Posts by Aravind

    Aber "praktizieren" überzeugt mich als Alternative dann auch nicht, ein Arzt oder Anwalt praktiziert, das ist halt der Job. Es klingt etwas bürokratisch, nicht nach etwas was man für sich macht.

    In meinem Umfeld benutzen viele 'praktizieren'. Da die Muttersprache meines Lehrers Englisch ist, handelt es sich dabei um die Eindeutschung von 'to practise', was in dem Kontext 'üben' heißt.


    Liebe Grüße, Aravind.

    Punk ich hab das Gefühl du bleibst am Begriff „üben“ zu sehr hängen. Letztlich ist es eine mögliche Übersetzung von Bhavana alternativ wären auch praktizieren oder pflegen, welche weniger die Konnotation eines „Versuchs“ mitführen.

    Ja genau.

    Den Begriff Üben verbinde ich mit Dressur, Anstrengung, Verbissenheit indem man den Geist von aussen in eine bestimmte Richtung zwingen will.

    Dabei wäre es viel heilsamer den Geist von innen heraus zu entwickeln.

    Interessant, wie Sprache bei verschiedenen Menschen wirkt, je nach persönlichen Erfahrungen und Geschichte.


    Das, was Du beschreibst, würde ich mit "einüben" verknüpfen. Üben heißt für mich: "Ich kann es noch nicht, das probiere ich immer wieder aus." Ohne Anstrengung und Verbissenheit, weil es kein Makel ist, es noch nicht zu können. Wohl aber mit Entschlossenheit.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Mal abgesehen davon, dass solch eine Aussage mit "müssen" zu formulieren unangemessen ist, wenn man nicht gerade in einer Obdachlosenunterkunft arbeitet, ist das ein Vergleich von Äpfel mit Birnen.

    Finde ich nicht. Das ist ein klassischer Strohmann: Man erfindet etwas, was fern der Realität ist, um sich dann darüber aufzuregen.


    Dass keiner mehr weiß, wer er ist, halte ich für eine sehr unwahrscheinliche Utopie,

    Genau, noch ein Strohmann. "Ich darf nicht so sein, wie ich bin.".


    Interessant, dass das Verständnis oder auch nur der Gleichmut gegenüber Menschen, die in einem Aspekt anders sind, sofort als Bedrohung für die eigene Identität wahrgenommen wird. Klingt nach tiefer Unsicherheit in der eigenen "Normalität".


    Liebe Grüße,

    Aravind.




    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Aravind ein sowohl als auch. Alle sind einfach und alle sind schwierig. Damit bliebe es mir offen für wen ich mich entscheide. Aber ich glaube ich habe jetzt eine Entscheidung getroffen.

    Da haben wir uns nicht richtig verstanden. "Einfach" bedeutet, dass es Ansätze gibt, die einfache, leicht zu erlernende Techniken zu einem System zusammenfassen. Der Weg ist aber trotzdem nicht leicht, und bedarf Ausdauer und Durchhaltevermögen.


    So wie mit Rauchen aufhören. Der Grundsatz ist einfach: Die nächste Zigarette nicht rauchen. Der Weg ist ein langer, dies auch zu tun.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Ich habe es so verstanden, dass Upekkhā vor allem ein Zustand ist - nämlich ein ausgeglichener Zustand ohne viel Zuneigung/Begierde oder Abneigung /Wut.

    Genau. Um es platt auszudrücken: Gleichmut hat man, in Geduld "übt" man sich, das ist eine bewusste oder unbewusste Tätigkeit.


    Wenn man gerade nicht gleichmütig ist, kann einem diese Erkenntnis zusammen mit dem aktiven üben von Geduld zu mehr Gleichmut verhelfen.


    Ein Analogon wäre Achtsamkeit. Achtsamkeit ist ein allgemeiner Zustand. Die Übung auf der Konzentration ein Objekt kann einem da hin führen.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Die Achtsamkeit alleine ist fü mich im Moment nicht stark genug...

    Das ist nicht ungewöhnlich, das geht mir auch so. Deshalb übt man in vielen Richtungen Achtsamkeit *und* Metta (liebende Güte). Gerade, um wirklich zu akzeptieren, dass alles vergänglich ist, brauchen die meisten viel 'Ausgleich'.


    Um meinen Lehrer zu zitieren: Mit Achtsamkeit erkennen wir, mit Liebe akzeptieren wir.


    Demnächst gerne mehr, hab leider gerade wenig Zeit.


    Liebe Grüße, Aravind.

    Hallo Mentus, meine Notfallmethoden

    (1) Ganz schnell, Körperscan. Wenn ich sehr angespannt bin, dann auch geführt. Zum Auftakt in einen Spiegel gucken und mir zulächeln hilft mir sehr, mich wieder mit der Welt zu verbinden.


    (2) Körperscan auf Papier. Wo fühle ich mich am angespanntesten? Wie fühlt sich das körperlich an? Welche Konsistenz, Farbe?

    Außerhalb dieser Region, was gibt es in meinem Körper noch? Was kann der Teil und mein Geist und mein Herz dem angespannten Teil geben? (Gesehen werden Verständnis, Zuwendung, ...)


    (3) Prophylaxe neben meiner Praxis: Täglich bewegen. Mindestens zwei mal im Jahr länger wandern gehen.


    Lieber Grüße., Aravind.

    Hey Tim.


