Posts by Aravind

    Die Zeit für die Lektüre der ca. 150 Seiten ist eine sinnvolle Investition - auch, wenn (bzw. weil) sie für jemanden, der das Eingehen einer solchen Beziehung erwägt, vermutlich recht desillusionierend ist.

    Vielen Dank dafür! In Bezug auf den tibetischen Buddhismus bin ich kompletter Laie, aber die Arbeit gibt mir doch einen interessanten Einblick in die Wechselwirkung tibetischer und westlicher Kultur, mit teilweise katastrophalen und sicher unerwarteten Folgen.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Unwissenheit über die Grundlagen von Dhukka, inklusive Vergänglichkeit und bedingtem Entstehen.


    Gier und Hass stehen dafür, dass man etwas will, obwohl man es nicht bekommen kann, zum Beispiel absolute Sicherheit, stabile Beziehungen, ein tolles, ewiges, beständiges Ich. Oder dass man etwas nicht will, obwohl es außerhalb des eigenen Einflussbereichs liegt.


    Liebe Grüße, Aravind.

    Um herauszufinden, ob diese Lehre authentisch ist, brauche ich keine Buddhologen, sondern lediglich Zeit und Ausdauer zum Praktizieren.

    So ist es. Manchmal ist es aber natürlich einfacher, sich mit dem Grübeln über Texte zu beschäftigen, als sich aufs Kissen zu setzen. Textkenntnis und Kritik kann ja ganz viele Eitelkeiten befriedigen und von dem, das zu tun ist, ablenken (wie immer spreche ich aus eigener Erfahrung :) . Nur dass ich witzigerweise in Bezug auf buddhistische Texte diese Eitelkeit nicht habe; aber nur dort).


    Lustig ist natürlich der umgekehrte Fall: Schriften sind völlig nachweisbar authentisch, aber es steht nur Unsinn drin, und man prüft ihn nicht, weil: Ist ja authentisch, und man hält den Urheber für eine Autorität.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Hallo Netsrot , Torsten, schön von Dir zu hören!


    Meine Antwort kennst Du ja wahrscheinlich: Dann lass es halt und übe "nur" Bhavana.


    Dabei wirst Du vielleicht auch nebenbei herausfinden, ob Dich die Sutren wirklich langweilen, oder ob es sich um Widerstand handelt, im Sinne, wie Ellviral geschrieben hat.


    Gutes gelingen!

    Aravind.

    Deine Aussage "Rein induktives Vorgehen würde ja jede Vorannahmen oder Lehren ausschließen" entspricht genau meiner Kritik an den doktrinären Aussagen des Theravada dazu, denn man kann die Theravada-Einsichten auch als Auto-Suggestionen infolge vertrauenserweckender Belehrung verstehen.

    Du formulierst hier, wie meistens, mit großer Sicherheit und ohne jeden Zweifel. Trotzdem habe ich immer wieder das Gefühl, Du hast in keiner der beiden Richtungen längere Zeit praktiziert hast, oder? Sondern mir scheint, Du entnimmst Deine Erkenntnisse der theoretischen Analyse von Schriften.


    "Doktrinäre Aussagen des Theravada", die eine zentrale praktische Bedeutung für die Überwindung von Dhukka haben, sind die Vier Edlen Wahrheiten und der Achtfache Pfad. Und die wesentliche Aufforderung ist es, diese Aussagen in der Praxis zu überprüfen. Keine einzige dauerhafte Einsicht entsteht durch Belehrungen, sorry, das ist einfach Unsinn, das ist auch im Palikanon nicht das, was der Buddha vorschlägt. Sondern: Komm und sieh!


    An dieser Stelle möchte ich auch Dir, Helmut, etwas widersprechen. Theoretisch kann man diese Unterscheidung treffen, so wie Du es getan hast, das sehe ich auch so. Aber praktisch hat auch im Theravada die Überwindung von Anhaftungen zwei Aspekte: Anatta, also in Deinem Sinne. Aber ebenso, dass wir an externen Dingen und Kategorien anhaften, denen wir Stabilität und Sicherheit andichten, obwohl sie bedingt entstanden und vergänglich sind.


