das ging. War für mich selbst auch eine wichtige Erkenntnis.


    Ohne Ohropax wäre das für mich zu schwierig gewesen, weil ich ja emotional ganz nah an den Kindern dran war.