    Ich habe jahrelang unter einem cholerischen Chef gelitten. Heute denke ich, dass dabei nicht der Chef das größte Problem war, sondern die Tatsache, dass ich die Angriffe und Ungerechtigkeiten persönlich genommen habe. Zum Psychokrieg gehören immer zwei.

    Das denke ich auch. Und gleichzeitig kann es sehr ungesund sein, das auf Dauer mitzumachen. und auszuhalten.



    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Hallo Ewald,


    Diese Flut an Belehrung war ja zu erwarten, da besonders in Deutschland die buddhistisch Interessierten vehement an den buddhistischen Lehren festhalten,

    Sorry, das ist einer der lustigsten Sätze, die in letzter Zeit hier gelesen habe. Das ist so, als wenn jemand zu mir sagen würde: "Hätte ich mir ja denken können, dass Du mit Strömungsmechanik und Gravitation kommst, wenn ich Dich als Physiker nach Flugzeugen frage." Noch dazu, wo Dir hier vor allem Menschen geantwortet haben, von denen ich weiß, dass sie auf eine jahrelange *Praxis* zurück blicken, und eben nicht an den Formulierungen der Schriften haften.


    Deine Erfahrungen interessieren mich aber sehr. Was genau am Kapitalismus hindert Dich, rechte Achtsamkeit zu üben? Und warum meinst Du, rechte Achtsamkeit "einhalten" zu müssen? Das klingt für mich nach einem Anstrengungsprogramm. Das ja grundsätzlich zum Scheitern verurteilt ist, mindestens, so lange man nicht erwacht ist. So kenne ich den Übungsweg des Buddha nicht.


    Oder haben wir verschiedene Definitionen, was *rechte* Achtsamkeit heißt? Das "rechte" bedeutet für mich: Achtsamkeit ohne den Wunsch nach Kontrolle, ohne Wertung, ohne Anhaftung zu fördern. Nennt man das im Zen nicht Anfängergeist?


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Finde ich eine hervorragende Frage! Es ist ein (immanentes) Ziel der Praxis, diese zu beantworten. Wer ist "er"? Was ist das, das wir "selbst" nennen?


    Was bedeutet Anicca und Anatta wirklich für mich, ganz konkret und ohne philosophischen Überbau?


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Rechte Achtsamkeit nur möglich ist in einem Zustand frei von Verlangen und Betrübtheit der Welt. Wie aber kommt man am besten in diesen Zustand ? ist eine Notwendige Voraussetzung ?

    Sicher nicht. Nicht umsonst sind die Worte des Achtfachen Pfades formuliert als "Ich übe mich in ... rechter Achtsamkeit".


    (Oder wäre es vielleicht besser mit den 5 Hindernissen anzufangen. Dort wird gerade andersherum vorgegangen . In der Meditation geht es darum zu verstehen wie Verlangen , Gier , übelwollen etc. überhaupt entsteht ohne es zu verdrängen.)

    Genau. Das ist ja weder ein entweder-oder, noch ein vor-und-danach.



    Liebe Grüße und fröhliche Sammlung!

    Aravind.

    Meinst du das in dem Sinn dass man die Zeit nutzen sollte, nicht vergeuden sollte? Gesünder leben, achtsamer handeln bzw. achtsam bestimmte Handlungen unterlassen?

    Ich meinte im Sinne, wie Helmut geantwortet hat:

    Rein intellektuell den Tod zu verstehen ist nicht sonderlich schwierig. Niemand wird sagen, dass er nicht sterben wird in der Zukunft. Aber dabei wird es meist belassen.


    Die Tatsache, dass es ungewiss ist, wann man sterben wird, wird dann doch meist schnell verdrängt; heute nicht, morgen bestimmt auch nicht usw.

    Den Unterschied zwischen "kennen" und "können".


    Um Dinge wie Vergänglichkeit zu wissen. ist leicht. Sich so zu verhalten, seine ganzen alten Geschichten und Überzeugungen, die auf der Ablehnung von Vergänglichkeit beruhen, loszulassen, ist nicht leicht und kann dauern. Vergänglichkeit anzuerkennen und so zu denken und zu handeln, das zeigt sich sicher bei jedem und jeder anders.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    So einfach ist das? Warum leiden dann die Menschen trotzdem, obwohl jeder erkennt, dass Altern und Tod stattfindet bzw stattfinden wird?

    Ich misch mich mal ein, weil ich das sonst auch immer sage:


    Ja, so einfach ist das. Aber niemand hat was von "leicht" gesagt. Ich denke, der Unterschied ist: Jeder *weiß*, dass Altern und Tod stattfinden, aber dieses zu *erkennen*, ist meist ein weiter Weg.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Wo siehst du einen Unterschied zwischen im Moment sein und Müll runtertragen?

    Für mich besteht nur ein Unterschied, ob man präsent beim Müll runter tragen ist oder ganz woanders.

    Meine Achtsamkeit jenseits des Kissens lässt oft zu wünschen übrig. Aber meine Lieblingsübung ist achtsames Spülmaschine ausräumen.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

    Dein Text ist doch ein gutes Beispiel.

    Soweit ich das verstanden habe ist das persönliche Bewusstsein Illusion oder wie ist das nochmal zu verstehen ?

    Die Illusion ist, dass dieses persönliche Bewusstsein stabil ist. Alles, was Du beschrieben hast, finde ich richtig, aber es ist auch komplett im Wandel. Schreibst Du ja auch: Erlebnisse, Erfahrungen, Erkenntnisse verändern uns ständig.


    Liebe Grüße,

    Aravind.