    Das wäre ja auch eine ziemliche Leistung, das Prinzip des bedingten Entstehens kompetent auf die Ich-Illusion anzuwenden, dieses Prinzip aber für den Rest der Welt in Bezug auf Anhaftungen und Dhukka auszublenden. Dem Prinzip der Bedingtheit und Vergänglichkeit ständig über den Weg zu laufen ist IMHO unvermeidlich, wenn man es erst einmal erforscht hat.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Ich glaube eher der zentrale Punkt besteht darin, dass es auf einer fortgeschrittenen Ebene eine Zusammenführung von shamata und vipashyana gibt. Die konzentrative Meditation als Vorbereitung dient wohl eher einer Beruhigung des Geistes!?

    Vor allem der Übung von Achtsamkeit, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen. Beruhigung des Geistes kann natürlich ein Effekt sein, ist aber gar nicht unbedingt erwünscht. Sonst nimmst Du Dir die Chance, in der Vipassana-Meditation dem zu begegnen, was gerade wichtig ist.


    (Wie groß dieses Risiko ist, hängt natürlich davon ab, wie erfahren man ist, von der Einspitzigkeit zu einer offenen Achtsamkeit zu wechseln. Wenn das Ziel Geistberuhigung wäre, dann ist die Chance groß, dass man damit erwas wegdrückt)


    Liebe Grüße, Aravind.

    PS: Ich war zu faul, die anderen Beiträge vorher zu lesen, und habe gerade gesehen, dass Ellviral das gleiche geschrieben hat. :)

    Oliver Petersen spricht in dem Vortrag jedoch von einspitziger Konzentration als Bedingung von Meditation (und ich verstehe hier: auch von analytischer Meditation). Oder meint er damit Shamata?

    Wie bekannt, habe ich von tibetischen Buddhismus keine Ahnung. Aber vielleicht ist mit Bedingung "vorausgehend" gemeint? So wird es im Theravada-Vipassana praktiziert. Erst Einspitzigkeit, dann Öffnung zur Vipassana-Meditation.


    Liebe Grüße, Aravind.

    Was aber nicht geht, ist dass man da Teile einfach austauscht. Und statt blau lila nimmt, statt der "Karma Familie" die "Waltonfamilie" und statt Avalokiteshvara Manjushri nimmt. Weil es sich eben nicht um beliebige Ansammlungen handelt - Warenkörbe im Supermarkt - sondern um ein System. Und System bedeutet, dass die Teile aufeinander bezogen sind.

    Das finde ich einen wichtigen Hinweis, ganz unabhängig vom Tibetischen Buddhismus. Es geht um Systeme der Entwicklung, zu denen auch Techniken gehören.


    Ich bin selbst ja eher undogmatisch, aber ich finde die Idee richtig, so weit es geht dem gewählten System zu folgen. Zumindest so lange, bis man selbst eine Intuition entwickelt hat, was im Sinne des Buddha heilsam oder unheilsam ist.


    Ich kann verstehen, dass jemanden Teile eines solchen Systems nicht gefallen. Wenn man eingehend geprüft hat, warum, und sich dahinter keine Widerstände verbergen (wieder im buddhistischen Sinne), dann sagt mir mein Bauchgefühl, dass es vielleicht doch besser sein könnte, nach einem anderen System zu gucken.


    Ich könnte mir zum Beispiel kaum vorstellen, in einer Linie zu praktizieren, in denen der Lehrer oder die Lehrerin als eine Autoritätsperson definiert ist, wie es hier mehrmals genannt wurde. Wobei ich Autoritätsperson als "maßgeblich bei der Auslegung der Lehre unabhängig von der eigenen Untersuchung und Überprüfung" übersetzen würde.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Mir ging es genauso! Von Fritjof Capra.

    Die ersten Auflagen hießen aber auf Deutsch: "Der kosmische Reigen", ab 1975, so kenne ich es, doch später wurde es auf Deutsch umbenannt in "Das Tao der Physik", so wie das Original auf Englisch schon immer hieß.

    Eine kleine Bemerkung aus dem Off: Das ist kein Wunder, das muss nicht an Dir/Euch liegen. Capra ist zwar Physiker, hat aber genauso ein, zwei spezielle physikalische Fachgebiete wie andere auch.


    Bei den Themen, in denen ich mich als Physiker gut auskenne (naja, vielleicht: damals gut auskannte: Quantenmechanik, nicht-lineare Physik, "Chaostheorie", Thermodynamik und Statistik, Erkenntnistheorie), hat er nicht mehr Ahnung als der Durchschnitt, und hat auf dem Niveau "interessierter Journalist" geschrieben, nicht als Fachmann für Physik. Vor allem letzteres, Erkenntnistheorie, ist ein ernstes Problem, wenn man behauptet, die Physik wäre nach 1900 völlig anders als vorher, und mystischen Krams darum herum konstruiert.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    So hart es klingt, Du hast überhaupt kein Leid über sie gebracht, sie ist nicht Dein Opfer. Ihr Leid entsteht durch ihre Anhaftung an eine romantische Beziehung. (So wie bei uns allen in einer solchen Situation.)


    ABER das heißt natürlich nicht, dass Du nicht mitfühlend sein sollst, und auch nicht, dass Du ihr keine Liebende Güte entgegenbringen sollst. Ob sie Dein Mitgefühl statt der Beziehung zu Dir haben willst, ist wieder ihre freie Entscheidung.


    Und natürlich erscheint es mir wichtig, @Gurkenhuts Rat zu befolgen.


    Liebe Grüße und viel Liebe Euch beiden,

    Aravind.

    Hallo Mabli ,


    gerne teile ich morgen oder übermorgen meine persönlichen Erfahrungen. Vorher würde mich aber noch interessieren, wo Du persönlich überhaupt ein Problem siehst/erwartest?


    Vorab empfehle ich gerne Anthony de Mello, Awareness. Er ist Psychotherapeut und spiritueller Lehrer und wirft einen kritischen und humorvollen Blick auf Therapie und den Weg des Erwachens. Eine spannende Frage darin: Geht es um Erleichterung, oder geht es um wirkliche Entwicklung?


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Der atman ist nicht auffindbar. Ist etwas anderes als "der atman ist nicht", auch wenn es aufs selbe hinausläuft


    Es läuft ganz und gar nicht auf das selbe hinaus, ja ist sogar ein himmelweiter Unterschied. Denn wenn Buddha gesagt hätte: "Atman existiert nicht" dann wäre es ja klar. Aber die Aussage, dass der atman nicht in den Dingen gefunden werden kann, ist ja was völlig anderes, was bedeutet, dass es atman geben muss, sonst wäre die ganze Lehrrede ja unnötig.

    Die Aussage alleine, es gibt kein atman, es gibt kein unveränderliches, unbedingtes Selbst, ist ja relativ theoretisch, weil unser Alltagsempfinden sagt: Doch! Deshalb ist es sehr sinnvoll zu sagen: In den Skandhas gibt es kein atman zu finden. Vor allem, weil man das ja als Anleitung lesen kann und sollte, das nachzuprüfen. Wenn Du Deine Gefühle betrachtest und analysierst, findest Du da ein Selbst, das unbedingt und unveränderlich ist? Wenn Du Deine Empfindungen betrachtest, ...


    Natürlich findest Du da Gedanken und Erinnerungen, die ein Selbst konstruieren. Und einen Körper, den Du Selbst nennst. Aber sie sind nicht unbedingt und unveränderlich. Und Du stehst nur in Beziehung zu ihnen, aber sie gehören Dir nicht. Sonst könntest Du Deinen Schmerzen und Deinen Gedanken einfach sagen: Schluss jetzt!


    Dann bleibt nur noch der letzte Schritt: Gibt es eine andere Instanz als die Skandhas? Auch das kann man überprüfen: Immer, wenn ich denke, es gäbe ein Selbst, besteht es zusätzlich zu den Skandhas, oder ist es am Ende doch wieder "nur" eine Empfindung, ein Gefühl, ein Gedanke?


    Liebe Grüße und viel Spaß beim erforschen!

    Aravind.

    So sehr manche vielleicht argumentieren würden, dass das bis zu einem gewissen Grad "menschlich" ist, fällt es mir dennoch schwer, da es in so krassem Widerspruch zu Metta bzw. Gleichmut steht und bereits das Wort konträr zu den Idealen und Werten der buddhistischen Praxis ist.


    Könnt ihr aus eurer Erfahrung etwas empfehlen, was in diesem Fall hilfreich sein könnte?

    Du hast die Frage doch schon beantwortet: Metta mit Dir und Deiner Schadenfreude, und anderen gegenüber.


    Das vermindert mit der Zeit auch das Überlegenheitsgefühl, das da mitschwingt.


    Liebe Grüße, Aravind.

    Von daher denke ich soll man sich nicht nur mit der einen - als negativ empfundenen Gewissensregung auseinandersetzten sondern auch mit den anderen Emotionen - dem Stolz der Gewissenhaftigkeit und der Treue zu den hehren Idealen. Diese fühlen sich positiv an.

    Und der Angst vor Kontrollverlust, wenn man nicht den Idealen folgt, möchte ich noch ergänzen.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Im Theravada wird es so dargestellt als würde es ein entweder oder geben. Entweder Achtsamkeit auf den Körper oder die Gefühle etc.

    Nicht im allgemeinen. Die Vipassanameditation funktioniert ja gerade unabhängig von der Kategorie dessen, was gerade auftaucht. Ob Empfindungen, Gefühle, Wahrnehmungen, egal. Alles, was kommt, ist willkommen.

    "Wahrscheinlich fallen meine Zitate ebenso in diese Kategorie…."


    Ja und nein. Es handelt sich sicher um Formulierungen, die man oft im Abreißkalender-Buddhismus findet. Aber sie lassen sich IMHO zu 100 % aus den Vier Edlen Wahrheiten ableiten (zweite und dritte Wahrheit). Wenn man aber weder weiß, was Anhaftungen sind, noch, was loslassen im buddhistischen Sinn bedeutet, sind die Aussagen alleine zu nichts wirklich zu gebrauchen.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Mich hat das Universum überzeugt, als ich gesehen habe, dass negatives Karma zu einer Entscheidung führt und nicht direkt zu einer negativen Folge. Jedenfalls erkenne ich da, dass da keine Polarität ist - also keine Gegensätze (Gut zu Schlecht sondern ich meine, Gut zu 1:1 (Entscheidung) ).

    Ich finde, dieser scheinbare Widerspruch löst sich sofort auf, wenn man nicht gut und schlecht, positiv/negativ, sondern heilsam und unheilsam im buddhistischen Sinne verwendet.


    Heilsame Gedanken und Taten führen zu mehr heilsamen Gedanken und Taten. Und umgekehrt. Das gefällt mir etwas besser als @Sudhanas trockene Definition, fällt aber komplett darunter.


    Und ein wichtige Folge des abhängigen Entstehens scheint mir, dass wir die Wirkung unserer Handlungen weder komplett steuern noch vorhersehen können. Dazu gibt es ja eine Menge buddhistischer Geschichten. Insofern bleibt die einzige sichere Eigenschaft einer heilsamen Handlung diese heilsame Handlung selbst. Sie kann andere motivieren, auch heilsam zu handeln, oder sie kann sogar Aggression erzeugen. Weiß man nicht.


    Wie wäre negatives Karma oder negative Folgen von Handlungen denn definiert?


    Liebe Grüße,

    Aravind.